1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

Der Untergang des unabhängigen Journalismus? Medien, Macht und Meinungsmache... .

Dieses Thema im Forum "Radioszene Deutschland" wurde erstellt von germancomponist, 30. April 2010.

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. germancomponist

    germancomponist Gesperrter Benutzer

    Am besten nichts Neues: Medien, Macht und Meinungsmache
    2. Buchausgabe im März 2010 von Tom Schimmeck.


    Meine Leseempfehlung für alle interessierten: http://westendverlag.de/westend/buch.php

    Auszug von Westend:

    Der Untergang des unabhängigen Journalismus.

    Der Mut der Presse schwindet, Journalisten und Redakteure stehen immer mehr unter Druck. Konzerne sparen Verlage und Sender zu Tode, und PR-Profis steuern die Themen. Tom Schimmeck seziert die Misere der Öffentlichkeit. Sein Fazit: Die Medien drohen zu Handlangern derer zu werden, die sie kontrollieren sollten – mit fatalen Folgen für unsere demokratische Gesellschaft.

    Während Zeit und Geld ständig knapper werden, in den Redaktionen und Korrespondenzbüros immer weniger Leute die gleiche Menge an Arbeit machen, wächst in Wirtschaft und Politik die Macht und Zahl der Spin-Doktoren, PR-Consultants, Agendasetter, Werber, Imageberater, Marktforscher, Eventmanager und Mediencoaches. Meinungen und Stimmungen werden gegen Geld von Profis gemacht. Ihre perfekt designten Bilder und Botschaften zielen direkt auf die Massen. Der unabhängige Journalist ist nur noch Störfaktor. Tom Schimmeck, seit dreißig Jahren Journalist für führende Medien, beschreibt Mechanismen der Gleichschaltung und Ursachen der Misere. Seine Bestandsaufnahme unserer defekten Öffentlichkeit zeigt: Wenn wir nicht bald irgendwo zwischen Putin und Berlusconi landen wollen, brauchen wir mehr denn je eine unabhängige, kritische vierte Gewalt im Staat.
     
  2. germancomponist

    germancomponist Gesperrter Benutzer

    AW: Der Untergang des unabhängigen Journalismus? Medien, Macht und Meinungsmache... .

    Oops. Hier noch etwas zum Autor:

    TOM SCHIMMECK arbeitet als freier Autor für die Süddeutsche Zeitung, die Zeit, den Deutschlandfunk, den NDR und viele andere Medien (homepage: www.schimmeck.de). Er war Mitbegründer der taz und Redakteur und Reporter bei Tempo, Spiegel, profil und Woche. 2007 erhielt er den Otto-Brenner-Preis, 2008 den Ernst-Schneider-Preis und 2009 den Deutschen Sozialpreis. Er lebt im Wendland.
     
  3. Funkgeist

    Funkgeist Benutzer

    AW: Der Untergang des unabhängigen Journalismus? Medien, Macht und Meinungsmache... .

    Hat da auch grade jemand WDR5 gehört ?!...;) - ich war jedenfalls ganz begeistert, als der Herr Schimmeck sich dort ausführlich zum Thema äußerte.
    Exakt das war letztlich auch mein Thema, als ich die Schließung des GA-Threads bedauerte. (Nochmal mit dem Hinweis, dass es nicht um das Verurteilen der PR-Branche geht, sondern darum, den eigentlich Publizierenden den Aufruf zuzuwerfen "Kümmert Euch selbst und lasst Euch nicht füttern!" :) )
     
  4. germancomponist

    germancomponist Gesperrter Benutzer

    AW: Der Untergang des unabhängigen Journalismus? Medien, Macht und Meinungsmache... .

    Genau, ich hatte eben auch, wie meistens, WDR5 gehört. Und ich bedaure ebenso die Schließung des GA-Threads. GA war wohlbemerkt von mir nur als ein Beispiel genannt... .

    Hier ist noch ein etwas älterer link, aber ebenso lesenswert: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/dasfeature/823486/

    Auszug: "Politiker, Verbände und Firmen mieten zur Durchsetzung ihrer Ziele heute Profis, die ihnen weit mehr bieten als klassische Reklame: Sie erfinden packende Geschichten, kreieren Medienereignisse, platzieren passende Experten im Fernsehen. Sie gründen sogar Organisationen, die unter dem Deckmantel zivilgesellschaftlichen Engagements die Trommel ihrer Geldgeber rühren. Auf dass der optimale "Spin" entstehe, die Drehung der öffentlichen Debatte in die gewünschte und meist teuer bezahlte Richtung."
     
  5. Unterstützer

    Unterstützer Benutzer

    AW: Der Untergang des unabhängigen Journalismus? Medien, Macht und Meinungsmache... .

    Klingt sehr spannend. Danke für den Tipp.

    Die Tatsache, dass kaum wo - und nicht mal in Fachforen (!) - offen über den Ausverkauf und die Aushöhlung journalistischer Aufgaben diskutiert werden kann, macht mich allerdings nicht sehr optimistisch, dass dieses Buch irgendwas bewirken wird.

    Aber immerhin: ZAPP berichtet regelmäßig über die Problematik:
    - in Hörfunk: http://www.youtube.com/watch?v=ksxihPNI7Kk
    - und Fernsehen: http://www3.ndr.de/flash/zapp/inter...psendung198-interactiveBroadcasts.xml&sr=zapp
     
  6. germancomponist

    germancomponist Gesperrter Benutzer

    AW: Der Untergang des unabhängigen Journalismus? Medien, Macht und Meinungsmache... .

    Hoffen wir, dass dieser thread hier nicht wieder kommentarlos geschlossen wird... .
     
  7. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    AW: Der Untergang des unabhängigen Journalismus? Medien, Macht und Meinungsmache... .

    Volltreffer! Das ist genau das, was ich im geschlossenen GA-Thread (durchaus nicht negativ hinterlegt) meinte, als ich schrieb:
    "Es sitzen sowieso längst mehr gut ausgebildete und professionell arbeitende Journalisten in PR-Agenturen und den Kommunikationsabteilungen der Industrie, als in den Redaktionen der Medien. Und by the way: Dort verdienen sie auch mehr!"
     
  8. germancomponist

    germancomponist Gesperrter Benutzer

    AW: Der Untergang des unabhängigen Journalismus? Medien, Macht und Meinungsmache... .

    Problematisch dabei ist nur, das diese gut ausgebildet und professionell arbeitenden Journalisten hier nicht beschäftigt werden um neutral etwas zu recherchieren, sondern um ihr erlerntes Know How derart einzusetzen, dass es möglichst niemand merkt, dass sie für "Meinung machen/Propaganda ...." bezahlt werden.
     
  9. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    AW: Der Untergang des unabhängigen Journalismus? Medien, Macht und Meinungsmache... .

    @germancomponist

    Nicht jeder Apfelverkäufer, der behauptet, Apfel essen sei gesund, ist gleich ein unlauterer Meinungsmacher und Propagandist...
    Es gibt auch PR, die ist zuverlässig, kompetent, ehrlich und selbstkritisch.
     
  10. germancomponist

    germancomponist Gesperrter Benutzer

    AW: Der Untergang des unabhängigen Journalismus? Medien, Macht und Meinungsmache... .

    Oops, eine solche PR gibt es noch? Kannst du ein Beispiel nennen?
     
  11. Radiocat

    Radiocat Benutzer

    AW: Der Untergang des unabhängigen Journalismus? Medien, Macht und Meinungsmache... .

    Am schlimmsten ist jene PR, die so erscheinen will, es aber natürlich nicht ist. Ziel jeder PR ist engültig Verkauf, egal, wie unterschwellig sie ist und wie selbstlos sie daherkommt. Das sollte einem stets klar sein.
     
  12. Studio Rebstock

    Studio Rebstock Benutzer

    AW: Der Untergang des unabhängigen Journalismus? Medien, Macht und Meinungsmache... .

    Natürlich gibt es diesen unmittelbaren Zusammenhang. Es gibt aber auch PR, die nicht zwingend oder höchstens mittelbar mit Verkauf zu tun hat.
    Beispiele dafür wären die Imagepflege der chemischen Industrie, die Förderung des Forschungsstandorts Deutschland, die so genannte "Wirtschaftsförderung" von Kommunen und Kreisen, das Anwerben von Lehrern (Hessen) oder Studenten (Leipzig) oder vergleichbare Imagekampagnen, z.B. für Windräder zur Energiegewinnung etc. pp..

    Sicher wird das mittelbar und langfristig auch was mit Verkauf / Absatz / Umsatz / Stärkung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zu tun haben.
    Fügt man jetzt noch PR hinzu, die Kosten spart (Gewinne durch die Hintertür), wie beispielsweise die Kampagnen der Berufsgenossenschaften für mehr Sicherheit speziell im Berufsverkehr usw. oder gegen Alkoholmissbrauch durch Jugendliche - das sind alles auch PR-Kampagnen. Sie sollen unser Bewusstsein auf mehr Kommunikationskanälen als nur über Plakatwerbung schärfen. Doch wo beginnt da die Verwerflichkeit? Bei der moralischen Akzeptanz?

    Worin unterscheidet sich eine Reportage bei Spiegel TV über "ein Kreuzfahrtschiff" (bei dem die Flotte und der Service besonders positiv dargestellt wird) und der über den harten Alltag bei Polizei (Davidwache Hamburg) oder Zollfahndung? Was ist von einer Reportage über das österreichische Jagdkommando zu halten? Seriöse Berichterstattung oder geschickt von der österreichischen Regierung gesteuerte Imagepflege? Ist die Bundesregierung vielleicht daran interessiert, Polizei und Zoll in einem besonders guten Licht erscheinen zu lassen?

    Wo ist die Grenze, wer definiert und zieht sie und was ist heute noch "unabhängig"?
     
  13. germancomponist

    germancomponist Gesperrter Benutzer

    AW: Der Untergang des unabhängigen Journalismus? Medien, Macht und Meinungsmache... .

    Vielleicht ist das hier mal ein gutes Beispiel: http://wirtschaft.t-online.de/kaufkraft-analyse-drei-minuten-arbeiten-fuer-ein-bier/id_41468944/index

    Was denkt ihr, wer hinter dieser PR steckt, wer wohl diesesm Kölner Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) den Auftrag erteilt hat, dort bei der Studie zu solchen Ergebnissen zu kommen? Ich bin schon jetzt darauf gespannt, welche Politiker im Wahlkampf in NRW sich auf diese Studie beziehen werden..... .
     
  14. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    AW: Der Untergang des unabhängigen Journalismus? Medien, Macht und Meinungsmache... .

    Jedenfalls ist am "Untergang des unabhängigen Journalismus" bestimmt nicht die Professionalisierung in den PR-Abteilungen von Verbänden oder Unternehmen schuld. Da müssen sich die Medien schon selbst an die Nase fassen, mit ihren Sparprogrammen, Formatieruingen, News-Desks und sonstigen Rationalisierungsmaßnahmen.
     
  15. Funkgeist

    Funkgeist Benutzer

    AW: Der Untergang des unabhängigen Journalismus? Medien, Macht und Meinungsmache... .

    Es ist ja nun erstmal so, dass unser fast gesamtes gesellschaftliches Leben von Geld durchdrungen ist. Auch kulturelle und soziale Bereiche funktionieren nicht ohne, die Grenze zu privat-gewerblichen Interessen sind bisweilen fließend. Das macht dieses Thema sicher etwas schwierig.
    Grundsätzlich ist PR nichts Schlechtes. Ungefähr so wie ein scharfes Küchenmesser nichts Schlechtes an sich ist...
    Das Problem beginnt m.EA. da, wenn ein individuelles, rein monetäres Interesse an einer Stelle verdeckt gestützt wird, wo es nicht hingehört. Die Nichterkennbarkeit, bzw. unterschwellige Beeinflussung empfinde ich für den Berufsstand des Journalisten/Publizisten als ethisch fragwürdig.
    Im Detail hängt es natürlich einfach von den Rahmenbedingungen ab. In einem Wochenmagazin einer Lokalzeitung, das ohnehin zu 80% aus erkennbarer Werbung besteht, kommen mir solche "Schönschreibartikel" weniger fragwürdig vor, als vermeintlich hilfreiche "Informationsartikel/Spots" auf einer Plattform, die gemeinhin als seriöse Plattform anerkannt ist. Es hängt halt immer vom Grad der Täuschung/Verschleierung ab.
    Um es konservativ auszudrücken: Es gab da mal das altmodische Gebot der klaren Trennung von Redaktionellem und Werbung... solange die erkennbar gewahrt ist, sei jede Form von positiver (auch Image)Bewerbung zulässig. Meine Meinung...
     
  16. Ablauscher

    Ablauscher Benutzer

    AW: Der Untergang des unabhängigen Journalismus? Medien, Macht und Meinungsmache... .

    Danke für diesen Thread!! Und auch (ausdrücklich!) für die Buchempfehlung von "germancomponist". Ich beobachte auch mit großem Schrecken, wie leichtfertig die schreibende Zunft kritiklos PR-Material übernimmt und als Redaktionsmaterial auf die Seiten bringt. Kann ja durchauch manchmal nötig sein und darf auch möglich sein, aber dann sollte es doch auch als solches gekennzeichnet werden. Tut aber fast keiner, leider!!
     
  17. Unterstützer

    Unterstützer Benutzer

    AW: Der Untergang des unabhängigen Journalismus? Medien, Macht und Meinungsmache... .

    Die SCHREIBENDE Zunft?

    Ich empfehle nochmal die Links aus Posting #5.

    Das IST kein Problem der anderen. Das ist ebenso ein Problem des Rundfunks.

    Und - oft zitiert aber immer wieder ein Schlag in die Magengrube - die einzige Studie zu dem Thema, hat für den Hörfunk einen

    “Infiltrationsprozess der Public Relations in den Kernbestand journalistischer Kommunikationsinhalte“

    festgestellt. Ob sich an dieser Diagnose was verändert hat seit die Ergebnisse vor drei Jahren vorgestellt wurden, darf bezweifelt werden.

    Zitat aus:
    Helmut Volpers: Public Relations und werbliche Erscheinungsformen im Radio. Schriftenreihe Medienforschung derLfM - Bd. 55, S. 43
     
  18. chapri

    chapri Benutzer

  19. radiovictoria01

    radiovictoria01 Benutzer

    AW: Der Untergang des unabhängigen Journalismus? Medien, Macht und Meinungsmache... .

    germancomponist.... es war zu erwarten. Aber danke für den link, hochinteressante Behandlung des Themas. Zum einen kann ich mich (doch! doch!) dem #12 des verehrten useres studio rebstock anschliessen. Hat er gut getroffen.
    Ich will den Hebel mal woanders ansetzen:
    Sofern ich "Journalismus" nicht automatisch mit "Enthüllungsjournalismus" gleichsetze (in der Richtung wird für mich oft stark übertrieben), sondern mit unvoreingenommener und möglichst objektiver Berichterstattung, dann muß ich konstatieren:
    Es gibt eigentlich keinen unvoreingenommen und objektiven Journalismus.
    (Mal abgesehen von dem jungen, hoffnungsvollen Praktikanten, der an seinen ersten eigenen Beiträgen bastelt...)

    Aber wenn ich gewisse Redakteure auf dem Bildschirm sehe, dann weiß ich genau, welches Parteibuch der hat. Entsprechend werden die Themen behandelt oder erst gar nicht aufgegriffen. Und ich habe viele Redakteure erlebt und kennengelernt, die durch die Bank eine entsprechend vorgefasste Meinung gehabt haben, bedingt durch deren politischer Einstellung....

    so what... wer stellt wie bitte fest, welcher Beitrag und welcher Journalist unabhängig ist. Wer bestimmt, was kritischer Journalismus ist? Eine Reihe von Fragen, die für mich offen sind...
     
  20. K 6

    K 6 Benutzer

    Gibt es eigentlich irgendwo noch klare Abgrenzungen des am betreffenden Ort stattfindenden Lokaljournalismus zu diesen Aktivitäten? Macht überhaupt noch irgendeine Zeitung Lokaljournalismus, der nicht völlig PR-durchseucht ist?

    Auch Fachjournalismus ist da ein ganz finsteres Thema.
     
  21. Ablauscher

    Ablauscher Benutzer

    AW: Der Untergang des unabhängigen Journalismus? Medien, Macht und Meinungsmache... .

    @ Victor: Die Antwort heißt: "die Vielfalt"
    und
    @Unterstützer: Natürlich, ja!!! Ich erweitere meinen Satz hinter "..schreibende Zunft" um: "und zunehmend auch bei Radiomachern.."
     
  22. germancomponist

    germancomponist Gesperrter Benutzer

    AW: Der Untergang des unabhängigen Journalismus? Medien, Macht und Meinungsmache... .

    Danke für den Link, ich hatte diesen thread noch garnicht gelesen... . .

    Was JRP (Julian) da schreibt, alles oki. GetAudio betont immer wieder, dass sie kein Geld von Radiostationen / Sendern oder Redakteuren bekommen. Alles sei kostenlos. Das glaube ich gerne und ich habe das auch noch nie angezweifelt.

    Aber, kostenlos? Wo gibts noch was umsonst?

    GetAudio wird bezahlt von deren Auftraggebern. Und niemand wird GetAudio mit der Produktion eines Beitrags beauftragen und bezahlen, wenn er damit nicht eine bestimmte Absicht verfolgt; sei es nun Werbung oder Meinungsmache. Und die Referenzenliste bei audioetage.com kann sich sehen lassen... .
     
  23. chapri

    chapri Benutzer

    AW: Der Untergang des unabhängigen Journalismus? Medien, Macht und Meinungsmache... .

    Den Thread reichlich, das Posting scheinbar nicht :)

    Na, endlich entfaehrt Dir mal ein Lob :))
     
  24. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    AW: Der Untergang des unabhängigen Journalismus? Medien, Macht und Meinungsmache... .

    Genauso wie der Journalismus (oder das, was davon in vielen Medien noch übrig geblieben ist) völlig undifferenziert als edel, neutral, idealistisch und vollkommen unbestechlich idealisiert wird, wird PR vielfach reflexhaft als heimtückische, infame und subtile Unterminierungszauberkunst verteufelt.
    Beide Haltungen überstrahlen insbesondere dann die Diskussionen, wenn sie von solchen geführt werden, die weder in dem einen, noch in dem anderen Lager je ernsthaft gearbeitet haben. Das wenigstens kann ich von mir behaupten, dass ich sowohl auf der einen, als auch auf der anderen Seite des Schreibtisches jeweils bereits etliche Jahre auf dem Buckel habe. Und ich bleibe bei meiner Einschätzung: Die journalistische Substanz in den Redaktionen von Zeitungen und Rundfunk schmilzt dramatisch, während sie im Lager der Agenturen, Pressebüros, Kommunikationsberatern etc. in gleichem Maße wächst.
     
  25. kk

    kk Benutzer

    AW: Der Untergang des unabhängigen Journalismus? Medien, Macht und Meinungsmache... .

    Ist das ein Wunder? Nachdem ausnahmslos alle Medienbereiche kommerzialisiert wurden und die Aufsichtsgremien immer mehr politische Gremien sind, die aus leicht nachvollziehbaren Gründen gern mal Dinge nicht so eng sehen? Wenn die Anzeigenteile für die Rentabilität einer Zeitung wichtiger sind als die Abonnenten und Zeitungskäufer? Ich kann mich an so manchen Thread erinnern, in dem ein Autor darauf hinwies, daß (als Beispiel) ein ÖR doch eigentlich nur machen dürfte, was die Privaten nicht machen. Mit dieser Sichtweise ist doch klar, was passiert: Ich bekomme ein Angebot, das entweder nur Nischen bedient, oder Massenware ohne Inhalt ist(weil teuer). Und weil eine gute Ausbildung teuer ist, war das das erste, woran gespart wurde. Welcher Privatradio-Volo hat in den vergangenen Jahren denn mehr gemacht als als billiger Aushilfsmoderator den Sendecomputer zu bedienen? Wer hat eine 'echte' Sprecherziehung, die es einem Profi erlaubt, wirklich in jedem Bundesland zu arbeiten, ohne böse aufzufallen?
    Das Redakteursstatut, das die strikte Trennung von Redaktion und Verlag erreichen sollte, wo wird es noch konsequent umgesetzt? In Hamburg, Berlin und München doch wohl eher weniger, In Frankfurt ebenfalls mal mehr, mal weniger. Und solange sich politische Parteien in Deutschland eigene, nicht als partei-zugehörend kenntlich gemachte Tageszeitungen und Medienbeteiligungen leisten dürfen, braucht sich doch niemand zu wundern.
    In den meisten Universitäten gehört das Fach 'Journalimus', wenn es denn mal gegeben wird, von jeher (als Teilbereich!!!) zum Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Marketing.
    Und die angehenden Werbefachleute lernen dann auch gleich zu Anfang, ihre Pressemitteilungen so zu verfassen, daß sie möglichst per Drag'n'drop zu übertragen sind. Weswegen in vielen Schreiben, die eigentlich mit einem 'Sehr geehrte Damen und Herren ...' anfangen sollten und mit einem 'Wir würden uns freuen ...' enden, stattdessen wie eine Nachricht aufgebaut sind - mit der eigenen Firma in der dritten Person. Uarrghhhhh! Und es gibt tatsächlich einige Redaktionen, die das nahezu wörtlich übernehmen!!!!!!!!
    Ein Blick in die Tabloide und Din A 2 - Blättchen reicht doch aus, um ernsthaft Zweifel daran zu bekommen, daß unsere 'geistige Elite' tatsächlich auch der deutschen Sprache so mächtig ist, wie man es eigentlich erwarten können müßte. Semantik? Orthografie? Nur solange die automatische Rechtschreibhilfe korrigiert. Und im Fernsehen: Wo wird denn noch eine anschaubare Bildgeschichte präsentiert, und das nicht nur in irgendwelchen 30+Minuten-Reportagen (oder Spielfilmen)? Da wird doch nur noch lapidar abgewunken: 'Das interessiert doch niemanden' oder 'trägt nicht'. Falsch - als Journalist hat man einen Stoff so auszuarbeiten, daß das Produkt hinterher interessant - und trotzdem nicht oberflächlich ist. Wer das nicht (mehr) kann, verdient diese Berufsbezeichnung meiner Meinung nach nicht.
    Punkt.
     

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Diese Seite empfehlen