Media-Analyse 2019 Audio II: Reaktionen und Meinungen


Thomas Wollert

Administrator
Mitarbeiter
#1
Gegen 10 Uhr ist es soweit. Dann werden mit der ma 2019 Audio II erstmals die Hörerzahlen präsentiert, die auf einer Fusion von ma Radio, der Webradio- und der DAB+ Studie basieren. Jörg Sunnus ist Direktor Studienproduktion der agma-Tochter Media-Micro-Census GmbH und erklärt im RADIOSZENE-Interview, was sich bei den ma-Zahlen alles so ändert:

https://www.radioszene.de/134591/ma-zahlen-media-analyse-2019.html
 
#3
Vermutlich eher eine Mischung aus irritiertem Kopfschütteln und Belustigung. Für Berlin-Brandenburg: Berlin 88.8 über 30% plus, Radio Teddy fast 40% plus, BB Radio 20% plus und das schon vielfach totgesagte Radio Paradiso knapp 19% plus. Das darf dann schonmal die eingangs erwähnten Reaktionen hervorrufen. :D
 
#5
Da finde ich das System in den Niederlanden besser, wo es jeden Monat eine entsprechende Abfrage gibt. Dies ist wesentlich aktueller. Ob und wie es sich hier durchsetzen ließe, kann ich nicht sagen. Es ist sicherlich aufwendiger, da Rundfunk zum einen Ländersache ist und zum anderen das Zielgruppengebiet etwas größer ist (80 Millionen gegenüber 18 Millionen Menschen).
 
#7
Und gerade eben hörte ich die Jubelarie bei NDR 90,3 in Hamburg. Sie rühmten sich, dass sie weiterhin Platz 2 innehaben. Dass sie dabei aber massiv verloren haben, wurde mit keinem Wort erwähnt!
 
#8
Kurz überblickt, sofern das bei diesem neuen Zahlengewirr zusammen mit online und DAB möglich ist und große Fragezeichen. Sind bundesweite Programme wirklich derart erfolgreich? Die sind ja geradezu explodiert, also ich meine solche Wellen wie Schlagerparadies, sunshine oder Bob. Das deutet ja auf eine Veränderung des Radiomarktes hin, bisher war der eher stabil. In Niedersachsen haben alle gewonnen, in Hamburg brachte Alster die Umwandlung in Rock Antenne nix, weiter im Sinkflug.
 
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#9
Ich beobachte vor allem lieber die absoluten Zahlen als die Steigerungen. Wenn die Zahlen eines Senders von 4.000 nach 8.000 Hörern steigen, sieht das prozentual mit 100% natürlich super aus. Wenn ein Sender mit 340.000 Hörern um 4.000 steigt, sind das lediglich 1,17%, aber in absoluten Zahlen das Gleiche. Soll heißen, die Bewegungen wirken sich bei kleinen Sendern natürlich, prozentual betrachtet, höher aus. Aber wegen dieses Größengewichts achte ich lieber auf die zahlenmäßigen Steigungen und Gefälle.
 
#10
Interessant finde ich die 58.000er Tagesreichweite von MDR Klassik. DAB/DVB/Stream-only. Wie viele Falschnennungen (Verwechselungen mit MDR Kultur) es da gegeben haben mag? Die IP-Abrufe hingegen sind ja nicht verwechselbar. Schon interessant.
 
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#14
Diese MA räumt tatsächlich viele Zweifel aus. Vor allem die privaten Kollegen hier im Norden hatten immer gehofft, daß es, wenn ein Digitalsender die MA geschafft hat, in erster Linie um den Webstream handelt. Diesmal wird ja detailliert DAB, Online und der Rest aufgeführt. Ganz mies dürften sie bei RMS und anderen Werbeunternehmen dreinschauen, die doofen Deutschen hören weit mehr Radio über DAB als daß sie den Webstream einschalten, das ist diesmal bei vielen Programmen nachweisbar. Nur bei einigen "jungen" Wellen ist es umgekehrt. Das wirkt sich äußerst schädigend auf künftige Vermarktungsstrategien aus, die alle auf Personalisierung, Adressierbarkeit und Rückkanal fußen.

Internetradio muß hier weit besser werden, vor allem muß aber der Zugang über Mobilfunk erleichtert werden. Deutschland macht hier viel kaputt, alles könnte so viel besser laufen, wenn die Netze besser ausgebaut und die Kosten erschwinglicher wären. Da hat ein alleine von der Politik und ARD gewollter eigentlich technisch veralteter "Digital"standard natürlich leichtes Spiel. Ich bin froh nicht (mehr) in der Haut eines Veranstalters zu stecken. Die Programme sind dazu gezwungen auf DAB zu gehen, um nicht Reichweite zu verlieren, gleichzeitig bringt es ihnen außer Kosten null Gewinn. Klar, wer keine UKW Frequenz hat, der freut sich natürlich. Der Radiomarkt ist nicht nur dank Spotify in Bewegung geraten, da könnte schon in 5 Jahren nichts mehr sein, wie es fast zwei Jahrzehnte lang (aus Sicht der etablierten Veranstalter gut) war. Ob es den Radiomarkt nachhaltig schädigt, wird man sehen.

In jedem Fall muß der beschränkte und wegen online ohnehin immer kleiner werdende Werbekuchen neu aufgeteilt werden, für die großen bleibt immer weniger vom Kuchen über. Da wird es langfristig zu einer weiteren Ausdünnung des Contents und Entlassungen kommen.

Was mich am meisten ärgert: Während die DAB Befürworter eine Marketingkampagne nach der anderen starten und das offenbar auch Erfolg hat, habe ich gerade von Vaunet und großen Privaten, also den DAB Gegnern, noch nie eine "Webradio Offensive" vernommen. Das wirkt alles in meinen Augen ungläubig und zeigt nur, wie sehr man immer noch an UKW klebt und alle Kraft aufwendet diese Bastion wie das gallische Dorf gegen die Römer zu verteidigen, statt selbst mit neuen, IP basierten Digitalprodukten in die Offensive zu gehen. Eigentlich haben solche Veranstalter es nicht verdient zu überleben.
 
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#18
Als ob der Empfangsweg über die Quoten entscheidet.
Sicherlich auch, ja. Sender wie z.B. Klassik-Radio, SW-Radio oder SSL können alleine über die paar UKW-Funzel kaum nennenswerte Steigerungen der Reichweite bekommen. Dadurch dass Sie aber bundesweit auf DAB senden können ständig, nämlich mit jedem verkauften DAB-Radio, neue potenzielle Hörer dazukommen. Das schlägt sich dann natürlich auch in den Quoten wieder. SW-Radio wird ja mit 20 tsd. Hörern ausgewiesen, die wird man übers Netz oder die UKW-Funzel Kinzigtal wohl kaum erreicht haben. Auch das Schlagerparadies hat richtig gute Zugewinne. Auch hier ist davon auszugehen, dass die nicht über den Webstream zustande gekommen sind. Paloma hat ja, zum Vergleich, sogar Hörer verloren.
 
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#19
die wird man übers Netz oder die UKW-Funzel Kinzigtal wohl kaum erreicht haben. .
Ich besitze hier die detaillierte Aufschlüsselung nach DAB, Online und Rest. Schwarzwaldradio generiert seine Reichweite laut MA fast AUSSCHLIESSLICH aus DAB (19500 der 20000 Hörer schalten über DAB ein). Okay, Meßfehler sind immer dabei, einige Sender schlagen in der Statistik bei DAB auf, obwohl sie über diesen Verbreitungsweg gar nicht senden :)
 
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#20
Dann vergleiche mal die Bevölkerungszahlen des UKW-Sendegebietes (halb Offenburg, halb Lahr, Gengenbach, Biberach, Haslach, Elzach) mit der Bevölkerungszahl von Deutschland.
 
#21
Da hat ein alleine von der Politik und ARD gewollter eigentlich technisch veralteter "Digital"standard natürlich leichtes Spiel.
.... schrieb er wohl wissend, dass da noch ein paar mehr Aspekte eine Rolle spielen, die mit der Politik und erst Recht der ARD erstmal überhaupt gar nichts zu tun haben.

Die Programme sind dazu gezwungen auf DAB zu gehen, um nicht Reichweite zu verlieren
Hört hört, wenn man den Sendern vorschreiben will das sie auf DAB+ zu senden haben, ist das reinster Sozialismus. Wenn man aber den Hörern vorschreiben will, das sie ihr Programm gefälligst per Webstream zu konsumieren haben, ist das natürlich reine Marktwirtschaft.

Was mich am meisten ärgert: Während die DAB Befürworter eine Marketingkampagne nach der anderen starten und das offenbar auch Erfolg hat, habe ich gerade von Vaunet und großen Privaten, also den DAB Gegnern, noch nie eine "Webradio Offensive" vernommen. Das wirkt alles in meinen Augen ungläubig und zeigt nur, wie sehr man immer noch an UKW klebt und alle Kraft aufwendet diese Bastion wie das gallische Dorf gegen die Römer zu verteidigen
Nö. Das zeigt eher, das man auch bei Vaunet und Co sehr genau weiss, dass ihre Anti-DAB-Postulierungen schlichter Nonsens sind. So ganz blöd sind die dort ja auch nicht.

statt selbst mit neuen, IP basierten Digitalprodukten in die Offensive zu gehen.
....welche aus bekannten Gründen Nonsens sind. Solange es in diesem Land keine echten Datenflats für Handys etc. zu vernünftigen Preisen gibt, wird jede IP only basierte Digitalproduktion zum Rohrkrepierer. Und solange die Netzabdeckung so ist wie sie ist, braucht man über solche Dinge ohnehin nicht nachdenken. Der immer wieder gern angeführte Vergleich mit Spotify hinkt ausserdem, denn es ist nunmal nicht dasselbe. Bei Spotify suche ich mir in der Regel vorher sehr genau aus was ich hören will, kann es bei Bedarf vorher runterladen und dann halt bis zum Erbrechen in Endlosschleife dudeln lassen. Und genau das ist bei einem Radiostream nunmal nicht der Fall. Die Veränderungen im Hörverhalten begannen genau genommen mit der Marktreife des MP3-Formates Mitte der 1990er Jahre und dem parallel dazu rasante Fahrt aufnehmenden Internet und nicht erst mit Spotify.
 
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#22
Ich besitze hier die detaillierte Aufschlüsselung nach DAB, Online und Rest. Schwarzwaldradio generiert seine Reichweite laut MA fast AUSSCHLIESSLICH aus DAB (19500 der 20000 Hörer schalten über DAB ein).
Wenn auch ich "die detaillierte Aufschlüsselung" besitzen möchte, muss ich dazu ein registrierter Nutzer bei der agma (oder bei wem auch immer) werden?

Oder ist mit "die detaillierte Aufschlüsselung" diese pdf-Internetseite gemeint?

Falls ja: Wo ist dort in Bezug auf das Schwarzwaldradio eine Angabe "20000" oder (meinetwegen auch 0,020 Mio.)?

Ich entnehme der S. 30, Zeile "Schwarzwaldradio", nämlich folgende Zahlen:

- "Weitester Hörerkreis / Audionutzung Gesamt": 0,451 Mio.
- "Tagesreichweite / Audionutzung Gesamt": 0,069 Mio.
- "Weitester Hörerkreis / DAB+": 0,290 Mio.
- "Tagesreichweite / DAB+": 0,049 Mio.
 
#24
Möglicherweise deutet sich das an, wovor die UKW-Platzhirsche Angst haben und alle politischen Hebel in Gang setzen um es zu verhindern. Mit jedem neu verkauften DAB-Radioempfänger haben sie auf UKW einen Hörer weniger.
Den Rundfunkanstalten wird es egal sein, wie die Hörer sie hören, ob über UKW oder über DAB. Hauptsache, sie werden gehört. WDR 3 und auch WDR 5 verschenken sogar hin und wieder DAB-Radioempfänger.
 
#25
Krass, der Zugewinn in Berlin von RBB 88,8!!

Ich frage mich allerdings immer wieder, wer noch dieses BB Radio hört! Ich kenne niemanden.
 
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