Senden von zu Hause, wie funktionierts?


#1
Wegen der Corona-Pandemie wird ja allerorten (wo denn möglich) auf Homeoffice umgestellt, MitarbeiterInnen in der Redaktion haben es da natürlich leichter als das sendende Personal und doch gibts das auch dort zunehmend, u.a. hab ich es gestern von Bayern 1 mitbekommen.

Und da ein Moderator bei einem großen Sender ungleich mehr zu tun hat als nur Musik abzuspielen, stellt sich natürlich die Frage, wie das in der Praxis gelöst wird, z.B. hinsichtlich der Gewährleistung der Übertragung (sitzt da noch ein "Backup" im Studio so wie früher bei Liveübertragungen von Außenveranstaltungen?), Zugriff auf die Beiträge und Musik, Audioqualität der Moderationen usw.
 
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#2
Es kommt drauf an. Es gibt hier viele verschiedene denkbare Möglichkeiten.

Es fängt ja schon an mit der Frage, was Du mit Zugriff meinst.
Das einfachste wäre, wenn von den privaten Rechnern per Remotezugriff auf den Arbeitsplatzrechner oder auf eine virtuelle Instanz dessen zugegriffen wird.
Da freuen sich die Admins, gibt's die gerinsten Sicherheitsbedenken (jedenfalls zur Durchsetzung der Rechtestruktur). Stichworte hierfür: Remotedesktop, Terminalserver, TeamViewer, Citrix, AnyDesk.

Oder du nimmst den PC mit nach Hause und klemmst ihn an einen VPN-Router, der Zugriff auf das Redaktionsnetzwerk bietet. Soviele Router dürften aber nicht so schnell aufzutreiben sein.

Oder Du installierst die Redaktionssoftware auf dem privaten PC und baust eine Software-VPN-Lösung auf.
Katastrophe für Admins und Lizenzmanagement.

Und für den Studiobetrieb?

Da gibt's wieder unendlich viele Ansätze, die oberen Beispiele verästeln sich erneut.

+++ NACHTRAG +++

OK, das war zu unkonkret.

Senden von zu Hause:

Minimalkonfig:
- Mikrofon
- Kopfhörer
- Luci Live

Wunschkonfig:
- Mikro
- Kopfhörer
- Hardware-Audiocodec der Saison
- DHD 52/DX
- VPN-Router
- Turboplayer-PC -> Dante, Ember+
- Laptop mit DBM / Easytrack nebenan
- höhenverstellbarer Tisch
- Lautsprecherboxen

Joah, damit hätte ich auch Spaß :)
 
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#3
Okay, Danke schonmal, da war ich wohl etwas unpräzise, mit dem Zugriff meinte ich all das was sonst eben im Studio-PC "bereit liegt", Musik, Beiträge, Verpackungslemente usw.
 
#4
Prinzipiell kann man heutige Sendepulte auch aus der Ferne bedienen. Ist eh alles IP. Das Audio bleibt dabei im Funkhaus und wird nicht durch die heimische Behelfs-Infrastruktur geschleust. Wenn entsprechend eingerichtet, kommt man so auch an alles, an was man im Funkhaus kommt (Bedienung des Sendesystems und des Mischpultes, evtl. auch Bedienung des Telefonsystems).

Und das ist alles gar nichts neues. Das konnten eher kleinere Privatsender auch schon 2011: https://www.radioszene.de/28706/landeswelle-thueringen-ein-hauch-von-minority-report.html

Die Lawo-Pulte, die es in zahlreichen ARD-Anstalten gibt, sind genauso auch fernbedienbar. Stichpunkt Vistool.

Fürs Moderieren braucht man freilich dennoch eine Codec-Verbindung, idealerweise eine latenzarme. Fette Datenraten braucht man da aber nicht, schon 96 kbps mono LC-AAC langen da hin, dass niemand mehr was merkt. Latenzärmer wäre LD-AAC, da fehlt mir die Erfahrung, bei welchen Bitraten das für sowas taugt. Eine Rückleitung ist frelich auch nötig, letztlich der "verlängerte Studiokopfhörer". Und da können Latenzen schnell "tödlich" werden.

Das alles lässt sich freilich nicht innerhalb weniger Stunden von einem wegen Corona selbst daheim isolierten Funkhaustechniker einrichten...
 
#5
Ich erinnere mich dunkel an einen Ü-Wagen eines mir entfallenen Senders, der schon weit vor 2011 das Pult (kein DHD) fernbedient hat, und nur Moderationsaudio per ISDN-Codec ins Studio gesendet hat.

In meinem Heimatsender hat N-JOY das "Home-Studio"-Senden aktuell praktiziert, ganz so groß wurde die Nummer technischerseits aber nicht aufgezogen: MuPro-App, halbwegs taugliches Mikrofon, Kopfhörer und fertig ist der Korrespondentenplatz. Da das bei Sendungen mit Doppelmoderation gemacht wurde, war einer der beiden Moderatoren im Studio und hat die Sendung wie gewohnt abgewickelt.
Ein Fernzugriff von Extern via Citrix ist zwar möglich, transportiert aber kein Audio oder Video. Im Dira-System arbeiten geht also nicht.
 
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#6
Sendungen werden größtenteils teilweise schon Wochen im voraus produziert und jeder "Rundfunkschaffende" kennt seine Playlist (ist eh fast immer die gleiche).

Alternativ sitzt noch jemand hinter der Scheibe am Pult und spielt Dateien mit Musik und Interviews ab, quasi als Mittelsmann zwischen "Home-Office" und Schaltraum.

Problematisch ist hierbei die Laufzeitverzögerung von einigen hundert Millisekunden, da die gehörten Files mit dem Augenblick der Anmoderation geschätzt werden muß - oder auf Signal erfolgt, da man kein Peakmeter von zu Hause aus verfolgen kann.

Habe letzte Woche BR1 gehört (HR1 ging mir auf den Senkel), wobei der Moderator stolz auf das funktionierende Smartphone war, von dem er aus sprach.

Qualitativ hatte ich daran nichts auszusetzen, gut gemacht!

Werner Reinke sagte letztlich in seiner Sendung, dass er im Nebenstudio sitzt und die Kollegin die Nachrichten nebenan spricht - räumlich getrennt.

Dazu die Info, dass aufgrund möglichen Sendeausfalls ein Nachbarstudio immer kalt mitläuft und bei Havarie rasch reaktiviert wird.

Wie läuft das bei €uch?
 
#7
Bei MDR SPUTNIK war es so, der Moderator war von Zuhause aus übers Internet mit einer Low Latency Leitung ins Sendestudio geschaltet und ein Redakteur saß im Studio und hat die Jingles gesteuert und die Musik abgespielt.
 
#8
... so etwas dachte ich mir schon, ohne Techniker im Sender geht das nicht.

Ich habe früher vorproduziert und eine Sendung war immer auf Vorrat da.

R.
 
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