Ich kann mich nur noch sehr düster an das letzte Radioropa aus Berlin erinnern, das ca. 2005 wiederbelebt wurde und zunächst Teil des Technisat-Radiobouquets war (und damit Pay-Radio für 20 € im Monat, im Berliner DVB-T-Bouquet liefen die Programme allerdings mit Werbeunterbrechungen unverschlüsselt). Im Frühjahr 2008 erhielt man die UKW-Frequenz 90,7 in Berlin, die eigentlich von der MABB als NPR-Stützfrequenz für den Südwesten Berlins vorgesehen war (NPR lehnte dankend ab). Damit war der Sender in der Stadt aber praktisch nicht empfangbar. Im September 2008 gab es dann noch die Aussicht, dass der BBC World Service seine UKW-Zulassungen für Leipzig, Chemnitz, Dresden und Pirna an Radioropa verkauft. Solange hat der Sender aber nicht durchgehalten: Ende September 2008 war das Aus für Radioropa besiegelt, 30 feste und freie Mitarbeiter waren davon betroffen. Die Expansionspläne nach Sachsen zeigen aber, dass die Entscheidung für das Aus sehr spontan getroffen wurde.
Die Gründe lagen auf der Hand: „Tatsächlich wurde Radioropa in diesem Jahr weiterentwickelt. Ein wortorientiertes Programm ist bekanntlich sehr teuer. Noch einmal: Wir sehen keine mittelfristige Refinanzierung. Es ist uns auch nicht gelungen, in den letzten Monaten Kooperationspartner für das Vermarkten von Werbezeiten zu finden. Die UKW-Frequenz selbst deckt nicht das gesamte Berliner Stadtgebiet ab, sondern nur einen Teil. Das macht die Vermarktung ebenfalls schwieriger. Um das Programm Radioropa bekannter zu machen, wäre, wie sich schlussendlich herausstellte, ein recht großer Werbeaufwand notwendig.“
Was ich noch weiß, ist, dass der Sender selbst im Süden Berlins praktisch gar nicht empfangbar war oder nur sehr verrauscht. Zu hören gab es die schon genannten viertelstündlichen Nachrichtenblöcke (von
@ricochet hier als „langatmige Leseübungen“ bezeichnet

), dazwischen verschiedene Segmente. Insgesamt wirkte das von der Aufmachung alles sehr trocken, billig produziert und wenig ansprechend. Das FAZ Businessradio, das 2001 geschlossen wurde, wirkte da schon deutlich wertiger und professioneller, war aber vermutlich ein noch größeres Millionengrab als Radioropa.
Spannend ist noch dieser alte Beitrag aus den Radioforen von
@Feedbäcker:
Die Ursachen liegen nach meinen Informationen, die ich von einem Technisat-Mitarbeiter in Daun bekommen habe, nicht primär in der Befürchtung, der Sender könnte sich zu einer ewigen Investitionsruine entwickeln. Vielmehr hatte man in Daun versäumt, genügend Aufwand in das Marketing des Senders zu stecken und war erschrocken über die verschwindend geringe Bekanntheit selbst innerhalb der Berliner UKW-Frequenz. Man wollte sich aber seitens der Technisat-Geschäftsführung nicht dafür verantwortlich machen lassen und suchte daher die Schuldigen innerhalb der Redaktion. Die bekannte Über-Sparsamkeit im Kontrast zu seinen großzügigen Medienplänen von P. Lepper durfte als Hauptgrund für die Misere natürlich nicht angeführt werden; als dies zur Sprache kam, soll er wohl ziemlich heftig reagiert haben. Der sofortige Rückzug soll eine unmittelbare Folge davon sein. Einige Magazin-Formate von freien Produzenten sollen aber bereits von anderen Plattformen zur Weiterverwertung angefragt worden sein, so dass das Radioropa-Programm demnächst wohl "zersplittert" an verschiedenen Stelle teilweise zu hören sein wird.
Oder hier von
@Poppschützer:
Radioropa hatte endlich eine wenn auch schwache UKW-Frequenz in Europas am stärksten umkämpften Radiomarkt. Und es wurde nichts, aber auch rein gar nichts dafür getan, dieses Privileg zu pflegen und mit Leben zu füllen. Ganz im Gegenteil. Unmittelbar nach der UKW-Aufschaltung wurde erst einmal kräftig am Programm gespart, die Honorare der Freien gesenkt, Magazine eingestellt und als Ersatz irgend ein billiger "Weltenbummler-Blabla-Mist" eingekauft, der dilettantisch und absolut uninteressant produziert und präsentiert war . Und um Radioropa publik zu machen, schickte man an EINEM NACHMITTAG zwei Studentinnen mit smarten Radioropa-Täschchen und allerlei Flyer-Schnickschnack auf die Straße. Wen wundert´s, dass so gut wie niemand in Berlin je was von Radioropa gehört hat? Hinzu kommen zahlreiche andere verpassten Möglichkeiten, die eine UKW-Frequenz bietet: Wenn auf der 90,7 ewig nur der gleiche Technisat-Werbeschrott in den Werbeblöcken lief, anstatt an anständige Werbekunden Plätze zu verkaufen, dann ist es doch kein Wunder, dass der Sender tatsächlich die viel zitierte ewige Investitionsruine bleiben musste. Auch aus dem optimalen Standort in der Charlottenstraße / Nähe Friedrichstraße wurde NICHTS gemacht. Eigene Reporter raus schicken? Warum denn? Wir haben doch die rufa und BLR!
Radioropa Berlin wurde so geführt, als hätte man aus der Eifel-Provinz gesendet - und nicht aus dem Herzen der deutschen Hauptstadt. Fernab jeglicher Radio-Realität. Das kommt dabei raus, wenn sich Technik-Junkies und Pseudo-Sozis a la Lepper auf Gebieten austoben, von denen sie absolut keine Ahnung haben.
Mehr kann man sich hier durchlesen:
https://www.radioforen.de/threads/aus-fuer-radioropa-berlin.25835/