1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

Socke2003: "Höre fast gar kein deutsches Radio mehr"

Dieses Thema im Forum "Radioszene Deutschland" wurde erstellt von Tom2000, 20. September 2003.

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. Tom2000

    Tom2000 Gesperrter Benutzer

    Liebe Radioschaffende,

    an dieser Stelle möchte ich einen Hörer zitieren, der mir aus der Seele spricht:

    "... War jetzt die Tage richtung Hamm unterwegs und mein Radio empfing nur sämtliche WDRs auf zig Frequenzen sowie Antenne Unna. Das wars. Tolle Vielfalt.

    Zwar wohne ich selber in NRW, aber sehr dicht an der niederländischen Grenze (siehe Koordinaten), deshalb kann ich auf den WDR Müll verzichten und höre die Niederländer oder Belgier...

    mir persönlich gefällt die region (in Deutschland) um das Rhein Neckar Gebiet ganz gut. Zwar wird man da auch nur zugemüllt mit den SWRs, HRs BRs und was es nicht alles gibt, aber die Auswahl an Sendern ist doch beträchtlich.

    Getoppt wird das eigentlich nur noch von den Holländern und Belgiern (oder DVB).

    Höre fast gar kein deutsches Radio mehr."

    http://www.sender-tabelle.de/frame_forum.htm
    (Thread "Radiolandschaften in Deutschland")

    Es führt kein Weg dran vorbei:
    1) Wir brauchen eine Zerobase Deutschland.
    2) Die Entkommerziellisierung der ÖRs (werbefrei, ohne Private zu kopieren)
    3) Mehr Privatsender mit alternativen Formaten (Modern Rock, Classic Rock, R&B, Newstalk etc.)
     
  2. power_eastside

    power_eastside Benutzer

    Muss Dir Recht geben. Aber bedenke: Wir, die selber Radio machen, findes es grausam. Doch die jeweilige Zielgruppe findet es dufte. Dir bleibt als Alternative die eigene Plattensammlung oder das www mit unzähligen mp3´s. Oder, den Beruf wechseln. Klingt hart, ist aber so. Ich finde die Einheitsgülle im dt. Radio ebenfalls schauderhaft. Nur Zahlen und große Off-Air Events bestätigen, so schlimm kanns ja nicht sein. Und der Blick in andere Länder ist zwar interessant ader nicht unbedingt anwendbar. In den Niederlanden ist ja schließlich auch kiffen erlaubt, und bei uns nicht.

    P.S. Wenn Du dein Radio nicht mehr brauchst, ich hab immer eine Verwendung dafür.:D
     
  3. AC

    AC Benutzer

    Wer wissen will, warum Deutschland in der Krise steckt (wirtschaftlich, politisch, gesellschaftlich, radiotechnisch, kulturell, ...) muss sich nur mal in aller Ruhe dieses Radioforum durchlesen. Miesmacher wohin das Auge blickt.

    Um es mit Tante Kätes Worten zu sagen: "Wir müssen uns ernsthaft überlegen, ob wir so weitermachen können!"
     
  4. der beobachter

    der beobachter Benutzer

    Jawohl Kinder, denkt positiv! Freut euch an 31 Grad im September! Glaubt nicht den Miesmachern der Klimaveränderung! Glaubt an die Gegenwart des deutschen Radios! Lasst euch nicht eure Superhit-Lieblingsvielfalt der letzten drei Jahrzehnte nehmen! Freut euch über Daniel K, Jeanette B. und Robbie W.! Die Welt ist gut! Fresst Scheiße - Millionen Fliegen können nicht irren!

    ... und dann kommt wieder runter und lernt zu verstehen, dass Kritik an AC und Miesmacherei zweierlei sind.
    db
     
  5. Tom2000

    Tom2000 Gesperrter Benutzer

    AC,

    natürlich ist Miesmachen nicht die Lösung.
    Die ausländischen Vorbilder sollen ja Ansporn sein.

    power_eastside,
    glaubst Du nicht, bei anderen, insbesondere frequenztechnischen Voraussetzungen ändert sich auch wieder was an den mageren Inhalten?
    Überall in Europa erhalten Private mehr Freiräume, ob nun in UK, den NL oder sogar in Griechenland. Und überall da sind die Privaten nicht zu einfallslosen Abspulstationen degeneriert.
    Wieso sollen unsere hiesigen Zustände die Antwort auf den angeblich typisch deutschen Geschmack sein?
     
  6. dopw

    dopw Benutzer

    Positiv denken macht krank....
     
  7. power_eastside

    power_eastside Benutzer

    Das ist der Punkt. Wir leben in Deutschland. Über den Tellerrand schauen - schön und gut- , nur da wo es Sinn macht. Die Engländer essen ja schließlich ja auch gern Bohnen und sonstiges eckliges Zeuchs. Will sagen, die Kulturen radiotechnisch über einen Kamm scheren bringt nur Frust.
     
  8. cheasenonions

    cheasenonions Benutzer

    Vielleicht habe ich ja was nicht mitgekriegt, aber kann mir bitte mal jemand erklären, worin sich gerade die holländischen von den deutschen Radiosendern unterscheiden? Wenn ich mir die landesweiten Sender anschaue, dann merke ich: Radio 1 = WDR 5, Radio 2 = SWR 1, Radio 3 = 1 Live, Radio 4 = alle möglichen Kulturradios, Radio 538 = alle möglichen Jugendradios, und so weiter. Dazu kommen noch diverse Regionalsender mit den größten Hits der 80er, 90er und überhaupt (Radio Rijnmond, Radio M, Radio Drenthe, Radio Rebecca und wie sie alle heißen). Zugegeben: Radio Veronica sticht ein bisschen aus der Masse heraus, positiv, und Sky Radio auch, und zwar negativ (Musikbrei ohne Moderation). Kleine Ausnahme aus all dem Gleichklang ist bestenfalls Radio Rosita in Drenthe, der für mich das absolut beste Musikprogramm Mitteleuropas fährt, und da stört es mich auch nicht sonderlich, dass auch dieser Kabelsender nur unmoderiert sendet. Aber sonst? Also was ist anders dort?
    Kurze Erklärung zu Rosita: Der Sender (auch im Internet: http://www.rosita.nl ) bezeichnet sich als die Familienstation und bringt einen Mix aus hits der letzten 45 Jahren, bei dem gerne auch mal - Achtung - Michelle, Bryan Adams, Bill Haley, Kim Wilde und Robbie Williams innerhalb von 20 Minuten gespielt werden.
     
  9. Keek

    Keek Benutzer

    Der Gärtner ist der Gärtner ist der Gärtner...

    @Tom 2000

    Lieber Tom 2000, ich muss Dich eventuell schwer enttäuschen, wenn ich Dir sage, dass die Privaten in Deutschland sämtliche Freiräume haben, so viel profiliertes, inhaltliches Programm anzubieten wie es ihnen beliebt und wohl auch den meisten von uns gefallen würde. NUR: Leider mangelt es den Programmverantwortlichen am Willen.

    Die drei grossen Ms sind es: Morgenshow, Musik, Majorpromotion, dazwischen, daneben, drüber, drunter, vor oder hinter ist nichts gewollt. Alles andere ist überflüssiges Wort. Und deshalb wird eben bei vielen Sendern in den Strecken abseits der Primetime nur noch die Musik ("und gleich wieder 35 Super-Megahits aus den 70ern,80ern,90ernblablabla"), die Morgenshow ("und das haben Sie heute morgen beim tollen Toni und seinen lustigen Vollpatienten verpasst") und das tolle Gewinnspiel ("Hey, und wenn Sie auch nach fünf Jahren mit dem immer gleichen Spielprinzip nicht begriffen haben, dass wir IHREN Einschaltimpuls in der wichtigen Viertelstunde ab 7h haben wollen, dann versuchen Sie halt zum 1000. Mal um 7 nach 7 der 10. Anrufer zu sein, der auf der kostenpflichtigen Hotline den Bauspar-Megahit des Tages erkannt hat") verkauft. Geiler Bandwurmsatz :D

    Wir könnten jetzt Millionen Möglichkeiten diskutieren, was man alles Geiles an Programm machen könnte und glaube mir, in vielen Redaktionen sitzen nach wie vor genügend kreative Köpfe, die das bestimmt gerne täten, aber das ist halt nicht mehr gefragt. Und ob das tatsächlich auch von Seiten der Hörer so ist, lassen wir mal dahingestellt, denn die Sperren setzen schon die GFs/PDs.

    In diesem Sinne: Noch ein schönes WE...
     
  10. Makeitso

    Makeitso Benutzer

    Mag 'ne dumme Frage sein, aber wieso ist die Viertelstunde nach 7:00 Uhr eigentlich so wichtg? Hab' nie versanden, wieso die ihre Hörer immer gerade um 7:05 Uhr am Telefon haben wollten...


    Nachtrag: "Der tolle Toni und seine Vollpatienten" ist klasse! :D
     
  11. Guess who I am

    Guess who I am Moderator Mitarbeiter

    Tom und Robby im selben Kurs?

    Tom2000 entwickelt langsam diegleiche nervtötende Methode wie Robbyugo. Gebetsmühlenartige Wiederholung selbstgeschusterter Weisheiten und penetrantestes Hinweisen auf vermeintlich tolle sowie auf der anderen Seite ungeliebte Sender, gepaart mit verzweifelten Meinungsaufzwängversuchen. Alles fing an mit dem ständigen Gejammer wegen zwangsweise eingezogener GEZ-Gebühren, dann merkte Tom plötzlich, daß WDR 2 nicht die von ihm favorisierte "Mucke" holländischer und US-amerikanischer Privatradios spielt, das ZDF ist sowieso Scheiße, die SPD ist der personifizierte Marionettenspieler in der ARD, und nun werden schon irgendwelche (offensichtlich dämlichen) Telefonkandidaten zitiert, weil sonst nichts mehr übrigbleibt. Da sieht man mal, wie weit es bei Dir schon fortgeschritten ist, Tom. Sowas könnte man Verfolgungswahn nennen. Wenn Du jetzt noch in Sachen Rechtschreibung und Grammatik zwei Gänge zurückschaltest, könnte man Dich ohne weiteres in die Kategorie derer einordnen, die hier kürzlich im Zusammenhang mit RPR 2 den Weltuntergang eingeläutet und Suizidgedanken gehegt haben. Hast Du nicht noch irgendeinen verblichenen holländischen Privatfunk-Programmchef in Petto, der sich hier in guter Tradition angesichts der hiesigen doch so katastrophalen Programme im Grabe rumdrehen könnte?

    Guten Abend.

    (wg. Tippfehler editiert)
     
  12. berlinreporter

    berlinreporter Benutzer

    @Makeitso: Weil die Stunde zwischen 7 und 8 nun mal die höchsten Einschaltquoten hat.

    @Tom: "Love Me Do" von den Beatles war auch nicht intellektueller als Tony Marschall - aber es war eben "uff auswärts". Ähnliches kann natürlich auch bei ausländischen Radiosendern passieren. Wie gut ist eigentlich Dein Niederländisch?
     
  13. der beobachter

    der beobachter Benutzer

    Guess, das war ein sehr feiner Volltreffer. Allerdings hat Tom mir in einer Sache die Augen geöffnet. Ich weiß endlich, warum ich langsam aber sicher total verblöde: Ich empfange nur einen (Pseudo-)Ami-Sender und gar nix Holländisches und muss dauernd Deutschradio hören.
    Ami- und NL-Zeug kann ich mir immer nur im Urlaub geben und da bin ich doch so selten, weil wir sogar SPD-unterwandert-gewerkschaftlich-organisierten Privatradiomacher so böse von unseren PDs ausgenommen werden und praktisch in der Hölle arbeiten, wo uns seit Jahren schon die letzten Hirnzellen kreativen Radiomachens weggezündelt wurden. Deshalb ist es inzwischen nämlich so:
    WIR WOLLEN RADIO SO MACHEN, WIE WIR ES GERADE MACHEN. WIR SIND SO LANGWEILIG.
    [size=1]...obwohl, vielleicht liegt keek ja auch nicht falsch...[/size]
    db

    [size=1]PS: Und Tom2000, wenn dich das wirklich so nervt, dann wende dich an den WDR oder gleich an die ganze ARD oder geh mit meinem Schlittenfahrfreund Peer Steinbrück ein Alt trinken, die D'dorfer können das vorzüglich brauen, und klär' ihn mal über die Misere deutschen ÖR- und Privatradios auf. Wir hier wären dir unendlich dankbar, und nicht nur, weil endlich mal jemand was unternehmen würde...[/size]
     
  14. Keek

    Keek Benutzer

    Natürlich nicht

    Ich liege nie falsch (aufdiekackehau:D :D )
     
  15. der beobachter

    der beobachter Benutzer

    Na keek, auch da!
    Natürlich liegst du nicht falsch, wie konnte ich nur auf den Gedanken kommen, das auch nur ansatzweise in Frage zu stellen? :D:D:D:D:D:D
    db
     
  16. Keek

    Keek Benutzer

    So gefällst Du mir...

    Braver Beobachter:D

    Ich habe allerdings vergessen zu erwähnen, dass es sogar GF/PDs gibt, die eventuell noch Reste von Herzblut für kreative Ideen und profilierte Programme hätten. Die werden dann halt von den Beratern gebremst.
     
  17. der beobachter

    der beobachter Benutzer

    Weißt du eigentlich, keek, dass du mit so einer Bemerkung das liebgewordene Feindbildklischee vom bösen, unfähigen und geldgeilen Programmdirektor/Geschäftsführer zerstörst. Das ist gar nicht lieb von dir. Und das am Sonntagmorgen. Ich muss dich rügen! :D:D:D
    db
     
  18. Tom2000

    Tom2000 Gesperrter Benutzer

    Guess...,

    ich weiss gar nicht, was Du willst; ich mache es doch nur so wie Ihr mit Euern deutschen Karikaturen privater Radio-Stationen, ich wiederhole das Wesentliche so oft in der Hoffnung, irgendwann bleibt was hängen und es ändert sich was.

    Und von wegen selbstgetrickte Wahrheiten. Mittlerweile gibt es ja sogar europäische Studien, die die Einfältigkeit des deutschen Marktes explizit ausweisen.

    Keek war wenigstens so fair und hat erklärt und argumentiert. Du trägst zur Diskussion gar nichts bei und bist in diesem Thread der Unproduktivste.

    Dann mach mal schön so weiter. Wie AC oben schon gesagt hat, Deutschland steckt "radiotechnisch" in der Krise und Macher wie Du sind es selber schuld.

    Chease...,
    Du hast wohl doch nicht richtig hingehört. Zitat "Radio 538 = alle möglichen Jugendradios". Was für ein unsinniger Vergleich. Ein Jugendradio ist nicht automatisch eine CHR-Station wie Radio 538. Radio 538 hat professionelle Moderatoren, ein professionelles On-Air-Design und ist von der Musikauswahl und -abfolge durchhörbar. Alles Eigenschaften, die Eins Live oder Fritz nicht hat.
    Auch Deine anderen Vergleiche hinken.
     
  19. Keek

    Keek Benutzer

    ich versuche doch nur, eine gehasste Minderheit ein wenig zu...naja erklären vielleicht.

    Vielleicht meinte ich: "Wie kriege ich bloss die Geldgeilheit und Idealismus unter einen Hut? Na gut, frag ich mal die Berater. Ach so, geht nicht zusammen? Na dann, Klappe halten und weiter kassieren" :D
     
  20. Tom2000

    Tom2000 Gesperrter Benutzer

    Keek,

    Antenne Bayern zeigt doch, wie man erfolgreiches Formatradio macht, ohne zur blossen Karikatur eines Formatradios zu verkommen...
    Vielleicht gibt es auch noch das ein oder andere bayerische Lokalradio, das ich nicht kenne, das so arbeitet.
     
  21. Keek

    Keek Benutzer

    ...

    Das mag ja sein, ist ja nur leider nicht symptomatisch für die Masse der deutschen Privatradio-Landschaft. Besonders hier gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel. Guck doch nur mal in die schon vieldiskutierte niedersächsische Radio-Diaspora. Und das ist nur das traurigste von vielen Beispielen in der Branche.
     
  22. Tom2000

    Tom2000 Gesperrter Benutzer

    Niedersachsen ist in der Tat der Sündenfall schlechthin, auch und gerade weil der NDR das miese Spielchen mitmacht.

    Nur was ist von Folgendem jetzt wahr?
    -Fast alle Macher wollen per se mit dem billigsten Programm die meiste Kohle machen. Eigene Ansprüche (wie sie SZ oder FAZ oder Spiegel im Printbereich haben) gibt es bei deutschen Privatradios nicht mehr.
    -Falsche Strukturen sind schuld. Mehr private Programme in einem Sendegebiet würden wie in den USA zur Bildung von Spartensendern führen, vorausgesetzt, die ÖRs würden den Markt nicht verzerren.
    -Der deutsche Geschmack aktzeptiert nur Programme mit kleinen Hitmusik-Rotationen, piepsigen Praktikantenmoderationen und ständige Eigenpromotion.
     
  23. Keek

    Keek Benutzer

    Nur was ist von Folgendem jetzt wahr?
    -Fast alle Macher wollen per se mit dem billigsten Programm die meiste Kohle machen. Eigene Ansprüche (wie sie SZ oder FAZ oder Spiegel im Printbereich haben) gibt es bei deutschen Privatradios nicht mehr.
    -Falsche Strukturen sind schuld. Mehr private Programme in einem Sendegebiet würden wie in den USA zur Bildung von Spartensendern führen, vorausgesetzt, die ÖRs würden den Markt nicht verzerren.
    -Der deutsche Geschmack aktzeptiert nur Programme mit kleinen Hitmusik-Rotationen, piepsigen Praktikantenmoderationen und ständige Eigenpromotion.

    Punkt 1 stimmt vereinfacht gesagt natürlich. Ist in diesem Forum ja schon oft genug in epischer Breite diskutiert worden. Private Radiostationen sind wirtschaftlich arbeitende Unternehmen. Vor zehn Jahren fiel für die Gesellschafter immer noch genügend Kohle ab, dass sie auch teure Investitionen in Programm und Personal geduldet haben. In den vergangenen Jahren ist die zu melkende Kuh allerdings weniger ergiebig geworden. Wichtig ist nicht, was aus deinem Radio kommt, sondern was an Rendite in die Brieftaschen der Gesellschafter fliesst.

    Punkt 2: Ich halte die Strukturen nicht für falsch. Mehr private Programme führen nicht zur Vielfalt. Das genaue Gegenteil ist doch der Fall, wie die letzten zehn Jahre in D mehr als deutlich gezeigt haben. In meinen Augen ist eines der grossen Probleme, dass Radiomacher in Deutschland glauben, amerikanische Rezepte einfach in den deutschen Markt importieren zu können. Spartenradios werden in Deutschland niemals massentauglich und somit wirtschaftlich senden. Wir sind hier in Europa musikalisch ganz anders sozialisiert als Amis, sprich: Otto-Normal-Bürger hat einen breiteren Musikgeschmack, der mag im Zweifel einen populären Rapsong von Puff Daddy genauso gerne hören wie eine Ballade von Metallica, den ohrwurmtauglichen Hit von Britney oder halt den beliebten 80er-Klassiker von Phil Collins. Amerikaner sind nach meiner Erfahrung viel stärker innerhalb eines bestimmten Musikstils verwachsen. Was deiner Meinung nach die ÖRs verzerren, ist mir allerdings nicht ganz transparent.

    Punkt 3: Glaube ich nicht. Wenn es so wäre, müßte ich den Job aufgeben. Ich denke, das war mal so, abgesehen von den Piepsstimmen etc. Tatsächlich war Formatradio mal eine wirklich gute Alternative zu den bis in die 80er hinein ausschließlich bestehenden ÖRs. Meiner Meinung nach haben es die Macher nur verpasst, ihren Programmen auch mal etwas Profil zu erhalten. Man hält halt die Hörer für blöder als sie sind. Bei Hörerverlusten ist der Weg immer: Wir müssen noch mehr Wort reduzieren, noch mehr Claimen und unsere Positionierung verkaufen etc.blabla

    Ich bin zum Beispiel mal gespannt, wann in Nds zum ersten Mal ein Sender anders darauf reagiert, dass praktisch in jeder MA zu 10.000en Hörer einfach verschwinden, die eben bei keinem Konkurrenzsender wieder auftauchen, sondern bestenfalls in benachbarten Bundesländern.

    Ich persönlich denke, dass die Hörer allmählich spitz bekommen haben, dass die Programme immer gleicher klingen und ihnen überhaupt nichts Authentisches mehr entgegenschallt. Zumindest haben die MAs der vergangenen 2,3 Jahre meiner Meinung nach gezeigt, dass unterm Strich die profilierteren Programme gegenüber den Flach-Formaten besser wegkommen.

    Natürlich ist die ganze Krise sehr viel komplexer (man bedenke nur das selbstgeschaufelte Grab, sich als Begleitmedium zu akzeptieren, definieren, auf die Spitze zu treiben und damit überflüssig zu machen). Insofern waren dies nur ein paar oberflächliche Punkte.

    In diesem Sinne...
     
  24. Tom2000

    Tom2000 Gesperrter Benutzer

    Hi Keep,

    also haben Sender wie Rock Antenne keine wirkliche Chance in Deutschland, weil so ein Sender den breiteren deutschen Musikgeschmack nicht befriedigt? Widerspräche aber dem Erfolg von so glatten Sendern wie Antenne 1, die auf wenige, gleichartige Titel setzen, oder?

    Ändert sich das Hörverhalten zudem nicht mit dem Angebot? Also: Hörer, die heute das Radio nicht einschalten, weil ihnen die Hitwellen zu "seicht" sind, schalten erstmalig wieder ein, um RA zu hören. Andere entdecken RA zumindest als eine zeitweise Alternative.

    Vielleicht entwickeln sich auch neue Geschmäcker.
    Es ist doch so wie mit der Süsswarenabteilung. Brauchen wir wirklich die ganzen verschiedenen Schokoladen, Weingummisorten usw? Vielleicht nicht wirklich. Nun gibt es aber diesen Riesen-Markt und die Menschen haben sich im Laufe der Zeit ihre Lieblingsprodukte herausgesucht. Man hätte es auch bei Milka und Ritter Sport belassen können, insofern es bei diesem Beispiel um Schokolade geht. Dennoch gibt es all die anderen Schokofirmen, die sich nach und nach Teile des Marktes erkämpft haben.

    Es braucht halt ZEIT. Genauso traue ich es den Deutschen zu, mittelfristig Geschmäcker jenseits der Hitradio-Stationen zu entwicklen, neben den jetzt schon Unbefriedigten. Ich sehe, von landesspezifischen Eigenheiten wie Volksmusik hier und Country dort abgesehen, keine gravierenden Unterschiede zwischen uns und den USA.
    Es funktioniert ja auch in Frankreich, Griechenland oder England.

    Zunächst wäre es doch mal sinnvoll zu errechnen, wieviel Hörer ein Sparten-Programm wie die RA braucht, um wirtschaftlich zu arbeiten. Soweit ich weiss, hören in Augsburg schon 7 Prozent den Sender. Das in Relation zur Anzahl der Menschen, die in diesem Sendegebiet wohnen, gesetzt etc...
    Dann wissen wir annähernd, ab welchem Hörerpontential (ab welcher technischen Reichweite) RA überlebensfähig ist.

    Das zu Ende gedacht, hätten wir in ganz Deutschland vielleicht 100 AC-, 30 Top 40-, 10 Modern Rock-Sender usw., wobei an jedem Standort ein AC-, ein Top 40-, ein Modern Rock-Programm usw. empfangbar wäre; die reichweitenschwächeren Angebote hätten halt entsprechend grössere Sendegebiete.

    Also müssten wir doch die Strukturen ändern.
     
  25. Keek

    Keek Benutzer

    Huh

    Du sprichst ja von Revolution, tss tss tss

    Rock Antenne, ja, offensichtlich gibt es in D eine größere Affinität zu Classic Rock-Musik, insofern erklären sich Erfolge von Sender wie RA oder Radio 21 in Niedersachsen.

    Guck Dir bei diesen Sendern aber mal die Beteiligungsverhältnisse an, dann siehst Du, dass nicht nur programmrelevante Überlegungen dort eine Rolle spielen, sondern eben auch medienpolitische. Beispiel Niedersachsen: Antenne und FFN halten jeweils eine Beteiligung an Radio 21. Auch andere Gesellschafter überschneiden sich dort meines Wissens. Der Sender kostet die AC-Formate natürlich Hörer im älteren Segment, trotzdem bleibt es in der Familie. Andere Bewerber (mit anderen Gesellschafter-Strukturen) für die Frequenzen wie das "tolle" Zeitungsradio-Projekt von Jürgen Köster oder JAM FM blieben so aussen vor.

    Zurück zum Sparten-Gedanken. Classick Rock oder Oldie-Formate funktionieren hier ganz gut. Bei anderen Formaten wird das schon schwieriger, denke nur an Delta oder Jam FM.

    Spartensender in den USA sind ja oftmals Mini-Stationen, von der Personalstärke vielleicht zu vergleichen mit mancher Lokalstation hierzulande. Aber wenn Du schlank genug aufgestellt bist, kannst Du natürlich auch wirtschaftlich arbeiten. So wenig Personal wie möglich gilt inzwischen natürlich auch in D, dabei aber auch der Versuch, so viele Hörer wie möglich zu erreichen.

    Was ich als Unterschied meinte: Natürlich kannst Du hier 100 AC, 30 CHR, dazu Modern Rock, Classic Rock etc. Spartenprogramme senden. Der Musikgeschmack von Menschen hier ist aber meiner Meinung nach nicht so geprägt, dass die Mehrheit der Leute Lust hat, den ganzen Tag über nur eine Musikrichtung zu hören. Man würde also hübsch hin und her zappen, auf Kosten von Verweildauer und Hörerbindung.

    Ist doch auch logisch, dass das überhaupt nicht im Sinne der Radiomacher ist. Und mir persönlich würde ein solches Modell hier auch nicht gefallen. Soweit das mal alles sehr oberflächlich angerissen.

    Have a nice day...
     

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Diese Seite empfehlen