Kirchenradio bzw. -funk noch zeitgemäß?


#26
Mir ist der Kirchenfunk in den Öffentlichen-Rechtlichen so noch nicht aufgefallen, vielleicht weil ich tolerant genug bin es großzügig zu überhören )
Wie viele Hörer hat denn Radio Maria und wie viele beten dort tatsächlich den Rosenkranz?
Ich habe jedoch festgestellt das die Fastenzeit vor Osten wird wieder beliebt ist, aber mehr aus gesundheitlichen Gründen als religiöse.
 
#27
Erstmal: ich stehe als zwar ev. getaufter "Ossi" und als Naturwissenschaftler den Kirchen (und Religionen allgemein) eher etwas distanziert gegenüber. Ich brauche kein Bild eines an ein Holzkreuz genagelten jungen Mannes, um mich daran zu erinnern, irgendwie "tugendhaft" sein zu sollen. Ich hatte aber in den vergangenen Jahren die Gelegenheit, unabhängig von Religionen auf eine Ebene spirituellen Empfindens blicken zu können - und da sind plötzlich alle Religionen im Kern "eins": das Staunen über das Wunder des Lebens.

Die "Ausschmückungen", die kulturhistorisch um die einzelnen Religionen gewachsen sind, mögen diese Ursprünglichkeit verschleiern bis völlig unkenntlich machen oder sie im Extremfall sogar pervertieren, aber ich habe erlebt, wie Christen aller Konfessionen zusammen mit Muslimen, Juden und Buddhisten, Anhänger diverser kleiner "oberschräger" Glaubensrichtungen sowie ner Menge sich keiner Religion zugehörig fühlenden Menschen gemeinsam in einer sehr angenehmen Weise leben, arbeiten und feiern konnten und können. Wäre unsere Gesamtgesellschaft so drauf, hätten wir ein tatsächlich lebenswertes gesellschaftliches Klima. Basis kann hier keinesfalls ein spezieller "Glauben" gewesen sein - dazu war es viel zu divers. Basis war die Achtung des Lebens. So ist es mir am angenehmsten.

Mir stellt sich eher die Frage, ob es im öffentlich-rechtlichen Rundfunk fast täglich noch kirchliche „Worte zum Tage“ oder Ansprachen geben muss.
Aus meiner Sicht: sollte es geben. Zumindest regional gehören kirchliche Aktivitäten fest zur Alltagskultur und darüber hinaus gehören gewisse historische Ereignisse zur Kultur des ganzen Landes. Dies auch im gebührenfinanzierten Rundfunk abzubilden erachte ich als Pflicht. Genau wie andere Teile der Kultur auch, die aber weitgehend aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk verschwunden sind (im Thüringer Wald gibt es z.B. heute noch Chöre etc.).

Man werfe nur einmal einen Blick auf die Astra-Radiosenderliste - ich sehe dort mehr als zehn deutschsprachige Religiöse: HCJB, Lebensquelle, Freundesdienst, HopeChannel, ERF und wie sie alle heißen.
Das ist teils auch eine auf modernere Verbreitungswege gewechselte einstige "Missionierungskultur" von den Kurz- und Mittelwellen. Gab es vor Jahrzehnten auch schon (zu See-Piratensender-Zeiten beispielsweise, wurde dann dort auch von einem DJ persifliert). Was da im Detail läuft, entzieht sich meiner Kenntnis, es wird aber nicht gesellschaftlich finanziert (stecken wohl des häufigeren Spenden dahinter) - sollen sie doch machen, solange es auf dem Boden des Grundgesetzes geschieht, solange es aus Deutschland stammt.

Ich persönlich nutze die Kirchenradiosender nicht. Wenn ich mir allerdings das Alter des durchschnittlichen Kirchgängers anschaue, würde ich mir tatsächlich, wie in anderen Ländern üblich, Kleinstsender an den Kirchen wünschen, die nur den Gottesdienst übertragen: Für die Leute eben, die es körperlich nicht mehr dorthin schaffen.
Ja, solche Kleinsender fände ich auch gut, müsste aber UKW sein (Radios vorhanden, Betroffene sind der Bedienung vertraut). Das Alter der durchschnittlichen Kirchgänger kann aber auch ganz anders aussehen. Erlebe ich hin und wieder im Osten: wenige, aber deutlich jünger. Da wächst nun eine neue Generation nach, nach Jahrzehnten der weitgehenden Unterbrechung. Da stehen dann Familien mit kleinen Kindern früh um 5 beim Osterfeuer vor der Kirche. Ich weiß es, weil ich da auch hingehe - als einziges kirchliches Event im Jahr. Und finde dann schon Teile des Ablaufs "schräg".

Gerade heute Abend sprach ein Kollege darüber, dass religiöse Gemeinschaften Rücksicht der Bevölkerung verlangen, und er stellte im Anschluss die Frage wie viel Rücksicht im Gegenzug auf diejenigen, die keiner Religionsgemeinschaft angehören, genommen wird (tagtägliches Glockenläuten, kirchliche Sendungen im Rundfunk,...).
Ja, ich weiß: "können die Nichtraucher bitte zum nicht Rauchen rausgehen?" ;)

Und noch 2 Cent von mir: wir können nicht gleichzeitig Angst vor einer "Islamiiserung" des Landes haben und die in unserer eigenen Kultur nunmal verankerten Regligionen vernachlässigen. Ich nehme das ganz besonders in Ostdeutschland wahr: da hat die DDR äußerst "erfolgreich" die Kirchen an den Rand gedrängt und ihnen den Nachwuchs vorenthalten durch Repressalien und zwangsweises Anbieten/Verordnen einer Art "Staatsreligion" (Jugendweihe, SED-Führerkult, ...). Und gerade im Osten ist die Angst vor dem religiös Fremden am größten, ich kenne auch aus dem eigenen weiteren familiären Umfeld heftige Reaktionen von Panik oder Ekel (ja, "Ekel" passt am besten für die erlebten Reaktionen). Und die Kirchenleute, die in meiner Heimatregion wirklich aktiv sind, was tun die? Die bieten dann Hilfe für Flüchtlinge an, organisieren gemeinsame Events etc. Das passt wohl auch nur auf den ersten Blick nicht zusammen.
 
#28
Und noch 2 Cent von mir: wir können nicht gleichzeitig Angst vor einer "Islamiiserung" des Landes haben und die in unserer eigenen Kultur nunmal verankerten Regligionen vernachlässigen. Ich nehme das ganz besonders in Ostdeutschland wahr: da hat die DDR äußerst "erfolgreich" die Kirchen an den Rand gedrängt und ihnen den Nachwuchs vorenthalten durch Repressalien und zwangsweises Anbieten/Verordnen einer Art "Staatsreligion" (Jugendweihe, SED-Führerkult, ...).
These: In einer Welt ohne Religionen gibt es auch keine Religionskriege.
Dass die Fremdenfeindlichkeit im Osten der Republik auf die Religion zurückzuführen ist, halte ich für etwas weit hergeholt. Aus einer Menge Gespräche glaube ich inzwischen eher, dass es damit zu tun hat, dass Fremde nur streng limitiert in die DDR durften. Also ganz entgegengesetzt zu dem wie es heute ist.

Ja, ich weiß: "können die Nichtraucher bitte zum nicht Rauchen rausgehen?" ;)
So weit müssen wir gar nicht gehen. Aber weshalb wird mir von der Kirche untersagt am Karfreitag zu tanzen? Oder weshalb sollten an Sonntagen die Geschäfte geschlossen bleiben? Das ist in der heutigen Zeit alles andere als passend.
 
#29
#30
Wird es doch gar nicht. Das macht der Gesetzgeber.
Ja, richtig. Auf Drängen der Kirchen hin.

Stimmt. Die 138 Stunden zwischen Montag, 6:00 Uhr und Sonnabend, 24:00 Uhr reichen zum Besorgen des Nötigsten ja auch nicht aus.
In manchen Großstädten sicher. Hier in Frankfurt a.M. zum Beispiel sind die Öffnungszeiten anders als von Dir beschrieben (zwischen 7 Uhr und 9 Uhr wird geöffnet und zwischen 20 und 24 Uhr geschlossen). Aber denkst Du auch an die Menschen, wie Rettungs-, Sonntags- und Feiertagsarbeitende oder jene, die nach der Nachtschicht direkt nach Hause gehen um zu schlafen damit sie zur nächsten Nachtschicht (schlimmstenfalls Spätschicht) wieder fit zu sind? Weshalb sollte auch den Menschen nicht etwas Druck abgenommen werden?
 
#31
Der Kabelnetzbetreiber bezieht das Signal von DVB-S. Radio Horeb wird über Astra in 128 kbps MP2 mono ausgestrahlt.
Echt jetzt - ich kann dazu in der Astra-Liste nichts darüber finden. o_O
Die senden ja auch über DAB+ und dort soll/wird auch in Mono gesendet (?) - das ergibt für mich keinen Sinn. :confused:
Oder kommt doch alles in Stereo ? ? ? o_O
 
#33
Oder weshalb sollten an Sonntagen die Geschäfte geschlossen bleiben? Das ist in der heutigen Zeit alles andere als passend.
Es wäre aus meiner Sicht auch ganz unkirchlich sehr an der Zeit, mal ein klein wenig vom Shoppen zur Ruhe zu kommen und mal zu fühlen, was sonst noch ist.

Aber denkst Du auch an die Menschen, wie Rettungs-, Sonntags- und Feiertagsarbeitende oder jene, die nach der Nachtschicht direkt nach Hause gehen um zu schlafen damit sie zur nächsten Nachtschicht (schlimmstenfalls Spätschicht) wieder fit zu sind? Weshalb sollte auch den Menschen nicht etwas Druck abgenommen werden?
Ich hatte das selbst eine Zeit lang (mit normaler Tages-Arbeit, die aber oft erst nach 20 Uhr zuende war). Bis auf wenige frustrierende Momente nach Phasen der längeren Abwesenheit vom Arbeitsort half da aber die äußerst segensreiche erfindung des Kühlschrankes meist weiter... und die Menschen, die im Handel arbeiten, wollen auch mal frei haben. Und sollen es bitte auch.
 
#35
In manchen Großstädten sicher. Hier in Frankfurt a.M. zum Beispiel sind die Öffnungszeiten anders als von Dir beschrieben (zwischen 7 Uhr und 9 Uhr wird geöffnet und zwischen 20 und 24 Uhr geschlossen). Aber denkst Du auch an die Menschen, wie Rettungs-, Sonntags- und Feiertagsarbeitende oder jene, die nach der Nachtschicht direkt nach Hause gehen um zu schlafen damit sie zur nächsten Nachtschicht (schlimmstenfalls Spätschicht) wieder fit zu sind? Weshalb sollte auch den Menschen nicht etwas Druck abgenommen werden?
Und deshalb sollen jetzt alle nur noch in Schichten arbeiten?
 
#37
und die Menschen, die im Handel arbeiten, wollen auch mal frei haben. Und sollen es bitte auch.
Na definitiv! Immerhin schafft es ja auch ein Supermarkt (kein Discounter) in Bremen inzwischen seit Jahren über Nacht geöffnet zu haben, ohne sein bisheriges Personal länger arbeiten lassen zu müssen. Dabei ist er nicht das einzige Geschäft, das sich in Deutschland gegen die kirchliche Auferlegung der Nachtruhe und des arbeitsfreien Sonntages hinwegsetzt. Und das nicht ohne Erfolg.

Und deshalb sollen jetzt alle nur noch in Schichten arbeiten?
Gegenfrage: Und nur weil die Kirche es gegenüber dem Staat durchgesetzt hat, dass sie es nicht möchte, darf am Karfreitag nicht getanzt werden, dürfen rund verschiedene 700 Filme nicht öffentlich aufgeführt werden, oder wir in ein Cafe gehen ist das auch nicht möglich, denn das ist ein "stiller Feiertag". Dem müssen wir alle uns dem beugen?
"Blöde Frage. Merkste selbst, ne?"
 
Zuletzt bearbeitet:
#40
Ok, dann werfe ich mal was ein zur Überlegung - wenn die Kirche der Meinung ist es sollte nicht gearbeitet werden, was schon wirtschaftlich gar nicht "mehr" möglich ist - dann sollte auch an solchen Sonn- und Feiertagen kein kirchlicher Rundfunk stattfinden - das ist dann Arbeit ! ! ! :eek: ;)
 
#41
Hallo, das hier ist ein Radioforum ! ! !
Oh, sorry. Dann kann ich leider nur noch 2 Dinge zum Thema bieten: Volker Rebell hat mal an Fronleichnam den Hörern seiner Sendung "Volkers Kramladen" auf hr3 "noch einen schönen Happy Cadaver Day" gewünscht. Das brachte ihm ein mehrwöchiges Mikrofonverbot ein.

Und einst stand an der Pforte (ich glaube, es war ein Nebeneingang) der gleichen ARD-Anstalt am Dornbusch ein gewisser Bata Illic und wollte zum Interviewtermin. Der ältere, schwerhörige Pförtner erwis sich als hilfreich: "Pater Illitsch... der Kirchenfunk befindet sich im K-Bau."
 
#49
Was bitte ist an Kirchensendungen zeitgemäß? Nur weil die beste Geschäftsidee aller Zeiten sich das Privileg herausnimmt,
auch den desinteressierten Atheisten bekehren zu wollen und dies sogar per Gesetzeskraft, ist das Vorgehen der Kirchen
eigentlich inakzeptabel. Kirchensendungen gehören, m.M.n. nicht in den Rundfunk!
Warum sitzen Kirchenvertreter in den Rundfunkgremien?
Die Säkularisierung tut dringend Not, auch im Rundfunk.
Es darf ja Jeder glauben was er will, nur ist die staatliche Präferenz christlicher Religionen und die damit einhergehende
Bevorzugung der christlichen Kirchen eigentlich ein Unding.
Sowas hat im öffentlich-rechtlichen Rundfunk eigentlich nichts zu suchen.
Mein Lehrmeister meinte mal: Glauben heißt nicht Wissen!

Just my 2 Cents
 
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