Konzentration auf Mainstream ist ja verständlich - aber warum immer dieselben Titel?


#54
Antwort auf deine Frage, ohne alles andere hier zu lesen: Weil deine Alternativtitel kein Mainstream sind. Ich kann bei mir im Keller auch einen Song aufnehmen, wo ich glaube, dass dieser nach Mainstream klingt. 3 Mal darfst du raten, ob es dann auch gespielt wird.
 
#56
Ich finde ja das manche Songs einfach nicht in die Charts gehören (und ich mich manchmal aufregen muss dass einige Lieder doch dort drin auftauchen und somit totgedudelt werden). Ganz ehrlich. Ich bin froh dass manche gute Songs nicht im Mainstreamradio vorkommen selbst wenn sie "mainstreamig" klingen. Denn wenn ich die im Radio hören will schalte ich spezielle Sender auf DAB+ und im Internet ein. Da hat man dann eine gute Auswahl und braucht sich nicht über die Penetranz im deutschen Massenradio aufzuregen, weil man eh schon gut bedient ist. Das tolle ist ja eben, dass man heutzutage diese Auswahl zu spezielleren Programmen ja hat.
 
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#58
Huhu!

Natürlich ist für mich nachvollziehbar, dass ein großer Radiosender auf eine große Reichweite angewiesen ist, einen gewissen Mainstream bedienen müssen, und es eine Vielzahl von Interpreten bzw. Songs gibt, die in einem solchen Sender definitiv ein großer Abschaltfaktor sind. Dass also Slayer, Heintje, Jeff Mills, Miles Davis oder Böhse Onkelz in einem AC-Format nichts verloren haben, ist sicher allen Leuten klar.
Slayer und Onkelz ein Abschaltfaktor? Ich würde eher sagen: Man hat es nie probiert. Gut, Slayer hat natürlich (zum Glück) nichts mit Rocktiteln gemein die im AC-Formatradio gespielt werden würden. Aber bei den Onkelz würde ich durchaus Potential sehen.
Oder wie wäre es mit Stücken wie dem gerade bei BOB gespielten "Eye to eye" von Fates Warning? (Von mir aus natürlich gerne alles aus der Parallels; ist aber ein anderes Thema)
 
#62
ego FM ist nicht ohne. Nicht zu vergessen aber auch das kleine Schwarzwaldradio aus Offenburg, das ein erstaunlich vielfältiges Musikprogramm mit durchwegs angenehmen und musikkompetenten Moderatoren verbindet. Ein Sender, der am hellichten Mittag einen Progrock-Titel der Band Yes ausspielt, als ob es das Normalste von der Welt wäre, hat im Vergleich zu den Öffis meine allergrößte Hochachtung ...
 
#63
Schade, daß das Reizwort Onkelz direkt rausgeriffen wurde. Es war aber eigentlich absehbar :( .

Durchaus. Ob hier ggf. durch die Fixierung auf den Mainstream eine Entwicklung, oder besser gesagt Reifung, verpaßt wurde? Ich kann das durchaus nachvollziehen: Ein Thema was nicht interessiert, man ablehnt und nicht im Mainstream stattfindet erreicht einen nicht.
Ein "Deutschland im Herbst" wäre genau so ein Titel der durchaus ins Programm passen würde wenn die "Braune Scheiße" wieder tötet. Man findet ihn im Mainstream leider nicht.

So: Und wie wäre es jetzt einfach mal Fates Warning gegen Bon Jovi zu tauschen? Oder Queensryche zu bringen? Ein Mehrwert sollt das sicherlich sein.
 
#64
Mit 250 Sachen (als Wiederholungstäter) einen Unfall zu verursachen, bei dem zwei junge Erwachsene schwer verletzt werden, Unfallflucht zu begehen und vor Gericht nicht einmal Reue zu zeigen, zeugt für mich nicht von Reife und nicht von Philantropie. Für mich nur eine Erneuerung des Bildes, das ich von dieser Band habe.
 
#65
Ich persönlich kann mit den Onkelz nichts anfangen, aber von dem Verhalten eines Bandmitglied auf die ganze Band zu schließen passt irgendwie nicht.
 
#66
Und Romantik ist für dich
Nicht bloß graue Theorie
Zwischen Störkraft und den Onkelz
Steht ne Kuschelrock LP


Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe
Deine Springerstiefel sehnen sich nach Zärtlichkeit
Du hast nie gelernt dich zu artikulieren


Und deine Eltern hatten niemals für dich Zeit
Oh oh oh
Arschloch!


Könnte zur Erinnerung mal wieder im Radio gespielt werden.
 
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#68
Das Radio sollte nicht der verlängerte Arm der Musikindustrie sein.
Richtig. Genauso versteht sich auch das Radio. Entscheidende Musikredakteur sagen vielfach: "nein, diesen Titel Titel spielen wir nicht, er passt nicht zu unserem Programm, schon gar nicht wollen wir der verlängerte Arm der Musikindustrie sein".

Schon hier schrieb ich zum wiederholten Male: Die Industrie hat so etwas von gar keinen Einfluss auf Gepflogenheiten von Sendern.
 
#70
Ich glaube eher, die verstanden nicht, dass es plötzlich mehrere Sender gab und sich die Hörer entscheiden konnten.

Nächster Verstehens-Schritt wäre dann gewesen: Wollen die Hörer eigentlich den Sendermit der Musik hören, die sie mögen? Oder den Sender mit der Musik, die sie nicht mögen, die aber den Mitarbeitern dort gefällt? Ist eigentlich ganz einfach.

Ein Musikchef, der "Menschen von außerhalb" (gemeint sind Berater?) folgt, ohne die Idee selber zu verstehen, ist übrigens ein schlechter Musikchef*. Es tut mir leid, wenn Sie nur solche erlebt haben. Nur weil ich mir einen Rat hole, muss ich ihn ja nicht zwingend auch befolgen.

* = Zur Sicherheit: Als Redakteur muss ich das nicht verstehen. Ein guter Redakteur kann Vorgaben umsetzen, ohne sie bis ins Detail nachvollziehen oder vertreten zu können. Ist nicht ideal, aber geht. Das unerscheidet den Redakteur vom Chef.
 
#71
Naja, das ist vielleicht ein bisschen unterkomplex, lieber Deutschlandpunk. Sie müssen bedenken, dass die damaligen Musikredakteure und auch der Musikchef ausgebildete, professionelle Musiker waren, denen es auch - zugegeben - an die Berufsehre ging, sich aus einem zusammengehauenen Allerwelts-Pool bedienen zu müssen, ohne noch großen Einfluss auf alles das zu haben, was ein qualitätvolles Programm ausmachte.

Wie oft habe ich bei den Kollegen von der Musik gesessen (Sturm, Niggeling, Enke, Gräfe, Wehner, Ehrle, Kieswald usw.) und war dabei, wenn sie Sendungen für die Pop-Programme zusammenstellten. "Was könnte jetzt passen? Was hat dieser Song für eine Stimmung ausgelöst? Wie kann ich dieses Gefühl in den nächsten Titel tragen oder bewusst konterkarieren?" usw.
Das waren liebevoll handgemachte Programme, durchdacht gestaltet. Und es war ein Sakrileg, dass ein und der selbe Titel mehrmals in der Woche lief. Es gab ja so viele andere, gute. Die wollten ja auch gespielt werden.
Natürlich gab es auch Kollegen, die ihre Musiksendungen aus Karteikarten zusammenkloppten. So klangen sie dann aber auch.
Vor diesem Hintergrund ist es vielleicht nachvollziehbar, dass die Musikleute resignierten und der aufgezwungene (!) Kollege Computer die Vorherrschaft übernahm. Das ist nun viele Jahre her. Ob dadurch die Programme besser geworden sind? Ja, im Sinne der Quote. Nicht im Sinne der Qualität.
 
#72
Nur weil ich mir einen Rat hole, muss ich ihn ja nicht zwingend auch befolgen.
Doch, musst Du. Es bleibt Dir nämlich gar nichts anderes übrig. Wenn an höher Stelle (also höher als Musikchef) beschlossen wird, einen Radioconsulter zu beauftragen, dann musst Du dessen Ratschläge, die der Consulter selbst "Rastschläge" nennt, dennoch befolgen. Anderenfalls würdest Du die angeratene Strategie aushöhlen, beeinträchtigen. Am Ende bist Du als Musikchef knurrend froh, dass Du ab da nicht mehr verantwortlich bist. Gleiches gilt für Wortschef und für "Empfehlungen" an Moderatoren.

Bleiben oder werden die Zahlen gut oder besser, haben alle alles richtig gemacht. Bleiben oder werden die Zahlen schlecht oder schlechter, wird der nächste Berater eingekauft, schließlich habe man ja alles umgesetzt, was er angeraten hat.

Outsourcing von Verantwortung.


edit nach #71:
...der aufgezwungene (!) Kollege Computer die Vorherrschaft übernahm.
Doch, doch, der kann. Ein tägliches 18-Stunden-Programm mit der Hand/Karteikarten/Datenarchiv/Intuition zu erstellen, ist kaum mehr möglich. Allerdings kann Kollege Rechner nur so gut sein, wie der Musikpool konfiguriert ist und welche Ein- oder Vielfalt er nach vorgegebener Stundenuhr ausspuckt. Genau dies ist die Kunst, die einem guten Musikredakteur gegeben sein muss, schon beim Lesen der Playliste zu wissen, wie das klingt. Übergänge kann er bei Zweifel vorhören und die Liste redigieren.

Nur, wer macht das schon, wenn er lediglich zwischen "Up Town Girl" und "Two Hearts" wählen kann?
 
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#73
Dann würde ich mich aber kräftigst dagegen wehren und protestieren. Denn von Empfehlungen kann dann keine Rede mehr sein, sondern das ist Diktatur auf aller aller schlimmstem Niveau. Dass sich die Musikredakteure das auch noch gefallen lassen zeugt nicht gerade von Fähigkeit die Kontrolle über das Programm zu behalten.
 
#74
Ich habe die Vermutung, dass die Leut' gar nicht wissen, dass es auf der Welt mehr als 100 Titel gibt. Wir hauen ihnen doch ab Geburt immer den selben seichten Müll um die Ohren. Also wünschen sie sich den doch auch, weil sie gar nichts anderes kennen können. Woher denn bitte???
Ich stimme zu, es liegt auch an einer gewissen Konditionierung der Menschen. Allerdings kann sich jeder Mensch entscheiden, was er sich einflößt oder nicht. Leider gewinnt die Bequemlichkeit bei der Mehrzahl der Hörer. Aber das Medium Radio hat keine Garantie darauf, dass dies für ewig so bleibt. Das Radio hat die Mittel, die Persönlichkeit der Hörer zu entwickeln. Musik trägt dazu bei, aber auch Wort und Programminhalte.
Ich hoffe inständig, dass Radio seine integrative Funktion wieder lebt. Ein Anfang wäre ein Familienradio (Mehrgenerationenradio), dass musikalisch jung und alt verbindet. Davon hat auch die Gesellschaft etwas.
 
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#75
Ich hoffe inständig, dass Radio seine integrative Funktion wieder lebt. Ein Anfang wäre ein Familienradio (Mehrgenerationenradio), dass musikalisch jung und alt verbindet. Davon hat auch die Gesellschaft etwas.
Und sofort wird einer sagen:
"Wer soll das denn hören? Das ist doch ein Aufwand, den wir vor dem Hintergrund von Streamingportalen gar nicht mehr leisten können und wollen! Und wo sind die Redakteure, die so etwas stemmen könnten? Dann doch lieber zum 800sten Mal 'In the Army now' und eine 'Kulturkritik", die auch die Teletubbies verstehen können!"
Deine Idee, Dimi, ist so charmant, sie ist so naheliegend. So notwendig. Sie wird nie realisiert werden.
 
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