hr2 wird zur Klassikwelle


Inhaltlich absolut wünschenswert, aber auch eine Kostenfrage. Der HR betont zwar, dass es keine Kürzungen in der Kultur geben solle, aber selbst wenn man das für bare Münze nimmt, gilt diese Erklärung nur die die Sektion Kultur als Ganzes. Da aber bewusst die Kultur außerhalb von hr2 aufbauen möchte (angeblich), wird für das Programm hr2 selbst auf jeden Fall eine Kürzung eintreten. Eine Aufsplittung von hr2-alt in ein bayern2-artiges hr2-neu und ein klassisches hr-klassik-neu wäre dann erst recht nicht drin.
 
HR, Teil der ARD (9 Mrd. jährlich), erklärt einen wichtigen Teil des gesetzlich verbrieften, "eigentlichen" Auftrages" zur "Kostenfrage". Ich meine, der HR ignoriert bereits auf breiter Front seinen Auftrag, dummdudelt bereits auf vier (!) UKW-Ketten. Für mich haben die einen Vogel!

Ich lese hier seit Tagen mit, und so langsam platze ich. Sorry.
 
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Es sind 8 Mrd für das gesamte öffentliche System einschließlich Deutschlandradio, ZDF und Landesmedienanstalt, nicht 9 Mrd für die ARD, aber OK: Es ist sehr viel Geld, gut 4 Milliarden für die ARD, davon gut eine halbe Milliarde für den HR, damit könnte man durchaus wesentlich besseres Programm machen. Nur: diese 500 Millionen liegen nicht frei herum, sondern sind gebunden, teilweise langfristig, und selbst wenn man wollte (die aktuelle hr-Gf will offensichtlich nicht), könnte man nur sukzessive zur Kultur umleiten. Ich verstehe den Furor und bin auch frustriert darüber, was aus den einst stolzen HR geworden ist, nur: mit einem plakativen "All die Milliarden!" trifft man daneben und ermöglicht der hr-Geschäftsführung, von der substantiellen Kritik an sich auf Nebenkriegsschauplätze abzulenken.
 
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Freiwild, alles schön und gut. Jetzt erklär mir aber mal bitte, warum früher Geld für "das alte" HR 1 da war, für HR 2 und popkulturelle Angebote auf den anderen HR-Wellen, und heute geht nur noch niveauloser Dudelfunk. Die Gebühren sind doch ständig gestiegen. Wie ich bereits schrieb: Für mich verballert die ARD zuviel im TV. Da geht ja auch mehr als 85% der Gebühren hin. Das ist Wahnsinn!

Ich sehe jetzt auch nicht, daß es ausschließlich am Geld hängt. Auch die großen Häuser der ARD fahren Streichkonzerte. Für mich hat die ARD ihren Kompaß verloren. Ich freue mich schon auf die mit der nächsten Gebührenerhöhungsforderung verbundene Diskussion.

Schau Dir mal die Kommentare unter den Online-Artikeln zur Gebühr der letzten Jahre an. Egal ob Spiegel, Zeit, SZ oder Welt. Die Leute haben unisono keinen Bock mehr auf ARD und ZDF. Das gäbe mir als Sender-Verantwortlicher sehr zu denken. Zumal auch die Politik bisweilen gerne einmal scharf gegen die Öffis schießt.
 
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räusper Das Argument von @Der Radiotor war ja gerade, dass es gar nichts zusätzlich kosten muss, wenn man an der Musikfarbe der Programme etwas ändern möchte… man könnte sogar mehr Kanäle verbreiten – ohne Mehrkosten…

Ich habe übrigens keine Probleme damit, für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu zahlen. Für den Privatfunk muss ich bei jedem Einkauf an der Supermarktkasse mitzahlen, ohne dass ich danach gefragt werde, weil die Werbeausgaben in die Kaufpreise der Produkte eingerechnet sind. Darauf sollte man gelegentlich mal wieder hinweisen.
 
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Dann mach ich mal einen Reformvorschlag, der wirklich gangbar wäre, viel Geld sparen würde, den Kritikern viel Luft aus den Segeln nehmen, aber den Häuptlingen der Anstalten naturgemäß überhaupt nicht gefallen würde: Nur noch Programme mit Landesbezug werden zukünftig in den einzelnen ARD-Häusern produziert. Alles andere wird zentralisiert. Dann macht der RBB die Bundespolitik für ganz Deutschland. Oder ein ganz aktuelles Beispiel: Auf meinem Haussender Bayern 2 und WDR 5 liefen heute zeitgleich einstündige Hörerbeteiligungssendungen zum Thema "Der Amazonas brennt". Die Sendungen würden zu einer einzigen verschmolzen, zukünftig wäre diese dann in ganz Deutschland zu hören, und es gäbe automatisch statt zwei nur einen Anbieter (Sender). Wenn das für alle ARD-Hörfunkprogramme durchdekliniert würde, könnte man mit den freiwerdenden Mitteln parallel eine Qualitätsoffensive starten.
 
Keine neue Idee, nur lässt sie außer Acht, dass der RBB eben nicht nur über Bundespolitik berichtet, sondern auch sehr viel über Politik in seinem Sendegebiet. Analog Bayern 2 über Kultur aus Bayern etc.
Kann man alles in Fenster packen, klar. Ist dann nur direkt nicht mehr billiger und nimmt bei der Programmgestaltung jegliche Flexibilität. Letztlich führt das zu dem, was dem HR nun vorgehalten wird, nämlich harten Einschnitten bei u.a. der Kulturberichterstattung.
Übrigens funktioniert die Idee auch nicht für die Musik. Es gibt eben Titel, die die Menschen in Bayern mögen und die in NRW nicht.
Punktuell funktioniert eine solche Kooperation allerdings und da wird sie auch gelebt. Gemeinsame Korrespondentenbüros, Bundesligakonferenz, Einkäufe, Honorarabwicklung, Wetter, Fernsehen, um nur einige zu nennen.
 
Übrigens funktioniert die Idee auch nicht für die Musik. Es gibt eben Titel, die die Menschen in Bayern mögen und die in NRW nicht.
Dazu zählt aber nicht die Musik, die auf einer Kulturwelle läuft. Falls Du Dich auf bayerische Jodel-Musik und kölsche Karnevalsmusik beziehst.

Vielleicht sollte man beim hr, konkret bei hr2, überlegen, Programmelemente von SWR2 oder SR2 zu übernehmen. Solche Kooperationen gibt es schon heute und sie sparen dem hr Kosten. Gerade SWR2 hat gute Sendungen. Macht auch historisch Sinn.
 
Der hr hatte zwei Programmkooperationen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht fortgeführt wurden. Die hr4-Coop mit dem Weimarer Sender mit dem Hintergedanken, zwei Anstalten einmal zu fusionieren, scheiterte letzlich am Wahlverhalten der Thüringer Bevölkerung. Die Coop SR/hr2 passte einfach nicht und man ging wieder getrennte Wege. Möglicherweise liegt auch deswegen der Coop-Gedanke auf Eis.
 
Jemand hat mir mal gesagt, der hr hätte auch mal eine Kooperation mit dem RBB gehabt, aber da hat er wohl mal wieder was verwechselt.

Die Kooperation SR 2/hr2 ist auch eher aus der Not heraus entstanden, weil die Kooperation SWF/SDR/SR 2 nach fast 20 Jahren (ab 1972?) zugunsten von S2 Kultur und der Vorbereitung auf die Fusion endete und der SR ein Kulturprogramm alleine nicht stemmen konnte, der hr (so wurde mir überliefert) aber auch immer mehr in finanziellen Schwierigkeiten steckte. hessen 3 war damals ja das letzte dritte Fernsehprogramm, das auf Satellit ging und zum 24-Stunden-Programm ausgebaut wurde. Da waren die anderen Häuser schon viel weiter. Beim Umbau Richtung Formatradio auch. 2000 klang der hr im Vergleich zu anderen Häusern noch so herrlich altmodisch.

Fakt ist aber, zwischen Saarbrücken und Frankfurt pendeln auch heute noch viele Redakteure/Moderatoren. Mir sind Leute bekannt, die arbeiten für SR 2 und für hr2 oder für youfm und für SR 1 und/oder UnserDing. Vermutlich rührt diese Partnerschaft auch noch aus dieser Kooperationszeit. Sonst hat sich der hr seine Leute (damals wie heute) ja verstärkt vom WDR geholt. Das halbe youfm wird heute von WDR-Leuten moderiert. Pendeleien in alle anderen Richtungen gibt und gab es zwar auch, gefühlt aber deutlich weniger als Richtung Saarbrücken und Köln.
 
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Deutschlandpunk, natürlich kann die Kulturberichterstattung wahlweise national und "regional" gefahren werden. Ein Komponistenportrait kann deutschlandweit versendet werden, im Gegensatz zu den Kultur-Terminen vor Ort. Unterschiede im Musikgeschmack sind eher marginal und gehen im Großen und Ganzen auf, wie bei den landesweiten Programmen der BBC oder von NPO in den Niederlanden.
 
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CR Wave (Jugendradio/Alternative) sendet auch nur noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Netz und auf DAB vor sich hin. Auf UKW durch Newsdudler CR Plus ersetzt.
OT:
CRo Wave sendete von 2006-2008 in Prag auf der 100,7 MHz. Dann wurde die Frequenz von CRo 2 übernommen und seit Anfang 2014 läuft darüber CRo Region.
CRo Plus hat bei UKW-Start in Prag die 92,6 MHz bekommen, welche zuvor von CRo Regina bespielt wurde.
 
Um zum Thema zurückzukehren:
  • Johannes Breckner: Vom Kulturradio zur Klassikwelle. In: Allgemeine Zeitung (Mainz), 27. August 2019, S. 29 (online nur für Abonnenten).
Zitat:
… mit der Verringerung des Angebots die Zahl der Hörer zu steigern, wäre eine seltsame Strategie. Der Rundfunkrat sah sich bei seiner jüngsten Sitzung am Freitag denn auch genötigt, den HR als öffentlich-rechtlichen Sender an Kultur als „Kern des öffentlich-rechtlichen Auftrags“ zu erinnern. …

… SWR 2 … erreicht, in einem gut zweieinhalb Mal so großen Sendegebiet, täglich rund 300000 Stammhörer. Obwohl Wortbeiträge auch im Internet-Abruf sehr erfolgreich sind, hat Programmchef Wolfgang Gushurst keine Pläne, das lineare Radio auf das Abspielen klassischer Musik zu beschränken. „Wir erleben eine Renaissance des Wortes“, sagte er gegenüber dieser Zeitung. „Wir haben ein sehr treues Publikum, darunter viele ältere, traditionelle Radiohörer.“ Für sie sei es wichtig, diese Beiträge weiterhin im vertrauten Radioprogramm zu finden. Gleichzeitig entwickelt auch SWR 2 neue Formate als Podcast und für Audiotheken. „Aber dann“, sagt Gushurst, „schaffen wir auch Sendeplätze dafür im Programm.“
Die Online-Petition hat derzeit 6744 Unterzeichner.
 
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Fakt ist aber, zwischen Saarbrücken und Frankfurt pendeln auch heute noch viele Redakteure/Moderatoren. Mir sind Leute bekannt, die arbeiten für SR 2 und für hr2 oder für youfm und für SR 1 und/oder UnserDing.
Pendeleien sind für Freie Mitarbeiter an der Tagesordnung. Sofern sie für mehrere Sender tätig sind.

Das mag verwundern, aber tatsächlich ist die Zahl von fähigen Mitarbeitern im redaktionellen Bereich arg begrenzt. Es geht hier nicht um Leute, die ein unnützes Musik-Wissen haben, sondern um Leute, die sowohl im Radio als auch im TV präsentieren können.

Gelegentlich löse ich eine Kollegin ab, die bei einem Privat-TV-Sender tätig ist. Da meckert niemand mehr. Denn fähiges Personal wird auch beim ÖR-Rundfunk gesucht. Und zwar mit der Lupe.
 
Der HR betont zwar, dass es keine Kürzungen in der Kultur geben solle, aber selbst wenn man das für bare Münze nimmt, gilt diese Erklärung nur die die Sektion Kultur als Ganzes. Da aber bewusst die Kultur außerhalb von hr2 aufbauen möchte (angeblich), wird für das Programm hr2 selbst auf jeden Fall eine Kürzung eintreten.
...und wenn einige Inhalte zu hr info verschoben werden, dann werden auch bei hr info Inhalte gekürzt, die dort ansonsten zu den Zeiten gelaufen wären. Und wer - außer dem Rundfunkrat - nimmt das Versprechen für bare Münze!? :D Wobei, in der offiziellen Stellungnahme unterstützt der Rundfunkrat nur die Erweiterung des digitalen Angebotes. Zur Abwicklung von hr 2 wird nichts geschrieben und auf den bevorstehenden strukturierten Ausgestaltungsprozess verwiesen. Eigentlich beachtlich, auch wenn es am Ergebnis wohl nichts ändern wird.
 
Das liegt auch daran, dass unverschämterweise die Verträge auf 50% begrenzt werden. Weil sich sonst nämlich Freie Mitarbeiter nach einiger Zeit in eine Festanstellung klagen könnten. Prekäre Beschäftigung durch öffentliche Finanzierung könnte man sowas nennen. Ein Unding sondergleichen. Wer jung ist und das Geld braucht, macht so eine Pendelei ja vielleicht eine Weile mit. Wie ist es aber, wenn jemand eine Familie gründen möchte?
 
Vielleicht ist das nur missverständlich, aber ich finde es merkwürdig, dass der Hinweis, dass der Rundfunkrat seinen Beschluss "mit deutlich Mehrheit" fasst, Teil eben diesen Beschlusses ist. Wie groß die Mehrheit ist, weiß man ja erst, wenn der Beschluss tatsächlich angenommen wurde. Theoretisch kann man auch in die Beschlussvorlage hineinschreiben, dass der Beschluss "einstimmig gefasst würde", und diese dann mit 51%-Mehrheit durchdrücken.
 
hr2 sollte genau den umgekehrten Weg gehen. Hört mal Bayern2 oder MDR Kultur: Da spielt Klassik, wenn überhaupt, nur noch eine untergeordnete Rolle.
...was für diejenigen, die mit "Popgedudel" (oder "Gejaule", je nach Deutlichkeit der Unmutsbekundungen) auch nicht gut ist. Sie können (Wort-)Inhalte nicht mehr nutzen, weil dazwischen halt keine Klassik läuft.

Gibt's nicht? Doch, ich kenne solche Leute. Sind aber bislang durchweg eher ältere Semester, oft mit hohem Bildungsgrad oder eindeutig Klassik-Sozialisierung. Mir ist gehobene (!!!) handverlesene Popmusik, gerne mit Indie-Einschlag, aber auch lieber als Klassik. Klassik bitte am Stück und nicht als Füllmusik. Dann aber durchaus gerne. Somit ist mir die Aufteilung beim BR in Form von Bayern 2 und BR Klassik sehr genehm. Zumal BR Klassik ja auch kein "Klassikdudler" ist, sondern sehr viel redaktionellen Inhalt hat.

Dass Kulturwellen weniger Klassik spielen, liegt aus meiner Sicht auch daran, dass die Popwellen inzwischen völlig kulturfrei sind und Menschen mit gewissen Resten an Selbstachtung schon von der Darreichungsform her unzumutbar. Eigentlich könnte die öffentlich-rechtliche Popwelle inzwischen weg und durch so etwas wie Bayern 2 ersetzt werden. Das reine Chartspop-Gedudel können doch wirklich die Privaten übernehmen. Schon wird eine UKW-Kette frei für ein verdientermaßen öffentlich-rechtliches Programm. Gerade beim hr mit den großen Überlappungen im NICHTS zwischen hr3 und YouFM hätte man dafür eine Chance. Ach so, ein richtiges hr1 gab es ja schon mal, gäbe nun also keinen Novitätenpreis.
 
Das liegt auch daran, dass unverschämterweise die Verträge auf 50% begrenzt werden. Weil sich sonst nämlich Freie Mitarbeiter nach einiger Zeit in eine Festanstellung klagen könnten. Prekäre Beschäftigung durch öffentliche Finanzierung könnte man sowas nennen. Ein Unding sondergleichen. Wer jung ist und das Geld braucht, macht so eine Pendelei ja vielleicht eine Weile mit. Wie ist es aber, wenn jemand eine Familie gründen möchte?
Die Annahme, jede(r) möchte unbedingt eine Familie gründen, ist schon mal grundfalsch. Im Kollegenkreis gibt es das eher selten.

Auch eine "50%-Regelung" ist mir unbekannt. Das gibt es hier nicht. Einklagen? Wieso? Das Honorar ist anständig.
 
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