Warum plötzlich überall Bügelmikros?


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#1
Hallo zusammen,

ich frage mich seit geraumer Zeit beim Fernsehschauen, warum seit ein paar Monaten, vielleicht auch Jahren, zunehmend Bügelmikrofone Einzug halten. Man sieht es bei den Tagesthemen, bei Genial Daneben und bei anderen Unterhaltungssendungen. Kürzlich gab es in der Presse leichte Aufregung darüber, warum Günther Jauch plötzlich lispelt

Ich verstehe das nicht. Bügelmikrofone klingen nicht gut, man hört immer Atmen und leichtes Lispeln - im Gegensatz zu den Ansteckmikros, die meiner Meinung nach perfekt fürs Fernsehen sind.

Aber es wird sicher einen Grund für den zunehmenden Einsatz der Bügelmikros geben. Was spricht dafür?
 
#2
Zwei Gründe würden mir spontan einfallen:

1. Das Mikrofon sitzt deutlich näher am Mund. Es zeichnet also in erster Linie die Sprache des Tragenden auf und weniger die Hintergrundgeräusche.

2. Ein Bügelmikro kann nur wenig/gar nicht verrutschen, bzw. es geht mit den Kopfbewegungen mit. So kann der Tragende nicht "weiter weg" klingen, wenn er seinen Kopf vom Ansteckmikrofon weg dreht.

Das ist wohl zu vergleichen mit Nahbesprechungsmikrofon vs. ordentlichem Großmembrankondensatormikrofon im Hörfunk. Bei einem nah besprochenem Mikrofon klingt man eben immer gleich laut. (Processing mal außen vor gelassen)

Grüße
 
#3
Einerseits ist bei den von Dir angesprochenen Formaten häufig Publikum vor Ort, somit muss also beschallt werden, was mit Kopfbügeln definitiv einfacher geht als mit Ansteckern. In den letzten Jahren sind die Studios in denen aufgezeichnet wird auch definitiv "lauter" geworden, was hauptsächlich an den Lüftern der verbauten Effektscheinwerfern liegt. Um diesen Lärm zu übertönen, ist man um jedes dB dankbar, das man sich von der Rückkopplungsgrenze entfernt.
Auch im Fall der Tagesthemen spielten Studiogeräusche und schlechte Akustik (gewölbte Projektionswand, Sprecher relativ dicht davor) eine große Rolle bei der Mikrofonwahl. Bei der Tagesschau kann man den Anstecker akzeptieren, da der Sprecher immer abgewandt von der Wand sitzt und nicht aufsteht und sich davor stellt. Hört man sich die Tagesschau oder auch heute im ZDF mal unter Kopfhörern an, ist die Räumlichkeit deutlich wahrnehmbar.

Beste Grüße, Björn
 
#4
Kürzlich gab es in der Presse leichte Aufregung darüber, warum Günther Jauch plötzlich lispelt ..
(ref: Abendzeitung, Dez.2016)
Es muss schon arg gewesen sein, dass es diesem Publikum auffällt. Wenn die Dinger nicht exakt sitzen sind die Höhen weg. Dieses lästige Problem ist leider nicht selten, auch im Radio, wo es für die Optik nicht notwendig wäre. Machmal hab' ich den Eindruck, dass in bestimmten Sendungen auch "Billigteile" eingesetzt werden (?).
 
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#5
Kleine Korrektur:
bei der Tagesschau sitzen die Sprecher natürlich nicht mehr, sondern stehen. Bei der Heutesendung entsteht die Räumlichkeit des virtuellen Studios durch die Art und Weise, wie die umlaufende, grüne Wand gebaut ist.

(ref: Abendzeitung, Dez.2016)
Es muss schon arg gewesen sein, dass es diesem Publikum auffällt. Wenn die Dinger nicht exakt sitzen sind die Höhen weg. Dieses lästige Problem ist leider nicht selten, auch im Radio, wo es für die Optik nicht notwendig wäre. Machmal hab' ich den Eindruck, dass in bestimmten Sendungen auch "Billigteile" eingesetzt werden (?).
Die lästigen Störgeräusche durch Lüfter etc. werden häufig mittels Denoisern bekämpft. Natürlich kann auch dabei zu viel des Guten schlecht für das Nutzsignal sein. Es ist nicht auszuschließen, dass man sich beim Bekämpfen der Störgeräusche so sehr darauf konzentriert, dass die Qualität des Nutzsignals aus dem Fokus gerät.

Dieses Phänomen kennen wir ja auch vom Mastering/Soundprozessing/Loudnesswar.

Beste Grüße, Björn
 
#6
Marillenfreund hat alles schon sehr richtig aufgeführt. Headsets (Lipmics, Bügelmikrofone) sind ZUM GLÜCK nicht mehr Tabu im TV. Sie verbessern den Ton drastisch in den bereits beschriebenen Situationen und Umständen. Aus der Praxis kann ich, zu dem bereits gesagten, noch hinzufügen:
- Häufig wechselnde Sprechrichtungen werden bestens aufgefangen
- Sehr unempfindlich im Wind
- Kein Problem mit Klamotten der Protagonisten (Schlabbriges Hemd, aufeinander kratzende Stoffe und und und ... dafür klimpern jetzt die Ohrringe)

Kürzlich gab es in der Presse leichte Aufregung darüber, warum Günther Jauch plötzlich lispelt
Headsets sind deutlich schärfer. Keine Frage. Ich habe die Sendung nicht gesehen, kann aber nur anmerken, dass natürlich kein Headset ohne jeglichen EQ im Einzelkanal und der Summe auf Sendung geht. Es gibt ja genug Tools in aktuellen Digitalpulten, die so ein Schärfe ohne viele Handgriffe sauber entfernen.

Wenn die Dinger nicht exakt sitzen sind die Höhen weg.
Aber im Gegensatz zu einem Anstecker, der bei falscher Positionierung (zu hoch, zu weit weg) deutlich an Höhen verliert, ist das Headset noch deutlich unanfälliger. Manche haben aber auch Köpfe, da hält kein Headset der Welt ordentlich. Dann gibt es hingegen die absoluten "Headset-Köpfe". Da sitzt es wie angegossen.

Machmal hab' ich den Eindruck, dass in bestimmten Sendungen auch "Billigteile" eingesetzt werden (?).
Ist mir zumindest bei den großen TV Shows nicht bekannt. Klassiker ist das DPA 4088 (Kugel) http://www.dpamicrophones.com/microphones/dfine Sennheiser versucht zwar nachzuziehen, etabliert sich aber nicht so ganz auf dem Markt. Dafür haben die es mit ihrem MKE 1 Ansteckmikrofon (und natürlich dem Klassiker MKE 2) geschafft. MKE 1: Dünnes Kabel, dünne Kapsel, klingt super.
Ein wirklich sehr gut klingendes Headset, aber nicht besonders bekannt auf dem Markt, ist das HS6 von Teqsas ( http://www.teqsas.de/kopfbuegelmikrofone/ ) Gute Verarbeitung, verbaut ist ein MKE 2. Das HS5 ist eher für die Veranstaltungstechnik interessant.
 
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#7
Ich habe dieses Thema erst jetzt gefunden und will es daher nochmal aufgreifen. Also für mich sehen diese Dinger einfach nur "deppert" aus und bringen keinen Mehrwert. Manche Moderatoren setzen sich die so vor die Nase das man jeden Athemzug mitbekommt. Ganz lustig wird es erst, wenn ein(e) Sänger / Sängerin zwecks Interviev ein Bügelmikro am Kopf hat und dann unbedingt noch ein Gesangsmikro (bei Vollplayback) in die Hand nehmen muß. Auch Moderatoren meinen immer häufiger das man 2 Mikros am Mund braucht. So das war meine persönliche Meinung. Ist das doch vielleicht nur eine Modeerscheinung ?
 
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