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Tom Buhrow: "Wir müssen die große Reform wagen, jetzt"

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Man könnte es aber auch so verstehen wie es dasteht:
Wenn sich der ÖRR auf Programme mit Zielgebiete in mindestens regionaler Größe oder größer beschränkt, dann kann sich werbefinanzierter Lokaljournalismus sowie Lokalhörfunk/rundfunk erst richtig entfalten.
Das ist doch aber, mit Verlaub, Unsinn. Wir wollen den ÖR "zurückdrängen", weil er den Privatfunk in allen Bereichen "behindert". Aber beim eigentlichen Journalismus soll der ÖR dann förderlich für die privaten Anbieter sein? Sorry, aber in welcher Welt leben die? Ich halte das für schlichtes Wunschdenken, der mit der Realität nur wenig zu tun hat.
Warum gehst Du nicht auf die konkreteren und weniger missverständlichen Punkte ein, die da wären
Kann ich gerne tun. Das Meiste davon ist ein Stück weit leicht populistischer Schmarn, was man bei der FDP wahrscheinlich aber auch weiß.
Zum Punkt 1: Kein Einwände. Allerdings müßte man diesen Info- und Bildungsauftrag mal klarer definieren, wofür erstmal die Politik zuständig wäre und nicht der ÖR selbst.
zu Punkt 2: Die Digitalstrategie ist man gerade dabei zu "sanieren". Eine gemeinsame Mediathek von ARD und ZDF ist bekanntermaßen in Arbeit. Die Formulierung mit der "klaren Aufgabenverteilung von bundesweiten und regionalen Inhalten innerhalb des ÖRR" finde ich zumindest merkwürdig, denn die ist seit Urzeiten gegeben. Alle grasen fast immer nur in ihrem eigenen Sendegebiet. Der Austausch von Programminhalten untereinander ist dabei seit Ewigkeiten normal.
Das Einzige was tatsächlich noch effizienter gestaltet werden könnte, wären die Verwaltungsstrukturen.
Der Punkt 3 ist schlichter Populismus. Das aktuell eine Beitragserhöhung aus verschiedensten Gründen nicht statthaft wäre, ist usus, keine Frage. Aber: Allein die momentan galoppierende Inflation mit ihren teils erheblichen Preissteigerungen dürfte deutlich zur Vernichtung der Einsparbemühungen beitragen. Dann auch noch von Gebührungen-Senkungen zu träumen, finde ich schon ziemlich, na sagen wir mal frech.
Der Punkt 4 ist richtig. Allerdings sind wir da wieder bei der Politik. Das was rechtlich geht, wird halt auch gemacht, siehe die Mietzuschuss-Nummer der neuen rbb-Intendantin. Es ist an der Politik dort entsprechende Einschränkungen zu schaffen. Konkrete Vorschläge der FDP dazu? Fehlanzeige.
Zu 5. konkretere Kontrolle auch durch Externe - keine Einwände.
zu 6. siehe Punkt 3. Die Abschaffung der Werbung wäre zwar wünschenswert, sie würde aber halt auch eine durchaus relevante Einnahmequelle beseitigen, was wiederum eine Schwächung des ÖR bedeuten würde, ob man das nun will oder nicht. Andersrum betrachtet könnte man es aber auch sarkastisch formulieren: Da sich eh alles mehr und mehr aufs Netz verlegt, löst sich dieses "Problem" von selbst, da die ÖRs dort explizit keine Werbung machen dürfen.

Kurzum: Über die Punkte 1 und 6 kann man diskutieren. Der Rest ist mehr oder weniger Phrasendrescherei. Zu wenig Konkretes, zu viele Allgemeinplätze - halt typisch FDP.
 
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Der Punkt 3 ist schlichter Populismus. Das aktuell eine Beitragserhöhung aus verschiedensten Gründen nicht statthaft wäre, ist usus, keine Frage. Aber: Allein die momentan galoppierende Inflation mit ihren teils erheblichen Preissteigerungen dürfte deutlich zur Vernichtung der Einsparbemühungen beitragen. Dann auch noch von Gebührungen-Senkungen zu träumen, finde ich schon ziemlich, na sagen wir mal frech.
Sehr guter und fundierter Beitrag @Radiokult
Die nächste Zeit wird es keinerlei Gebührenerhöhungen geben. Da bin ich mir einigermaßen sicher.
Das Thema ist für die ÖRR wegen der aktuellen Lage mit Inflation, Energiekrise etc und auch etwas wegen der Causa Schlesinger (und so einem peinlichen Eigentor wie Mietzuschuss für Vernau) auf Jahre einfach durch. Auch wenn der eine oder andere ÖRR auf dem Zahnfleisch daher kommen sollte. Mehr Gebühren werden sie nicht kriegen.
 
wie in Frankreich über Steuern zu finanzieren.
Warum auch nicht, eigentlich? Wenn es dann wieder heißt, dass dies die Unabhängigkeit des ÖR gefährdet: Die Unabhängigkeit ist auch beim Gebührensystem gefährdet, die Parteien mischen immer mit, unter anderem mit diversen "Freundeskreisen", welche Mehrheiten herstellen sollen, wie es beim ORF in Österreich bei der Wahl des Generaldirektors noch immer "bestens" funktioniert. Auch sind die Parteien in den Gremien vertreten, werden immer wieder versuchen, "eigene" Leute zu installieren. Dann sitzen Leute wie Malu Dreyer und Markus Söder z.B. im ZDF-Verwaltungsrat. Beim Bayerischen Rundfunk wird man selten etwas Kritisches über die CSU hören, auch heute noch nicht, obwohl ein Sigmund Gottlieb nicht mehr in Amt und Würden ist......
 
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Wo soll denn der Unterschied sein, ob der ÖRR über Steuern oder über einen Beitrag bezahlt wird? Es unterscheidet sich lediglich die Höhe des einzelnen Beitragszahlenden aufgrund des eigenen Einkommens. Zahlen tun es am Ende dieselben. Nur habe ich die Diskussion von den Gegnern der Beitragszahlung nie als soziale Diskussion wahrgenommen, sondern - meiner Meinung nach - nur als Absicht einer Schwächung des ÖRRs. Das kann aber aus Demokratiesicht keine wirkliche Option sein.

Jedoch ist der Zugriff der Parteien über Steuern unmittelbarer als über den Beitrag und den Gremien. Föderalismus und andere gesellschaftliche Gruppen helfen da (über die grundsätzliche ähm -zweifelhafte - Zusammensetzung der Gremien sollte man allerdings diskutieren). Also aus meiner Sicht alles nur ne Scheindebatte.
 
Warum keine Finanzierung über Steuern? Weil dieser Finanzierungsweg einen wesentlich direkteren und schnelleren Zugriff der Politik auf die Finanzausstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks - und damit auf seine Existenzgrundlage - hat, als über das derzeit praktizierte Modell des Rundfunkbeitrages (mit dem ich auch alles andere als glücklich bin, weil es eben die individuelle finanzielle Leistungsfähigkeit der Menschen nicht berücksichtigt). Damit würde der öffentlich-rechtliche Rundfunk unmittelbar inhaltlich erpressbar, was derzeit nicht in diesem extremen Maße möglich ist.

Ein solcher schneller Eingriffsweg mag in gesellschaftlichen "Schönwetterzeiten" vielleicht als nicht bedrohlich angesehen werden und möglicherweise auch nicht bedrohlich sein, wir leben aber nicht in solchen Zeiten. Wir leben in Zeiten der offenen Kriegserklärung gegen zumindest formal von der Politik unabhängige öffentlich-rechtliche Medien, wir leben in Zeiten massiver Manipulation und Hetze zum Zweck der Zersetzung der Zivilgesellschaft auf vor allem "neuen" Informationskanälen, wir leben in Zeiten eines internationalen und auch nationalen (Des-)Informationskrieges. Da können wir nicht auch noch einen direkten Durchgriff auf die Grundfinanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gebrauchen. Gerade jetzt noch weniger als jemals zuvor.

Natürlich gibt es auch heute den politischen Einfluss und gab es ihn schon vor Jahrzehnten, natürlich sind Intendantenwahlen politisch gesteuert worden, leider gab es in Folge dessen dann auch Umwälzungen im Programmangebot. Hier hat das bisherige System versagt - aber nicht über die Finanzierung, sondern über die Kontrollgremien der Anstalten und das dort offenbar wenig bis kaum existierende Bewusstsein für die Bedeutung der Arbeit dieser Gremien. Sehen wir ja seit Sommer auch auf einem anderen - nämlich dem finanziellen - Spielfeld beim rbb.

Wir können nicht die angeblich versagenden Gremien kritisieren, die offenbar alles "durchwinken" und damit ihre Aufgabe als Vertreter eines möglichst breiten Spektrums der Zivilgesellschaft vernachlässigen, und auf der andern Seite gleichzeitig fordern, über eine Steuerfinanzierung einen direkten Einfluss der Politik auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu installieren.

Paul Kirchhof hat dazu 2010 - in einem allerdings von ARD, ZDF und D-Radio in Auftrag gebenenem Gutachten - formuliert:

Die Finanzverfassung trennt die Steuergesetzgebung (Art. 105 GG) strikt von der Haushaltsgesetzgebung (Art. 110 GG), um dem Steuerzahler nicht wegen seiner Steuerzahlung einen vermehrten Einfluss auf die demokratische Willensbildung zu geben, dem Haushaltsgesetzgeber bei seinen Ausgabenentscheidungen hingegen eine innere Unabhängigkeit und Souveränität zu wahren[58]. Das Rundfunkverfassungsrecht kennt ein noch strengeres Trennprinzip: Die allgemeine Rundfunkgesetzgebung ist von der Festsetzung der Rundfunkabgabe zu trennen, um Risiken einer mittelbaren Einflussnahme auf die Wahrnehmung des Programmauftrags auszuschließen und damit die Programmfreiheit der Rundfunkanstalten zu sichern. Programmentscheidungen haben finanzielle Voraussetzungen, Finanzentscheidungen programmliche Konsequenzen. Deswegen können Entscheidungen zur Finanzausstattung indirekt die Erfüllung des Rundfunkauftrags beeinflussen. Die Trennung beider Gesetzgebungsarten soll gegenläufige Vorkehrungen gegen eine finanzielle Verfremdung der Rundfunkfreiheit treffen.

und weiter:

Der Gesetzgeber darf zwar freiheitskonforme medienpolitische und programmleitende Entscheidungen treffen. Ort und Ausdruck dieser Entscheidung ist aber die Rundfunkgesetzgebung. Die Abgabengesetzgebung hat sich jeder Art der Programmsteuerung zu enthalten, darf insbesondere nicht durch eine Entscheidung über Zeitpunkt, Umfang, Intensität oder Geltungsdauer der Abgabe Programme oder die Entwicklung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten lenken[59].

[59] BVerfGE 90, 60 (93 f.) – Rundfunkstaatsvertrag 1982; 119, 181 (221) – Achter Rundfunkänderungsstaatsvertrag.

Als juristischer und staatsrechtlicher Laie kann ich dem insgesamt nur zustimmen. Es muss freilich auch unter dieser den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in seiner Existenz und Unabhängigkeit schützen wollenden Konstruktion sichergestellt sein, dass die über Programminhalte wachenden Instanzen eine ordentliche Arbeit leisten.
 
@sendezentrum #155: Gute Erklärung für den Sinn einer ÖR-Finanzierung via "Steuer" statt "Rundfunkbeitrag" als Zwangs-Abgabe:
Jedoch ist der Zugriff der Parteien über Steuern unmittelbarer als über den Beitrag und den Gremien. Föderalismus und andere gesellschaftliche Gruppen helfen da (über die grundsätzliche ähm -zweifelhafte - Zusammensetzung der Gremien sollte man allerdings diskutieren). Also aus meiner Sicht alles nur ne Scheindebatte.
Die ÖR sind überfinanziert. Was gibt es da für 'von Freundeskreisen' unterwanderte Hierachien? - Zur Finanzierung hat man sich die KEF als 'Kontroll'-Gremium installiert: "Cool!" - "Ein Bock als Gärtner!"
 
Ein Verwaltungsrat verwaltet, wie es der Name schon sagt. Der kümmert sich um Finanzen, Etats und anderen Verwaltungskram. Einen direkten Einfluß auf die Programmgestaltung hat er nicht. Man erinnere nur an die Causa Nikolaus Brender im ZDF. Damals wurde die Zusammensetzung der Gremien zum ersten Mal ziemlich "durchgewirbelt".
Wenn müßte man über die Zusammensetzung des Fernsehrates beim ZDF diskutieren. Da dieser allerdings aus 16 (politischen) Vertretern der Länder plus 2 des Bundes besteht, welchem wiederum 42 Vertreter aus Religion und weiteren gesellschaftlichen Gruppen gegenüberstehen, ist die Chance gering, dass eine politisch motivierte Einflußnahme auf das Programm tatsächlich auch Erfolg hätte. Die insgesamt 18 politischen Vertreter im Fernsehrat gehören zudem ja auch noch verschiedenen Parteien an.
Bei den Rundfunkräten der einzelnen ARD-Anstalten ist es ähnlich. Auch da sind die politischen Vertreter der verschiedenen Parteien in der Unterzahl.
Was vielleicht tatsächlich hilfreich wäre, ist eine stärkere Kontrolle und Überwachung durch externe Berater- oder Expertengruppen.
 
Die ÖR sind überfinanziert.

Kurze Frage an den Dauernörgler aus Hannover: Wenn ihr euch (und damit meine ich einen kleinen lauten Kreis an Foristen, die offenbar nicht vom Fach sind) da alle so sicher seid, dass die KEF ihre Aufgabe nicht erledigt oder das ganze Verfahren nicht konform ist und die Anstalten nach eurem Gefühl zu viel Geld haben... warum gibt es dann bis heute kein Gerichtsurteil, was das festgestellt hat? Warum klagen solche Leute wie ihr nicht "endlich mal" für ihr vermeintliches Recht? Weil ihr nämlich ständig nur den selben Mist wiederholt, der der juristischen Realität nicht standhält. Weil ihr nur meckern und eure eigene "Meinung" raushauen wollt, aber keine Fakten habt. Ist das nicht ziemlich ermüdend, immer und immer wieder den selben Stuss rauszuhauen?
 
@muted: Was muß denn noch so "rauskommen", bis auch du feststellst, daß der öffentlich-rechtliche Rundfunk überfinanziert ist? Für die Freien und die Beschäftigten in irgendwelchen Sub-Sub-Firmen tut es mir leid, die können nichts dafür. Sie zahlen aber die Zeche dafür, daß an anderer Stelle (Wasserkopf) das Geld zum Fenster hinaus geworfen wird.
 
Du hast leider den wesentlichen Teil meines Zitats vergessen:
Einig: Ich gehöre mit zur Fraktion, die den ÖRR NICHT schwächen will! - Das Beispiel RBB zeigt aber den Blick in den Abgrund, in den Sumpf, der sich mit der Finanzierung via Zwangsgebühren und der Zwangs-Abgabe "Rundfunkbeitrag" entwickelt hat. "Die Parteien" haben sich den ÖRR zur Beute gemacht, die Gremien infiltriert, ... Deine Idee: "ÖRR über Steuer finanzieren!" wird heiß diskutiert; das könnte aber auch für mehr Transparenz sorgen. - Das System mit KEF als Strohmann-Schein-Contolling-Gremium kann es nicht sein. Auf lange Sicht hoffe ich auf eine geänderte Rechtsprechung des BVerfG: Die berühmten Rundfunkstaatsverträge müssen grundlegend überarbeitet werden.

Warum klagen solche Leute wie ihr nicht "endlich mal" für ihr vermeintliches Recht?
Tja, @muted DU hast also den Stein der Weisen in der Tasche, bist im Besitz der absoluten Wahrheit? - Grüße aus Hannover, aber als NICHT-ÖR-Insider kann ich nur aus der Sicht eines Radiohörers argumentieren.


Weil ihr nämlich ständig nur den selben Mist wiederholt, der der juristischen Realität nicht standhält.
Mist? - Zum Klagen vor dem BVerfG braucht es - juristisch - echte Betroffenheit . Mir fehlt das Kleingeld mir da so eine Klatsche der Klageabweisung zu holen. "OpenPetition" ist auch ein wenig versprechender Weg. - Hm, "Rundfunk ist Ländersache!" - Auf die Ochsentour gehen, in eine Partei eintreten und mich in den Landtag wählen lassen? - "Zu spät!"
 
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Martin Hufner in der "neuen musikzeitung" 12/2022 zum Thema dieses Threads:

Das Problem des ÖRR ist nicht eine fehlende Reformwilligkeit oder der Mut zur Revolution, sondern die rücksichtslose Aufgabe dessen, was seine Kernaufgabe ist: frei von politischen Gefühlslagen oder privatmenschlichen Wünschen eines Intendanten für gute, fundiert recherchierte Informationen sowie Bildung und Unterhaltung unabhängig von den Launen der Mode oder des Marktes zu sorgen. Eine Mindestversorgung mit einem hochexzellenten Streichquartett plus Vuvuzela-Ensemble wird da nicht ausreichen.

Der ganze Text hier:

 
Ich gehöre mit zur Fraktion, die den ÖRR NICHT schwächen will!
Der ÖR schwächt sich selbst, auf der einen Seite durch die Dinge, die er - den "Launen und Moden des Marktes folgend" tut, auf der anderen Seite durch Dinge, die er unterlässt. Dieser Satz aus dem oben von @IG74 verlinkten Zitat bringt es perfekt auf den Punkt:
... die rücksichtslose Aufgabe dessen, was seine (ÖR) Kernaufgabe ist: frei von politischen Gefühlslagen oder privatmenschlichen Wünschen eines Intendanten für gute, fundiert recherchierte Informationen sowie Bildung und Unterhaltung unabhängig von den Launen der Mode oder des Marktes zu sorgen.
 
Der oben genannte Martin Hüfner hat es in einem Artikel in der "nmz" von 2018 schon einmal etwas "härter" formuliert.

Die Intendanten und Rundfunkräte der ARD haben die Bodenhaftung verloren. Sie entscheiden nach Maßgabe irgendwelcher angeblich professioneller Beratungsunternehmen und damit oft gegen die sicheren Instinkte ihrer (engagierten) Hörerinnen. Damit verlieren sie aber – und das ist das Tragische daran - zugleich die Verfechter eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks an ihrer Seite.

Die Feinde des ÖRR sitzen in den Anstalten, nicht nur, wie immer so schön behauptet wird, bei Springer und Bild. (Selbstverständlich hauen die auch gern mit dem Knüppel auf den Sack.) Sie selbst bringen den ÖRR durch ihr Handeln in Verruf, schießen ihn praktisch "sturmreif". Und genau das wird letztendlich passieren, weil sich auch nach dem "rbb-Skandal" nichts ändern wird. Das zeichnet sich schon ab. Eigentlich sind die anderen Anstalten doch froh, daß der rbb als "Blitzableiter" fungiert. Okay, der bayerische Rechnungshof hat den BR letztens massiv angezählt, beim NDR läuft auch nicht alles rund, der mdr ist durch seinen Ex-Unterhaltungschef gerade wieder in den Schlagzeilen. Geschenkt - alles Peanuts. Aber wer möchte grundsätzlich widersprechen?

 
Jeder versucht, sich selbst zu retten.
Was Herr Buhrow von sich gibt, ist eine Ohrfeige für die kleingehaltenen freien Mitarbeiter und die Qualität der abgelieferten Arbeit. Man kann nicht mit solchen Gehältern das Modell „Subunternehmertum“ bei den eigenen Leuten anwenden und die dann auch noch Tag und Nacht am Laufen halten. Mit der frechen Qualitätsmesslatte. Eher kommt in seinen Aussagen die verkommene Moral, wie sie anderswo auch zu erkennen ist, zum Ausdruck.
Als Verfechter guter Gehälter für gute Leistungen muss man gerade mit den Leistungen Vorbild sein:
 
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Die rundfunkrechtliche Möglichkeit dafür ist noch nicht einmal festgezurrt, da denkt man bei der ARD über die tatsächliche Abschiebung der von allen Beitragshaushalten bezahlten Spartenkanäle ins Internet nach. Das wird das Aus des linearen Fernsehens nur noch mehr beschleunigen, denn es gibt nach wie vor genug Haushalte, die diese Angebote nutzen, aber entweder nur mit einem "normalen" Fernseher, oder die gar keinen Internet-Zugriff haben - erlebe ich durchaus in Senioren-Haushalten. Oft sind, wenn Internet vorhanden ist, TV und Internet auch noch getrennt - das eine am großen Bildschirm im Wohnzimmer, das andere am Schreibtisch im "Büro". Das eine ist ein "Wohnzimmer-Ritual", das andere zählt als "Arbeit".


In seiner Funktion als WDR-Intendant sagte Buhrow im Kontext Flexibilisierung zum ARD-Programm One, das in der Verantwortung des WDR liegt: Er werde sich "absolut vorurteilsfrei" im neuen Jahr anschauen, ob One eine Möglichkeit dafür sei. Das sage er als jemand, der beweisen wolle, dass man und auch er persönlich als WDR-Intendant etwas loslassen könne.

Wieso geht es um ihn, der was loslassen will? Es geht um die Beitragszahler, die dann was vorenthalten bekommen, das sie bezahlen müssen. Oder ist die ARD Buhrows Privatsender?
 
Wir werden gerade Zeuge eines größeren Sparprogramms. Gespart werden soll durch Reduktion von Inhalten & Kanälen. Der Ablauf ist dabei, meiner Ansicht nach so:

Die Politik wird einen Teufel tun den Rundfunkbeitrag zu erhöhen. Die Inflation wirkt aber leider effektiv wie eine Mittelkürzung. Für 2021 bis 2024 habe ich versucht dieses Minus abzuschätzen: 18,4 %. Welches Minus insgesamt bis zum Ende der nachfolgenden Gebührenperiode 2025 bis 2028 effektiv wird, werden wir sehen.

Da laut Verfassungsgericht alle Programme, die die Politik in Medien- und Rundfunkgesetzen beauftragt, in dem Umfang zu finanzieren sind, den die KEF feststellt, hat die Politik schlicht die Beauftragung reduziert:

Tagesschau24, Phoenix, KiKa, ZDFinfo, ZDFneo, ARD alpha und One (ARD) sind nicht mehr fest beauftragt. Sie dürfen aber weiterhin ausgestrahlt werden - solange das Geld reicht.

Natürlich sollen die Inhalte der Programme nicht komplett verschwinden. Da sehe ich aber keine Probleme. ARD & ZDF haben es auch mit 3 Programmen geschafft ihren Auftrag zu erfüllen, mindestens aus Sicht des Verfassungsgerichts.

So ist die (Medien)Politik aus dem Schneider. ARD & ZDF übernehmen das Kürzen des Angebots selber. Und verpackt wird das Ganze als Freiheit zur Flexibilisierung Richtung nonlinearem Digitalangebot.
 
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Keine Sorge, der Massen-Dudel wird schon weiterhin über die barrierearmen üblichen Rundfunk-Verbreitungswege übers Land gekippt werden - für jede Anstalt separat, versteht sich. Wegen der Regionalität der Superhits.

Man kann doch gut herauslesen, wohin es gehen soll: alles, was nicht "massenkompatibel" ist, wird ins Netz abgeschoben (wo Einzelabrufe Traffic kosten). Und beim Hörspiel soll also offenbar der Kahlschlag zuerst ausprobiert werden, indem man "zusammenführt", also Vielfalt (die auf diesem Gebiet tatsächlich noch existiert) abbaut.

Die ARD arbeitet wirklich hart daran, diejenigen, die ihr bislang noch immer mit Haltung und Argumenten beigestanden haben, endgültig vor die Tür zu setzen.
 
One ist jetzt kein Programm das man unbedingt zwingend erhalten müßte. Trotzdem ist ein klitzekleines Detail bemerkenswert. Buhrow redet in seinen gesamten Ausführungen immer nur vom Programm, davon wo er was wegrationalisieren oder in die Mediatheken verschieben kann. Kein Wort von ihm zu den teils schon sehr breit aufgeblähten Verwaltungsapparaten der Anstalten, schon gar nicht zu seinem WDR.
 
bei Springer und Bild.
Ich bin auch kein Freund von Springer und Bild. Aber man macht es sich zu einfach, wenn man gebetsmühlenartig jedesmal von einer Springer-Kampagne spricht, wenn in einem seiner Publikationen kritisch über den ÖR berichtet wird.

Und zu Tom Buhrow noch ein Satz: Ich kann es schon nicht mehr hören, dass er jetzt - kurz vor seinem Ruhestand - fast jeden Tag mit neuen Vorschlägen für Reformen ums Eck kommt.
 
Ich sag mal so: In den 90ern hat der ÖR in Deutschland die junge Generation aufgegeben, zumindest im Fernsehen. Die sind zu den Privaten abgewandert, die gebührenfinanzierten Programme boten höchstens zu später Stunde mal etwas an, was man sich damals als junger Mensch reingezogen hat: Schmidteinander, Zimmer frei, Südwest 3 Extraspät, oder das Montagskino im ZDF. Sonst nur biedere Serien, Mutantenstadl, Verbrauchermagazine und Regionalfernsehen und Unterhaltungsformate aus der Mottenkiste. Die anfangs tlw. avantgardistischen dritten Programme wurden zu Heimatkanälen umgebaut, für alles andere gab es ja 3sat und arte, wo man ab und an noch Perlen fand, aber halt eher die, sagen wir mal, besser gebildete Zielgruppe. Für die Masse gab es da nix. Und dann kam in den 2000ern das Internet, dann kamen Downloadportale, dann Streaming. Und der ÖR hinkt hinterher…in den Mediatheken, bei seinen Webauftritten. Längst sollte es möglich sein, auch in Sachen Urheberrecht, dass der ÖR seine gesamten Rundfunksendungen, ähnlich wie BBC oder ORF, zumindest für einen bestimmten Zeitraum als Podcats zum Nachhören anbietet. Wo ein Wille ist, werden Wege gebaggert. In der Lebenswirklichkeit der Mehrheit der U50-jährigen finden ARD und ZDF doch gar nicht mehr statt.
 
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