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Warum wird man Radiomoderator?

Dieses Thema im Forum "Radioszene Deutschland" wurde erstellt von Indianerin, 11. Juli 2001.

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  1. Indianerin

    Indianerin Benutzer

    Nachdem ich hier nun vieles gelesen habe, auch viel unwichtiges Gelaber und sorry, auch eine ganze Menge dummes Zeug, würde ich gerne wissen, warum die hier Anwesenden Radiomoderator sind oder werden wollen?
    Welche Motivation treibt euch? Wo liegen eure Ziele? UND: Was steht im Mittelpunkt dieses Berufes?
    Diese Fragen würde ich mal an den Anfang setzen, bevor ich mich in Tagträumen und Wehklagen ergehe.
    Es muss ja einen Grund geben, warum ihr trotz allem da sitzt wo ihr sitzt. Sonst könntet ihr ja auch Friseur sein oder Versicherungsvertreter.
    Also? Warum?
     
  2. McFly

    McFly Benutzer

    Tja, da stellst du wohl eine wirklich spannende Frage. Natürlich kann ich nicht für "die Allgemeinheit" der Moderatoren sprechen, und jeder wird sicher seine ganz persönliche Motivation zu all dem haben, aber
    ich denke, es gibt einen Hauptgrund: Dieses Medium, diese Arbeit an sich mit Musik, mit Menschen und ständig wechselnden Themen und Situationen ist einfach faszinierend. Wenn man einmal "Feuer gefangen" hat, kann man nicht mehr aufhören. Und: Viele Kollegen bestreiten das, aber ich denke, jeder der dort sitzt pflegt damit auch sein persönliches Ego. Das ist keine Schwäche, ich denke, das muß so sein. Und zu allerletzt: Es macht einfach einen Riesenspaß !
    Was die Ziele angeht: Es gibt kaum einen besseren Start in eine Medienkarriere. Das belegen viele Beispiele. Grüße
     
  3. LeMans

    LeMans Benutzer

    Das würde ich im großen und ganzen so unterschreiben. Die Beweggründe sind von McFly treffend wiedergegeben worden.
    Und es ist auch sicherlich so, daß die meisten Moderatoren über Jahre hinweg recht passioniert sind und ihren Beruf lieben. Nach zehn Jahren läßt der Eifer bei den meisten aber auch wieder nach. Dann geht's nur noch ums Geld verdienen, wenn man es noch nicht weiter als bis zum Moderator gebracht hat.
    Es gibt aber auch die - zugegebenermaßen wenige, die noch nicht lange moderieren und schon nicht mehr die richtige Lust dazu haben. Das ist unabhängig davon, ob sie Feuer gefangen haben oder nicht.
    Denn mal eines nebenbei: Dieser Job ist nicht gerade ein Zuckerschlecken, er ist hammeranstrengend, was der Hörer so gar nicht wahrnimmt und nicht wahrnehmen soll. Man muß gut vorbereitet sein, gute Laune rüberbringen (, auch wenn gerade die ganze Familie mit dem Flugzeug abgestürzt ist) und seinen Sender schmackhaft machen, selbst wenn man die Musik haßt oder das Gewinnspiel, das man da verkaufen muß.
    Und: Die wenigsten Moderatoren haben wirklich redaktionelles Mitspracherecht; man tut, wie einem geheissen. Moderatoren sind ein bißchen wie moderne Sklaven. (Nicht böse gemeint.) Sie halten den Kopf hin, sind das Aushängeschild, aber im Grunde senderintern meistens ziemlich machtlos. Dazu kommt fast durchweg eine unsichere Stellung als freier Mitarbeiter. Moderatoren leben oft ein unsicheres Leben.

    Immerhin - Moderation kann ein Sprungbrett sein, wenn man sich in den Medien nach vorne arbeiten möchte.
    Wenn man aber davon träumt, Lifetime-Moderator zu sein, wird es gefährlich. Je älter der Moderator, desto schlechter sieht es mit den Jobs aus, von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen.

    Jeder, der es ausprobieren will, soll es tun und für sich entscheiden, ob das ein Traumjob ist, wie man allgemein glaubt.
    Ich habe das nicht so empfunden, obwohl ich anfangs auch Feuer gefangen hatte. Ich glaube, man muß zum Moderator geboren sein, um es lange durchzuhalten und dabei auch noch Spaß zu haben.
     
  4. McFly

    McFly Benutzer

    Dem kann ich nur zustimmen. Grade der Aspekt von LeMans, dieser Job ist hammer-anstrengend, verdient besondere Beachtung. Es ist oft extrem schwer, grade wenn die erste Begeisterung für den Job gewichen ist, egal wie man sich persönlich fühlt vor dem Mikro zu lächeln. Die Gefahr, dort zum extremen Schauspieler zu werden, ist sehr groß.
    Ein weiterer Punkt erscheint mir wichtig: Moderatoren haben oft mit großem Konkurrenz-druck zu leben, auch grade untereinander. Das kann das Klima im Sender schnell vergiften. Natürlich soll der Hörer das nicht merken, für den gilt immer : "Wir sind ein tolles Team, ein toller Sender und hier gibt es nur Spaß" Aber hinter den Kulissen sieht das oft anders aus. Ein Moderator braucht ein dickes Fell.
     
  5. mikeschneider

    mikeschneider Benutzer

    @ LeMans

    also wenn ich dich recht verstehe ist einer, der beim status moderator "hängenbleibt" in deinen augen nicht so viel wert.
    es sollte schon jeder die ambition haben, mindestens PD zu werden...

    ich moderiere seit 16 jahren und werde einen teufel tun mit irgendwelche grösseren schuhe mit schleudersitzgarantie anzuziehen.

    thema geldverdienen: klar moderiert man auch zum geldverdienen, oder futterst du die festplatten von deinem studiocomputer und zahlst deine miete mit cd's?

    <grübel>

    gruss in die szene

    MIKE
     
  6. Putzfrau

    Putzfrau Benutzer

    Ich finde die Fragestellung etwas falsch, denn die meisten "Antwortautoren" in diesen Foren sind ja eigentlich verkappte Programmdirektoren, Berater, Geschäftsführer, usw.
     
  7. Indianerin

    Indianerin Benutzer

    Ich habe meine Frage schon sehr bewusst so gestellt. Die Annahme, dass sich hier in erster Linie PD´s, Berater (verkappt oder nicht) äußern, halte ich für überzogen.
    Den Beiträgen in diesen Foren entnehme ich zumindest ganz andere Einstellungen, aus denen ich schließe, dass sich etliche Moderatoren darunter befinden und DARUM wollte ich einmal ganz gezielt nachfragen.
    Alles klar? In meinen Augen und vor allen Dingen Ohren gibt es hier nämlich ein Defizit, das ich gerne klären würde. Ob das allerdings hier möglich ist, ist noch fraglich.
    Den Beiträgen von McFly und LeMans danke ich zumindest schon mal - es ist ein Anfang.
    In der Hoffnung, dass hier noch was anderes bei rauskommt als nur Phrasen - warte ich mal weiter gespannt.

    [Dieser Beitrag wurde von Indianerin am 13.07.2001 editiert.]
     
  8. Sebastian

    Sebastian Benutzer

    Tach! Ich will auch noch mal meinen Senf dazugeben.

    Bei mir ist es so, dass ich mich schon seitdem ich 5 Jahre alt war für Runkfunk interessiere. Es ist irgendwie eine Faszination Menschen zu unterhalten und zu informieren sowie Musik die sie mögen für sie zu spielen. Damit kann man ja auch sicher Stimmungen beeinflussen. Ich hab auch lange Zeit nebenbei als DJ und Off-Air-Moderator gearbeitet aber ist es nicht das gleiche. Denn: Die Menschen die man unterhält sieht man und man weiss wo sie sich gerade aufhalten, nämlich im idealfall auf der Tanzfläche. Beim Radio weiss ich ich werde überall gehört: Im Autoradio, im Büro, im Supermarkt...und wo noch überall??? Irgendwo im ganzen Bundesland!! Da kann ich überall die Leute unterhalten und informieren. Ich begleite sie durch den Tag bei allem was sie gerade tun. Und wenn ich z.B. was verlose melden sie sich sogar von überall her!! Die Mühe machen die sich. Und dann wird es einem erst wieder bewusst: WOW!! Es sind echt sooo viele. Also ums mal krass auszudrücken: Wenn das rote Licht leuchtet ist das geiler als Sex!! Danke für ihre Aufmerksamkeit, liebe Szene.
     
  9. Hi,

    mal eine Frage nicht zum Thema passend wo ich hier doch McFly lese ( Name doch wohl in Hochachtung an George McFly gewählt - oder ??? ) wo ist der alte Haudegen George eigentlich abgeblieben ?

    Fragt Toddo
     
  10. LeMans

    LeMans Benutzer

    Zu Mike:
    Es tut mir leid, sollte ich Dir auf den Schlips getreten sein. Ein guter Moderator ist in meinen Augen mit Sicherheit nicht weniger wert als ein guter PD. Es soll auch bestimmt nicht jeder den Wunsch haben, PD zu sein.
    Dennoch wollen viele Moderatoren, die hauptberuflich auch Moderatoren sind, weiter kommen in der Senderhierarchie. Bei Dir mag das nicht zutreffen, mag sein, dass Moderieren Dein Traumjob ist. Damit bist Du aber eine Ausnahme.
    Für die meisten ist das ein verzehrender Job, den sie nicht ewig machen wollen. Redakteur zu sein, Chefredakteur oder PD ist zwar auch nicht unbedingt erholsamer, aber für viele auf Dauer attraktiver. Es stimmt einfach nicht, dass man ausschließlich in diesen Positionen eine echte Schleudersitzgarantie hat. Als Moderator hat man sie noch eher, zumindest sind das meine Erfahrungen.
    Alles hat seine Vor- und Nachteile, es kommt auf die eigenen Leistungen und leider auch auf äußere Umstände an, wohin der Sender gerade marschiert. Wenn Köpfe rollen, dann sind das immer die, die nicht mehr in das Schema passen. Das kann jeden treffen, selbst die Besten. Da die meisten Moderatoren aber am mittleren bis unteren Ende der Hierarchie stehen, was Entscheidungsmöglichkeiten angeht, können auch mehr Leute gegen sie arbeiten. Das funktioniert ganz nach dem Radfahrerprinzip. Dieses habe ich aber nicht erfunden, und ich möchte hier noch einmal klarstellen, dass ich keinen guten Mitarbeiter eines Senders minderwertiger als einen anderen guten finde. Ohne gute Moderatoren funktioniert ein Sender nicht, genauso wenig wie ohne guten PD, Chefredakteur, Musikredakteur etc.. Alle sind gleich wichtig. Sic!
     
  11. McFly

    McFly Benutzer

    Was auch oft vergessen wird: Wenn jemand Moderator wird, dann ist damit vorprogrammiert, daß er zumindest am Anfang seiner Karriere ziemlich oft wird umziehen müssen. Es ist durchaus üblich, als Mod. nicht länger als drei, vier Jahre bei einem Sender zu bleiben. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, die viel länger bei einem Sender bleiben, aber bis man sich so einen sicheren Platz erarbeitet hat, sind Senderwechsel sehr wahrscheinlich.
    Die Tatsache, daß Moderatoren eher am unteren Ende der "Befehlskette" stehen, hat ein bekannter PD mal so begründet :

    "Liebe Moderatoren : Nach außen für den Hörer sind Sie die Helden, dann müssen Sie
    nach Innen für uns die Sündenböcke sein. - Außgleichende Gerechtigkeit"

    ach ja, @Toddo: im zweiten Teil ja mal ne Weile auf dem Oakpark - Friedhof, aber am Ende geht´s ihm gut ! :)
    Grüße
     
  12. Rik De Lisle

    Rik De Lisle Benutzer

    Hi!

    Coole frage. Ich bin moderator geworden weil Ich die DJ's damals voll cool fand. "Damals" war (für mich) den 50er in Amiland.

    Und zum vergleich zu viele gespräche die wir hier in dieser forum geführt haben über die letzte paar monate...

    Die meisten sender hätten eine rotation von 40 titel (daher die name "Top 40 Radio"). Und die DJ's dürften alle nur auf den ramps quatschen. Und waren trotzdem querdurch den bank "personalities".

    Rik

    [Dieser Beitrag wurde von Alter Ami am 16.07.2001 editiert.]

    [Dieser Beitrag wurde von Alter Ami am 16.07.2001 editiert.]
     
  13. mikeschneider

    mikeschneider Benutzer

    @ le mans


    du bist mir absolut nicht auf den schlips getreten. ich meine ganz andere sachen.

    ich sitze in der sendung und biege sachen, die mein chef in der vorbereitung verbockt gerade. das macht mir irgendwo spass auch wenn ich schon 16 jahre dabei bin. das hutschachtelradio hab ich auch mitgemacht und es war geil...

    der punkt ist doch eigentlich eher, dass ich beispielsweise vor zwei jahren ne einladung haatte bei einem mittelgrossen sender als PD-bewerber vorzusprechen und die mir für ALLE verantwortung DM 8.000,- brutto als angestellter boten.
    die ganze verantwortung und etliche scheine weniger als als moderator ???
    das isses was ich meine. machst du kontinuierlich deinen job als mod kannst du viel mehr zocken, als als verantwortlicher.

    Konkretes Beispiel:

    Mein PD bei energy 103,4 bekam brutto 10.000,- ich als chefmod und producer 6.000,-
    er hatte ein magengeschwür und ich nur spass.
    mittlerweile mache ich mehr kohle als manche chefs, warum soll ich da noch nach oben streben?

    Gruss - MIKE


    PS: z.B. rik wäre sicher heiss, manchmal bei einem berliner sender ne sendung zu machen. er macht sein ding mit der beratung, weil er ja irgenwie den bauernhof bezahlen muss :)))

    [Dieser Beitrag wurde von Mike am 16.07.2001 editiert.]
     
  14. Uwe Schneider

    Uwe Schneider Benutzer

    Tach, Freunde des Funkens!

    zu Putzfrau: Was heisst denn "verkappt"?

    zu Sébastian: Klingt nach "Radio-Romantiker", find ich geil, weil's
    irgendwie genau so ist wie Du sagst/schreibst.

    zu Mike: Ok, Du hattest Spaß. Aber die ganze Knete ging für den "Lebersturzhelm" drauf, oder ? Liebe Grüße nach HH

    an alle: Also irgendwie geht's / ging's doch allen mehr oder weniger und unabhängig des Standortes und des Zeitpunktes so, wie's Rik beschrieben hat. Es ist einfach - Schleudersitz hin oder her - eine Art von Sucht, oder ? Allerdings sollte jeder Mod.
    irgendwann ( die Definition des Zeitpunktes
    sollte individuell bestimmt sein ) seinen
    Absprung schaffen. Als Berufsteenager durch's
    Leben zu lustwandeln, ist wahrscheinlich nicht unbedingt die höchste zu erreichende Stufe eines Moderatoren-Daseins.
    Was es dann heisst "nach Höherem" zu streben, ist auch so eine Frage. Ist als "höher" die Gehalts- oder die Verantwortungsstufe zu be-
    nennen ? Wer übernimmt dann wirklich die Verantwortung, bzw. ist überhaupt dazu in der Lage ?
    Sollte, den Greystudien sei Dank, künftig auch flächendeckend der Trend zu "älteren" Zielgruppenprogrammen stattfinden, so wird sich das Problem eines unbedingten Absprunges
    aller alternen Mod's zumindest zum Teil erübrigen. Und dann ist das "höhere" eher unter gläubigen Gesichtspunkten zu verstehen.
    [​IMG]

    Gruß noch in die Runde

    U.S.
     
  15. oops

    oops Benutzer

    ich denke ich darf nun auchmal:
    Liebe großen Mods des geschäftes, ich höre immer wieder geld, moneten kohle usw... ist das alles, was euch bewegt JETZT noch Moderator zu sein? Verehrt ihr nicht die möglichkeit die euch euer beruf, die berufung (von wem auch immer) gibt?
    Klar, auch ich zahle nicht meine miete mit guten gedanken, deshalb hab ich auch jobs in einer redaktion angenommen, und doch geniesse ich den "nebenberuf", bei mir ist es ja leider so, moderator zu sein und ich will auch nichts anderes.Mag sein, das ich den Vorteil habe,nicht nur die alten gaga-gags hervorkramen zu müssen,oder bestimmte wortfolgen zu äussern, mag sein das es daran liegt, das ich meine route selbst abstecken darf, aber dafür buttere ich in diesen bereich auch rein.
    warum mach ich es? weil es nichts schöneres gibt zu hören, haste den typen gestern gehört? weil es nichts schöneres gibt, und das lehne ich an einem zitat eines gripsforschers an :"menschen bewegen,beherschen und manipulieren zu können,ohne das sie es merken" und wenn ihr morgen wieder einschaltet, hab ich genau das geschafft.
    was ich weniger gut bis besch...en finde ist, das mittlerweile in allen medien untereinander nur noch ein kampf und gezerre herscht, selbst im selben haus. mitbewerber sind gut, das gezerre ist besch...en!
    auch was jungen leuten intern geboten wird, ist meist erschreckend, jobs werden eben nicht nach können und leistung vergeben, den das wird selten getestet, sondern nur noch nach namen und beziehungen. Nach radiobegeisterung wird nicht gefragt...
    und trotzdem liebe ich das radio... liebe ich die moderation, den rest mach ich für miete usw.
    in diesem sinne
    euer oops

    achja ein nachtrag: jepp ein jeder ist wichtig im rundfunkhaus...ohne die putzfrau bleiben die kaffeebecher überallstehen, ohne den techniker funzt nichts, ohne den redakteur sind keine zettel da und ohne den mod wärs ne muikcd ;)
     
  16. Rampmaster LP

    Rampmaster LP Benutzer

    @Sébastian
    Hatte bis jetzt anscheinend den falschen Eindruck von Dir! (sorry for that)
    Für Dich hoffe ich, dass Du vielleicht nochmal 2 Stockwerke höher kommst,
    obwohl Du ja jetzt schon 980.000 Hörer/h hast :) Und grüß gefälligst mal, wenn wir uns auf dem Parkplatz oder im Treppenhaus begegnen ;)

    Also ich habe auch gerade wieder letztens
    (peinliche) Versuche von Mir gefunden, zu moderieren. Das fing bereits im Alter von 4 Jahren an.
    Mich hat früher eigentlich vorwiegend die Technik/Produktion interessiert. (Wie heute auch) Mein großes Vorbild war Torsten Sawade (R.SH). Ich habe was das Moderieren angeht einen hang zum Perfektionismus und war eigentlich nie mit meiner Show zu frieden.
    Ich denke bei der Show auch nicht daran, wieviele Leute mich hören. Nur wenn ich auf der Autobahn unterwegs bin, finde ich das erschreckend, wie weit man doch den Sender hören kann, und das man nicht nur für sich selber und den Bekanntenkreis sendet.
    Das macht mir immer Angst!

    Meiner Meinung nach gibt es 2 Arten von Moderatoren:

    1. Typ Oralhure:
    Profilneurotiker, die gerne damit angeben beim Radio zu sein und am besten noch damit Leute ins Bett zu kriegen. Meist auf Kohle und Ruhm aus und würden sogar Ihre Großmutter verkaufen.

    2. Typ Schauspieler:
    schüchtern, komische Kindheit, Unglücklich,
    wird von allen geliebt, kann gar nicht
    verstehen warum, ist immer sehr selbstkritisch und zweifelt am Sinn des Lebens.


    On Air jedoch sind sie fast gleich:
    Es gibt Ihnen eine Art von Befriedigung,
    Sie sind Schauspieler, sie fühlen sich in der Rolle wohl.

    Was meint Ihr?

    [Dieser Beitrag wurde von Rampmaster LP am 17.07.2001 editiert.]
     
  17. Indianerin

    Indianerin Benutzer

    Ich füge dem P.S. von oops nochmal hinzu: Ohne Hörer keine Werbung, ohne Werbung keine Kohle -komisch, dass die Hörer bei euch kaum eine Rolle spielen.

    So und nun zu dem ganzen angesammelten Rest. Meine Frage lautete, warum wird man Radiomoderator, welche Motivation treibt euch, welche Ziele habt ihr, was steht im Mittelpunkt.

    Zusammengefasst gibt es zwar manche Meinung, die Begeisterung durchaus erkennen läßt, für das Medium, für die Unterhaltung, die Technik, alles was eben dazu gehört, Radiosucht...all das scheint es noch zu geben - so weit so gut. Sébastian und oops sind da wohl noch die Lichtblicke.
    Aber dann verlieren sich die meisten doch nur wieder in der ewigen Selbstbemitleidungs-Jammer-Tour oder - noch schlimmer - sie sehen außer sich selbst keinen anderen.

    Und da überlege ich mir - Moderator, was macht man da eigentlich? Man präsentiert eine Sendung, man vertritt einen Sender. Und wem präsentiert man sich? Menschen = Hörern
    Und wie? In dem man sie unterhält - anspricht.

    Der Moderator ist für mich das Bindeglied zwischen Sender und Hörer, er soll den Sender vermarkten und den Hörer unterhalten. Idealerweise sollte ich da erstens Lust haben Menschen zu unterhalten. Dazu gehört, dass ich eine Verbindung zu ihnen herstelle, das bedeutet auch, ich muss mich für das interessieren, was den Hörer bewegt, damit ich es reflektieren kann - besonders deshalb, weil man mich nicht sehen kann. Das beeinhaltet durchaus eine große Chance eigene Kreativität zu entwickeln, denn natürlich kann ich die Stimmungen der Hörer beeinflußen, möglicherweise sogar manipulieren (da gehört aber schon mehr zu, als nur ein lustiger Spruch).

    Auf der anderen Seite darf ich das Ziel des Senders nicht aus den Augen verlieren, denn ohne Wirtschaftlichkeit kann ich mir all meine schönen Ideen an den Hut stecken.
    Entweder habe ich dazu Lust oder ich werde immer nur unzufrieden vor mich hinwühlen und darum trauern, was man alles machen könnte.

    Ein guter Moderator kann meiner Meinung nach alles miteinander vereinen und trotz festgeschnürten Format ist es ihm möglich, seine unverwechselbare Persönlichkeit rüberzubringen, DAMIT bindet er den Hörer. Denn wenn ich einen Kontakt zum Moderator empfinde - subjektiv spüre, dann möchte ich diesem Moderator treu bleiben, immer wissen, was er zu sagen hat - ergo nützt er mit seiner Persönlichkeit auch dem Sender. Und wenn er eine feste Sendung hat, wird er auch feste Hörer haben und wenn er mal nicht gut drauf ist, dann kann er das in die Sendung auch reinpacken (er muss ja nicht gleich laut losheulen) und die Hörer werden ihn dafür lieben, dass er ihnen nicht den Kasper mimt, sondern mit ihnen im Leben steht. Das ein Moderator bei R.SH das vielleicht anders anbringen kann als bei energy ist klar, dennoch haben beide diese Möglichkeit. Wenn das natürlich an 360 Tagen im Jahr der Fall ist, haben sie ein grundsätzliches Problem...., aber im Normalfall schadet so eine Form der Ehrlichkeit einer Sendung ja nicht. Das jeder Beruf natürlich auch seine Schattenseiten hat und man in schwierigen Zeiten sich schwer damit tut "zu unterhalten" steht außer Frage, aber jammern hilft da auch nicht. Ich weiß doch worauf ich mich einlasse im Unterhaltungssektor.

    Ferner bin ich davon überzeugt, dass Moderator und Sender sich "finden" müssen. Ich kann Moderator sein und super Ideen haben, kreativ, talentiert, gute Stimme, wenn ich nicht den für mich passenden Sender finde, werde ich vielleicht nie alles einbringen können, was in mir steckt.

    Als Hörer empfindet man doch mittlerweile so - und das ist ja wohl gezielt so gesteuert - allmählich gewöhne mich daran und nutze das dementsprechend für mich. Jeder Sender vermittelt mir ein ganz bestimmtes Gefühl, bereits nach wenigen Minuten verändert sich - stimmungsmäßig der Raum um mich herum. Nachdem ich das kapiert habe, wähle ich jeweils den Sender, der zu meiner persönlichen Tagesform paßt. Je nach Sender - würde ich meine Wohnung mit ganz unterschiedlichen Möbeln versehen - das bedeutet das Radio beeinflußt mich vom inneren Gefühl und sinnigerweise entscheide ich mich für das, was mir am besten bekommt.

    Sitzt der Moderator ebenfalls beim richtigen Sender, und identifiziert sich mit seinem Job, dann ist es nicht schwer eine Verbindung zum Hörer zu finden, weil Moderator, Sender und Hörer dann zusammen passen.

    Mir gefällt auch vieles nicht, ich bedauere das viel spontanes, intuitives verloren gegangen ist beim Radio. Aber Klagen hilft ja nicht, sondern solange wühlen, bis man auch noch die allerkleinste Nische gefunden hat, die man mit Inhalt füllen kann, mit Personality. Und zum Glück gibt´s ja solche, die das können.
    Ich kann immer nur aus dem Stoff etwas machen, den ich habe, aber egal wie dünn er auch ist, wenn ich all meine Kraft dort investiere, weil ich davon überzeugt bin, dann wird was draus. Und genau DIESES Engagement, das vor allem nach "außen" gerichtet ist und sich nicht im eigenen Ego verliert, das vermisse ich hier allgemein. Wenn ein großer Schauspieler eine kleine Nebenrolle bekommt und sich beleidigt in die Ecke zieht, weil er sich falsch verstanden und unterbesetzt fühlt, dann wird dieser große Schauspieler es nicht schaffen, diese Minirolle richtig zu interpretieren und gut zu spielen, ebenso nicht, wenn er nur sein Geld verdienen will und sich keinerlei Gedanken über die Rolle in diesem Stück macht, denn es zählt ja auch immer "das Ganze". Geht er aber in seinem Beruf auf, nimmt alles ernst, dann wird er wissen, wieviel Gewicht auch eine kleine Rolle hat. Vielleicht wird er sich sogar noch mehr anstrengen, als bei einer großen, wo ihm der Beifall schon von vorneherein sicher ist. Er wird diese kleine Rolle zu einem kleinen, aber strahlenden Licht machen und damit auffallen.

    Egal ob ich Moderator oder Schauspieler, Schriftsteller oder Musiker bin - Voraussetzung ist doch wohl, dass ich mich in mein Publikum hineinversetzen kann und mit meinem Beruf identifiziere, damit ich nicht an ihnen vorbei moderiere oder schreibe oder, oder, oder. Dieses Feeling vermisse ich aber bei vielen von euch und wenn ich so manche Einstellung lese, wird mir jetzt auch klar - warum!

    Das es sicher auch viele Kritikpunkte gibt, Schwierigkeiten, Ungerechtigkeiten mit denen man zu kämpfen hat - okay, das will ich gar nicht schön reden, das war hier aber nicht Thema. Ich wollte einfach mal wissen, warum man den Beruf des Moderators noch ausübt, wenn man laut vieler Forumbeiträge von der "Sache" an sich - Menschen zu unterhalten, gar nicht mehr überzeugt ist und sich darüber auch nur wenig Gedanken macht.
    Grüsse an die, die mich verstehen.
     
  18. Onkel Bulla

    Onkel Bulla Benutzer

    Liebe Indianerin!

    Ich finde es toll, was Du geschrieben hast!

    Leider haben die Moderatoren, die diese Anforderungen erfüllen, nicht unbedingt die Zeit, sich hier dauerhaft und intensiv aufzuhalten:

    Die haben nämlich nen geilen und zeitaufwendigen Job, der sie ausfüllt!

    Aber schön, dass Du mir das von der Seele geschrieben hast! Hier sind zum Teil ganz schön arme Pfeifen am Posten!

    Hugh.. vom Stamme der Schoschonen!
     
  19. Indianerin

    Indianerin Benutzer

    Hach Onkel Bulla, ich wusste doch, das wir zwei uns verstehen, wir sind ja vom gleichen Stamm :)).
    Du gehörst mit zu denen, die immer wieder dafür sorgen, dass ich noch nicht aufgebe, weder auf PD-Ebene zu toben noch in allen möglichen anderen Bereichen - aber das weißte ja.
    Dank dir glaube ich nach wie vor an das Medium Radio.
    Hugh
     
  20. McFly

    McFly Benutzer

    Liebe Indianerin,

    was soll man zu Deinem obigen Beitrag eigentlich noch schreiben ? Das war eine der treffendsten Idealbildbeschreibungen der Motivation eines Moderators, die ich je gehört habe. Was mich zu der Frage verleitet, ob du Motivationstrainer oder Berater bist ? :)
    Vielen Dank auf jeden Fall dafür, das war wirklich spannend zu lesen. Allerdings, es ensteht der Eindruck, als würdest du glauben, daß die Mehrheit der Mods. da draußen die echte Begeisterung für die Tätigkeit unter einem Berg von Unzufriedenheit begraben hat.
    Vielleicht sind manche Beiträge hier nur so zu verstehen, aber ich denke, sehr viele Moderatoren sind sich durchaus bewußt, daß sie einen der schönsten aber auch anspruchsvollsten Jobs der Welt haben. Und das meine ich wirklich so.
    Moderieren, wenn man es richtig versteht und es trotz beginnender Routine (die ja auch Vorteile hat) und trotz Formatdruck immer wieder mit Leben füllen kann, das ist ein großartiger Beruf. Und zwar abgesehen von Finanzen oder Sicherheit der Stelle. Ja, das kann man "Radioromantiker" nennen, aber ohne die hätten wir alle ein ziemliches Problem.
    Das was du "interessieren für den Hörer" nennst, dieses Gleichgewicht finden zwischen Personality und Format, halte ich auch für der Erfolgsgeheimnis eines guten Mods
    - Nur:
    Die jungen Kollegen, die heute mit 18 oder 20 in einem extrem eng formatierten Sender anfangen, wo sollen sie das denn lernen ? Mit Sicherheit nicht durch 3EB´s zwischen null und sechs Uhr. Die werden doch zu Claim - Maschinen erzogen, nicht zu wirklich kreativen Moderatoren. Klar, auch da gibt es Ausnahmen, aber der Trend dürfte eindeutig sein.

    Und genau daher kann ich die Kollegen, die sich hier über einige Dinge, aufregen auch gut verstehen. Jeder Schauspieler, der wirklich gut sein will, braucht Raum dazu, denn wenn er nur einen Text abliest, dann könnte man den auch vom Band kommen lassen. Er muß seine Kreativität umsetzen können, und dazu muß es ihm gestattet sein, seine persönliche Note zu entwickeln.
    Nur dann kann er einen Zugang zum Hörer finden. Wenn das nicht geht, oder die Vorgesetzten es ungern sehen, dann kann man schnell die Lust verlieren, denn dann erstickt irgendwann jedes Engagement.

    Grüße
    McFLy
     
  21. LeMans

    LeMans Benutzer

    @ Rampmaster: Die zwei Kategorien sind goldrichtig! Du hast aber die dritte und hier einzig richtige Kategorie vergessen:
    3. Der Moderator, der zum Moderieren geboren wurde! Das ist der einzig wahre und gute Moderator, der Rest ist Crap. Der 1. Kategorie wird es irgendwann nicht mehr reichen, seine Stimme ins Mikrofon zu tuten. Der Mensch will dann zum Fernsehen oder sonstwie auf andere Weise die Nation beeindrucken - und sich selbst.
    Die 2. Kategorie (, zu der ich mich übrigens zählen würde,hähä,) wird recht schnell hinwerfen, weil's zu anstrengend ist. Denen fehlt das Feuer unterm Hintern. Die ernsthafte Liebe zum Mikro ist nicht denen ihr Bier.

    Nur die 3. Mod-Kat überlebt länger, gebärdet sich und denkt in dieser Weise wie Indianerin das so treffend dargestellt hat. Und nur dieser Moderator ist auf Dauer wirklich gut. So wie Indianerin das beschrieben hat, muß ein perfekter Moderator sein, und nicht anders. Leider gibt es von dieser Sorte aber nicht mehr wahnsinnig viele Exemplare.
     
  22. Indianerin

    Indianerin Benutzer

    Tja, was soll ich sagen? Kategorie 1, da werden wir uns wohl weiter mit rumschlagen müssen - imponieren tun mir diese Kandidaten allerdings nicht.
    Kategorie 2, da kann ich nur noch seufzen und hoffen, dass alle die sich da einreihen möglichst schnell einen Job hinter den Kulissen finden oder eine geeignete Umschulung. Sie sind ein Teil der Misere, die beklagt wird - nicht alleine, aber ein Puzzlestück.
    Je mehr es von dieser Sorte gibt und ich fürchte das sind eine ganze Menge, desto mehr spürt das der Hörer und dann muss man sich ja nicht wundern, wenn der Ruf nach "mehr Musik und weniger Gesabbel" immer lauter wird und schon befinden wir uns mitten in der Mühle, die wir ja alle so laut beklagen und gar nicht wollen.
    Bevor man also viel zu allgemein auf die "Zustände" schimpft, könnte doch jeder mal im kleinen vor der eigenen Tür kehren und überlegen, ob es vielleicht auch an der eigenen Einstellung liegt.

    Kategorie 3 hat es dreifach schwer, weil sie sich auch noch gegen die ersten beiden Sorten durchkämpfen müssen zum Ohr des Hörers, da gehört schon eine Menge Kraft und Überzeugung dazu.
    Ob es was hilft, wenn ich sage, man HÖRT es? Wenn irgendwo eine Leiche im Keller liegt - man hört es, ich schwör es euch. Mag sein, dass die Mehrheit der Hörer das nicht in Worte fassen kann, dass sie selbst sich nicht im Klaren darüber sind, aber "unterbewußt" werden sie darauf reagieren. Ich glaube, ihr unterschätzt diese Wirkung.

    Was mich so stört ist das Gefühl, dass hier viel zu oft der Kopf in den Sand gesteckt wird. Vielleicht ist es zum Teil verständlich, nur es bringt uns nicht weiter - es verschlimmert nur. Das auch in den Sendern selbst manches im Argen liegt, stell ich gar nicht in Frage. Aber ich kann nicht zaubern und ihr auch nicht und solange wir dennoch der Meinung sind, dass unser Herz fürs Radio schlägt und für die Unterhaltung von MENSCHEN (ich erwähne das extra, weil man es nie trennen darf), solange sollten man doch versuchen, diese Nischen zu finden.

    Mc Fly, es freut mich, dass du mit meiner Meinung etwas anfangen kannst.
    Ja, natürlich weiß ich um die Knackpunkte, ich versuche immer wieder dagegen anzulaufen, dass man Mods Freiheiten raubt - glaub mir, dass ist eine Wühlmausarbeit. Sowas machen nur Verrückte :).
    Ich habe aber mit den Jahren gelernt, dass alle Wunschträume dieser Welt wie Seifenblasen zerplatzen, wenn man sie für "sich alleine" betrachtet. Es gibt nur eine Chance, wenn man versucht sie in das Gefüge "einzuschleusen".
    Ich sitze sozusagen auf der anderen Seite der Radiowirklichkeit und auch ich trauere immer mal wieder um die Sendungen, an denen ich früher gehangen habe, die mich überhaupt dazu gebracht haben "zu hören". Aber trauern bedeutet Stillstand und dann kann ich es auch gleich lassen. Also bleibt nur der Blick nach vorn und die Frage - Was ist denn noch möglich?

    Nein, Berater wäre eine anmaßende Bezeichnung. Man kann mich nicht so einfach definieren. Sagen wir es so, ich rede mit gewissen Leuten, sehr intensiv, immer wieder und schon sehr lange. Daraus lerne ich und die anderen lernen auch. Wir ergänzen uns also und wenn dabei hin und wieder etwas positives heraus kommt und ich hier und da mal einen Anstoß geben kann, dann ist mein Ziel erreicht, dann freue ich mich einfach.
    Aber zeit- und kräfteraubend ist das auch und man liebt mich nicht gerade dafür, weil ich so unbequem bin :).

    JA, die Teilnehmer hier vermitteln mir, dass sie mit allem anderen beschäftigt sind als mit der Begeisterung "zu unterhalten" Radio zu machen. Wenn dieser Eindruck täuscht - umso besser, aber warum diskutiert ihr dann nicht konstruktiv? Da wird gemutmaßt und gehechelt, angegeben und gejammert, sich selbst beweihräuchert oder auch nur überheblich auf die anderen runtergerotzt, nur Begeisterung bekomme ich hier bisher wenig zu spüren (von Ausnahmen mal abgesehen).

    Ich meine auch nicht die Begeisterung die sich darin äußert, das man mit seiner eigenen Plattenkiste unter dem Arm rumläuft und sich in Träumen ergeht. DAS meine ich nicht.

    Das dieser Job nicht gerade einfach ist - logisch, Lust alleine reicht ja auch nicht, man braucht nun mal auch Talent. Dass die Zeiten nicht unbedingt günstig sind für uns Radioromantiker - verstehe ich alles. Ich habe diesbezüglich meine Wutanfälle schon alle hinter mir, sie haben mir außer einiger blauer Flecken nur die Erkenntnis gebracht, dass ich es mit Brechstange und Kopf durch die Wand höchstens dazu bringe, dass man mich auslacht.
    Also: Ich könnte mich vergraben und auf die ganze Welt schimpfen. Ist ein Standpunkt. Da werde ich dann in 40 Jahren vielleicht auch noch rumdümpeln - verkniffener Mund und verkrampfte Muskeln und Magengeschwür inbegriffen.
    Oder ich arrangiere mich, indem ich mich weiterentwickel und versuche, die andere Seite zu verstehen. Die Zeit wahrnehme und schaue, ob ich trotzdem noch irgendwo eine Lücke finde, in der ich mich verwirklichen kann. Wenn mir etwas an meinem Beruf liegt, dann kann ich es doch versuchen, oder?

    Wenn ich das Radio einschalte und es gibt auch heute noch Sendungen, die mich hochfahren lassen in meinem Sessel - dann weiß ich, es lohnt sich immer noch.
    In gewisser Weise gebe ich Le Mans recht, man muss vielleicht zum Moderator geboren sein. Dazu gehört aber wie gesagt noch mehr. Man muss neugierig sein auf seine Umwelt, man muss darauf reagieren können, man muss beobachten und wahrnehmen, man braucht einen eigenen, persönlichen Mittelpunkt - Ausstrahlung eben, sonst kann man nichts transportieren. Man muss bereit sein, sich selbst immer wieder neu zu definieren. Und damit das alles gelingt, sollte man doch schon davon überzeugt sein, was man tut, oder?
    Und ich finde, das klingt immer noch verdammt spannend.

    Zu den jungen Kollegen möchte ich gerne noch etwas sagen. Das sie es vielleicht noch schwerer haben, sich heute ihren Weg zu bahnen, das mag sein - es gehört schon einiges dazu, darum sollte man sich vorher schon sehr klar darüber sein WAS will ich eigentlich? WARUM will ich es? Und ist es machbar? Wenn diese Fragen sich nicht zufriedenstellend für den einzelnen beantworten lassen, sollte man doch nochmal zur Berufsberatung gehen. Das meine ich jetzt nicht überheblich, sondern ganz ernst.

    Wer nur sich selber sieht, wer nur geil auf Medien ist und von einer Karriere träumt, der wird es nie schaffen.
    Es gehört das "Ganze" dazu, der Blick ÜBER den Tellerrand und dazu gehört, dass ich Erfahrungen sammle - und zwar nicht mit Technik, sondern mit dem Leben und den Menschen. Erfahrungen aus denen ich lerne und die meinen Charakter prägen. Nur wenn ich beobachte, teilnehme, frage - werde ich irgendwann in der Lage sein "etwas zu erzählen" oder "Stimmungen zu verbreiten".
    Solange ich aber vor meinem Blatt Papier sitze, die Zeitungen durchwühle und mir mehr oder weniger witzige Sprüche und Meldungen rausschreibe, um sie in meine Moderation mit einzubauen - wird der Hörer merken, wie verkrampft ich mir das erarbeitet habe. Wortspiele alleine sind es nicht - man muss in der Lage sein, ihnen ein eigenes Leben einzuhauchen. Dafür brauche ich eine eigene Persönlichkeit, was aber nicht bedeutet, dass ich mich selbst überbewerte. Im Mittelpunkt stehen die Leute, die ich ansprechen will. NUR wenn ich davon überzeugt bin, wenn ich dafür ein Gefühl habe, wird es mir gelingen, diese Moderation "richtig" anzubringen.
    Man braucht dafür neben dem Talent "zum Reden" sicherlich auch die Fähigkeit zuzuhören und zu beobachten. Ob man das in jedem Fall lernen kann oder nicht von vorneherein schon als Voraussetzung mitbringen muss?

    So Leute und jetzt muss ich mich erstmal erholen von dieser langen Rede :). Falls ich mich teilweise wiederhole - sorry, mir ist das so wichtig und es wäre toll, wenn man mal was bewegen könnte, anstoßen, damit auch dieses Forum mal lebendiger wird und sich nicht nur im eigenen Sud wälzt.
    So wie es hier jetzt zum Teil zugeht, hat dieses Forum nicht den besten Ruf in der Szene, ich habe mich da mal umgehört.

    Grüße von meiner Seite der Wirklichkeit.
     
  23. Moderator001

    Moderator001 Benutzer

    Hi Indianerin!

    Ich lese mit Spannung Deine Postings.
    Eine Frage, da ich selbst noch so "halb-neu" in der "Szene" bin.
    Wie heißen denn die anderen Foren/Gerüchteseiten, die Du in Deinem letzten Posting genannt hast ?

    Lieben Dank!
     
  24. Indianerin

    Indianerin Benutzer

    Moderator001 in je mehr Foren du dich rumtreibst, desto mehr verzettelst du dich und verlierst kostbare Zeit, um dich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Gerüchteküchen verbessern das Ganze auch nicht. Man verliert sich in Endlosgerede und dreht sich dabei zu leicht nur um die eigene Achse.
    Kümmere dich lieber um die Welt deiner Hörer, wie leben sie, was denken sie und beobachte einfach alles um dich herum.
    Bilde dir ein eigenes Urteil vom Leben, nur dann wirst du merken, wie spannend es ist.
    Versuche das Gefüge deines Senders "zu verstehen", denn du stehst genau zwischen beiden und du wirst dich auf Dauer nur wohl fühlen, wenn es dir gelingt, das Beste daraus zu machen.
    Suche dir ein paar Vorbilder aus der Szene, zu denen du aufschaust und frage dich, warum sie dir Vorbild sind und orientiere dich lieber durch Gespräche mit ihnen, das bringt dir sicher mehr als noch mehr Diskussionsforen.
    Ich bevorzuge persönliche und nicht-öffentliche Diskussionen, weil man da auf den Punkt kommen kann. Hier kann man doch nur sehr allgemein formulieren, dabei kommt es doch immer auf den Einzelfall an.
    Onkel Bulla hat schon recht, wenn man sich mit seinem Beruf identifiziert, sich täglich neu damit auseinandersetzt, dann hat man doch eigentlich gar keine Zeit für so ein Forum - geschweige denn für mehrere. Man darf das auf keinen Fall überbewerten, es kann dir deine eigenen Erfahrungen niemals ersetzen.
    Solange du glaubst, hier etwas zu lernen, ist es vielleicht okay, aber man sollte das auch mit Vorsicht betrachten. Kritisch und mit einer gewissen Distanz und einzig mit dem Blick auf die "Sache" gerichtet, alles andere ist Zeitverschwendung.

    Ich freue mich aufs Wochenende, um viele neue, spannende Eindrücke zu sammeln. Der Sommer ist zwar nicht so toll, dafür haben wir aber wunderbar frische Seeluft mitten in der Stadt, ich fühle mich schon fast wie im Urlaub.
    In diesem Sinne grüßt
    Die Indianerin
     

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