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Produkt Placement (indirekte Werbung)

Dieses Thema im Forum "Radioszene Deutschland" wurde erstellt von radiohexe, 02. Dezember 2003.

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  1. radiohexe

    radiohexe Benutzer

    http://www.das-parlament.de/2003/49/kulissen/001.html

    Hallo,

    dieser recht interessante Artikel ist im aktuellen "Parlament" zu lesen. Würden wir hier das Problem "Produkt Placement" in der Gänze diskutieren, sprengten wir mal wieder den Rahmen. Darum lasst es uns auf folgenden Punkt beschränken: Der Autor und Sprecher quer durch die Parteienlandschaft kritisieren bereits das (penetrante) Vorstellen einer Promi-Biographie, einer Tournee oder einer neuen CD als Produkt Placement. Könnt ihr da mitgehen oder würdet Ihr es als Rahmenerscheinung eines neuen Trends abtun?
    Viele Grüße
    Die Hexe

    PS: Will die Frage mal anders stellen: Ab wann wird es "moralisch verwerflich"?
     
  2. Jasemine

    Jasemine Benutzer

    Gutes Thema Radiohexe,

    der Artikel ist überschrieben mit der Head "Unangenehme Form der Werbung". Ich finde jede Werbung, die mich nicht interessiert unangenehm, jede Werbung, die mir hilft eine gerade anstehende Kaufentscheidung optimal zu treffen, dagegen hilfreich.

    Bei den Talkgästen kommt allerdings ein anderer Aspekt hinzu: Sie werden gerade dann eingeladen oder sind überhaupt nur dann einladbar, wenn sie ein neues Produkt (Buch, CD, Film, Serie) promoten dürfen. Das ist nicht neu und kein aktuelles oder deutsches Phänomen. Und wenn Boris Becker für die von mir angesprochenen Zielgruppe ein interessanter Promi ist, dann ist es möglicherweise wissenswert zu hören, was er zu seinem neuen Buch erzählt. Vielleicht aber auch nicht und ich muss es meiner Zielgruppe zumuten, dass er das Buch bewerben darf, weil er sonst nicht kommt.

    [SIZE=1]Als Bohlen mit seinem zweiten Buch bei "Wetten dass..." fand ich das eher nervig. Aber es wurde dank Gottschalk und einem anderen Gast doch sehenswert, da dieser andere Gast auf Gottschalks Frage, was er denn von Bohlens Autobiographie halte, antwortete, dass ihn die Dieters Ergüsse nicht interessieren (Applaus vom Saalpublikum). Dieter war angepisst und Gottschalk hatte wieder mal echte Emotionen auf die Mattscheibe gezaubert. So schön kann Live-Fernsehen sein.[/SIZE]

    Ergo: Wenn es eine interessante Geschichte ist, dass ein für meine Zielgruppe sehenswerter (und sehenswert kann auch heißen, sehenswert weil peinlich) Promi kommt und was über sein neues Produkt erzählt, dann gerne machen auch wenn ein Produkt beworben wird (ist meist ohnehin Bedingung für den Auftritt des entsprechenden Promis).

    Allerdings senkt natürlich die Schwemme der Promibios das Interesse und den Gesprächswert derselben. Im Frühjahr dürfen wir alle noch die Bio von Nena verkaufen helfen und dann ist es auch mal wieder gut mit diesem Hype, denkt sich die Jasemine.
     
  3. Coldplay

    Coldplay Benutzer

    Ja, ein interessantes Thema... Im Artikel wird die CSU-Frau mit ihrer Abwägung zwischen primitivem und unprimitivem Product Placement zitiert und ich denke, genau das ist der Punkt!

    Ich greife nochmal das Beispiel "Wetten, dass..." auf: Manch einer echauffiert sich über die Gummibärchen, die Gottschalk und Gäste sich während der Sendung einwerfen. Dies ist für mich ein Fall des nicht störenden Product Placements, denn es ist nirgends zu erkennen, dass es sich hierbei um Haribo handelt... oder Katjes?! Who knows? Würden Chips auf dem Tisch stehen, würde auch sicher auch nicht jeder gleich an Chio denken, aber da jeder Gottschalk mit Haribo verbindet, denkt man automatisch auch an Haribo. Das ist zwar clever, aber keine Schleichwerbung!

    Und auch was Gäste angeht, die ihr Buch oder ihren neuen Film promoten wollen, gilt dies nach meiner Definition nicht als Product Placement oder Schleichwerbung!

    Um nochmal auf das banale, primitive Product Placement zurückzukommen: Das gibt es bei den ÖR in der Tat. Man schaue nur regelmäßig Tatort und schon springt einem die ein oder andere Markenproduktsverpackung in's Gesicht.

    Aber wie sagte Harald Schmidt als Antwort auf die Rede von Peter Voss bei der Hans-Bausch-Mediapreisverleihung, in der er Schmidts Wechsel zum Kommerzfernsehen kommentierte: "Für mich ist die ARD schon seit ihrem Bestehen Kommerzfernsehen" :D
     
  4. RayShapes

    RayShapes Gesperrter Benutzer

    Zu Wetten, dass..?:

    Ja, das mit den Gummibärchen ist nicht schlecht gemacht, aber wahrscheinlich fällt das eh nur den Freaks auf. Der gewöhnliche Zuschauer wird wohl deswegen kaum am Montag los rennen und HARIBO kaufen.

    Es gab aber auch mal schlimmere Zeiten bei Gottschalk, zum Beispiel, als die neue Schwere Klasse der LKW von Mercedes das Licht der Welt erblickte. Ein Außenreporter (ich glaube Poschmann) hatte nix besseres zu tun, als andauernd das neue Produkt „Mercedes Actros“ zu nennen. Es war einfach widerlich!

    Es war wohl noch in den 80ern als es in einer Wette um Einparken mit Autos ging. Selbst den Mercedes-Stern hatte man dafür mit einem runden Pappschild am Kofferraumdeckel des Autos verdeckt und Elstner (oder wars schon G.) machte sich darüber lustig, damals war man noch pingelig.

    Ich finde, wenn jemand in eine Sendung geladen ist und dort sein neues Buch, seine CD oder sonst was kurz vorstellen darf, ist das auch was anderes , als wenn kommentarlos Werbung gemacht wird. Hier ist doch auch das Verhalten des Gastgebers sehr beeinflussend.

    Seltsam sind ja auch so Sendungen wie die Bambi-Verleihungen in der ARD, bei der offensichtlich eine Hand die andere wäscht. Wenn das mal nicht hart an der Grenze ist. (Vielleicht hat jemand den treffenden Artikel in der Süddeutschen vom Wochenende gelesen.)
     
  5. Rösselmann

    Rösselmann Benutzer

    Nichts dagegen, wenn ein Gast nebst prominenter Visage auch noch sein neues Buch oder seine aktuelle CD in die Kamera hält. Kann ich ja kaufen, muß ich aber nicht.
    Viel dagegen, wenn ein Tennisspieler seine Biographie tagelang im ZDF bei u.a. J.B. Kerner (nicht zu verwechseln mit dem ECHTEN J.B.!) massivst bewerben darf. Und das im Gebührenfernseh!
     
  6. berlinreporter

    berlinreporter Benutzer

    Zunächst bin ich ja mal erstaunt, dass ausgerechnet Chef-Pragmatikerin radiohexe dieses Thema anschiebt:D.

    Aber zum selbigen: Beim Lesen des verlinkten Parlament-Artikels tat mir ein Satz vom FDP-Abgeordneten Hans-Joachim Otto besonders weh:
    Das kann ich als zu zweit erziehender Vater nun wirklich nicht unterschreiben, denn die Auswahl der nicht werbenden Programm-Elemente unterscheidet sich auch - und zwar gewaltig.

    Und jetzt endgültig zum Thema:

    Ich erwarte eigentlich von öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, dass sie genau die beschriebenen Vorgehensweisen nicht an den Tag legen. Wenn ein JBK der Meinung ist, das Buch von Boris Becker ist lesenswert, dann soll er ihn einladen und darüber reden. Wenn er das Buch für Schrott hält, dann soll er es aus der Sendung rauslassen. Ich möchte, dass ein Mann wie JBK und die dahinter stehende Redaktion die (zweifellos vorhandene) Kompetenz dazu nutzen, mir die erste Entscheidungsebene abzunehmen.
    Was mich ärgert, ist, dass sie versuchen, weiter gehend einzugreifen. Und meiner Meinung nach war der ör Rundfunk ursprünglich mal dafür konzipiert, den Menschen Entscheidungshilfen an die Hand zu geben. Jetzt will er ihnen die Entscheidungen abnehmen.
     
  7. berlinreporter

    berlinreporter Benutzer

    Hier noch der Artikel aus der Süddeutschen vom Samstag, den Ray vermutlich in seinem Posting meinte:
     
  8. radiohexe

    radiohexe Benutzer

    Lieber Berlinreporter,

    ich muss Dich enttäuschen: Dadurch, dass ich den Artikel hier gepostet habe, habe ich nicht meine Abneigung gegen Produkt Placement kund getan. :D Aber ich war ein wenig überrascht, dass offenbar die verschiedenen Gesprächspartner die Grenzen an ganz anderen Stellen ziehen. (Meine ich herausgelesen zu haben) Und dass Dinge in die Kritik geraten, die man eigentlich auch als Agenda Setting oder Trenderscheinung betrachten kann (was ich eigentlich auch tue). Damit meine ich im Wesentlichen das, was Jasemine ausführte.
    Aber wenn wir diesen Gedanken mal weiter führen, dann stellt das auch die "Berichterstattung" zu DSDS oder die Folgenzusammenfassung von GZSZ in Frage, was aber eben wirklich einfach Themen sein können (und sind), die meine Zielgruppe interessieren. Deswegen interessierte mich einfach, wo IHR die Grenzen seht.
    Das FDP-Zitat hast Du vermutlich falsch verstanden. Du musst die Betonung wahrscheinlich auf MIT WERBUNG legen. Da ist der Unterschied zum KIKA , den Otto gewahrt sehen wollte. (So habe ich das verstanden.)
    Danke für die Postings
    Die Hexe
     
  9. Jasemine

    Jasemine Benutzer

    ~~~~~~~~~~~~ o f f t o p i c ~~~~~~~~~~~~


    Mit dem Agenda Setting ist das so eine Sache. Man kann als Radioprogramm heutzutage die Themen der BILD und zusätzlich die Trash-Geschichten des aktuellen Medienhypes (Big Brother, DSDS, GZSZ, 80er-Show, Popstars, "Wetten dass..." usw.) thematisieren und ist damit am vermuteten Puls der Zeit. Das heißt, wir Radiomacher lassen uns eine Agenda aufdrücken und ziehen womöglich Vorteile daraus, wenn wir in der subjektiven Wahrnehmung unserer Hörer "auf der Welle schwimmen".

    Andererseits: Wir vermuten nur, dass diese Themen wirklich von Interesse sind. Wir lassen uns womöglich von Kommunikationsdicksschiffen wie BILD oder RTL darüber hinwegtäuschen, dass wir ein in der Zielgruppe gar nicht (mehr) relevantes Thema am kochen halten und damit treudoof weitertragen, was sich die PR-Strategen ausgedacht haben.

    Womöglich denken wir: in meinem Sendegebiet ist BILD die meistgelesene Zeitung, RTL der meistgesehene Sender, womöglich haben diese Medien sich auch via Marktforschung abgesichert und was die machen, kann kein Flop sein. Und so kommen wir vom Agenda Setting in eine Macher-Schweigespirale hinein.

    Dabei dürfen wir als Entertainer und erst Recht als Journalisten nicht vergessen, dass wir Gate-Keeper der Themen und Information sind und wir (genau wie hier im Forum) nicht jeden Trash verbreiten sollten, ruft die Jasemine ins Gedächtnis und grüßt Elisabeth Noelle-Neumann.

    ~~~~~~~~~~~~ o f f t o p i c ~~~~~~~~~~~~
     
  10. berlinreporter

    berlinreporter Benutzer

    Genau das versuchte ich in meinem ersten Posting Herrn Kerner ans Herz zu legen.

    Dass im Hörfunk oft die von den TV-Anstalten und deren PR-Abteilungen vorgegebenen Themen und Inhalte 1:1 übernommen werden, zeugt nicht gerade von großem Vertrauen in die eigene journalistische Kompetenz. Es ist egentlich nicht die Aufgabe eines journalistischen Mediums, pauschal als Multiplikator aufzutreten. Im Gegenteil - evtl. vorhandene journalistische Kompetenz als Filter zu benutzen - das wär´s. Allerdings dürfen derartige Journalisten offenbar nur noch in einigen Biotopen überleben, die ohnehin nur von Menschen wahrgenommen werden, die diese Filterfunktion eigentlich nicht bräuchten.

    Die gewisse Arroganz des Journalisten, besser zu wissen, was wichtig ist, scheint der Demut gegenüber den so genannten "Dickschiffen" und den Zahlenden gegenüber gewichen zu sein.

    Und Product Placement in öffentlich-rechtlichen Sendungen ist auch nur die logische Konsequenz davon. Hoffentlich müssen wir nicht auch noch erleben, wie Kleber und Slomka während des heute-journals Gummibärchen essen........
     
  11. Jasemine

    Jasemine Benutzer

    aktuelle Umfrage zu Product Placement

    Jeden Siebten stört Product Placement bei 'Wetten, dass...?', zitiert die Jasemine:

    Quelle w&v-online
     

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