UKW und die neuen Antenneneigner: Jetzt geht der Zoff erst richtig los


#1
Die Aeos Infrastruktur GmbH hat laut einem Medienbericht ihre Zustimmung zur Frankfurter Erklärung zurückgenommen, in der ein diskriminierungsfreier Zugang zu UKW-Antennen gewährleistet ist, nachdem die Media Broadcast aus der UKW-Verbreitung ausgestiegen ist. Aeos hatte von der Media Broadcast Antennen erworben und mitgeteilt, sich entsprechend der Frankfurter Erklärung verhalten zu wollen.

Aeos begründet ihren Schritt mit dem Verhalten der Netzbetreiber Uplink und Divicon Media. Beide übernehmen die sendetechnische Abwicklung von Hörfunkveranstaltern wie die Zuführung der Programme von Studio zum Sendemast, haben aber selbst keine Antennen von Media Broadcast erworben. Uplink und Divicon würden laut Aeos neuen Antennenbetreibern als Oligopol gegenübertreten und versuchten, einen Vertragsabschluss zu diktieren. Auch werde mit Klage gedroht.

Weiterlesen:

http://www.satnews.de/mlesen.php?id=5d13ff1aa6f20561b9b2efac6343801f
 
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#2
Die Quellenangabe in SatNews lautet "nach Medienberichten" - nach wie vor haben die dortigen Redakteure arge Probleme mit Quellenangaben.
Zum Hintergrund ein bisschen Lesestoff. Zum Glück hat die BNetzA das letzte Wort!
 
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#3
Die Meldung basierte auf einer Mitteilung des Privatradioverbands APR. Diese wurde aber inzwischen widerrufen, und auch die Meldung bei SatelliFax (und möglicherweise anderen Mediendiensten) wieder gelöscht. Zur Dokumentation habe ich den gesamten Text abgespeichert. Wer Interesse hat, bitte um PN.
 
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#5
Nach der Aeos soll sich nun der zweite Investor, die KIO, von der Frankfurter Erklärung verabschiedet haben. Die Quelle lasse ich jetzt einmal beiseite. Das Thema aber richtig: Da ist ordentlich Zoff in der Bude.
 
#6
Das hat man halt davon, wenn Einrichtungen, die einst zur Allmende gehörten, ans das Kapital verhökert. Wer sich dann wundert, dass das Kapital auch in seinem Sinne darüber verfügen will, dem ist nicht zu helfen. Ein nicht unerheblicher Teil der betroffenen Frequenzen wird aber ohnehin nicht von "gemeinnützigem" Rundfunk, sondern vom Kapital bespielt, für diesen Teil sehe ich die Sache sehr entspannt. Da kommt zusammen, was zusammengehört. Egal welche Konsequenzen das haben wird. Für den DLF fände ich es schade, wenn es Stress gäbe. Aber das wars dann auch schon beinahe.
 
#7
Die Angelegenheit ist vielschichtig. Die deutschen Privatsender haben über Jahre die Marktliberalisierung selbst und über die Verbände gefordert, obwohl man zu einem großen Teil selbst in einem Mono-, Duo- oder Oligopol agiert. Gut, die Deutsche Post, später Telekom und dann schließlich Media Broadcast mit wechselnden Gesellschaftern hatten ihre Nachteile. Zumindest waren sie verlässlich. Wie die Preissteigerungen. Die kamen, wie ein Inflationsausgleich, geradezu automatisiert. Der Ruf nach Markt sollte es richten. Gemeint war aber: Günstiger soll es werden - durch Wettbewerb auf Anbieterseite. Und dann machte sich die BNetzA auf, den Markt zu Entregulieren.

Der Senderbetrieb war schnell gelöst mit einigem hin und her. Die Antennenmitbenutzung Zankapfel und nun das Problem. Zu den strangulierten Preisen (so die MB) wollte sie das Geschäft nicht mehr besorgen. Also wollte sie die Antennen loswerden. Im Idealfall an mehrere Anbieter, sodass der Markt dann kein Monopol mehr darstellt und man noch bereit ist, auf Senderwunsch Services durchzuführen. Die Sender wollten größtenteils nicht zugreifen. Zu teuer war das Argument. Ganz ehrlich, die Preise waren überteuert aber auch nicht völlig aus der Welt. Dass man mit einem Buchwert hantierte, ist kaum seriös. Wenn ein Firmen PKW in sechs Jahren abgeschrieben ist, verschenkt das Unternehmen diesen auch nicht, sondern versucht den bestmöglichen Preis auf dem Gebrauchtwagenmarkt zu erzielen.

Ein Problem stellen in der Tat die Gemeinschaftsantennen dar. Dort ist es schon ein wenig schwieriger.

Jetzt ist die Media Broadcast raus aus dem Spiel. Die Sendernetzbetreiber möchten nun verdienen, sofern nicht wie in Niedersachsen oder Baden-Württemberg von den Sendern selbst getragen werden. Und die neuen Antenneneigentümer möchten nun ihren Invest verzinst zurückerhalten. Ach ja, und die neuen Eigentümer haben ja keine Struktur. Die müssen vielleicht einen Servicedienstleister beauftragen. Und der will ja auch noch verdienen. Vielleicht nehmen die neuen Investoren die Media Broadcast, denn die kennt sich auf den Türmen aus - und hat auch noch Kapazitäten frei.

Tja, liebe Sender, das ist Marktwirtschaft. Da möchten alle verdienen. Monopole sind meist nicht schön. Jetzt wird alles ein wenig flexibler, bunter und dynamischer. Vielleicht auch ein wenig besser. Aber günstiger? Daran haben wir doch nicht wirklich geglaubt.
 
#8
...Ein nicht unerheblicher Teil der betroffenen Frequenzen wird aber ohnehin nicht von "gemeinnützigem" Rundfunk, sondern vom Kapital bespielt, ....
Na ja, zumindest hat die KIO Vermögensverwaltungs GmbH München z.B. in Hessen die Antennen an Senderstandorten von -drei- gemeinnützigen NKLs gekauft (davon gibts in Hessen nur zehn Standorte bei sieben NKLs - zwei holte sich u.a. der hr und einer muss noch wegen laufendem Vertrag leitungstechnisch eine Weile bei der MB bleiben). Aber wie der Name schon sagt, ist eine "Vermögensverwaltung" (Stammkapital übrigens gerade mal 25.000,- Euro ; "ein Schelm ist, der sich was Böses dabei denkt")/ K.
 
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#11
Pauschal kann man nicht behaupten UKW werde teurer. Es kommt auf den jeweiligen Standort an. In Hamburg stöhnt man über etwas ganz anderes. Die DFMG als Standort-/Turminhaber will die alten, mit der Media Broadcast ausgehandelten Verträge über die Standortnutzung mit den neuen Antenneneignern neu verhandeln. Als ehemalige Telekom-Tochter bekam MB Sonderkonditionen. Daher will DFMG nun die Standortmieten erheblich anheben. Damit dürften auch die Mietpreise für die Antennen nochmals erheblich teurer werden. Generell ist das Wahnsinn, was da auf die Veranstalter zukommt. Ein Radiosender braucht bis zu vier Verträge mit untersch. Anbietern über Zuführung, Sendebetrieb, Antenne und Turm. Das gab es bisher alles aus einer Hand.

Richtig ist, daß es das alles weiter auf DAB gibt, da die MB dort genau das gleiche Monopol aufbaut wie lange bei UKW, und ob der Wettbewerb bei UKW, wie er derzeit praktiziert wird, wirklich so sinnvoll ist, stelle ich mal gehörig in Frage. Eigentlich sollte das Gegenteil erreicht werden, nämlich sinkende Preise. Aber die Hörfunkszene hat sich festgelegt, daß DAB die Gattung mehr gefährdet als ihr nützt. Daher ist UKW zumindest in den kommenden 15 - 20 Jahren für den Privatfunk alternativlos, zumal die Nutzerzahlen bei DAB nach wie vor erschreckend gering sind. Ich rechne sogar fest damit, daß die neue UKW Preisstruktur die Entwicklung von DAB gefährden könnte. Wer bereits schon simulcast sendet, kann sich das künftig nicht mehr leisten. Auf UKW zu verzichten wäre jedoch Selbstmord. Also steigt man aus DAB wieder aus.

Man sollte eher mal in Deutschland das Ausmaß der Wirkung von elektrischen und magnetischen Feldern (EMF) neu bewerten. In den Niederlanden ist es kein Problem, auf ein bewohntes Hochhaus eine Antenne zu setzen und mit 40 Kilowatt zu strahlen. In Deutschland nach aktuellen Vorschriften undenkbar. Mit solch einer Lösung braucht ein Hörfunksender kein Divicon, kein Uplink, kein KIO, kein Milaco und wie sie sonst alle heißen. Er braucht eine Internetanbindung, einen Sender, Kabel und die Antenne und kann UKW kostengünstig betreiben.
 
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#12
Generell ist das Wahnsinn, was da auf die Veranstalter zukommt. Ein Radiosender braucht bis zu vier Verträge mit untersch. Anbietern über Zuführung, Sendebetrieb, Antenne und Turm. Das gab es bisher alles aus einer Hand.
Aber genau das wollten die Privaten doch nicht mehr! Sie wollten das Monopol weghaben, das mit einer Mischkalkulation allen Kunden vergleichbare Konditionen bot. Sie wollten den "freien Markt". Den haben sie nun.

Man sollte eher mal in Deutschland das Ausmaß der Wirkung von elektrischen und magnetischen Feldern (EMF) neu bewerten.
Sollte man - und danach die Grenzwerte senken. Die Grenzwerte, die in Deutschland z.B. für Mobilfunk gelten, schützen die Unternehmen und nicht die Menschen. Die gerne als alleiniges Kriterium strapazierten "thermischen Effekte" sind lächerlich bei Einhaltung eines sehr geringen Schutzabstandes. Es gibt weitere Effekte auf neurobiologischer Ebene, das sind die spannenden, weil man die im Gegensatz zu den vernachlässigbaren thermischen Effekten nicht wirklich aus Erfahrungswerten bewerten kann. Da werden in den kommenden Jahren bis Jahrzehnten noch spannende Dinge ans Licht kommen, dessen bin ich mir sicher. Es läuft ein weltweiter "Feldversuch" mit der Gesundheit der Menschen.

UKW ist da nun noch relativ harmlos, da es sich dabei nicht um gepulste Strahlung handelt, sondern um letztlich konstante Leistung, die nur in einen je nach momentanem Programminhalt vielleicht 20 - 275 kHz breiten Kanal gepumpt wird. Spannend sind die gepulsten Systeme, DAB, DVB-T(2), ... - und freilich das, was die Bevölkerung freiwillig tut (WLAN überall, Dauertelefonieren mit dem Smartphone, ...).

In den Niederlanden ist es kein Problem, auf ein bewohntes Hochhaus eine Antenne zu setzen und mit 40 Kilowatt zu strahlen. In Deutschland nach aktuellen Vorschriften undenkbar.
...und bei der deutschen Topographie auch weitgehend sinnlos außer im äußersten Norden. Willst Du 40 kW ERP in ein Tal rammen, bloß weil da in der Stadt ein "Hochhaus" (10 Etagen...) steht, das man als Antennenträger nehmen kann? Nein, die Sendeanlagen gehören dorthin, wo sie weit reichend arbeiten können - runter in die unmittelbar daran angrenzenden Ortschaften gehört nur der Bruchteil der Leistung, der jeweils ganz unten am "Sendestrahl" messbar ist. Da smeiste gehört eifnach "weiter weg" und durch den Downtilt, den man mit der Zusammenschaltung der Antennen in den Spalten erreicht, sorgt dafür, dass überall so viel hinkommt wie nötig.
 
#13
Pauschal kann man nicht behaupten UKW werde teurer. Es kommt auf den jeweiligen Standort an.
Vollkommen richtig. Nimm als Beispiel aber mal einen mir bekannten Einzelstandort eines werbe- und sponsorenfreien Bürgerradios (Lizenzauflage) mit 300W, der gerade mal ein Gebiet versorgt, in dem maximal 60.000 Menschen leben (und dies ist schon hoch angesetzt). Nach dem Antennenverkauf sollen dafür über 11.000 Euro / jährlich nur für Antenne und Platzmiete gezahlt werden, also ohne die Kosten für das Leitungsnetz und den Betrieb der Sendeanlage, dann würde ich mir den Weiterbetrieb schon überlegen (und der Antennenkäufer hätte "geloost"). Dies kann aber auch nicht Sinn und Zweck der Sache (Privatisierung der Antenne) gewesen sein. /K.
 
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#14
Einzelstandort eines werbe- und sponsorenfreien Bürgerradios (Lizenzauflage) mit 300W, der gerade mal ein Gebiet versorgt, in dem maximal 60.000 Menschen leben (und dies ist schon hoch angesetzt). Nach dem Antennenverkauf sollen dafür über 11.000 Euro / jährlich nur für Antenne und Platzmiete gezahlt werden
Na, da werden die LMAs ja endlich ihre ungeliebten Bürgerfunker los - mit verweis auf nicht mehr zu stemmende Kosten ins Internet abgeschoben. Soweit ich mich erinnere, liebäugelte man mit der Aufhebung der UKW-Verbreitung zumindest mancherorts schon vor Jahren. Bei klar kalkulierbaren Kosten.

Für die Bürgerfunker / NKLS ist das ein Trauerspiel.
 
#15
Na, da werden die LMAs ja endlich ihre ungeliebten Bürgerfunker los - mit verweis auf nicht mehr zu stemmende Kosten ins Internet abgeschoben.
Ich denke eher, es läuft bei den LMAs inzwischen auf DAB+ heraus. Soooo internetaffin sind sie nicht mehr. Ein DAB+-Platz im Rhein-Main-Gebiet (Kanal 11C, tech. Reichweite 5,3 Mill. Einwohner, bald durch zusätzlichen Standort bis 8 Mill.) kostet inklusive allem aktuell ca. 20.000 Euro im Jahr bei der "Default"-Datenrate von 72 kbit/s. UKW 300 Watt kostet schon mal das doppelte, bei gerade einmal 60.000 erreichbaren Einwohnern.
 
#16
...Für die Bürgerfunker / NKLS ist das ein Trauerspiel.
Will ich nicht hoffen. immerhin hat die LPR in Hessen im Februar potenzielle Senderbetreiber (Divicon, Uplink usw.) unter Angabe der Antennenkäufer und von denen genannter Preise für Antennen- und Platzmiete im Rahmen einer geschlossenen Ausschreibung angeschrieben und Angebote für den UKW-Senderbetrieb sowie die Signalzuführung für die dortigen NKLs bis 31.12.2022 (Ende aktuelle Lizenzlaufzeit) angefordert. Gleichzeitig hat man den nordhessischen NKLs im Nord- / Osthessenmux (soll 2018 mit erst einmal vier Standorten auf Sendung gehen) ganztägige Programmplätze reserviert. "Irgendwo ist also Hoffnung" :thumbsup:
 
#17
Inzwischen kenne ich von einer LMA zumindest die lauwarme Idee, Small-Scale DAB für ihre Bürgerfunker aufzubauen. Irgendwann. Unklar ist mir bislang, ob dann an allen UKW-Standorten eines derzeitigen Bürgerfunkers ein ganzes DAB-Paket mit allen lizensierten Bürgerfunk-Kanälen dieser LMA auf Sendung gehen soll. Aber das ganze Thema ist sowieso bislang in weiter "angedachter" Ferne.

Viel witziger ist derzeit, wie sehr die Luft bezüglich UKW-Antennennutzung inzwischen brennt:

https://www.privatfunk.de/r18/10069.html

Bitte komplett lesen, zuviel zum Zitieren.

Leider sind auch DLF und Öffis in dem Elend mit drin und nicht nur die, die sich den "freien Markt" erhoften und das Ganze erst ins Rollen brachten.
 
#18
„Die Wahrscheinlichkeit, dass es ab dem 1. April 2018 zu teilweisen Unterbrechungen der UKW-Versorgung kommt, ist angesichts des engen zeitlichen Rahmens groß.“

schriftlich fixiert ist bisher nichts. Zwei große Antennenbetreiber blieben dem Treffen fern. Rechtlich, räumt Fuchs ein, ist bisher nicht ersichtlich, ob und wie Behörden eine Abschaltung verhindern können:

https://www.mz-web.de/mitteldeutsch...achern-von-mdr---co-eine-sendepause--29881694


Da bin ich ja mal gespannt wie DLF und MDR ihren Grundversorgungsauftrag erfüllen wollen. Die sind doch jetzt beliebig erpressbar.
 
#19
Offenbar ist dem tatsächlich so. Ich sehe hier vor allem das Versäumnis, für die öffentlich-rechtliche Versorgung auch entsprechende Infrastruktur zu erhalten. Sowohl in West- als auch in Ostdeutschland waren die Frequenzen ja einst da, wo sie hingehören: in staatlicher Hand. Mit der Privatisierung der Infrastruktur hat man Tür und Tor geöffnet für das, was nun eventuell passieren kann. Ähnliche Zustände kennen wir ja von anderen Grundleistungen. Das tafelsilber (die Infrastruktur) wird verramscht und in private Gewinne umgesetzt, die Risiken werden der Allgemeinheit aufgebürdet. Das ist halt Kapitalismus.
 
#20
Die Frequenzen unterliegen nach wie vor staatlichem Hoheitsrecht. Besitz und Betrieb der Sendeanlagen, der - nicht-staatlichen, aber öffentlichen - Sender waren im Westen da wo sie hin gehören, und auch heute noch großteils sind, bei den Sendern selber. Ausnahmen ZDF & DLF.
 
#22
Holla, die Waldfee:

https://www.teltarif.de/radio-ukw-netzbetrieb-dab-plus/news/72033.html

https://www.golem.de/news/analog-beim-ukw-radio-droht-eine-sendepause-1803-133380.html

https://www.mz-web.de/mitteldeutsch...chern-von-mdr---co--eine-sendepause--29881694

Und das beste ist: Kein Veranstalter weiß, ob er am 1.4. von der Antenne genommen wird. Immerhin brauchen sich die Veranstalter diesmal keine Gedanken über Aprilscherze zu machen, der größte steht ihnen ja dann bevor :).

Btw: Das erste Mal in der Geschichte des deutschen TelKo-Marktes, daß Liberalisierung zu keinen Preissenkungen geführt hat. Und dann ist ausgerechnet das Radio betroffen. Eine schöne Scheiße ist das...
 
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