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Kultur ohne Radio - Radio ohne Kultur? Kulturrat über den WDR

Dieses Thema im Forum "Radioszene Deutschland" wurde erstellt von Hörbub, 19. Januar 2010.

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  1. Hörbub

    Hörbub Benutzer

    Der deutsche Kulturrat hat am 14.1.2010 recht unbemerkt von der Öffentlichkeit eine neue Schrift herausgegeben:

    Der WDR als Kulturakteur. Anspruch – Erwartung – Wirklichkeit.
    Herausgegeben vom Deutschen Kulturrat.
    Autoren: Gabriele Schulz, Stefanie Ernst, Olaf Zimmermann.
    Berlin 12/2009. 464 Seiten.

    Online auch als pdf unter:
    http://www.kulturrat.de/detail.php?detail=1724&rubrik=2


    Das Fazit ist nicht nur positiv für die Stadt Köln, die ohne den WDR kulturell stark dezimiert wäre, sondern auch für den WDR Hörfunk:
    und weiter
    Es gibt auch auch kritische Stimmen:
    und auch das Thema Kritik bekommt einen Raum:
    So, nun könnt Ihr debattieren, lamentieren und die Gebührendiskussion gleich mit hervorholen.:p

    P.S.: Ich halte die Schrift für recht neutral und fundiert.
     
  2. Inselkobi

    Inselkobi Benutzer

    AW: Kultur ohne Radio - Radio ohne Kultur? Kulturrat über den WDR

    Prima, denn als erstes stellt sich mir natuerlich Frage weshalb der WDR gleich zwei
    benoetigt. - WDR3 und WDR5.
    Wuerde nicht auch eines ausreichen?
    WDR3 ist ja vielmehr die 'klassische' Variante des Kulturkanals des WDR.
    WDR5 hingegen der eigentliche Kulturkanal.

    Wie definiert sich Kultur?
    In Form von Musik, von Hoerspielen, der Welt-Kultur-Hauptstadt? Ueber letztere wussten beispielsweise sowohl WDR3, als auch WDR5 reichlich wenig zu berichten.

    Kultur ohne Radio? - Scheinbar zumindest, wenn sie direkt vor der Tuer stattfindet.
    Radio ohne Kultur? - Nicht, wenn sie weit genug entfernt oder virtuell scheint.
     
  3. hetti39

    hetti39 Benutzer

    AW: Kultur ohne Radio - Radio ohne Kultur? Kulturrat über den WDR

    WDR 3 ist mit Abstand das langweiligste Klassikprogramm bei den Öffentlich Rechtlichen. Mein Lieblingsklassikprogramm ist Bayern4. Die machen nämlich das, was WDR 3 bei seiner Reform vor ein paar Jahren machen wollte: Liveübertragungen aus den Konzert- und Opernhäusern. Selbst NDR 2 und HR 2 übertrgen Premieren aus den Opernhäusern aus Hamburg und Hessen, nur beim WDR gibt es keine einzig Liveübertragung. Dabei haben wir doch so hervorragende Opernhäuser in NRW. Aber auf kritische Fragen bzw. Anregungen bekommt man beim WDR leider keine Antwort.
     
  4. Ralle_Köln

    Ralle_Köln Benutzer

    AW: Kultur ohne Radio - Radio ohne Kultur? Kulturrat über den WDR

    Oh, im Norden also acht mal täglich Shakira, Wet Wet Wet und das Langweiligste aus gefühlten 135 Jahren Phil Collins aus Opernhäusern. Wer's mag...
     
  5. NurzumSpassda79

    NurzumSpassda79 Benutzer

    AW: Kultur ohne Radio - Radio ohne Kultur? Kulturrat über den WDR

    Mitnichten. WDR 5 ist mehr ein klassisches Wortprogramm. Nicht jede Sendung bzw. Sendestrecke hängt mit Kultur zusammen. Ich würde dem fünften Programm des WDR - subjektiv betrachtet - sogar weniger Kultur einräumen als dem Deutschlandfunk, der selbiger abends mehr Raum bietet.

    Und warum sollte es keine zwei Programme dieser Art geben? Der Bayerische Rundfunk verfügt über zwei ähnlich strukturierte Programme mit Bayern 2 und 4, äh Klassik. :D Ich bin eher dafür, dass andere Anstalten ähnliches veranstalten würden (denke da speziell an den Mitteldeutschen Rundfunk).
     
  6. Tweety

    Tweety Benutzer

    AW: Kultur ohne Radio - Radio ohne Kultur? Kulturrat über den WDR

    Im
    Oftmals werden aber gerade diese in den Abendstunden versteckt. Hörspiel im Radio ist immer etwas schwierig. Da braucht man für einen langen Zeitraum ungeteilte Aufmerksamkeit. Hier würde sich die Möglich des Podcastings anbieten oder Veröffentlichungen auf CD.

    Und auch hervorragende Orchester, aber oftmals ist man beim WDR zu Köln bezogen.

    Kein alleiniges Problem des WDR aber absolut zutreffend. Selbst das Flagschiff WDR 2 ist da ungewohnt konservativ.
     
  7. linksdudelts

    linksdudelts Benutzer

    AW: Kultur ohne Radio - Radio ohne Kultur? Kulturrat über den WDR

    Sorry, aber die beiden Programme haben einen deutlich unterschiedlichen Charakter. Achte z.B. mal auf Musikfarbe und -anteil.
     
  8. Inselkobi

    Inselkobi Benutzer

    AW: Kultur ohne Radio - Radio ohne Kultur? Kulturrat über den WDR

    Aufgrund des Musikanteiles, das mag durchaus sein. Bezueglich der Musikfarbe schrieb ich allerdings bereits in meinem Beitrag, den du, linksdudelts, kopiertest, dass mir dies durchaus bekannt ist.

    (Bezug nehmend auf #2)
    Ich sah mir, bevor ich meine Antwort schrieb, nochmal die Website des WDR an und verglich sowohl WDR3 als auch WDR5 mit einander.

    Allein bereits die Beschreibung der Sender:
    und
    passen bereits nicht mit den dort veroeffentlichten Themen ueberein.
    So veroeffentlicht der WDR unter WDR5 wesentlich mehr kulturelle Themen, als beim WDR3:
    Aufgrund meiner Hoererfahrung und der Website zog ich damit das Resumee, das ich bereits in #2 schrieb.
     
  9. StabsstelleIV

    StabsstelleIV Benutzer

    AW: Kultur ohne Radio - Radio ohne Kultur? Kulturrat über den WDR

    Ein Kulturprogramm würde ich WDR5 dennoch nicht nennen wollen. Eher ein - wenn auch nicht im 15-Minuten-Rhytmus - agierendes Informationsprogramm mit einem breiten Anteil an Kulturberichterstattung.
     
  10. linksdudelts

    linksdudelts Benutzer

    AW: Kultur ohne Radio - Radio ohne Kultur? Kulturrat über den WDR

    Naja, aber Einschalten hilft bei der Charakterisierung. WDR 3 ist ein klassischer Kulturkanal, mit einer Wortwahl und Ansprechhaltung, die ich als eher elitär bezeichnen würde. Da gibt es Theaterkritiken, Musikfeatures, ziemlich viel "E-Musik" und Essays. Dagegen ist WDR 5 ein eher locker moderiertes Programm, das sich in den meisten Inhalten und von seiner Präsentation her an die Durchschnittsbevölkerung richtet. Ich finde, die beiden Programme unterscheiden sich deutlich von einander. Und Kultur kommt geballt eigentlich nur in "Scala" und den Büchersendungen vor, du zitierst ja in #8 die eigene Darstellung, da ist nur 1 von 11 Sparten Kultur.
     
  11. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    AW: Kultur ohne Radio - Radio ohne Kultur? Kulturrat über den WDR

    @hörbub

    Zunächst würde mich mal interessieren, warum Du das Zitat, mit dem Du das "positive Fazit für den WDR" belegst, gleich zweimal präsentierst. Außerhalb der Radiowelt gibt es Menschen, die nicht der mehrfachen Wiederholung bedürfen, um einen Sachverhalt zu erfassen und zu begreifen.:)

    Zum Zweiten: Ist Dir aufgefallen, dass im Zitat für "positives Fazit" lediglich von Quantität die Rede ist, also von Höhe der Kosten, Wortanteil, Sendungsumfang, Zahl der Hörspiele, "Aufwuchs" des Wortanteils etc. Eine qualitative Aussage finde ich nicht.

    Hingegen sind die von dir zitierten "kritischen Stimmen" von qualitativem Charakter. Sie sprechen von der "Gefahr der Formatierung", vom Mangel an "Unvorhersehbarem", von der Entwicklung zur "reinen Abspielstation", von pathologischer Kritikunfähigkeit etc.

    Setze ich auf der Basis deiner Zitate "positive" und "negative" Einschätzung gegeneinander, dann bleibt ein eher trauriges Bild vom vermeintlichen Kulturflaggschiff WDR.
     
  12. Hörbub

    Hörbub Benutzer

    AW: Kultur ohne Radio - Radio ohne Kultur? Kulturrat über den WDR

    @Mannis Fan - Selbst Positiv ist Relativ;)

    Eigentlich war ich auf der Suche nach etwas anderem von Olaf Zimmermann, bin also eher zufällig über diese "Expertise" gestolpert.

    Du hast das Problem des Fazit gut erkannt. Das Negative wurde meist in Form eines persönlichen Zitats gepackt, während das Positive aus dem Zusammenhang ermittelt worden sein muss. Das hat auch mich gestört, als ich das Fazit zitierte.

    Im Vergleich ist der WDR immer noch ein Kulturflaggschiff (Positiv = Relativ), andere Sender haben dort längst abgerüstet. WDR 5 bietet ein echtes Wortprogramm und nicht nur eine viel günstiger zu produzierende Inforadioschiene. Je nachdem wie man Kultur definiert, liegt mir WDR5 näher als WDR3 - das Programm ist mir dort zu oft "Live aus dem Philosophenturm".

    Und der WDR sorgt sich mit Kiraka (nur DAB/Internet) sogar um die Zielgruppe Kinder, die bei anderen Sendern kurz vor der Totaleinstellung liegt. Da ist der Einäugige bereits der Blinde. Man kann dort aber auch recht gut zuhören - Kinder sollten sich da wiederfinden und der WDR tut recht viel in diesem Bereich, die Gebühren sind dort gut angelegt.
    Zur Qualität/Quantität ein Beispiel: die WDR Bigband gewinnt nicht nur Grammys, sondern bekommt auch noch Senderaum.

    Es liegt immer im Auge des Betrachters, wie Kultur und Qualität definiert wird - der allgemeinen gesellschaftliche Verflachung muss leider Rechnung getragen werden; man sollte es aber nicht auch noch fördern! Sicher hat der WDR durch sein NRW-Monopol auch nicht den Druck wie Andere. Eben weil es kaum bzw. keine (Ukw)Alternativen gibt, kann man noch große Fluchtmöglichkeiten des Hörers eine gewisse Qualität senden. Den Erfolg in der Zielgruppe haben die Dauerdudler - möglichst billig, nicht zu intelligent - bitte ja niemanden verschrecken. Früher waren WDR2 und NDR2 mal ebenbürtig - Letzterer hat sich dem Marktdruck mit entsprechendem Ergebnis sklavisch unterworfen. Selbst 1Live schafft es abends mal ein Hörspiel zu senden und mit Plan B wenigstens auch mal den Mainstreamstrassenrand zu betrachten - das Pendant N-Joy des NDR macht da gar nichts mehr.

    In diesem Kontext finde ich die Kernaussage: "Gar nicht so schlecht - aber mimosenhaft bei Kritik" schon treffend. Sicher möchte der ein oder andere mehr experimentieren, aber immerhin sendet man für 17 Mio. Einwohner. Eher sehe ich die Gefahr, das WDR3 bald auch bei den kulturinteressierten Hörern vorbei senden könnte; eben weil man zu oft vom Hauptweg abkommt.

    Noch einen kleinen Ausblick zum TV - das letzte Dritte mit einer Dokumentationszeit zur Primetime ist der WDR (Fr. 20.15 Uhr). Quarks & Co, Reportagen und Infos nicht völlig in der Nachtschiene (Die Story z.B. um 22 Uhr, Markt um 21 Uhr) rechne ich dem WDR hoch an, auch wenn der Inhalt dort oft immer häufiger abfällt. Aktuell kann ich das aber mangels TV-Gerät nicht mehr verfolgen. ARD/ZDF haben solche Grundversorgungsinhalte beinah komplett in die Digitalkanäle verfrachtet um überhaupt noch gegen RTL & Co. bestehen zu können.

    Der WDR sollte sich der Kritik offen stellen, aber bitte nicht so wie neulich bei NDR 1. Ich bin mir sicher, das es neben Kritik auch Lob geben wird.


    P.S.: Ich arbeite nicht für oder beim WDR, die Meinung ist wirklich Privat. Beim Programm habe ich sicher auch was zu mosern, aktuell sorgt die "WDR2 Zugabe" aber auch für entsprechende Kurzweiligkeit beim Schreiben dieser Zeilen.
     
  13. Dr.Znorko

    Dr.Znorko Benutzer

    AW: Kultur ohne Radio - Radio ohne Kultur? Kulturrat über den WDR

    Ob hier nicht "anspruchsvoll" mit "langweilig" verwechselt wird? Es stimmt wohl, daß ein paar Semester Musikgeschichte, Komposition und auch latente Konzerterfahrung dem Hörer beim Verständnis des Programms unheimlich helfen, aber WDR 3 ist eine Welt geblieben, die ohne den Alltagsdreck auskommt - und das ist dieser Tage ein Segen.

    Naja, für sowas gibt's in NRW doch DRadio Kultur und soweit ich das aus der Erinnerung rekapituliere, bildet sich der WDR doch eine Menge auf seine "Klangkörper" ein und sendet diese auch. Ob nun live oder aufgezeichnet, ist das wirklich so wichtig?

    Das empfinde ich zunehmend als gar nicht so schlecht. Die Erfahrung zeigt doch, Hörermeinungen addieren sich zu Null-und-Nichtig - dem einen Qual, dem anderen Bedürfnis und am Ende ist man nicht eine Einheit schlauer. Man vergleiche nur die Webdiskussion zu DRadio Wissen.
     
  14. Maschi

    Maschi Benutzer


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