hr2 wird zur Klassikwelle


Die Ablösung am Vormittag wäre jetzt immer um halb 10 (hätte gedacht, die Lesung wird schon dem Vormittag zugeordnet, aber gut), aber kein Start ohne Schwierigkeiten (ablösende Kollegin verspätet sich).
 
Zuletzt bearbeitet:
Natürlich hat man es versäumt in den EPG über Sat das aktuelle Programm statt des Platzhalters einzupflegen. Da hat man jetzt noch bis einschließlich nächsten Montag die Hoffnung, dass es doch nicht so schlimm wird, wie es seit vergangener Woche im Internet steht.
 
Nach vier Stunden Höreindruck ist es ein mittelgroßer Seufzer. Sind einige Änderungen bloße Formalien, so ist die neue Musikmischung etwas betrüblich. Die "Klassikwelle" wird hier deutlicher, als zuletzt befüchtet. Die Musik wirkt eher uninspiriert, der Schwerpunkt liegt dem Anschein nach auf Seichtem und Gefälligem. Für Barock war weniger Platz als früher, sehr schade. Immerhin sieht man es mit der Klassik nicht so eng, so schloß die dritte Sendestunde mit Filmmusik von Hans Zimmer (steht nicht in der Playlist). Letzteres macht Hoffnung, daß man die Musikfarbenvorgabe der Chefetage so kreativ wie möglich auszulegen bereit ist.

Dem Jazz sehr zugetan, vermisse ich den bisher am wenigsten, einfach weil der bisher in Kulturfrühstück und -café zu oft als Musik zum Drüberquatschen und als auszublendender Lückenfüller vor den Nachrichten eingesetzt wurde. Davon hatte man nichts. Viel mehr fehlt mir Chanson und Pop.

Erfreulich, daß heute morgen nochmals von Hans Sarkowicz und Jesko von Schwichow deutlich gemacht wurde, daß an «Hörbar» und den abendlichen Jazzsendungen nichts geändert wird.
Zitat von https://www.fr.de/kultur/tv-kino/hr2-kultur-weniger-eigenprofil-aber-eine-chance-fuer-rituale-90039608.html:
Im neuen Programmschema bewahrt bleiben Sendungen wie „Doppelkopf“ und „Der Tag“, aber auch die „Frühkritik“ und der Zuspruch um 6.30 Uhr. „Diese waren uns“, so Sarkowicz, „im doppelten Wortsinn heilig.“
:thumbsup::thumbsup::thumbsup:
 
Seichte und gefällige Klassik und Hans Zimmer? Du bist Dir sicher hr2 gehört zu haben und nicht Klassik Radio? ;)
Gestern früh lief übrigens Filmmusik aus Harry Potter, derlei ist also anscheinend eine feste Größe in der "Klassikwelle".

der Schwerpunkt liegt dem Anschein nach auf Seichtem und Gefälligem. Für Barock war weniger Platz als früher
Inzwischen erscheint mir der Barockmusikanteil (wieder) etwas größer. Vielleicht sind beide Beobachtungen bloße Einbildungen, weil ich in dem naturgemäß nun häufigerem schwermütigen 19-Jahrhundert-Getöse einen musikalischen Fluchtpunkt suche. Wenn ich bisher tagsüber hr2 eingeschaltet habe, dann nicht, um Klassik oder Romantik zu hören. Entsprehend fühl ich mich mit dem neuen Musikprogramm nicht ganz wohl.

Gestern Nachmittag gab es in der Sendung "Am Vormittag" "Am Abend" "Am Nachmittag" ein Gespräch mit Achim Reichel. Dabei wurde ein Ausschnitt seines Lieds "Der Spieler" eingeblendet. Nunmehr ungewohnte Töne im neuen Musikkorsett. Früher wäre Platz gewesen für das komplette Stück. Eine traurige Demonstration dessen, was mit dieser Klassikwellen-Vorgabe in hr2 verloren gegengen ist.
 
Warum kam mir das nur bekannt vor... In Belgien hat die RTBF das bei ihrer ersten Welle „La 1ère“, früher „La Première“ ewig in Abwandlungen benutzt. „Bleiben Sie neugierig“, „Seien Sie neugierig“ etc. - bis etwa 2017.
Gab es den Claim in Deutschland eigentlich schon mal oder verklärt mich da meine Erinnerung. 2017 ist ja auch schon etwas her.

Beim besagten La 1ère handelt es sich übrigens um das, was man heute als wortlastigen „Gemischtwarenladen“ bezeichnen würde.
 
War nicht der bisherige Claim "Bleiben Sie neugierig" und der neue ist "Schön zu hören"?

Bremen Zwei hat "Neugier lohnt sich" und in WDR5 gibt es die Sendung "Neugier genügt".

Ja, La 1ère ist das hr1, SWF1, SDR1 von vor 30 Jahren. Damals war ich zu jung dafür, heute würde ich es feiern!
 
Man nennt es les radios généralistes. Und noch 2001, als 9/11 passierte, schaltete ich sofort hr1 ein, wo der Zeitfunk ein super Programm fuhr mit Fritz Reichardt und Ulrike Holler. An den Deutschlandfunk hatte ich gar nicht gedacht, fiel mir erst abends, so um diese Zeit wie jetzt etwa, auf.

Aber vielleicht doch wieder zurück zu hr2?

Immerhin gibts die Hörbar noch. Da taut das Programm musikalisch abends regelrecht auf, während den ganzen Tag ein einziges großes Sedativum gesendet wurde.

Es tut mir leid, ich werde mir das nicht anhören und wende mich schon ab. Der hr hat kein Kulturprogramm mehr, das auch musikalisch in der Gegenwart platziert wäre, sondern es ist eine Schlaftablette zum Stillstellen seiner Hörer. So extrem auf Klassik, das geht heute nicht mehr. Darauf bin ich wirklich nicht neugierig.

Der Claim wurde geändert, weil das kein Programm mehr ist, um Neugier zu stimulieren. Neugier wäre hier ganz fehl am Platz. Hörer, die Lust auf etwas Neues haben. Werden hier nicht mehr bedient. Das kann nicht gut gehen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Reinhören reicht nicht, um das Ausmaß zu erfassen.

Es tut mir leid, ich werde mir das nicht anhören und wende mich schon ab. Der hr hat kein Kulturprogramm mehr, das auch musikalisch in der Gegenwart platziert wäre, sondern es ist eine Schlaftablette zum Stillstellen seiner Hörer. So extrem auf Klassik, das geht heute nicht mehr. Darauf bin ich wirklich nicht neugierig.
So hart möchte ich es noch nicht ausdrücken, aber es geht mir beim Hören letztlich genauso. Der Musikauswahl fehlen Schwung und Kontraste; sie wirkt nicht selten borniert und spießig. Ich hatte gehofft, ein großer Anteil an Barockmusik würde das Programm retten. Doch einerseits ist dieser Anteil nicht so besonders groß, und andererseits halte ich das nach jüngster Erfahrung auch nicht mehr für möglich.
Die Gespräche und Rapporte wirken wie Fremdkörper in dieser Musikfarbe. Besonders denkwürdig fand ich darin einen Beitrag von Martin Kersten über rassistische Elemente in der klassischen Musik (er wurde, wenn ich‘s recht erinnere, am vorigen Freitagmorgen gesendet). Er erregte bei mir den vagen Gedanken, das neue Tagesprogramm von hr2 sei eines für sozioökonomisch bessergestellte weiße Menschen, die sich in ihrer Selbsteinordnung als kulturelle Elite bestägigen wollen: Neues? Ungewohntes? Fremdes? Stehen wir drüber, haben wir nicht nötig, kann uns nicht das Wasser reichen.
Mir war hr2 lieb und teuer, und so versuche ich, dem Tagesprogramm und seinen Machern eine Chance zu geben, doch schon schalte ich nach zunehmend kürzerer Hördauer ab.
 
Oben