"Wir formatieren uns zu Tode"


Status
Nicht offen für weitere Antworten.
#26
In den USA gibt es auf jedem größeren Radiomarkt -- dies bedeutet, in den größeren Städten und nur dort -- eine riesige Vielfalt an empfangberen Sendern. Aber selbst größere Formate wie AC oder Country werden von maximal zwei bis drei Stationen bedient, alle anderen haben demnach auch wirklich andere Formate und versuchen auch noch unterformate zu bedienen (Also nicht nur einfach "Rock", sondern auch "Classic Rock", "Albom Orientated Rock" etc. Dann hat der Hörer auch die Möglichkeit, das auszusuchen was er am liebtsen oder gerade jetzt am liebsten hört.

In Deutschland hingegen gibt es durschnittlich zwar mittlerweile auch zehn verschiedene Programme, diese sind aber entweder CHR oder AC oder Schlager oder oder Kultur/ Klassische Musik oder Information/Wort. Wenn dann mal eine Spezialstation zu hören ist, dann nur mit dem jeweiligen Mainstream (siehe JazzRadio Berlin oder die diversen Rock-Radios). Von Innovation und Dynamik meilenweit nichts zu sehen.

Aber nicht nur die Musik, auch das "Drumherum", die Moderationen, Verpackungen, alles konvergiert zum oben erwähnten Einheitsbrei. Wenn ich meinen Windows Media Player auf "Zufällige Wiedergabe" stelle und 100 Lieder auf der Festplatte, die mir gefallen, kann ich locker mit diversen "Antenne"-Sendern mithalten, und habe sogar den Vorteil, dass ich mir keine dämlichen Moderationsautomaten (das ist kein Angriff auf irgendjemanden, sondern lediglich die Kritik der Verhältnisse), Jingles und Werbung anhören muss. Dafür verzichte ich dann gerne auch auf die Nachrichten.

Wer findet denn irgendeine der Massencomedys noch wirklich lustig? Doch nicht einmal die Firmen, die mit deren Produktion ihr Geld verdienen. Und wer will schon die nervige Minderheit von ewig durch das Telefon in den Äther quäkenden Hörern ertragen, die bei jeder Mitmach-Aktion das Handy zücken, nur um auch mal ins Radio zu kommen?

LEUTE, WAS IHR DA PRODUZIERT IST SCHEISSE, ECHTE KACKE, DIE NUR DESHALB GEHÖRT WIRD; WEIL ES NICHTS BESSERES GIBT!! (War jetzt an die gerichtet, die wirklich dafür verantwortlich sind, sich aber offensichtlich lieber in geschlossenen Foren darüber unterhalten).
 
#28
Radio in D'land kann noch gar nicht in die Nischen und Sparten ausarten, wie in Ami-Land!
Noch werden dt. Radioprogramme von Massen an Mitarbeitern bestritten, die gute Honorare kassieren (bei den meisten jedenfalls).
Das verursacht Kosten - erhebliche. Diese Kosten müssen reingespielt werden. Über Werbung. Und deren Preise definieren sich über die MA-Zahlen.
In Amiland ist die Crew der kleinen Spartenprogramme so klein und kostengünstig, daß man hierzulande wahrscheinlich nicht mal die Mornings-Stars davon bezahlen könnte...
(Diese These bezieht sich NICHT auf alle Stationen!!!)
Und: Das ureigene Problem des dt. Formatradios ist der Mangel an hervorragenden Moderatoren, die ein Format ausfüllen und transportieren können. Die Umsetzung ist das Problem - nicht das Format!
Übrigens: diese dpa/BILD - Analyse einer meiner Vorredner, ist doch Blödsinn! Die Quellen sind doch völlig egal. Was man daraus macht - od. wie eine News-Redaktion ein Thema (welches nah an den Hörern ist) umsetzt ist entscheident. Woher die Story ist, interessiert doch absolut niemanden.

mac.
 
#29
Pirni: dann hat der kleinere Sender halt die feierfreudigeren Hörer oder er hat mehr Promotion gemacht. Du willst doch nicht diese eine Begebenheit anführen, um zu beweisen, dass die MA Unrecht hat?
 
#30
doc don, was du sagst, hat mal wieder hand und fuß. solltest du 2x hier reinschreiben...

hier spricht doch viel neid der im job gescheiterten oder ewig zweiten im markt...

es ist doch verwunderlich, was hier so als anfechtung zur gängigen MA methode vorgeschlagen wird. diese party geschichte ist noch lächerlicher als die azubi börsen geschichte weiter oben.

es kommt doch auf die art der promotion an, auf die umsetzung. und schon mal auf die altersstrukturen der sender geachtet?
nrj in hh als vgl bar kleines licht im markt, macht bestimmte partys sicher voller als marktführer radio hh.
 
#31
@ dann hat der kleinere Sender halt die feierfreudigeren Hörer oder er hat mehr Promotion gemacht. Du willst doch nicht diese eine Begebenheit anführen, um zu beweisen, dass die MA Unrecht hat?

Es wurde nur der idente Spot auf verschiedenen Sendern gleichoft gesendet und wir haben uns über die unterschiedliche Response gewundert, die überhaupt nicht mit der MA übereinstimmte !
 
#33
Das zeigt doch einmal wieder, wie beschränkt aussagekräftig diese "MA-Zahlen" sind (jetzt mal rein hypothetisch davon ausgegangen, sie stimmen tatsächlich annähernd)

Und ausserdem: Masse ist nicht alles!
 
#34
Na toll. Masse ist nicht alles. Und wovon bezahle ich meine Wohnung? Hallo, das Ziel eines Senders ist es, in der MA möglichst gut dazustehen, um seine Werbezeit möglichst teuer verkaufen und möglichst viel Knete an die Gesellschafter ausschütten zu können.

Ist das hier irgendjemandem neu?
 
#35
Zurückgehende Einnahmen liegen sicher nicht nur an der allgemeinen Wirtschaftslage - oder neuerdings an Bin Laden? Der Werbemarkt hat sich in der Aufteilung kaum verändert - mehr und mehr zählt aber die Wirkung. Dass Radio als "Tagesbegleitmedium" verstanden wird, ist keinesfalls neu. Und aufwenig gemachte Werbespots sind nicht unbedingt erfolgreicher, als platte. Nervende Spots wie "Musterhausküchenfachgeschäft oder Media Markt" sind die Renner. Schon seit Jahren beackert die RMS die potentiellen Kunden mit eindeutigen Beweisen, dass Radio die allerallerhöchste Wirkung bei der Kontaktanzahl erzielt. Mir sagte mal ein Verantwortlicher von einem Handelskonzern: Beilagen können wir messen - und die können wir durch die Hersteller querfinanzieren, radio: da nehmen wir den größten öffentlich-rechtlichen und den größten privaten - um inhalte können wir uns keine gedanken machen. es ist abgeroschen und doch so wahr: dem fisch muss der köder schmecken - nicht dem angler. und so soll radio eben geld bringen - inhalte machen sich die meisten gesellschafter dann durch ihre zeitungen/zeitschriften.
 
#36
- mehr und mehr zählt aber die Wirkung !

Stimme völlig zu ! Das war ja auch, was ich meinte, daß wir trotz besserer MA bei einem Werbespot weniger Wirkung erzielt hatten.
Die Formatierung der Radios zu einem Begleit- bzw. Hintergrundmedium haben es halt auch mit sich gebracht, daß die Werbebotschaften in den Hintergrund getreten sind. Werbung im Formatradio verpufft immer mehr und ist für den zahlenden Kunden wie Geld beim Fenster hinausschmeissen !
Lieber ist es mir, 10.000 ZUHÖRER zu erreichen, als 100.000 Nebenbei-Einschalter, die meine Botschaft gar nicht mitkriegen !
Aus diesem Gesichtspunkt, sollte die Radioentwicklung ( weg vom Sendungs-Zuhör-Radio zum formatierten Hintergrundberieselungsmedium) auch mal gesehen werden. Mein Vater hat eine alte Firma: In den siebziger Jahren noch brachte eine einzige (!) Durchsage in einer Radiosendung mehr Kundenfrequenz als jetzt eine ganze Kampagne im durchgestylten Hitradio !
 
#37
DAS ist mal ein interessanter Aspekt. Nur: wie will man das messen und vor allem wie will man dem Werbechef von Fiat deutlich machen, dass Radio XY in Hinterhausen mehr "Zuhörer" (wenn wir sie so nennen wollen) hat als die Konkurrenz, die mehr ausgewiesene Hörer in der MA hat ...???
 
#38
Was mich an dieser Diskussion stört, ist dieses Entweder-Oder. In einem so bevölkerungsreichen Land wie Deutschland muss
es einfach möglich sein, flächendeckend für
alle was anzubieten. Und außer den beiden Polen "elitärer Akademikerfunk" (SWR2, weite Teile vom DLF,...) und anspruchslose Geräuschkulisse kann ich hier im Südwesten kaum etwas finden.

Durch die SDR/SWF-Fusion sind viele tolle Formate verlorengegangen. Quiz- und Comedyshows mit Live-Publikum und z.T. Live-Musik, 40-Minuten-Talks ohne Musik, Musikspartensendungen von Operette über Jazz bis Weltmusik,...: SDR1 war nicht nur nachweislich erfolgreich, sondern auch aussergewöhnlich vielseitig. Dagegen empfinde
ich SWR1 heute als ein SWR3 für die mittlere
Generation.

Wer mit dem heutigen Radio aufwächst, kann
wahrscheinlich keine großen Erwartungen an
das Radio entwickeln. Weil er nur Musikberieselung erwartet, empfindet er jedes
gesprochene Wort als störend. Gut, das es der
Jugendsender DAS DING jetzt auch mit Hörspielen versucht....
 
#39
Radiofreund, du sprichst mit aus den Herzen !

Es gibt wirklich nur noch 2 große Radiokategorien:
Ernst-intellektuelle Wort-Klassikradios und
dümmliche Hintergrundberieselung ohne Anspruch !
Es muß doch dazwischen auch noch eine Marktlücke geben !
 
#40
Antwort zu Doctor Don:

Vielleicht kommt der Werbechef von Fiat von selbst auch bald einmal drauf, daß Radiowerbung bei "Nureinschaltabernicht zuhörradios" wenig Resonanz bringt ?

Vielleicht könnte man zusätzlich zur MA eine
"Responsemessung" durchführen:

In jedem Radiosender werden gleichoft idente Spots gesendet, nur ein einziges Gewinn-Codewort ist anders. Dieses Gewinn-Codewort soll der Hörer an eine zentrale Stelle melden, dort weiß man dann dadurch, welchen Sender der Hörer gehört hat. Natürlich müssen attraktive Gewinne viele Hörer zum Mitmachen locken. Es darf kein Sender den Zeitpunkt oder sonst wie durch Moderation zusätzlich promoten.
( Nur so eine Idee zur Hörer-Response-Messung...)
 
#41
Pirni:
Wie wahr!
Nur - eine ganze Kampagne bringt dem Radiosender mehr Kohle ein als ein einziger Spot.
Das ist wie mit der Preispolitik für Druckköpfe...
Schade, daß in den Häusern nur so gedacht wird, immer nur Profit Profit...das macht den menschen eben auf Dauer nicht glücklich.
Um so bedauerlicher ist es, wenn die Öffentlich-rechtlichen Sender, die es sich eigentlich leisten können, davon abzusehen und sich auf Qualität zu konzentrieren, den Schwachsinn mitmachen und versuchen, die Kommerzfunker zu kopieren. (*Kopfschütteln*)
Das gane Medium leidet unter dieser Entwicklung und "Radio" hat mittlerweile ein ernsthaftes Imageproblem.
Ich höre immer häufiger den Satz: "Radio -pfff-ist doch überall und immer dasselbe. Wennde Musik hören willst, leg ne CD etc. ein." Für Nachrichten gibts Zeitungen und Zeitschriften, Kultur im Theater und im Konzertsaal und Bildung an der (Volks)hochschule.
Ja, wie schön, daß sich das Medium Rundfunk so langsam aber sicher selbst die Existenzberechtigung nimmt und sich damit abschafft!
Alte Weisheit:
Erst wenn der Chef sich selbst wegrationalisiert hat, läuft der Betrieb endlich profitabel!
 
#42
an alle "qualitätsfunker":

1. ihr seid also der meinung, daß ich bei einem "nicht-einschaltabernichtzuhörradio" mir die werbung genauer anhöre? schwachsinn! bloss weil ich einen niveauvollen beitrag ganz toll fand und genau zugehört habe, höre ich bei der werbung trotzdem wieder weg.

2. logisch ist radio ein nebenbei-medium. aber besser 200.000 leute hören meinen spot nebenbei, als nur 40.000! damit ist die ma für die werbewirtschaft schon wieder interessant.


zudem: GUT gemachte werbung weckt IMMER interesse. überlegt doch mal: es gab und gibt immer wieder hörfunk-werbe-spots, die JEDER mensch kennt. ich sage nur:
"ZWANZIG? MOOOOOOMENT!" und es gibt zahlreiche weiter beispiele, erinnert euch mal an die MEDIAMARKT-kultwerbefigur "willi butz" vor ca. 8-9 jahren. comedy pur!

man sieht: radio kann also sehr wohl ein optimales transportmittel für meine werbung sein.
zudem sind auch die verkäufer der sender gefragt, die für die kunden interessante sonderwerbeformen erarbeiten sollten, mit denen das produkt noch interessanter und wirksamer präsentiert werden kann, als in den standard-20-sec-spots, bei denen ein auto zwischen cola, persil und bigmäc präsentiert wird.

zu dem partybeispiel:
@hagenhafen und doctor don: recht habt ihr

@ schnuffel und pirni: nonsens!

ich kann eine party bei einem großen ac-sender promoten und sie wird leer, während sie durch promotion bei einem kleinen chr-sender voll wird. --> unterschiedliche hörerstruktur! hat nichts mit "angeblich falschen zahlen" zu tun. aber ein werbekunde sollte sich schon genau überlegen, mit welchem sender er die angestrebte zielgruppe am besten erreicht. dass ich mit antenne bayern, ffn oder rsh die "feierwütigen" jugendlichen nicht ansatzweise so gut erreiche, wie mit n-joy, nrj, hr xxl oder planet müsste jedem klar sein.!
also: keine fehler der ma-zahlen, sondern des werbekunden, der die spots falsch postiert hat.

so eine kundenveranstaltung ist also nicht ansatzweise adäquates instrument den erfolg eines senders zu messen. ebensowenig wie pirni's freundeskreis!
die stichprobenmenge ist viel zu gering, zudem nicht repräsentativ.
[statistik grundlagenkurs teil 1]

die MA hingegen erfüllt die formellen kriterien und grundlagen einer statistischen und empirischen untersuchung.
und die frage "welchen sender haben sie gestern gehrt" beantworte ich NATÜRLICH wahrheitsgemäss. und von wegen: "sender, dich ich einschalte aber nicht höre" - damit mir ein sender so intensiv im gedächtnis bleibt, dass ich ihn bei der entscheidenden MA-Frage auch nenne, MUSS ich ihn hören. und dass, was "nebenbei" läuft, muss mir gefallen, sonst schalte ich ihn nicht ein...ich bin doch nicht blöd!
wenn ich gute, umfassende nachrichten im auto mag und musik weniger wichtig ist, höre ich halt einen ö.r.- nachrichtensender und weiss das sosehr zu schätzen, dass ich ihn in der ma nenne. wenn ich hingegen comedy, entertainment und meine lieblings-mega-super-giga-hits hören will, um nach einem scheiss-tag in meinem scheiss-büro unter meinem scheiss-chef im stau stehend wieder gute laune zu bekommen, höre ich halt rpr,ffh,ndr2, ffn, rsh, rhh und so weiter und so fort! und auch dann weiss ich zu schätzen, dass dieser sender mit diesem moderator um diese zeit meine liblingsmucke spielt und die beste laune macht, und beantworte dementsprechend die ma-frage!

wenn es denn nun so ist, dass die normalen ac/hot-ac-stations am markt erfolgreicher sind, dann ist das ein spiegelbild der (von mir aus "verdummenden") gesellschaft, die keinen wert auf 3-minuten-beiträge ohne bett legt, sondern lieber seicht unterhalten werden will. aber dann sind es auch die (meist privaten) ac-sender, die das am besten erkennen und dadurch ihr geld machen. der rest der bevölkerung hat zum glück den rundfunkstaatsvertrag, der dafür sorgt, dass auch ihr tiefergehendes informationsinteresse von wdr, hr, rb, ndr und deren jeweiligen infomationskanälen ohne blick auf die quote befriedigt wird. und weil auch solche sender gut, wichtig und unerlässlich sind, zahle auch ich die gez-gebühr ohne zu murren.

die sender, die obiges nicht erkennen, haben halt ne scheiss-quote und machen keine kohle.
so läuft der markt, und das ist auch gut so!

denn eines müssen wir ja mal dringend festhalten: ziel eines radiosenders als wirtschaftsunternehmen (ich spreche jetzt vom privatfunk) ist es,unter den gegebenen marktbedingeungen maximalen gewinn zu erzielen.
Ob ich diesen gewinn mache, weil ich wirklich viele hörer habe, oder weil nur die meisten menschen meinen Sender nennen, oder weil meine off-air-maßnahmen so toll sind, oder sonstetwas ist egal. Und wenn es funktioniert, indem ich seichten dudelfunk mit 08/15-Moderationen und 200-titel-rotation sende, dann funktioniert der markt halt so.
bringt bestimmt uns als "machern" weniger Spaß, aber dem unternehmen den gewünschten profit.
und um dies zu ändern, muss ich aber nicht das phänomen radio ändern, sondern die gesellschaft und deren bedürfnisse und wünsche...dabei schon mal viel erfolg!

natürlich habe ich als "Wirtschaftsunternehmen Radio" ein interesse an der zufriedenheit meiner mitarbeiter (man nennt das auch internes marketing), aber vorrangiges unternehmensziel ist das minimal-/maximal-prinzip. lautet wie folgt:
entweder maximaler gewinn mit gegebenem einsatz, oder gegebener gewinn mit minimalem einsatz! [BWL 1.Semester]

so, jetzt bin ich müde...



[Dieser Beitrag wurde von donhagen am 30.10.2001 editiert.]
 
#43
Danke für die lange Antwort, die Mühe für die vielen theoretischen Erklärungen ist immerhin anerkennenswert.

Ich selbst habe 30 Jahre Hörfunk hinter mehr ( ÖR und privat) und ziehe halt meine Schlüsse auch aus der Praxis und nicht nur aus Studien-Skripten.

Die Werbung im Radio funkionierte bisher deshalb auch noch so gut, weil das Radio sich über Jahrzehnte einen guten Namen gemacht hat. Mittlerweile verliert das Medium Radio immer mehr an Ansehen und ihr werdet mit euren Theorien baden gehen.
Derzeit wird ja die mangelnde Response durch immer aufwendigere Kampagnen ausgeglichen.

Beispiel: Vor 20 Jahren erreichte ich mit 3 Spots dieselbe Wirkung wie jetzt mit 30 Spots. Wie lange soll das noch weitergehen? Wollt ihr in 5 Jahren einem Kunden einreden, er soll 500 Spots schalten mit Mega-Gewinnspiel und jedem der beweist, daß er zugehört hat, schenkt ihr eine Nacht in Venedig ?
Die Entwicklung wird so sein, daß irgendwann
nichts mehr geht, dann wenn die Macher und Werbekunden die einzigen Hörer sind.
Die Wirkung der Radiowerbung pro Spot sinkt jedenfalls ständig und irgendwann kann man einfach nicht mehr den Ausgleich durch noch mehr Spots, noch mehr Aktionen usw. schaffen.

Dabei entdecke ich soviele Widersprüche: Einerseits wird gesagt, daß beim einem Zuhör-Programm niemand den Werbespot aufmerksamer hört, als bei einem Berieselungsprogramm.
Warum verlangt ihr dann bei Positionierung nach oder vor Nachrichten, vor Wetter etc. dann hörere Einschaltpreise ?

Ich höre in Montreal in Canada mir immer die öffentliche SENDUNG "Dine and Dance" mit Peter Cortney auf WQ92 an, hier wird schon wieder Zuhörradio gemacht und die Werbung wird hier nur durch trocken gesprochene Texte
eingefügt, wie bei uns in den Sechziger Jahren.

Alles ist in Bewegung, auch die Theorien der
heutigen Radiomanager werden einmal überholt sein !
 
#44
@ donhagen: DANKE für diese antwort! ich hätte nicht die geduld gehabt, es so ausführlich zu beantworten - aber du hast recht. das problem: jede realistische und korrekte schilderung und erläuterung zählt in diesen foren nicht!
 
#45
Puh! Noch mehr Sonderwerbeformen als Antwort auf funktionierende Werbespots - fast alle Sender lassen doch schon fast alles präsentieren, was nur geht. Wie wäre es aber mit den Nachrichten? Wir haben schon soviele heilige kühe geschlachtet...Krieg gegen Terror - präsentiert von Heckler & Koch - oder Einsatz von Bodentruppen - empfohlen von Krauss/Maffay. Ground Zero - mit der Bahn wäre das nicht passiert...
Noch vor einigen Jahren durften Moderatoren im TV nicht innerhalb des eigenen Programmes Werbespots sprechen - Vergangenheit! Und was hats gebracht? Natürlich bringen Spots mit Nerv- oder Aufmerksamkeitselementen gerade im Nebenbeimedium nach wie vor Erfolge. Hier hapert es doch wohl wirklich an der Beratung. Denn auch bei den Tageszeitungen funktioniert es doch noch - obwohl kaum junge Leute Tageszeitung lesen. Sind da nur Betonköpfe als Entscheider? Die Lebensmittelzeitung stellte schon vor Jahren fest - eine Nachfrage setzt erst nach 18 Spots ein! Und schließlich erforschte schon das Hamburger BAT-Institut das Freizeit- und Konsumverhalten der Deutschen ab 2000: Der Mensch wird vor allem durch das Radio erreichbar sein - weil es fast überall inzwischen im Hintergrund erlaubt ist - aber die Zeiten, in denen jemand vor dem Radio klebte und auf Wort wartete sind schon lange vorbei...das werden wir nicht ändern - also lasst und aus den Gegebenheiten was erfolgreiches machen - oder das Metier wechseln.
 
#46
Übrigens: Schon während meines Zeitungsvolo vor vielen, vielen Jahren gab es schon Verleger, die sagten: Redaktion ist der Schmuckraum für die Anzeigen. Auch Radiosender gehören oft zu Verlagen - also nichts neues: Musik und News sind nur das Umfeld für die Werbespots - basta. wer mehr will, der soll sich doch beim deutschlandfunk bewerben.
 
#47
Zu dieser Aussage:
<Und schließlich erforschte schon das Hamburger BAT-Institut das Freizeit- und Konsumverhalten der Deutschen ab 2000: Der Mensch wird vor allem durch das Radio erreichbar sein - weil es fast überall inzwischen im Hintergrund erlaubt ist.>

Der Mensch ist mit noch so vielen eingeschalteten Radio immer weniger erreichbar, weil er wegen der ihn ständig umgebenden Berieselung ( nicht nur Radios, auch Kaufhaus, Restaurants, Busse usw.) immer mehr geistig abschaltet !

Viele wissen nicht einmal, welcher Sender läuft !
 
#48
Stimmt Pirni.

Nur ein Beispiel dazu aus dem "Leben". Ich war heute beim Friseur. Immer wenn ich dort bin, läuft NDR2 als Geräuschkulisse, ziemlich laut sogar. Als ich dann nett in ein Gespräch verwickelt war
, meinte ich zu meiner Friseurin, die dort den ganzen Tag verweilt: "Ach, haben die wieder dieses ´...und das Leben beginnt´ eingeführt?" Darauf meinte sie, daß sie diesen Spruch noch nie gehört hätte! Radio würde sie nur noch nerven, sie würde es einfach nicht mehr wahrnehmen.

==> Irgendwas macht NDR2 falsch.
 
#49
@ pirni.

natürlich hat man vor 20 jahren mit 3 spots so viel response gehabt, wie heute mit 30. und warum?
is doch logisch, früher hatte ich maximal 2 sender, die eine region versorgt haben, heute sind es 20. und ausserdem gibt es mehr fernsehsender etc... da ist es doch nur logisch, dass 3 spots bei EINEM sender nicht von so vielen menschen gehört werden, wie früher!


desweiteren: wenn ich in ein kaufhaus gehe und es läuft radio, und dort gerade werbung, die ich dadurch im unterbewusstsein wahrnehme --> natürlich weiss ich nciht, welcher sender dort gerade läuft. ist aber auch scheißegal. wichtig ist, dass jemand aus der belegschaft des kaufhauses, der diesen sender den ganzen tag hört, ihn so toll findet, dass er ihn einschaltet.

@pollux: richtig, mehr kreativiztät ist gefragt. genauso richtig ist es, dass wir nicht versuchen sollte, die gesellschaft auf die wünsche der radiomacher zu verändern, sondern versuchen sollten, unser metier auf die gesellschaft und deren bedürfnuisse einzustellen, um kohle zu machen!
 
#50
ich denke, heute hat das radio seine zugehörigkeit verloren - bei dieser formatiersucht und dem durchhörbarkeitswahn sind alle zusammengerückt und welchen hörer interessiert es heute noch, welchen sender er hört - für den hörer ist das egal geworden. bei einem bis 2 mod-plätzen pro stunde läßt sich personality schlecht aufbauen - die helden von gestern wechseln, kniep und kuhnt zu radio 21, alt-ffn-ikone petershofen war mal ndr, beiersdorf bei ndr bei ffn, angerstein bei saw/brocken jetzt bei hitradio antenne - usw. alle im etwa gleichen sendegebiet. Mein Sender - das sagen wohl heute nur noch ältere Hörer - andere suchen nur noch das radio, was am wenigsten stört - was radio ihnen ausser blitzmeldungen bringt - ist in vergessenheit geraten und dasradio insgesamt eine selbstverständlichkeit - man hört radio - welches? egal. auch in der werbung- sie geht ungefiltert via ohr direkt ins hirn - ob bewußt oder unbewußt - mit dem emotionsträger musik funktioniert sie immer noch - und nur so kann man dann auch die hörer manipulieren - durch claims, die auch ins unterbewußtsein zielen - damit das leben darin ma-freundlich beginnt.
 
Status
Nicht offen für weitere Antworten.
Oben