Wie kommen neue Musiktitel ins System einer größeren Sendeanstalt?

Beim HR in Frankfurt hat man Serverschränke mit Wechsel-Festplatten, von denen sich mehrere gegenseitig spiegeln und nach etwa 6 Monaten ausgewechselt werden, so meine Info.

Die Redakteure können schon Wochen vor der geplanten Senden Dateien mit Beiträgen und Musik aus diesen Schränken in ein Sendestudio laden und über "d'accord" einplanen.

Zeiten wie Werbung und Nachrichten sind blockiert, so dass man über die freien Zeitfenster verfügen und seine Playlist (wiederholt) einspielen kann.

Hier ein Bild vom Serverraum:

hr cms.server.jpg

Bild: hr Ffm

Keine Bandmaschinen mehr, keine Plattendreher, solche "Relikte" findet man nur noch im Archiv, wo jede Anstalt eine einzige Studer A816 mit 6,5mm Umbausatz hat, um Bänder RRG abspielen zu können.

breiterer 6,5mm Rollensatz, Kopfträger, Verstärkerkarte und modifizierte Capstansteuerung wurden damals von Studer mitgeliefert.

Das mal am Rande für die Leser, welche sich dafür interessieren.
 
Zuletzt bearbeitet:
Was ich mich frage ist, wie das bei Privatsendern ist, die im Laufe der Geschichte vor dem Wechsel in’s rein digitale Zeitalter einen Formatwechsel hatten. Dass die öffentlich-rechtlichen Anstalten in Behördenmanier alles penibel archiviert und digitalisiert haben und der früher häufig auf SWR 4 gespielte „Gefangenenchor aus Nabucco“ beim SWR bestimmt auch theoretisch sofort verfügbar wäre (auch, wenn man ihn längst nicht mehr braucht), kann ich mir gut vorstellen. Aber liegen z.B. bei radio ffn oder Antenne Niedersachsen die CD‘s oder Vinylscheiben „aus alten Zeiten“ noch irgendwo im Keller rum oder wurden die etwa auf Flohmärkten oder in Second-Hand-Läden verscherbelt? Wobei man in der Goseriede meines Wissens zum Sendestart bereits ausschließlich mit CD‘s gearbeitet hat.
 
... wobei CDs leider nur ein "Verkaufsmedium" ist und keinen Anspruch auf "High-End" hat, wie uns die Industrie weismachen möchte.

Man veralberte die Kundschaft sogar mit einer gewissen SACD für einen Wucherpreis und verkaufte anstatt mit 13,00 für eine CD nun nicht selten den gleichen (kastrierten) Datensatz diesmal auf SACD für 'nen Fuffy und mehr!

Das kam dann raus und Blödmarkt & Satan mussten die Silberlinge teilweise sogar zurücknehmen.

Was er hier damit sagen wollte ist, dass wir "Normalsterblichen" nie den reinen vollen Datensatz auf die Ohren bekommen, sondern nur die kastrierten Versionen, schlechte Remaster oder Vinyl's aus Osteuropa so grotten schlecht, wie sie früher hier nicht verkaufsfähig waren!

Meiner Meinung nach fing an der Stelle das Rippen im Netz an, da man für gottenschlechte Qualität sein Einkommen nicht zu opfern bereit war und selbsternannte "Hitradios" diese übelen und zum Teil übersteuerten zu Tode kompremierten Dateien bedenkenlos sendeten.

Wunderbares CD Recycling findet man in kurvenreichen Waldstrecken zur Wild & Verkehrswarnung, da machen diese Dinger tatsächlich Sinn - aber nicht in meinen Gehörwindungen!


R.
 
...wobei CDs leider nur ein "Verkaufsmedium" ist und keinen Anspruch auf "High-End" hat, wie uns die Industrie weismachen möchte.
Naja, ich würde mir wünchen, dass zumindest CD-Geripptes gesendet würde. Möchte nicht wissen, wie viele gequetschte mp3s aufgeblasen und -zig Male kopiert heute in Sende-Pools liegen. Seriöse Rundfunkverantalter beziehen die Files aus MPN, die ausschließlich als flac aus (hoffentlich) WAV-codierten Mastern vorhält.

Die Tatsache, dass MPN auf Anfrage auch mp3s (gewandelt aus den vorliegenden flacs) für Sendezwecke bereit hält, finde ich total unmöglich.
 
Es ist gar grauslich, was teilweise im Playout landet. Frei nach dem Motto: wenn ich ein Loch in die Wand machen will, habe ich grundsätzlich zwei Möglichkeiten: 1.) mit einem Hammer oder 2.) mit einem Bohrer. Die Wahl des richtigen Werkzeugs liegt in diesem Fall auf der Hand.

Leider sehen wir es in vielen Radiosendern, die ein Musikformat von den 80ern bis zu aktueller Musik spielen, dass hier oft – aus meiner Sicht – mit den falschen Tools gearbeitet wird. Ja, 80er Songs „schmieren“ bezogen auf Ihre Lautheit bei gleichem Spitzenpegel zu modernen Produktionen ab. Sie sind dynamikreicher, wirken aber leiser oder „dünner“. Es ist also naheliegend die älteren Songs vorab „aufzufetten“, oft mit unüberhörbarem Limiting und Clipping. Die Folge: alles schreit einen förmlich an. Der am Ende der Sendekette sitzende Audioprozessor freut sich unwahrscheinlich, diese laute Soße dann wieder so leise machen zu müssen, dass sie in ein konformes UKW-Signal passt. Und der DAB+ und Streaming-Audioencoder wird völlig überfordert, weil er kaum Spielraum hat, seine psychoakustische Datenreduktion vorzunehmen.

Für die Hörerinnen und Hörer ist ein wenig dynamikreiches und schmierendes Signal auch immer unterbewusst stressfördernd und verleiht zum Abschalten.

Mein Appell daher: Nicht die alten Titel künstlich aufblasen und sie lauter machen, sondern die aktuellen Titel leiser drehen. Mit der EBU Empfehlung R128 gibt es seit über 10 Jahren ein probates Werkzeug, um die Lautheit verschiedener Elemente im Sendeplan gleich zu halten, ohne Einsatz von unnötigen „Massenverdichtungswaffen“. Damit passt auch die Moderation perfekt in der Lautheit über die Musik, oder dass man gegen die Songs anbrüllen muss. Den letzten Schliff für einen konsistenten und guten Klang verleiht dann das finale Soundprozessing.

Radio ist ein Medium, was primär mit den Ohren genutzt wird. Daher: Mut zu mehr Dynamik und weniger Krach.

Für unser Eifelradio-Projekt haben wir alles von CD neu eingespielt, nach R128 normalisiert und gehen linear raus. Bei Compilations haben wir dann oft auch noch gegen die Albumpressung geprüft, wo die dynamikreichere Version vorhanden war.

Aua.jpg
 
Wundervoll. Als Maler würde man sagen: Da sind aber manche Stellen noch unsauber, da muss nochmal ne zweite Schicht Blau drauf.
Zum Thema: wenn Du dann noch Sender hast, deren Hausnormpegel 0dBFS ist und die MPEG als Datenreduktion nutzen und ggf. noch eine andere Samplingrate als das angelieferte Master benötigen, dann gibt's schönes Intersampleclipping und Overshoots durch SRC.
 
WAV vom Original-Master
Sind da wenigstens auch die Fadeouts geclippt? Hatte ich auch schonmal gesehen: erst clippen, dann ausblenden. Könnte auf der CD von Emire of the Sun gewesen sein, kann mich aber auch täuschen.

dann gibt's schönes Intersampleclipping und Overshoots durch SRC.
Aber wenn das dann auch hinten aus dem Processing ebenfalls mit 0 dBFS rausgeht auf den DAB+-Encoder, der auf 64 kBit/s Subchannel Size mit Dynamic Label und Slideshow arbeitet und ca. 50 kBit/s Netto-Audiodatenrate machen darf, haben wir noch eine zweite Stufe Brikettierung und wieder eine "glatte Linie". ;)
 
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