• Diese Kategorie ist für Diskussionen rund um die Programminhalte der Sender gedacht. Über Frequenzen und Empfang kann sich unter "DX / Radioempfang" ausgetauscht werden.

Zerschreddert der Bayerische Rundfunk sein CD-Archiv?

es wurde halt aufbewahrt, was bemustert worden war
Das stimmt so nicht ganz. Normalerweise wurde lediglich archiviert, was in den Musikredaktions-Abhörkonferenzen per Abstimmung für sendefähig befunden wurde - also mithin eher nur ein Bruchteil sämtlicher Bemusterungen. Den Redakteuren war es darüber hinaus unbenommen, je nach Vertragsverhältnis, sich ihre Büros im Funkhaus (Festangestellte) oder ihre Privatwohnungen (Freie) mit alldem vollzupacken, was es nicht durch die Abhörkonferenzen geschafft hatte.
 
Also wenn es um "Sinnlichkeit" geht, dann ist folgender Satz ja komplett für die Tonne...
"Fakt ist: CDs sind das wahrscheinlich unsinnlichste Musik-Medium, das je erfunden wurde!"

Weil erstens ist die CD für die Medienwissenschaft kein Medium, sondern ein Datenträger. Sollte man sie in einer erweiterten medienwissenschaftlichen Definition als "Medium" bezeichnen, dann müsste man sie allein wegen ihres Inhalts (O/I) mit der MP3-Datei vergleichen. Und dann wäre sie immer noch "sinnlicher" als das MP3 als reines Format! Denn wenn es tatsächlich um "Sinnlichkeit" geht, so habe ich bei einer CD zumindest noch das haptische Erlebnis, Musik tatsächlich "in der Hand" zu haben (wie sagte schon Marshall McLuhan: "The medium is the message" / bzw. eigentlich "massage", also wirklich zum Anfassen!).
Schließlich geht es dem Autor wohl um die (und das gibt es medienwissenschaftlich tatsächlich!) digitale Durchtrennung der "Fäden" (sei es im Bild: Analog- vs. Digitalfotographie, oder in der Musik Schallplatte vs. CD etc.). Aber auch dann sag ich: Willkommen in 2025! Who cares?!
 
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Jedes mittelständische Unternehmen hat seinen kompletten Datensatz mindestens einmal gespiegelt und zusätzlich auf einer Cloud, also einem auch örtlich unabhängigen Server, abgelegt. Das ist doch wirklich keine Frage, die sich im Jahre 2025 noch ernsthaft stellt.
Vermutlich genauso selbstverständlich wie jedes mittelständige Unternehmen eine ausreichende Cybersicherheit eingepflegt hat. ;)
 
Ich muss meinen letzte Absatz in #13 im Faden "Wie kommen neue Musiktitel ins System einer größeren Sendeanstalt?" präzisieren: Neben der Verpflichtung, alle in den "Verkauf" gelangten Tonträger im MPN im "ARD-Archiv" digital abzulegen, besteht für die Industrie auch die Verpflichtung, Belegexemplare der physisch hergestellten und in den Verkauf gelangten Tonträger an das DRA abzugeben.

Das dürfte zentral für alle ARD-Anstalten eigentlich reichen.
 
Und was ist mit den Titeln, die es nicht in den Verkauf geschafft haben? Solche, die nur auf Bemusterungs-Tonträger geschafft haben, aber dann war Endstation? Vermutlich dürften im BR-CD-Archiv einige dabei gewesen sein.
 
Unter "CDs retten" würde ich (mittlerweile) eher verstehen, dessen Inhalte auf andere Datenträger zu überspielen.
Letzteres ist ja geschehen, im Sinne der Sicherheit auch redundant gespeichert.
Hier geht es um die Datenträger an sich. Ich kann‘s verstehen und zum unsäglichen Artikel, der hier verlinkt war, hat @lg74 schon alles nötige gesagt… mich juckte es i. Den Fingern, er war schneller und präziser.

Was dem einen seine Bücher, dem anderen sein Vinyl ist dem Dritten die CD, in ihrer Hülle, mit den üblichen Dreingaben wie Booklets und/oder Bemusterungsnotizen.
 

Frau Demmelhuber erinnert mich sehr an Peter Sodann mit seiner DDR-Bücher-Sammlung. Guter Wille, viele sich aufdrängende Ideen, aber keine Ressourcen zur Umsetzung. Und die komplette Naivität gegenüber den Herausforderungen der Logistik.
Was für ein arroganter Kommentar...
 
Damit, dass meine Skepsis als Arroganz wahrgenommen wird, muss ich wohl leben.

Die Veröffentlichungen in der Presse wie

"Sie suche nun einen Platz zur Zwischenlagerung und eine Institution, Uni, Bibliothek, Hochschule, Schule oder eine Kultureinrichtung, die womöglich Interesse daran hat."

lassen mich nicht erkennen, dass es eine realistische Chance gibt, das CD-Archiv langfristig zu sichern und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Sollte ich die Möglichkeiten von Frau Demmelhuber allerdings falsch einschätzen, werde ich mich gerne später für mein Zweifeln entschuldigen und alle Hüte ziehen.

Ich habe übrigens die Abwicklung eines Archives und letztendlich vergebliche Rettung als ganzes aus relativer Nähe mitverfolgt und kann daher ein klein wenig einschätzen, um was es bei solchen Projekten geht. Wen es interessiert, eine Webseite ist noch übriggeblieben: https://www.zga-berlin.de/
 
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Und das wird dort alles aufbewahrt??
Kann ich mir nicht vorstellen. Ich kenne einige Fälle, in denen Radiohörer sich unbekannte, erfolglose Musiktitel als persönliche Jugend- oder Kindheitserinnerung wünschten, die Sender diese Titel aber nicht im Archiv hatten und findige Redakteure auch bei zentralen Stellen wie dem DRA zunächst erfolglos blieben. Erst das Herumfragen im Kreis von Musikredakteuren älteren Semesters führte dann jeweils dazu, dass irgendein alter Hase sich meldete und die Platte aus seinem Privatfundus zur Verfügung stellte.
 
Damit, dass meine Skepsis als Arroganz wahrgenommen wird, muss ich wohl leben.

Die Veröffentlichungen in der Presse wie

"Sie suche nun einen Platz zur Zwischenlagerung und eine Institution, Uni, Bibliothek, Hochschule, Schule oder eine Kultureinrichtung, die womöglich Interesse daran hat."

lassen mich nicht erkennen, dass es eine realistische Chance gibt, das CD-Archiv langfristig zu sichern und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Sollte ich die Möglichkeiten von Frau Demmelhuber allerdings falsch einschätzen, werde ich mich gerne später für mein Zweifeln entschuldigen und alle Hüte ziehen.

Ich habe übrigens die Abwicklung eines Archives und letztendlich vergebliche Rettung als ganzes aus relativer Nähe mitverfolgt und kann daher ein klein wenig einschätzen, um was es bei solchen Projekten geht. Wen es interessiert, eine Webseite ist noch übriggeblieben: https://www.zga-berlin.de/
@Adolar ich meinte nicht dich persönlich, sondern den von dir verlinkten Artikel.
 
sondern den von dir verlinkten Artikel.
Nun ja, "Artikel". Die Seite scheint eine Art Blog von Axel Brüggemann zu sein, in dem er in diesem "Aufmacher"-Format immer wieder versucht zu provozieren.

Wenn jemand, mit solchen journalistischen Stationen in der Vita, Stilblüten wie

"Fakt ist: CDs sind das wahrscheinlich unsinnlichste Musik-Medium, das je erfunden wurde!"

heraushaut, könnte er wohl selber nochmal einen Textchef gebrauchen.

Reichlich gaga sind die Mätzchen, diesen Meinungsstücken eine "English summary" voranzustellen. Hier:

"A former BR employee rescued 175,000 CDs from destruction, hailed as a heroine despite the futility. Critics call CDs obsolete, inferior to LPs and digital formats, noting even labels destroy stock due to costs and the medium’s declining cultural value."

Ich sage da mal:

Fakt ist, dass sein KI-Tool wahrscheinlich etwas übertreibt. Eine Crowdfunding-Seite aufzusetzen war wohl schon zu mühselig, ein Paypal-Spendenbutton muss genügen.

PS: "Brüggi" hört auch gerne Radio und hat seinen Franz Josef Wagner gut gelernt: https://backstageclassical.com/lieber-br-klassik/
 
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Update:

Vor einigen (etlichen?) Jahren hat die ARD die digitale Zurverfügungstellung von Neuveröffentlichungen im MPN als gleichberechtigte "Bemusterung" anerkannt und die Tonträgerhersteller von der Pflicht entbunden, physische Tonträger an das Deutsche Rundfunkarchiv/DRA zuzusenden. Laut Aussage des DRA ist die Zusendung von handelsüblichen Tonträgern in der letzten Zeit stark zurück gegangen. Vom DRA in Frankfurt/Main wurde das Vinyl-Material zum DRA nach Potsdam verbracht, CD-Material wurde entsorgt. Nach wie vor besteht jedoch die Verpflichtung der Tonträgerindustrie, handelsüblich veröffentlichte Tonträger mit jeweils zwei Exemplaren an die Deutsche Nationalbibliothek/DNB nach Leipzig zu liefern.

Inzwischen werden von der Industrie so gut wie keine Single- oder Maxi-CDs mehr hergestellt. Sogenannte, auch optisch zu erkennende "Promo"-CDs gibt es schon lange nicht mehr. Gleichzeitig haben bereits viele Redaktionen aus Umweltgründen die Labels nachdrücklich darum gebeten, kein physisches Material mehr zuzusenden.
 
Ja klar, man kann sich in Frankfurt alles anhören und ansehen in der DNB, hab ich schon oft gemacht, man muss sich nur auf den Weg machen. Liebe Grüße!
 
Genau. Leipzig ist der Hauptstandort für Musikpublikationen: Das Deutsche Musikarchiv in Leipzig sammelt Noten, Tonträger, Partituren und Musikliteratur systematisch. Frankfurt sammelt nach 1945 erschienene Publikationen generell, aber Musik nicht primär. Es können Musikwerke enthalten sein, die nach 1945 veröffentlicht wurden, vor allem, wenn sie zu speziellen Sammlungen wie Exilarchiven gehören, aber das Zentralarchiv für Musik ist in Leipzig.
 
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