SWR1: Großes Radio mit Macken


Das stimmt so aber nicht. Die dritten Programme (SDR 3 und SWF3) erfüllten sehr wohl diese Funktion. Außerdem gab es bis in die achtziger ja fast nur drei Programme pro Rundfunkanstalt. Erst dann kamen die vierten Senderketten auf, wo alles landete was in den drei anderen nicht gewünscht war. (Gastarbeitersendungen) und die ersten regionalen Fenster.
Und damit machten die vierten Senderketten auch noch einen Sinn!
Die alten Sendungen mit den "alten" Moderatoren der ersten Senderketten, die Regionalprogramme, sowie die Sendungen für die Gastarbeiter. All das fand seinen guten und wohlverdienten Platz in den Vierten. Dazu noch die Musik der älteren Generation, also für die Hörerschaft 60+, überwiegend deutschsprachige Musik, Schläger, Evergreens und Volksmusik, der Sound der Heimat eben. Alles das was einen Regional- bzw. Heimatsender eben so ausmacht.
Mittlerweile wurde das bei vielen, v. a. auch beim SWR aufgegeben. Die alten, bekannten Sendungen aus den ehemaligen Einsern gestrichen. Die altgedienten, wohlbekannten Moderatoren im Ruhestand (zuletzt Michael Branik). Die Regionalsendungen und Gastarbeiterprogramme gestrichen. Das Programmschema nahezu glatt gebügelt, keine griffigen, inhaltsbzogene Sendungsnamen mehr. Keine Volksmusik mehr. Die Musikauswahl bzw. - Farbe stark Internationalisiert.
 
Die vierten Senderketten kamen auf, nachdem Privatradio lizensiert wurde und Ernst machte mit Lokalfunk. Da merkte der SWR plötzlich, dass ihm hier eine Konkurrenz erwuchs - und sofort entdeckte er seinen Grundversorgungsauftrag, der dann dieses vierte "Regionalprogramm" legitimierte.
 
Am Heftigsten fand ich um 13.16 die Anmoderation von Barbara Scherrer, die es allen Ernstes zur Sensation erklärte, dass Ed Sheeran und Justin Biber einen Song gemeinsam machen, - als hätte es das nicht schon längst mit Millionenerfolg gegeben. Soviel zur Musik-Expertin Scherrer.
Eine Sensation? Aber eine ziemlich fürchterliche. Einzeln sind die beiden schon nicht zu ertragen.
Erinnert stark an die fürchterliche Zusammenarbeit von Whitney Houston und Mariah Carey, zumindest was den Horrorfaktor angeht.
 
Die vierten Senderketten kamen auf, nachdem Privatradio lizensiert wurde und Ernst machte mit Lokalfunk. Da merkte der SWR plötzlich, dass ihm hier eine Konkurrenz erwuchs - und sofort entdeckte er seinen Grundversorgungsauftrag, der dann dieses vierte "Regionalprogramm" legitimierte.
Das stimmt nur teilweise. Erstes Regionalprogramm mit eigener UKW-Frequenz im Südwesten war 1979 das SDR Kurpfalz-Radio, 1981 folgten dann Radio Stuttgart und SDR Schwaben-Radio aus Ulm. Die Privaten starteten in BaWü erst 1988/89.
Anders sah es beim SWF aus, dessen Regionalprogramme kamen erst Ende der 1980er und damit quasi zeitgleich mit der privaten Konkurrenz.
1991 wurde mit "S4 Baden-Württemberg" das gemeinsame Mantelprogramm von SDR und SWF für die vierte Kette geboren. Zuvor hatten die Lokalredakteure beim SDR heute unvorstellbare Freiheiten bei der Programmgestaltung.
 
@Funker
Die Kausalität stimmt dennoch. Und das siehst du auch daran, dass jetzt (seit einigen Jahren), da die ursprünglich "Lokalen" sich bis auf "Wetter+Verkehr" total von der lokalen Programmgestaltung abgemeldet haben, auch der SWR komplett sein diesbezügliches Engagement in SWR4 zurückfährt. Feind erledigt, da braucht man keine Geschütze mehr ...
 
Dass im dualen System die Öffis auf die Privaten reagieren und umgekehrt stimmt natürlich - ist aber auch keine ganz neue Erkenntnis. Falsch hingegen ist deine Ausführung, wonach die Regionalprogramme der ÖR aufkamen nachdem Privatfunk lizenziert wurde.

Beim SDR gab es 1975 bereits ein tägliches, zweistündiges Lokalfenster im dritten Programm für Mannheim/Heidelberg, nannte sich "Neues auf 99,9". Dessen großer Erfolg war der Grund, warum der damalige SDR-Intendant Hans Bausch die Gründung eines eigenen Regionalprogramms forcierte, was dann 1979 unter dem Namen Kurpfalz-Radio on air ging. Ob und wann Privatradio kommen würde, wusste Mitte der 70er kein Mensch.

Heute ist der Spardruck bei den Öffis immens, das siehst du auch am inhaltlichen Kahlschlag bei SWR1. Davon bleiben die Regionalfenster im Vierten nicht verschont, unabhängig davon, ob die Privaten - wie jüngst RPR1 - ihre lokalen Sendestrecken wieder deutlich ausbauen.
 
Beim SDR gab es 1975 bereits ein tägliches, zweistündiges Lokalfenster im dritten Programm für Mannheim/Heidelberg, nannte sich "Neues auf 99,9". Dessen großer Erfolg war der Grund, warum der damalige SDR-Intendant Hans Bausch die Gründung eines eigenen Regionalprogramms forcierte, was dann 1979 unter dem Namen Kurpfalz-Radio on air ging. Ob und wann Privatradio kommen würde, wusste Mitte der 70er kein Mensch.
Nicht ganz korrekt @Funker! Neues auf 99,9 war ein regionales Mittagsmagazin welches seit Oktober 1970 produziert wurde und stets zwischen 13 und 14 Uhr lief (die Anfangszeit varierte). Die Idee hierfür hatte seinerzeit Bernhard Ballhaus und Hannes Liebenstein. Was Du meinst war die Frühausgabe auf 99,9. Diese gab es von April bis Oktober 1975 zur damaligen Bundesgartenschau in Mannheim. Die Sendungen wurden wie das Neues auf 99,9 von Montag bis Samstag produziert: Allerdings ging Sendung immer von 6:05 bis 7:30 Uhr. Also nur 1 1/2 Stunden. Die Idee zu diesem Format kam auch von den erwähnten Namen. Richtig ist, dass mit dieser Sondersendereihe der Versuch eines subregionalen Magzins erfolgreich gestest wurde.
 
@Radiofreak01 Du hast völlig Recht. Ich bezog mich auf das regionale Frühmagazin, das 1975 eingeführt wurde und in Mannheim Stadtgespräch war. Daneben gab es bei SDR3 quasi ab Sendestart 1970 noch das Regionalmagazin am Mittag. Initiator der Regionalsendungen im SDR war Bernhard Ballhaus, der spätere Mannheimer Studioleiter. Für die Entwicklung der journalistisch fundierten Regionalmagazine in den 70ern wurde er später mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Intendant Bausch wiederum nahm den großen Zuspruch für die Regionalmagzine im Dritten zum Anlass, eigenständige Regionalprogramme in Mannheim, Stuttgart und Ulm zu forcieren. Diese starteten ab Mai 1979 auf UKW und bildeten die Grundlage für die vierte Kette im Südwesten.
 
1991 wurde mit "S4 Baden-Württemberg" das gemeinsame Mantelprogramm von SDR und SWF für die vierte Kette geboren. Zuvor hatten die Lokalredakteure beim SDR heute unvorstellbare Freiheiten bei der Programmgestaltung.
Ein "Mantelprogramm" gab es auf SDR4 bereits vor 1991. In den Zeiten wo keine eigenen bzw. Regionalsendungen ausgestrahlt wurden waren auf den Frequenzen des vierten Programms die Sendungen des ersten Programms zu hören.
SDR1 bildete also sozusagen den Mantel für SDR4. Ein durchaus sinnvolles Konzept, über dessen Wiedereinführung beim SWR mal nachgedacht werden sollte.
 
Ein "Mantelprogramm" gab es auf SDR4 bereits vor 1991.
Nein @FraFis : Da hieß das Programm schon S4 Baden-Württemberg

SDR1 bildete also sozusagen den Mantel für SDR4.
Auch das stimmt nicht. Es gab eigenes Programm meines Wissens. Möglicherweise gab einzelne Stunden wie z. B. das Nachtprogramm was dann aber ja auch vom ersten Programm übernommen wurde. Muss aber nochmal heute Nachmittag überprüfen. Die Unterlagen habe ich nicht hier.

Aber mal von dem abgesehen: Wenn so weiter geht ( :D) sollten wir zum Thread "SWR 4-Reform wechseln. Der hier geht ja immer noch um SWR 1 BW.
 
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