Radio und Coronavirus: Wirtschaftliche Auswirkungen


@NRWorakel
Das ist im Telegrammstil schon die Geschichte des Lokalfunks. Richtig ist, er hat jede Menge bequeme Posten und Gremien (Sitzungsgelder) geschaffen. Da kann Mann/Frau/Genderstern kungeln & sich wichtig fühlen. Dazu natürlich auch ein paar nette Dienst- und Inforeisen, mit entsprechenden Fun-Programm. Das hat ja auch über Jahrzehnte gut funktioniert. Die Verleger hatten nette Renditen und der Verkauf musste sich wenig anstrengen. Gut ein paar Sender hängen seit Gründung mehr oder weniger durch.
Wäre der Lokalfunk eine Schraubenfabrik wäre schon längst Schicht im Schacht. Mittlerweile wissen das auch die Verleger. Sie würden schon gern Sender zusammenlegen und Personal freisetzen, nur dagegen steht das Zweisäulenmodell.
 
Zitat des großen Dr. Fu Man Chu:
Der Lokalfunk ist eine reine SPD Erfindung...

Diese Erkenntnis hast Du ziemlich exklusiv. Der private Lokalfunk ist ein Resultat der "geistig-moralischen Wende" und die kam bekanntlich vom Bimbes-Kanzler.
Vielleicht will der große Dr. Fu Man Chu uns sagen: Wo ein Lokalfunker ist, da ist das zugehörige SPD-Blatt meist nicht weit?
 
Zuletzt bearbeitet:
Thüringens Ministerpräsident Ramelow (Linke) schlägt offenbar seinen Länderkollegen höchst offiziell vor, die Privatradios 2019 mit bis zu 60 Millionen Euro aus den Mitteln des Rundfunkbeitrags zu subventionieren. So könne die systemrelevante Versorgung mit Superhits Infrastruktur gestützt werden. Damit die Staatshilfe nicht nach Staatshilfe aussieht, soll der Umweg über die Landesmedienanstalten gegangen werden: würde man denen das Budget aus Rundfunkbeiträgen quasi verdoppeln, könnten sich die unabhängigen Medienräte ja dazu entschließen, ihr unverhofft eingenommenes Geld in die UKW-Verbreitung ihrer liebsten Privatsender zu stecken. Ne, Quatsch, Ramelow geht ganz offen implizit davon aus, dass die Ministerpräsidenten das so beschließen und die staatsfernen Medienräte direkt abnicken werden, weil ihnen einfach gar keine anderen Verwendungsmöglichkeiten für die Kröten einfallen werden ;)

Achso: Kommen soll das Geld von ARD und ZDF. Ramelow hat hier offenbar ein erhebliches Einsparpotential erkannt. Na gut, 60 Millionen im Jahr mehr oder weniger, was ist das schon?

https://www.radioszene.de/wp-content/uploads/2020/05/20_10144_01.pdf
 
Zuletzt bearbeitet:
Das ist doch nix wirklich neues. Ein Blick nach NRW oder RLP genügt um Bescheid zu wissen.
Aber klar, ich will meine Gebühren nicht den Privaten in den Arsch schieben. Für Werbung ohne Ende, bin ich nicht bereit zu Zahlen und auch nicht für inhaltslose Programme, etc. !
 
Zuletzt bearbeitet:
Für RLP hatte Malu Dreyer doch auch schon Hilfen, also Knete, für die Privaten zugesagt. Stand, glaube ich, in der Radioszene, wenn mich nicht alles täuscht. Fehlt eigentlich nur noch Niedersachsen...
 
Gerade in Thüringen sind die Privatsender auf keinen Fall schlechter als der MDR.
Antenne TH hat abends und nachts mehr Moderation als das gebührenfinanzierte Jump. Warum Geld für Private? Aber man auch fragen: Warum Geld für den MDR?
 
Zuletzt bearbeitet:
@s.matze
Das kann ich nicht beurteilen, da ich bisher weder den MDR, außer MDR Aktuell, und auch noch keine Privaten aus Thüringen gehört habe. Keine Ahnung ob das ne "Bildungslücke" ist.
Wobei, Jump hatte ich schon öfters bei Tropo drin gehabt und dort mal reingehört. Ich muß sagen, mein Sender ist das nicht und wird es auch nie werden. Aber ich bin ja auch nicht in deren Zielgruppe, von daher ist das Latte.
 
Zuletzt bearbeitet:
Mediamarkt und Saturn waren mal ne sichere Bank. Zu einem großen nationalen Spotkontigent kamen häufig nicht unerhebliche Buchungen von Filialen vor Ort.

Das manager-magazin schreibt:
"Die kriselnde Elektronikhandelsholding Ceconomy schreibt in der Corona-Krise tiefrote Zahlen. Ceconomy habe im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2019/20 einen Verlust von 309 Millionen Euro verbucht, teilte der Mutterkonzern von Media Markt und Saturn am Donnerstag mit. Vor Jahresfrist hatte die Holding noch einen Gewinn von 20 Millionen Euro erwirtschaftet. Für das Gesamtjahr erwarten die Düsseldorfer nun einen Rückgang des währungsbereinigten Gesamtumsatzes. Der operative Ertrag (Ebit) werde deutlich schrumpfen."

Teilweise sind es klangvolle Namen, die das Handtuch werfen:

Karstadt/Kaufhof unterm Schutzschirmverfahren; Colloseum, ein DOB-Filialist aus Oberhausen mit 200 Filialen insolvent, Junior Brands Group/KIDS FASHION GROUP insolvent, Insolvent u.a. auch: AppelrathCüpper, Build a Bear, DAT Backhus (größte HH-Bäckereikette) Esprit Deutschland (beantragen ein Schutzschirmverfahren), Real (teilweise verkauft, etliche Filialen werden geschlossen) McTrek Outdoor Sports, Planet Sports, MAREDO, VAPIANO. Die Otto Tochter Sport Scheck an Karstadt/Kaufhof (siehe oben) verkauft. Dazu kommen noch jede Menge kleine Firmen.

Das alles vor dem Hintergrund, dass das Insolvenz gelockert wurde. Die Krise des Einzelhandels wird auch in den Shopping Centern ankommen. Mehr Leerstand = geringerer Werbeetat.

Die Umsätze minus 33% in der Textilhandel in der KW19

Ein Werbemarkt, der sich im Herbst erholt? Eine interessante Einschätzung in meinen Augen.

@ all
Es geht hier um die wirtschaftlichen Auswirkungen, nicht wie ein Programm subjektiv beurteilt wird.
 
Ein Werbemarkt, der sich im Herbst erholt? Eine interessante Einschätzung in meinen Augen.
Kleine Schwäche in deiner Betrachtung: Du siehst nur die Verlierer der Situation an. Wenn du dir ansiehst, dass sehr viele Menschen immer noch einen recht großen Teil bis nahezu das gesamte Gehalt bekommen, und dazu berücksichtigst, dass gerade enorme Summen "frei werden", nämlich: nicht stattfindende Reisen, Restaurantbesuche, deutlich geringere Pendelkosten und so weiter, und dazu berücksichtigst, dass es neue Bedarfe gibt, dann kann und wird es auch Gewinner der Situation geben. Und solange die Werbung machen wollen und man einen guten Vertrieb hat...?
 
Weitere kleine Schwächen:

Von Esprit sind nur einige Unternehmen/Gesellschaften in Gefahr, z. B. McTrek.

REAL wurde von einem russischen Investor übernommen - die Schließung einiger Filialen war schon im Februar Thema und hat nichts mit Viren zu tun.

Planet Sports hatte bereits im Februar Insolvenzantrag gestellt, ist "nur" verkauft und macht in Köln weiter.

Die 13 MAREDO-Häuser, die geschlossen werden, waren schon vor jeglicher Virenbedrohung unwirtschaftlich.

VAPIANO schließt nur seine Franchisebetriebe von derzeitigen Verkaufsverhandlungen (!) aus.

SPORT SCHECK ging bereits 2019 an Benko/Signa bzw. Karstadt/Kaufhof.
 
Korrekt. Nebenbei bemerkt hat - abgesehen von Kaufhof/Karstadt und REAL - keine dieser Firmen signifikant viel Radiowerbung am Start (wenn überhaupt), d.h. die werden dort auch niemandem fehlen.
 
Ich habe keinesfalls geschrieben, dass dass alles Radiokunden waren. Aber jeder Händler der nicht oder weniger wirbt, senkt das gesamte Werbemarktvolumen. Leerstände in Immobilien bedeuten, dass die Inhaber, häufig Fonds, weniger Mieteinnahmen haben, sie werden also weniger Geld ausschütten. Das kommt dann bei Anlegern wie Altersversorgungen, Fonds, Versicherungen etc. an. Deren Ausschüttungen, die teilweise direkt in Rentenzahlungen eingehen, werden sich auch vermindern. So wie ein Aufschwung sich selbst verstärkt, ist es auch beim Abschwung. Ich rede auch gar nicht von zu erwartenden Steuererhöhungen, die die SPD-Spitze + Die Linke bereits fordern.

Eine Krise bewirkt immer, dass schon vorher angeschlagene Unternehmen, endgültig aus dem Markt ausscheiden. Der Einzelhandel hatte schon vorher ein Strukturkrise. Ob das nun Warenhäuser, Möbler, Textil- oder Autohändler waren. Die Fusionen werden bestimmt nicht weniger. Der lokale Werbemarkt wird immer mehr erodieren.

Seit einigen Monaten ist bei vielen Automarken, das regionale Budget massiv gekürzt worden. Das gilt insbesondere fürs Sponsoring, Events und VIP-Shuttles. Das alles senkt das Werbevolumen. Im ersten Quartal ist die Wirtschaftsleistung schon bei minus 2,2%. Dabei waren die Corona-Auswirkungen im März noch nicht voll spürbar. Das laufende Quartal wird einen wesentlich höheren Rückgang haben. Allein schon das Einkommen aus vielen 450 Euro Jobs, dass meist direkt in den Konsum einging, entfällt ersatzlos.
Ja, es kann sein das Konsum umgelenkt wird, aber das ist Spekulation.

Das Problem der Sender ist, dass die Kosten, Ausnahme Leistungsrechte, wenig skalierbar sind. Die Frage ist, wann erholen sich die Einnahmen und welches Niveau werden sie dann haben? Das kann eigentlich jeder Sender mit einem relativ simplen Excel-Sheet schnell kalkulieren. Und wie Wanderdüne es betont hat, die Liquidität ist schlecht, denn es wurden kaum Reserven gebildet. Das Problem, die Verlag haben das Geld ganz woanders investiert oder schon längst ausgeschüttet.

Wohl dem Sender, der eine gut strukturierte Vermarktung samt gepflegten CRM-System und systematischer Verkaufsarbeit hat. Einige, dass weiß ich leider ziemlich genau, haben mehr Schönwetter-Verkäufer. Da wird es schwierig.

Aber, so oder so, wer jetzt versucht seine Strukturen aufrechtzuerhalten, der zögert sein Ausscheiden aus dem Markt nur heraus.
 
Die Deutschen Dudelfunker wollen sich jetzt ihr Geld im Ausland holen.

Bauermedias Abteilung in Schweden fordert die für 2020 vorab bereits bezahlte Konzessionsabgabe (Lizenzgebühr für landesweiten Privatrundfunk) vom Staat zurück weil der Werbemarkt dort um mehr als 40 Prozent eingebrochen ist.
So sollen die Verluste von Einnahmen auf andere Weise kompensiert werden.
 
Zuletzt bearbeitet:
In diesem Fall nicht die deutschen Radiomacher, sondern die skandinavischen.
Bauer Media als Europas größtes Medienhaus gehören außerdem noch Stationen in Polen,
Großbritannien und der Slowakei.
Dementsprechend muss auch die Finanzsituation für die Aktivitäten in jedem einzelnen Land
getrennt geprüft werden.
 
dass gerade enorme Summen "frei werden", nämlich: nicht stattfindende Reisen, Restaurantbesuche, deutlich geringere Pendelkosten und so weiter
Das sind doch keine Werbekunden. Als Hoffnungsträger für die Privatsender und ihre Vertriebsabteilung taugen die wahrlich nicht.
Seit einigen Monaten ist bei vielen Automarken, das regionale Budget massiv gekürzt worden.
Die (Hersteller) hauen allerdings gerade die Werbung raus, dass es knallt. Angstblüte würde ich dazu sagen.
 
Stimmt mit anderen Ländern überein, in Skandinavien z.B. auch rund 42% weniger.
Leider heißt das aber ja nicht dass es jetzt auch 42 Prozent weniger Werbung gibt.
Die Blöcke sind gleich lang und werden mit anderem Kram (Eigenwerbung) gefüllt.
 
Zuletzt bearbeitet:
Die Nielsen-Werte sind lediglich eine Wasserstandsmeldung. Der Grund, kein Mensch weiß, wie viele Freispots, Goodwill-Schaltungen, Sonderrabatte etc. darin enthalten sind. Aber unterm Strich ist eine Funzel in einer dunklen Scheune immer noch besser als ganz ohne Licht.
Die Podcast-Hype? Absolut gesehen ist die Podcast-Reichweite noch nicht hoch. Auch wenn sie sich steil entwickelt hat.

Das Einnahmepotential kann sich jeder selbst ausrechnen, nimm mal einen beliebigen Zielgruppen TKP vom Radio, sagen wir mal Frauen 20 - 39 Jahre und multipliziere es mit dem Faktor 3 oder 4, dann schauste dir nen Podcast mit der ungefähren ZG an, nimmst die Reichweite und hast das Einnahmepotential.

Wenn ich mich nicht irre, liegt der Podcast-Umsatz irgendwo bei 20 Mio. (aber das ist eine reine Gedächtniszahl, kann auch zu niedrig sein). 2019 lagen die Radio-Nettowerbeeinnahmen bei 729 Mio. €. Podcast sind davon ~ 3%.

Wenn man mit Podcast den Rückgang in der klassischen Werbung auffangen wollte. Dann müsste sich bei einem Minus von 10 Prozentpunkten, der Podcast-Umsatz um das 2,5-fache zunehmen. Also mehr als eine Umsatzexplosion. Innerhalb eines Jahres halte ich das nicht für sehr wahrscheinlich.

Fazit, erstens ist das Feld der Podcastanbieter viel breiter aufgestellt, also nicht alles kommt beim Privatradio an. Ein Minus bei den klassischen Werbeeinnahmen kann Radio nur schwerlich mit Podcasts ausgleichen. Zumal, die Sender haben schon jetzt geringe Redaktionskapazitäten, wer soll denn das alles produzieren?
 
Oben