Die Sprachlotterei treibt neue Blüten


Von wem:
Von ihrer Umgebung? Von ihren Arbeitgebern? Von den immer gleichen Blasen, in denen sie sich bewegen, und von denen sie gefüttert werden (Politikerbüros, Pressestellen, Lobbyorganisationen, Think-Thanks etc.).
Warum:
Weil das eine automatische Folge von beruflichen Milieus ist. (Wieso ticken Lehrer immer so, wie Lehrer ticken? Wieso gibt es die nahezu gleichgeschaltete Kaste der Anwälte und Juristen? Wieso werden die meisten Journalisten als 'links' wahrgenommen?) Dahinter steckt keine lenkende Hand oder ein bösartiger Plan. Das ist berufsbedingte Sozialisation.
 
Zuletzt bearbeitet:
Dass ein Migrant etwas mit einer vorhandenen Aufenthalts- oder Arbeitsgenehmigung zu tun hätte, ist nach Definition des UNHCR nicht korrekt.
Mag sein - müßte ich erst nachlesen. Meine Definition ist eine andere. Ein "Flüchtling" darf in DE jedenfalls keiner Arbeit nachgehen, sondern er sitzt in irgendwelchen Wohn-Containern rum, besucht einen Deutschkurs (oft mit zweifelhaften Erfolg, wie man mittlerweile weiß) und wartet. Und wartet...

Von Migration, was ihn zum Migranten machen würde und eine Integration in die Gesellschaft bedeuten könnte, sind wir meilenweit entfernt. Ich rede ja gar nicht von den von der Industrie erhofften und herbeigesehnten "Fachkräften". Das ist nochmal ein anderes Thema - und teilweise total lächerlich. So kann man beispielesweise auf heise.de von irgendwelchen, von der EU geförderten, "Bildungsträgern" lesen, die Flüchtlinge für einen Job in der IT-Branche "fitmachen" wollen. Wir reden jetzt durchaus von Softwareentwicklung und Leuten, die kaum ein Wort Deutsch verstehen. Man muß sich nur die Leserkommentare durchlesen. Daß sich mittlerweile eine "Flüchtlingsindustrie" in Stellung gebracht hat, die es auf die EU-Fördertöpfe abgesehen hat, müssen wir sicher nicht diskutieren.

Meine Erfahrung ist eher umgekehrt: Wenn in Meldungen von Flüchtlingen die Rede ist, die irgendwo ankommen oder aus dem Mittelmeer gerettet werden etc., gibt es mit Regelmäßigkeit Beschwerden in der Zuschauerpost. Nämlich dass wir in der Redaktion ja gar nicht wissen könnten, ob das wirklich rechtmäßige Flüchtlinge sind - gegen die habe man selbst ja nichts, Flüchtlinge hätten ja wirklich was mit Krieg und Verfolgung zu tun. Bloß der größte Teil, der da zu "uns" komme, habe es darauf abgesehen, sich in unsere soziale Hängematte zu legen, die hätten alle zuhause bleiben können usw. - und darum sei "Flüchtlinge" das falsche Wort, sondern wir müssten "Migranten" sagen.
Wenn man diesen Argumenten folgt, dann scheint der Begriff "Migranten" richtiger und auch näher an der Realität zu sein. Da Du dich von diesen Argumenten distanzierst, gehe ich davon aus, daß Du "Flüchtlinge" verwendest.
Damit wären wir uns ja einig.

Welchen Begriff verwendet man denn nun (durchgehend!) in deiner Redaktion?
 
Eine Definition wäre auch hier einfach: Ein "Flüchtling" ist, der, aus welchen Grund auch immer, aus seinem Land in ein anderes flüchtet. Ein "Migrant" wäre für mich erst ab dann ein solcher, wenn er sich nach positivem Asylverfahren in die neue Gesellschaft eingliedern will.
 
Das ist im Prinzip meine Rede, @count down.

@CosmicKaizer: Ich wollte noch hinschreiben, daß die MSDN in Englisch ist. Dort sind weniger Fehler in der Dokumentation als in der deutschen Übersetzung drin. Da kann man sich schonmal die Haare raufen, wenn man Fehler sucht. Man ist also gut beraten, die Originalversion zu lesen. Ich wollte es aber nicht zu kompliziert machen.

Es bleibt aber trotzdem dabei: In Deutschland spricht man Deutsch mit den Kunden.


So ein Stuß. Warum sollen denn die Hörer konditioniert werden? Welchen Zweck soll das haben?
Böse Zungen würden sagen: Damit die Hörer bei der nächsten Wahl ihr Kreuzchen nicht zu weit rechts machen.
 
Böse Zungen behaupten auch, dass CDU/CSU die Privatmedien deshalb goutiert haben, damit die Hörer bei der nächsten Wahl ihr Kreuzchen nicht zu weit links machen. Pech nur, dass man heute Kreuzchen weiter rechts machen kann, als es der Union lieb ist.

Mit Lotterei hat das aber jetzt nix zu tun.
 
Von Migration, was ihn zum Migranten machen würde und eine Integration in die Gesellschaft bedeuten könnte, sind wir meilenweit entfernt.
Du hast da offenbar eine positive Konnotation, dass Migranten per se besser integriert werden könnten. Aber das ist so von der Verwendung des Begriffs in der Fachwelt und beispielsweise in den UN-Gremien nicht gedeckt. Im Gegenteil, "Migranten" verstehen manche negativ, nämlich eben nicht als "echte" Flüchtlinge, die rechtlichen Schutz genießen. Denn es ist so: Flüchtlinge fliehen vor Krieg und Verfolgung, Migranten sind wertfrei ohne Rückschlüsse auf Qualifikation oder Integrationschancen diejenigen, die sich aufmachen, um in einem anderen Land bessere Lebensverhältnisse vorzufinden. Es gibt eine Tendenz, Flüchtlinge als eine Untergruppe von Migranten zu sehen. Hier hat das UNHCR das auf Englisch zusammengefasst.

Wenn man diesen Argumenten folgt, dann scheint der Begriff "Migranten" richtiger und auch näher an der Realität zu sein. Da Du dich von diesen Argumenten distanzierst, gehe ich davon aus, daß Du "Flüchtlinge" verwendest.
Damit wären wir uns ja einig.

Welchen Begriff verwendet man denn nun (durchgehend!) in deiner Redaktion?
Wir verwenden für die typischen Situationen (Mittelmeer, Lager auf Lesbos in der Türkei) zunächst das Wort "Flüchtling", wenn die Herkunft der Menschen dafür spricht, dass sie eben vor Krieg geflohen sind oder tatsächlich verfolgt werden. So ganz auflösen lässt sich das Dilemma nicht. Wir sehen aber keine andere Lösung, denn es ist nicht unsere Aufgabe und wir sind auch nicht in der Lage, Fluchtgründe zu ermitteln. In den folgenden Sätzen benutzen wir auch mal Migranten als Synonym, weil auch wir Flüchtlinge als eine rechtlich besonders geschützte Untergruppe von Migranten verstehen.

Im Fall von Menschen aus Polen, die in Frankreich arbeiten, sind das natürlich genauso Migranten, das ist dann die Arbeitsmigration in der EU.
 
Migranten sind wertfrei ohne Rückschlüsse auf Qualifikation oder Integrationschancen diejenigen, die sich aufmachen, um in einem anderen Land bessere Lebensverhältnisse vorzufinden.
In diesem Sinne nennen wir mal den (Ex-)Deutsche Bank Chef Anshu Jain einen Migranten. Er ist gebürtiger Inder (dann Brite) und hat sich aufgemacht, in Deutschland (an der Spitze der Deutschen Bank) bessere Lebensverhältnisse anzutreffen als in seiner Ursprungsheimat. Die Allianz-Versicherung hat in ihrem Vorstand Italiener, Spanier, Südafrikaner und einen Vertreter aus Stri Lanka. Migranten also!
Generell haben es viele Migranten an die Spitze Deutscher Dax-Unternehmen geschafft. Über 35 Prozent der Posten sind mit Migranten besetzt. Siehe hier:
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/auslaenderanteil-in-dax-vorstaenden-steigt-16271778.html
Wenn die Herrschaften dann aber mal ortdentlich Mist in unseren deutschen Vorstandsetagen gebaut haben, dann können sie nicht schnell genug über die Grenzen ins nächstbeste Steuerparadies entschwinden, bevor der Staatsanwalt kommt. In diesem Falle sind sie dann Flüchtlinge!
Oder? Habe ich alles richtig verstanden?
 
@Mannis Fan: Dass der Begriff Migrant sehr weit gefasst ist, hast Du offenbar sehr richtig verstanden.

Dass staatsanwaltliche Ermittlungen in Deutschland als Fluchtgrund nach der Flüchtlingskonvention anerkannt werden, würde ich aber bezweifeln.
 
Ob uns Satire weiterhilft die Probleme zu lösen - vielleicht. Eher nicht. @Mannis Fan, als vermeintlich "Einheimischer", könnte natürlich versuchen seine Deutschkenntnisse zu verbessern (Stichwort: "Seckel"; https://www.radioforen.de/index.php?threads/sprachkompetenz-mega-super-geil.43623/post-819099), um seinen Wert auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen, wie SPON heute unter Berufung auf eine Studie nahelegt.
Auch Einheimische bräuchten deshalb Bildungsangebote, um ihre sprachlichen Fähigkeiten zu verbessern, heißt es in der Studie.
https://www.spiegel.de/karriere/deu...dend-fuer-gehalt-von-migranten-a-1290343.html



Bin schon wieder weg... ;)
 
Zuletzt bearbeitet:
Exklusiv für @Zwerg#8: {Klugscheißmodus an} :)

Weit über 99,9% der deutschen Bevölkerung haben mit "Bevölkerungsgeographie" nix am Hut
Völlig richtig, daß ändert aber nichts daran, das Migrant und Migration wissenschaftlich definierte Fachbegriffe sind und keine alltagssprachlichen Wörter. Es sagt ja niemand "ich bin von Düsseldorf nach Koblenz migriert," sondern "... umgezogen." Geographen, Raumplaner, Volkswirte, Soziologen u. v. a. bezeichnen die mit sochen Umzügen verbundenen Wanderungen fachsprachlich als Binnenmigration. Daher auch dies:
Im Fall von Menschen aus Polen, die in Frankreich arbeiten, sind das natürlich genauso Migranten, das ist dann die Arbeitsmigration in der EU.

Ich denke, ich muss dir den Unterschied zwischen einem Flüchtling (Notfall; keine Dokumente - Status ungeklärt; "Ja, das schaffen wir!") und einem "Migranten" (vorhandene Aufenthalts-/ Arbeitsgenehmigung... ) nicht erläutern. Darauf hab ich keinen Bock.
Und ich hab keinen Bock, hier den Begriff Migration zu erläutern. Das haben nämlich andere bereits getan, die davon mehr Ahnung haben als Du und ich. Zum Beispiel hier.
Oder hier:
Und daher gibt es richtigerweise ...

eine Tendenz, Flüchtlinge als eine Untergruppe von Migranten zu sehen

{Klugscheißmodus ... ach, laß an.}
 
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