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Webradio / Internetradio - Welche Gesellschaftsform?

Dieses Thema im Forum "Internetradio allgemein" wurde erstellt von flowcast, 25. Mai 2009.

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  1. flowcast

    flowcast Gesperrter Benutzer

    Hi,

    ich möchte ein Thema anstoßen, dass selten hier aufkommt. Welche Gesellschaftsform ist für die Gründung eines Webradios am geeignetsten. Da interessieren vor allem eure Erfahrungen.

    Welche Gesellschaftsformen gibt es überhaupt?
    1. Einzelunternehmer / Kleinunternehmer
    2. Gesellschaft bürgerlichen Rechts
    3. Unternehmergesellschaft haftungsbeschränkt
    4. Gesellschaft mit begrenzter Haftung

    Andere Gesellschaftsformen wie oHG oder AG sind nicht interessant für eine Webradiogründug.

    Gesetzlich geregelt ist die Gründung einer GbR. Diese brauch keine notarielle Beglaubigung und kann mündlich - gar stillschweigend vereinbart werden. Wichtig ist, dass mind. zwei Leute gemeinsam einer Sache nachgehen. Eine GbR wird also automatisch gegründet. Gehaftet wird in vollem Umfang persönlich. Die GbR kann auch USt-pflichtig geführt werden, wenn sie Umsätze hat.

    Als Einzelunternehmer kann man als Kleinunternehmer agieren, wenn man aktuell keine Umsätze bis knapp über 17T€ pro Jahr hat. Allerdings kann man die MwSt. auf Ausgabenseite nicht gegenrechnen. Übersteigt man diesen Umsatz, greift Vater Staat zu und es gilt eine andere "Steuerkostellation". Die Frühform eines Unternehmens. Die Haftung greift in vollem Umfang persönlich.

    Die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) ist neu und bekannt als Mini-GmbH bzw. Ein-Euro-GmbH. Sie ist eine juristische Person und entspricht eine "abgeschächten" GmbH. Wichtig ist, dass es einen rechtsgültigen "Vordruck" des Gesellschaftsvertrages von Staatsseite gibt und die Sammeinlage einen Euro betragen kann. Somit betragen die Gründungskosten einer UGh irgendwo unter 200,00 € inkl. aller Anmeldegebühren. Der Standardvertrag sieht allerdings drei Gesellschafter und einen Geschäftsführer vor. Änderungen dieser Konstellation kosten wieder Geld. :) Achja, es gibt eine Art "Sparzwang" von Staatswegen um zur GmbH zu reifen. Die UGh haftet mit ihrem Stammkapital, was ja nicht sehr hoch ist...

    Die GmbH ist dann die USS Enterprise. :) Haftungsgrenze ist dann die Stammeinlage. Ist die Stammeinlage hoch, ist das Vertrauen hoch.

    ----

    Wie man sich also denken kann, ist schon der erste gemeinsame Reseach-Abend zwischen zwei Menschen, die sich denken: "ej, lass Internetradio machen" die Gründungsminute der GbR. Irgendwie sitzt der andere schon mit im Boot. Ob er will oder nicht. Diese Form kann sich über lange Zeit hinziehen, meist sogar über die erste Sendeminute hinaus.

    Wann ist der richtige Moment sich über die Gesellschaftform Gedanken zu machen?

    Doch wohl nicht früh genug... Also kann man doch dieser Form der Gesellschaft ein Gesicht bzw. einen Vertrag verpassen. Und je früher das passiert, um so besser kann man späteren Unwägbarkeiten vorbeugen. Dafür auf jeden Fall zum Anwalt des Vertrauens gehen. Es macht Sinn, in einen Vertrag zu investieren. Wenn man das nicht will und gleich eine UGh gründen will, ok. Man sollte aber dabei bedenken, dass es für bspw. eine Bank wichtig ist, ihr verliehenes Geld wiederzubekommen. Wenn bei der Gesellschaft nichts zu holen ist im Zweifelsfall, kommt es gar nicht erst zu einem Deal zwischen der Gesellschaft und der Bank. Darum ist in jedem Falle, auch bei der GmbH, die persönliche Haftung bei Bankgeschäften normal. Darum kann es nützlich sein, vielleicht eine GbR mit Vertrag zu gründen und erst als Kleinunternehmer zu starten und später den Kleinunternehmer abzugeben, weil die Umsätze entsprechend sind. Nach einer Zeit dieser Form kann man überlegen, daraus eine UGh oder GmbH zu machen. Wenn es die Umsätze und das damit verbundene Wachstum überhaupt ermöglicht. Aber auch die GbR könnte Umsätze haben, je nach dem wie es einem am besten erscheint...

    Ferner frage ich mich, ob Webradio / Internetradio überhaupt ein interessantes Thema für Business-Angels oder VCs ist. Kennen wir Vertreter, die interessante Kandidaten sind? Auf beiden Seiten?

    Wenn sich einige Webradios vorher Gedanken mache würden, welche unternehmerischen Hürden zu nehmen sind, um dem ganzen eine Existenzberechtigung zu geben, würden wir a) weniger Webradios haben und b) bessere. Ich glaube und hoffe, dass die Phase der "Mutation" - also die Phase des Ausprobierens im Webradiobereich bald vorbei ist und mal am Sieb kräftig gerüttelt wird. Dafür bedarf es aber noch nachhaltiger Ideen, um die Sache auch zu finanzieren. Und so weit ist es noch nicht. Leider. Ich denke auch, das wird noch eine Weile so weitergehen. Aber ich bin gespannt...




    * ich erhebe keinen Aspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit
     
  2. Commander_Keen

    Commander_Keen Benutzer

    AW: Webradio / Internetradio - Welche Gesellschaftsform?

    Hmmmm,

    erstmal danke für die netten Ausführungen zu deinen Gedanken.
    Das Wichtige an deinem Gedankenspiel fehlt allerdings um zu einer genauen Entscheidung kommen zu können - "Was will ich machen".

    Die Gründung einer Unternehmung sollte ja auf gewissen Säulen ruhen:

    1. Gewinnerzielungsabsicht
    2. Haftungsbeschränkung (je nach U-Form)
    3. Steuerliche Aspekte

    4. Bessere Reputation bei Geschäftspartnern (je nach U-Form)

    Ein Radio a la "Dings" dürfte sich hierzu kaum Gedanken machen, aber nehmen wir mal an es handelt sich um ein Radio welches Events plant (z.B. Partys in Großraumdiskotheken, Open-Air-Events usw). Da können allein schon an Kosten für Räumlichkeiten, Musiker / DJs, Technik und PR ein paar nette Sümmchen zusammenkommen. Das bekommt man evtl. noch gestemmt - nun gibts aber Probleme mit der Gästezahl oder wegen Regen fällt die Party aus oder etc. pp. Dann sitzt man nicht nur auf den Kosten sondern auch an evtl. Regressen weil der Hallenbetreiber Umsatzeinbußen hatte oder ähnliches.

    Neben einer guten Haftungsbeschränkung sollte man sich auf jedenfall auch um das Thema Versicherungen kümmern. Die privaten Policen decken nämlich gewerbliche Nutzung nicht ab.

    Eine GbR ist ein guter Einstieg wenn man mit 1-2 weiteren Mitstreitern mal in den großen Sumpf als Unternehmer reinschnuppern möchte seinen Geschäftspartner jedoch schon ein Mindestmaß an Professionalität signalisieren möchte. Haftung natürlich unbeschränkt, unmittelbar und solidarisch.

    Eine GmbH / Unternehmergesellschaft macht natürlich nur Sinn wenn man auch Geld erwirtschaftet und nicht nur Peanuts. 25.000 EUR muss man erstmal haben oder sich zusammensparen mit der "GmbH auf Pump" *G*

    Wenn man aber mal gegenrechnet dass ein verkacktes Projekt von ner Großraumdisko oder durch Servercrash Werbung nicht ausgeliefert werden konnte im onAir-Programm können das locker mal ein paar Zehntausend-Euro Schaden werden. Dann behält man wenigstens sein Häuschen :)

    Ich persönlich würde immer schnellstens versuchen in eine GmbH zu investieren - den Umweg über eine GbR kann man gehen aber in Anbetracht der neuen Unternehmergesellschaft kann man somit 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen.

    //EDIT//:
    Man sollte bei solchen Überlegungen auch immer die Finanzlage seiner Mitstreiter kennen. Schön wenn man zu dritt ne GbR hat und 2 davon leben inkl. Gehalt gerade so am Existenzminimum :) Kann im Schadenfall blöd kommen...da man sich vertrauensvoll an einen der Mitstreiter wenden kann und der muss dann zahlen.

    //EDIT2//:
    Wie bei der GmbH gilt auch für die UG eine Mindestanzahl von 1 Gesellschafter.

    //EDIT3//:
    Gutes Informationsportal zu Unternehmensgründungen auch hier: http://www.existenzgruender.de/selbstaendigkeit/planung/know_how/rechtsform/05245/index.php
     
  3. Dave777

    Dave777 Benutzer

    AW: Webradio / Internetradio - Welche Gesellschaftsform?

    Und dann gibt es ja noch die Ltd. die auch in Deutschland im HG eingetragen wird wenn man in Deutschland agiert..

    Kostenpunkt: 200 - 700 Euro.

    Aber eine Ltd. hat bei uns nicht gerade einen guten Ruf (Haftung etc.)
     
  4. Commander_Keen

    Commander_Keen Benutzer

    AW: Webradio / Internetradio - Welche Gesellschaftsform?

    Die LTD. hat in Hinblick auf die UG in Deutschland eigentlich ausgedient und ist wirklich nicht gut angesehen, da sie doch eine Haftungs-/Einlagenflucht bedeutet.
     
  5. Advocado

    Advocado Gesperrter Benutzer

    AW: Webradio / Internetradio - Welche Gesellschaftsform?

    Sehe ich nicht so, denn bei der UG ist klar, daß Du keine Kohle hast, denn wenn Du die 25 Riesen Mindeststammkapital hast, würdest Du ja gleich eine GmbH machen. Du mußt bei der UG quasi die 25 Riesen ansparen und dann wird sie zur GmbH. Außerdem fährst Du steuerlich komplett mies damit. Ich würde eine Ltd. & Co. KG empfehlen. Erstens braucht die Komplementärin (also die Limited) keinen Sitz in Deutschland und hat noch dazu den Vorteil, daß in dieser Konstellation die KG keine Vergütung für die Stellung des Geschäftsführers bzw. der Haftungsübernahme entrichten muß. Außerdem brauchst Du für die Limited in Deutschland keine Bücher führen. Du brauchst für die Komplementärin jährlich nur einen Dormant Account (schlafende Bilanz) machen, also quasi eine Art Formular ausfüllen, wo Du reinschreibst, daß die Komplementärin nichts verdient hat.

    Darüber hinaus kannst Du Privatentnahmen tätigen, was bei der GmbH nicht möglich ist.

    Ich nehme an es geht dir um die Haftungsbeschränkung und daher ist eine Ltd. & Co. KG die beste Lösung für dich, denn sie ist einfacher zu gründen und Du brauchst keine 25 Riesen Stammkapital (es reichen bereits 100 EURO). Wie gesagt fährst Du gegenüber der klassischen GmbH oder UG auch noch steuerlich viel besser und Du hast weniger Papierkram zu erledigen.
     
  6. radiovictoria01

    radiovictoria01 Benutzer

    AW: Webradio / Internetradio - Welche Gesellschaftsform?

    Abgesehen davon, daß man kaum Dienstwagen leasen kann und meist auch bei der Bank einen Cent Überziehungskredit bekommt (abgesehen von der Suche nach einem Konto- Postbank lehnt ohne Begründung ab):
    Die Ltd. ist eine lohnenswerte Überlegung- und man kann ganz seriös damit Gewinne erzielen (und somit Kapital anhäufen).
     
  7. nwd

    nwd Benutzer

    AW: Webradio / Internetradio - Welche Gesellschaftsform?

    Sehe ich nicht ganz so.
    Habe in insgesamt einem Jahr gute Erfahrungen mit der Limited als Gesellschaftsform für Internetradio gemacht. Lief alles sehr unkompliziert und ohne Schwierigkeiten mit Banken, Büroanmietung, Geschäftsabwicklung.

    Wie radiovictoria01 schon sagt, ist die Ltd. für den Anfang eine Alternative, über die man nachdenken sollte. Zum Anhäufen von Kapital ist sie gut geeignet.

    Ich/wir spielen trotzdem mit dem Gedanken, jetzt zur (klassischen) GmbH umzufirmieren. Die Umfirmierung läuft fast automatisch, man kann sich also voll und ganz aufs Geschäft konzentrieren. Kostenpunkt 6.000-10.000 € für die Umfirmierung und natürlich 12.500 € Kapital. Die restlichen 12.500 € werden durch einen entsprechenden Gesellschafterbeschluss - oder wenn der Gesellschaftsvertrag dies bereits vorsieht - auf Anforderung der Geschäftsführer fällig.

    <3 Kapitalgesellschaft :)
     
  8. Advocado

    Advocado Gesperrter Benutzer

    AW: Webradio / Internetradio - Welche Gesellschaftsform?

    Wie gesagt, die Limited & Co. KG bringts. Sogar Rolls Royce Deutschland und die Drogeriemarkt-Kette Müller firmiert unter Ltd. & Co. KG und das aus gutem Grunde.

    Wenn man aber unbedingt auf GmbH & Co. KG steht, könnte man wenn man die Kohle nicht hat eine Ltd. & Co. KG machen und wenn genügend Kohle da ist die Komplementärin austauschen. Da die KG hier das eigentliche Geschäft durchführt, bleibt alles beim alten.
     
  9. flowcast

    flowcast Gesperrter Benutzer

    AW: Webradio / Internetradio - Welche Gesellschaftsform?

    Die UGh ist das deutsche Pendat zur Ltd. Wahrscheinlich zur Eindämmung der Ltd. Wenn ich als Unternehmer die Wahl habe, mit Unternehmen zu arbeiten die keine Ltd. sind sondern eine UGh, würde ich immer die UGh bevorzugen. Einfach aus der Tatsache heraus, dass die Haftungsproblematik leichter zu durchblicken ist als bei einer Ltd. Praktisch gesehen sind beide ähnlich bei diesem Thema. Generell werden keine großen Deals mit dieser Art des Unternehmens gemacht. Weil wenn die UGh oder die Ltd. den Bach runtergeht, ist in jedem Falle das Stammkapital sicherlich nicht sonderbar hoch.

    Diese Ausnahmen bestätigen die Regel, dass diese Geschäftsform nur eine Übergangsform ist und nichts brauchbares für die Zukunft eines Unternehmens darstellt. Aber spätestens wenn ein Unternehmen Anteile an einer UGh erwerben möchte, stellt man fest, dass das gar nicht funktioniert...
     

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