@Tatanael
Es stimmt, du hast recht, der Bereich der KI nimmt hier gegenwärtig viel Raum ein. Aber trotzdem stehen hier viele berechtigte Einwände und Anmerkungen. Dass hier jemand wirklich Spaß daran hat, KI Wetter und Verkehr zu hören, glaube ich persönlich nicht. Man muss auch einfach sagen, der Mensch an sich neigt auch recht schnell dazu, sich an Sachen zu gewöhnen (ob sie nun gut sind oder nicht). Nichtsdestotrotz ist die Umsetzung dieser Innovation nicht gut gemacht. Klar, schlechter geht immer, aber hier steht ja auch ein öffentlich-rechtlicher Anspruch im Raum, der immer mitschwingt. Soll es wirklich zu tolerieren sein, dass der von der ARD oft in Anspruch genommene Bezug zur Heimatregion dadurch herabgewürdigt wird, indem z. B. die Ortsnamen in den jeweiligen Regionen falsch ausgesprochen werden oder dass die Prosodie in den formulierten Sätzen oftmals nicht korrekt ist? Da ist die Wortbetonung falsch oder es fehlen Satzenden, Buchstaben oder ganze Worte. Manchmal gibt es Wörter doppelt oder ein Satz endet im Nirvana. Manche Aufzählungen (z. B. bei Sperrungen) werden manchmal ohne kurze Sprechpause beinahe nahtlos aneinandergeklatscht oder manchmal entstehen auch seltsame Sprechpausen.
Da kann es durchaus sein, dass Menschen, die sich in den Regionen nicht auskennen und solche Meldungen hören, beim ersten Hören gar nicht erfassen können worum es geht. Und damit verfehlt ein Service seinen eigentlichen Zweck. Er soll ja dienlich und hilfreich sein. Nur wenn man die Hälfte nicht versteht, dann bringt das nichts.
Versteh mich bitte nicht falsch, es gibt sicher wichtigere Probleme auf dieser Welt, aber die ARD hat den Erwartungsmaßstab doch selbst hoch angesetzt. Es wird ja so getan, als sei der KI-Service ein besonders wertvoller und wichtiger Service, der einen Mehrwert bietet. Und das tut er eben nicht immer und die ARD kann auch nicht einfach realistischer kommunizieren. Und das finde ich schon kritisierenswert.
Man kriegt etwas vorgesetzt und hat es toll zu finden. Tut man es nicht, bleibt die ARD trotzdem dabei und das finde ich nicht unbedingt in Ordnung. Beitragsmittel bezahlen schließlich alle und dann komme ich bei den Argumentationen der ARD nicht immer ganz mit.
Einerseits wird gesagt (und das belegt auch die Marktforschung) dass abends und nachts die wenigsten Menschen Radio hören. Daher hat man sich u. a. aus wirtschaftlichen Gründen dazu entschlossen, Programmstrecken wie „Pop – Die Abendshow“ und „Popnacht“ auf mehreren Wellen gleichzeitig auszustrahlen. Um trotzdem so etwas wie Regionalität vorzugaukeln, ist nun die KI das Instrument der Wahl, um dies zu ermöglichen. Die ARD verkauft das als Mehrwert. In Wahrheit ist es so etwas wie der kleinstmögliche Nenner, um hier etwas zustandezubringen. Es sei zu unwirtschaftlich für die paar Servicemeldungen senderübergreifend Personal zu beschäftigen.
Aber obwohl doch angeblich nur so wenig Leute abends und nachts Radio hören, soll es dann trotzdem für diese KI-Service sein. Man betreibt also dennoch einen gewissen Aufwand für die paar Hanseln.
Besser würde ich es finden, wenn KI im Hintergrund genutzt würde. Also dass man z. B. mithilfe von KI Sprechertexte auf dieselbe Länge bekommt usw. Dann könnte die Aussprache weiterhin von Menschen vorgenommen werden. Die gegenwärtige künstliche Aussprache müsste nicht sein. Aber das sieht die ARD nicht so. Die finden das ganz gut wie es ist.
Letztlich läuft es wie immer darauf hinaus: friss oder stirb. Wer die KI nicht gut findet, hat eben Pech gehabt. Beitragsgeld fließt so oder so. Und das ist eine ziemlich abgehobene Verhaltensweise der ARD, die ja immer betont, wie wichtig Dialog, Partizipation und Teilhabe seien. Aber Menschen, die nicht dieselbe Auffassung wie die ARD haben, werden an den Rand geschoben und kaum beachtet.
Soll man sich jetzt also schon dafür schämen, dass man ein eigenes Hörempfinden hat. Offenbar hat die ARD noch nicht begriffen, dass Menschen unterschiedlich sind. Und genau dafür soll ja eine ARD da sein, die Vielfalt in der Gesellschaft abzubilden. Und das geht ganz wunderbar mit dem Medium Radio. Nur wenn man selbst sich ein Einheitskorsett gibt, braucht man sich nicht wundern, dass es am Ende nicht jeder gut findet.
Und überhaupt ist das Medium Radio nicht das kostenintensivste Produkt, das die ARD herstellt. Das sollte man auch immer bedenken. Würde die ARD untereinander nicht immer auch Macht- und Besitzansprüche je nach Anstalt geltend machen wollen, wäre so viel mehr drin. Aber da spielen Befindlichkeiten sicherlich eine Rolle.
Trotz allem erwarte ich von einem öffentlich finanzierten Rundfunk, dass die Aussprache auch bei einem KI generierten Service vernünftig ist. Sonst wird ja gern auch der Bildungsauftrag ins Felde geführt. Es soll Menschen geben, die durchs reine Zuhören die deutsche Sprache und/oder Aussprache lernen wollen. Nur wenn die KI das so vorgibt wie hier vielfach belegt, dann finde ich es eben nicht korrekt.
Stell dir mal vor, die tagesschau-Nachrichten würden in derselben Art und Weise gesprochen werden, da würde der NDR ganz sicher sagen, dass das nicht für diese Premiumsendung taugt, schließlich geht es um den guten Ruf. Aber nachts kann man das den Leuten zumuten? Ich finde es einfach nicht richtig, dass an der einen Stelle im Senderverbund gesagt wird, Aussprache, Form usw. sind sehr wichtig (tagesschau) und an anderer Stelle ist es im Grunde egal (Nachtprogramm im Radio).
Einerseits rühmt sich die ARD eine Aussprachedatenbank zu haben, augen(ohren)scheinlich kriegt man es aber nicht hin, diese sinnvoll mit KI zu verknüpfen, um gescheite Ausspracheergebnisse zu erzielen.
Deshalb hat man dann auch viele Satzbausteine mit Hinweisen auf Social Media und Co. im Angebot um auf die gewünschte EInheitslänge zu kommen.
Meine Sorge ist einfach, dass sich diese unrichtige KI-Ausspracheweisen sozusagen verselbstständigen und im normalen Alltagsgebrauch zur Abstumpfung führt. Das kriege ich mit dem Anspruch, den sich die ARD selbst gibt eben nicht zusammen. Und deshalb kritisiere ich das. Ich bin nicht gegen den technischen Fortschritt, aber so wie es hier gemacht wird, finde ich es nicht zielführend.
Und weil einige hier offenbar die Tragweite nicht so einschätzen und das Thema lieber separieren wollten, will ich noch sagen, dass das Thema hier Vereinheitlichung der ARD Radioprogramme lautet und die KI gehört dazu. Niemand ist doch daran gehindert, die eigenen Themen weiterhin zu besprechen. Diejenigen, die sich über KI austauschen wollen, können das ebenso tun wie diejenigen, die sich mit anderen Aspekten der Programmvereinheitlichung auseinandersetzen wollen. Es scheint so, als sehen manche das Thema KI als ausreichend besprochen nicht wichtig genug oder schlicht nervend an. Liebe Leute, dieses Forum ist ja gerade dazu da, sich auszutauschen. Daher sollte der Tenor nicht so schnell abqualifizierend sein. Auch ich bin nicht von jeder Aussage hier begeistert, aber trotzdem lege ich anderen Usern nicht nahe, sich zurückzuhalten oder anderweitig zu agieren. Ich halte es einfach aus. Da braucht es keine Wertung, Bewertung und keinen erhobenen oder moralischen Zeigefinger. Und
@Tatanael : es geht ausdrücklich nicht gegen dich, ich hab dich eingangs nur erwähnt, weil ich darauf erwidern wollte, dass es mir persönlich so egal nicht ist wie die ARD KI einsetzt. Wenn es dir z. B. nachrangig vorkommt, ist das vollkommen legitim, akzeptiert und auch zulässig.