1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

Technische Frage: Phantomspeisung, XLR-Kabel

Dieses Thema im Forum "Studio- und Sendertechnik" wurde erstellt von Badener, 05. Mai 2011.

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. Badener

    Badener Benutzer

    Moin in die Runde,
    jetzt möchte ich mal hören, ob ich immer für die "kaputten" Mikrofonkabel im Sender verantwortlich bin :wow:
    Wenn ich ein XLR-Kabel an einen Mischer anschließe, auf dem Phantomspeisung bereits läuft, kann das dann blechernen Klang verursachen?
    Also vermutlich gehen die Kabel kaputt, durch die Spannung oder sonst was.
    Wenn ich dann ein neues Kabel anschließe, klingt alles wieder sauber, achte ich dann beim nächsten Mal aber nicht mehr darauf, ob Phantom zugeschaltet ist, so klingt es nach einer Weile wieder blechern.
    Kann mir jemand sagen, warum das so ist, bzw. ob das so normal ist, dass Mikrofonkabel kaputtgehen, wenn sie an bereits angeschaltete Phantomspeisung angeschlossen werden?!

    Danke :)
    Beste Grüße!
     
  2. Ralle_Köln

    Ralle_Köln Benutzer

    AW: Technische Frage: Phantomspeisung, XLR-Kabel

    Mikrofonkabel sollten durch den sehr geringen Strom der Phantomspeisung keinesfalls beschädigt werden können. Die wahrscheinlichsten Fehlerquellen sind meiner Meinung nach:
    • Die Anschlüsse des Mischers sind nicht normkonform beschaltet
    • Die ausgegebene Phantomspeisung enstpricht nicht der Norm (vorsicht, so kann man Mirofone zerstören)
    • Es liegt Tonaderspeisung statt Phantomspeisung vor (auch damit ruiniert man sich das Mikrofon)
    • Der Anschluss des Mikrofons ist nicht normkonform beschaltet
    • Die Kabel werden beim Stecken mechanisch beschädigt, beliebt ist ein Abknicken unmittelbar hinter der Armatur

    Arbeite diese Punkte doch einmal ab, prüfe beispielsweise ein "blechernes" kabel mit einem Durchgangsprüfer usw. usf.
    Liest sich alles erstmal komplizierter, als es ist... Wenn Du Fragen zum Vorgehen hast, frag!

    Um welches Material handelt es sich genau? Das hülfe bei der Ferndiagnose enorm...
     
  3. ADR

    ADR Benutzer

    AW: Technische Frage: Phantomspeisung, XLR-Kabel

    phantomspeisung ist immer abzuschalten beim ab- oder umstöpseln. ansonsten kann es schäden geben an mikrofon oder eingangsstufe. auch ist daruf zu achten, dass genügend zeit bleibt, damit sich die phantomspeisung in einem mikro abbauen kann, ehe es abgezogen wird!
     
  4. Badener

    Badener Benutzer

    AW: Technische Frage: Phantomspeisung, XLR-Kabel

    Danke für eure Hinweise.
    Kabel sind von Cordial, aber ich merke schon, Ralle, deine Vermutung mit den abgeknickten Kabeln trifft zu, also in Zukunft vorsichtiger damit umgehen und auch ADRs Tipps beachten :)
     
  5. nicolai

    nicolai Benutzer

    AW: Technische Frage: Phantomspeisung, XLR-Kabel

    Ein wirklich hilfreicher Tipp, der gerne - besonders in Verbindung mit Hektik oder Ungeduld - vergessen wird. Erst kürzlich wunderten wir uns, wie denn ein Kondensator-Mikro einfach so kaputtgehen kann... :confused:
     
  6. AW: Technische Frage: Phantomspeisung, XLR-Kabel

    Wie kann es denn durch Beschädigung des Kabels zu einem "blechernen" Klang kommen? Bei kaputtem oder abgeknickten Kabel sollte doch dann eigentlich eher gar nichts mehr zu hören sein??
    Anmerkung zur Phantomspeisung: Ich habe mir ein dynamisches Mikrofon (Sure SM58Beta) dadurch ruiniert, dass ich versehentlich beim Mischpultsäubern an den Schalter für die Phantomspeisung gekommen bin. Offenbar vertragen das Mikros, die keine Kondensatormikrofone sind, nicht so gut. In anderen Foren wird dies zwar verneint, aber bei mir war das SM58, das am XLR-Anschluss hing, danach jedenfalls defekt.
    Danke auch an ADR für den Hinweis, werde ich beherzigen.
     
  7. Ralle_Köln

    Ralle_Köln Benutzer

    AW: Technische Frage: Phantomspeisung, XLR-Kabel

    Eine Ader oder ein Teil der Ader der symetrischen Signalführung liegt an Masse - das resultiert dann erstmal in Pegelverlust, dieser wird gerne als "blechern" beschrieben. Kommt noch Phantomspeisung ins Spiel kann es durch Spannungsüberschläge dann schnell Störgeräusche geben - im schlimmsten Fall wird dabei auch etwas beschädigt.


    Dynamische Mikrofone können eigentlich nur bei Tonaderspeisung kaputtgehen - oder wenn die Phantonspeisung des Pults aus dem Ruder läuft, das Kabel nicht in Ordnung oder falsch Beschaltet ist.

    Das ist noch kein kapitaler Kabelschaden. Jemand der weiß, auf welcher Seite der Lötkolben warm wird kann das schnell reparieren (Stecker abpitchen und neu anlöten). Ansonsten Kabel beim Ein- und Ausstecken immer am Stecker anfassen, an die Verriegelung bei XLR denken und nicht zu eng biegen oder aufrollen. Dann sollten sie einige Jahre halten.
     
  8. Badener

    Badener Benutzer

    AW: Technische Frage: Phantomspeisung, XLR-Kabel

    Danke, kann man also zusammenfassend sagen?
    1. Phantomspeisung an
    2. Geduld
    3. Kabel rein
    ...
    4. Phantomspeisung aus
    5. Geduld
    6. Kabel raus
     
  9. ADR

    ADR Benutzer

    AW: Technische Frage: Phantomspeisung, XLR-Kabel

    Berichtigung:

    1. Kabel rein
    2. Phantomspeisung an
    3. loslegen

    ...

    4. Phantomspeisung aus
    5. Geduld
    6. Kabel raus
     
  10. Badener

    Badener Benutzer

    AW: Technische Frage: Phantomspeisung, XLR-Kabel

    Gut, danke :)
     
  11. tenor

    tenor Benutzer

    AW: Technische Frage: Phantomspeisung, XLR-Kabel

    Das kann nur passieren, wenn das XLR-Kabel nicht standardkonform beschaltet ist. Standard ist symmetrisch mit Schirm, also zwei unabhängige Leitungen und Schirmgeflecht, folgendermaßen an Stecker/Buchse gelötet:
    Pin1>Pin1
    Pin2>Pin2
    Pin3>Pin3

    Manche Zeitgenossen nehmen unsymmetrisches Kabel (also nur eine Leitung plus Schirm) und löten dann so zusammen:
    Pin1 und Pin2 zusammengeschaltet>Pin1 und Pin2 zusammengeschaltet
    Pin3>Pin3

    oder

    Pin1 und Pin3 zusammengeschaltet>Pin1 und Pin3 zusammengeschaltet
    Pin2>Pin2

    Die beiden letztgenannten Varianten sind natürlich auch mit symmetrischem Kabel möglich. Sie sind aber falsch und gehören nicht ins Studio. Auch nicht, wenn ausschließlich dynamische Mikrofone verwendet werden. Denn genau dann gehen sie hops, wenn die Phantomspeisung zugeschaltet wird. Bei standardmäßiger XLR-Verkabelung passiert das nicht.

    Gruß tenor
     
  12. Cavemaen

    Cavemaen Benutzer

    AW: Technische Frage: Phantomspeisung, XLR-Kabel

    Man kann keine dyn. Mikrofone gleichzeitig mit phantomgespeisten am Mixer betreiben, da die dyn. einen Kurzschluß der 48V machen!

    Bitte auch immer darauf achten, dass die gleiche (meistgebräuchliche) Variante mit +48V verwendet wird.
    Es gibt 12V Tonaderspeisung, 12V Phantomspeisung und ph48 und keine ist kompatibel zueinander!
    Verwendet man noch batteriegestützte Speisegeräte, müssen die 48V haben, sonst gibt es abartige Störgeräusche oder gar keine Funktion.

    Viele billige Batteriespeiseteile haben nur 2 Blöcke mit 9V drin, also nur 18V, dat geht nich!

    Rudy
     
  13. Cavemaen

    Cavemaen Benutzer

    AW: Technische Frage: Phantomspeisung, XLR-Kabel

    Also: Vorsicht bei ältere Mikrofonen von Sennheiser, da der kleine Unterschied nur an der Type auszumachen ist und die bei falschem Anschluß / Betrieb zerstört werden!!
     
  14. germancomponist

    germancomponist Gesperrter Benutzer

    AW: Technische Frage: Phantomspeisung, XLR-Kabel

    Es gibt keine überall gültige Norm, was die Verkabelung angeht. Ich erinnere mich an eine Situation, wo wir früher ein Mischpult aus England bekamen. Dort waren die Pole anders belegt als hier bei uns üblich, aber in England war das eben der Normalfall...... .
     
  15. Radiowaves

    Radiowaves Benutzer

    AW: Technische Frage: Phantomspeisung, XLR-Kabel

    Da stehe ich jetzt gerade auf dem Schlauch: wie soll das bei normkonform symmetrisch beschalteten Mikrofonen funktionieren? Auf den beiden Adern des Mikrofons, die zum - ich nenne ihn jetzt mal so - "Ton-Stromkreis" gehören, landet jeweils das gleiche Potential (nämlich die +48 V), jeweils angeschaltet durch einen hoffentlich wertgenauen 6.8-kOhm-Widerstand. Dazwischen kann also schonmal kein Strom fließen. Und die Masse der Phantomspeisung landet auf dem Kabelschirm. Der wiederum sollte offen oder zumindest hochohmig zum Tonader-Stromkreis sein - auch da kann keine Belastung der Phantomspeisung auftreten, die diese zum Zusammenbrechen bingen könnte.

    Was anderes ist das, wenn eines der beteiligten Kabel / Mikrofone / Steckverbinder durch Beschaltung oder Defekt etwas tut, das nicht der Norm entspricht. Oder - ganz simpel - Deine dynamischen sind unsymmetrisch beschaltet. Dann wäre es schon für die Mikrofone keine gute Idee, sie bei aktivierter P48 angeschlossen zu lassen.

    Und zu den Sennheisern: stimmt, viel Spaß bei der Anschluß-Lotterie:
    http://www.sengpielaudio.com/MD421HNoderHL.gif
    http://www.sengpielaudio.com/Anschluss-SteckerBeiMikrofonen.pdf
    ;)
     
  16. Hefeteich

    Hefeteich Benutzer

    AW: Technische Frage: Phantomspeisung, XLR-Kabel

    Das höre ich jetzt, zumindest in dieser pauschalen Form, zum ersten Mal. Demzufolge müsste ich bei mir jetzt schon mindestens vier geschrottete Pulte haben.
     
  17. jangk

    jangk Benutzer

    AW: Technische Frage: Phantomspeisung, XLR-Kabel

    aus Wikipedia:
    Beim Einsatz von dynamischen Mikrofonen wird keine Phantomspeisung benötigt. In der Praxis spielt es dabei keine Rolle, ob die Phantomspeisung ein- oder ausgeschaltet ist. Dieses unterscheidet die Phantomspeisung von der heute nur noch in Sonderfällen eingesetzten Tonaderspeisung nach DIN 45595, bei der eine Gleichspannung zwischen den Signalleitungen a und b, d. h. parallel zur Mikrofonkapsel, anliegt.


    aus Jörg Wuttkes Mikrofonaufsätzen:
    Die Besonderheiten der Phantomspeisung sind:
    2.2.1
    Keine Gleichspannung zwischen den Adern des Mikrofonkabels, keine Probleme beim Anschluss symmetrischer dynamischer Mikrofone
    Sofern die beiden Speisewiderstände exakt gleich sind (Selektion) und über beide Kabeladern der gleiche Strom fließt, kompensieren sich die Spannungsabfälle über den Speisewiderständen. Zwischen den Adern liegt daher keine Gleichspannung. Der Eingangsübertrager des nachfolgenden symmetrischen Eingangs wird meist direkt angeschlossen. Beim Anschluss dynamischer Mikrofone muss die Spannung nicht abgeschaltet werden. Es kommt auch zu keinem Stromfluss.


    Aus verschiedenen anderen Quellen:
    An eine aktivierte Phantomspeisung kann gefahrlos ein dynamisches Mikrofon angeschlossen werden. Zwischen den Signalleitungen besteht keine Potenzialdifferenz, somit kann durch die Mikrofonspule kein Gleichstrom fließen. Das freie Schwingen der Membran bleibt unbehindert, da sie weder nach Außen oder Innen ausgelenkt wird. Da kein Gleichstrom fließt, wird in der Spule keine Wärmeleistung umgesetzt.
    ... und ...
    Die Phantomspannung ist in DIN 45 596 und IEC 60268-15 spezifiziert und kann einen Wert von 48 V, 24 V oder 12V haben, die über Widerstände von 6,8 kOhm, 1,2 kOhm bzw. 680 Ohm eingespeist wird. Bei der Einspeisung wird das gleiche Potential an die beiden Adern der symmetrischen Leitern des Mikrofons gelegt. Dies hat den Sinn, dass auch dynamische Mikrofone angeschlossen werden können, ohne dass diese durch die Phantomspannung beeinträchtigt werden.

    c.q.f.d.
    no comment
    Jean
     

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Diese Seite empfehlen