Antenne Deutschland (Oschmann und Media Broadcast) und Ströer gründen nationalen Vermarkter für Audio


Dr. Fu Man Chu

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Grübel, grübel für die Vermarktung brauche ich Reichweite. Als eigene Kombi gegen die Platzhirsche RMS + ASS anzutreten bedeutet 700 Tsd. - 1,0 Mio Hörer ~ 10% der Super- bzw. Deutschland Kombi. Um die Dimension aufzuzeigen sind das was NRJ, JAM FM, Klassik Radio, Radio Paloma, Schlagerparadies, Schwarzwald Radio, RTL Radio, SSL zusammen auf die Waage bringen.

  • Ich gehe mal von 500.000 Sekunden = 16.700 Spots/30 Sec. aus,
  • Spotpreis 10% von der Superkombi 3.043 €
  • Ergeben 50,8 Mio. Brutto nach AE, Rabatten, Vermarktung = gute 33 Mio. Netto Einnahmen.
  • Zum Vergleich RHH + ffn kommen auf ähnliche Netto Einnahmen.
  • Ich habe im Kopf (gerne Korrektur) national kostet DAB so 8 - 12 Mio. Gehen wir mal von 8 Mio aus.
  • Dann stehen ~25 Mio für die Sender zur Verfügung.
  • Das sind durchschnittlich pro Sender ~1,5 Mio. €
Jetzt könnte man noch jede Menge Annahmen einbauen. Über Lokalisierung wären auch mehr Spots drin, etc pp drin. Dann tritt ein neues Produkt ohne Reichweiten gegen etablierte Platzhirsche an, Doch, mit diesen Einnahmen ambitioniertes Programm machen? Viel Spaß...
 
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Wanderdüne

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Deiner Schätzung würde ich rundum zustimmen. Bei den Nettowerbeerlösen von RHH und ffn sind aber die regionalen Erlöse enthalten. 33 Mio. Nettowerbeerlöse des neuen Werbevermarkters entsprechen ungefähr 15% der RMS-Erlöse. Die Frage ist, welche Auswirkungen haben die Erlöse des 2. Vermarkters. Werden die Budgets aufgestockt oder umverteilt? Ich tippe auf Umverteilung: 60% zu Lasten RMS, 40% zu Lasten ASS. Das Pricing wird am Ende zu Nachlässen bei RMS und ASS führen, um den Schaden möglichst gering zu halten und den "Neuen" rauszuhalten. Bringt aber den RMS-Genossen unterm Strich nichts. Es ist nicht existenziell, aber es kann die heutige Radiowelt gundlegend verändern - zumindest vermarktungsseitig.

Denn da steckt noch mehr drin. Ströer fehlt in der Vermarktungswelt derzeit das Thema Audio. Analog wie digital. Der Deal mit Oschmann/Media Broadcast ist der Türöffner in eine neue Gattung. Und da kennt man bei Ströer in der Regel keine Gnade und nimmt wenig Rücksicht auf Befindlichkeiten. Anders als in der genossenschaftlichen, heilen Welt der alten Radios namens RMS.

Das zugegeben geringe Inventar kann Stöer kräftig aufmöbeln mit digitalem Inventar (witzigerweise Inventar vieler Radiogesellschafter ;)) und mit Außenwerbung "veredeln". Seien wir ehrlich, es ist umgekehrt: Das Inventar wird ein wenig mit Audio veredelt oder abgerundet. Zudem hat man direkten Zugang zu den Mediaagenturen und kann gegenüber RMS noch ganz andere Knöpfe drücken. Ströer hat halt eine andere Marktmacht als RMS.

Wie Ströer Märkte von links auf rechts krempelt, zeigt das Beispiel OMS. Die OMS, nach Vorbild der RMS von den Radiogesellschaftern für ihr digitales Sammelsurium gebaut, war ähnlich schwerfällig und genossenschaftlich organisiert wie die RMS. Das führte dazu, dass Dumont vor einigen Jahren von OMS zu Ströer wechselte. Es folgten weitere Verlage. Der am Ende verbliebene Rest der zumeist Kleinverlage ist in der OMS, die aber kein operatives Geschäft mehr betreibt und in Düsseldorf von drei Leutchen verwaltet wird, ist zwischenzeitlich bei einem großen Vermarkter gelandet: Nämlich bei Ströer.

Übertragen auf die Radiowelt heißt das aber, dass irgendwann die ersten Anbieter, die mit der RMS nicht wirklich zufrieden sind (da soll es den ein oder anderen geben... ;)), dann vollständig zu Ströer wechseln könnten. Dies ist nicht so ganz aus der Welt, wie man an ffn sieht, die vor Jahren aus Unzufriedenheit mit RMS zur ASS wechselten. Und der ein oder andere Radioanbieter hat einen guten Draht zur Ströer. Da Ströer grundsätzlich Interesse an Audio (insbesondere digital, aber grundsätzlich an allem vermarktbaren Zeug) hat, wird man sich zunächst die ganzen Podcasts der eigenen Mandanten anschauen (die ja zum großen Teil von den Verlagshäusern der Radiogesellschafter stammen) und es zum neuen Audioinventar packen. Und vielleicht auch noch digitales Audioinventar dazukaufen. Insofern sehe ich die Gefahr nicht in den ersten Vermarktungsansätzen, sondern in der Frage, ob und wie ernst es Ströer mit der Audiovermarktung meint. Am Ende muss Ströer als börsennotiertes Unternehmen wachsen. Audio bietet Potential (was man dem Wettbewerber nur abgreifen muss) und eine Story.

Die einzige Einschränkung: Sie müssen es halt richtig machen. Wenn sie es so wie bei den Verlagen machen, dann könnte die RMS in der heutigen Konstellation ordentlich geschreddert werden.
 
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Dr. Fu Man Chu

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@Wanderdüne
Die Ausführungen würde ich unterschreiben.

Die OMS war ein Zusammenschluss von Lokomotivfabriken, die sich mal im Automarkt umgetan haben. Mit den Verlagen muss wirklich keiner Mitleid haben, wer über Jahrzehnte alles in seiner Arroganz und Selbstbezogenheit verpennt, der wird eben ein Opfer der kreativer Zerstörung.

Wollen wir dabei nicht vergessen, dass die Geschäftmethoden in der Vergangenheit mehr als ruppig waren:
  • Die Zustellern wurden mit Hungerlöhne abgespeist (Zeitungsjungen lebten nur von den verkauften Exemplaren).
  • Füra Aboschreiben gab es zig Drückerkolonnen und Callcentern, da machte sich kein Verlag die Finger schmutzig, waren fast immer Subunternehmer (Tönnies lässt grüßen).
  • Es waren ja auch tolle Zeiten als man wie die linke + fortschrittliche Mopo pro Ausgabe 3 Seiten Sexanzeigen hatte und man so die ausbeuterische Prostitution gefördert hat.
  • Aber in den Redaktionsstuben sitzen natürlich edle und gute Menschen, die uns moralisch und politisch gern unterweisen und uns jetzt Gendersprech als letzten Schrei präsentieren.

Nur Ströer kann auch hexen und ohne Reichweite funktioniert eben nichts. Das Problem für Ströer ist, auf den Online bezogen, sind sie ein eher kleineres Licht. Die Musik machen hier ganz andere und vor allem sie sitzen auf den Daten.

Ich frage mich ernsthaft, wie man mit einem Etat in der Größenordnung von zwei Radiosendern, nationale Programmmarken mit attraktiven Programming aufbauen will. Denn eines ist doch klar, keine Mediaagentur zahlt irgendwelche Vorschüsse auf Leistungen in der Zukunft und wenn man national unter 400.000 Hörer/Du.h bleibt, dann ist man nur verdammt schwer vermarktbar.

Insofern würde ich sagen, da sind eine Menge Baustellen. Entscheidend ist das Management, sind da wirkliche Radioguys, die Programming, Sales, Marketing können oder nicht? Eine Krise ruft immer nach Machern und bringt sie hervor. Da fällt mir nur der alte Sketch: "Wo laufen sie denn..." ein.
 

Spezi

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Die Frage ist halt, wo die "Radioguys" (@Dr. Fu Man Chu) herkommen sollen. Als deutscher Privatfunk in den Achtzigern aus der Taufe gehoben wurde, konnte man echte Macher von den Öffentlich-Rechtlichen abwerben, wie einen Hermann Stümpert oder Hans-Dieter Hillmoth. Auch bei den Gesellschaftern selbst wurde man fündig, als da war zum Beispiel Klaus Schunk.

Und heute? Wer will sich eine Antenne Deutschland antun? Das ist doch ein Himmelfahrts-Kommando mit garantiertem Knick im Lebenslauf. Schon deshalb vermute ich, dass sich letztlich etablierte Anbieter, die sich aus ihrer UKW-Komfortzone herausbewegen wollen oder müssen, letztlich auch im Bundesmux durchsetzen werden. Antenne Bayern und RTL sind meiner Meinung nach erst der Anfang.
 

Wanderdüne

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Ströer hat immerhin die größte Reichweite der klassischen Vermarkter mit über 50 Mio. UU. Klar, ohne Google & Co., aber weit vor den Freunden der holzverarbeitenden Industrie.

Allerdings stimme ich Dir sonst zu. Sie können nicht hexen, aber sie verändern Märkte. Sie brauchen eine Story und Wachstumsfelder. Dazu bringen sie für Oschmann etwas mit, was er alleine nicht kann: Out of Home zum Bekanntmachen. Und Bekanntmachen können sie, die Ströers.

Und es kommt darauf an, was die neue Vermarktungsunit eigentlich vermarktet. Sicherlich die Oschmann-Programme Absolut & Co., dann dies Classic-Autoradio von Wum&Wendelin und das ein oder andere (seltsame) "Nischenprodukt". Da wird man schauen, ob sie ein Konzept haben für unzufriedene RMS-Genossen und Mandanten.

Aus meiner Sicht gibt es zwei Perspektiven:

1. Ströer/Antenne Deutschland gelingt es, cross-mediale Angebote anzubieten (als UPS gegenüber ASS und RMS) und Reichweite mit eigenen und Drittangeboten aufzubauen, die man "einkauft" und abwirbt. Reichweite wird an den Reichweiten von RMS und ASS knabbern. Es wird an den TKPs knapper, da auch RMS und ASS Preisnachlässe anbieten müssen, sobald der neue Vermarkter ein gewisses Maß an Reichweiten aufbaut. Dann bin ich mir nicht sicher, ob RMS noch in zwei oder drei Jahren in der heutigen Form besteht. OMS hatte sich binnen zweier Jahre mehr oder weniger pulverisiert.

2. Ströer/Antenne Deutschland scheitert grandios. Produkte schlecht und Low-Budget. Reichweite wird nicht aufgebaut. Ströer verliert die Lust. Reichweite werden die ASS- und RMS-Sendern trotzdem schaden. Und auch die Preispolitik gerät in Gefahr. Am Ende beschleunigen solche Entwicklungen die ohnehin anstehende Entwicklung. So kurios es klingen mag, die Branche arbeitet daran, dass der ohnehin bevorstehende Niedergang der Branche (in 5, 7, 10 oder 15 Jahren) beschleunigt wird. Schon seltsam...

Gefühlsmäßig tendiere ich, nachdem ich die Angebote für den 2. Mux gesehen habe, ohnehin dazu, dass dieser 2. Mux ein Flop wird. Insofern halte ich auch die Variante 2. für wahrscheinlicher...

Ach ja, Antenne Bayern. Darauf hat der Rest der Republik gewartet. Sollte es tatsächlich ABY sein, dann mag das zwar eine Wette von Kovacs sein, dass die zusätzlich generierte Reichweite auf die RMS-Ausschüttungen einzahlt und diese dann die Kosten für den 2. Mux übertreffen. Statt sich mit derartigen Wetten zu beschäftigen, sollte er erst einmal sehen, dass er sein Produkt in Bayern wieder reichweitenfähig macht. Und auch bei RTL bin ich mir noch nicht sicher, ob man das große Besteck herausholt (Cross-Promotion, RTL-TV-Personality, Verzahnung mit dem TV-Bereich, Vermarktungsansätze etc.).
 
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Dr. Fu Man Chu

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@Wanderdüne
Ich denke von Google, Amazon, Facebook trennen Ströer noch Welten. Das ist halt die Champions League.

Ich glaube, wenn eines nicht funktioniert, dann ein lokales/regionales Programm national aufzublasen. ATB ist immer noch in Bayern erfolgreich, wobei unter Mister K. nicht mehr ganz so glanzvoll, aber die erzählen halt rauf und runter was von Bayern, das ist jenseits der Landesgrenzen aber nicht mehr attraktiv.

Ich gebe es zu, auf langen Autofahrten ist auch mal SW-Radio an. Wobei, die Moderationsstrecken übern den Blackwood Forest, da bekomme ich nen schnellen Daumen...

Ein nationales Programm muss wirklich national sein, tja und das kostet. Programm auf Lokalradioniveau (Kosten) mit nationalen Anspruch funktioniert. Ist wie beim Autorennen, nicht billigste, sondern das schnellste Auto gewinnt. Mister K. reist mit nem Oschmann Ticket. Eigentlich war die aktuelle Funkanalyse ein Schuss ganz direkt vorm Bug und gerade der BR hat kräftig aufgeholt. Ich sage da mal nur Taktikschulung: Kräfte konzentrieren, nicht verzetteln oder aufteilen ist die halbe Miete, bzw. der beste Weg eine Schlacht zu verlieren.

RTL? Bis jetzt war RTL mit Crosspromotion nicht so freigiebig. Köln schaut da immer auf Berlin runter. Aber, wenn die eines wissen, ihre Marke, die immer noch Glanz hat, geben die nicht aus der Hand. Schon gar nicht in die Hände von Oschmann. Alles was ich so höre, ist dass RTL nicht so zufrieden ist, wie zu Hörhammers Zeiten. Das wird auch nicht in Berlin, sondern in Köln entschieden. Da ist eher die Frage, bleiben wir noch im Radio? Keinesfalls laufen Investitionen, wenn man nicht die volle Kontrolle hat.

Die RMS? Tja - das ist ein dickes Fragezeichen. Die gute Frau Bullwinkel wird eine Strategie entwickeln und sie vor allem durchsetzen müssen. Bisher hat sie den Ball sehr sehr flach gehalten. Außerdem steht sie in einer Tradition profilierter Geschäftsführer und Strippenzieher. Sich nur um interne Organisation und Vertriebsleitung zu kümmern, dafür braucht man keinen GF. Nur, sie ist ne klassische Mediafrau, in Sender- oder Mediumsdimensionen zu denken, ist eine andere Hausnummer. Das merken langsam auch die Sender.

Druck auf die TKP? Meine Einschätzung, solange man unter 8-10% Marktanteil ist, ist der Druck nicht so stark. Wenn es in Richtung 15% geht, dann kommen die Preise in Rutschen. Die Sache ist halt, mit schwachen Angeboten bekomm'ste einfach kein vernünftiges GRP-Level hin. Nur, da Radio eben Abverkaufsmedium ist, braucht man es halt für den Werbedruck. Mit CPO-Spots kann man schon lange nichts mehr verdienen. Daran ist schon die RTL Radio-Vermarktung gescheitert.
 

Wanderdüne

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Du magst recht haben. Die eigentliche Gefahr (für RMS) sehe ich eher darin, dass Ströer auf der gesamten Klaviatur der Vermarktung spielen kann (Out of Home, Digital). Wenn Ströer es richtig macht, dann bieten sie crossmediale Pakete an. Die Frage ist nur, ob sich das für die Ströers wirtschaftlich am Ende lohnt. Wenn Audio zum Add On verkommt, dann wird es halt mitverschenkt - und damit die Gattung entwertet. Machen sie es richtig, höhlen sie die RMS aus, indem sie Mandanten abziehen. Sollte man bei Ströer tatsächlich überlegen, dass man sich die Gattung unter den Nagel reißt, dann wird es für RMS eng. Wenn es nur um eine taktische News geht, dann wird es eher schwierig. Wie gesagt, Ströer will wachsen und braucht Stories. Nach Corona sah es bis vor einiger Zeit aus, dass die Aktie ein ordentliches V hinlegt, nach dem jüngsten Einbruch sieht es eher nach einem W aus. Aber am Ende performt die Aktie trotz Corona-Krise relativ gut. Um das Feuer aber bei Laune zu halten, braucht es aber immer Futter. Und warum nicht u.a. Audio (als eine Story). In der Tat, von den reinen Digitalvermarktern ist Ströer weit weg.

Aber die Chance für Ströer bestünde tatsächlich in dem Führungsvakuum der RMS. Bullwinkel mag sortieren, Fischer Strippen ziehen. Ansonsten ist die Klammer HDH, die oft genug den Laden zusammengehalten hat, weg. Digital produziert man Kosten, die Erlöse? Tja. Wirkliche Perspektiven in Hamburg? Nicht wirklich. Dazu Alleingänge in Sachen Datengenerierung (oder was man da mal will und andere schon haben). Und genau da könnte die Chance für die Plakatkleber liegen. So, wie sie es bei der Digitalvermarktung der Verleger gemacht haben.

Was die Strategie von ABY anbelangt, keine Ahnung. Nur, dass K. auf Oschmann-Ticket läuft, wage ich zu bezweifeln. Da gab es zudem jüngst einen Vorfall. Der läuft meiner Einschätzung nach eher auf anderen Tickets. Oder stolpert eher.

In Sachen RTL hat sich einiges getan. Die Kölner haben Berlin jetzt auf dem Schirm. Allerdings wird die Frage für die Berliner am Ende sein, wer Koch und wer Kellner in Sachen Audio ist. Zimmer hatte da seinen Weg, der zumindest ihm den Status als kleinen RTL-, aber doch als großen Radio-Fürst sicherte. Da haben sich einige Dinge geändert. Sollte die nationale Nummer der beiden RTL Radios im Bundesmux scheitern, hat Schmitti ein Problem. Auch Audio Now soll, wie man so hört, nicht wirklich laufen (was mich ehrlich gesagt auch nicht wundert).
 
Hauptsache RTL dudelt überall irgendwie mit. Ich kann mir allerdings kaum vorstellen, dass die wegen dem Bundesmux jetzt in das Programm investieren. Zumal die Leute in Berlin das bundesweite RTL sowieso nur noch als "Nischensender" betrachten, was man halt nebenbei mitproduziert. Solange sich das (noch) rechnet, bitteschön. Ansonsten beendet man das bundeweite RTL. Wurde ja schon damals in Erwägung gezogen. Entweder ein Schlusslicht ziehen oder einfach das Berliner Programm draufschalten. Ich war ja für letzteres. Alleine schon deshalb, damit sich das dünne Kudamm-Personal nicht noch mit Beiwerk beschäftigen muss. Vor der eigenen Haustür gibt es genug zu tun. Die Zahlen waren auch schon mal besser.

Ist ja schön, wenn auch Köln den Hörfunk im Blick hat. Aber kommt da ansonsten noch was? Oder reicht es schon aus, wenn das RTL-Sparflammen-Programm auf allen Kanälen vertreten ist?
 
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Dr. Fu Man Chu

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@Wanderdüne
Die Trümpfe der RMS sind ihre Kombi, den haben ihr die Sender selbst gegeben um die ihre Beiboote ohne viel Aufwand zu refinanzieren. Aus der Superkombi können eigentlich nur Bayern, BaWü und NRW ausgesteigen. Für einen Sender in Meckpom oder Thüringen wäre es die tödliche Doris. Die RMS hat das durch ihre Preispolitik noch verstärkt. Der angenehme Kombieffekt, man hält die Sender auf Abstand, sie können kaum reinreden, während es bei der Einzelvermarktung gern mal heftige Diskussionen und je nach Temperament Konflikte gibt.

Auch die Key Accounts und Mediaagenturen präferieren Kombis. Die Abwicklung ist viel einfacher. Radio spielt in Mediagenturen im Kammerbesetzung zusammen mit Ambient, Poster und Kino. Da sitzen nur sehr kleine Fachteams, teilweise Einzelkämpfer. Umsatz und Ertrag wird mit TV und Online gemacht. Der charmante Vorteil von Radio aus Planersicht: große Zielgruppen, schneller Reichweitenaufbau, wenig Planungs- und Optimierungsaufwand via Re-Shift, den die Planer wie Pest hassen. Also, wer da den Planungsaufwand erhöht, der kann sich auf lustige Jahresgespräche einstellen. Zumal, Radio aus dem Plan zu schießen ist für eine Agentur eine Fingerübung.

Die Cross-Media-Angebote? Meine Erfahrungen waren fast immer, hat auf dem Papier funktioniert, in der Praxis aber eben weniger. Damit greift man als Medium in die Planungshoheit der Agenturen ein. Das mögen die überhaupt nicht. Zumal Out of Home Kampagnen sind eher urban orientiert, die Reichweitendickschiffe decken gerade die nicht verdichteten Räume gut ab. Insofern, kann klappen, aber einiges spricht dagegen.

Datengenerierung? Herr bitte lasse Hirn regnen! Da ist Amazon mit seinen ganzen Kauf- und Suchdaten, da ist Google und Facebook. Jeder kleine Angelladen kann sich bei Facebook, ohne viel Ahnung zu haben eine Kampagne für Wurfangler basteln. Big Data braucht halt viele Daten, sonst kann man die Auswertung und Ergebnisse vergessen. Wenn die Sender nicht so gnadenlos das Web verpennt hätten, hätte man Reichweiten. Das ist Kleingartenverein gegen Gutsbetrieb. Dann leistet man sich auch noch eine Zersplitterung auf mehrere Anbieter. Kostet ja alles nichts. Man lernt ja nicht mal aus der Geschichte der RMS, dass die Bündelung den Erfolg gebracht hat.

@Berlinerradio
Zimmer konnte zu seiner Zeit noch gut RTL abschotten, weil in Köln alles tuti war. Doch seitdem das lineare TV kräftig unter Druck ist, schaut man halt auch auf die kleine Radiosparte. Strategisch gesehen hätte mit RTL eine potentielle nationale Radiomarke. Nur mit den Berliner Leichmatrosen würde ich mich nur bei Schönwetter auf den Wannsee außerhalb der Ufernähe bewegen wollen. Zumal, vor Erträgen stehen Investitionen, die sehr schnell achtstellig werden. Da muss man schon ein sehr gutes Konzept, samt Business-Case haben.
 

schultze

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Mir ist das mit Ströer nach wie vor nicht so wirklich klar. Wenn ich die Pressemitteilung richtig verstehe, handelt es sich bei den zukünftigen Mandanten ja in erster Linie um die Absolut Kanäle plus diejenigen neuen die innerhalb des Bundemuxx 2 austrahlen, aber nicht via RMS vermarktet werden.

Das ist doch viel zu gering um irgendwie als relevanter Player auf dem Markt wahrgenommen zu werden, auch wenn man der größte OOH und deutsche digitalvermarkter ist. Die Stellung im Digitalen Werbemarkt hat man sich ja vor allem durch Übernahmen gesichert, aber im Audio Markt, wo soll da das Wachstum herkommen. Das Mandanten zu Ströer wechseln? Wo die doch selber die RMS Gesellschafter sind. Klar kann Ströer denen massenweise Media on top versprechen, aber ob das reicht. Auch die paar Podcasts die Ströer da im Angebot hat, sind ja marginal.

Mir fehlt irgendwie die Fantasie für diese Vermarktungsnummer, aber vermutlich übersehe ich was gewaltig. Vielleicht ist es auch eine try and error Geschichte, wie diese Influencer Sparte tubeone. Ströer hats probiert, hat nicht den gewünschten Erfolg gebracht, und dann verkauft an RTL.
 

ricochet

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Warum sollte der zweite Radiomux ein Flop werden, wo doch laut Statistik mehr als ein Viertel aller Bundesbürger bereits jetzt mindestens ein DAB-Gerät sein eigen nennt? Was aber schwerer wiegt: Ende des Jahres kommt die Digitalradiopflicht für Neuwagen, d.h. dass alle Hersteller ein DAB-fähiges Radio ausliefern müssen und keine Freischaltgebühren mehr verlangen dürfen. Dieser Umstand ist ein weiterer Schlag ins Kontor der UKW-Platzhirsche, schlließlich ist von nun an mit einem Schlag jeder Autokäufer ein potenzieller Digitalradiohörer. Die wichtigste Hörerklientel könnte also bald fremdgehen.

Und wenn man bedenkt dass "Antenne Deutschland" mit den sechs Spartenprogrammen von Absolut Radio, einem Kinderradiokanal von Super RTL, einer Comedywelle und einem Heimwerkerradio durchaus attraktive Zusatzangebote bereitstellt, wäre man doch mit dem Klammerbeutel gepudert wenn man trotz digitaler Vollversorgung dem UKW-Wellenrauschen treu bliebe...
 

s.matze

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Warum sollte der zweite Radiomux ein Flop werden

Weil die Sender alle Mist sind und alle nur bekannte Chartmusik spielen so wie alle anderen bisher empfangbaren Sender auch und es daher absolut keinen Grund gibt irgendwas anderes zu hören?! Wer braucht ein RTL oder Antenne Bayern wenn er ein Energy hat? Der Unterschied ist so gering wie zwischen Rama, Lätta und Sanella. Der Kinderradiokanal und die Comedywelle spielen übrigens auch nur Dua Lipa, Ava Max, Robin Schulz und Konsorten zwischen den Inhalten. Kann man schon nachhören, Livestream von all diesen Sendern gibt es im Netz.
 
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antonia-123

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Es ist aber schon ein Unterschied angesichts des gesendeten Inhalts.
Joke-FM bringt, wie der Name schon sagt, Jokes. Schnipsel aus Comedy-Veranstaltungen habe ich dort schon reichlich gehört, und ja : Ich konnte sogar lachen. Das ist dann etwas anderes, als wenn man auf [antenne/radio] [stadt-land-fluss-gegend] den überdrehten Werbewahn ertragen muss :
Guten morgen, es ist vier Minuten nach sechs. [die Uhrzeit wurde Ihnen von präsentiert von Autohaus Winkelmann, 5mal auch in ihrer Straße. Winkelmann, der immer kann, jetzt neue Automodelle testen, täglich von 7 bis 21 Uhr geöffnet und am Sonntag großes Familienfest im Hinterhof mit ökologischer Hüpfburg aus Holz. Autohaus Winkelmann freut sich auf ihren Besuch]. Ja, etwas überspitzt, aber derartige Werbeeinblendungen, in denen wirklich alles "verspottet" wird, ist ein Grund zum Wechsel auf den ör-Kollegen. Oder eben gleich digital, in welcher Form auch immer.
 

Habakukk

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Weil die Sender alle Mist sind und alle nur bekannte Chartmusik spielen so wie alle anderen bisher empfangbaren Sender auch und es daher absolut keinen Grund gibt irgendwas anderes zu hören?! Wer braucht ein RTL oder Antenne Bayern wenn er ein Energy hat? Der Unterschied ist so gering wie zwischen Rama, Lätta und Sanella. Der Kinderradiokanal und die Comedywelle spielen übrigens auch nur Dua Lipa, Ava Max, Robin Schulz und Konsorten zwischen den Inhalten. Kann man schon nachhören, Livestream von all diesen Sendern gibt es im Netz.
Aktuell wissen wir bei 5 von 16 Programmen, was da auf uns zukommt. Die 6 Programmplätze von Antenne Deutschland, die zwei noch zu vergebenden Plätze, das zweite Format von Energy, Drivers Classics, Profi Radio, da ist doch noch so viel nicht bekannt und du willst ernsthaft schon solche Behauptungen aufstellen?
 

Fan Gab Radio

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Weil die Sender alle Mist sind und alle nur bekannte Chartmusik
Und du hast die mit Sicherheit alle 24/7 durchgehört um das zu beurteilen? :eek: Stark. Könnte ich nicht.
Der Kinderradiokanal und die Comedywelle spielen übrigens auch nur Dua Lipa, Ava Max, Robin Schulz und Konsorten zwischen den Inhalten.

Kann ich so auch nicht stehen lassen. Es kommen zwar Charts, aber eben mit genügend "Content" dazwischen, sodass es dann wieder unterhaltsam wird, insbesondere bei JOKE FM. Wenn du den ganzen "Kram" nicht magst, dann distanziere dich doch davon. Du musst den 2. Bundesmux ja nicht einlesen und alles bleibt für dich wie immer.
 
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s.matze

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Völlig richtig, inhaltlich sicherlich hochspezialisiert. Aber die Inhalte machen doch den geringsten Teil einer Stunde ist, der Großteil ist Musik und die ist zu 90% gleich.
Aber im Grunde wie Arla Dofino mit Dill, Arla Dofino mit Schnittlauch, Arla Dofino mit Brennesseln oder Arla Dofino mit Paprika: Das Grundprodukt ist das gleiche und jeder sucht sich seine Lieblingssorte raus. Aber Käse bleibt Käse!

Und ob man so ein Baumarktradio braucht, nun ja. Das hätte man auch günstiger habenn können in dem man das schon existierende Penny Live draufpackt.

Was die Absolut-Programme betrifft so reicht es mir wenn man sich mal für 3 oder 4 Stunden die bereits bestehenden Programme gibt.
Ansonsten, wer das nicht möchte, dem empfehle ich einen Blick in die Playlist und verweise auf
https://www.radioforen.de/index.php?threads/dab-der-zweite-bundesmux-kommt.41295/page-18#post-847150

In dem Thema stehen auch alle Links zu den Livestreams und Playlisten. Die Livestreams und Playlisten von den bisherigen 5 absolut-Programmen sowie von RTL, Toggo, JokeFM und Antenne Bayern sind öffentlich zugänglich und frei einsehbar.

Kurz zusammengefasst:
Absolut relax: Playlist seit 2011 nicht nennenswert verändert
Absolut bella: Selbe Künstler mit anderen Titeln nach 60-120 Minuten
Absolut HOT: Selbe Künstler mit gleichen Titeln nach 90-120 Minuten

Bei den anderen beiden Absolut-"MP3-Playern" wird das ähnlich aussehen.
Warum also sollten die neuen zusätzlichen Programme besser sein?

Man darf ja mal nicht vergessen dass es sich hier um Privatradio handelt. Die wollen Geld verdienen. Also muss (bekannte) Musik gespielt werden die nicht groß wehtut.
Da muss sich doch niemand falsche Hoffnungen auf ein privates RadioE1NS oder Bayern2 machen.

Ist ja auch nicht schlimm. Nur gehe ich davon aus dass jemand der auf diese Art von Musik steht, auch schon "sein" Programm gefunden hat und nicht umschaltet. Es gibt ja auch noch die landesweiten Dudelsender über UKW für alle die gerne Felix Jähn, Alle Farben, Lewis Capoldi usw. hören.
 
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Dr. Fu Man Chu

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Schön das hier wieder über Inhalte diskutiert und spekuliert wird. Aber schauen wir uns einmal den aktuellen Status Quo laut MA 2020/II gesamt, die Veränderung bezieht sich auf die MA 2019/II, an:
  • Audio total (Werbeträger): 52.997 Tsd minus 1,4%
  • RMS Audio Total: 35.008 minus 4,1%
  • AS&S Radio Deutschland-Kombi 36.705 minus 2,3%
  • Spotify: 3.953 plus 23,8%

Das Verhältnis Spotify zur RMS und AS&S ist also jeweils 1 zu 10. Im Gegensatz zu den Dickschiffen wächst Spotify kräftig. Dabei ist zu berücksichtigen, die Abos von Spotify gehen nicht in die Reichweite ein. Die erste Messlatte von Antenne Deutschland ist somit Spotify.

Wenn ich dann bei @s.matze lese, dass Playlisten bei einigen Sendern seit 2011 (!) sich nennenswert nicht ändern, dann mal viel Spaß. Selbst jede Jukebox wurde früher regelmäßig neu bestückt. Zumal solche Minisender sowieso keine Hörer- und Programmforschung haben. Das zeigt doch nur, dass kein Geld und keine Manpower investiert wird. Solche Resterampen sollen Hörer gewinnen und vermarktbar sein?
 
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