1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

Media-Analyse korrekt auswerten

Dieses Thema im Forum "Radioszene Deutschland" wurde erstellt von le_skunk, 13. März 2010.

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. le_skunk

    le_skunk Benutzer

    Hallo,

    mich interessiert wie Ihr bei der Auswertung der Zahlen einer aktuellen Media-Analyse vorgeht?

    Ich meine dabei nicht wie die verschiedenen Online-Tools (z.B. www.reichweiten.de oder www.rms.de) praktisch genutzt werden, sondern:
    • Welche Detailauswertungen interessieren Euch besonders bzw. welche Bedeutungen messt Ihr denen jeweils zu?

    • In welche Beziehung setzt Ihr die Einzelauswertungen (z.B. der Analyse 2010/I) zueinander (Durchschnittsalter, Haushaltseinkommen, Bildungsabschluss etc.)?

    • Auf welche Detailauswertungen achtet Ihr z.B. beim Vergleich 2009/II und 2010/I in erster Linie?

    • Vergleicht Ihr Zahlen und Entwicklungen verschiedene Märkte zueinander (z.B. Hamburg, Berlin und München oder z.B. M-P, Brandenburg und Thüringen?) Welche Rückschlüsse lassen sich daraus auf die jeweiligen Märkte und den bundesweiten Markt ziehen?

    Vielleicht gibt es auch den ein oder anderen Buchtipp?

    Insgesamt interessieren mich ein paar Tipps zur - auch statistisch korrekten - Weiterauswertung der Analysen.

    Eine Bitte noch:
    Auch wenn es zum Sinn und Unsinn der Media-Analysen sehr viele sehr verschiedene Meinungen gibt, sollen die hier nicht Thema sein! Es geht mir ausschließlich um die Auswertung ausgehend von der Annahme, dass es sich um eine valide Basis handelt!

    Danke!
     
  2. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    AW: Media-Analyse korrekt auswerten

    Möchtest du die Auswertung und Analyse haben, die ich nachher zum Gegenstand meiner Erfolgs-Pressemitteilung mache, oder die interne Bewertung, die dafür sorgt, dass ich meinen Morning-Man und meinen Berater rausschmeiße?
     
  3. le_skunk

    le_skunk Benutzer

    AW: Media-Analyse korrekt auswerten

    Hallo,

    konkrete Fragen habe ich oben notiert. Der von Dir angesprochene Aspekt ist für mich weder relevant noch hilfreich.

    Danke!
     
  4. ricochet

    ricochet Benutzer

    AW: Media-Analyse korrekt auswerten

    Wird im Rahmen der Media-Analyse eigentlich auch die durchschnittliche Hördauer/Kalenderwoche ermittelt (wovon auszugehen ist) und wenn ja, gibt es Sender, die sie veröffentlichen? Da man annehmen darf, dass Privatsender weniger lang gehört werden als öffentlich-rechtliche "Tagesbegleiter" kann eine obligatorische Veröffentlichung des Datenmaterials nicht in deren Interesse sein. In Amerika kennt man die TSL-Messung (Time spent listening), die die Wochenhörzeit ermittelt und nahelegt, dass Amerikaner leidenschaftlich gern Stationen und Formate wechseln.

    Gibt es in Deutschland diesbezüglich brauchbares Datenmaterial?
     
  5. muted

    muted Benutzer

    AW: Media-Analyse korrekt auswerten

    Für die Vermarktung ist lediglich die Stundenreichweite in einer bestimmten Zielgruppe relevant, schätze ich. Und genau da setzt die ganze Geschichte an. Die MA wird in erster Linie durchgeführt, um den Werbekunden zeigen zu können, wie viele Hörer ihr Spot potenziell in einer bestimmten Sendestunde erreicht. Und danach bemisst sich der Sekundenpreis der Werbeschaltungen.

    In welche Richtung soll es denn gehen? Studienarbeit?
     
  6. ricochet

    ricochet Benutzer

    AW: Media-Analyse korrekt auswerten

    Nur aus Neugierde. Dabei ist der TSL-Wert so eminent wichtig für die Beurteilung der Akzeptanz des Mediums Hörfunk, mehr noch für spezielle Einzelangebote und Sendekonzepte. Die deutschen Sender werden schon wissen, warum sie diese Werte nicht veröffentlichen - ist die Verweildauer in den letzten Jahren doch in erschreckendem Maße rückläufig. Allein die großen US-Formate verloren innerhalb eines Jahres (2007-2008) über eine Stunde der ohnehin schon kümmerlichen Gesamthördauer. Nur mittels TSL lässt sich feststellen, welche Formate/Angebote eine Zukunft haben und welche immer mehr von anderen Medien verdrängt werden.

    Zur Erklärung einige wichtige Formate nach Altersgruppen (Durchschnittliche Hördauer/Woche in Stunden und Minuten):


    News / Talk / Information:

    12-24: 3:30
    18-34: 5:15
    25-54: 7:00

    35-64: 8:00

    Adult Contemporary:

    12-24: 3:15
    18-34: 4:30
    25-54: 5:15

    35-64: 5:30

    Contemporary Hit Radio:

    12-24: 4:30
    18-34: 4:45
    25-54: 4:15

    35-64: 3:45

    Country:

    12-24: 8:00
    18-34: 7:15
    25-54: 8:00

    35-64: 8:15

    Urban Contemporary:

    12-24: 6:00
    18-34: 6:30
    25-54: 5:45

    35-64: 5:15

    Urban Adult Contemporary:

    12-24: 4:15
    18-34: 5:30
    25-54: 8:00

    35-64: 9:00


    Quelle: Arbitron (2009)


    Eine wichtige Größe ist auch der maximale Hörerkreis (Weekly Cume), der veranschaulicht, wieviele Hörer eine Station / ein Format innerhalb einer Woche überhaupt noch erreicht. Auch dieser Wert nimmt seit Jahren kontinuierlich ab.

    All diese Fragen lässt die MA offen, fragt sich nur warum.
     
  7. TS2010

    TS2010 Benutzer

    AW: Media-Analyse korrekt auswerten

    Hier die Verweildauer (Montag-Freitag) für Brandenburg und Berlin (Zahlen aus 2006/II):

    Antenne Brandenburg 206 210
    radioeins 177 188
    Fritz 151 141
    radioBerlin 88,8 205 183
    Inforadio 135 97
    kulturradio 70 166
    radiomultikulti 163 156
    BB RADIO 195 150
    Berliner Rundfunk 161 154
    KISS FM 228 103
    rs2 240 184
    104.6 RTL 169 165
    Spreeradio 105 174
    Energy Berlin 160 102
    JazzRadio 256 69
    Radio Paradiso 69 185
    Star FM 87.9 190 173
    JAM FM 237 116
    Klassik Radio 99 186
    Deutschlandfunk 121 129
    DLR Kultur 81 91
     
  8. ricochet

    ricochet Benutzer

    AW: Media-Analyse korrekt auswerten

    Sind das nicht Hörer pro Stunde?
     
  9. TS2010

    TS2010 Benutzer

    AW: Media-Analyse korrekt auswerten

    Ja, das sind natürlich Hörer pro Stunde. Jazzradio ist von den damaligen 325 000 Hörern pro Stunde binnen weniger Jahre auf 5 000 Hörer zusammengeschrumpft.
     
  10. AW: Media-Analyse korrekt auswerten

    absoluter quatsch

    jazzradio kann von 325000 Hörern pro stunde nur träumen

    Zielgruppe Gesamt 14+/10+
    ma 2005 Radio 1 13
    ma 2005 Radio 2 10
    ma 2006 Radio 1 5
    ma 2006 Radio 2 7
    ma 2007 Radio 1 7
    ma 2007 Radio 2 9
    ma 2008 Radio 1 10
    ma 2008 Radio 2 13
    ma 2009 Radio 1 11
    ma 2009 Radio 2 6
    ma 2010 Radio 1 7
    ma 2010 Radio 2 14
     
  11. AW: Media-Analyse korrekt auswerten

    ebenfalls sehr lustige zahlen

    hier die "echten"

    Datenquelle: ma 2006 Radio 2 update
    Freitag, 10.12.2010
    STRUKTURZÄHLUNG

    Zielgruppe: (Berlin ODER Brandenburg)
    Basis: 4.378 Fälle = 4.888 Tsd.
    Tsd.
    Basis 4.888

    Antenne Brandenburg 261
    BB RADIO 189
    rs2 175
    104.6 RTL 133
    Berliner Rundfunk 124
    RadioBERLIN 88,8 93
    radioeins 89
    Fritz 65
    ENERGY Berlin 58
    105'5 Spreeradio 53
    KISS FM 51
    Inforadio 50
    Klassik Radio Gebiet Berlin 38
    Radio Paradiso 33
    Star FM 87.9 28
    JAM FM Berlin 19
    JazzRadio 6
     
  12. Out of Space

    Out of Space Gesperrter Benutzer

    AW: Media-Analyse korrekt auswerten

    Wer hat eien solche MA-Befragung schon mal mitgemacht ?
     
  13. TS2010

    TS2010 Benutzer

    AW: Media-Analyse korrekt auswerten

    Puh, also Ironie versteht echt niemand. Also, das war schon die Verweildauer, die ich da angegeben habe. Aber schön, dass ihr jetzt alle die Hörerzahlen der Berlin-Brandenburger Sender gepostet habt, um mich zu korrigieren. ricochet hat sich anscheinend mit den Zahlen, die ich da gepostet habe, auch nicht wirklich beschäftigt (aber erstmal danach fragen, weil die ja ach so wichtig sind), sonst hätte er ziemlich schnell feststellen können, dass es sich nicht um die Hörerzahlen handeln kann. Warum die Berliner Radiogöre meine Zahlen zur Verweildauer ausgerechnet mit den Hörern pro Stunde korrigieren will, bleibt mir ein Geheimnis.
     
  14. ricochet

    ricochet Benutzer

    AW: Media-Analyse korrekt auswerten

    Um welche Zeiteinheit/Zeitperiode handelt es sich denn? Sekunden pro Jahr? ;)

    kicher
     
  15. TS2010

    TS2010 Benutzer

    AW: Media-Analyse korrekt auswerten

    Verweildauer nach Geschlecht/Alter laut MA 2010/II (2007):

    Gesamt 251 (252) (1995: 209) (2000: 265) (2005:244)
    Männer 261 (263)
    Frauen 241 (241)
    10-19 Jahre 142 (-)
    14-29 Jahre 221 (214)
    20-29 Jahre 246 (258)
    30-39 Jahre 269 (277)
    40-49 Jahre 275 (277)
    50-59 Jahre 284 (270)
    60-69 Jahre 257 (244)
    70+ Jahre 237 (229)

    Die Zahlen sind natürlich nicht 1:1 vergleichbar wegen unterschiedlicher Basis/Erhebungsmethoden.

    Bei den Bundesländern gibt es bei der Verweildauer nur geringe Unterschiede. Spitzenreiter ist Mecklenburg-Vorpommern mit 275 Minuten, hinten liegt das Saarland mit 231 Minuten.

    Die Hördauer, die auch die Nichthörer einbezieht, hat sich folgendermaßen entwickelt:
    MA 1995: 167
    MA 2000: 209
    MA 2005: 193
    MA 2009: 177
     
  16. ricochet

    ricochet Benutzer

    AW: Media-Analyse korrekt auswerten

    Worauf beziehen sich diese Zahlen? Sind das Stunden pro Jahr? Ich bin der festen Überzeugung, dass wir hier gewaltig aneinander vorbeidiskutieren und es sich sehr wohl um die durchschnittliche Gesamthörerzahl handelt.

    Zur Information: Verweildauer bedeutet Hörzeit (in Stunden und Minuten) pro Sender (Format scheidet in D ja aus) innerhalb einer bestimmten Zeitperiode (Woche oder Monat).
     
  17. TS2010

    TS2010 Benutzer

    AW: Media-Analyse korrekt auswerten

    Na ja, du hast den Begriff der Verweildauer doch eingeführt in Beitrag #6, nicht ich. Die Zahlen sind immer Nutzung des Radios/Radiosenders in Minuten pro Tag. Die Verweildauer wird wie folgt definiert:

    Sie gibt an, wie viele Minuten im Schnitt diejenigen Radio hören, die am Tag mindestens eine Viertelstunde lang gehört haben. Durch diesen Wert erfährt man, wie lange die Hörer eines Programms durchschnittlich vor dem Programm verweilen. Im Unterschied zur Hördauer wird die gesamte Minutenzahl nur durch die Anzahl der Hörer dieses Programms geteilt. Eine hohe Verweildauer weist auf eine sehr gute Programmanbindung hin. Das heißt, die Hörer, die den Sender hören, tun dies sehr intensiv. Um die Akzeptanz eines Programms zu prüfen, ist die Verweildauer ein wesentlich besserer Wert als die Hördauer.
     
  18. ricochet

    ricochet Benutzer

    AW: Media-Analyse korrekt auswerten

    Jetzt bin ich im Bilde. Das würde z.B. heißen, dass "BB Radio" im Schnitt über drei Stunden täglich gehört wird (hätte ich nicht gedacht); zumindest ist der Sender gemäß Gedächtnisprotokoll der Befragten während dieser Zeit eingeschaltet, sehe ich das richtig?
     
  19. TS2010

    TS2010 Benutzer

    AW: Media-Analyse korrekt auswerten

    Genau. Wer BB Radio länger als eine Viertelstunde gehört hat, blieb dann im Durchschnitt gleich drei Stunden am Stück dran.
     
  20. ricochet

    ricochet Benutzer

    AW: Media-Analyse korrekt auswerten

    Wer es noch nicht weiß, so errechnet sich die Media-Analyse:

    Alle Verfahren zur Bildung von Nutzungswahrscheinlichkeiten in der ag.ma erfüllen folgende
    Modellvoraussetzungen:
    :
    1. Pro Medium wird ein Personenkreis definiert, der überhaupt als erreichbar
      gilt – der Weiteste Nutzerkreis

      Für Radio besteht der Weiteste Nutzerkreis eines Senders in einer Stunde aus allen
      Personen, die diesen Sender in den letzten 14 Tagen gehört haben und zu dieser
      Stunde im allgemeinen Radio hören oder diesen Sender gestern zu dieser
      Stunde gehört haben; dieser Personenkreis wird als Weitester Hörerkreis bezeichnet.
    2. Jede durch ein Medium erreichbare Person (Weitester Nutzerkreis) erhält einen
      Wahrscheinlichkeitswert (p-Wert) zwischen 1 % und 100 %

      Dieser sogenannte p-Wert (p steht für probability) kennzeichnet die Erreichbarkeit
      dieser Person nach einer Schaltung. Im Modell spielt die Nutzungsfrequenz eine
      entscheidende Rolle: bei einer Person, die beispielsweise einen Sender an jedem
      zweiten Tag hört, sollte der p-Wert etwa bei 50 % liegen, unabhängig davon, ob die
      Person zufällig gestern gehört hat oder nicht.
    3. Pro Medium wird die Reichweite nach einer Schaltung definiert durch den
      Nutzer im letzten Erscheinungsintervall

      Für Radio ist das der Anteil aller Personen, die angegeben haben, einen bestimmten
      Sender gestern zu einer bestimmten Stunde gehört zu haben; dieser Personenkreis
      wird als Hörer Gestern bzw. Tagesreichweite bezeichnet.
    4. Die Summe der potentiell erreichbaren Personen (Weitester Nutzerkreis) gewichtet
      mit ihren jeweiligen p-Werten ergibt die Reichweite nach einer Schaltung,

      d.h. den Anteil der Nutzer im letzten Erscheinungsintervall
      Diese Modellvoraussetzung verbindet die Voraussetzungen 2 und 3. Bezogen auf
      Radio reproduzieren die p-Werte damit genau das originär erhobene Befragungsergebnis
      des Hörer Gestern einer bestimmten Stunde dieses Senders.

    ...Bei der Segmentation zur p-Wert-Bildung Radio wird der Weiteste Hörerkreis durch die sogenannten „aktiven Variablen“ in Segmente unterteilt. Die Segmente unterscheiden sich dabei bezüglich der Nutzung möglichst stark voneinander (z.B. Intensiv-Nutzer vs. Gelegenheitssnutzer). Innerhalb eines Segmentes sind die sozio-demografischen Strukturen aber möglichst homogen. Als aktive Variable werden Nutzungsfrequenzen und weitere sozio-demografische Merkmale verwendet. Eine Auflistung der aktiven Variablen befindet sich im Anhang dieser Broschüre. Ziel der Segmentation ist es, dass alle Personen aus dem Weitesten Hörerkreis p-Werte erhalten, insbesondere auch die Personen, die nicht zum Hörer Gestern gehören... Um ausreichend differenzierte p-Werte zu erhalten, benötigt das Verfahren ausreichend hohe Fallzahlen beim Weitesten Hörerkreis und Hörer Gestern...

    Zitat: ag.ma Forschungsberichte: Umstellungen im Reichweiten-Modell ab der ma 2011 Radio I



    Die grundlegenden Fragestellungen sind soweit nachvollziehbar. Aus den Errechnungsmodellen macht man aber ein großes Geheimnis, die schwammigen, verwirrenden und wissenschaftlich-bemäntelten Andeutungen erzeugen schon nach wenigen Seiten helle Konfusion - Transparenz habe ich mir bisher immer anders vorgestellt. Schon allein die massive Inanspruchnahme der Wahrscheinlichkeitsrechnung lässt darauf schließen, dass bei der MA mehr mit fiktiven Größen als mit nackten Tatsachen gearbeitet wird. Dabei ist weniger wichtig wie genau gefragt wird, als vielmehr, wie man die Antworten interpretiert und was man aus den erhobenen Daten macht.

    Da werden mir wieder einige an die Gurgel springen: "Alles wissenschaftlich untermauert und von Experten gutgeheißen". Ja, aber Wissenschaft bedarf der Transparenz und Nachvollziehbarkeit.
     
  21. ricochet

    ricochet Benutzer

    AW: Media-Analyse korrekt auswerten

    Bei der Auswertung sollten die protokollierten Minutenangaben mit den tatsächlichen Werbeblockzeiten der Sender aus dem Erhebungsgebiet abgeglichen werden. Hierfür wurden die Start- und Endzeiten aller Werbeblöcke im Untersuchungszeitraum für die relevanten Sender herangezogen. Der Vergleich mit dem Mitschnitt sollte Aufschluss darüber geben, ob sich der Kontakt mit dem Werbeblock mit dem Kontakt in der Viertelstunde deckt oder in welchem Maße Umschaltvorgänge stattgefunden haben.

    Zitat: ag.ma Forschungsberichte: Umstellungen im Reichweiten-Modell ab der ma 2011 Radio I

    Man stelle sich mal vor jemand sagt: Gestern habe ich Sender XY wegen der blöden Dauerwerbung ausgeschaltet (Grund wird ja angegeben). Dann unterstellt der Organisator der MA-Umfrage, dass der Betreffende hinsichtlich seiner Motivation lügt, vertraut aber voll auf seine minutengenauen Zeitangaben (Gedankenprotokoll !) und sucht im Sendermitschnitt (!) nach Werbeschaltungen, die sich zeitlich mit den vagen Angaben des Probanden decken. Dieser Tatbestand fließt in die Rohdaten.

    Was soll der Firlefanz ?? :confused::confused:


    Nach der Ermittlung des "Weitesten Hörerkreises" bedarf es der Sender- und der Zeitfrequenz (bemisst sich nach der Nutzungshäufigkeit), wobei "soziodemografische Faktoren" berücksichtigt werden.

    Dann geht es an die Erstellung von Sendersegmenten, wobei Lokalsender gebündelt werden. Hiebei arbeitet man mit Segmentvariablen, als Segmentationskriterium dient der nicht näher erläuterte "Belson-Faktor", der noch mit einem "Korrekturfaktor" multipliziert wird. Und schon sind wir mitten in der Wahrscheinlichkeitsrechnung: Ein Segment enthält Fälle, durch die Segmentation dieser Fälle im "Weitesten Hörerkreis" erhält man p-Werte, die die Tagesreichweite abbilden. Mithilfe eines "zweistufig linearen Justierungsverfahrens" erhält man p-Werte zur Berechnung von "Werbekontaktchancen"

    Wozu um Himmels Willen brauchen die so viel Wahrscheinlichkeitsrechnung, genügt da nicht stinknormale Statistik ?? Um zukünftige Ereignisse vorherzusagen, wo die Zahlen über das Nutzerverhalten eigentlich eine klare Sprache sprechen sollten? Oder gar um fehlende Daten zu rekonstruieren?
     
  22. Sonnig

    Sonnig Benutzer

    AW: Media-Analyse korrekt auswerten

    @ ricochet
    Kompliment erst einmal dafür, dass du dich wirklich und ernsthaft in die Materie reinbeißt. Das unterscheidet dich von vielen Dummschwätzern hier. Jetzt hast du aber soviele Fragen aufgeworfen und Argumente gebracht, dass dieser Faden in ein Proseminar für Statistik ausufern würde. Ich habe im NRW-Faden das Argument gebracht, dass die MA von allen Marktteilnehmern (zahlende, mittelnde und ausstrahlende) akzeptiert wird. Es muss halt eine Währung geben und auf diese wurde sich eben geeinigt. Das ist bei aller Kritik mit Sicherheit keine Verschwörung der Werbewirtschaft.

    Was ich allerdings nicht verstehe: Warum willst du partout Schlagersender rehabilitieren? Ich schwöre, dass wenn große Werbekunden Potenziale sähen, Schlange stünden. Henkel, Volkswagen und Co. würden sich, wenn sie Absatzmärkte sähen, gerade bei den geringen TKPs die Hände reiben. So doof sind sie nun auch nicht, dass sie einen großen Betrug mitmachen würden. OK, bei den Agenturen sieht das vielleicht anders aus. Die stehen auf junge, trendy Zielgruppen, weil sich da vermeidlich coolere Kampagnen realisieren lassen.

    Ich habe lange genug in meinem Berufsleben Zahlen "aufgehübscht", aber niemals gefälscht oder betrogen. Es geht halt darum, den eigenen Sender möglichst gut dastehen zu lassen, indem man eben die positiven Werte besonders hervorhebt. Das würde ich übrigens auch für einen Schlagersender machen, aber es wäre ein harter Job, denn die Fakten (auch wenn du sie bezweifelst) sprechen dagegen.
     
  23. count down

    count down Benutzer

    AW: Media-Analyse korrekt auswerten

    Sind es statt Henkel, Volkswagen und Co nicht eher die Werbevermarkter, die den Henkel, Volkswagen und Cos sagen, wo sie werben sollten? Werbekunden kramen sich doch nicht selbst die Sender zusammen.
     
  24. Hinhörer

    Hinhörer Benutzer

    Die Mathematik der Media-Analyse

    Ich habe bereits den Anfang der Diskussion im 20-Jahre-Lokalradio-NRW-Thread verfolgt und war gespannt, was weiter passiert. Und zunächst möchte ich mich Sonnig anschließen und ausdrücklich würdigen, daß sich ricochet tatsächlich in die Materie eingelesen hat.

    Als ständigem Leser hier ist mir aus vielen Postings ricochets Stoßrichtung gut bekannt. Wenn es um die Musikauswahl im Radio geht, gibt es ja meist interessante Diskussionen mit dem sehr geschätzten Grafen. Wenn aber die Methodik der MA hinterfragt werden soll, bin ich durchaus bereit, das hier ein bißchen zu einem

    zu lassen.

    Der Stoff ist aber tatsächlich nicht ganz einfach zu fassen. Wer mitmachen will: Sonnig hat im anderen Thread diesen Link genannt.

    Fürs erste möchte ich auf ein paar allgemeine Aussagen eingehen.

    Hier solltest Du aber bitte aufpassen, daß Du unter Transparenz nicht verstehst, daß alle beschriebenen Methoden einfach sein müßten. Daß eine statistische Methode für den Normalverbraucher schwer oder gar nicht verständlich ist, heißt eben nicht im Umkehrschluß, daß hier vertuscht werden soll, daß eigentlich nur Voodoo gemacht wird. Dem statistisch Kundigen wird m E die Methodik, wie man vorgegangen ist, in dem verlinkten Dokument sehr gut beschrieben.

    Inhaltlich kann man sicher an der einen oder anderen Stelle Kritik anbringen, aber bitte konkret und nicht pauschal.

    Dieser Schluß ist in seiner Einfachheit m E nicht zulässig. Man muß bei statistischen Untersuchungen immer mit Annahmen und Modellen arbeiten. Es spricht für die MA, daß deren Vorgehensweise hier offengelegt ist und damit diskutiert werden kann.

    Vorsicht bitte mit solchen Behauptungen. Im Glossar (Papier-Seite 58) wird der Belson-Abstand sehr wohl erklärt.

    Was da gemacht wird, ist stinknormale Statistik!

    Wenn ich Dich richtig verstehe (bitte korrigiere mich, wenn nicht), argwöhnst Du, daß die Statistik, die bei der MA betrieben wird, absichtlich so eingerichtet ist, daß bestimmte Musiksegmente (z B Schlager) systematisch benachteiligt werden.

    Nun, das mag durchaus so sein, nur würde ich gern die genaue Stellschraube in der Methodik kennen, die dafür verantwortlich ist. Du kannst ja gern Deine Verdachtsmomente hier aufzählen, und dann können wir mal versuchen, herauszubekommen, ob an Deiner Vermutung etwas dran ist oder nicht.
     
  25. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    AW: Media-Analyse korrekt auswerten

    Will jemand zusätzlich zu den bisher aufgeworfenen Fragen noch das Fass aufmachen, dass die MA lediglich quantitative Aussagen (mit hoher empirischer Nivellierung - ein Probant = 2000 Hörer) trifft, eine qualitative Ableitung - obwohl sie von Geschäftsführern und Programmchefs in ihren MA-Hurra-Pressemeldungen gerne vorgenommen wird - aber methodisch nicht zulässig ist?
     

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Diese Seite empfehlen