hr2 wird zur Klassikwelle


Sie war nicht immer leicht zu nehmen, wir hatten so unsere Raufhändel miteinander. Aber dem Programm tat sie auf die Strecke ihrer Leitung hin gesehen, sehr gut. Vor allem die besonderen Programme zu Feiertagen - und die Brainstorming-Runden zuvor - sind mir in guter Erinnerung.
 
Sie haben einen Abdeckungsgrad erreicht (technische Reichweite"), aber keinen Versorgungsgrad im Sinne von "können die Interessenten mit vorhandener Technik empfangen"
Den Rest erledigt, hoffentlich noch länger, Satellitenradio und der Kabelanschluß. Der DVB-T(2)-only-Haushalt zusammen mit nur UKW hat Seltenheitswert. Der Rest bekommt schlicht den Anschluß nicht gebacken. Ob das bei derart mangelndem Wissen oder Faulheit für einen störungsfreien UKW-Empfang anders ist?
Halten wir uns damit nicht auf. Wir sollten auf jeden Fall nicht die Programme gegeneinander ausspielen. Auch für die PopKULTUR wären drei Wellen eigentlich nicht übertrieben. Was da läuft, eben das Machwerk der/s 2004er Reform popkulturellen Totschlags, ist allerdings noch nichtmal Einheitssoße. Dosenravioli hat schließlich auch ihren Stolz.

Und jetzt kommt die CDU um die Ecke? Paßt doch. Man muß nur noch das Argument drehen. Schon kann man auch noch darstellen wie staatsfern man ist weil man nicht darauf einsteigt.
 
Der Rundfunkrat unterstützt mit deutlicher Mehrheit die Initiative der Geschäftsleitung des hr, die Möglichkeiten zur digitalen Nutzung seiner Angebote, zum Beispiel auch im Bereich der Kulturberichterstattung, auszubauen und die Attraktivität für jüngere Zielgruppen zu erhöhen.

Kulturelle Hervorbringungen und die Kulturberichterstattung gehören zum Kern des öffentlich-rechtlichen Auftrags. Dabei ist Kultur für den Rundfunkrat nicht nur Musik, sondern auch Literatur, die Kultur des Hörens und Zuhörens und der gesellschaftliche Diskurs.

Der Rundfunkrat begrüßt die Zusicherung, dass alle weiteren Schritte zur Ausgestaltung der Programminitiativen in einem strukturierten Prozess unter Beteiligung der Beschäftigten und in enger Abstimmung mit den Gremien in den nächsten Sitzungen des Rundfunkrats und insbesondere auch in seinen Ausschüssen beraten werden.

Rundfunkrat des Hessischen Rundfunks
Frankfurt, 23. August 2019
 
Angeblich hat Frau Bierbaum, bevor sie Mitte Juli, bis 4. August, in Urlaub ging, der Programmreform zugestimmt.
Da „die Programmreform“ ja bisher nur in den Grundzügen bekannt ist, kann sie aber nur grundsätzlich zugestimmt haben, nicht den vielen Einzelheiten, die nun noch auszuhandeln sein werden. Nehmen wir die Musikfarbe: Die Frage, ob hr2 zu einem reinen Klassikprogramm werden sollte, ist alt – so alt, dass ich eben noch mal nachschauen musste, wann ich darüber mit Frau Bierbaum gesprochen hatte. Es war damals, als das Abendstudio zugunsten von Doppelkopf abgesetzt wurde, laut Wikipedia also 2003
 
Ja, es hießt, das werde diskutiert, man könne auch ganz auf Klassik umsteigen, wie ich das denn fände? Ich fand es schlecht, weil es beim hr kein Pendant zu Bayern2 gab. Im Bayerischen Rundfunk gab es damals schon diese Rollenverteilung zwischen E-Musik und Wort. Bayern4 war schon immer ein reiner Klassiksender, aber es gab ja noch B2 mit dem Zündfunk und weiteren Musiksendungen abseits vom Mainstream. Auch SWF2/SWR2 bietet schon lange diese musikalische Vielfalt. Sie hatten sich dann entschlossen, auf hr2 im Morgenprogramm auch mal Filmmusik zu spielen. Das hatte mir auch nicht so gut gefallen ;) aber die Musikauswahl wurde ja auch ständig weiterentwickelt, die Hörbar kam hinzu, die Jazzprogramme am Abend blieben erhalten, Daniella Baumeister kam als Moderatorin dazu, die Sendungen wanderten mal in den frühen Abend und auch wieder zurück. Bill Ramsey bieb uns erhalten. Das Schöne an hr2 war doch immer die Bandbreite an guter Musik. Mir fehlen beim hr heute vor allem die Singer-Songwriter („Ein internationales Liederbuch“, „Lieder zwischen Himmel und Erde“) und „Lieben Sie Chansons?“ von Gert Wolff. Über solche Sendungen habe ich vor allem damals auch enorm viel über Musik gelernt. Wenn ich heute in dem Alter wäre, gäbe es dafür nur YouTube und Wikipedia, auf den Streamingdiensten geht das doch unter, wahrscheinlich würde ich solche Musikstile gar nicht mehr kennenlernen, und das ist doch sehr, sehr schade. Gefreut hatte ich, dass mein Vorschlag, den Doppelkopf am Abend zu wiederholen, aufgegriffen wurde. Damit wurde immerhin eine Wortsendung in den Abend hinein gerettet – immerhin der Nachfolger des Abendstudios…

Schauen wir mal über die Grenzen: So einen Kahlschlag wie in Deutschland hat es in keinem anderen öffentlich-rechtlichen Rundfunk gegeben, nicht in Österreich, nicht in der Schweiz, nicht in Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Belgien, Italien, selbst in Spanien nicht…
 
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Da kommt man nichtsahnend aus dem Urlaub zurück und findet eine solche Schocknachricht vor: «hr2 wird zur Klassikwelle». Manche der oben zitierten Verlautbarungen der hr-Oberen geben zwar noch ein bisschen Hoffnung, daß es nicht so schlimm kommen möge wie 2003 mit hr1. Doch letztlich muß man eine Strategie der hr-Führungsetage annehmen, die Proteste von außen und die Widerstände innerhalb des hr bis zum April ermüden zu lassen. Ich nehme es heutzutage jedenfalls keinem Menschen in einer Führungsposition ab, die tatsächlich oder scheinbar noch offenen Entscheidungen innerhalb seines Projektes noch nicht bis zum Ende durchdacht zu haben, bevor man ein solches Projekt verkündet.

Der Gedanken, demnächst "verstärkt" Kulturberichterstattung auf «hessenschau.de» vorzufinden, ist bestenfalls skurril. Ist das nicht diese Webseite auf Oberhessische-Presse-Niveau, auf der man das Geschehen in Hessen weit überwiegend durch Meldungen über umgekippte Lastwagen, geplünderte Geldautomaten, brennende Scheunen und Sport, Sport, Sport darstellt? Und in diesem peinlichen Umfeld sollen sich dann künftig die Inhalte aus hr2 finden???
 
@schneeschmelze: Du warst damals, 2004, offenbar in anderen hierarchischen Sphären unterwegs als wir Programmmacher und Präsentatoren von hr2 und hr-klassik.
Von einer Preisgabe des Kulturprogramms zugunsten einer reinen Klassikwelle drang zu jener Zeit nichts auf unsere Arbeitsebene. Eher hieß es im Gegenteil, hr-klassik solle wieder in hr2 aufgehen (was es dann ja auch tat).
Traurig waren wir alle über den Abgang von Klassik-Chef Carsten Dufner, der uns Mitarbeiter ernst nahm und uns kreative Freiräume bot, die wir so im hr bisher nicht hatten.
Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass der hr damals (ohne Podcast und noch recht unterentwickeltes Internetangebot) so einfach die (Sprech/Literatur)-Kulturbestandteile von hr2 hätte opfern können/dürfen. Es gab ja noch kaum digitale, nicht-lineare Ausspielwege für Hörspiel/Feature/Gespräch.
 
Ich nehme es heutzutage jedenfalls keinem Menschen in einer Führungsposition ab, die tatsächlich oder scheinbar noch offenen Entscheidungen innerhalb seines Projektes noch nicht bis zum Ende durchdacht zu haben, bevor man ein solches Projekt verkündet.
Richtig. Gefühlt schon 1000x erlebt, überall im Leben.

«hessenschau.de» (...) Webseite auf Oberhessische-Presse-Niveau
Wie wäre es damit, da fügen sich dann hr2-Inhalte doch, ähm, gut ein: https://www.hr4.de/programm/podcast/polizeireport/index.html

Und was kommt nach Sommer? Heißt der Herbst Vorderwülbecke oder ist das schon Winter? Und gäbe es dann Hoffnung daß es danach Frühling wird?
 
@schneeschmelze: Du warst damals, 2004, offenbar in anderen hierarchischen Sphären unterwegs als wir Programmmacher und Präsentatoren von hr2 und hr-klassik.
Na ja, so muss man es nun auch wieder nicht sagen. Wie ich schon schrieb: Ich wurde um meine Meinung gebeten, und das war sehr verbindlich, nicht einfach mal so ad hoc ins Blaue hinein. Aber mehr schreibe ich dazu nun auch nicht mehr, lieber @OnkelOtto , das soll reichen.
 
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