Optimale Aussteuerung beim Internetradio


#1
hallo.
ich bräuchte mal einige Infos.

ich sende seit einigen Jahren , sende mit 3 rechnern .
Rechner 1 : Chat, Internet, Monitoring usw.
Rechner 2 ( Musik) : Software >> Radio @ DJ bzw. SAM (wird aber selten genutzt)
Rechner 3 (Stream) : OBS, NSV Cap, 3 Cam´s

zwichen rechner 2 u. 3 ist ein mischpult.

Meine Anfrage gezieht sich auf die optimale db Einstellung.
z.BsP: wie hoch sind euere Mp3 Datein gegaint ?? meine sind auf 92 db . laut Streamausgabe soll ich zu leise sein... obwohl die pegelaussteuerung im OBS unter Mixer >> Mic/Aux fast immer auf -3 bzw. 0 steht.

Könnr ihr mir vl hilfreicxhe tipps geben..
lg
 
#2
Ei ei und ei... :rolleyes:
... das ist ja die Steilvorlage für mich schlechthin.

Vorab: Das ist keine abwertende Kritik, sondern bitter schmeckende, denkanstoßende Medizin, verbunden mit der Hoffnung, dass Du merkst, was Du da für einen Murks zusammenwurschtelst und zukünftig hoffentlich besser wirst.

Beginnen wir also mit der Sektion (ja, es gibt einen Toten: Deine Soundeinstellungen):

wie hoch sind euere Mp3 Datein gegaint ??
Da Du so fragst, gehe ich mal davon aus, dass Du mp3gain benutzt. Davon rate ich ab und empfehle, sofern es Deine Abspielprogramme vertragen, ReplayGain. Die Berechnung in Foobar 2000 wurde überarbeitet und liefert nunmehr wirklich äußerst saubere Ergebnisse, vor allem hinsichtlich der True Peak-Berechnung.

mp3gain wird seit Jahren nicht mehr weiter entwickelt.
Außerdem hat ReplayGain den Vorteil, dass es auf fast jeden Codec passt, während mp3gain ausschließlich (!) mit mp3s arbeitet und sonst gar nichts. Die Audio-Codec-Welt ist aber in Bewegung und mp3 ist nicht mehr zwingend state of the art. ;)

dB ist ja ein relativer Wert, d.h. es braucht immer eine Bezugsgröße. Die fehlt bei mp3gain (bei ReplayGain leider auch, die tappen in die selbe Falle). 92 dB bezogen auf was? Digitale Skala? Müsste da nicht NULL der Grenzwert sein? dB V (eff) - was albern wäre, da wir uns doch in der digitalen Welt bewegen? dB (A), gemessen nach DIN 15905 Teil 5 an einem geeichten Messgerät mit einem Messmikrofon im Abstand von einem Meter vor der Mitte der Studioscheibe?

Du merkst, der Wert ist, gelinde gesagt, gepflegter Unsinn.
Es gibt in der Tat so eine Pseudo-Referenz von - Auslieferungszustand - "89 dB", aber ich habe in keinem Artikel oder Hilfetext einen Hinweis darauf gefunden, worauf sich das bezieht bzw. was die relative Referenz ist.*
Jeder Schlaubi schreibt darüber, aber keiner weiß, was das nun eigentlich heißt. Daher: Tonne.

Bei der Nutzung von ReplayGain in Foobar 2000 mit gesunden Einstellungen hinsichtlich der Peaks habe ich eine interessante Erfahrung gemacht: Egal ob 89 Bratkartoffeln oder höher, die TruePeak-Berechnung bremste höhere Werte so oder so aus; es spielte also im späteren Ausspielprozess ohnehin keine Geige.
Das ist allerdings nur eine wertvolle Erfahrung für all' jene, die Wert auf einen guten Klang legen; eine Illusion, die ich in der Webradioszene beinahe schon begraben habe. Hier muss es meist nur laut, laut und laut sein.
Dein Beitrag ist ein eindrucksvoller und zugleich trauriger Beleg dafür.

laut Streamausgabe soll ich zu leise sein.
Welche Streamausgabe denn? Womit gemessen? Bezogen auf welchen Wert? Was ist denn "zu leise", "normal" und "zu laut"?
Was heißt "soll ich (...) sein"? Wer legt das fest? Was zeigen Deine eigenen, echten (!) Messergebnisse?

Hast Du denn deinen Stream schon pre / post Sendeserver aufgezeichnet und mit dem Orban Loudness Meter ausgewertet (die Datei in die Analysis gezogen)? Was kam dabei heraus?

Nochmals: Was ist für Dich zu laut oder zu leise?
-23 / -19 / -18 / -14 LUFS oder höher?
Spielt die EBU R.128 für Dich überhaupt eine Rolle oder ist Dir das sch...egal, solange es bloß "92" Karotten sind?

obwohl die pegelaussteuerung im OBS unter Mixer >> Mic/Aux fast immer auf -3 bzw. 0 steht.
Herzlichen Glückwunsch.
Ja, ich kenne die Aussteuerungsanzeige im OBS und wie man sie bescheißen kann. Das ist so ein Gefälligkeitsmesser, der mit dem späteren Output - in welchem Videostream auch immer - vergleichsweise wenig zu tun hat. Das ist eher so eine große Anzeige, was für ein leises oder über Gebühr brutal lautes Signal da anliegt, aber der Rest ist ebenfalls: Für die Tonne. Ich habe da schon gelb/rot gefahren, und statt zu clippen, war der Sound sauber und keinesfalls zu laut. Nur grün war er - blöderweise - zu leise.
Meine Meinung dazu: Keine ernst zu nehmende Referenz.

Du bist am Zug: Liefere brauchbare Messergebnisse und konkrete Antworten auf die gezielten Fragen, dann geht es weiter.
Der Rest ist, leider, einfach nur: Selbstbetrug.

---
* Ein Kollege setzte hier vor Jahren mal einen Wert von 91,3 Bananen fest. Das hatte aber einen Bezug zur analogen, physikalisch nachvollziehbaren, realen Welt bei der Wiedergabe auf amtlichen Beschallungssystemen unterhalb des Clippings. Da das den meisten Webradio-Menschen jedoch egal ist, hat's auch keinen ernsthaft interessiert - zumal es damals™ noch nicht um die Einbeziehung der True Peaks ging.
 
#3
Ein Kollege setzte hier vor Jahren mal einen Wert von 91,3 Bananen fest.
Was Du dir alles merkst...
Und ich als getroff'nes Wuffi nehme den Trigger prompt an und mauze etwas dazu. Das mache ich allerdings ganz bewusst ohne jede Recherche, wie weit die Diskussionen damals™ weiter verlief. Auch ich bin ja (glücklicherweise noch) wie , hinterfrage mein Tun und säge auch mal einen Theorie-Ast ab, wenn er nicht mehr tragfähig erscheint.

Und schon sind wir mit dem Begriff mittendrin in modernen Betrachtungen. State of the Art wäre heute, Beiträge in Foren nur noch im generischen Femininum zu verfassen. State of the Art wäre es auch, seinen allzu offensichtlich deutsch wirkenden Nickname in irgendetwas ändern zu lassen, das geschlechts-, konfessions-, nationalitäts-, teint- und jedweder sonstigen Hinsicht neutral daherkommt.

Abseits themenfremder Polemik wäre es auch eindeitig state of the art, sämtliche CDs und DATs dieser Welt einzustampfen, jegliches analoge Mastermaterial mit mind. 24 Bit bei 192 kHz neu zu quantisieren, Digitales ap-zu-sämpeln (herrlich!) und fortan auch konsequent Radiobetrieb von der Produktion bis zum Konsumenten auf diesem Niveau zu machen. Das wäre richtig Klasse, denn der drastische Zugewinn an theoretischem (digitalen) Dynamikumfang würde es auch ermöglichen, alle digitalen Medien konsequent nach EBU R128 minus quadrafuffzich Lufftz auszusteuern, denn der Verlust des Bits 23 (MSB) würde wahrlich nicht mehr ins Gewicht fallen.

Kranke Fantasie, wa? Jupp!

Also zurück zur Realität und auf den Boden der Tatsachen:

Wer welchen Encoder verwendet, um sein Audiodatenvoulumen zumindest zu reduzieren, wird auch auf sehr lange Sicht vor allem von Praktikabilität bestimmt werden, so wie es die Konsumenten verlangen. Und Konsumenten verlangen vor allem immer minimale Kosten und somit minimalen Aufwand! Ich äußere mal dreist die Vermutung, dass der Anteil an Radiohörern, die sich um Audioplilie und technisches High-End überhaupt nur Gedanken machen, locker unter 1% liegt. Zielgruppe hochwertiger, audiophiler Digitalität jedenfalls sind Radiohörer am allerwenigsten. Und ja: Das darf sich ein Radiomacher ggf. auch zunutze machen. Sinnlos zu schludern und alle Regeln von Mathematik, Physik und was sonst zu beachten ist, ist dagegen nichts, was ich damit einräumen möchte.

Insofern ich auch heute noch gute Gründe sehe, MP3 zu verwenden, gehe ich beim Fragesteller zunächst mal davon aus, dass auch er mindestens einen hat. Die Frage, auf welchem Niveau er mit dem Codec arbeitet, ist eine völlig andere! Auch die Verwendung von MP3Gain ist keineswegs zu verteufeln, selbst wenn es
seit Jahren nicht mehr weiter entwickelt
wird. Das braucht es auch gar nicht, weil seine ursprünglichen Zwecke erfüllt werden und das Programmieren neuer Kompromisse seine Grundübel nicht beheben würde. Also ist auch hier die Frage nur, wie man mit der Software umgeht. Genau die wurde auch gestellt.

Der TE erwähnt, dass er seine MP3s gegaint hat. Er erwähnt allerdings nicht, welche "Betriebart" von MP3Gain er verwendet hat. Hier liegt schon der erste Grund, warum es völlig unnötig ist, gleich auf ihn loszuschlagen, statt nachzufragen. MP3Gain wäre nämlich sehr wohl auch in der Lage, die Files nach "Peak-Search" zu normalisieren, was allerdings nicht der eigentliche Zweck ist. Der Sinn bestand immer schon darin, große Datenmengen bezüglich ihrer Lautheit und damit einer Durchhörbarkeit zu begutachten und zu regulieren. So oder so ist der TE allerdings mit 92 dB auf einem Holzweg. Das Warum liegt auch in der Frage Und hier, mein lieber Rebi hast Du dir gerade selbst perfekt von hinten ins eigene Knie geschossen. Du lieferst zwar selbst im Grunde die richtige Antwort:
Digitale Skala? Müsste da nicht NULL der Grenzwert sein?
stellst sie aber als Frage und dokumentierst mit
dB V (eff) - was albern wäre, da wir uns doch in der digitalen Welt bewegen? dB (A), gemessen nach DIN 15905 Teil 5 an einem geeichten Messgerät mit einem Messmikrofon im Abstand von einem Meter vor der Mitte der Studioscheibe?
dass Du Digital Audio bis heute nicht so ganz verstanden hast. In genau dem Sinne ist dein
Jeder Schlaubi schreibt darüber, aber keiner weiß, was das nun eigentlich heißt.
trauriger Beweis dieser Tatsache. Das wird auch durch ein erneutes Glaubensbekenntnis zu R128 und einer Göttlichkeit namens EBU nicht besser, sondern bestenfalls unterstrichen.

Um dem TE mit MP3Gain und seinen 92 dB (Holzweg!) letztlich doch noch irgendwie weiterzuhelfen wäre folgendes zu sagen:
Die defaultmäßig vorgesehenen 89 dB haben einen guten Grund: Sie sollen gewährleisten, dass bei Betrachtung der Lautheit des zu auf dieses Merkmal hin zu normalisierenden Audiomaterials keine Digitale Übersteuerung übrig bleibt. In der Praxis ist dieser Wert leider immernoch zu hoch angesetzt, da MP3Gain mit seinen formatbedingten 1,5-dB-Schritten und seinen "Fehleinschätzungen" locker in einem Fehlerbereich von 3 dB daneben liegen kann. Versteckt hinter diesem Fehler liegt zusätzlich eine Differenz zwischen dem Niquist-Theorem, was die mathematische Basis von Digital-Audio ist, und dem, was fast alle digitalen Anzeigen des True-Peaks in Computerprogrammen als True-Peak anzeigen, aber i.d.R. auch falsch ist: Die sogenannten Intersample-Peaks, die bei 16 Bit/44,1 kHz statistisch nocheinmal gut 1,5 dB ausmachen, matematisch und mit einem guten Audioeditor nachvollziehbar 3 dB über eine üblichen True-Peak-Anzeige liegen können. Alles eingerechnet müsste man statt der 89 dB, die MP3gain vorgibt, eigentlich 85 dB als Ziel verwenden. Dann ist es zumindest statistisch gesehen verdammt unwahrscheinlich, dass man auch nur 1 Promille MP3-Dateien hätte, bei dem es zu digitalem Clipping käme. Von dessen Wahrnehmbarkeit gar nicht gesprochen!

Nun sind zwischen den eben erwähnten 85 dB und den von @Studio Rebstock oben genannten 91,3 dB, die ich einst postulierte wieder auffällige gute 6 dB Differenz. Wo kommen die her? Aus einem damaligen Fehler in der Betrachtung der Dinge meinerseits!
Ich bin und bleibe ein militanter Gegner digitaler Untersteuerung, wie ich damals das Ergebnis von MP3Gains 89 dB einstufte und was auch die Folge des R128-Wahns ist. Wie auch analoge Medien hat Digital Audio ausgesteuert zu sein, was heißt, dass man den Dynamikbereich voll nutzt, Übersteuerung dabei selbstverständlich vermeidet. Das kann man aber leider nur auf einen einzelnen Tonträger, z.B. eine SA(CD) so anwenden.

In der Radiopraxis sieht man sich dramatischen Spitzenpegeldifferenzen bei "annähernd ähnlicher" (bewusst schwammigst formuliert!) Lautheit zu verarbeitenden Programmmaterials gegenüber, was eine Abkehr von audiophilen und physikalisch-technischen Wunschvorstellungen erzwingt. Da die den Hörer ohnehin nicht interessieren, sondern Durchhörbarkeit des Programms das Ziel sein muss, ist die Lautheits-Normalisierung nach wie vor ein probater Stoff für den Grundstein der Arbeit für den Macher, sowie die Arbeit von AGCs und Kompressoren, die unerlässlich sind, um das Programm insgesamt konsistent ausliefern zu können.

Summa summarum:
MP3Gain mit 92 dB als Gainziel (Loudness!) ist sehr wahrscheinlich richtig falsch angewendet, denn es wird Unmengen an Files hinterlassen, die ordentlich clippen können. Mit den vorgegebenen 89 dB reduziert sich die Fehlerquote auf ein Maß, dass man bei einiger Kompromissbereitschaft ertragen kann. Mit 85 dB hätte man Dateien, die verdammt leise sind, aber am Ende wieder deutlich aufgeholt werden müssen, was die Lage auch nicht verbessert, weil es dann über 99% der Inhalte betrifft.

In diesem Sinne:
Falsch machen geht immer.:thumbsup:
Es ist auch ein Fehler, diesen Beitrag nicht in das Handout einer Schulung zu Digital Audio auszuweiten, damit auch der letzte lernt, dass er es mit Bits und Bytes zu tun hat, folglich auch so denken und rechnen, sowie die damit verbundenen Tücken beachten muss. Aber den erlaub' ich mir jetzt auch noch, da bin ich mir selbst göttlicher als eine EBU. ;)
 
#4
Der wesentliche Unterschied zwischen uns beiden ist: Wenn ich etwas nicht weiß, gebe ich es zu (daher konnte ich mir auch gar nicht ins Knie schießen); Du hingegen versuchst Dich an einer Erklärung, die zur Verwirrung beiträgt:

Die defaultmäßig vorgesehenen 89 dB haben einen guten Grund: Sie sollen gewährleisten, dass bei Betrachtung der Lautheit des zu auf dieses Merkmal hin zu normalisierenden Audiomaterials keine Digitale Übersteuerung übrig bleibt.
Jetzt wissen wir zwar immer noch nicht, was das für dB eigentlich sind, aber die Verpackung ist hübsch.

Ich kann dir aber einen aktuellen Hinweis geben: Den Sendebetrieb betreffend werde ich zukünftig auf ReplayGain verzichten können.
:cool:
Die Software mAirList hat mit der Version 6 bei jedem Datenbank-Import standardmäßig die Möglichkeit eröffnet, für jeden Titel die R.128-loudness zu bestimmen. Das war damals implementiert worden, um eine Grundlage für spätere, automatisierte Ausspielprozesse zu legen.
Mit der am Wochenende ausgelieferten v6.2 (aktuell in der für alle verfügbaren Beta) besteht nun die Möglichkeit, nicht nur nach Peaks zu normalisieren, sondern auch nach R.128 (inkl. True Peak). Da die loudness-Werte der Titel bereits vorliegen, ist die Normalisierung auf diesen Wert eine Sache von Sekunden.

Tests haben ergeben, dass entsprechende Dateien - ohne ReplayGain - sehr sauber ausgespielt werden und das in der Konfiguration definierte Ziel perfekt erreichen.

Aus diesem Grund werde ich zukünftig, sollte ich wieder senden, auf ReplayGain verzichten können und mich allein auf die bessere Normalisierung von mAirList v6.2 und höher verlassen.
Ich bin mit der aktuellen technischen Entwicklung und Umsetzung sehr zufrieden.

Damit ist sowohl die Frage des TE beantwortet und Du kannst Dir ein neues Feindbild suchen. ;)
 
#5
Du kannst Dir ein neues Feindbild suchen
Ach Rebi... Nichdoch! Schau mal, ich hab' da seit knapp 25 Jahren ein Brotplem. Guckst Du:

P1010278.jpg

Der Kratzer rechts neben dem Zauberhandrad meines in Ehre und Würde gealterten SONY TA-F505ES verrät, dass ich gleich fatal lügen werde, aber ich mach's dropsdem.

Deiner Argumentation folgend besteht meine Lüge in der unverhohlenen Behauptung, dass ich mich seit über zwei Jahrzehnten nicht traue, den Verstärker einzuschalten, weil ich keine Ahnung habe, was mir die Skala am Prio-1-Bedienteil sagen will. Noch verwirrender ist für mich die Beschriftung der Muting-Taste. Na von Source Direct ganz zu schweigen (sicher landet da der fixed line-out des Zuspieler direkt auf der Endstufe?!).

Findest Du das jetzt lächerlich? Ich gar nicht!

Gut. Um SONY etwas in Schutz zu nehmen: Die Source-Direct-Taste ist im Manual beschrieben, wenngleich man sie nicht zweckmäßig und konsequent in die Schaltung integriert, sondern eine Halbfarce geliefert wurde, indem wirklich nur der interne Klangregelzweig umgangen wird. Mit Source-Direct gemessen am gesamten Signalfluß des Vollverstärkers hat es leider nichts zu tun. Noch nicht mal der Direct Input, den es auch noch gibt, erfüllt, was er sollte. Aber das nebenher...

Um mir dem Spaß mit state of the art nochmals zu gönnen: Jawohl, ich gehöre wohl geteert und gefedert, weil ich tatsächlich noch einen selbstfrisierten Oldschool-Verstärker mit Voodoo verkabelt benutze. State of the art wäre heute ein Einchip-D-Verstärker mit chinesischem Schaltnetzteil in Wandwarzendesign.

Und was ist nun mit dem Handrad und seiner Skala? Wie konnte ich nur auf die Idee kommen, einen Verstärker zu kaufen, an dessen Lautstärkersteller nicht einfach Lautstärke oder wenigstens Volume steht, mit einer Skala von ... watweesickdenn ... eens bis zehn meenetwejen?! Jetzt muss ich mit einer Frontblende leben, auf der eine Lautstärkeskala mit dem Charme einer bayerischen Uhr prangt, deren Zahlen utopisch groß erscheinen und die zudem einen Bezug auf ein logarythmisches Verhältnis zu einer völlig unbekannten Ursprungsgröße verrät. Aha. ATTENUATOR! Ja aber... hamm die 'ne Macke oda wat? Ich habe meine Kohle für einen Verstärker über die Theke geschoben, und nicht für einen Abschwächer!!! Und was passiert dann nun, wenn ich auf "Muting -20 dB" drücke. Da der Verstärker ein Reduzierer ist, wird dann sicher die Reduzierung um 20 dB reduziert?! KLASSE! Dann hat der Verstärker ja mit gedrücktem Muting wieder 20 dB mehr Auswurf.
Mooooment! 20 dB mehr oder weniger Reduzierung von WAS? Spannung? Leistung? Input? Output?
Mist, verdammter! Den Verstärker muss ich wohl dem Elektroschrott anheim fallen lassen. Mit so etwas kann ja keiner arbeiten! Irgendwelche dBs an Reglern und Tasten und der Hersteller verrät mir ihre Bezugsgröße nicht?! Nach deiner Haltung, Rebi, eindeutig ein NoGo.

Lassen wir das, obwohl ich dir aus der Magnetbandtechnik noch viel abstrusere Dinge aufzählen könnte, die es Generationen von studierten Tontechnikern und Heimspielmätzen eigentlich unmöglich gemacht hätten, jemals mit Bändern irgendeine vernünftige Aufnahme herzustellen.

Gibt's nun eine Antwort auf die Frage, die die Autoren von MP3Gain als Ziel veranschlagen? Möglicherweise. Und zwar nur bei ihnen selbst! Denn: Digital Audio kennt nur einen Bezugspunkt und der liegt bei 0 dB "full scale" (daher auch dB fs), und zwar völlig unabhängig von der Bittiefe und theoretisch unendlich hoher Samplingrate. Demnach dürfte das Gainziel von MP3gain eigentlich auch nur < 0 dB fs liegen.

Um die Verwirrung jetzt noch weiter zu treiben - das kann ich locker endlos fortsetzen - könnte ich jetzt mal voranstellen, dass man, als MPGain in die Welt kam, ein digitales Audiouniversum vor Augen hatte, dass nur 16 Bit bei max. 48 kHz kannte. Inzwischen ist das expandiert. Das hat ein gutes Universum so an sich. Aber es gab Zeiten, da brauchte man nur den Überblick über 16/44,1(o. 48) haben. Etwas anderes war nicht greifbar. Könnte man damals irgendwie auf 89 dB gekommen sein? Sehr wohl! Wie? Indem man 0 dB an der digitalen 0 referenziert. Das ist durchaus legitim gewesen, wenn man nicht anders rechnen musste. Von der digitalen Null aus gesehen geht freilich jedes Signal auf der dB-Skala nur noch ins Plus. Aber wie weit?
Statt einer klaren Zahl und Punkt die nächste Verwirrung: Binär bedeutet ein gesetztes NSB (next significant bit) unter Beibehaltung des Zustands der LSBs eine Verdopplung des repräsentierten Integers und damit der angenommenen Ausgangsspannung eines theoretischen, niederohmigst veranschlagten A/D-Wandlers. 0 db als digitaler Nullpunkt in der 16-Bit-Welt wären also 0000000000000000b. Jetzt wirds spaßig (und den Spaß gönn' ich mir):
2,5 dB: 0000000000000001b
3,2 dB: 0000000000000001b
5,8 dB: 0000000000000001b
Fällt irgendwas auf? Es hat hoffentlich jeder gemerkt, dass trotz fast 6 dB Zuwachs digital rein gar nichts passiert ist?! 6 dB digitaler Pegel sind also völlig unfähig, ein analoges Signal zu repräsentieren. Das LSB (lowest significant bit) ist nur in der Lage, ein digitales Rauschen zu repräsentieren. Das hört erst auf, wenn digital dieser Fall eintritt:
6,0 dB: 0000000000000010b.
Diese unvermeidliche Situation ist eine Last an Artefakten, die auch einen Namen hat: Quantisierungsrauschen. Davon ausgehend kann man sich an weiteren fünfzehn Fingern abzählen, welchen Dynamikumfang zum Beispiel eine Audio-CD haben müsste, nämlich die übrigen 15 Bit, von denen jedes 6 dB Signalzuwachs darstellt. Und? Richtig! Haargenau 90 dB! Und das bis zur Obergrenze von 0 dB fs. Abzüglich der für Intersamplepeaks hier üblicherweise abzuziehenden 2 dB Kopfraum wäre eine Audio-CD also bis 88 dB auszusteuern. Etwas anderes war bei der Entwicklung von MP3Gain nicht von Interesse.

Dass die defaultmäßigen 89 dB von MP3Gain im Grunde 1 dB zu hoch angesetzt sind und die Eigenheiten der Software sowie von MPEG-Layer III dabei offenbar nicht ausreichend berücksichtig wurden, ist für jeden, den es interessiert, empirisch belegbar und längst kein Geheimnis mehr. Ein Grund, es zu verteufeln und dessen Benutzer sowie Verteidiger an die verbale Wand zu stellen, ist es aber sicher nicht.

Es ist schon richtig, dass der TE eine scheinbar unbedarfte Frage aufgeworfen hat. Er hätte auch recherchieren und experimentieren können. Immerhin ist ihm trotz fehlenden Hintergrundes aufgefallen, dass mit seinen 92 dB irgendetwas nicht so ganz stimmen kann und er wollte es auch nicht ungefragt so laufen lassen. Weil das ist der Webradiotie so selten ist, war's mir den Roman jetzt trotz Wiederholung alten Stoffes wert.

Feindbild... sachma Rebi, sonst alles OK mit dir?
 
#7
Eurer Beiträge sind sehr informativ. Bringen aber mir nicht viel
Nun, ich persönlich habe als Kernfrage deines Eingangsbeitrags das Thema MP3Gain und den Umgang damit entnommen. Dazu ist nunmehr nicht mehr viel zu sagen. Beim nochmaligen Nachlesen fiel mir allerdings gerade auf, dass das für dich selbst scheinbar gar nicht die Kernfrage ist, sonder vielmehr, wieso deine Hörer dir rückmelden, dein Signal sei zu leise.

Die Sicht ist mir verborgen geblieben, weil ich ganz selbstverständlich davon ausgehe, dass ein Webradiomacher das Ergenbis seines Tuns verifiziert. Dazu hast du aber gar nichts gesagt. Da tut sich gleich ein ganzer Stapel Fragen auf:

1. Mischpult gut und schön. Aber welchen Signalfluss hast du konfiguriert? Ist es ein rein digitaler? Ist es ein rein analoger oder wie bei USB-Mischpulten oft üblich ein analoger Mischprozess digital zugeführter Signale, um dieses Ergebnis wieder zu digitalisieren und entsprechend auszuspielen?
2. Hast du die Signale an Punkten, wo du sie abgreifen und prüfen kannst, entsprechend untersucht?
3. Hast du deinen produzierten Stream als Hörer auf Auffälligkeiten hin untersucht?
4. Mit welcher Begründung beschreiben deine Hörer das Signal als zu leise? Ist es ihnen zu leise, weil sie von anderen totkomprimierte und gegen die Digitale Wand gefahrene Körperverletzung gewöhnt sind, oder konnten sie tatsächlich Untersteuerung messen?
 
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