hr2 wird zur Klassikwelle


#1
https://m.faz.net/aktuell/rhein-mai...undfunk-2-wird-zur-klassikwelle-16282601.html

In dem Beitrag ist zu lesen, dass aufgrund des Wegfalls von Klassik Radio auf UKW in Hessen hr2 hauptsächlich Klassik spielen soll. Auch wenn mir gerade am Morgen die Mischung aus Klassik, Jazz und anspruchsvollen Pop immer sehr gut gefallen hat, so befindet sich hr2 mit der Konzentration auf Klassik mit anderen großen Kulturprogrammen wie WDR 3 in guter Gesellschaft.
Es sträuben sich allerdings bei mir die Haare in alle Richtungen, wenn ich lese, dass oberstes Kriterium in Zukunft die „Durchhörbarkeit“ sei.
Nicht nur aufgrund der Uhrzeit: Gute Nacht.
 
#2
Och, der HR schafft sich vollends ab. Künftig sechs durchformatierte Dudelwellen (einen Nachrichtenkanal wie HR Info würde ich weitgehend auch darunter einstufen, wenn längere, monothematische Wortsendungen fehlen). Wo ist noch Platz für Features, Hörspiele, Diskussionen? Das ist öffentlich-rechtliche Grundaufgabe. Wie gut, dass es das Deutschlandradio gibt. So langsam sollten wir die Existenz der Landesrundfunkanstalten in ihrer bisherigen Form in Frage stellen, wenn sie so weitermachen.
 
#4
Es gab ja mal hr Klassik. Es klingt so, als wolle der hr diese Low Budget Welle wieder aufleben lassen und vor allem beim Wort massiv einsparen. Damit geht der hr aber einen ganz anderen Weg als die anderen ARD-Kulturwellen. Schaltet man z.B. MDR Kultur oder Bremen 2 ein, dominiert hier schon lange nicht mehr die Klassik, sondern die Popkultur, gemischt mit Chansons. Also eine anspruchsvolle U-Musikfarbe gegen den Mainstream.

Bevor man hochkarätige Wortprogramme wie "Der Tag" ins Internet abschiebt, sollte der hr über die Etablierung einer digitalen Zusatzwelle nachdenken. Rein rechtlich darf er so etwas über DAB+ machen. Vorbild könnte NDR Info Plus sein: Landtagsdebatten, ausgewählte Wortbeiträge und als Mantelprogramm WDR Cosmo. Im Endeffekt wäre es auch eine Neuauflage des früheren Programms hr Chronos, das ebenfalls eine Mischung aus Wortprogrammen und Übernahmen von Cosmo, das damals noch Funkhaus Europa hieß, war.
 
#5
Klingt so, als wolle der HR das NDR-Konzept kopieren: das Kulturprogramm wird zur Greatest-Hits-Klassikwelle, und alles mit Anspruch wechselt zur Info-Welle.

Eine Trennung in ein Wort- und ein E-Musik-Programm ist vom Grundsatz her gar nicht so dumm. Aber dann bitte die ganze Vielfalt von Jazz, Blues, Weltmusik usw im Musik-, und lange geschlossene Sendungen im Wortprogramm, zumindest am Abend. Mozarts kleine Nachtmusik auf Hot Rotation braucht niemand.
 
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#6
Kultur = nur Klassik :rolleyes::rolleyes::rolleyes:
Oder streicht man dann wenigstens den Zusatz "Kultur" im Sendernamen?

Wenn es nach der damaligen Rettung von "Der Tag" durch hr2 diesem nun an den Kragen ginge, wäre das auch extremst bitter :thumbsdown::thumbsdown:

Wenn durch (in einem anderen Thread schon mal angedeutete) Umstrukturierungen bei den anderen Wellen wenigstens Platz für eine neue Wortwelle entstünde, aber das ist mit dem hr wohl nicht zu machen, alles möglichst billig und anspruchslos, wenige Oasen wie Werner Reinke im 1. ausgenommen...
 
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#7
Ich glaube eher da hat die FAZ was falsch aufgeschnappt. Eine kurzer Chat mit einer Redakteurin ergab nämlich, dass man natürlich keine "Klassikwelle" werden, sondern vielmehr das Thema Musik allgemein und die Durchhörbarkeit stärken möchte. Also musikalisch Radiohead gepaart mit Blues gepaart mit Jazz gepaart mit Weltmusik, die dann auf kleine Klassik-Häppchen trifft. Die Wortprogramme sollen tatsächlich in erster Linie als Podcasts angeboten werden, also nix Zusatz-Welle.
 
#8
OK, eine breit aufgestellte Musikwelle wäre ja schön. Kommt dann auch "Schwarz-weiß" zurück?

"Der Tag", "Doppelkopf" etc als reines Podcast-Angebot? Auf jeden Fall wichtig, wenn es weiter geht, aber warum nicht das Infoprogramm auf hr-info um 18 Uhr beenden, und dann von 18-23 Uhr ein Angebot geschlossener Sendungen mit "Der Tag" usw. auf hr-info anbieten? Als reines Podcast-Angebot droht auch immer die Gefahr, dass die Sendung, die dann ja keine solche mehr ist, mal eben am Mittagstisch abgesetzt wird.

Und ich will das Thema nicht sprengen, aber natürlich ist hr-info auf UKW längst nicht fleckendeckend empfangbar, insbesondere dort, wo die Hörer dieser Sendungen sitzen. Da müsste der HR noch was tun und zB hr1 die Hardberg- und hr4 die Habichtswald-Frequenz wegnehmen und für hr-info umwidmen.
 
#9
Geil, Wortsendungen als Internetangebot. Als ob es das nicht heute schön gäbe: https://www.hr2.de/programm/podcasts/index.html - nachhörbar über viele Tage zurück. Damit ist die Ankündigung nichts anderes als eine Beschneidung der Verbreitungswege: nur noch Internet, nicht mehr lineares Programm. Also nichts neues zusätzlich, sondern nur was wichtiges nicht mehr.

Der hr ist wirklich am Ende. Hätte ich mir vor 20 Jahren noch nicht träumen lassen, dass sie das so konsequent auf allen Wellen durchziehen. Einstmals konnte ich auf hr1, hr2, hr3 und hr XXL für mich attraktive Inhalte finden. hr2 war nun seit langem das letzte Programm des hr, dass ich überhaupt noch ab und an genutzt habe. Dann halt künftig auch nicht mehr, denn für "durchhörbar" habe ich keine Zeit. Und für Rumgeklicke in Internetportalen oft keine Lust, wenn ich nicht surfen, sondern Radio hören will.

Ich bin - das betrifft jetzt nicht nur den hr - gespannt, wie sich das Medium "Rundfunk" nach dem "großen Knall" entwickeln wird, auf den unsere Gesellschaft unausweichlich zurast. Ob es dann wieder Platz für Inhalte geben wird? Oder gar nichts mehr. Meine Glaskugel ist so trüb...
 
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#10
Ich habe die hr2-Chefin eben angemailt und meinem Unmut kundgetan.

Wenn durchhörbare Klassikwelle, sollte man "hr Klassik" wiederbeleben. Auf DAB+ ist Platz: hr1 und hr3 brauchen keine 136 kbit/s. Und es gibt ja noch die 87,9 MHz für Frankfurt als Alibi-Frequenz. Wobei, wenn die wegfiele, könnte man in Hanau MDR Kultur auf UKW hören... das fände ich nicht schlecht (in der Allee im Westen Hanaus in der ich wohne, sind im Auto alle 50 Meter abwechselnd hr2 und MDR Kultur zu hören. Die Feldstärke des Inselsberg scheint mehr als ausreichend zu sein).

A propos: ein werbefreies Begleit-Programm wie MDR Kultur, mit anspruchsvoller U-Musik, Jazz, Chanson, Film-Musik (man denke an FIP, die ihren Hörerpeak nicht zur Prime-Time, sondern zwischen 10:00 und 16:00 Uhr erreichen), und Kultur-Häppchen fände ich persönlich besser als eine durchformatierte Klassik-Welle wie Klassik Radio ohne wesentliche Wortbeiträge.

"Der Tag" hat doch schon sein Zeitfenster auf hr iNFO, das kann und soll bitte auch so bleiben.

Wird denn der Abend auch durchhörbar? Ich stimme zu, hr iNFO könnte seine 20 Minuten Stundenuhr um 18:00 Uhr beenden und dann Platz für den Doppelkopf und den Tag machen.
 
#11
Der Aufschrei kommt zu spät. HR 2 ist (gerade wegen oder trotz extra betonter "Kultur" im Namen) schon seit der Einstellung von HR Klassik immer mehr mit klassischer Musik verwässert worden und präsentiert / überträgt auch entsprechende Formate, meist im Sommer. Der Rest des Programms erinnerte bislang eher an einen Gemischtwarenladen, wo der HR alles hingeschoben hat, was sonst nicht mehr ins Format passt. Es hätte wohl nicht mehr lange gedauert und "Musik liegt in der Luft" wäre ebenfalls bei HR 2 gelandet. Der Name wird also künftig nur dem Inhalt angepasst. Das ist konsequent. Andere "Kultur"wellen, insbesondere die vom NDR, aber auch vom RBB, tragen zwar den Kulturbegriff weiterhin im Namen, dudeln aber fast nur seichte Klassik, meist aber keine kompletten Werke.
 
#12
Ich glaube eher da hat die FAZ was falsch aufgeschnappt. Eine kurzer Chat mit einer Redakteurin ergab nämlich, dass man natürlich keine "Klassikwelle" werden, sondern vielmehr das Thema Musik allgemein und die Durchhörbarkeit stärken möchte.
Habe hr2 angeschrieben und die Antwort ist schon eingetroffen: die F.A.Z. hat das schon korrekt wiedergegeben.

Aus „hr2-kultur“ soll ein „hr2-Klassik“ werden. Dieses muss aus Nutzersicht noch lange nicht unattraktiv sein. Schließlich ist nach wie vor einer der Haupteinschaltimpulse für klassisches Radio die Musik. Die Herausforderung ist, neben neuen digitalen Kulturformaten ein sehr gutes lineares Klassikprogramm zu entwickeln, das sich stark unterscheidet von Musiklisten, die jeder Streaming Dienst zusammenstellen kann. Wir sprechen von einem Klassikprogramm aus und für Hessen mit klarem Blick auf das Musikleben, kompetent und lebendig präsentiert – nicht „wortfrei“, aber stärker um die Klassik als Hauptinhalt zentriert.“
 
#16
Hört denn die junge Generation klassische Musik? Wäre es nicht sinnvoller, ein Singer/Songwrite, Jazz und Filmmusik-Programm mit Wortbeiträgen aus der Kulturszene zu etablieren, als einen Klassik-Dudler?

Was soll heissen, man möchte das Flaggschiff hr3 stärken? Noch mehr Lieblingshits? Geht doch nicht.

Bei dem Schrei nach Digitalisierung gewinnt man den Eindruck, es würde keine linearen Programme mehr geben. Doch der hr hat 6 analoge Frequenzketten, folglich wird es weiterhin 6 analoge lineare Programme geben. Wenn man jüngere Hörer erreichen möchte, sind Podcasts vielleicht ein richtiger Weg. Aber die entsprechenden Sendungen brauchen doch nicht aus dem linearen Programm zu verschwinden, das macht IMHO keinen Sinn zum Erreichen einer jüngeren Zielgruppe. Und mit 300 Jahre alter Musik erreicht man eine jüngere Zielgruppe bestimmt auch nicht.
 
#17
Bemerkenswert ist in jedem Fall, wie stark sich das Ressort Feuilleton in der FAZ mit dem angekündigten Umbau von hr2 beschäftigt. Ganze drei Artikel wurden alleine am heutigen Tage zum Thema publiziert und dazu auch diverse Kulturschaffende aus Frankfurt befragt:
Siehe auch https://www.faz.net/aktuell/rhein-m...scher-rundfunk-baut-programm-um-16286635.html

Bei den bisherigen Ausdünnungen im Programm von hr2 blieb es im FAZ-Feuilleton erstaunlich ruhig.
Gleiches galt bei der handstreichartigen Umwidmung diverser hr2-Frequenzen zu Gusten von hr-iNFO und You FM.

Übrigens hat auch der Dlf bei mediasres sich dem Thema angenommen:
https://podcast-mp3.dradio.de/podca..._reform_viktor_dlf_20190716_1549_8f37986c.mp3
 
#20
Hört denn die junge Generation klassische Musik? Wäre es nicht sinnvoller, ein Singer/Songwrite, Jazz und Filmmusik-Programm mit Wortbeiträgen aus der Kulturszene zu etablieren, als einen Klassik-Dudler?
"Wellen" hätte der hr genug - mit heftiger Überschneidung, also durchaus eine entbehrlich und für was wertvolles nutzbar. Aber er will ja eine "Flotte" aus durchhörbaren Dudeldampfern. Und einen weiteren Dampfer hinzufügen.
 
#22
Ich finde es erschreckend, wenn alle Wellen einer öffentlich-rechtlichen, gebührenfinanzierten Anstalt auf "Durchhörbarkeit" getrimmt sind. Ich würde als Bürger Hessens eher eine Klage anstreben, da ich dieses Trauerspiel dann auch noch mit meinen Geldern mitfinanzieren müsste. Welch ein Vergleich z.B. zu Radio France, zur BBC, zu RNE, zu NRK, Sveriges Radio, Polskie Radio...selbst zur RAI...in den meisten dieser Ländern sucht man reine Dudelwellen von Seiten des öffentlichen Rundfunks vergeblich.
Ich hoffe, es wird noch viel mehr dagegengeschrieben.
Und ja, weshalb gerade die sog. "klassische Musik" (die ja immer gerne auch Barock, Romantik etc. mit beinhaltet) immer einen kompletten Kanal (ausser beim SWR und RB) dominieren darf, frage ich mich schon lange. Es gibt genug andere Musikrichtungen, die höchstens noch stundenweise stattfinden, teilweise fast gar nicht mehr.
 
#23
Übrigens widerspricht sich dieser Intendant selbst in wirrester Form.

"Um Neues zu tun, müssen wir bereit sein loszulassen", macht Manfred Krupp seinem Haus klar und stimmt darauf ein, dass der lineare Bereich zunehmend an Bedeutung verliert
und dann
Bei hr1 und hr4 wolle man Investitionen auf den Prüfstand stellen, konsequent stärken wolle man hr3 als "klares Flaggschiff der Hörfunkflotte". YouFM spiele eine "herausragende Rolle, die junge Zielgruppe mit Angeboten des HR zu erreichen".
Das Gegenteil wäre logisch. Herr Krupp, stampfen sie die lineare Verbreitung von You FM ein, wenn Sie die junge Zielgruppe kaum mehr über lineare Angebote (zumal noch über antiquierten UKW-Rauschfunk) erreichen. Schalten Sie wegen mir ein Klassikprogramm auf diese Welle und lassen HR2 (mit den ursprünglichen Frequenzen, also zzgl. 95.3 Hardberg) als wahres öffentlich-rechtliches Angebot mit Features, Reportagen, Diskussionen, langen Wortbeiträgen, monothematischen Sendungen, musikjournalistischen Spartensendungen etc.! Und bauen Sie die Angebote für die wachsende Zielgruppe der Senioren aus, indem Sie eben NICHT HR4 immer mehr zusammenstampfen, sondern mehr regionale Informationen, mehr Serviceangebote, mehr Unterhaltung und mehr Musik für diese Generation bieten, die lineare Ausspielwege noch am ausgiebigsten nutzt.

Irgendwo, Herr Krupp, befindet sich in Ihren Hirnwindungen ein größerer Knoten...muss ich Alexander den Großen spielen?
 
#25
Schließlich ist nach wie vor einer der Haupteinschaltimpulse für klassisches Radio die Musik.
Das ist aber eine SEHR steile These.
Ich schalte hr2 hauptsächlich wegen der Hörspiele (deren Sendezeit zum Jahresbeginn schon reduziert wurde) und der Lesung (deren Sendelänge sich meist auf lediglich 20 Minuten beschränkt und damit die kürzeste innerhalb der ARD ist) ein.

Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist es aber Inhalte(!) zu bieten, die von kommerziellen Anbietern nicht geliefert werden, und nicht reine Musikabspielstationen zu sein, wie es hr1 bis 4 + Kinderprogramm dann wohl sein werden.
 
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