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Blick in die Zukunft: Digitalradio und DJs

Dieses Thema im Forum "Radioszene Deutschland" wurde erstellt von PFL, 26. August 2003.

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  1. PFL

    PFL Benutzer

    guten tag,

    im thread von berlinreporter wird über die digitale zukunft (oder nicht zukunft) des radios diskutiert. aber einen aspekt vermisse ich: was wird eigentlich aus all den djs, moderatoren, redakteuren, reportern - kurz aus den programmmachern.

    ich persönlich sehe die digitale zukunft nämlich eher düster. es wird einige wenige (auch analog schon etablierte) stationen geben, die sich auch digital durchsetzen. nur glaube ich, dass künftige marktführer sich im quoten im einstelligen prozentbereich abfinden müssen. viele musikabspielstationen werden keine djs mehr brauchen, ein paar jukeboxen und ein paar interfaces reichen. und vielleicht wird der eine oder andere von uns umlernen müssen - auf radio- und fernsehtechniker zum beispiel.

    bei 100 oder mehr programmen die in einem lokalen sendegebiet empfangen werden können, wird es wirtschaftlich kaum zu leisten sein, für jede sendung einen dj, noch ein paar musikredakteure und vielleicht sogar noch nachrichtenleute zu beschäftigen.

    ukw wird in ca 7 jahren (dann soll abgeschaltet werden) der vergangenheit angehören, dann sind wir alle im digi-tal.

    schon heute wird uns ja mit voicetracking gezeigt, dass man bei manchen stationen nur noch sprechmaschinen braucht, die ein paar übergänge erzählen und ab und an mal die zeit sagen.

    was wird denn nun aus uns allen - macht jeder sein eigenes internetradio als hobby auf und geht sonst irgendwo rabotten?

    braucht man überhaupt noch moderatoren bei programmen, die nur noch auf musik setzen?

    gibt es nur noch einheitsnachrichten von einem syndicator?

    wie sieht die zukunft von moderatoren und redakteuren aus?

    wie stellt ihr euch das vor?

    was wird aus den bestehenden privatstationen - starke marke gleich stark auch im digitalen markt?

    was wird aus den öffentlich-rechtlichen?

    kann man sich als macher das radio-machen noch leisten?

    oder ganz allgemein: wie wird eurer meinung nach in der digitalen zukunft radio gemacht?

    lauter fragen oder digitale horrorvisionen über die man hier auch mal nachdenken könnte.

    ich freu mich auf eure antworten.

    gruß

    pfl
     
  2. Jasemine

    Jasemine Benutzer

    Die Zukunft bringt vor allem Kostenreduktion durch Personalabbau. Die paar großen Konzern-Gruppen werden zentrale Standorte für nationalen Verkauf, Selektor-Planung, Produktion, On Air Promotion, Consulting, Eventmanagement, Dispo, Mafo, Fibu, Aus- und Weiterbildung und Technik einrichten und vor Ort braucht's dann nur noch einen Stationmanager, das regionale Verkaufsteam, drei Voices zum tracken und ein paar Praktis. Dazu dann ein paar echte Personalities die deutschlandweit durch alle Gruppensender syndicatisiert werden.

    Die us-amerikanische Clearchannel-Strategie wartet darauf, sich langsam und medienpolitisch konform nach Deutschland zu schleichen.

    Die Digitalisierung (in den Funkhäusern) war und ist dabei zunächst mal nur ein Werkzeug zur Effizienz- und Renditesteigerung (einfach mal zu den Pressekollegen rüberschauen. Wo sind denn die Setzer und Lektoren?). Die Digitalisierung der Übertragungswege wird erst kommen, wenn der Markt bzw. die Konsumenten dazu bereit sind. Die gesetzlichen Stichtage sind dafür nicht relevant, denn Gesetze werden geändert, wenn sie der Wirtschaft schaden.

    Nichtsdestotrotz wird es auch zukünftig eine Nachfrage für hochwertigen journalistischen Inhalt geben. Allerdings wird man um den herzustellen deutlich weniger Journalisten als heute brauchen. Und verankert in einer Konzerngruppe kann man sich dann beispielsweise eine Hauptstadt-Zentralredaktion leisten, die gleichzeitig zwei Zeitungen selbst füllt, 20 beliefert, ein Wortradio füllt, 20 Musikradios Nachrichten zuliefert, einen Nachrichten-TV-Kanal füllt und drei TV-Kanäle beliefert. Natürlich wird es auch diverse Reporter und ein paar Außenstudios geben, aber selbstverständlich viiiiel weniger als früher.

    Das alles sind ganz privatpersönliche Gedanken, sehr pauschal und natürlich nicht fundiert, betont die Jasemine.
     
  3. rezession

    rezession Benutzer

    UKW wird in 7 Jahren noch lange nicht der Vergangenheit angehören ! Eher wird der Papst evangelisch...
     
  4. berlinreporter

    berlinreporter Benutzer

    Ich teile Deine Gedanken, Jasemine. Besonders die Multimedialität der Journalisten wird gefragt sein - aus einem Thema mach etliche Varianten:

    - Kurzmeldung
    - Artikel
    - Radio-Newsstück
    - Radio-Beitrag gebaut
    - TV-Newsstück
    - TV-Beitrag
    - ggfs noch größeres Feature in den jeweiligen Medien

    Du kannst nur für ein Medium arbeiten? Dann such schon mal die Adresse vom Arbeitsamt raus.....
     
  5. berlinreporter

    berlinreporter Benutzer

    @rezession: Fragt sich, ob unser Papst in 7 Jahren noch Radio hört:confused:

    Aber ich bin Deiner Meinung. So langsam wie sich der Markt Richtung "digital" entwickelt, wird der Gesetzgeber sicher noch die eine oder andere Übergangsphase von etlichen Jahren einbauen.
     
  6. Grenzwelle

    Grenzwelle Benutzer

    Ich habe vor ein paar Tagen hier mal das Thema Syndication zur Diskussion gestellt. Es kränkte weniger meine Eitelkeit als es mich enttäuschte, wie dünn die Resonanz darauf war.

    Der Hinweis auf ein paar dümmliche Comedies und eine Sendung von der Kiesbauer war alles, was den werten Radiomachern dazu einfiel.

    Das ist traurig, denn Moderatoren und Sendungen, von denen die Nation spricht, sind der einzige Weg. Meint ihr Leute wie Harald Schmidt oder Stefan Raab wären heute bekannt und hätten dicke Quoten, wenn sie jahrelang bei irgendeinem Landes-TV-Sender herumgebastelt hätten?

    Das Radio zum Einschalten und Zuhören mit Personality und Moderatoren hat nur deutschlandweit eine Chance und muss aus dem kleinstaaterischen Mief raus. Aber die PDs und deren Mitarbeiter und auch die Geldgeber denken über ihren Tellerrand noch nicht hinaus.. Daher bleibt wohl alles so wie es ist und Lieschen Müller stümpert sich heute in Kleinkleckersdorf und morgen in Hintertupfingen einen vorm Mikrofon ab. Ein Nährboden für Talente ist dies jedenfalls nicht, bzw. hauen die schnell zum TV ab, wenn es das Gesicht halbwegs zulässt.
     

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