• Diese Kategorie ist für Diskussionen rund um die Programminhalte der Sender gedacht. Über Frequenzen und Empfang kann sich unter "DX / Radioempfang" ausgetauscht werden.

Zerschreddert der Bayerische Rundfunk sein CD-Archiv?

So lautet eine Schlagzeile der Abendzeitung München. (Hier der dazugehörige Link)

Genau dies ist mir kürzlich auch "zugetragen" worden und ich konnte es kaum glauben. Aber beim BR ist in diesen Zeiten einiges möglich, was man sich vor 10-20 Jahren noch nicht hätte vorstellen können. Ich bin zutiefst geschockt und enttäuscht über diese öffentlich-rechtliche Sendeanstalt, bzw. über die Entscheidungen der "Entscheider" und fürchte mich schon vor den Dingen, welche noch folgen werden in den kommenden Jahren.

Gott sei Dank bleibt eines erhalten...der Rundfunkbeitrag
 
Es handelt sich vermutlich um salopp gesagt "Promo-CDs" der Industrie. Diese CDs sind Eigentum des jeweiligen Labels und dürfen aus rechtlichen Gründen nicht verschenkt oder anderweitig veräußert werden. Die Problematik "wohin mit dem ganzen alten Schrott" haben nahezu alle Funkhäuser, sobald die CD-Archive aufgelöst werden. Oft sind die CD-Hüllen aus Pappe, ein Einleger informiert über die Release-Daten, über die Musikschaffenden und die Kontaktdaten zur Promotionagentur.
 
Würde in dem Artikel nicht die Geschichte mit dem Umzug stehen, hätte ich doch angenommen, dass die Archivräume dringend in Büros für Klimaschutzmanager, Diversitybeauftragte und interne Meldestellen umgebaut werden müssten.

Der WDR hat ja auch schon vor Jahren angeblich "alles" digitalisieren lassen; mit dem Ergebnis, dass heutzutage Mitschnitte und Produktionen, die vor ein paar Jahren noch problemlos angefordert werden konnten, nicht mehr verfügbar sind und es heißt, die habe es ganz sicher nie gegeben.
 
Leider ist es in der Vergangenheit versäumt worden, irgendeine Art gesetzliche Regelung auf den Weg zu bringen, die die ÖRR dazu verpflichtet, Archivierungsarbeit zu leisten. Das heißt: Was nach eigenem Ermessen nicht mehr gebraucht wird, kann weg. Und wenn ganz offenkundig bei den Sendern schon immer weniger Interesse an der eigenen Gegenwart besteht, warum sollte da gerade die Vergangenheit für wichtig erachtet werden? Ist doch nur ein lästiger Klotz am Bein.
Das Schlimme ist: Es betrifft nicht nur den BR. Auch andernorts, wo man gar nicht umzieht, ist das CD-Archiv für vogelfrei erklärt worden und landet bis Ende des Jahres in der Tonne.
Dass so ein CD-Flohmarkt allzu schwer zu organisieren wäre, kann ich mir indes nicht wirklich vorstellen. Es ist ja alles katalogisiert. Den Katalog jetzt online stellen, ein Formular aufsetzen und wer zuerst kommt, malt zuerst. Aber gut, dafür müsste man ja überhaupt erst mal auf den Gedanken kommen, dass sowas für irgendwen noch interessant sein könnte.
 
Ich bin zutiefst geschockt und enttäuscht über diese öffentlich-rechtliche Sendeanstalt, bzw. über die Entscheidungen der "Entscheider" und fürchte mich schon vor den Dingen, welche noch folgen werden in den kommenden Jahren.

Gott sei Dank bleibt eines erhalten...der Rundfunkbeitrag
Da kann ich nur aus eigener Erfahrung voll zustimmen. Es betrifft den gesamten ÖRR. Man kann ja über das Programm meckern, über seltsame Moderatoren oder über irgendwas. Stattdessen aber Vorwürfe über Verschwendung, Vorteilsnahme und Selbstbereicherung, Bestechungsskandale und Vetternwirtschaft. Dass sie dabei auch ihrer Arbeit nicht mehr nachkommen, verwundert nur noch wenig.
 
Ehrlich gesagt, verstehe ich das ganze Problem nicht. Zum einen ist Musik und damit auch die CDs zeitlos. Von "altem Schrott" kann also keine Rede sein.
Zum anderen sind CDs ja kompakt und sehr klein. Bei rund 200.000 CDs kann der Platzbedarf nicht sooo immens groß sein. Die lassen sich locker in ein paar Voko- Schränken o.ä. archivieren.
 
Leider ist es in der Vergangenheit versäumt worden, irgendeine Art gesetzliche Regelung auf den Weg zu bringen, die die ÖRR dazu verpflichtet, Archivierungsarbeit zu leisten.
Dein Bedauern erweckt bei mir den Eindruck, als hätten die Rundfunkanstalten die Aufgabe eines Musikarchivs im Sinne der Deutschen Nationalbibliothek.
Das sehe ich nicht so.

Wenn überhaupt, hätte das auch zentralisiert erfolgen müssen. Aber bei jeder Landesrundfunkanstalt?
Ich sehe die Gegner des ÖRR schon wieder mit Heugabeln und Fackeln "Verschwendung!" rufend Sturm laufen.
 
Was ist eigentlich mit den vielen Schallplatten die dort lagern?
Die sollen wohl tatsächlich andernorts eingelagert werden und somit erhalten bleiben, hörte ich.
Wenn überhaupt, hätte das auch zentralisiert erfolgen müssen.
Sehr gern. Ich hätte überhaupt nichts dagegen zu sagen, wenn so eine zentrale Sammelstelle im DRA eingerichtet worden wäre. Im Gegenteil, gerade in der frühen Phase der CDs, in der diese von den einzelnen Sendern ziemlich selektiv beschafft und archiviert worden waren, würden sich die verschiedenen Archive so sicher ganz hervorragend ergänzen. Gibt's aber alles nicht und wird es wohl auch nicht mehr geben.
Dort lagern auch im Gegensatz zum CD-Archiv tatsächlich (musikalische) Schätze.
Wie darf ich das verstehen? Auch im CD-Archiv gibt es nach allem, was ich weiß, solche zu bärgen. Titel, die heute nirgendwo mehr erhältlich sind, Titel, die es seit den 90er Jahren nur noch in sehr agressiv gemasterten Versionen gab, ... Da sind durchaus Schätze zu heben.
 
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Dein Bedauern erweckt bei mir den Eindruck, als hätten die Rundfunkanstalten die Aufgabe eines Musikarchivs im Sinne der Deutschen Nationalbibliothek.
Das sehe ich nicht so.

Das wiederum finde ich ist schon auch eine der Aufgaben, der ÖR-Anstalten. Vielleicht nicht im Umfang der Deutschen Nationalbibliothek, aber in einem "historisch-kulturell" bedeutsamen Rahmen auf jeden Fall.

Wollen wir hoffen, dass nicht das Schallarchiv auch noch still und leise "verschlankt" wird.

PS: Was beim BR auch immer sehr "interessant" zu beobachten ist, dass die Entscheidungen in den oberen Etagen stattfinden und dann wird das knallhart auch so durchgezogen. Dass in derartige Entscheidungen oder zumindest in die Entscheidungsprozesse auch mal "der Michel von unten" mit einbezogen wird, ist nicht (mehr) möglich. Startet man dann eine Nachfrage wieso und warum diese oder jene Entscheidung, gibts entweder gar keine Antwort oder nur blumige Worte.
 
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Wie darf ich das verstehen? Auch im CD-Archiv gibt es nach allem, was ich weiß, solche zu bärgen. Titel, die heute nirgendwo mehr erhältlich sind, Titel, die es seit den 90er Jahren nur noch in sehr agressiv gemasterten Versionen gab, ... Da sind durchaus Schätze zu heben.
Bin ich jetzt anderer Meinung. Es geht um einen digitalen Datenträger. Sobald alles überspielt wurde ging die CD ins Archiv. In aller Regel wurde die CD auch nie wieder angefasst, bis zur endgültigen Vernichtung. Und zuguterletzt: Nicht jede Bemusterung wurde auch tatsächlich überspielt und ging daher ins Archiv. Das können dann Titel sein, die zB in den 90ern schon derart "unpassend" waren, und dementsprechend auch heute nirgendwo mehr erwerbbar sind. Grad die kleineren Labels lieferten durch die Bank Schrott. Ärgerlich war es vielleicht dann, wenn nicht alle Tracks einer Bemusterung überspielt wurden, und die CD nicht mehr auffindbar war. Ist alles passiert.

Von "altem Schrott" kann also keine Rede sein.
In meinem Text geht es um den digitalen Träger, die Scheibe von mir aus und um das viele Papier. Auf die Menge gesehen ist das tatsächlich Schrott, unabhängig ob nun beim BR oder bei einem kleineren Programmanbieter. Der Archivplatz ist überall das Problem. Ein Raum vollgestopft mit Archiv-Regalen kostet sinnloses Geld.
 
Bin ich jetzt anderer Meinung. Es geht um einen digitalen Datenträger. Sobald alles überspielt wurde ging die CD ins Archiv. In aller Regel wurde die CD auch nie wieder angefasst, bis zur endgültigen Vernichtung. Und zuguterletzt: Nicht jede Bemusterung wurde auch tatsächlich überspielt und ging daher ins Archiv. Das können dann Titel sein, die zB in den 90ern schon derart "unpassend" waren, und dementsprechend auch heute nirgendwo mehr erwerbbar sind. Grad die kleineren Labels lieferten durch die Bank Schrott. Ärgerlich war es vielleicht dann, wenn nicht alle Tracks einer Bemusterung überspielt wurden, und die CD nicht mehr auffindbar war. Ist alles passiert.

Kann ich aus der von dir geschilderten Sicht sicherlich schon auch nachvollziehen, auch wenn die Frage in den Raum gestellt werden darf, was ist "Schrott"? Da sind wir finde ich in einer relativ subjektiven Diskussion.

In meinem Text geht es um den digitalen Träger, die Scheibe von mir aus und um das viele Papier. Auf die Menge gesehen ist das tatsächlich Schrott, unabhängig ob nun beim BR oder bei einem kleineren Programmanbieter. Der Archivplatz ist überall das Problem. Ein Raum vollgestopft mit Archiv-Regalen kostet sinnloses Geld.

Wie gesagt, durchaus nachvollziehbare Sichtweise, dennoch bin ich der Meinung, dass das eine Entwicklung in die falsche Richtung ist. Weil, was trifft es als nächstes? Vielleicht wirklich das Schallarchiv oder zumindest das was als "Schrott" im Schallarchiv deklariert wird?

Es hat alles immer zwei Seiten...
 
Leider ist es in der Vergangenheit versäumt worden, irgendeine Art gesetzliche Regelung auf den Weg zu bringen, die die ÖRR dazu verpflichtet, Archivierungsarbeit zu leisten.
Gibt es wohl. Es gibt zum einen die Deutsche Nationalbibliothek (DNB) / Deutsches Musikarchiv (DMA) mit Sitz in Leipzig und Frankfurt/M. und zum anderen das Deutsches Rundfunkarchiv (DRA) mit Sitz in Frankfurt/M. und Potsdam-Babelsberg.

Tonträgerhersteller (Labels, Produzenten, Verlage) sind verpflichtet, physisches Material an die Deutsche Nationalbibliothek (DNB) bzw. das Deutsche Musikarchiv (DMA) zu liefern – wenn es sich um physisch veröffentlichte Tonträger handelt. Diese Pflicht ergibt sich aus dem Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek (DNBG): nämlich die Pflicht zur Abgabe von 2 Exemplaren an die DNB (nach § 15 DNBG)

Das tun die Labels auch. Insofern ist das "doppelte" Material in den einzelnen Landesrundfunkanstalten theoretisch verzichtbar. Die digitalen Veröffentlichungen landen zudem im MPN-"ARD-Archiv" (nicht zu verwechseln mit der bekannten MPN-Promoseite) und werden in Frankfurt/M. im Stern archiviert.

edit Trivia:
"Promo-CDs" der Industrie. Diese CDs sind Eigentum des jeweiligen Labels und dürfen aus rechtlichen Gründen nicht verschenkt oder anderweitig veräußert werden.
Genau: Sie können sogar vom Label zurück gefordert werden. Im Prinzip müsste für die "Verschrottung" die Genehmigung der Labels eingeholt werden. Wehe, sie werden so entsorgt, dass sie übermorgen bei ebay angeboten werden können. Alles schon erlebt.
 
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auch wenn die Frage in den Raum gestellt werden darf, was ist "Schrott"?
"Schrott" ist in vielen Musikredaktionen eine umgangssprachliche Ausdrucksweise, für Schrott😃 Ich gehe in den Bereich der Vermutung und behaupte, dass die sg "Schallarchive" bei den Öffis bestehen bleiben. Vermutlich auch wegen der oft künstlerisch gehaltenen Covers. Ich behaupte aber auch, dass Tonbänder oder Schallplatten für die Archive eine ganz andere Bedeutung haben, als digitale Träger. Davon abgesehen sind noch immer nicht alle analogen Träger digitalisiert.


Die Diskussion geht leider eh vom Thema weg. Wie ich weiter oben geschrieben habe gehe ich davon aus, dass es sich bei den CDs um Bemusterungen handelt. Hier sind dem BR wie auch allen anderen Sendern die Hände gebunden, ein verschenken oder oder oder ist, offiziell zumindest, nicht möglich.
 
Promo-CDs können natürlich aus rechtlichen Gründen nicht verwertet werden, auch wenn das teilweise bei Sammlern gern gesehene Artikel sind (nicht bei völlig unbekannten Interpreten/Titeln, aber bei Promo-Ausgaben bekannter Künstler schon, insbesondere wenn zB Radioversionen enthalten sind, die nicht auf einem Album oder einer CD-Maxi verfügbar waren.
Bei regulär erschienenen Tonträgern ist aber durchaus eine Verwertung vorstellbar. Es gibt ja unzählige Firmen, die Sammlungen aufkaufen (auch wenn der Erlös in der Regel recht gering ausfällt).
Leider finde ich gerade die Plattform nicht mehr, auf der gebrauchte CDs angeboten wurden, die gespendet wurden, und wo eine Lebenshilfe-Firma dann den Verkauf durchgeführt hat. Gerade so etwas wäre doch bei einem ÖR-Sender eine überlegenswerte Option.
Dass im BR jemand ein Discogs-Konto eröffnet und die Scheiben dort anbietet, ist natürlich nicht zu erwarten....
 
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Wie ich weiter oben geschrieben habe gehe ich davon aus, dass es sich bei den CDs um Bemusterungen handelt.
Bei Bemusterungen unterscheiden wir zwischen a) gekennzeichneter Promo-Ware, die Eigentum des Labels bleiben und b) bemusterter Fertig-Handels-Ware, die via Redakteur durchaus mal ins Hausarchiv wandern könnte. Ich empfehle nicht, sie zu Geld machen zu wollen. Entsorgen ist hier natürlich problemlos.
 
In diesem Beitrag von Anfang der 90er über AFN Europe wird kurz und bündig erklärt, warum viele Tonträger wieder verschrottet werden müssen:

 
Klare Sache. Unerlaubte Vervielfältigungen von urhebergeschützem Musikmaterial außer zum Sendebetrieb sind nicht gestattet. Also vernichten.
 
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Ehrlich gesagt, verstehe ich das ganze Problem nicht. Zum einen ist Musik und damit auch die CDs zeitlos. Von "altem Schrott" kann also keine Rede sein.
Zum anderen sind CDs ja kompakt und sehr klein. Bei rund 200.000 CDs kann der Platzbedarf nicht sooo immens groß sein. Die lassen sich locker in ein paar Voko- Schränken o.ä. archivieren.
Für eine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt wäre es eigentlich angebracht, Musik einen höheren Stellenwert einzuräumen.

Andererseits werden die Hauptprogramme wie Bayern 1 mit wenn's hochkommt (inhaltlich gerechnet) 200 CDs bestritten, da fällt die Rechtfertigung für einen um den Faktor 1000 größeren Platzbedarf für etwas, was nie genutzt wird, schon schwer.
 
Ich kenns selber ausm Bürgerfunk, da wurden die Promo-CDs einfach vor den Sender gestellt und Passanten konnten sich dran bedienen, der Rest kam in den Müll. Hab hier selber noch welche Rumliegen... sind meiner Meinung nach so gut wie wertlos. Für nen Notbetrieb, z.B. Netzwerk schmiert ab, Ausweichstudio wegen Katastrophenlage, etc. sollte man aber ein paar Datenträger aufbewahren. Zumindest die gute alte Not-CD wird noch gebrannt und liegt im Studio-Player bereit.
 
Ich kenns selber ausm Bürgerfunk, da wurden die Promo-CDs einfach vor den Sender gestellt und Passanten konnten sich dran bedienen, der Rest kam in den Müll.
So ähnlich ist das auch bei Radio Rheinwelle in Wiesbaden: Die CDs stehen in einem großen Ständer in den Räumlichkeiten des Senders und Gäste können sich jede CD gegen je einen Euro für die Kaffeekasse mitnehmen.
 
Andererseits werden die Hauptprogramme wie Bayern 1 mit wenn's hochkommt (inhaltlich gerechnet) 200 CDs bestritten, da fällt die Rechtfertigung für einen um den Faktor 1000 größeren Platzbedarf für etwas, was nie genutzt wird, schon schwer.

Man braucht doch heute keine Belegexemplare mehr, theoretisch könnte man alle CDs verschrotten und alles aus der Cloud holen.
 
Nun hat ein ÖR-Funkhaus natürlich weder alle bemusterten physischen Tonträger digitalisiert noch alle digital zur Verfügung gestellten Veröffentlichungen herunter geladen und damit ergo nicht erfasst. Aber gut, wenn man bisher nicht digitalisierte Tracks von physischen Tonträgern nicht gebraucht hat, dann wohl auch niemals mehr. Also kann das Zeug weg.
 
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