• Diese Kategorie ist für Diskussionen rund um die Programminhalte der Sender gedacht. Über Frequenzen und Empfang kann sich unter "DX / Radioempfang" ausgetauscht werden.

Vergleich von Radio vor 10/20 Jahren und heute

t23

Benutzer
Hallo zusammen,

inwieweit haben sich die Radioprogramme über die Jahre hin verändert?

Beispiele:
In manchen Sendern gibt es mittlerweile separate Verkehrspräsentatoren.
ÖR-Sender spielen zwei/drei oder auch vier Hits am Stück.
Doppelmoderationen sind (wieder) angesagt.

Stimmt Ihr den Aussagen zu? Was fällt Euch ein?

LG
 
Was fällt Euch ein?
In diesem Zeitrahmen: Früher war nicht alles besser. Vieles schon sehr ähnlich. Die Programme, die ich regelmäßig höre (Bayern 3, Bayern 1, Antenne Bayern) haben sich beim Sounddesign alle in eine progressive Richtung gewandelt – der BR auch bei der Ausrichtung, während die Antenne versucht, an diese glorreichen Zeiten mit dem ein oder anderen 'back to the roots' wieder anzuknüpfen.

Bei den von dir angesprochenen Punkten sehe ich die Hochphase der "Präsentatoren" eher in dieser Zeit rund um 2010 im weitesten Sinne und heute eine Tendenz zu weniger Extra-Stimmen... Personalkosten, wir wissen alle. Auch die Zeit der extra-vielen-Hits-am-Stück begann doch schon vor mindestens 10-20 Jahren, oder täusche ich mich da?

Doppel- und Dreifachmoderationen begannen auch schon in dieser Zeit, als Beispiel nenne ich mal die Einführung der drei B3-Frühaufdreher anstelle der Morningshow mit nur einer Personality im Jahr 2007, hier ist man seit wenigen Jahren sogar wieder zwei weniger im Studio – die Mods nur noch zu zweit und der Wetterpräsentator fiel auch weg.

Personality ist noch so ein Stichwort, wo ich nach einer Hochphase in den frühen 2010ern (Matuschke, Langemann & Co.) einen Rückgang feststelle. Aber auch das ist ja ein im Forum viel diskutiertes Thema und eine recht offensichtliche Entwicklung in der gesamten Moderatorenausbildung und -profilierung.

Ganz erheblich verändert hat sich Radio für mich durch On-Demand-Ausspielwege, beim BR eine Woche lang über die App. So höre ich öfter Wortprogramme wie Bayern 2, wenn ich mir meine Interessen selbst zusammenstellen kann. Und auch einfach beliebig durch das Programm von Bayern 1 oder Bayern 3 zu zappen ist etwas, was ich vor zehn Jahren noch für undenkbar hielt.
 
Danke für die Antwort: Ich musste auch spontan an die SWR3 Mosho denken, die es schon lange gibt, also mit Doppelmod; das Gleiche bei Hitradio ANTENNE 1 z. B. Neu ist Doppelmod hingegen bei SWR1 GuMo BW/RP. Und der Redakteur als ne Art Co-Mod manchmal - das gibt's bei SWR3, gab's da aber auch schon früher. Bei Antenne 1 auch vormittags zwei Mods; Letzteres ist noch relativ neu. Und Hits mit ner kleinen Unterbrechung am Stück.

ENERGY hat schon lange die "10 Hits am Stück".
Bei SWR3 auch mal drei/vier Hits hintereinander seit ner Weile. Das ist meiner Meinung nach etwas ungewöhnlich. Und früher empfand ich es als Neuheit, wenn nachmittags drei Hits nonstop gespielt worden, heute ist es dagegen usus.

Seit 2012 meine ich hat SWR1 BW Verkehrspräsentatoren.
In schätzungsweise 100% der Fälle zu schlechteren Programmen. ;)
😀
 
Durch die Etablierung des DAB+-Standards ergab sich innerhalb kürzester Zeit eine beispiellose Ausweitung des Angebots an Musikprogrammen vielerlei Couleur (aber längst nicht aller). Dabei bin ich nicht sicher, ob diese Vervielfachung und letztlich auch Entgrenzung eigentlich dem Medium Hörfunk an sich gedient hat: Denn gleichzeitig nehme ich in meinem persönlichen Umfeld und auch im öffentlichen Raum immer weniger Radionutzung wahr (in Büros, bei Leuten zu Besuch, in Gaststätten etc). Gleichwohl laufen viele nur noch mit Ear-Buds oder gar Wohnzimmer-Kopfhörern durch die Gegend. Ich bin aber nicht sicher, ob diese Leute darüber Radioprogramme hören.

Die Digitalisierung des Tonträgerangebots durch Spotify, YouTube etc hat ergänzend zu einer bis ins Unerträgliche entgrenzten Auswahlmöglichkeit geführt. Allerdings bin ich nicht sicher, inwiefern diese Angebote dauerhaft eine echte Konkurrenz für das Radio darstellen: Ich hörte ein Gespräch mit Erik de Zwart, in dem er sagte, dass nach neueren Untersuchungen die Leute des Auswählens etwas müde werden und sich deshalb wieder linearen Medien zuwenden. Dieses gilt sicher nicht nur in den Niederlanden.

Gleiches gilt sicher auch für DIE Audio-Erfindung der letzten zwanzig Jahre, den Podcast. Ich frage mich schon länger, wer sich dieses ganze Gerede immer anhört und merke besonders auch in Zeiten beruflicher Belastung: Der Worte sind genug gewechselt, bitte Ruhe!
 
Danke für die Antwort: Ich musste auch spontan an die SWR3 Mosho denken, die es schon lange gibt, also mit Doppelmod; das Gleiche bei Hitradio ANTENNE 1 z. B. Neu ist Doppelmod hingegen bei SWR1 GuMo BW/RP. Und der Redakteur als ne Art Co-Mod manchmal - das gibt's bei SWR3, gab's da aber auch schon früher.
Bei SWF3 gabs das ca. Mitte der 90er in SWF3 ZIPP und SWF3 Mack. Ich glaub, das war einer der ersten Sender, die auch einen "Producer", so nannte sich das damals, hatten.
 
Früher, bis ca. Anfang der 90er, waren die Nachrichten, Wetterberichte und Verkehrshinweise trocken gesprochen und ohne O-Töne und Musikbetten. Zu Anfang gab es, wenn überhaupt, das Zeitzeichen oder einen Opener/einen Dreiklang, dann kamen die Meldungen, meist fünf Minuten lang. Verkehr wurde mit Hinztriller gerahmt, bei einigen Sendern hatten die Verkehrsmeldungen auch charakteristische Erkennungszeichen, z.B. bei Bayern 3 oder WDR 2. Dann kam der Stundenopener, manchmal wurde auch direkt der erste Musiktitel angespielt oder es folgte eine kurze Ansage: „Sie hören nun…. Am Mikrophon…“ und man wurde noch „gesiezt“.
 
Die Oldies sind "jünger" geworden, rechnerisch liegen zwischen VÖ und den heutigen Einsätzen aber ähnlich viele Jahre, es sind halt nun andere Dekaden und apropos Oldies, diese haben bei fast allen vormals melodischen (Landes-)Wellen die Schlager verdrängt.
 
In den letzten 20 Jahren hat sich wenig verändert, die vor 20 Jahren schon einsetrzende Verflachung und inhaltliche Entkernung ist lediglich professionalisiert und perfektioniert worden: Die Moderatoren wurden bis zur Ununterscheidbarkeit glattgebügelt, Überflüssiges (aber Kostengünstiges) wie Wetter, Verkehr, Eigenwerbung, Spielchen wurden bis zur Penetranz aufgebläht, die Rotation maximal reduziert und von jeglichen als störend bzw. nicht mainstreamig empfundenen Titeln/Interpreten befreit, die Nachrichten, oder das, was davon ürbig geblieben ist, ins 2.30er-Korsett gezwängt und mit Trash-Meldungen bedeutungslos gemacht.
Alles in allem: Der "Fortschritt" (fort vom Radio als relevantem Tagesbegleiter) ist nicht mehr aufzuhalten.
 
In den letzten 20 Jahren hat sich wenig verändert, die vor 20 Jahren schon einsetrzende Verflachung und inhaltliche Entkernung ist lediglich professionalisiert und perfektioniert worden: Die Moderatoren wurden bis zur Ununterscheidbarkeit glattgebügelt, Überflüssiges (aber Kostengünstiges) wie Wetter, Verkehr, Eigenwerbung, Spielchen wurden bis zur Penetranz aufgebläht, die Rotation maximal reduziert und von jeglichen als störend bzw. nicht mainstreamig empfundenen Titeln/Interpreten befreit, die Nachrichten, oder das, was davon ürbig geblieben ist, ins 2.30er-Korsett gezwängt und mit Trash-Meldungen bedeutungslos gemacht.
Alles in allem: Der "Fortschritt" (fort vom Radio als relevantem Tagesbegleiter) ist nicht mehr aufzuhalten.
In D und AT trifft dies mehr als zu, anderswo vielleicht etwas weniger.
Das Radio begeht aus Angst vor der Zukunft Selbstmord.
Dies stimmt ebenfalls in D und AT.
 
Ich gehöre schon zu der älteren Generation (60+). Damals in meiner Jugendzeit war hier im Norden NDR 2 der Sender mit Popmusik. Allerdings gab es die nur ab und an denn NDR 2 war ein Mischprogramm und damals sehr wortlastig. Was damals zu viel Wort war ist heute zu wenig...
Damals als Jugendlicher hatte ich mir immer gewünscht das NDR 2 eine Servicewelle wie das damalige SWF 3 oder SDR 3 ist. Ich erinnere mich noch an die stillen Tage im November (Volkstraueertag, Bußtag und Totensonntag), das gab es selbst auf NDR 2 Kammermusik und andere klassische Musikrichtungen. Da switchten wir immer um auf BFBS oder die DDR-Radiosender die aber damals viel Ostrschlager im Programm hatten. hr3 empfimg ich in mono mit Dachantenne vom Hohen Meißner. Sonntags gab es um 14 Uhr damals auf hr3 im Radio eine Bingo-Sendung, bei der ich als Nordlicht öfters mitmachte.
Oft gab es Überreichweiten, dann waren die Berliner Sender (SFB und RIAS) hier in Ortsqualität zu empfangen, RIAS 2 hatte es mir damls sehr angetan.
Beim NDR sendete in den 70ern nur NDR 2 Popmusik, auf NDR/WDR 1 liefen vorwiegend deutsche Schlager und klassische Musik, auf NDR 3 Klassik und Jazz.
Trotzdem: wenn ich das Radio damals und heute vergleiche, dann wünsche ich mir das Radio von früher zurück, diese seelnlose Dudellei heite auf den meisten Stationen geht mir sehr auf den Wecker.
 
Wie schön, daß das Radio einen früher herausforderte. Wer wollte, konnte schlauer werden. Ich erinnere mich an tolle Hörspiele, für Kinder wie auch für Erwachsene, aber auch an intelligente Moderation in den Massenwellen. Der Moderator war eine Institution, gebildet und hat es vermocht, intelligent zu moderieren und die Leute trotzdem mitzunehmen.

Die heutige Schnapsidee, das Niveau bei den Wortinhalten auf Kindergarten-Niveau abzusenken, war damals noch Lichtjahre entfernt. So konnte ich am und mit dem Radio wachsen. Wer sich anstrengt, wird belohnt. Heute kriecht Radio der Masse in den Hintern, der Peinlichkeit on air sind keine Grenzen gesetzt.

Man konnte seinen Musikgeschmack entwickeln, da es über den Sendetag betrachtet keine einseitige Auswahl gab. Man kam mit Klassik und Jazz in Berührung und natürlich auch mit den internationalen Hits seiner Zeit. Ich habe davon profitiert, da meine heutigen Musikvorlieben nicht an wenigen Genre ausgerichtet sind.

Und ich erkenne billige Massenware sofort. Wer die derzeitigen Jahrescharts für Musik hält, dem ist nicht zu helfen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Die heutige Schnapsidee, das Niveau bei den Wortinhalten auf Kindergarten-Niveau abzusenken, war damals noch Lichtjahre entfernt. So konnte ich am und mit dem Radio wachsen. Wer sich anstrengt, wird belohnt. Heute kriecht Radio der Masse in den Hintern, der Peinlichkeit on air sind keine Grenzen gesetzt.
Dem kann ich leider nur zustimmen. Wenngleich es diese Verflachung vor 10/15 Jahren natürlich auch schon gab, aber es ist tatsächlich nochmal schlimmer geworden. Hier in NRW sind WDR 2 und vor allem 1Live sehr negative Beispiele. Vor dem Einschalten am Besten Gehirn ausschalten. Mir fehlt da immer der Warnhinweis " die nachfolgende Sendung ist für Personen mit einem IQ über 50 nicht geeignet". ;)
 
Vielleicht ist es in diesem Zusammenhang noch einmal interessant, über die WDR Leaks zu lesen, die noch vor den Weber-Reformen öffentlich wurden:
 
Ich gehöre auch zur "Ü60" Generation. Schon seit früher Jugend bin ich gewohnt, dass neben mir ein Radiogerät vor sich hin dudelt. Das ist auch heute noch so bei mir. Trotz 65 Zoll TV mit Netflix und RTL+ bleibt das Radio mein Medium Nummer 1. Ohne TV könnte ich monatelang problemlos leben, ohne irgendeinen Radioempfänger würde ich relativ schnell Entzugserscheinungen bekommen. Leider wird das Angebot qualitativ (wie hier bereits erwähnt) immer schlechter. Reichte früher ein Sender für den ganzen Tag, muss man mittlerweile mehrmals zwischen verschiedenen Sendern hin und herzappen, um überhaupt noch was Brauchbares zu finden. Musik-streaming ist absolut nicht mein Ding. Obwohl unsere Tochter so ein Apple Familien-Abo abgeschlossen hat, benutze ich das überhaupt nicht. Ich muß das Gefühl haben, dass da ein lebender moderierender Mensch sitzt, der wie ich unterschiedliche Tagesformen und eine eigene Meinung hat.
 
Um musikalisch nicht einzurosten, höre ich gerade ein US-Collegeradio mit Americana/Triple A-Format. Da können im musikalischen Vergleich auch Bayern 2 oder Bremen 2 einpacken.

Hier ist die Playlist:
 
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Was Tim Mälzer bezüglich seiner Kochsendung befürchtet, trifft auf das Radio leider zu. Dudelfunk mit immer weniger Personalities, der Abend und das Wochenende teilweise ohne Moderation bzw. nur noch VT.

Auszug aus einem DWDL-Artikel:

Man dürfe allerdings "nicht am Produkt" sparen, so Mälzer weiter, "weil wenn das stattfindet, dann habe ich gesagt: Dann höre ich auf". Er selbst sei ohnehin "kein großer Fan von Einsparungsmaßnahmen", betonte der Koch und verwies auf die Zeitschriftenbranche, in der er selbst miterlebt habe, wie dort "die ganzen Kreativen rausgeschmissen". Dort hätten nur noch "irgendwelchen Sesselfurzer" die Zahlen verwaltet, "und irgendwann waren die Inhalte weg". Davor habe er auch bei "Kitchen" Angst.
 
Wunschsendungen sind zu 99% von der Bildfläche verschwunden. Doppelmoderationen können sich nur noch die landesweiten und die ÖR‘s leisten. Früher wurde weniger und wenn dann kürzer gevoicetracked und bei den lokalen sind die Abendsendungen größtenteils verschwunden, Spartensendungen auch. Auch die Sportshows am Wochenende haben es nicht geschafft.
 
Einerseits kann man Radio heute nicht losgelöst von der sonstigen medialen Entwicklung einordnen.

Wer seine Lieblingsmusik hören will, der ist heute noch weit weniger auf das Radio angewiesen, als früher.

Andererseits hat sich Radio schon deswegen verändert, weil immer mehr Kanäle dazu kamen, und sich Programme stark spezialisierten.

Beispielsweise gab es in der Vergangenheit in den ARD-Anstalten nicht die heutige Tendenz, die Massenprogramme weitgehend informationsfrei, also sozusagen als reine Hintergrund- bzw. Nebenunterhalter neu zu erfinden. Aus regionalen Informations-, Nachrichten- und Unterhaltungsprogrammen wurden Oldiewellen, die rund um die Uhr vor sich hin dudeln.

Information wurde auf Infowellen abgeschoben, sonstiges Wort findet selbst auf den Kulturwellen höchstens noch am Rande statt.

Regionale Substanz, wie es scheint, findet man heute eher in den Dritten TV-Programmen. Radio ist heute leider zum großen Teil überflüssig geworden.
 
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