1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

Interpretation von Polardiagrammen und Frequenzgangsgraphiken (Mikrofon für Tischgespräche)

Dieses Thema im Forum "Studio- und Sendertechnik" wurde erstellt von che, 11. Februar 2014.

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. che

    che Benutzer

    Hallo Forum,

    wenn ich die in Mikrofon-Graphiken und Polardiagrammen angegebenen Daten betrachte, bekomme ich den Eindruck, dass ich die Informationen verstanden habe. Doch gibt es etwas, dass mir immer wieder verwirrt, so dass ich diese Darstellungen doch nicht wirklich verstehen kann. Sie scheinen irgendwie lückenhaft zu sein. Nicht ganz durchschaubar. Ich vermute, dass meine Verwirrung etwas mit dem Phänomen zu tun hat, das Thomas Görne in seinem Buch "Mikrofone in Theorie und Praxis" so beschrieben hat:

    Welche Informationen sind in Polardiagrammen und Frequenz-Graphiken von Mikrofonherstellern tatsächlich enthalten und welche nicht? Welche Lücken stehen den von Herrn Görne erwähnten begabten Grafikern zur verfügung?

    Ein konkreter Fall:
    Ich möchte Tischgespräche von 2 bis 4 Beteiligten aufnehmen (=Abstand zwischen den Sprechern ca. 1,5 bis 2,5 Meter). Monoaufnahmen. Verschiedene Möglichkeiten sind denkbar, hier werde ich jedoch nur eine thematisieren wollen: Verwendung von Gradientenempfänger (Niere oder breite Niere), geeignete positionieren (auf einem kleinen Stativ auf dem Tisch oder z.B. an einem größeren Mikrofonarm/Stativ)... Obwohl es mit (nicht sehr lauten) Umgebungsgeräuschen zu rechnen ist, bestrebe ich möglichst ungefärbte/transparente Aufzeichnungen. Welche Positionierung am Tisch käme in Frage?

    Aunahmegerät wird Marantz PMD671 oder Fostex FR-2LE oder ähnliches verwendet.

    Meine Frage:

    Angenommen, ich mür stünden für diese Aufgabe zwei Mikrofone zur Auswahl: eine Niere (Gefell M 930) und eine breite Niere (Gefell M 950). Was spricht für die Niere und was für die breite Niere? Wie sind die Graphiken und Polardiagramme für diese Konstellation zu analysieren und zu interpretieren?

    Hier können die Angaben der Hersteller bezogen werden:
    Gefell M930:
    http://www.microtechgefell.de/index...rding/large-membrane-transistor-mics/211-m930

    Gefell M950 und M930 im Vergleich:
    http://www.microtechgefell.de/index.php/de/agb/doc_download/82-m930-m940-m950-deutsch

    In dieser Mikrofon-Datenbank befinden sich ebenfalls diese und weitere Daten:
    http://www.microphone-data.com

    Obwohl meine Frage für die Spezialisten des Themenbereichs äußerst elementar sein kann, hoffe ich, dass Sie sich bei der Analyse einsetzen. Ich bedanke mich im Voraus!

    Viele Grüße
    che
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Februar 2014
  2. chapri

    chapri Benutzer

    Die Behauptung zu den Frequenzgang-Grafiken kann ich nachvollziehen -und Polarisierungsangaben sind eh Näherungswerte. Beste Konstellation: Je eine "breite Niere" auf je 2 Gesprächspartner gerichtet, die sich dann halt etwas näher kommen müssten :)
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Februar 2014
  3. che

    che Benutzer

    Hallo Chapri,

    und wie würdest Du das Mikrofon aufstellen? Stativ auf dem Tisch? Oder eher über den Tisch und etwas nach unten zu den Sprechern ausgerichtet? Senkrecht oder schräg zur Tischplatte?

    Wenn ich diese Mikrofone in Erwägung ziehe, ist weil zum einen die angebliche Neutralität und zum anderen das geringe Eigenrauschen für die bevorstehende Aufgabe interessant sind. Wie oben erwähnt, denke ich die Aufnahmegeräte Marantz PMD 671 und Fostex FR-2LE zu benutzen. In diesem Zusammenhang bin ich heute auf folgende Aussage gestoßen:

    Unter welchen Stichwörtern kann ich prüfen, ob die Aufnahmegeräte die gewünschten Werte erreichen? "Dynamik range"? In Marantz-Handbuch stehen folgende verdächtige Daten:

    Was entspricht den "Geräuschspannungsabstand", wenn es um Aufnahmegeräte geht?

    Hier sind Daten aus verschiedenen Aufnahmegeräte tabellarisch dargestellt (die Modelle sind mit den Handbüchern verlinkt):

    http://www.avisoft.com/recordertests.htm

    Danke und viele Grüße
    che
     
  4. Pianist_Berlin

    Pianist_Berlin Benutzer

    Warum eigentlich Mono? Und noch eine Frage: Wie viele M 930 stehen Dir denn zur Verfügung? Und wirst Du ein Mischpult vor Ort haben, oder stehen Dir nur die beiden Eingänge des Aufnahmegerätes zur Verfügung? Die M 930 sind übrigens hervorragend für diesen Zweck geeignet. Wichtig nur: Immer mit der elastischen Aufhängung verwenden, falls die Leute mal am Tisch grabbeln.

    Matthias
     
  5. chapri

    chapri Benutzer

    Na, die Liste ist schon mal eine Hilfe - alles zum Geräuschspannungsabstand findest Du z. B. hier. Das Problem mit dem hohen Rauschen des Mikro-Eingangs haben leider einige Geräte...
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Februar 2014
  6. Pianist_Berlin

    Pianist_Berlin Benutzer

    Ein PMD-671 wird sich doch wohl so ähnlich benehmen wie ein HD-P2, oder? Dann muss er sich in Verbindung mit Mikrofonen wie einem M 930 oder einem TLM 103 überhaupt keine Sorgen um irgendwelches Rauschen machen.

    Matthias
     
  7. chapri

    chapri Benutzer

    Klar, deswegen bin ich nicht ins Detail gegangen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Februar 2014
  8. divy

    divy Benutzer

    Na ja, ich weiß jetzt nicht genau, welchen Pegel bspw. das TLM 103 liefert, aber die Tatsache, dass ein Mikro ein phantomgespeister Kondenser ist, heißt noch nicht, dass da auch ordentlich was raus kommt. Bei manchen Neumännern habe ich ich schon sehr gewundert, wie weit man die Pres aufdrehen muss. Insofern ist nicht garantiert, dass eine Aufnahme nicht rauscht, nur weil er ein Kondensatormikro am PMD 671 betreibt. Da sollte er die Ausgangspegel der Mikros beachten und gegebenfalls ein Mischpult mit ordentlichen Pres mitschleppen.
     
  9. Pianist_Berlin

    Pianist_Berlin Benutzer

    Du hast Recht, aus heutiger Sicht kann man ein altes U 87 (ohne ai) durchaus als Rauschgenerator bezeichnen. Aber das TLM 103 (wie auch das M 930) liegen mit ihrem Rauschverhalten vermutlich an der physikalisch möglichen Untergrenze, noch weniger wird nicht gehen. Also da ist praktisch nichts.

    Matthias
     
  10. che

    che Benutzer

    Hallo,

    danke für Eure Beiträge!
    Pianist_Berlin hat gefragt:
    Mono, weil die aufgenommene Sprache möglichst neutral, transparent, ohne Verfärbung digitalisiert werden soll. Und zwar zum Zweck akustischer Sprachanalyse in der Sprachwissenschaft - Eure Beiträge haben also einen Fachübergreifenden Charakter..

    Wie viele M930 zur Verfügung stehen? In den nächsten Tagen/Wochen soll eine Bestellung gemacht werden. Die breite Niere M950 habe ich deshalb in Erwägung gezoben, wein für meinen Zweck es Mono-Aufnahmen sein sollen. Aus dem Polardiagramm glaube ich erkennen zu können, dass der Winkelbereich einer breiten Niere in Grad gemessen weiter/breiter ist und also in einem im Vergleich zur Niere M930 kürzeren Abstand die gleichen Sprecher (deren Sprache) einfangen kann. Stimmt doch, oder? Da die Sprache der Befragten für meine Zwecke zentral sind und die des Befragters sekundär, kann die breite Niere stärker auf ersteren gerichtet werden. Nicht optimal, aber das ist der Stand meiner Überlegungen. Ein zweites Mikrofon für diese Situation kann, soweit ich sehen kann, leider nicht eingesetzt werden. Um so wichtiger ist es zu wissen, wie das eine Mikrofon aufgestellt werden kann, um bei diesen Einschränkungen einen tragbaren Kompromiss zu erzielen. Höher über den Tisch? Kleines Stativ auf den Tisch?

    Es sind lediglich die Erwähnten Aufnahmegeräte und das Mikrofon vorgesehen, keine zusätzliche Vorverstärker. Wenn das Mikrofon rauscharm ist und guter Empfindlichkeit hat, hoffe ich, auf einen zusätzlichen Vorverstärker verzichten zu können. Und ja, ich frage mich trotzdem immer wieder, ob ein Mischpult/Vorverstärker wie der kleine Schoeps mir etwas bringen würde! Aber jedes zusätzlich dazwischen geschaltetes Gerät soll vermieden werden, oder? Daher würde ich, bei Bedard lieber ein Aufnahmegerät anschaffen, dass einen rauschärmeren Vorverstärker eingebaut hat. Ob ein (sehr teures) Sound Devices 702 hier in Spiel kommen könnte? Bei diesen Geräten spielt ja auch die Neutralität/Transparenz bei der eine Rolle - und es sind kaum Angaben darüber zu finden! Es ist also nicht einfach, geeignete Werkzeuge für mein Ziel zu identifizieren! Stimmen meine Überlegungen grundsätzlich? Wie sieht Ihr es?

    Viele Grüße
    che
     
  11. chapri

    chapri Benutzer

  12. che

    che Benutzer

    Es gibt oben noch viele offene Fragen. Bin gespannt, ob sich (wie ich hoffe) weitere Experten mir Licht in diesem für mich äußerst komplexen Thema herzaubern können. Bitte auch die - aus Eurer Sicht - elementaren Aspekte kommentieren, denn für mich sind sie für das Verständnis besonders wichtig!
     
  13. Pianist_Berlin

    Pianist_Berlin Benutzer

    Ich hatte zwischenzeitlich ganz vergessen, dass Du der Sprachforscher bist. Wir haben darüber ja vor einiger Zeit schon diskutiert. Ich sehe bei Deinem Vorhaben folgendes Problem: Wenn Du zwei Mikrofone in recht geringem Abstand verwendest, die mehr Richtwirkung als eine Kugel haben, und diese dann für Mono summierst, können Dir sowohl Auslöschungen als auch Kammfiltereffekte arge Probleme bereiten. Also solltest Du Dich entweder auf ein einziges Mikrofon konzentrieren, welches nur eine Person aufnimmt, oder Du verwendest Kugeln. Dann hast Du zwar mehr Raum drauf, aber weniger Risiko. Oder Du vergrößerst den Abstand zwischen den Sprechenden so weit, dass die erstgenannten Effekte nicht mehr ins Gewicht fallen.

    Matthias
     
  14. che

    che Benutzer

    Ja, interessant, was Du über den Abstand der Sprecher sagst, Mathias! Ich werde nur ein Mikrofon einsetzen wollen, wie es für solchen Sprachdatenbanken üblich ist. Schaut man sich so rum, wie die Qualität der Sprachaufnahmen bei solchen Sprachdatenbanken aussieht, bekommt man schnell den Eindruck, dass man es doch besser hinbekommen könnte. Jetzt ist eine gute Zeit für mich, um vor einer wichtigen Aufnahmeaktion darüber Gedanken zu machen, und alleine macht man auf der Welt kaum was. Daher ist mir Eure Erfahrung und Tipps sehr wichtig.

    Wenn ich eine breite Niere wie M950 einsetze, stellt sich die Frage, wie sie vorteilhaft positioniert werden kann. Mitten auf den Tisch? Über den Tisch eher nach unten gerichtet (würde weniger Raum aufnehmen)? Nebenan, wo sonst ein weitere Gesprächspartner normalerweise sitzen würde?

    Eine Kugel könnte als Mono eventuell auch passen. Auch hier würde sich die Frage der Platzierung stellen.

    Grüße
    che
     
  15. Pianist_Berlin

    Pianist_Berlin Benutzer

    Die sprechende Person wird ja in Richtung des Gesprächspartners reden. Also sollte aus genau dieser Richtung (so etwa) das Mikrofon kommen. Reflexionen der Tischplatte können ein Problem darstellen. Muss denn da überhaupt ein Tisch sein? Vielleicht ist es besser, das Mikrofon an einem Stativ mit Schwenkarm im freien Feld zu positionieren. Und ich würde zur Sicherheit einen Poppschirm davormachen, am besten einen guten von Pauly.

    Du könntest übrigens auch ein Neumann BCM 104 einsetzen, da ist der Poppschirm und die elastische Aufhängung schon eingebaut. Wenn Du das auf einen Tischfuß mit kurzem Rohr setzt, hast Du das Mikrofon auf der genau richtigen Höhe und auch kein großes Risiko von Tischreflexionen, ich habe das eben mal so aufgebaut und fotografiert.

    Matthias
     

    Anhänge:

  16. che

    che Benutzer

    Danke für das Bild, sieht toll aus!
    Ja, darüber mache ich mir viele Gedanken! Wie wären diese Reflexionen angemessen zu umgehen? Indem das Mikrofon möglichst in der gleichen Höhe der Sprechergesichter positioniert werden (parallele Ausrichtung zur Tischplatte)? Oder indem das Mikrofon möglichst nah auf die Tischplatte positioniert und etwas nach oben zu den Gesichtern gerichtet wird (somit würde vermutlich mehr Umgebung aufgenommen werden)? Oder mit einem Stativ hoch über die Sprecher und etwas nach unten zu den Gesichten gerichtet (somit würden vermutlich die Reflexionen der Tischplatte stärker aufgenommen werden, jedoch weniger Umgebung)? Was stimmt und was stimmt nicht bei diesen Überlegungen?

    Ob der Tisch nicht vermieden werden könnte? Es wird Fälle geben, wo er kaum zu vermeiden sein wird.

    Grüße
    che
     
  17. codo

    codo Benutzer

    Hallo che

    Ich möchte noch einwerfen, das es nicht nur um das verwendete Mikrofon allein gehen darf, sondern auch um die akustische Raumbeschaffenheit in der aufgenommen wird.

    Zwei Sprecher die sich an einem Tisch gegenüber sitzen um einen Dialog zu generieren, sind zwar durch die gegenüberliegenden Mikrofonebenen schon sehr gut voneinander trennbar.
    Aber das hilft technisch nichts, wenn der Raum hallt.

    Auch eine glatte Tischplatte ist zum mikrofonieren unbrauchbar, wenn man kleine Stative verwendet und die zu weit in der Tischmitte positioniert werden.
    Einfallswinkel, gleich Ausfallswinkel und man "hört" die Tischplatte auf der Aufnahme.
    Hier ist eine entsprechende Tisch-Bespannung, z.B. mit Teppich, zu raten.

    Das reicht aber nicht immer, wenn der Rest des Raumes auch keine Studio-Eigenschaften hat.
    Also unbedingt auch Investitionen in die Hall dämpfenden Eigenschaften des Aufnahmeraumes (Studio) einbringen,
    in dem man Hallkassetten, oder Pyramidenschaumstoff verbaut, oder ambulant, schwere Vorhänge verwendet.

    Sind verschiedene portable Situationen, in verschiedenen Räumen geplant, ist die Mitnahme von mehreren Decken einzuplanen,
    die man vor glatte reflektierende Fächen "hängt", in dem man sie im Fensterrahmen und Türrahmen einspannt.

    Dann erst lassen sich hochwertige Kondensator-Großmembran-Mikrofone mit ihren guten inneren Werten vernünftig einsetzen.


    Gruß Codo
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Februar 2014
  18. che

    che Benutzer

    Wichtige Anhaltspunkte, die Du hier angibst! Also das Mikrofon nicht mittig auf die Tischplatte auf stellen, höher positionieren ist besser als auf einem Kleinstativ ... Kannst Du etwas mehr über den Einfallswinkel sagen? Werden Tischplattenreflexionen geringer, wenn das Mikrofon unfgefähr auf Kopfhöhe horizontal zur Tischplatte ausgerichtet ist oder eher, wenn das Mikrofon noch etwas höher über den Köpfen ist und entsprechend schräg nach unten auf die Gesichter ausgerichtet wird?

    Was Du über den Raumklang gesagt hast, kann nur richtig sein. Hier würde ich mich gerne zuerst noch etwas intensiver mit dem Tisch und mit Mikrofonen auseinandersetzen. Man kann, wie Du gesagt hast, die Reflexionen mit einem Teppich vermeiden. Was sagst Du über die Option, ein Grenzflächenmikrofon auf der glatten Fläche zu benutzen (z.B. das Schoeps BLM 03 C).

    Was würde hier Deiner/Eurer Ansicht nach zu besseren Ergebnissen führen: M950 (breite Niere) und Teppich auf Tischplatte, oder Grenzflächenmikrofon BLM 03 C auf der glatten Tischplatte?

    Grüße
    che
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Februar 2014
  19. Pianist_Berlin

    Pianist_Berlin Benutzer

    Ich habe keine Erfahrungen mit Grenzflächenmikrofonen in eher kleinen Räumen. In großen Räumen funktionieren sie prima. Vorteil ist, dass Du keine Kammfiltereffekte und keine Tischreflexionen kriegst. Im Prinzip müsstest Du jeweils mehrere Lösungen bereithalten, um Dich an die Örtlichkeit anzupassen, aber dann klingen die Aufnahmen auch ein wenig anders. Nun weiß ich nicht, ob das Deinen wissenschaftlichen Auswertungen entgegenläuft.

    Eigentlich müsstest Du die Probanden allesamt in dasselbe Studio einladen, nur dann schaltest Du alle technischen und räumlichen Einflüsse aus. Aber das hatten wir, glaube ich, schon damals verworfen.

    Matthias
     
  20. RainerK

    RainerK Benutzer

    Hallo che,

    bei Grenzflächen-Mikrofonen muss die Grenzfläche weitgehend schwingungsfrei bleiben.
    Das funktioniert zwar auf harten Fußböden, aber beim Tisch müsste das Berühren des Tisches während der Aufnahme verhindert werden.
    Da dass wohl eher unrealistisch ist, scheiden IMHO GFM für diesen Zweck aus.

    Das Auslegen eines Teppichstücks oder evtl. einer oder mehrerer Teppichfliesen auf möglichst viel Tischfläche und Mikrofone auf Tischstativen lassen IMHO den bester Kompromiss von Aufwand und Ergebnis erwarten.

    Wie oben schon erwähnt wurde, ist der Raum-Hall nicht zu unterschätzen.
    Gegenmaßnahmen sind dafür aber nicht planbar und führen im konkreten Fall nur durch Probieren zum Erfolg.
    Dabei können raumteilend an Leinen aufgehängte Decken durchaus ein besseres Ergebnis erzielen, als mit großem Aufwand großflächig zugehängte Wände und Fensterflächen. Evtl. stehen ja auch aus Großraumbüros bekannte mobile Raum-Teiler- bzw. Arbeitsplatz-Trennwände zur Verfügung. Manche Facility-Manager (Hausmeister) haben da nach etwas Überzeugungsarbeit schon kreative Höhenflüge vollführt.

    Wenn der Aufwand droht, zu groß zu werden, sollte man rechtzeitig den Umzug in einen anderen Raum in Betracht ziehen.

    Es grüßt RainerK
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Februar 2014
  21. Pianist_Berlin

    Pianist_Berlin Benutzer

    Ich sehe das im Ergebnis zwar auch so, dass Grenzflächenmikrofone eher ausscheiden, aber die Angst vor Tischberührungsgeräuschen muss auch nicht zu ausgeprägt sein. Wenn da wenigstens eine Tischdecke drauf liegt, können die Leute sogar vorsichtig ein Glas oder eine Flasche abstellen, ohne dass es die Aufnahme ruiniert. Man sollte nur nicht mit der Faust auf den Tisch hauen. Grenzflächen sind eben Kugeln, und die sind gegen Körperschall recht unempfindlich.

    Zu den raumakustischen Maßnahmen mittels Stellwänden ("Gobos"): Da muss man auch vorsichtig sein. Je mehr man in kleinen Räumen die mittleren und oberen Frequenzen bedämpft, um so deutlicher treten die Raumeigenmoden (also die tiefen Dröhnfrequenzen) in den Vordergrund. Wenn also vor Ort aufgenommen werden soll, würde ich mir da immer möglichst große Räume suchen.

    Matthias
     
  22. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    Hallo!

    Genau, che war schonmal da. Ist lange her. Vielleicht kennt er aber diesen Thread vom Oktober 2012 noch nicht.

    http://www.radioforen.de/index.php?threads/interviewaufnahme-spaziergang-tisch.35693/

    (Die dort verlinkte PDF-Datei ist noch online.)
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Februar 2014
  23. che

    che Benutzer

    Hallo,
    ja, hin und wieder war ich auf diesem Forum, habe viele gute Beiträge gelesen. Jemand hat sogar seine Erfahrungen, wie man selbst einen Windschutzkorb bauen kann. Mir gefallen solche eigenartige Ideen, die einem Freiraum schaffen können.

    Zwerg hat geschieben: http://www.radioforen.de/index.php?threads/interviewaufnahme-spaziergang-tisch.35693/
    Wirklich sehr interessant! Im Jahr 2008 hatte ich ein Grenzflächenmikrofon (Sennheiser E912) für gleichen Aufnahme im Ansatz. Die Reichtwirkung ist stark, ich habe damals jedenfalls die Befragten fokussiert und mich als Randerscheinung im Ton auftautchen lassen. Für damals war es ok. Habe jedoch wenig Erfahrung um Vergleiche zu machen. Die Idee des Grenzflächenmikrofons steht aber immer noch als Möglichkeit auf der Liste (Schoeps BLM03c?), da es von den Menschen gar nicht als Mikrofon angesehen wird (es ist also unauffällig). Es ist von Interesse, Normalität in der Aufnahmeumgebung zu bewahren bzw. zu erzeugen, um natürliche Sprache zu erfassen.

    Die Idee, in einem extra dafür gebauten mobilen Tisch eine Kugen von unten durch einen Loch in der Tischplatte zu schieben finde ich großartig! Ich überlege schon lange, ob ich nicht einen Tisch machen lassen soll. Es wird Situationen geben, bei der ich mit maximalen Unauffälligkeit arbeiten möchte. Also kein Mikrofon im Blickfelt, das Aufnahmegerät in einer nicht sichtbaren Stelle positioniert... Ein Mikrofon durch die Tischplatte würde diese Idee noch interessanter machen.

    Jetzt wurde das Thema der Grenzflächenmikrofonie angesprochen, obwohl ich das Thema mit Fragen über den Einsatz von Nieren-Mikrofonen (M930 oder M950) geöffnet habe. Hier muss ich sagen, dass beide zum gleichen Projekt bzw. zur gleichen Aufnahme gehören können - so die bisherige Überlegung. Das Aufnahmegerät hat zwei XLR-Eingänge. Ich werde zweckgebunden Mono-Aufnahmen machen. Also könnte ich - solange es einen Grund dazu gibt - den zweiten Kanal für eine parallen Aufnahme mit einem zweiten Mikrofon benutzen und als Mono speichern (eine Alternativ-Kopie, für den Fall, dass mit dem ersten Mikrofon was schief gehen sollte?). Wird, wie hier angesprochen, ein Tischgespräch geführt, so könnte ich entweder das Schoeps BLM03C oder - nach Zwergs Idee - eine Kugel durch die Tischplatte schieben. Sie hätte anscheinend sogar den Vorteil, dass die Kapsel exakt mit der Tischplatte nivelliert werden könnte, was bei dem vorgefertigten BLM 03 nicht so genau möglich wäre (es sei denn, ich würde das Gehäuse dieses Mikrofons in die Tischplatte versenken.

    Könnte als Kugel könnte Schoeps MK2 in Frage kommen? Ode Mk2H/MK2S? Wer hat hier im Forum mal geschrieben, dass man aus einer MK2, über Software, alle anderen Kugeln herleiten könnte? Braucht man doch nur die hohen Frequenzen entsprechend erhöhen, oder? Was können wir von diesen Überlegungen halten?

    Wenn hier Gefell-Mikrofone (obwohl Großmembran) und Schoeps oft erwähnt wurden, dann weil sie für meine Zwecken Transparenz, Neutralität ... also nicht verbärbten Aufnahmen - was relativ zu sehen ist - versprechen. Ich vermute, dass sie deshalb besonders gut für eigene Experimente geeignet sind, da man aus diesen 'Zutaten' durch 'würzen' verschiedene Gerichte herzaubern kann - falls ich hier nicht völlig falsch liege!

    Hier die Liste der Schoeps-Mikrofone: http://www.schoeps.de/de/downloads/catalogues_and_brochures

    Auf Seite 19 und 67 des erten Kataloges wird - analog zu dem was Zwerg beschrieben hat - ein Grenzflächenmikrofon aus einer Niere umgesetzt.

    Bin auf Eure Überlegungen diesbezüglich gespannt ... und dankbar!

    Grüße
    che
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Februar 2014
  24. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    Hallo che!

    Ich sehe, daß du die Mathematik/Physik bezüglich der "Grenzflächen-Mics" im Prinzip verstanden hast. Diese Mikrofone sind "unauffällig", es gibt keine Kammfiltereffekte und man nimmt auch noch den "Staudruck" (+6dB) an der Grenzfläche mit... Cool nicht?


    Genau das ist mein Problem. Ich versuche seit Jahren ein "Interview" mit meiner Mutter zu führen. Sie erzählt so tolle Geschichten - gerade jetzt. Vor 30 Jahren hätte sie mir diese Geschichten nicht erzählt, da ich damals ja noch "ein Kind" war.

    Ich kann meinen DR-100 aber nicht einfach auf den Tisch legen. Das wird nix! Langsam rennt mir aber die Zeit davon. Und ich will auch nicht "heimlich" aufnehmen! Meine Mutter soll wissen, daß ich ihre Geschichten aufnehme.
     
  25. che

    che Benutzer

    Zwerg hat geschrieben:
    Wenn du wüsstest, wie oft ich es schon bedauert habe, dass meine Mutter plötzlich nicht mehr da war und ich also bei meiner nächsten Reise nach Hause kein Gespräch mehr mit ihr aufnehmen konnte! Und wie froh ich bin, heimlich mein - damals noch rudimentäres Aufnahmegerät - angeschaltet abgelegt zu haben, um danach mal reinzuhören, was drauf war. Und irgendwann hat sich überhaupt niemand in meiner Familie mehr was draus gemacht, wenn ich mit diesen Geräten rumgespielt habe. Eine Frage der Kultur/Gewohnheiten und des Vertrauens. Natürlich wusste meine Familie, dass ich nur bestimmte Situationen aufnehmen würde, die für niemand problematisch sein würde und bei Bedarf ohne aufgefordert sein zu müssen, unerwünschtes löschen würde. Wer würde seiner sozialen Gruppe einen Schaden hinzufügen wollen? Andererseits können solche digitalisierten Daten doch schnell andere Hände erreichen, so dass man vorsichtig sein muss. Was ich hier erzählt habe ist nur um noch deutlicher zu machen, dass man morgen nicht weiß, ob noch alle da sind, so wie das Leben halt ist!

    Was das "Mathematik/Physik bezüglich der "Grenzflächen-Mics"" angeht, nein, ich versuche immer noch zu verstehen. Ich überlege vor allem, was ich mit meiner vorliegenden Schoeps-Kapsel MK2 in diese Richtung anfangen kann! Was schätzt du, dass das BLM03 eingebaut hat? Eine MK2S? An sich scheinen die Schritte klar zu sein, die man bei dem Aufbau eines Grenzflächenmikrofons machen muss, wenn man z.B. von einer MK2-Kapsel ausgeht. Man hätte sogar den Vorteil, nicht nur die vier Stufen, die Schoeps in Form verschiedener Kugel-Kapsel verkauft, heranzuziehen, sondern stufenlos in der Software nachträglich zu justieren (das gilt nicht nur für Grenzflächen-Situationen). Ökonomisch könnte das bedeuten, dass ich nur eine Kugel-Kapsel brauche. Vielleicht auch nur eine Nieren-Kapsel. Stimmt das überhaupt? Ich glaube, es soweit verstanden zu haben. Aber ist es wirklich so? Möglicherweise werde ich, obwohl ich jetzt noch paar Monate zum Experimentieren hätte, doch noch das BLM03 kaufen - ich traue meinem Wissen noch nicht genug, um diese Ideen für das nächste Vorhaben zu riskieren.

    Es gibt noch viele Aspekte, die noch besprechungsbedarf haben! Wer also weitere Beiträge machen kann, bitte nicht warten! Ich freue mich darauf!

    Grüße
    che
     

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Diese Seite empfehlen