Schoeps draußen im Zeppelin?


codcaster

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Moin!

ich überlege, ob ich meine Schoeps Superniere (CMC1+MK41) auch mal draußen einzusetzen kann: Für Interviews im Freien und ggf. Atmo (mit Kugel-Kapsel MK2s?).

Allerdings weht hier im Norden oft ne steife Briese, deshalb sollte sie wohl in einen Korb wie den Rycote WS 9 Kit MZL:


Hat jemand Erfahrungswissen in Bezug auf MK41 bei Wind und Wetter (Feuchtigkeit etc.)?

Oder ist es dafür eher nicht geeignet, und ich sollte mir lieber ein MKH416 mit dem großen Zeppelin leihen?

Vorteil des Schoeps wäre natürlich das kleine Packmaß.

Danke für Eure Hilfe!
 

Neper

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Ein Druckempfänger ist grundsätzlich weniger anfällig für Windgeräusche als ein Druckdifferenzempfänger. Ich setze an der franz. Kanalküste für Atmos auch gern Kugeln ein, wenn es ruppig wird. Da reicht oft sogar ein Schaumnetz mit übergezogenem Fell.
 

Funkminister

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Da die Schoeps MK41 in diesem Fall als gesetzt zu betrachten ist, kann ich den Windkorb erst einmal sehr empfehlen, weil er das Mikrofon komplett einpackt und so gewissen Wetterschutz bietet. Fell drüber, und auch Nieselregen ist kein Problem. Die Handhabung ist mit dem Handgriff enorm praktisch, er hat ein Stativgewinde für den Fall dass eine feste Aufstellung gewünscht ist oder geangelt werden soll, und zu guter letzt kann man das Mikro auch getrost im Windkorb transportieren und muss den Kram nicht vor Ort zusammenfriemeln.
Eine Kugelkapsel ist für Atmos durchaus eine Überlegung wert, das Problem Körperschall (Wind und Griffgeräusche) ist dann auch wirklich keines mehr, wie @Neper schon schrieb.

Die Luftfeuchtigkeit im mitteleuropäischen Raum halte ich für unproblematisch, da setzen fliegende Speicheltröpfchen einem ungeschützt besprochenen Mikrofon mehr zu.
 

NM

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[...] ein MKH416 mit dem großen Zeppelin leihen?

Genau damit würde ich anfangen: Mit einem geliehenen Set aus Mikrofon (z. B. Sennheiser MKH 416-P48U3), Windschutzkorb und Windschutzhülle plus Tonangel.

Das hätte erstens den Vorteil, dass Handling kennenzulernen: Interview, Atmo, Pistolengriff (falls vorhanden), elastische Aufhängung sowie Griff- und Bewegungsgeräusche, Ton bei unterschiedlichen Windstärken.

Zudem bewegt man sich preislich im akzeptablen Bereich, bevor zu Lösungen wie Cinela Cosi mit Karbon-Tonangel gegriffen wird.
 
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codcaster

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Genau damit würde ich anfangen: Mit einem geliehenen Set aus Mikrofon (z. B. Sennheiser MKH 416-P48U3), Windschutzkorb und Windschutzhülle plus Tonangel.
Wie @Funkminister schrieb, habe ich ein MK41. Da ein geliehenes MKH 416 auch eine Option wäre, stellt sich die Frage, ob das Sennheiser-Richtrohr der Schoeps-Superniere in irgendeinem Bereich überlegen ist und für bestimmte Anwendungen vorzuziehen wäre?

Bei mir hat sich ein Rode NT5 bei Außenaufnahmen im Hafen von Dünkirchen sprichwörtlich mit einem Knall verabschiedet.
Klingt schlimm. War das ein Einzelfall? Manche Richtohre sollen angeblich zum knistern und knacken neigen (in tropischen Einsatzgebieten, liest man).
 

Pianist_Berlin

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Wenn Du schon eine Kapsel MK41 (vermutlich mit CMC 6?) hast, würde ich genau damit arbeiten und über nichts anderes nachdenken. Dafür einfach einen passenden Korbwindschutz mit Federhalterung und Fell anschaffen, und Du hast eine sehr gute Lösung. Meiner Meinung nach müsste ein WS1-Kit von Rycote passen.

Übrigens für alle Mitlesenden: Da ich ein MKH 416, ein MKH 60 und ein MKH 8060 habe, kann ich definitv sagen, dass mir das MKH 416 klanglich am besten gefällt. Das MKH 60 habe ich vor 20 Jahren nur deshalb gekauft, weil zu diesem Zeitpunkt das MKH 416 nicht mehr produziert wurde. Offenbar kam dann doch von vielen Seiten der Wunsch, das MKH 416 wieder zu fertigen, und so habe ich dann später eins gekauft.

Matthias
 
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Cavemaen

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#7:

Vermutlich wurde nach einer Reparatur das Versiegeln der Platine vergessen, oder die Kapselmembran hatte Feuchtigkeit gezogen.

Bei einer Instandsetzung einer M12 hatte ich mal einen Folien-Kondensator der blöd machte bei Themperaturschwankungen.

Habe mein KMR-82 im Reycote-Blimp drin und das alte Teil macht es noch immer (an der Nagra).

Dafür hatte ich mehrere MD421 und MD21, die den Feuchtigkeitstot erlagen...

R.
 

Funkminister

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Reporter(*innen) basieren halt auf einem technischen Konzept, das seit Jahrtausenden auf Wasserbeständigkeit setzt - äußerlich wie innerlich ;)

Klanglich habe ich zwischen 416 und MKH60 keine Präferenz, an letzterem finde ich aber die schaltbaren Filter (Hochpass, Höhenanhebung) und die Dämpfung praktisch.
 

Pianist_Berlin

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Ich hatte das MKH 60 jahrelang als Kameramikrofon an meiner Ikegami. Der vordere Teil war immer durch einen Softie geschützt und der hintere Teil durch die Halterung der Kamera. Sieht praktisch aus wie neu. Irgendwie habe ich dafür keine Verwendung mehr. Also wenn es jemand kaufen möchte, möge er sich gerne bei mir melden. Mit Originalklemme und Originalverpackung, Rechnung mit ausgewiesener Umsatzsteuer.

Matthias
 

Cavemaen

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#11:

Ein dyn. Mikrofon stirbt nicht sofort, sondern erst dann, wenn die Feuchtigkeit Zeit hat zu wirken.
Im Service wurde mir mal ein verrosteter Dauermagnet gezeigt - so etwas hatte ich noch nicht gesehen!

Es ist auch von einer NAGRA bekannt, dass die bei Dreharbeiten in einen Bach fiel.

Nachdem die Platinen gezogen und über Nacht auf dem Heizkörper getrocknet wurden, lief die am Folgetag weiter.

Viele Kondensatormikrofone versterben, da ihnen zuviel Aufmerksamkeit im Bezug auf "nasse Aussprache" zuteil wurden, welche den Weg unter die Membran fand und einen Kurzschluß zwischen Anode & Kathode verursachte.

Mein Rat an dieser Stelle:

Bei Außenaufnahmen einen Faustwaschlappen über das Mikro stülpen und gut isses, Anwendbar bei Spache, Gesang und Wind wenn man kein geeignetes Zubehör zur Hand hat.

Den hört man nicht, nimmt keine Präsenzen weg wie der Schaumstoffklumpen, ist frei von Windgeräuschen, schützt vor "nasser Aussprache" und kann mit den Socken gewaschen werden!

R.
 
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NM

Benutzer
Mein Rat an dieser Stelle:

Bei Außenaufnahmen einen Faustwaschlappen über das Mikro stülpen und gut isses, Anwendbar bei Spache, Gesang und Wind wenn man kein geeignetes Zubehör zur Hand hat.

Den hört man nicht, nimmt keine Präsenzen weg wie der Schaumstoffklumpen, ist frei von Windgeräuschen, schützt vor "nasser Aussprache" und kann mit den Socken gewaschen werden!

R.

Im Grunde genommen eine sehr gute Idee. Ich benutze die alten Fausthandschuhe meines Großvaters (Wolle, bereits gestopft) zurzeit als Mikrofonschutz.

Aufgrund dieses Hinweises werde ich sie einmal als "provisorischen Windschutz" alternativ zum Schaumnetz einsetzen.

Gegebenenfalls mit Corona-Schutz-(Frischhalte-)Folie als zusätzlicher Barriere. Hier befürchte ich allerdings Störgeräusche. Meine Handschuhe mit Windstopper (z. B. Gore) könnten bessere Ergebnisse bringen.

Vorteile könnten tatsächlich weniger Verluste in bestimmten Frequenzbereichen sein.

Das Problem bei Handschuhen dürfte fehlendes Luft-Volumen sein. Der entscheidende Vorteil von Blimps, wie ich einem Schoeps-Vortrag entnommen habe.

Leider werden solche Versuche aber ein MD-421 von Sennheiser nicht ausreichend windunempfindlich machen. Meiner Erfahrung nach treten schon bei sehr schwachem Wind, der leicht aufbrist, mit Schaumnetz Polter- und Knallgeräusche auf. Eine Korblösung gibt es für dieses Mikrofon, das hervorragend ohne jeglichen Filter auskommt (ich habe auch noch nie den Bassschalter benutzt), meines Wissens nach nicht.
 

Funkminister

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Es gab zumindest für das MD21 einen Korb zum aufstecken, ich habe ein Exemplar mit NDR-Banderole hier irgendwo herumfliegen.
Fürs MD421 ist mir auch noch keiner begegnet.
 

Pianist_Berlin

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Dochdoch, sowas gab es:

mzw_421.jpg

Ist heute natürlich nicht mehr erhältlich. Meinen habe ich damals von Sennheiser geschenkt bekommen, weil es sich um das letzte im Lager vorhandene Exemplar gehandelt hat.

Matthias
 

Cavemaen

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Dieser Winschutz heißt Sennheiser MZW-22, der auch auf das MD21 passt.

Auch gab es einen aufsteckbaren Rahmen, in dem das Sender-Emblem halbrund plaziert werden konnte.

Der RIAS hatte das u.a. und frühere Reporter standen damit in der Landschaft, am anderen Ende war die obligatorische Nagra III oder 4.2 (oder IV-L).

R.
 

NM

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Ja, so war das mal (Präteritum).

Diesen schönen Windkorb findet man heute leider nur noch als Vintage-Artikel im Internet. Ich hätte dabei Bedenken, dass der Kunststoff Alterserscheinungen zeigt und bricht.
 
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