Überreichweiten und Empfangsstörungen durch Inversionswetterlage etc.


Muss man dafür besondere Empfänger haben? Denn ich hab gar nichts in der Richtung empfangen können. Oder gibt es etwa "tropolose" Gegenden in denen es nie Überreichweiten gibt (mein persönlicher Eindruck von Ludwigshafen, Rhein-Neckar Region, habe hier in den 1 1/2 Jahren die ich jetzt hier bin noch nie Überreichweiten reinbekommen)
Nein, man benötigt keinen besonderen Radioempfänger.

Aber man benötigt zum nachvollziehen von Überreichweitenempfang, den Standort (QTH), die Uhrzeit des Reports und vielleicht eine ungefähre Angabe der Signalstärke durch den Meldenden.
Es wird einfach übersehen, das Tropo-Ducte nach dem elektromagnetischen Prinzip der Grenzschichtreflektion funktionieren. Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel, entweder wie ein großer Reflektor der am Himmel steht.
Oder zwischen zwei unterschiedlich dichten Luftschichten, die die elektromagnetischen Wellen zwischen ihnen, wie in einem "Schlauch" weiterleiten.
Sie können Tage lang, stundenweise, oder nur wenige Minuten auftreten. Je nach Wetterlage. (s.u.)

Steht man beispielsweise am richtigen Standort zur richtigen Zeit, kann (konnte) man während einer Tropo-Überreichweite mit einem FM-Funkgerät vom Standort Ruhrgebiet, problemlos mit Stationen in St. Petersburg klar und deutlich kommunizieren und Gespräche führen. (Im UHF-Amateurfunk Bereich auf dem 70 cm Band bei 430 - 440 MHz, schon einige Jahre her, hilt mehrere Tage, war großartig, hing über halb Europa, hatte auch unsere eigene UKW-Sendefrequenz mit französischen Stationen "gehackt".)

Also gebt bei Überreichweiten Meldungen bitte immer euren Standort und die Uhrzeit an.

Beobachtet man selber Nebel an seinem Wohnort der sich lange hält, weil er durch überlagernde Luftschichten (mit einer anderen Massendichte) nicht aufsteigt, kann man schon mal probieren Radio DX zu machen.
Nach meiner Erfahrung geht es am besten wenn sich über Nacht ein deutlich kältere, trockene Luftschicht über eine wärme Luftschicht am Boden legt, dort drüber liegen bleibt und die Sonneneinstrahlung das nicht "vertreiben" kann.

Mehr Infos zu dem spannenden Radio Phänomen: https://en.wikipedia.org/wiki/Tropospheric_propagation
Aktuelle Voraussagekarten: https://tropo.f5len.org/forecasts-for-europe/
http://www.dxinfocentre.com/tropo_eur.html

ES wurde weiter oben im Thread schon gut erklärt.


Schöne Grüße

Codo
 
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Die Troposphäre, in der sich das Wetter abspielt, reicht nur bis in 10 km Höhe. Eigentlich...

Trotzdem gibt es Wetterereignisse, die evtl. für sporadic E auch interessant sind und einen bislang noch ungeklärten Einfluss haben _könnten_, die sich auch darüber abspielen, und das zufällig ungefähr bis zu einer Höhe von 80 km (wo sich das sporadic E-Geschehen abspielt).
Übermorgen kommt die Schafskälte, dann dürfen wir mal gespannt sein, ob die Überreichweiten, die in den letzten Tagen zu beobachten waren, dann abnehmen oder ob sie weiterhin stattfinden...

Danke iro für die Ausführungen :)
 
Kann denn jemand bestätigen, dass die Rhein-Neckar-Region eher Überreichweiten ungeeignet ist? Ich sprech von normalen Überreichweiten mit bis zu 400km Entfernung, die in den meisten Regionen Deutschlands ja mit großer Regelmäßigkeit auftreten (was ich ja auch selbst schon erlebt habe) , nur in Ludwigshafen halt nicht, was mich ja eben verwundert. Dachte eigentlich man könnte hier bei Tropo Thüringen, Nordhessen, Oberfranken, Mittelfranken oder Sender aus der Lorraine/Belgien oder NRW empfangen. Aber nichts dergleichen. Wie kann das sein?
 
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Kann denn jemand bestätigen, dass die Rhein-Neckar-Region eher Überreichweiten ungeeignet ist? Ich sprech von normalen Überreichweiten mit bis zu 400km Entfernung (...)
Du sprichst von Tropo-Überreichweiten, diese treten hauptsächlich im Herbst auf, bei Inversionswetterlagen oder stabilen Hochdrucklagen.

Was wir aktuell erleben ist Sporadic E, das sind ionisierte Wolken deren Entstehung noch nicht vollständig erforscht ist. Wie iro schreibt, hauptsächlich in den Monaten Mai, Juni, Juli mit langen Tagen und kurzen Nächten.

Ob Ludwigshafen davon ausgenommen ist? Du kannst ja mal einen Account bei dxmaps.com erstellen, dort kann man regionsgenau Alarmierungen erhalten, falls Überreichweiten auftreten.
 
Kann denn jemand bestätigen, dass die Rhein-Neckar-Region eher Überreichweiten ungeeignet ist
Ich kenne die Region nicht, daher kann ich dazu wenig sagen.
ich weiß aber von einem DXer, der am Rande eines norddeutschen Gebirgszuges lebt, daß Tropo bei ihm vor allem aus Richtung Dänemark kommt, da das Gelände nur in der Richtung offen ist. Die Topografie hat also Einfluss. Es muss nicht unbedingt ganz flach sein, aber bei Tropo gilt auch, Einfallswinkel = Ausfallswinkel, wegen der ebenfalls möglichen Duct-Ausbreitung muss der Reflektionspunkt aber nicht genau in der Mitte zwischen Sender und Empfänger sein. Das Sendesignal kann auch irgendwo in einen "duct" eintreten, macht innerhalb dieses "Kanals" ein paar Zick-Zack-Reflektionen am oberen und unteren Rand dieses Kanals und tritt an irgendeiner Stelle dann wieder aus. Je näher diese Austrittsstelle bei Deinem Standort liegt, um so steiler ist der Winkel und um so eher kommt das dann auch an einem hohen Berg vorbei.

Bei sporadic E ist der Winkel meistens sehr flach, der Reflektionspunkt liegt ziemlich genau in der Mitte zwischen Empfänger und Sender. Je kürzer die Entfernung ist, um so steiler ist dieser Winkel.
Und je stärker die Ionisation der ES-"Wolke" ist, um so kürzer sind die überbrückbaren Distanzen. Bei richtig gutem ES lassen sich Entfernungen bis minimal 700km überbrücken, bei schwächerer Ionisation werden die Distanzen größer, in der Regel liegen sie zwischen 1500 und 2000 km bei einem "Hop".
Bei ES sind also nicht die weitesten Empfänge die besten, sondern die kürzesten.
Wenn man großes Glück hat, erwischt man einen Doppelhop mit Entfernungen von dann um die 4000 km.
Bei kurzen Entfernungen ist Einfallswinkel=Ausfallswinkel recht steil, bei weiten ist der Winkel eher flach - Berge können beim flachen Winkel durchaus im Wege stehen, daher gibt es Gegenden, wo das nicht so gut funktioniert.

Und zu Tropo fällt mir dann noch das Extrembeispiel der Zugspitze ein, die sehr hoch ist. So hoch, daß sie oberhalb des Tropogeschehens liegt! Der Sender Zugspitze schaut also oft von oben auf das Tropogeschehen herab und wird demzufolge an einer Troposchicht dann auch nach oben in Richtung Weltraum reflektiert statt nach unten... d.h. dieser Sender reicht mit Tropo weniger weit als ohne Tropo.
 
Dann wirds wahrscheinlich das sein. Die Rhein-Neckar-Region ist quasi ein großes Tal welches ringsum mit Bergen (Ost-West etwa 40 KM, Nord-Süd etwa 200KM bis zu den nächsten Bergen) , umgeben ist. Nur nach Süden (Richtung Frankreich, Mittelbaden) ist es halbwegs offen. Wahrscheinlich kann da einfach nichts durch, bzw ich befinde mich zu sehr in der Talsohle.
 
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@iro: In engen Tälern hast Du bei Sporadic-E meist kein Glück, es sei denn, sie verlaufen genau in der Richtung der Ausbreitung. Ein befreundeter DX-Kollege aus Mittenwald empfängt fast nie Sporadic-E, wohl aber Tropo, und da sogar absolut extreme Dinger, selbst Schweden war da schon zu Gast. Da hat er das Glück, dass das Tal nach Norden offen ist bzw. dort nur noch kleinere Hügel im Wege stehen. Nach Süden gibt es dort allfällig transalpine Scatter, aber weniger als weiter nördlich im Alpenvorland.
Mit Tropo wird es schwierig, wenn in die Ausbreitungsrichtung eine Hügel/Bergkette im Weg ist, die über die Inversionsschicht hinausragt. Das hatte ich im Herbst 2011 erlebt. Da war ich in Bühl am Alpsee im schönen Oberallgäu. Trotz tagelangem Hochdruckwetter mit schönem Bodennebel hatte ich dort keinerlei Überreichweiten. Dann sind wir einmal zum meistbesuchten touristischen Ort Deutschlands gefahren. Dort, auf dem Felsen oberhalb von Schwangau inmitten asiatischer Besucherhorden, packte ich meinen mobilen DX-Empfänger aus und hatte auf Anhieb an der Brüstung mit Blick über das gesamte Ostallgäu Belgien drin! Und zwar annähernd rauschfrei. Es herrschte absolut geniales Tropo, aber am Alpsee war davon nicht zu merken, da die Salmaser Höhe mit ihren knapp 1300m Höhe im Weg liegt.
 
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Gefällt mir: iro
Bei UKW/FM gilt: Je besser das Capture Ratio, desto eher wird ein um den damit in dB gekennzeichneten Empfangspegelunterschied die Station mit dem jeweils höchsten Pegel die andere "wegdrücken".
Dasselbe passiert, wenn zwei Sender auf derselben Frequenz sich normalerweise nicht stören, aber bei Leistungsreduzierung des einen, dann den anderen als höherpegeligen, empfangswürdigeren interpretieren. Zum Beispiel, wenn statt 103,5 MHz Torfhaus Radio Gelderland Niederlande 103,50 MHz (Ugchelen/Alticom Toren 20 kW) durchkommt. Das passiert dann, wenn DLF ohne Vorankündigung plötzlich nur noch mit Treiberleistung sendet. Das sollte unterschieden werden zu "echten" ausbreitungsbedingungsabhängigen Überreichweiten, und solche Fade outs, wie oben beschrieben, und "Stationswechsel" sind der Kanalbelegung und Sendeleistungsvariationen und UKW/FM Empfängerprinzipien geschuldet.
 
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In den 1970er Jahren hatten wir bei CB-Funk Überreichweiten aus Italien, da man dort straflos mit 100W rausblasen konnte!

Vereinzelt wurde man aber in Bella Italia mit unserem 6W auch gehört....

Südlich unseres damaligen "Funkerberges bei Gudensberg" in Nordhessen wurde Abends dann ausgepackt, DX-Antennen ausgepackt, Stromaggregat angeworfen und mit Röhrenendstufen kräftig mitgemischt!

(einige Anlagen stehen beschlagnahmt im Museum der Post)

Tipp:

Sommerkamp TX 788DX (jeder Besitzer hatte den Gesichtsausdruck wie ein 911er-Fahrer)
 
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Mit der Einführung von FM-Modulation bei CB-Funk und gleichzeitiger Reichweitenerhöhungsabsicht durch Empfindlichkeitssteigerung der Empfängerteile traten diese Art von Beeinflussungen noch deutlicher hervor. Es lag also nicht nur an den besagten "halblegalen" Sendeleistungserhöhungen, die nach und nach auch von deutschen CB-Funkern mit sogenannten "Mosquito-Brennern" etc. durchgeführt wurden.
Tatsächlich gab es zeitweise auch Variationen in den Ausbreitungsbedingungen in dem Frequenzbereich, die der Kategorie Überreichweitenwetter hinzugerechnet werden können. Jetzt schweifen wir aber ein wenig ab, es ging ja ursprünglich um Überreichweiten im UKW/FM-VHF-Band II. Ferrnseh-VHF-Band I-Überreichweiten gab es nämlich auch zu Hauf. Dieser Bereich ist "off the air". Jedenfalls wüsste ich nicht, das da noch ein Fernsehsender terrestrisch aktiv wäre.
 
Der CB-Bereich liegt unter 30 MHz und gehört damit auch offiziell noch zur Kurzwelle. Bei den beschriebenen Phänomenen spricht man daher auch nicht von Überreichweiten, sondern von Bandöffnungen, die in Zeiten des Sonnenfleckenmaximums eher die Regel als eine Besonderheit sind.
 
Das Kabelnetz in Bad Wildungen wird quasi zur "Antenne" beim Phänomen Überreichweiten, so dass viele Empfangsgeräte dann offensichtlich mit der Kanaltrennung oder der im Kabel befindlichen statischen Spannung überfordert sind (Funkenschlag beim Trennen der Empfangsgeräte).

Beim Service bemerkte ich, dass einige preiswerte Tuner damit nicht klar kommen, andere besser, einige PLL-Geräte in ELA-Anlagen mußte ich sogar komplett tauschen oder teilweise an's www anschließen, um dem Haus störungsfreien Empfang zu bieten.

Konntet Ihr ähnliches beobachten?

R.
 
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Hier habe ich immer wieder Sp-E Empfänge, jedoch hatte ich noch nie das Band voll damit.
Tropo gibts hier fast immer im Herbst, aber jedes Mal die gleichen Sender (aus der Region Württemberg, Bayern und manchmal Tschechien.) Woran das liegt, weiss ich nicht.
 
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...dass viele Empfangsgeräte dann offensichtlich mit der Kanaltrennung oder der im Kabel befindlichen statischen Spannung überfordert sind (Funkenschlag beim Trennen der Empfangsgeräte)...
Wer Kanaltrennung und mystische "im Kabel befindliche statischer Spannung" im selben Satz in Worte fasst, versteht Elektrotechnik wohl als ein esoterisches Phänomen. :wall:
Für die meisten Mitleser mit mindestens elementaren Physik-Kenntnissen grenzt es an Beleidung menschlicher Intelligenz. :mad:
Sollte der Beitrag als Satire verstanden werden, fehlt leider das dazu notwendige Quentchen Humor. :cry:
 
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...oder der im Kabel befindlichen statischen Spannung überfordert sind (Funkenschlag beim Trennen der Empfangsgeräte)..."
R.
Das "klassische" 75 Ohm Kabel wird neben reiner TV und Radioprogrammverbreitung (digital fast überall nach DVB-C Standard) mittlerweile für Telefon und Internet mit benutzt. Erdung der Anschlüsse vorausgesetzt.
"Statische Spannung". Spannend, was sich manche so ausdenken.
Die "Funken" kommen evtl. von Y2-Kondensatoren der Schaltnetzeile und dienen unter anderem als notwendiges Übel zur Deckelung der HF-Aussendungen im Langwellenbereich. Der Ableitstrom ist aber begrenzt. Die Maximalkapazität darf deswegen 2,5 nF nicht überschreiten. Ist der Strom höher, liegt evtl. ein Defekt vor.
 
#291 erklärte es nachvollziehbar, Danke!

Eine "statische Spannung" baut sich z.B. in abgeschalteten Hochspannungsnetzen auf, die je nach Kabellänge, Umgebungsthemperatur, Luftfeuchtigkeit ect. bei Bahnstromleitungen beispielsweise bis zu 2700V betragen können und bei Arbeiten selbstverständlich geerdet werden müssen.

Das zum Beitrag #290.
 
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Leck mal an der Kabeldose. Wenn du dann noch glaubst da ist keine Spannung drauf, dann ist dir auch nicht mehr zu helfen.
Der mittlerweile wohl kaum noch mehr benötigte UHF-Konverter zum Empfang der zweiten und dritten Programme im UHF-Bereich bei Verwendung alter Fernseher hat keine Netztrennung, und die Antennenanschlüsse liegen tatsächlich auf Netzspannungspotenzial, allerdings mit 300 pF abgeblockt. Trotzdem würde es bei Berührung "kitzeln".
 

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Du mal wieder :D
Nein, Dein Beispiel ist keine Überreichweite, sondern eine ganz normale Reichweite, die sich aufgrund eines als Antenne wirkenden Kabels (Kabelleck) ergibt. Auch wenn das manchmal eine halbe Stadt betrifft, ist es doch immer nur ein Kabelleck in wenigen Metern Entfernung.
 
Beim Lesen einiger Beiträge entsteht der Eindruck, man hätte versehentlich die URL eines Esoterik-Geschwätz-Forums erwischt. :wall:
Fehlender technischer Sachverstand hält manche Zeitgenossen nicht mal in einem Forum der Studio- und Sendertechnik davon ab, ihren schwachsinnigen Unfug abzuladen. :cry:
 
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