Deutsche Rapper erobern die Single-Charts, aber zum Glück nicht die Radiosender


Es wird wohl sein, dass in ein paar Jahren die Top 100 Charts aus weniger Rapsongs bestehen aber, dass es so sehr verschwindet wie sagen wir mal NDW oder Eurodance wird wohl nicht eintreffen.
Das meinte ich eigentlich auch so oder zumindest ähnlich. Im Moment ist Rap der letzte Schrei, aber Trends kommen und gehen bekanntlich. NDW würde ich übrigens gar nicht mal als Trend ansehen. Das war eher eine recht spezielle Form des deutschen Schlagers. Manches davon wird ja heute auch in die Kategorie Schlager gesteckt.

Also gehst du schwer davon aus, dass ich ein Junkie bin und mich ständig besaufe?
Ich unterstelle dir jetzt mal, dass du meine Antwort vorsätzlich mißverstehst. Ansonsten wärst du auf mein Argument eingegangen und hättest zumindest versucht es zu widerlegen. Ich wiederhole mich gern, du bist nicht alle. Du kannst nicht deine ganz private Geschichte auf die Allgemeinheit übertragen.
Dennoch war Bushido für viele seiner Hörer ein gewisses Sprachrohr und hatte seinen Einfluss auf die nachfolgende Generation.
Das ist unbestritten. Er war halt der erste mit größerem kommerziellen Erfolg.

Ich weiß nicht wie es sein wird wenn er irgendwann mal 50 sein wird.
Solange dauert das nicht mehr. Wenn ichs richtig weiß, hat er die 40 bereits überschritten.

Gerade Sido schafft es ja noch einen gewissen Spagat zu schaffen um alte Hörer nicht zu verärgern (die auch älter geworden sind) und auch neue Hörer dazu zu gewinnen indem er z.B. auch in seinen neuem Album jetzt angesagte neue Rapper wie Apache 207 oder Samra auf sein Album bringt. Noch dazu holt er auch den ein oder anderen klassischen Radiohörer ab (Zusammenarbeiten mit z.B. Adel Tawil, Andreas Bourani oder aktuell Johannes Oerding).
Ja, aber wie schon erwähnt, Songs von den genannten laufen auch im Radio, womit wir wieder beim Ursprungsthema wären. Das sie nicht auf den Schlager- oder Oldiewellen vorkommen, sollte klar sein. Die vermeintlichen Jugendprogramme, sprich Fritz, 1live, Energy etc. haben die aber durchaus im Programm.
Davon unabhängig mußt du aber auch bedenken, dass man zumindest im Tagesprogramm eine ziemlich breite Hörerschaft ansprechen möchte (und beim Privatfunk auch muss). Damit sollte klar sein, dass da eben nicht 10 Rap-Songs am Stück kommen, sondern vielleicht einer pro Stunde.
 
Schwierig.. klar will man auf der einen Seite es den Leuten recht machen aber das Radioprogramm immer nur auf den durchschnittlichsten Durchschnittshörer abzustimmen bringt ja auch nichts weil man es damit aber auch nicht jedem recht machen kann.
Ich sprach aber nicht davon, daß man es möglichst vielen Leuten recht machen soll, ich sprach davon, daß man Material gegebenenfalls mit Anmerkungen versehen muß, damit es niemand in den falschen Hals bekommt - erst recht, wenn es auf Provokation ausgelegt ist -, und da bei am besten noch wissen sollte, wie es genau gemeint ist.

Ich fühle mich z.B. total gelangweilt bei dem aktuellen Programm da eben viel zu viel gesendet wird auf den großen Sendern was nur noch zur Berieselung dient. Es läuft quasi als Hintergrundgedudel und man muss sich gar nicht anstrengen auch mal darüber nachzudenken.
Dein gutes Recht.
Wobei mich die Oberflächlichkeit von vielen Rap-Musikern auch elend anöden würde.

Beim Rap gibt es z.B. viele Wortspiele aber die würden wiederum die Nicht-Raphörer gar nicht verstehen weil sie die Slangwörter, Jugendwörter, Übernahmen von Wörtern aus anderen Sprachen (meine damit nicht Englisch) oder Abkürzungen gar nicht kennen.
Warum also das Zeug im Radio spielen, wenn man sich parallel ohnehin im Internet rumtreiben muß, um bestimmte Begriffe zu googeln, wo man doch im Internet direkt die Playlisten finden kann ...?

Das Restrisiko wird immer da sein aber ich weiß nicht wie man das anders regeln könnte. Verbieten wird man es nicht können, da die Szene so groß ist, dass sie einfach nicht mehr wegzudenken ist und es war ja schon immer so, dass ein FSK 16 oder FSK 18 Hinweis schon bei Spielen und Filmen, die 13 oder 14 jährigen nicht davon abgehalten hat es trotzdem zu spielen bzw. anzuschauen.
Kein Grund, diese Grenzen niederzureißen und dafür zu sorgen, daß die Kiddies mit dem verbalen Abfeiern von die Weiber, dem eigenen Geschmeide, dem eigenen Friseur, dem eigenen Kontostand, den eigenen Schlappen, dem eigene Fahrzeug, dem eigenen Drogenkonsum, den besten Homies etc. die falschen Werte vorzugeben oder durch Gewaltschilderungen zusätzlich zur Abstumpfung beizutragen.

Ich denke nicht, dass es nur eine kurze Phase ist, dass der Rap so erfolgreich ist. Es wird wohl sein, dass in ein paar Jahren die Top 100 Charts aus weniger Rapsongs bestehen aber, dass es so sehr verschwindet wie sagen wir mal NDW oder Eurodance wird wohl nicht eintreffen.
Die NDW starb eines unwürdigen Todes, weil irgendwann der Markt auf diese Richtung aufmerksam wurde und daraufhin erst mal einigen anderen deutschsprachigen Künstlern dieses Label aufpappte (Nena, Markus, UKW etc.) und irgendwann wahllos alles unter Vertrag nahm, was drei Meter geradeaus unfallfrei Deutsch sprechen konnte (Bruce & Bongo). Die Marktübersättigung gab der Richtung irgendwann so entschlossen den Rest, daß die deutschsprachige Musikszene danach abseits des Schlagers so heftig in Trümmern lag, daß sie sich praktisch erst mit Rammstein Mitte der 90er so langsam wieder ans Licht der Öffentlichkeit traute. Diese Marktübersättigung sehe ich beim Rap kommen. Würde mich nicht wundern, wenn es irgendwann einige Wochen gäbe, in denen die komplette Szene ihren Helden den Rücken zuwendet. Schon jetzt feiern sich meines Erachtens viel zu viele als "Retter des Raps/HipHops", als daß man der Szene Gesundheit attestieren könnte; hinzu kommt, daß sich sehr viele Leute direkt auf den Trap-Zug geschmissen haben, als dieser gerade durchfuhr, anstatt sich auf eigene Ideen zu konzentrieren.

Damals bei der Technomusik sind leider viel zu viele Leute auf den Erfolgszug aufgesprungen obwohl sie großartig nichts mit der Musik zu tun hatten. Da gab es die kuriosesten Sachen wie z.B. Figuren aus der Sesamstraße mit Liedern auf Technobeats oder Politiker, die sich zu Promozwecken auf Wägen von Loveparadeveranstaltungen fotografieren lassen haben.
Und heute rappen Erpel oder Spongebob-Verschnitte ...

Dennoch war Bushido für viele seiner Hörer ein gewisses Sprachrohr und hatte seinen Einfluss auf die nachfolgende Generation.
Einfluß - ja. Sprachrohr - keine Ahnung. Mir kommt das alles enorm fremd vor, was Bushido da erzählt. Und wohlgemerkt - in solchen "Ghettos", wie sie angeblich Städte wie Frankfurt hervorgebracht haben und aus denen später wunder was für harte Jungs hervorgingen, hab' ich seinerzeit auch mal rumgehangen. Wo die Onkelz ihren Ursprung haben, weiß ich. Wo die Frankfurta Gangsta herkommen, nicht., Im Grunde dachte ich zu "Bordstein"-Zeiten, da setzt mir jemand einen Bud Spencer & Terence Hill-Film vor mit überzogenenen Sprüchen und comichafter Gewaltdarstellung, nur noch mit angereichert mit einer Menge Menschenfeindlichkeit ... oder Schwulenfeindlichkeit ... oder Frauenfeindlichkeit. Mir persönlich wär's nun aber zu blöd, irgendwas zu behaupten wie "mein Sprachrohr ist ein frauen- und schwulenfeindlicher Bud Spencer". Aber natürlich kenne ich nur das Frankfurter "Ghetto", nicht das Berliner "Ghetto".

Ich weiß bei DSDS oft nicht woher sie noch diese hohe Zahl an Teilnehmern herhaben. Angeblich sind es ja immer noch viele tausend, die sich dort bewerben aber die Sendung ist bei jüngeren Leuten ja schon ziemlich unten durch bzw. gar nicht mehr so interessant. Vorallem weil man sich doch heutzutage im Internet durch Social Media viel einfacher einen Bekanntheitsgrad aufbauen kann und bei DSDS der "Castingshowteilnehmer"-Stempel auch nichts gutes ist weil man schnell verbraucht ist nach dem mittlerweile schon sicher zu erwartenden fehlenden Erfolg.
DSDS bietet Profis im Hintergrund, von denen man eine Menge lernen kann, und darüber hinaus vor allem schon einmal eine Bühne für die eigene Leistung. DSDS ist gewissermaßen eine Abkürzung im Vergleich zum mühsamen Aufbau von Social-Media-Aktivitäten oder dem althergebrachten Hoppeln von Bühne zu Bühne, um sich eine Fanbase aufzubauen. Ich versteh' jeden, der von sich sagt, daß er keinen Bock hat, mehr Zeit in seine Facebook- und Instagram-Aktivitäten zu stecken als in sein Instrument oder sein Repertoire. Und ich versteh' jeden, der sich sagt "Jetzt schau' ich erst mal nach, wie man bei Profis daheim arbeitet, und dann zieh' ich meine Schlüsse daraus", während andere für sich das eigene Rad erfinden müssen.

Gruß
Skywise
 
Meiner Ansicht nach müsste es bei den recht zahlreichen Fans der mittlerweile (nach vier Jahrzehnten) doch etablierten Musikrichtung Rap/Hiphop wenigstens in den Ballungsräumen entsprechend ausgerichtete Programme geben. Aber in Deutschland denkt man Formatradio immer in Richtung AC, bestenfalls CHR und "ja keinem weh tun". Selbst Programme, die mal sehr progressiv und konforntativ gestartet sind (Kiss FM, Planet Radio [damaliger Claim:"Deine Eltern werden kotzen"], werden mit der Zeit immer mainstreamiger und verlieren ihre Kernzielgruppe aus den Augen. Immer wieder macht man den Fehler, aus der diffusen Mitte den Marktführern mit Mainstreamprogramm ein paar Hörer abluchsen zu wollen. Leude, geht doch endlich mal in die Sparte und zwar richtig und konsequent. So kannste Radio vielleicht noch retten...abseits der meisten Hits im besten Mix mit Staus und Blitzern...
 
Würde ich grundsätzlich genauso sehen, aber für ein Spartenprogramm braucht man Reichweite und das war bisher per UKW nur bedingt möglich. Und bei DAB+, wo es jetzt relativ problemlos möglich wäre, kommt man nicht aus dem Knick beim Aufbau der Infrastruktur. Hier beißt sich wie so oft hierzulande, die (Radio-)Katze mal wieder selbst in den Schwanz... ;)
 
Wie oft muss ich es denn noch sagen? Ich meine nicht "mit drin" sondern Sparte. Also ausschließlich. Big FM mischt Soft-Pop mit Rap. Eigentlich unhörbar. Früher hatten sie wenigstens noch Crossover/Alternative mit Rap gemischt...das macht Studio Brussel auch (die mischen noch viel mehr rein, aber da passt es!) .
 
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