Michael Jackson und die Radiosender


#76
Damit Du keinen Herzinfarkt bekommst, kann ich Dir (leider) nur empfehlen, Dir eine solche Distanz anzutrainieren, -gewöhnen, wie auch immer. Sonst wirst Du Dich leider noch oft erschrecken, zu was Menschen fähig sind. Letztendlich werden wir aber immer darauf angewiesen sein, was andere erzählen - und auch sie können (lediglich) ihre Sicht schildern, die Herr Jackson nicht mehr erwidern kann. Von daher bleibe ich persönlich einfach in jeder Richtung offen - gemäß dem Motto: es kann etwas Wahres dran sein - muss es aber nicht. Ich wäre aber auch nicht erschreckt, wenn er es gemacht hätte - wer Menschen kennt, weiß, dass sie zu allem fähig sein können - positiv wie negativ.
 
#77
Für mich ist es persönlich nicht so schockierend, weil ich nie Jackson Fan war und er für mich persönlich nie so eine große Rolle spielte, deshalb kann ich das Sehrohr distanziert sehen, der Film aber bewegt schon.

Im Gegensatz dazu ist es für mich schwierig heute „Hey Dad!“ oder die Bill Cosby Show zu sehen, daran habe ich tatsächlich sehr schöne Erinnerungen.
 
#79
Ja, das stimmt. Allerdings würde ich persönlich seine Musik jetzt auch nicht als erstes vermissen. Ich habe keine einzige Playlist/Mixtape etc. wo ein Michael Jackson Song drauf ist.
 
#80
Also... wo soll ich denn eigentlich anfangen?

Erstmal MTV. Das die keine schwarze Musik gespielt haben sollen in der Anfangszeit ist eine Legende. Richtig ist, dass man bei der US-Mutterversion von MTV schwarze Musik in den ersten zwei Jahren (1981-83) nur ausserhalb des Tagesprogramms sendete. Das gehörte aber mehr oder weniger zum Konzept des damaligen Programms. Dieses soll sich schlagartig nach einem Live-Interview mit David Bowie geändert haben. Davon abgesehen kam man ab Anfang 83 auch an dem damals bekanntlich noch schwarzen Michael Jackson ohnehin nicht mehr vorbei.


In Europa konnte zu der Zeit höchstens eine Handvoll Leute etwas mit dem Begriff MTV anfangen, denn MTV Europe startete erst 1987 und die deutschsprachige Version kam erst weitere 10 Jahre später. 1985 dürfte sich so mancher beim Hören des Dire Straits-Hits "Money for nothing" klammheimlig gefragt haben, wovon Mark Knopfler da eigentlich singt... " Now look at them yo-yo's, that's the way you do it, you play the guitar on the MTV. That ain't workin', that's the way you do it, money for nothin' and your chicks for free."

Was die Musik von Michael Jackson angeht, müßte man dann auch noch ein paar Sachen gerade rücken. Von Quincy Jones allein wurde lediglich ein einziges Album von Michael Jackson produziert, das hierzulande eher unbedeutende fünfte Solo-Album von Jackson "Off the wall", 1979. Bei "Thriller", 1983, war Jones zwar immer noch Produzent, Jackson hatte aber erheblich mehr Einfluss auf die Produktion genommen, weil er bei einigen Titeln als Co-Produzent agierte. Davon abgesehen war "Thriller" auch ein ziemlich deutlicher Bruch, denn auf den Vorgänger-Alben waren wesentlich mehr Discoklänge zu hören. Auf "Thriller" ist deutlich wahrnehmbar, wie verschiedene Musikstile kombiniert werden. Davon völlig unabhängig haben an "Thriller" auch nicht gerade wenige Musikgrößen der damaligen Zeit erheblichen Anteil: Eddie van Halen, fast die gesamte Band Toto, bei "The girl is mine" singt Paul Mc Cartney mit... usw.
Beim darauffolgenden, letzten von Quincy-Jones (mit-)produzierten Jackson-Album "Bad" ist es nicht viel anders. Wieder die halbe Toto-Band an den Instrumenten, Steve Stevens (Gitarrist von Billy Idol und Robert Palmer), bei "Just good friends" singt Stevie Wonder mit... usw. Bei "Bad" agierte Jackson bereits offiziell als Co-Produzent.
Bei allen weiteren Michael-Jackson-Alben variierten die Co-Produzenten. Quincy Jones ist aber nicht mehr dabei. Beim "History"-Album (1995) und bei "Invincible" (2001) taucht unter anderem R. Kelly als Co-Produzent auf, der seit geraumer Zeit bekanntlich ebenfalls dem Vorwurf sexuellen Mißbrauchs Minderjähriger ausgesetzt ist. Übrigens war wohl auch hier die Ursache für die Wiederaufnahme der Ermittlungen eine TV-Doku namens "Surviving R.Kelly", welche ganze sechs Stunden lang ist. R. Kelly lebt noch und kann sich jederzeit entsprechend äußern dazu, Michael Jackson nicht.
Nun kann man sich natürlich lange streiten, ob das alles so war oder nicht, was da in der HBO-Doku alles gesagt wurde. Ich persönlich fand das teils sehr erschütternd. Aber Jackson kann sich nunmal nicht mehr wehren. Und bestraft werden kann er letztlich auch nicht mehr.

Insgesamt ist das musikalische Werk von Michael Jackson schon sehr beachtlich, jedenfalls beachtlicher als hier mancher tut bzw. tat. Wer sich mal die Mühe macht und sich einige Songs jenseits der bekannten Hits anhört, wird da auch eine Menge musikalische Vielfalt entdecken. Vielleicht sollten Radiosender mal davon mehr spielen und nicht immer nur die gleichen abgedroschenen Stücke.
 
#81
Ist ganz schwierig, die Wahrheit wirklich rauszufinden. Klar drängt sich der Verdacht auf, dass vieles an den Anschuldigungen, die nun auch im Film wieder zur Sprache kamen, wahr ist. Trotzdem muss man sagen: MJ wurde nicht verurteilt, und damit gilt in einem Rechtsstaat die Unschuldsvermutung, so seltsam sein Verhalten zu Lebzeiten auch gewesen sein mag und so sehr einem das auch widerstrebt, wenn man sich nur mal ganz kurz vorstellt, dass auch nur eine der Anschuldigungen wirklich wahr sein könnte.

Klar kann man dann mutmaßen, er hätte sich die Freisprüche oder gar nicht erst erfolgte Anklagen durch entsprechende Zahlungen erkauft, oder er hätte viele Leute einfach nach Belieben zu seinen Gunsten manipuliert. Hilft nur alles nichts! Genauso könnte man auch mal laut darüber nachdenken, warum die Leute, die v.a. in dem Film nun plötzlich aus ihren Löchern gekrochen kommen, gleichzeitig mal eben Schadensersatz in Millionenhöhe einfordern! Wieviel Kalkül steckt dahinter, aus einem reichen Promi mit seltsamem (aber vielleicht nicht strafbarem) Verhalten und seinen Erben ein klein wenig Geld herauszupressen, nur weil man als Kind in dessen Dunstkreis unterwegs war und manche Dinge seltsam waren?

Deshalb hilft das Mutmaßen, was möglicherweise war oder sein könnte, nicht weiter, es bleibt eigentlich auch nach dieser Doku nur das, was rechtlich erwiesen ist. Und demzufolge ist MJ kein verurteilter Straftäter! Ich denke auch nicht, dass sich durch die Doku etwas gravierendes verändert hat: MJ war doch schon vorher genauso umstritten wie er es jetzt wieder ist! Da hätte man konsquenterweise also schon längst alle MJ-Titel aus der Rotation nehmen müssen, nicht erst jetzt, nur weil mal wieder neue Mutmaßungen aufkommen, was möglicherweise gewesen sein könnte, aber niemand beweisen kann.
 
#82
Was die Musik von Michael Jackson angeht, müßte man dann auch noch ein paar Sachen gerade rücken. Von Quincy Jones allein wurde lediglich ein einziges Album von Michael Jackson produziert, das hierzulande eher unbedeutende fünfte Solo-Album von Jackson "Off the wall", 1979. Bei "Thriller", 1983, war Jones zwar immer noch Produzent, Jackson hatte aber erheblich mehr Einfluss auf die Produktion genommen, weil er bei einigen Titeln als Co-Produzent agierte. Davon abgesehen war "Thriller" auch ein ziemlich deutlicher Bruch, denn auf den Vorgänger-Alben waren wesentlich mehr Discoklänge zu hören.
Hm. Also - ja, Quincy Jones hat auf "Off The Wall" allein den Ton angegeben, später war Michael Jackson ebenfalls zunehmend in die Produktion involviert. Allerdings halte ich "Off The Wall" für das markanteste Solo-Album Jacksons und das, auf dem er den größten qualitativen Sprung (nach oben) hingelegt hat. Motown/Tamla hatte in der Zeit davor ohnehin niemals das große Vertrauen in seine Interpreten bezüglich ihres Repertoires, wenn man sich vor Augen führt, wie hart Künstler wie Stevie Wonder oder Marvin Gaye darum kämpfen mußten, endlich mal ihren eigenen Krempel auf ihren Platten zu Gehör bringen zu dürfen; Michael Jackson war noch zu jung und als Solo-Künstler kommerziell nicht erfolgreich genug, um diesen Streit wirklich auszufechten, insofern weiß man nicht, was vorher schon an kreativem Potential in ihm schlummerte, aber ich schreibe Quincy Jones und dem Epic-Label zu, das Potential des Interpreten voll ausgeschöpft zu haben. Der "große Bruch" lag für mich also eher bei "Off The Wall", "Thriller" war für mich immer nur eine Art geglückte Fortführung einer Erfolgsgeschichte mit zusätzlichen Elementen, denn - ja, de facto war's dieselbe Crew hinter und vor dem Mikro plus ein paar Gäste (und Studios) mehr, Quincy Jones mit seinen Kontakten, seiner Experimentierfreude, seinem Gespür und Gehör für einen guten Song war der Leim, der alles zusammenhielt, was ich auch daran zu erkennen glaube, daß erstens es mit "Dangerous" qualitativ deutlich abwärts ging und zweitens die Solo-Alben von Quincy Jones in dieser Zeit ("The Dude", 1981, und "Back On The Block", 1989) verflixt gut zu hören sind (mir ohnehin lieber als Michael Jackson, der vielleicht ein prägender Entertainer gewesen sein mag, aber musikalisch ist der Output seinem Titel "King Of Pop" nicht unbedingt angemessen).

Wer sich mal die Mühe macht und sich einige Songs jenseits der bekannten Hits anhört, wird da auch eine Menge musikalische Vielfalt entdecken. Vielleicht sollten Radiosender mal davon mehr spielen und nicht immer nur die gleichen abgedroschenen Stücke.
Gilt nicht nur für Michael Jackson ...

Gruß
Skywise
 
#83
Ein großes Kompliment an Pro7. In der gesamten 4-Stunden-Doku waren glaube ich nur 3 Werbebreaks drin. Und diese äußerst kurz. Dazu jedesmal der Hinweis auf psychologische Hilfe, falls man selbst betroffen ist. Soviel Anstand hätte ich denen gar nicht zugetraut.
Wenn es denn überhaupt Anstand war. Vielleicht ließen sich ja auch einfach nur diese Werbezeiten nicht verkaufen!
 
#84
Wie gesagt. Eigenartig oder „abstrus“ finde ich, dass ein Mensch für sich einen ganzen Freizeitpark, eine Privatvideothek, ein Kino, einen Tierpark und diesen ganzen Kram auf der Neverland Ranch baut und scheinbar keine Freunde hat, die dort Spaß haben können, oder dass eine Modelleisenbahn durch sein Schlafzimmer fuhr. Das sind aber Dinge, die zwar dekadent wirken mögen, die aber Niemandem weh tun und das finde ich schon wieder irgendwie liebenswert, weil ihn das halt zu der kindlichen Figur macht, als den ihn alle sehen.

Oder auch, dass er wochenlang bei einer einfachen Familie zu Besuch war und dort gewohnt und sich wie zuhause gefühlt hat und das offenbar schön fand. Das macht ihn wiederum irgendwie ein Stück weit zugänglich und ein Bisschen normal. Weil das seine Sehnsucht nach Menschen und Aufmerksamkeit zeigt, die man nicht kaufen kann und wenn man so reich und berühmt ist, ist es unmöglich, einzuschätzen, wer dein Freund ist und wer Dir einfach nur folgt, weil du Geld hast.

Und auch, dass er gerne von Kindern umgeben war oder Bezug zu ihnen aufbaute ist völlig ok und in Hinblick auf seine Vergangenheit nachvollziehbar.

Aber ab ner gewissen Ebene wird die Nunmer halt absolut pervers. Selbst wenn das mit dem Missbrauch nicht stimmt, bleiben einige Dinge, die einfach nur abartig sind und wo ich ihn schon allein deshalb für verurteile und das sind auch Alles Dinge die nachweisbar sind.

Da ist es mir egal was die Justiz sagt.

Aber natürlich: ich kenne ihn nicht und ich verurteile auch Niemanden, der meint es sei anders, ich denke nur, die Leute, die da ausgepackt haben, haben sich keinen Gefallen getan. Freiwillig solche Lügen zu erzählen und zu riskieren, dass man von Fanatikern vielleicht angegriffen oder gar ermordet wird um evtl. Ein Bisschen Geld damit zu verdienen haben glaub ich Beide nicht nötig. Finanziell geht’s denen glaub ich ganz gut und Beide haben einen guten Ruf in der Szene, soweit mir bekannt ist. Wäre also schon sehr waghalsig, zumal dann auch noch die Familie mit rein gezogen würde und der Fame den man da kriegt ist kein positiver.

LG Tobi
 
#85
@Skywise
Das "unbedeutend" bezog ich eher auf die Verkaufszahlen. Während "Off the wall" bei den Amis bereits durch die Decke ging, kam bei uns ja eigentlich erst mit "Thriller" der tatsächliche Durchbruch. Die musikalische Veränderung ist natürlich auch schon auf dem Wall-Album deutlich zu hören, keine Frage.

@DOSORDIE
Ich denke mal die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Auf der einen Seite haben viele Leute an Jackson gut verdient (und tun es noch), deshalb wird er auch ein Stück weit von manchem gedeckt worden sein. Der damalige Kinderstar McCaulay Culcin wäre so ein Beispiel, was in der Doku auch kurz zur Sprache kam. Bis heute ist er der felsenfesten Meinung da wäre nie was gewesen. Andererseits gibt es aber wohl auch Aussagen ehemaliger Angestellter von Jackson, dass man ihn in zumindest fragwürdigen Situationen erwischt haben soll. Die tatsächliche Wahrheit wird wohl aus bekannten Gründen auf ewig im dunkeln bleiben.
 
Zuletzt bearbeitet:
#86
Naja der Film beschreibt ziemlich genau, warum das so ist. Es ist nicht nur, dass es eine wahnsinnige Überwindung und Kraft kostet, sowas zu einzugestehen, sondern auch, dass man erst mal begreifen muss, dass man überhaupt misshandelt wurde. Die haben das ja erst mal gar nicht so empfunden und außerdem muss es ja nicht sein, dass er jeden Jungen angefasst hat, mit dem er sich mal angefreundet hat. Allerdings war McCauly Culcin ja auch kein unbeschriebens Blatt.

Möglicherweise ist Jackson - wenn er ihn tatsächlich auch missbraucht hat - an seiner späteren Drogenkarriere nicht unschuldig, aber das sind jetzt natürlich auch nur Mutmaßungen....

LG Tobi
 
#88
Kann es sein, dass Michael Jackson (zumindest hier im Süden) momentan eher sogar öfter gespielt wird als sonst, oder bin ich nur durch diesen Thread darauf sensibilisiert?
 
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