Deutsche Jugendsender-Szene


#53
Hier sind ganz schöne Klugscheißer am Werk. Könnt ihr mal bitte wieder über das eigentliche Thema reden?

(Soll ich jetzt noch sagen, wo die Roots von Radio Brandenburg liegen? Die Welle ist doch überhaupt nicht Thema hier in einem (Pop- und) Jugendradio-Thread!)

RPR war ein "junger" Sender. Die "alten" Inhalte kamen von PRO Radio 4. Aus diesem PRO Radio 4 wurde dann RPR Zwei. (Ihr jetzt: "Was?") Ja! Leute wie Wolfgang Rositzka kamen von da. Andere wie Bodo Henkel wurden dann dorthin abgeschoben. Oder vergleicht mal hier die Showopener von RPR und PRO Radio 4: http://www.radiojunkie.de/rpr.html RPR, ffn und Salü waren "jung". FFH, Antenne Bayern, R.SH und Hundert,6 waren deutlich "älter".
 
#55
Geht es um "junge Sender" oder um "jugendsender" ? Für letzteres ein gutes Beispiel wären z.B. Programme wie Ego FM, Dasding oder Puls ganz klar. "Junge Sender" wollen Bayern 3, 1 Live, hr3, SWR3 oder You Fm sein, sind es aber eher nicht. Sondern diese richten sich ganz klar an ein erwachsenes Publikum. Was ist mit Top40 in Thüringen? Richtet sich eher an jüngere, wird aber auch von vielen Erwachsenen gehört.

Im Ausland ist das oft stärker abgegrenzt, siehe Virus (Schweizer Radio), Studio Brüssel, Wave, Jil FM, Ylex usw. Hierzulande besteht oft eine zu starke Überschneidung zwischen dem CHR und dem AC Format, das ist besonders beim NDR, aber auch beim HR und SWR, mittlerweile auch beim WDR der Fall. Ganz schlimm ist es ja beim MDR, da kennt sich kaum noch jemand aus was nun das Jugendradio und was die junge Welle sein soll. Seitdem man aber bei Jump wieder mit "Sie " angesprochen wird hat man das Dilemma etwas entschärft, aber bei der Musik gibt es beim NDR, HR und MDR die stärksten Überschneidungen zwischen der Popwelle/Servicewelle und dem Prorgamm für den etwas reiferen Nachwuchs, Schüler und Studenten.
 
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#58
Wieso wird es wieder ausschließlich an Musikrichtungen festgemacht? Signifikanter ist eigentlich das Themensprektrum. Und da unterscheiden sich z.B. SWR3 und Das Ding doch recht deutlich, auch wenn es in der Musikauswahl Überschneidungen gibt. Jugendliche (und junge Erwachsene), sagen wir: Menschen in der Adoleszenzphase (lustigerweise gibt es in Paris ein Programm, das sich daran angelehnt Ado FM nennt) haben doch einen ganz anderen Erlebnishorizont als z.B. junge Familien, Berufstätige und Eigenheimbesitzer. Während bei SWR3 der Weber-Grill mit Johan Lafer angeheizt wird, geht es bei Das Ding um die neue Netflix-Serie...nur mal als sehr plakatives Beispiel. Mit der Musik ist es ohnehin schwierig. Gerade in der Jugend ist man da oft wenig tolerant und grenzt sich ab. Wer auf Punk steht (ja, gibts auch heute noch), hasst meist alles, was Richtung Dance geht, wer Rap hört, will keinen Indierock usw...und es soll sogar Jugendliche geben, die auf Helene Fischer stehen. Was soll man da bloss machen? In der Not spielen dann die meisten Programme einen wie auch immer gearteten "Konsensmainstream" oder das, was sie (oder ihre Berater) dafür halten. Oder sie sind etwas mutiger, und machen einen munteren Crossover-Mix, garniert mit Spezialsendungen. Oder, wenn der Markt es hergibt, greifen sie sich ein Subspektrum raus.

FM4 sieht sich übrigens weniger als Jugendradio denn als alternativer Popkulturkanal. Das Durchschnittsalter der Hörerschaft liegt auch irgendwo um die 40, meine ich. Ich hatte vor zehn Jahren ein Schulradioprojekt in Berchtesgaden betreut. Die Schüler dort fanden fast durch die Bank FM4 "zum Abkotzen" und hörten stattdessen Kronehit, Welle 1 oder als Kompromiss noch Ö3.
 
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#59
Des Jugendlichen liebstes Musikprogramm heißt heutzutage höchstwahrscheinlich Spotify, des Jugendlichen liebster Nachrichtenkanal Instagram.

Brauchen wir überhaupt noch klassische Jugendsender?
 
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#61
Egal. Such Dir einfach irgendeinen Jugendsender aus - meinetwegen auch einen von früher.

Die Frage lautet nicht, ob Radio XY heute noch Sinn macht. Die Frage lautet: Machen klassische Jugendsender heute (im Zeitalter von Social Media, Musikstreamingdiensten usw.) noch Sinn?

Deutsches Musikfernsehen für Jugendliche (VIVA) hat's ja auch nicht überstanden....
 
#63
Völlig richtig, deshalb sind es auch keine "klassischen" Jugendsender (mehr). Ausserdem spielt das auch gar keine große Rolle. Die Programme haben teils nicht wenige Hörer und unterscheiden sich zumeist von den anderen Programmen ganz erheblich. Insofern haben sie auch ihre Berechtigung. Ob man sie dann Jugendsender oder sonstwie nennt, ist völlig irrelevant.

Deutsches Musikfernsehen für Jugendliche (VIVA)
Viva war ein Musikfernsehen ausschließlich für Jugendliche? Wo hast du denn die Weisheit her? Viva wurde mitnichten nur von Jugendlichen konsumiert. Und wenn überhaupt, traf eine gewisse Beeinflussung der Jugend höchstens auf die ersten drei, vier Jahre zu. Wer konnte, schaute eh lieber das Original, sprich MTV.
Wäre MTV Anfang der 90er nicht ins PayTV abgewandert und wäre aus dem ersten deutschen Musikfernsehsender "MusicBox" durch den Einstieg von Berlusconi nicht "Tele 5" geworden, hätte es VIVA ohnehin nie gegeben. Spätestens ab dem Start von MTV Germany und der damit verbundenen Rückkehr von MTV ins FreeTV, sah es trübe aus für VIVA. Leute wie Stefan Raab, der zwar eine durchaus gute aber trotzdem immer nur eine Kopie von Ray Cokes (MTV) war, beeilten sich ja dann auch VIVA zu verlassen. Spätestens ab den 2000er Jahren lag der Marktanteil von VIVA bei deutlich unter 1%.
Wenn etwas bei VIVA als jugendspezifisch betrachtet werden könnte, dann das Programm von VIVA ZWEI ab Ende 98, wo nach einem Relaunch der Fokus deutlich auf HipHop, Alternative und andere Jugendsubkulturen gelegt wurde. Bekanntlich dauerte dieses "Experiment" aber nicht allzulange. 2001 oder 02 war damit dann schon wieder Schluß.
 
#64
Ein "Jugendsender" heute müsste zuallererst einmal die Jugendlichen zurück zum Radio locken. Das geht nicht mit Einheitsbreimusik und auch nicht mit Null-Achtfuffzehn Alibiinhalten und schon gar nicht mit pseudojugendsprachlicher Moderation. Von daher sind die meisten Anbieter, die sich als "Jugendsender" verstehen, schon mal auf dem Holzweg. Ich habe auch kein Patentrezept, aber wenn ich die Geschmäcker, Neigungen und Interessen meiner drei Kinder (jetzt 19-25) veranschlage, dann wären dringend geboten: Musik aus allen Töpfen und jenseits der Charts, Angebote zur Interaktion, bitte kein Gelaber, ernsthafte Themenaufbereitung, und zwar aller Themen bis hinein in Politik und Wissenschaft, jedenfalls nicht nur die vermeintlichen ""Jugendthemen", Witz und Ironie, aber bitte nicht auf Mario Barth-Niveau, Moderatoren- und Moderatorinnen, die nicht künstlich auf jung machen, sondern die etwas zu sagen und zu bieten haben ... Zusammengefasst: Es wird wohl nichts mit einem solchen Jugendsender, also bleiben meine Kids für das Radio verloren.
 
#65
MTV hat eine ganze Generation geprägt...nicht zuletzt auch dadurch war das ganze sehr "amerikanisiert". Ende der 80er, Anfang der 90er. Was sowohl in Sachen Musik als auch in Sachen Kino und TV aus Deutschland kam, war allzumeist beutlich und "uncool". Aus den Staaten kamen damals die coolen Serien, die besseren Filme und die aktuelle Musik. Auch amerikanische Sportarten wie Basketball, Football und Wrestling fanden damals viele Anhänger in dieser (meiner) Generation.
TV begann da gerade, Radio abzulösen in seiner Funktion als Musikvermittler. Und im neuen Jahrtausend wurde TV dann durchs Internet abgelöst. Lineares Radio und TV hat keine Chance mehr bei nachwachsenden Generationen. Das ist meine Meinung dazu. Da kannst Du anbieten, was Du willst.
 
#67
Nö, gab es nicht. Aber bei MTV war das schon deutlicher zielgruppenorientiert als bei VIVA, zumal VIVA auch einen deutlichen Gegenpart mit Schwerpunkt deutschsprachig zu MTV sein wollte, zumindest in den ersten Jahren, weil da deutschsprachige Musik bei MTV quasi nicht stattfand.
MTV selbst war eher "Mainstream" mit dem Fokus auf dem jungen Zuschauer und der Ableger VH-1 kümmert sich um das eher ältere Publikum, was auch bis heute noch so ist.
Und von all dem abgesehen ist der Begriff Jugend/Jugendlicher so dehnbar wie ein Kaugummi. Kategorisiertes Schubladendenken.
 
#68
Lineares Radio und TV hat keine Chance mehr bei nachwachsenden Generationen.
Das unterschreibe ich nur für den Fall, dass Radio und TV tollkühn so weiter machen wie bisher (was zu befürchten ist). Wenn sich aber Radio endlich einmal auf die Units konzentrieren würde, die es weitgehend exklusiv hat (Nähe, Authentizität, Live, Reaktionsschnelligkeit, lebende Menschen statt Algorithmen, Regionalität etc.), dann hat für mich Radio eine Zukunft. Es müsste sich ein bisschen neu erfinden, wobei darin auch viel von "zurück zu den Wurzeln" stecken würde.
 
#69
@Mannis Fan
Solange die Kassen voll sind, wird sich wenig ändern. Wenn die Krise kommt, dann wird kein Geld dafür da sein. Außerdem, wer soll denn ins Radio investieren und sich mit dem Medienanstalten rumärgern? Dann lieber gleich in Start up gehen, da wird nix reguliert, man hat 100% + Einfluss.
Zumal, Content produzieren? Man müsste fast alle Führungspositionen austauschen, die Teams umstrukturieren, ausbauen + viele neu besetzen. Auch wenn's keiner hören will, Kovac will diesen Weg gehen. Ob er Erfolg haben wird, ist etwas ganz anderes.
Contentstrategien funktionieren. Aber nur in großen Units. Nicht im üblichen deutschen Klein-Klein. Es gab früher nur eine Bravo, nicht ne Bravo pro Nielsengebiet oder Bundesland. Das will in Deutschland keiner kapieren.
 
#71
Das unterschreibe ich nur für den Fall, dass Radio und TV tollkühn so weiter machen wie bisher (was zu befürchten ist). Wenn sich aber Radio endlich einmal auf die Units konzentrieren würde, die es weitgehend exklusiv hat (Nähe, Authentizität, Live, Reaktionsschnelligkeit, lebende Menschen statt Algorithmen, Regionalität etc.), dann hat für mich Radio eine Zukunft. .
Authentizität und Algorythmen.. ja das ist so ne Sache. Vile eModeratoren wirken leider sehr "künstlich" und auch die Sprüche und das Lachen wirkt sehr aufgesetzt. Was die Algorythmen angeht frage ich mich auch wieso man so krampfthaft an dieser Computerrotation festhält. So ein riesiger Aufwand ist es doch nicht, sich mal etwas Gedanken darüber zu machen was gespielt werden soll und nicht nur blind immer die gleichen Songs aus der Heavy Rotation als den "besten Musikmix" verkaufen zu wollen. Das kommt total unglaubwürdig rüber auf Dauer und jemand der ernsthaft Musik hören will kommt sich da verarscht vor. Die Radiomoderatoren sollten auch mehr Einfluss darauf haben können was gespielt wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass da manche Moderatoren selber schon von dem was gespielt wird genervt sind aber trotzdem noch gute Miene zum bösen Spiel machen.

Lineares Radio und TV hat keine Chance mehr bei nachwachsenden Generationen. Das ist meine Meinung dazu. Da kannst Du anbieten, was Du willst.
Mit der Meinung bist du nicht allein. Es ist zum großen Teil ja auch schon so. Die neuen technischen Möglichkeiten bieten einfach zu viel bessere und schnellere Alternativen. Wer sitzt denn noch extra zu einer bestimmten Uhrzeit zu Hause um genau auf die und die Sendung im Fernsehen zu warten? Vorallem läuft im Fernsehen wie im Radio viel zu viel Einheitsbrei und man gibt sich zu wenig Mühe die Leute auch ereeichen zu wollen. Wenn man Leute als Zielgruppe verloren hat wird es fast unmöglich sein, die noch zurückzugewinnen. Der Reiz der neuen Technologien ist da zu groß bei jüngeren Menschen und wenn die kommende Generation fast ohne Radio und TV aufwächst wird es in der Generation darauf ja auch nicht plötzlich ein Umdenken geben.

Und von all dem abgesehen ist der Begriff Jugend/Jugendlicher so dehnbar wie ein Kaugummi. Kategorisiertes Schubladendenken.
Das kann alles sein. Man ist mit 18 zwar volljährig aber erwachsen noch nicht unbedingt und jemand mit 30 kann sich auch noch wie ein 20 Jähriger fühlen.
 
#74
War im letzten Jahrtausend "Gründungsmitglied" (also ... einer der ersten Depperten, Pseudo-Ausgeflippten, bevor es nach und nach mit anderen Leuten am Mikrofon und wenigen verbliebenen "alten" immer professioneller dort zuging) eines sogenannten Jugendsenders. Und "Witze auf Mario Barth Niveau" - das wäre schon verdammt hochgestochen gewesen damals! Da hätte sich der PD aber alle Finger einzeln abgeleckt beim anschließenden Aircheck (sagt man so? ... Das Alter, werde vergesslich).

Da dies nun gesagt ist, kann ich noch anmerken, dass ich dieses Jahr einem ziemlich jungen Mann dessen Auto gebraucht abgekauft habe. Interessant seine Wahl der voreingestellten Musikstationen. Ganz vorne jedenfalls DASDING. Radio Energy. Und ich glaube, SWR3 war auch dabei. Habe natürlich sofort in vernünftige Stationen umprogrammiert, also SWR1, SWR2, SWR3, (SWR4 für Mutti, offiziell, falls einer fragt) Regenbogen 2 und DLF.

Radio Tod ging diesmal leider schon wieder leer aus. Sorry, Christel! :(

Ich glaube, den Humor haben sie heute eh abgelegt und durch "gegen rechts und den Klimawandel" ersetzt. Die Mao-Jugend hatte ja auch nie so richtige Hammer-Comedians hervorgebracht, liegt wohl in der Natur der Sache.

Oder was war nochmal die Frage?

Edit: Das Tragikkomische mit der Witzischkeit damals war ja - der PD hätte damals Bülent Ceylan haben können, praktisch zum Nulltarif (mindestens!), dessen einzige Bekanntheit damals aber darin gelegen hatte, dass er der ehemalige Klassenkamerad und Kumpel einer Mit-Volontärin gewesen war, die während einer Redaktionskonferenz vorgeschlagen hatte, ihn aufgrund der ihm eigenen Witzischkeit mal mitzubringen. Der PD ist nicht drauf eingegangen. Hat wahrscheinlich bis zum heutigen Tag nicht kapiert, was er verpasst hat.

Der Humor hätte mit einem Bülent Ceylan im Team dann aber Mario-Barth-Sphären zumindest von unten her sachte ankratzen können.

Heute darf man nicht mehr witzig sein, da Witzischkeit ja Gefühle von Dicken verletzen und bislang unentdeckte Regenwald-Minderheiten diskriminieren könnte. Oder wie man heute zusammenfassend sagt: "Feingehackt und durchgeschroedert".
 
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#75
Der letzte noch lebende und berufstätige Grund, weswegen ich überhaupt noch Radio höre, ist der Jugendmoderator Wolfgang Heim von meinem ehemaligen Lieblings-Jugendradiosender Radio 3 Südfunk Stuttgart, aus dem nach mehrmaliger Umfirmierung und, schockschwerenot, Formatisierung, ausgerechnet durch einen gewissen Matthias Holtmann (den ich zum ersten Mal in der Nusslocher Mehrzweckhalle sah, wo er als junger schlacksiger Spund gerade ein Rock-Nachwuchsfestival moderierte) der heutige Gouvernantensender SWR1 herausploppte, wo man jetzt 24/7 vor allem damit beschäftigt ist, keine Hörergefühle zu verletzen.

Also nix mehr mit "Treff nach zwei" oder "Plattenpost" oder "Point"*. (Oder Elmi auf dem Feindsender SWF3, der mindestens genauso gut war.)

*Point - wo Hörer komplett unterschiedlicher Meinung sein durften, wie außerhalb des Sozialismus zumeist üblich. Heute jedoch undenkbar: Nazi-Alarm! Antidiskriminierungsbeauftragte! Ausspähen bis in die Privatsphäre und Meldung machen! Und rrrraus!
 
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