Urteil zum Rundfunkbeitrag


Gesetzt den Fall, der Beitrag bleibt bei 17,50 bis 20,00 Euro (scheint mir eine realistische Annahme) - was müsste euch der ÖRR bieten, damit ihr diese Gebühr halbwegs akzeptiert?
(und bitte nicht so viel Polemik)
Gar nichts, einfach wie bisher gute Programme machen. Für mich ist dieser Betrag relativ lächerlich gering, ich würde auch das Doppelte bezahlen. Warum? Weil ich jeden Tag die ÖR nutze und froh bin, dass Deutschland als eines der ganz wenigen Länder weltweit ein derart hochwertiges System hat. Ich war in sehr vielen Ländern auf diesem Planeten, und was dort an sog. Öffentlich-Rechtlichem Rundfunk geboten wird, ist unterirdisch. Wir können uns von und zu schreiben, dass wir derart privilegiert sind.

Allein für arte würde ich die 17,50 € bezahlen. Bedenkt man, dass man fast schon für einen einzigen Kinofilm so viel bezahlt wie für einen ganzen Monat Dutzende von Radio-und Fernsehprogrammen, ist es mir ein Rätsel, wie man sich da beschweren kann.
Und bitte nicht vergessen, jeder von uns bezahlt jeden Tag für unzählige Dinge, die er nie braucht oder benutzt. Jeder bezahlt für Kindergärten, obwohl er vielleicht keine Kinder hat, jeder bezahlt fürs Militär, obwohl er vielleicht Pazifist ist usw. usw.

Und wäre der Beitrag eine Steuer, niemanden würde es interessieren. Es ist nur, weil man sieht, dass etwas extra abgebucht wird. Die vielen anderen "Abbuchungen" werden halt über die Steuern finanziert (eine große "Abbuchung" sozusagen). Im Prinzip ist es jedoch dasselbe, jeder muss für viele Dinge bezahlen, die er weder bestellt hat noch nutzt. Und ohne ÖR würde es bei uns sehr trostlos aussehen in der Medienlandschaft. Beim Fernsehen extrem, beim Radio relativiert sich das. Und für die Demokratie ist es ein fundamentaler Baustein. Wir sehen in unseren Nachbarländern, was passiert, wenn die Politik den Geldfluss der ÖR bestimmt.
 
Ich kann gerne zum x-ten Male wiederholen, wie ich mir einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk vorstelle, für den zu kämpfen sich lohnte, und für den "zwangsweise" eine Gebühr zu entrichten mir leichten Herzens möglich wäre:

Zunächst die strukturellen Vorschläge:
1. Eine bundesweite Fernsehanstalt (Notfalls um 0.3 Uhr in der Nacht Sendeschluss)
2. Eine von allen Landesanstalt gemeinsam gestaltete bundesweite Pop- und Schlagerwelle, gerne mit großzügiger Vermischung aller gängigen Genres
3. Eine von allen Landesanstalten gemeinsam gestaltete bundesweite Jugendwelle
4. Ein bundesweites von allen Anstalten gemeinsam gestaltetes Kultur- und Klassikprogramm
5. Für all diese Programme eine gemeinsame Nachrichtenredaktion - Zulieferung aus Landesfunkhäusern.
5. Dritte Programme (im Radio und Fernsehen) für jedes Bundesland separat und regionalisiert, deutlich info- und wortlastiger als 2.+3. - gemeinsames Nachtprogramm, aus dem man sich bei Eigenproduktionen, die diesen Namen verdienen, auch wahlweise ausklinken kann.
6. Deutschlandradio als bundesweiter Nachrichten- und Infokanal

Die inhaltlichen Vorschläge fürs Fernsehen:
1. Verzicht auf alle bezahlpflichtigen Sportübertragungen - hier nur noch Pflichtberichterstattung
2. Alles, was heute auf Arte, Neo und anderen Spartenkanälen an Qualitätsjournalismus versteckt läuft, ins Hauptprogramm zu prominenten Sendeplätzen. Insbesondere Dokumentationen, Reportagen, Hintergrundberichte, Politmagazine, Recherchebeiträge.
3. Ausführliche Pressespiegel aus Deutschland, Europa, Welt - jeweils mit Einbindung der zitierten Medien und ihrer Meinungen.
4. Reduzierung von Shows, Gewinnspielen, Talkrunden, Krimis auf jeweils max. einen Programmplatz pro Woche.
5. Ein regelmäßiger Kulturblock, der diesen Namen auch verdient (Theater, Musik, Museen+Ausstellungen)
6. Wissenschaftsreportagen und Erklärstücke aus der Welt von Forschung und Wissenschaft.

Die inhaltlichen Vorschläge für Rundunk:
live, live, live - authentisch vor Ort in den Regionalprogrammen, Studiogäste, echte Hörerwunschsendungen, Nachrichten, die gerne auch mal mehr als 1.30 lang sein dürfen, Moderatoren, die an kein Format gebunden sind, sondern ihre Talente ausspielen dürfen, Verzicht auf überflüssige, langweilige und unaktuelle "Service-Angebote", wie etwa Verkehrsfunk ("alle Staus über drei Kilometer Länge"), Wettershows, auch wenn am Himmel nichts passiert, Verzicht auf Gewinnspiele, Comedies nicht in Serie und täglich fünfmal, sondern dosiert, dann aber mit Profis, die auch wirklich witzig sind. Und, und, und...

Jetzt könnt ihr drüber herfallen!
 
Da gibts nichts drüber herzufallen.

Beim TV würde ich den Punkt 4 insofern etwas anders gestalten, dass man die (Polit-)Talkshows ruhig beibehalten kann, allerdings die jeweiligen Redaktionen verpflichtet, keine thematischen Doppelungen zu behandeln und das Talkshows tatsächlich wieder zu Streitgesprächen werden.
Des weiteren würde ich tagesschau24 und Phoenix zusammenlegen, gerne auch in enger Zusammenarbeit mit der ZDF-Nachrichtenredaktion. ZDF Info könnte ganz eingestampft werden, weil das Programm schon jetzt keinerlei zusätzlichen Nutzen erkennen läßt. Den Kika könnte man im Gegenzug inhaltlich ausbauen mit Programm für die Zielgruppe ältere Jugend in den Abendstunden bzw. Nachtschiene. One könnte man als eine Art Retro-Kanal beider ÖRs gestalten. Alpha wird zu einem reinen Bildungsfernsehen, wobei man dort bereits auf einem guten Weg dahin ist. Und so leid es mir für manche tut, aber 3sat und arte könnten durchaus ebenfalls verschmelzen. Das würde zum einen aus meiner Sicht beide Programme aufwerten und zum anderen in Ansätzen eine Art europäischen Kulturkanal schaffen, der dann natürlich auch in der Form entsprechend erweiterbar wäre, das sich auch andere europäische Sender daran beteiligen könnten. Dringend auf den Prüfstand sollte ausserdem das ARD-Jugendangebot Funk, welches sich ausschließlich via Youtube abspielt.
Ansonsten ist Mannis Vorstellungen nur wenig hinzuzufügen!
 
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Nun, das die Nachdenkseiten im letzter Zeit gerne mal öfter ihre völlige Inkompetenz zu Markte tragen ist ja nichts neues mehr. Leider! War das nicht mal so eine investigative Seite, die vor allem durch ihre guten Recherchen interessant war? Da ist offenbar nicht mehr viel von übrig geblieben.
Mit Verlaub, die ARD legt seit 2016 ihre Gehälter offen. Sie sind auf den jeweiligen Homepages der Sender nachzulesen. Und je nach Sender sind diese sogar höchst unterschiedlich!
Die Gehälter von rbb-Mitarbeitern sind zum Beispiel geradezu mickrig.
https://www.rbb-online.de/unternehm...ltstabelle.file.html/Gehaltstabellen_2018.pdf
Und was die durchschnittlichen Gehälter angeht von Cuttern, Redakteuren etc., sind die nicht ansatzweise übertrieben, sondern durchaus marktüblich, wobei man auch da Unterschiede zwischen den einzelnen ARD-Anstalten machen muss.
http://www.ard.de/home/die-ard/fakten/Gehaelter_und_Verguetungen_in_der_ARD/4127124/index.html
Was diesen von Heese errechneten Pseudo-Durchschnittslohn so nach oben treibt, sind die in der Tat ziemlich hohen Gehälter der Direktoren und Intendanten und die teils unverschämten Moderatorengehälter etc.
Im übrigen werden die Gehälter bei ARD und ZDF wie anderswo auch von Gewerkschaften ausgehandelt und nicht nach Gutdünken von irgendwelchen Öffi-Oberen festgesetzt. Vielleicht sollte man deshalb auch mal bei Verdi anklopfen, ob solche übertriebenen Steigerungen bei den oberen Gehaltsklassen tatsächlich nötig sind.

Ich bin übrigens kein ÖR-Mitarbeiter. Aber dieses Nicht-Hinterfragen von irgendwelchen Artikeln auf irgendwelchen, teils fragwürdigen Plattformen, die man dann unüberprüft zur Allgemeinwahrheit erklärt, geht mir zunehmend auf den Geist!
 
Vergleicht man die Intendantengehälter mit denen von z. B. Vorständen einer AG, liegen da Welten dazwischen, obwohl die Tätigkeit/Verantwortung nicht unbedingt eine andere ist. Auch die Gehälter der "normalen" Mitarbeiter sind nicht überhöht. Es kommt immer drauf an, womit man vergleicht. Ein Bühnenbildner (gelernter Schreiner z. B.) kriegt sicher ein anständiges Gehalt und womöglich mehr, als ein Schreiner in einer kleinen Schreinerei auf dem Dorf, verglichen mit einem bei z. B. Daimler aber dann doch wieder recht bescheiden.
 
Gerade die obersten Hierarchen beziehen allerdings meistens Gehälter, die aussertariflich verhandelt werden.
Das entzieht sich der Einflussnahme der Tarifverhandlungen der Gewerkschaften.
Diese Gehaltsgruppen sind demzufolge auch von tariflichen, turnusmässigen Steigerungen ausgenommen.
 
Der rbb ist quasi das Bangladesch des ÖR. Auch der mdr zahlt nicht gut. Für einen freien Radiomoderator beim WDR lohnt es sich, für eine Sendung von Malle nach Köln zu fliegen. Der beim mdr könnte für sein Honorar vielleicht den Flug bezahlen.

Aber vielmehr ist die Struktur der Anstalten ein Problem. Es gibt Positionen, die man einfach nicht braucht. Hierarchien müssten flacher sein. Der Größe und Aufgeblähtheit wegen ist dieser Apparat unwirtschaftlich und träge.
 
Das würde ich ähnlich sehen. Das größte Problem bei den Öffis sind nicht die Gehälter, zumindest nicht die in den unteren Kategorien. Der aufgeblähte Wasserkopf und die Ineffizienz im gesamten System treiben die Kosten nach oben. Eine inhaltliche Verschlankung, so wie sie @Mannis Fan zum Beispiel vorgeschlagen hat und eine parallele Entrümpelung der beamtenähnlichen Entscheiderstrukturen würden vermutlich manches einfacher und damit kostengünstiger machen, was wiederum eine Gebührenerhöhung vermutlich überflüssig machen würde. Dazu gehört auch darüber nachzudenken, ob nicht doch die eine oder andere Fusion sinnvoll wäre, zum Beispiel die Integration von Radio Bremen im NDR oder den SR im SWR aufgehen zu lassen.
 
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Bei Pro7 war man sich im vergangenen Jahr bekanntlich nicht zu schade, die durchaus etablierte Marke N24 in Welt umzubenennen
Sorry, aber da liegst du falsch oder hast es nicht mitbekommen, das der Axel Springer Verlag Ende 2013 den Sender N24 von ProSiebenSat.1 gekauft hat. Demnach hat die Umbenennung nix mit ProSiebenSat.1 zu tun.


@Mannis Fan
Was mir in deiner Aufzählung fehlt, ist die sofortige Abschaffung der Werbung, Sponsoring, etc. in ALLEN TV + Radioprogrammen der ÖRs, dort wo Werbung ausgestrahlt wird.

Das ist auch einer der Gründe warum ich nur sehr wenig Private im TV gucke, die für mich überhaupt kein Nivea haben (mit Ausnahme einiger Sendungen von Servus TV. Welcher aber kein deutscher Sender, sondern ein österreichischer Sender ist).
 
Sorry, aber da liegst du falsch oder hast es nicht mitbekommen, das der Axel Springer Verlag Ende 2013 den Sender N24 von ProSiebenSat.1 gekauft hat. Demnach hat die Umbenennung nix mit ProSiebenSat.1 zu tun.
Ändert aber nichts daran das Welt auch weiterhin der Nachrichtenzulieferer für die Pro7-Gruppe ist. Und davon ab ist das so auch nicht richtig. Der Sender Welt gehört der WeltN24 Gmbh. Diese wiederum ist eine 100%ige Tochter der Springer AG.
 
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Aber dieses Nicht-Hinterfragen von irgendwelchen Artikeln auf irgendwelchen, teils fragwürdigen Plattformen, die man dann unüberprüft zur Allgemeinwahrheit erklärt, geht mir zunehmend auf den Geist!
Das sind weder "irgendwelche Artikel" noch "fragwürdige Plattformen". Dein Groll auf die Nachdenkseiten erinnert ein bisschen an das Einprügeln auf den Überbringer der Botschaft. In Deinem Beitrag #257 räumst Du schließlich ein, dass die ermittelten Durchschnittsgehälter zutreffen. Ich habe jedenfalls noch keine ernstzunehmende Gegenrechnung gesehen. Jedermann ist auch ohne Deine Hilfe klar, dass in diesem Durchschnitt monströse Direktoren- und Intendantengehälter mitgerechnet sind - so ist das nun mal bei einer Durchschnittsermittlung. Mir scheint, Dir geht eher auf den Geist, dass solche Sachverhalte überhaupt ausgebreitet werden.

Was mir in deiner Aufzählung fehlt, ist die sofortige Abschaffung der Werbung, Sponsoring, etc. in ALLEN TV + Radioprogrammen der ÖRs, dort wo Werbung ausgestrahlt wird.
Sehe ich nicht so. Wo Qualität geliefert wird, entsteht auch ein attraktives Werbeumfeld. Diesen Zuverdienst würde ich den ÖR lassen. Ich würde lediglich Spielregeln aufstellen, wie sie heute zum Teil schon gelten: Z.B. feste Werbeblöcke, komplett werbefreie Zonen (z.B. in den News- und Info-blöcken) und klare Benennung von Sponsor- oder Produktplacementsachverhalten, vor und nach der jeweiligen Sendung.
 
Das sind weder "irgendwelche Artikel" noch "fragwürdige Plattformen". Dein Groll auf die Nachdenkseiten erinnert ein bisschen an das Einprügeln auf den Überbringer der Botschaft. In Deinem Beitrag #257 räumst Du schließlich ein, dass die ermittelten Durchschnittsgehälter zutreffen. Ich habe jedenfalls noch keine ernstzunehmende Gegenrechnung gesehen. Jedermann ist auch ohne Deine Hilfe klar, dass in diesem Durchschnitt monströse Direktoren- und Intendantengehälter mitgerechnet sind - so ist das nun mal bei einer Durchschnittsermittlung. Mir scheint, Dir geht eher auf den Geist, dass solche Sachverhalte überhaupt ausgebreitet werden.
Da diese skurille Berechnung von Heese im Ursprung nicht von den Nachdenkseiten kommt, irrst du dich hier leider. Ich hätte lediglich erwartet, dass man sich dort etwas tiefgründiger damit beschäftigt. Hat man aber nicht.

Wo Qualität geliefert wird, entsteht auch ein attraktives Werbeumfeld.
Dann erkläre mir bitte die ausufernden Werbeblöcke bei RTL & Co. Ein attraktives Werbeumfeld entsteht nur dort, wo zugehört und zugeschaut wird, wo eine möglichst breite Masse erreicht wird. Die Quoten von arte, 3sat und im Radio den Kulturwellen sind bekannt, für Werbekunden völlig uninteressant.
 
Ich habe jedenfalls noch keine ernstzunehmende Gegenrechnung gesehen.
Spätestens nach dem Update des Artikels durch den Autor läßt sich bereits im Artikel
erkennen, dass die 9400 € "Monatsvergütung" in Wahrheit die Angabe der Personalkosten darstellt. Um auf die übliche Angabe einer Monatsvergütung, exakter Bruttogehalt, zu kommen muss von dieser Zahl mehrere tausend Euro abgezogen werden (z. B. SV-Arbeitgeberanteil). Die korrekte Zahl, die diskutiert werden müsste lautet 5400 € DurchschnittlsGehalt in der ARD:
https://rundfunk.verdi.de/++file++5c37835d2d9efb306e4a6e45/download/Brief_HeiseOnline.pdf

Telepolis schreibt mittlerweile: "Auch nach der zwischenzeitlich erfolgten Aktualisierung des Beitrags entspricht dieser nicht den journalistischen Qualitätsanforderungen von Heise Medien. Deshalb werden wir mit dem Autor zukünftig nicht mehr zusammenarbeiten."
 
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@ADR: Schauen wir uns doch einmal die Tabelle des rrb, des "Bangladesh" der ARD, einmal genauer an:

Es ist wie immer im Leben alles relativ. Ein Redakteur verdient mind. 3.900,- Euro beim RBB und kann sich hochsteigern bis über 8 TEUR im Monat. Berücksichtigt man die Altersversorgung und sonstige sozialen Leistungen/Dienste hinzu, so ist dies nicht wenig. Wer im Berliner Markt als Redakteur mit einem Gehalt von mind. 4.000 im Privatfunk einsteigt - Glückwunsch! Mal abgesehen davon, dass die wenigsten Mitarbeiter dort bis zur Rente verbleiben. Anders als in der öffentlich-rechtlichen Versorgungslandschaft. Und selbst Sekretärinnen verdienen mind. 2.700,- Euro und können sich bis auf 5.000,- Euro steigern. Glückwunsch auch an diejenigen Sekretärinnen, die auf diese Gehälter in der freien Wirtschaft kommen.


Es gibt neben der reinen Gehaltsbetrachtung zudem noch andere Punkte: Absicherung für den Ruhestand, nahezu unkündbaren "Beamtenstatus", geregelte Arbeitszeiten, die im Zweifel von einer starken Arbeitnehmervertretung durchgesetzt werden, soziale Einrichtungen und und und.... Gut, dafür ist die Dienstwagenberechtigung selbst in leitenden Funktionen eher die Ausnahme und Diensthandy, Tablet und Laptop vielleicht auch nicht immer üblich. Aber man kann am Ende auch nicht alles haben.


Beim Führungspersonal sieht es anders aus. Auf den ersten Blick sieht es hoch aus, auf den zweiten Blick ist es im Vergleich eher wenig. RTL-Anke ging mit deutlich mehr Geld nach Hause als Onkel Tom (ich lass mal unternehmerische Qualitäten außen vor, denn dann wäre Onkel Tom gegenüber Anke deutlich überbezahlt...). Dafür geistert Onkel Tom im Öffi-Orbit bis zur Rente und liegt uns bis dahin auf der Tasche. Läuft es mal nicht so, dann darf ein CEO schnell nach Hause gehen. Außerdem kann der Normalsterbliche von den Ruhestandszusagen der Intendanten nur träumen. Es sei ihm gegönnt und diese machen in der Gesamtsumme des Personaletats nur einen Bruchteil aus. Aber es ist ein Signal und zudem ein falsches Signal, was dort im wahrsten Sinne des Wortes ausgesendet wird.

Wie gut die Versorgung funktioniert, zeigen die Wechsel. Es gibt nahezu nur Wechsel von den Privaten zu den Öffis. Carsten Neitzel (vormals rs2/Top, RHH/MORE, heute NDR Media), Elke Schneiderbanger (vormals ZDF (Oh Gott, mal bei You Tube schauen...), ABY, Radio NRW, jetzt ASS, Valerie Weber (vormals ABY, jetzt WDR). Alle drei dürften jetzt weniger verdienen.
Aber nehmen wir einmal Valerie Weber. ABY war reichweitenmäßig auf dem Zenit. Was hätte Weber dort noch erreichen können? Im Prinzip hätte sie im Idealfall den Erfolg noch ein oder zwei Vertragslaufzeiten "verwalten" können. Was hätte es für eine 50 jährige nach ABY im Privatfunk noch gegeben? Alleinige GF bei ABY? Fehlen ihr die kaufmännischen Qualitäten. NRW ist kein richtiger Sender. Und sonst? Wäre alles ein Rückschritt gewesen. Alternativen? Beraterexistenz? Auch nicht das Gelbe vom Ei. Für die nächsten 15 Jahre ist dagegen die größte Anstalt eine echte Option. Zwar weniger Geld, aber ein in der Privatradiolandschaft eher seltene Fünfjahresverträge mit - wenn man keine goldenen Löffel klaut - mit Anschlussgarantie. Und nach 10 Jahren wäre man auch evt. an dem Punkt, dass man sich vorzeitig in den Ruhestand begibt. Ansonsten, wenn noch Lust auf beiden Seiten ist, nochmals fünf Jahre. Dazu üppige Pensionszusagen (die das etwas schlechtere Gehalt wieder aufwiegen) und natürlich - wenn man bei einer großen Anstalt ist - die Aufmerksamkeit, die man erhält. Zudem gibt es einen Hofstaat und viele Gesprächs- und Therapiekreise in der ARD. Langweilig wird es da nie. Und mit den Niederungen des Programms muss man sich auch nicht mehr abgeben. Das machen dann Leute wie Rausch.


Was ein wenig gemein klingt, ist weder Neid noch böse. Ich möchte nur aufzeigen, dass die Öffis nach wie vor hoch attraktiv als Arbeitgeber sind. Die Gehälter sind zur freien Wirtschaft (insbesondere im direkten Medienvergleich) nach wie vor sehr gut und zudem gibt es, ist am in diesem System erst einmal drin, Sicherheit. Und in Teilbereichen stellt sich in der Tat die Frage, ob dies noch zeitgemäß ist. Denn diejenigen, die monatlich diese Versorgungsleistung finanzieren müssen, genießen eben in den seltensten Fällen diesen Luxus (es sei denn, sie arbeiten selbst bei den Öffis).
 
@Wanderdüne
Wie immer fundiert, kann man nur gegenzeichnen!

Das wirtschaftliche Öko-System der Öffis hat schon seinen ganz diskreten Charme. Wie die Kirche, die zwar auch immer gern Wasser predigt aber selbst Wein trinkt. Oder meine Lieblingspartei die GRÜNEN, deren Funktionäre mal eben nach California zum Eis essen, Anden überqueren und Ski laufen in Schweden jetten und uns ansonsten über den schrecklichen Klimawandel aufklären.
Vielleicht bin ich zu alt, vielleicht bin ich als Chinese sowieso draußen vor, vielleicht habe ich im Schulfach "Doppelmoral" zu oft gefehlt? Wer weiß das schon so genau? Aber so einiges aus den Gebühren-Mrd. fließt eben nicht in das Programm, sondern woanders hin.
 
Ändert aber nichts daran das Welt auch weiterhin der Nachrichtenzulieferer für die Pro7-Gruppe ist. Und davon ab ist das so auch nicht richtig. Der Sender Welt gehört der WeltN24 Gmbh. Diese wiederum ist eine 100%ige Tochter der Springer AG.
Du glaubst doch nicht im Ernst, das die Nachrichten für die ProSiebenSat.1-Gruppe vom Springer Verlag kommen ?
Seit Jahren wird auf das Material von Agenturen, wie z.b. DPA, Reuters, AFP, etc. zurückgegriffen, wie es selbst der Springer Konzern auch für seine Blätter und Webseiten macht. Da kommt vielleicht ein kleiner Teil noch von Springer als Zulieferung bei der ProSiebenSat.1-Gruppe an.


@Mannis Fan
Was mir bei den ÖRs im TV besonders auf die Nerven geht, das seit ein paar Jahren dort schon kurz nach 14 Uhr die Erste Werbung läuft. Ich habe das Gefühl als ob es da langsam anfängt aus zu Ufern, was die Werbung betrifft. Früher gab es sie nur zwischen 18 und 20 Uhr, damit könnte ich noch leben.
 
Du glaubst doch nicht im Ernst, das die Nachrichten für die ProSiebenSat.1-Gruppe vom Springer Verlag kommen ?
Kommen sie auch nicht. Sie kommen von der WeltN24GmbH, die, soweit ich weiß, nach wie vor für die Nachrichtenzulieferung der Pro7-Newstime-Sendung zuständig sind. Das macht auch absolut Sinn, wenn man es mal aus wirtschaftlicher Sicht betrachtet. Pro7 hat die Nachrichtensparte ja nicht ausgelagert bzw. verkauft, um dann anschließend in dem ohnehin minimalen Nachrichtensektor in den Programmen wieder bei Null anzufangen.
 
Vielen Dank @chapri für den Link zum Handelsblatt.
Dort steht alles Wesentliche bereits im Vorspann:
Die Debatte über den Rundfunkbeitrag zeigt das Unvermögen der Politik, sich einer Reform wirklich anzunehmen. Denn konstruktive Vorschläge fehlen bislang.
Und dann die richtige Schlussfolgerung:
Das heißt auch, dass das zentrale Problem die Bestimmung des Auftrags der Rundfunkanstalten ist.
Und auch die Schuldigen werden benannt:
So umschiffen die verantwortlichen Länderchefs die Frage, wie genau der öffentlich-rechtliche Auftrag in Zeiten der Digitalisierung aussehen und wie er an die veränderten Nutzungsbedingungen und berechtigten Nutzererwartungen angepasst werden muss.
Blöd für @Dr. Fu Man Chu , dass die Analyse von einer Grünen-Politikerin stammt. Sie trifft aber trotzdem den Kern.
 
Ach Manni, warum denn blöd? Zu denken irgend ein Gremium könnte eine Lösung bzw. Antworten finden, ist schon optimistisch.

Ich zitiere einmal Meedia:
"Die Krise des herkömmlichen Fernsehens verschärft sich. Trotz der Fußball-WM, die dem Medium jeweils viele zusätzliche Zuschauer beschert, wurde 2018 insbesondere bei den 14- bis 49-Jährigen so wenig fern gesehen wie seit ewigen Zeiten nicht mehr. Nur bei den Über-50-Jährigen wird so viel geschaut wie (fast) nie zuvor. "

  • 14-49 J. seit 2011 minus 40 Minuten
  • 14-29 J. seit 2011 sogar minus 50 Minuten

  • Für die Privaten heißt das, die Erlöse sinken, denn bei gleichbleibenden TKPs sinkt der absolute Preis.
  • Für die Öffis heißt das, der Druck sich zu legitimieren wächst von Jahr zu Jahr und von Gebührenerhöhung zu Gebührenerhöhung.
Sorry, ich glaube ganz einfach nicht, dass einem Gremium darauf etwas wirklich sinnvolles einfällt. Aber, selbst ein blindes Huhn kann gegen einen Weizensack laufen. Doch: Veränderungen sind häufiger disruptiv und eher selten kontinuierlich. Ein Links-Grünes-Quoten-Medium gegen Netflix, Amazon & Co.. Das wird spannend.
 
Ich erlaube mir mal diese Zahlen anzuzweifeln, denn sie beruhen auf den klassischen GfK-Messungen der Einschaltquote und beinhalten nicht die Zugriffe auf Webstreams, Mediathekenangebote und sonstige Abrufmöglichkeiten, wie beispielsweise Youtube-Kanäle, die zahlreiche Sendungen und Sender betreiben. Insbesondere das Jugendangebot der ÖRs spielt sich zu weiten Teilen nur noch über die sozialen Netzwerke ab, größtenteils über Youtube, und deren Zugriffszahlen sind nicht die schlechtesten. Erfaßt werden diese in dem Zahlensalat aber nicht. So kommt man auf diese vermeintlichen minus 50 min. Daher ist diese Darstellung von meedia mindestens verzerrt und alles andere als aussagekräftig.
Was fehlt, sowohl bei den ÖRs als auch den Privaten, ist ein vernünftiges und tragfähiges Zukunftskonzept, denn das herkömmliche, sogenannte lineare Fernsehen, ist nicht mehr das Nonplusultra. Richtig wäre es als erstes, ein Messverfahren zu kreieren, dass nicht mehr nach Verbreitungsweg, sondern nach konsumierten Programminhalten gerechnet wird, um halbwegs realistische Zahlen zu erhalten. Und es muss insbesondere bei den ÖR ein Gesamtkonzept her, welches als erstes genauer definiert was man selbst eigentlich sein will und worin man seinen Auftrag sieht. Im günstigsten Fall ergeben sich daraus dann die Zukunftspläne.
 
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