ARD-Arbeitsgruppe "Lautheit" will alle ARD-Radios gleich laut machen


Ich hab mich erst in den vergangenen Tagen mit jemandem darüber unterhalten und ihn gebeten, weil teilweise nur noch Verzerrungen zu hören waren, die Bassanhebung rauszunehmen. Die Antwort nach knapp zwei Minuten war: "Das klingt doch langweilig!" und damit war die Funktion wieder aktiviert.
Dem Mann solltest Du dringend ein ausreichend dimensioniertes Lautsprechersystem (Headroom ist das Stichwort) empfehlen, denn wenn es zerrt, dann wird etwas übersteuert. Und es wäre doch fatal, wenn man ernsthaft verlangen würde, dass sich diese gewollten??? Verzerrungen schon auf der DVD befinden müssen. Komischerweise versucht man aber im Hörrundfunk genau das immer wieder herbeireden zu wollen!?!



Oder es gibt tatsächlich sowas wie "völlig kaputte Hörpsycho- und physiologie".
Ein schöner, neuer Aspekt, denn das nennt sich Altersschwerhörigkeit. Anders als es sich anhört hat das heutzutage ggf nicht mehr zwingend etwas mit dem Alter zu tun, sondern kann auch durchaus bei jungen Menschen durch übermäßigen Kopfhörergebrauch oder Diskothekenbesuche mit brachialen Schalldruckpegeln zu dramatischen Einbußen des Hörvermögens beitragen, vor allem im oberen Frequenzbereich ab 1 bis 2 kHz!
Wenn wir uns nun vorstellen, dass Ein derart beeinträchtigter Mensch vielleicht für das "Sounddesign" einer Hörfunkwelle verantwortlich ist, dann wird einiges klar. Denn wer selbst wenig Höhen hört, wodurch die Klarheit der Klänge verloren geht, der wird solange Höhen anheben, bis für ihn die Klarheit wieder vorhanden ist. Jemand mit halbwegs gesundem Hörvermögen wird dies jedoch als viel zu aggressiv empfinden.

Und wenn dann auch noch auf Wiedergabeseite Höhen angehoben werden, wie oben im Autoradiobeispiel erwähnt, na dann gute Nacht.

Leider ist es eben so, dass an ganz vielen Stellen vermeintliche Klangspezialisten werkeln, die schonmal etwas von Loudnesserhöhung gehört haben, und Maßnahmen dazu ergreifen. Nur nach obenhin ist eben technisch bedingt irgendwann Schluss, dass anzuerkennen ist jedoch in einer vom ständigen Wachstum geprägten Gesellschaft nicht so leicht. Oh Gott, jetzt wird es aber wirklich zu philosophisch, sorry

Beste Grüße, Björn
 
Dem Mann solltest Du dringend ein ausreichend dimensioniertes Lautsprechersystem (Headroom ist das Stichwort) empfehlen, denn wenn es zerrt, dann wird etwas übersteuert. Und es wäre doch fatal, wenn man ernsthaft verlangen würde, dass sich diese gewollten??? Verzerrungen schon auf der DVD befinden müssen. Komischerweise versucht man aber im Hörrundfunk genau das immer wieder herbeireden zu wollen!?!
Denkfehler!
Ohne die "Anhebungen" waren die Verzerrungen nicht vorhanden. Sprich: Sie traten erst (hörbar) auf, als die Funktion zugeschaltet und das Signal die Bässe merklich nach oben getrieben wurden. Oh, by the Way: Ich glaube, von einem aktiven Bose-System sollte man erwarten können, dass es über ein wenig Headroom verfügt.



Oder es gibt tatsächlich sowas wie "völlig kaputte Hörpsycho- und physiologie".
Ein schöner, neuer Aspekt, denn das nennt sich Altersschwerhörigkeit. Anders als es sich anhört hat das heutzutage ggf nicht mehr zwingend etwas mit dem Alter zu tun, sondern kann auch durchaus bei jungen Menschen durch übermäßigen Kopfhörergebrauch oder Diskothekenbesuche mit brachialen Schalldruckpegeln zu dramatischen Einbußen des Hörvermögens beitragen, vor allem im oberen Frequenzbereich ab 1 bis 2 kHz!
Das war auch schon eine Mutmaßung, die in mehreren Diskussionen aufkamen. Davon kamen wir meist wieder ab, denn die Altersschwerhörigkeit betrifft meist, wie Du selbst ebenfalls schriebst, nur die höheren Frequenzbereiche. Die unteren, also Tieftöne sind davon wohl eher selten betroffen.

Weshalb also hat der Klang "fett" zu klingen, tut es aber nicht, wenn er nicht extrem basslastig ist?


Wenn wir uns nun vorstellen, dass Ein derart beeinträchtigter Mensch vielleicht für das "Sounddesign" einer Hörfunkwelle verantwortlich ist, (...) der wird solange Höhen anheben, bis für ihn die Klarheit wieder vorhanden ist. Jemand mit halbwegs gesundem Hörvermögen wird dies jedoch als viel zu aggressiv empfinden.

Und wenn dann auch noch auf Wiedergabeseite Höhen angehoben werden, wie oben im Autoradiobeispiel erwähnt, na dann gute Nacht.
Deiner Zusammenfassung nach, der ich lieber nicht zustimmen möchte da ich wohl ansonsten das Gros der "Toner"-Gilde für taub erklären müsste, gibt es also außer uns, die den abartigen Klangmatsch bemängeln, nur noch einige wenige, die noch über ein relativ gutes Gehör verfügen. Tontechniker gehören Deiner Ansicht offensichtlich nicht dazu.
 
Denkfehler!
Ohne die "Anhebungen" waren die Verzerrungen nicht vorhanden. Sprich: Sie traten erst (hörbar) auf, als die Funktion zugeschaltet und das Signal die Bässe merklich nach oben getrieben wurden. Oh, by the Way: Ich glaube, von einem aktiven Bose-System sollte man erwarten können, dass es über ein wenig Headroom verfügt.
Eben kein Denk- sondern eher ein Verständnisfehler. Wenn das Ursprungsmaterial in Ordnung ist, dann entstehen die Verzerrungen einzig im Wiedergabesystem, und es hat offensichtlich nicht ausreichend Headroom.

Das wird jetz aber alles ziemlich off topic, insofern nur soviel. Ich habe keinem Tontechniker abgesprochen über ein gutes Gehör zu verfügen, sondern lediglich ein mögliches Szenario skizziert, vielleicht etwas überspitzt.
Dass in der heutigen Musik- und Radioszene teils bewusst Verzerrungen produziert werden ist leider traurige Wahrheit. Es ist die letzte Waffe im Loudnesswar, und in dieser übertriebenen Form auch nicht als musikalisches Stilmittel zu erklären. Viele dieser Artefakte treten vermehrt auch erst auf den Verbreitungswegen auf, durch die kaskadierten Codierungen. Insofern ist eine Abkehr von diesem Wahnsinn notwendig, wenn man ernsthaft gut klingendes Audio im Sinn hat.

Beste Grüße, Björn
 
Zuletzt bearbeitet:
Ein schöner, neuer Aspekt, denn das nennt sich Altersschwerhörigkeit. Anders als es sich anhört hat das heutzutage ggf nicht mehr zwingend etwas mit dem Alter zu tun, sondern kann auch durchaus bei jungen Menschen durch übermäßigen Kopfhörergebrauch oder Diskothekenbesuche mit brachialen Schalldruckpegeln zu dramatischen Einbußen des Hörvermögens beitragen, vor allem im oberen Frequenzbereich ab 1 bis 2 kHz!
Wenn wir uns nun vorstellen, dass Ein derart beeinträchtigter Mensch vielleicht für das "Sounddesign" einer Hörfunkwelle verantwortlich ist, dann wird einiges klar. Denn wer selbst wenig Höhen hört, wodurch die Klarheit der Klänge verloren geht, der wird solange Höhen anheben, bis für ihn die Klarheit wieder vorhanden ist. Jemand mit halbwegs gesundem Hörvermögen wird dies jedoch als viel zu aggressiv empfinden.
Vor eineinhalb Jahren hatte ich eine Verständnisfrage zum sogenannten "Remixen" und stellte sie einem ex-Kommilitonen, der neben seinem Job als promovierter Physiker seit vielen Jahren als DJ arbeitet. Der Mann war zum Zeitpunkt der Frage 39 Jahre alt. Ich bekam zur Erläuterung einen Link auf 2 seiner eigenen Remixe und hatte - da in Urlaub - nur die allerbilligsten Ohrhörer dabei, wirklich so 15-EUR-Teile. Ich kann beim Musikhören üblicherweise "abstrahieren" und "blase" mir also das erbärmliche Klangbild virtuell im Kopf auf "vollen Sound" auf. Doch bei seinen Remixen ging das nicht. Ein schneidend greller Sound, ich griff zum Winamp-EQ und senkte als Notlösung ab 12 kHz aufwärts um 12 dB (!) ab. Damit ergab sich ein Klang, wie ich ihn von diesem Kopfhörer gewohnt bin. Frage an den DJ, ob es sein kann, daß er einen Hörschaden habe. Antwort sinngemäß "das haben schon einige gefragt, aber wenn du das auch fragst, wird es schon so sein".

Und eine Erinnerung an den August 2014, als zum Abschluß der deutsch-polnischen Menschenkette von Kerkwitz (Lausitz) nach Grabice durch die Neiße dann auf polinscher Seite ein Konzert mit der endgeilen Asian Dub Foundation stattfand: man hatte auf dem LKW-Parkplatz der polnischen Grenzstation eine Bühne nebst Beschallung aufgebaut, die für paar zehntausend Menschen gereicht hätte. Gekommen sind viel weniger als erwartet, die meisten zog es nach Ende der Aktion bei Nieselregen zurück nach Deutschland, auf den Heimweg.

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Die, die auf dem Konzert waren, erlebten ein Inferno, das offenbar von einem restlos ertaubten Tonmenschen verursacht wurde.

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Ein Schalldruck schonmal generell oberhalb der Schmerzgrenze und dann noch die Höhen hochgezogen bis in einen Pegelbereich, bei dem höchste Gefahr für die Ohren bestand. Ich hatte freilich mal wieder nichts mit zum Ohren-Zustopfen (war mit Fahrrad und Zelt dort, da spare ich dann blöderweise an sowas), also zog ich mich ca. 150-200 Meter nach hinten zurück - da ließ es sich dann aushalten. Erschreckend, wie sich vorne im direkten Schallfeld dann glückliche Menschen und auch Kinder (!) tummelten. Der Mann am Mischer dürfte von alldem nichts mehr mitbekommen haben. Der war schon im akustischen Jenseits.

Interessant übrigens, wie ein jahrzehntelanger Job als Toningenieur im Bereich experimentelle elektronische Musik (Subharchord), Musik- und Hörspielproduktion das Gehör nicht zwingend schädigen muß: mein Patenonkel ist 83 und hört noch richtig gut (er sagt, er höre schlecht). Und die Raumakustikerin des RFZ, die die legendären Nalepastraßen-Studios akustisch geplant hat, bekommt mit knapp 90 noch mit, wenn ich den Höhen-Steller ihrer Stereoanlage betätige. Dazu muß man auch noch weit über 5 kHz hören können.

Was das extrem laute Hören mit Kopfhörern betrifft: ich vermute hier auch eine unbewußte Ausnutzung der Kompression, die unser Gehör als Schutzfunktion eingebaut hat. Man fährt sein Gehör damit im Begrenzer-Betrieb und bekommt somit den "fetten Bass", wo im Original vielleicht kein so fetter Bass war. Deshalb immer meine dringende Bitte: Kopfhörer müssen wirklich gut sein und auch leise schon "voll" klingen - dann dreht man gar nicht erst so weit auf. Die Billig-Dinger töten das Gehör hingegen vermutlich recht effizient und schnell.
 
Zuletzt bearbeitet:
Sehe gerade, für das Paper "What Happens to My Recording When it's Played on the Radio?" will die AES Geld haben, ich hau mich weg... dann hier halt von Telos für lau.
Herzlichen Dank übrigens für diesen Link! Ich habe noch nicht alles gelesen, finde es aber großartig schon am Anfang zu lesen, welche Erkenntnisse es offensichtlich schon im Jahre 2001 gab:

Because these processors have to process speech, commercials, and oldies in addition to current material, they can't be tuned exclusively for “hypercompressed,” distorted CDs. Indeed, experience has shown that there’s no way to tune them successfully for this degraded material.

Merkwürdigerweise wird dies aber scheinbar noch immer missachtet , oder versucht man vielleicht krampfhaft, das Gegenteil zu beweisen?

Beste Grüße, Björn
 
Wenn ich diese Geschichte vom Waver mit diesem tauben Tonmenschen lese, wird mir übel.

Und die Raumakustikerin des RFZ, die die legendären Nalepastraßen-Studios akustisch geplant hat, bekommt mit knapp 90 noch mit, wenn ich den Höhen-Steller ihrer Stereoanlage betätige. Dazu muß man auch noch weit über 5 kHz hören können.
Der letzte Satz ist meiner Meinung nach nicht richtig. Wenn ich mich nicht irre, steht das in dem Buch "Ratgeber für HiFi-Freunde" (http://www.amazon.de/dp/B007DZIRCI/?tag=radioforende-21), welches ich mal besaß, aber leider verliehen habe. Kurzum: Veränderungen im Hochtonbereich werden wahrgenommen, obwohl der Probant einzelne Frequenzen von meinetwegen 4kHz aufwärts definitiv nicht mehr hören kann. Ich habe das Buch leider nicht mehr...



Ich hab da mal was vorbereitet...

Genaugenommen ist das ein noch nicht ganz fertiger Text, den ich 1999 geschrieben habe, um ihn später auf meiner eigenen DJ-Website zu veröffentlichen. Soweit ist es nicht gekommen. Hier passt er aber gerade.

Lärm macht krank!

Eines der wichtigsten Sinnesorgane des Menschen sind seine Ohren. Mit ihrer Hilfe kann der Mensch Schallereignisse aus seiner Umgebung wahrnehmen, recht genau lokalisieren (in 3D mit 2 Ohren!), herannahende Gefahren erkennen, sich im Dunkeln orientieren (fast so wie eine Fledermaus), Gespräche verfolgen (oder auch einfach ignorieren) und natürlich Musik hören - alles Dinge, die einen beträchtlichen Teil unseres Lebens(gefühls) ausmachen. Im Gegensatz zu anderen Körperteilen sind die Ohren immer auf 'Empfang' und geben selbst im Schlaf wichtige Informationen an das Gehirn weiter. Es sorgt dann dafür, daß uns bekannte Geräusche - die durchaus laut sind (vorbeifahrende Autos etc.) - nicht stören. Sobald aber zum Beispiel ein Blatt leise von der nicht gegossenen Pflanze fällt, wird man unter Umständen sofort unsanft aus den Träumen gerissen...


Was noch vor einigen Jahrzehnten ein großes Problem bei vielen Berufsgruppen war - die Schädigung des Gehörs durch Lärm am Arbeitsplatz, verlagert sich immer mehr in den Freizeitbereich. Heute stehen in fast jedem Haushalt Stereoanlagen und Fernsehgeräte mit 'reichlich' Leistung. Im Auto ist es bei einigen auch selbstverständlich das Motorengeräusch mit einem Musikteppich zu überdecken - oft hört man als Außenstehender die Musik eher als das Fahrzeug. Am Wochenende ist natürlich 'Partytime' angesagt: Abtanzen bis in den Morgen...


Es geht hier nicht darum irgend jemanden den Spaß zu verderben, aber wie immer ist der Grat zwischen Genuß und Gefahr sehr schmal und jeder sollte wissen auf was er sich einläßt. Leider ist es aber so, daß viele diese Gefahren für die Ohren gar nicht kennen, unterschätzen, oder einfach ignorieren. Das besonders heikle daran ist, daß zwischen den schädigenden Ereignissen und dem Feststellen einer Hörschädigung oft sehr viele Jahre vergehen. Diese Informationen sollen einfach etwas dazu beitragen, daß dieses Thema ein klein wenig mehr ins Bewußtsein gerückt wird.


Fast jeder hat es schon erlebt, daß es einem beim Besuch von Discotheken, Konzerten, Motorsportereignissen etc. zu Beginn etwas laut vorkommt. Nach einiger Zeit gibt sich das - alles scheint normal. Viele meinen, daß sich die Ohren dann an die Lautstärke gewöhnt haben. Beim Verlassen der Veranstaltung stellt man fest, daß die ganze Umwelt auf einmal viel ruhiger ist - vielleicht auch etwas anders klingt. Beim Autofahren kommt es einem dann so vor, als ob man ein Elektoauto fährt. Zuhause angekommen vernimmt man mitunter ein leises 'Singen'. Erst nach einigen, mitunter auch vielen Stunden legt sich das 'Singen' und alles ist (hoffentlich) wieder so laut wie eh und je.


Was ist passiert?

Der erste Eindruck hat nicht getäuscht - es war etwas (zu) laut. Die Ohren haben sich aber nicht an die Lautstärke gewöhnt, sondern die sogenannten Haarzellen der Schnecke (Cochlea) im Innenohr sind ermüdet (man kann es auch krasser mit 'wurden überlastet' ausdrücken). Dadurch werden nicht mehr alle Informationen, die eigentlich an den Ohren anliegen, ins Gehirn transportiert - es wird leiser. Dieses Symtom nennt man den TTS (Temporary Threshold Shift) - Effekt und bezeichnet damit eine zeitweilige Verschiebung der unteren Hörschwelle durch längere Schalleinwirkung mit hohem Pegel. Je nach Dauer und Intensität der Schalleinwirkung benötigen die Haarzellen danach eine gewisse Zeit, um sich wieder zu erholen.


Wer jetzt denkt, daß TTS nicht weiter schlimm ist, da sich die Ohren ja wieder erholen, dem sei gesagt, daß die Ohren nichts vergessen! Es mag zunächst durchaus viele, viele Male gutgehen, die fortwährende Überlastung der Ohren führt aber über die Jahre zu einem beschleunigten Absterben der Haarzellen. Damit einher geht dann eine Verschlechterung des Hörvermögens - PTS entsteht. PTS (Permanent Threshold Shift) bedeutet nichts anderes, als das sich die Hörschwelle bei den verschiedenen Frequenzen für immer verschiebt. Das kann einzelne Frequenzbänder betreffen - vor allem die Höhen, oder auch den gesamten Hörbereich. Dann ist es zu spät! (für die Kids: Game over!) Auch die längste Abstinenz von lauten Geräuschen hilft dann nicht mehr. Nicht nur das man etwas 'schwerer' hört - nein, man büßt damit auch Lebensqualität ein. Ganz besonders deutlich wird dies bei der Kommunikation mit anderen Menschen. Man kann Gesprächen nicht mehr so richtig folgen (...häh?), oder man stellt den Fernseher so laut, daß alle Hausbewohner auch etwas davon haben, zirpende Grillen auf einer Wiese vernimmt man gar nicht mehr... Und wohlgemerkt, es geht hier nicht um Schwerhörigkeit im Rentenalter - vielleicht wie bei Oma und Opa, sondern mit 50 oder gar 40 Jahren! Natürlich ist die langsame Abnahme der oberen wahrnehmbaren Grenzfrequenz mit zunehmenden Alter. Die berühmten 20 kHz hören effektiv nur Kinder und Jugendliche bis 20 Jahren. Schon mit etwa 35 Jahren liegt sie bei etwa 15kHz und fällt auf rund 8 bis 5kHz im Greisenalter.


All diese Folgen sind schlimm, für einen DJ bedeutet es aber, daß er seinen Job an den berühmten Nagel hängen kann. Ein sicheres Zeichen für eine Schädigung des DJ - Gehörs ist, wenn vermehrt Gäste zum DJ kommen und ihm sagen, daß es ihnen zu laut ist, bzw. daß ihnen bald die Ohren 'wegfliegen', weil die Mitten und Höhen viel zu weit angehoben sind - es 'quäkt' und 'zwitschert'.


Klar ist, daß die DJ's wohl diejenigen sind, die die höchste Schalldosis abbekommen. Jeder kann sich auch selbst ausrechnen wieviele Stunden er im Jahr am Mixer steht. Gleiches gilt mit kaum nennenswerten Unterschieden auch für das Personal, daß ja auch immer von Anfang an vor Ort ist! Es ist also ratsam sich soweit es geht zu schützen. Dabei entscheiden mitunter nur wenige Dezibel Unterschied über 'gerade noch OK', oder 'schon gefährlich'.


Neben einigen vom DJ selbst beeinflußbaren Faktoren - die gleich besprochen werden - gibt es aber auch Dinge, die schon beim Einbau der Beschallungsanlage in einer Discothek Beachtung finden sollten, um alle Beteiligten (auch die Gäste!) etwas zu schützen. Das dabei immer ein Kompromiß aus den Kosten, dem Aufwand und den baulichen Gegebenheiten gefunden werden muß liegt auf der Hand. Ziel sollte aber immer die möglichst hohe Konzentration des Schalldrucks auf der Tanzfläche sein. Schon in geringer Entfernung davon sollte der Schalldruck spürbar abfallen. Meistens wird die Beschallungsanlage von einschlägigen Fachfirmen installiert - die kennen sich damit aus. Man kann dann davon ausgehen, daß man eine maßgeschneiderte Lösung angeboten bekommt. Für alle, die die Installation (Ton und Licht) selber machen wollen (oder müssen), gibt es eine kleine Zusammenstellung mit hoffentlich nützlichen Tipps, die Sie in Ihre Überlegungen einbeziehen können.

Die 'selfmade' Discothek


An dieser Stelle soll es nun um die direkt vom DJ beeinflußbaren Faktoren gehen. Egal ob man als DJ alle, oder nur einige Hinweise irgendwie umsetzt, helfen wird es auf jeden Fall die Ohren weniger zu belasten.

1. Die Lautstärke im Allgemeinen

Ein schwieriges Thema. Die Meinungen darüber gehen weit auseinander. Je nach Charakter der Discothek und gebotenen Musikstil gibt es 'Gesetze' die die zu benutzende Lautstärke 'vorschreiben'. Darüber braucht man sich an dieser Stelle nicht unterhalten. Auf der anderen Seite ist es in modernen Discotheken so laut, daß die Ohren aller nach einiger Zeit 'zu' sind (TTS beginnt). Was hindert also den DJ daran, gleich von Anfang an, etwas unterhalb des in der Discothek geltenden 'Status Quo' zu bleiben? Abgesehen davon, daß der TTS-Effekt später einsetzt, wird nach einiger Zeit kaum jemand überhaupt einen Unterschied bemerken. Gewonnen haben dabei auf jeden die Ohren, denn bei einer Lautstärke von 92dB - anstatt 95dB - erhöht sich die Zeitdauer, die man sich 'ungestraft' dieser Lautstärke aussetzen kann, von 4 auf 6 Stunden...
(Zahlen aus 'Ontario Health and Savety Act')


2. Mixing, Monitor, Kopfhörer

Jeder DJ hat so seine eigenen Methoden beim mixen der Beats. Die einen benutzen den ganzen Kopfhörer, andere nur eine Seite. Den meisten Spaß macht aber das Mixen mit Hilfe von kleinen Monitorboxen. Zum einen entfällt das lästige Tragen des Kopfhörers und die Laufzeitdifferenzen, zum anderen hat man damit genau den gleichen Klangeindruck wie die Leute auf der Tanzfläche - ein feines Arbeiten. Der größte Nachteil von Kopfhörern ist, daß das Signal von der Tanzfläche immer mit 'reindrückt'. Egal ob offenes oder geschlossenes System, die für das Mixen wichtigen tiefen Frequenzen (Bassline) werden übertönt. In der Konsequenz wird man also den Kopfhörer noch lauter einstellen, damit man überhaupt etwas hört. Damit tut man seinen Ohren (oder nur dem einen 'Mixohr') keinen Gefallen, denn der - oft unterschätzte - Schalldruck in unmittelbarer Nähe der Kapseln ist so groß, daß es im Laufe der Zeit mit Sicherheit zu Schädigungen kommt. Um sich zu schützen, sollte man also die Kopfhörer nur so kurz wie möglich benutzen. Gleiches gilt für die Monitorboxen: Nach dem Mix sofort leise drehen!

Noch eine kleine Bemerkung: Wer nur mixen kann wenn es so richtig 'hämmert' macht etwas falsch ('Ich hör sonst nichts'). Mit etwas Übung klappt es auch leiser - man muß sich nur dazu zwingen...


3. Gehörschutz

Etwas gewöhnungsbedürftig, aber sehr wirkungsvoll, ist das Tragen von Gehörschutzpfropfen für Musiker. Damit wird die Schallintensität auf ungefährliche Werte abgesenkt ohne daß der Frequenzgang 'verbogen' wird. Diese muß man sich extra anfertigen lassen. Dafür fällt das Tragen aber auch nicht sehr auf.

Hörschwelle
Die untere Hörschwelle ist die (Laut) Stärke, die ein Ton mit bestimmter Frequenz mindestens haben muß um gerade noch wahrgenommen zu werden. Sehr tiefe und sehr hohe Töne erfordern größere Stärken. Am empfindlichsten ist das menschliche Gehör im Bereich von 1000 bis 4000 Hz. Bei etwa 2300 Hz ist die Empfindlichkeit sogar so groß, daß wir fast im Stande wären das thermische Rauschen (zufällige Bewegung der Moleküle) der Luft zu vernehmen.
 
Toller Text, @Zwerg#8 ! Wozu Menschen mit ihrem Gehör in der Lage sind, kann man sehr gut bei Blinden feststellen. Es ist der pure Wahnsinn, wie die mit den Ohren "sehen".

Zu den nächtlichen "vertrauten" Lärmquellen (Straßen-, Eisenbahn- und Flugverkehr) gibt es neuere und auch teils konträre Studien, deren Ergebnis von "filtert das Hirn stressfrei weg, da bekannt" bis zu "sorgt auch im Schlaf für erhöhtes Stresslevel und Anstieg von z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen" reicht.

Der letzte Satz ist meiner Meinung nach nicht richtig. Wenn ich mich nicht irre, steht das in dem Buch "Ratgeber für HiFi-Freunde" (http://www.amazon.de/dp/B007DZIRCI/?tag=radioforende-21), welches ich mal besaß, aber leider verliehen habe. Kurzum: Veränderungen im Hochtonbereich werden wahrgenommen, obwohl der Probant einzelne Frequenzen von meinetwegen 4kHz aufwärts definitiv nicht mehr hören kann.
Vielleicht liegt es an den "einzelnen Frequenzen" (kann ja nur "Frequenzbereiche" meinen, diskrete Frequenzen bekommt kein Gehör herausgeschält): ja, dann ist das wohl so wie von Dir beschrieben. Die Probanden haben Einbrüche in der Empfindlichkeitskurve ihres Gehörs, nehmen aber noch oberhalb von z.B. 4 kHz irgendwo generell was wahr.

Ich kenne andere Fälle, offenbar Fälle breitbandiger (Alters- oder Krankheits-)Schwerhörigkeit.

Mein Nachbar war Rundfunkredakteur mit "Cutterschein" und kennt die Arbeit mit Tontechnik aus vielen Jahren DT64. Nun ist er Anfang 70 und schwärmt immer noch vom "tollen Klang". Hat auch mit viel Aufwand eine seltene (der MediaMarkt Berlin-Schöneweide kann ein Lied davon singen...) Yamaha-Soundbar auftreiben lassen und unter seinem kleinen süßen 60-Zoll-Fernseher im 17-qm-Wohnzimmer installiert. "Ein Klang wie im Tonstudio" schwärmte er mir gerne vor - bis ich ihm meine Kopfhörer aufsetzte und ihm Musik vorspielte. Fies daran: ich hatte das halbe Lied in vollem Frequenzgang, die zweite Hälfte aber auf 5 kHz hart bandbegrenzt serviert. Er hat kein bißchen gezuckt. Ich wies ihn dann an, nochmal genau hinzuhören - und zwar JETZT (genau die Übergangsstelle - ich hörte es unter dem halboffenen Kopfhörer auf 50 cm Abstand raus). Wieder nur ratloses Gesicht. Dann habe ich ihn mit leisen Sinustönen durchgeklingelt. So um 4-5 kHz kam da nur noch eine leise Ahnung von "irgendwas ist anders", weiter oben kam gar nichts mehr. Sein "Sound wie im Tonstudio" war schlichtweg Einbildung durch schleichende Gewöhnung an diese Altersschwerhörigkeit. Das ist absolut kein Drama für ihn - bis jetzt zumindest.

Mein Vater (81) ist alters- und krankheitsbedingt schwersthörig. Sein linkes Ohr büßte er zu 100% bei einer Entzündung im Innenohr ein, die im Alter von Anfang 40 nicht richtig behandelt wurde. Seitdem also nur mono - das ist schon eine massive Erschwernis. Sein rechtes Ohr ist inzwischen auch weitgehend ertaubt und das Innenohr voll Wasser, dessen Entfernung er verweigert. Er will (!) offenbar nicht mehr hören. Ich habe mal durchgeklingelt: vielleicht noch 300 Hz - 2 kHz, eher weniger. Telefon ist besser.

Hinzu kommt lärmender Tinnitus und etwas, das er selbst auch "Tinnitus" nennt, was aber keiner ist: er "hört Stimmen". Also: "sein Ohr" (sagt er) "spielt Musik". Echte Musik. Lieder aus der Hitlerjugend, AMIGA-Schlager von 1948 auf Schellack, Louis Armstrong, Glenn Miller... klarer Fall: ein hyperaktiver Geist hat sich da verselbständigt und dudelt die Hits seines Lebens, unabschaltbar. Nur zweimal, nach dem Besuch einer Veranstaltung mit sehr experimenteller Musik (war glaube ich was von Stockhausen) und nach einem Geschichten-Vorleseabend mit Didgeridoo-Begleitung auf der großartigen Yenidze in Dresden, verstummte diese Musik-Vorspielerei wohl für längere Zeit (einige Stunden). Diese Stille fiel ihm bewußt auf.

Ich habe das auch, zum Glück meist "abschaltbar" - außer in den 6 Monaten nach meiner Mathe-Vordiplomprüfung 1995, für die ich 2 Monate täglich 8 Stunden Sätze und Beweise auswendig gelernt habe. 2 Tage nach der Prüfung kam Schlaflosigkeit und diese Musik-Dauer"beschallung", ich vegetierte alsbald zwischen Wahnsinn und Selbstmordgedanken, saß im neuen Semester mit 160 Puls in den Vorlesungen. Zum Glück gab sich das nach einem halben Jahr wieder. Heute erspart mir diese Macke die Mitnahme von Musik auf ner langen Bahnreise, ich muß mich nur an ein Lied erinnern und kanns mir auf direktem Wege im Hirn "vorspielen". Hat mit dem Gehör gar nichts zu tun.

Eine Kommunikation mit meinem Vater ist kaum noch möglich, wodurch auch völliger sozialer Rückzug und nun auch beginnender geistiger Verfall einsetzten. Er interpretiert bei Gesprächen, die man direkt an ihn richten muß und bei denen man nicht zu leise, aber auch nicht zu laut (stark eingeschränkter Dynamikumfang ist ein "Markenzeichen" von Schwerhörigkeit!) sprechen muß, das Gehörte "in seinem Sinne". Das kann brutal erheiternd sein (aus "Gutschrift vom Büromarkt" wird "Fußkrebs für die Oma"), ist aber eigentlich eine Tragik.
 
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Moin @Radiwaves,

kannst Du gerade mal ins Bayern2 Notizbuch reinhören? Das Rumpeln ist ja krass.
mfg. TB

ad: ... besonders während der Telefonate. Das müsste doch auf einem Aussteuerungsmesser irre Ausschläge produzieren!
Sowas wäre früher undenkbar gewesen. Ist das nicht ist ein starkes Indiz, daß die eigenen Sendungen nicht mehr abgehört/ kontrolliert werden?
 
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Zu spät... und offenbar kein Podcast.
Ich konnte noch einen Teil mitschneiden (könnte auch den Zwerg interessieren). Den stelle ich nach dem Schneiden mal ein.
... die Grenze ziehe ich mal etwa bei Bayern 2, das ist manchen schon zu derbe komprimiert ....
Bayern2 erscheint mir immer noch als der beste bisher gehörte Kompromiss (evtl. noch DLF) zwischen sog. "Reichweite" und ausgewogenem Klang. Daß es bei diesen Anforderungen nicht ohne Kompression geht liegt auf der Hand (hörbare Deesser-Effekte inclusive). Anyway, es ist ein Programm, das die letzte Hoffnung noch nicht sterben lässt.

Was mir noch speziell in Bayern2 zu R128 aufgefallen ist: (auch an @marillenfreund)
Programmsignal-Messung nach R128 und subjektiver Eindruck

Der gemessene Loudnesswert korreliert offenbar nicht gut mit dem subjektiven Eindruck,
wenn "moderne" Musikproduktionen eingespielt werden (z.B. im Magazin "radioWelt").​
Die Moderation mit (gemessen) max. -18 LUFS klingt noch natürlich und nutzt auch den zulässigen FM-Hub aus. Dann folgt so ein moderner Musiktitel, der messtechnisch nur ca. 2 LU über der Moderation liegt. Subjektiv muss ich tw. aber den Pegel um 4 bis 5 LU zurücknehmen um es erträglich laut klingen zu lassen. Ich habe zum Vergleich meine Frau ein Beispiel pegeln lassen. Sie zog spontan die Musik sogar 6 dB herunter.

Woran könnte das liegen? Ist es die subjektive Lästigkeit der plattgemasterten verwaschenen CD oder generell die Loudness des breiten Frequenzspektrums? Müssten bestimmte Frequenzbereiche stärker gewichtet werden?
 
Ob es die Kompression ist, die am Ende der Kette dann mittels d07 erfolgt? Soweit mir aus dem BR bekannt ist, hört sich das ganze vor Processing in der Regel völlig "harmonisch" an. Für weiteres bräuchte man mal einen Funkhaus-Mitschnitt und müßte den mit dem DVB-Mitschnitt vergleichen. Dazwischen hängt der d07. In Podcasts geht das prinzipiell, aber die Pegel im Podcast sind höher als -23 LUFS, damit ists sinnlos. Und Musik ist im Podcast rausgeschnitten. Mit etwas Glück sind noch paar Sekunden da, man müßte nun die CD beschaffen und entsprechend pegeln, um das zu rekonstruieren. Nein danke, ist mir zuviel Aufwand.
 
Das klingt für mich nachvollziehbar, denn nach Loudness aussteuern bedeutet eben alles gleich laut auszusteuern, das ist ja eben das Neue. Wenn Du schreibst, dass die Moderation max. -18 LUFS (in den Spitzen?) erreicht, dann erreicht sie diese eben nicht durchschnittlich. Wenn die Musik dann 2 LU drüber liegt, dann erscheinen mir Deine 5-6 dB gehörter Unterschied realistisch.
Alle Töne sollten durchschnittlich den gleichen Targetlevel erreichen, dann sollten die gehörten Unterschiede geringer sein

Beste Grüße, Björn
 
Wäre dann ja der Beweis, dass es eben nichts bringt, nach R128 auszusteuern, wenn am Ende der Kette etwas sitzt, das sich halt dann doch wieder nur nach dem Pegel richtet, selbst wenn's nur ein d07 ist.
 
Wenn Du schreibst, dass die Moderation max. -18 LUFS (in den Spitzen?) erreicht, dann erreicht sie diese eben nicht durchschnittlich.
Hallo Björn,

nein, nicht in den Spitzen, ich habe ganze Sprachpassagen mit dem dem R128gain gemessen. Diese erreichten (nicht alle) einen integrierten Loudnesswert von -18 LUFS. Und die darauffolgende Musik war um 2 LU (integrated loudness) höher.

Wenn der d07 eingreifen würde, dann doch zuerst bei der lauteren Musik?
mfg.

P.S.: Bei Bayern1 hört man deutlich einen automatischen Leveller regeln, der erzeugt langsame Pegelschwankungen (Macht der evtl. auch die Verzerrungen?). War doch gleich meine Befürchtung, daß beim BR versucht wird die "R128" am Ende der Kette mittels Automaten hinzubiegen. Das war so nicht im Sinne der Erfinder, oder?
 
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Für weitere Untersuchungen bräuchten wir mal eine Stunde typisches Programm in vor-Prozessing, nach-Prozessing und dazu die Meßschriebe Spitzenhub und MPX-Leistung. Ich befürchte, sonst kommen wir nicht weiter. Und also kommen wir nicht weiter.

Bayern 1 läuft ja völlig anders als Bayern 2. Soweit mir bekannt, kommt da erst ein Omnia zum Kaputtmachen und danach ein d07 zur UKW-"Absicherung". Ob der d07 noch was anderes tut (Kompression oder Gain) - keine Ahnung. Der Leveller dürfte im Omnia sein und gehört zur Strategie, das Signal möglichst zu zerstören. Das alles erfolgt aber nach der Signalabgabe gemäß R128 und "realisiert" damit nicht R128, sondern macht R128 letztlich sinnlos und überflüssig. Die ganze Mühe ist halt umsonst, wenn man danach das Signal kaputtmacht. Damit ist R128 etwas, das höchstens noch auf Kulturwellen helfend wirkt.
 
Wäre dann ja der Beweis, dass es eben nichts bringt, nach R128 auszusteuern, wenn am Ende der Kette etwas sitzt, das sich halt dann doch wieder nur nach dem Pegel richtet, selbst wenn's nur ein d07 ist.
Das würde ich insofern bestätigen, als man die Produktion nach Loudnessleveln eben von A bis Z betrachten muss. Insofern müssten also Prozessoren jeglicher Art entsprechend anders eingestellt werden und vor allem nach Loudnessleveln anstatt nach Peakleveln arbeiten. Hierzu nochmal der Hinweis, dass die Loudnessmessung, wie sie in der R128 angewendet wird, frequenzbewertet erfolgt:

http://www.mirkoperri.com/wp-content/uploads/2011/12/K-weight.jpg

Hier ist auch ganz gut zu sehen, dass ggf sogar dieser Wunsch:

Ich kann mich zumindest nicht völlig davon freisprechen, nicht doch einem kräftigen, aber warmen weichen Klang den Vorzug zu geben.
Berücksichtigung fände, weil wirkliches Low End, das Wärme erzeugt, weniger stark, aggressive Höhen jedoch stärker in die Messung einfließen.
Desweiteren ist allerdings die Abkehr davon notwendig, möglichst immer am erlaubten Maximum zu fahren, denn dadurch wird ein wichtiges Ziel der R128, nämlich mehr sinnvolle Dynamik zu erlauben, zunichte gemacht. Dies wird natürlich durch ständig nachregelnde AGCs verhindert und führt sicherlich dazu, dass es auf Empfängerseite zu empfundenen Loudnessjumps kommen kann.
Aber im Hörfunk hat man ja in den letzten Jahren immer mehr Vertrauen in immer mehr Prozessing jeglicher Art gesteckt, anstatt die eigentlichen Ursachen zu analysieren und entsprechend zu verändern. Weshalb sollte man sich nun plötzlich von den lieb gewonnenen Szenarien verabschieden und wieder über saubere Produktionsweisen nachdenken?

Beste Grüße, Björn
 
Die Technik kann doch gar nix dafür. Die muß schlucken und umsetzen, was die Leute vom Programm als "Sound" verlangen. Dieser "Sound" hat den Status eines Heiligen, er alleine entscheidet über die Quote, die ein Programm erreicht (zumindest, solange am Sound herumargumentiert wird; wenn am Programminhalt herumargumentiert wird, ist natürlich die zielgruppen-optimierte Durchhörbarkeit das einzige, was zählt). ...
Ok, ich nehme die Menschen in der Technik von meiner Kritik aus. Bei Bayern 1 haben sie den Spagat zwischen gefordertem Quotensound und R.128-Adaption anscheinend so gut hinbekommen, daß zumindest bisher keine so groben Patzer beim Regeln wie im SWR-Info hörbar waren. Dort regelt eine sanfte AGC, naturgemäß auch mitten im Musiktitel, wie auch sonst?

Aber wie schon vorher befürchtet läuft die R128-Adaption ähnlich ab wie damals die Umsetzung der FM-MUX-Leistungsbegrenzung: Erst kommt der SOUND und danach die automatisierte Pegelbegrenzung.
Ich kann mich zumindest nicht völlig davon freisprechen, nicht doch einem kräftigen, aber warmen weichen Klang den Vorzug zu geben.
... "warmen weichen Klang"? whatever that means. Bass geht zulasten von Lautstärke und um das auszugleichen werden Bässe eben verzerrt und Hüllkurven "ge-smashed". Zuerst werden wegen der UKW-Preemphase die Höhen weggeduckt - falls die Produktion überhaupt ausreichend davon enthält - und damit die Sprachverständlichkeit vor allem für Senioren reduziert.

Aber im Hörfunk hat man ja in den letzten Jahren immer mehr Vertrauen in immer mehr Prozessing jeglicher Art gesteckt, anstatt die eigentlichen Ursachen* zu analysieren und entsprechend zu verändern. Weshalb sollte man sich nun plötzlich von den lieb gewonnenen Szenarien verabschieden und wieder über saubere Produktionsweisen nachdenken?
(*von mit gefettet)
Das ist überhaupt der entscheidende Punkt: den Teufel mit dem Belzebub austreiben. Nach dem Prinzip wurde vergeblich versucht die eingeschleppten Ratten in Neuseeland auszurotten.

So ist das auch mit den vorher erwähnten unausgewogenen Hochtonaussteuerung. Was uns da am Beispiel Fernsehton teilweise in die Ohren geblasen wird muß doch jeden Hund zum Jaulen bringen! (Beispiel: ARD, Judith Rakers u.a.) Anscheinend soll dafür der dumme Soundprozessor vor der Sendestrecke in einer Mischkalkulation die höhenkastrierten Sprachbeiträge noch einigemassen verstehbar machen während an sich klangausgewogene Beiträge überspitzt bis zur Körperverletzung daherkommen.

Inzwischen habe ich den festen Eindruck gewonnen:
Es gibt überhaupt keine durchgängig-sinnvollen technischen Konzepte mehr im Hörfunk.

Technikunbegabte/uninteressierte Journalisten schneiden und mastern ihre Beiträge selbst zum "sendefähigen Endprodukt" etc. und die Technik soll daraus automatisiert einen akzeptablen Kompromiss zaubern.​
Ein scheint sicher: Durch angemessene Technikkonzepte hat sich der ÖR-Rundfunk nicht verschuldet.
Guten Abend.
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Hallo Tonband,

Aber wie schon vorher befürchtet läuft die R128-Adaption ähnlich ab wie damals die Umsetzung der FM-MUX-Leistungsbegrenzung: Erst kommt der SOUND und danach die automatisierte Pegelbegrenzung.
Ich glaube, es ist anderherum: aus dem Pult von Bayern 1 dürfte makelloser Sound rauskommen, ohne jedes Processing. Soweit mir bekannt, bearbeitet der BR sogar die Mikrofone nur mit "Bordmitteln" des Lawopultes und setzt keine weiteren - anderswo kultig verehrte - Soundverbieger in den Mikrofonwegen ein. Ausgesteuert wird nach R128 und am Pultausgang liegt dann auch so gut wie erreichbar R128-konformes Signal an. Erst danach kommt der "Sound" in Form des Omnia 9 (?), der natürlich alles, was mal R128 war, völlig hinfällig macht. Nach dem Omnia kommt vermutlich ein Jünger d07 als UKW-Leitungsbegrenzer und MPX-Überwacher, danach gehts raus auf die Verteilwege.

Also: was wir als "Endverbraucher" bekommen, ist nicht mehr R128, sondern ein einstmals nach R128 gefahrenes Programm, das komplett geplättet wurde und danach noch mit adaptiver Preemphasis und MPX-Kontrolle UKW-konform gemacht wurde.

Ein scheint sicher: Durch angemessene Technikkonzepte hat sich der ÖR-Rundfunk nicht verschuldet.
Mir ist von einer Anstalt bekannt, daß sie im Programm schmerzhaft spart (da, wo es wirklich noch wehtut, weil echte Substanz verschwindet), während die Technik am Jahresende noch schauen muß, was sie mit dem Überschuss anstellen könnte. Da scheint teils wirklich die reine Selbstzweck-Methode "hauptsache geile Technik, was dann darüber gesendet wird, ist doch nicht das Problem unserer Hauptabteilung" dahinterzustecken. Das muß nichtmal böse Absicht sein, das kann einfach die verständliche Lust der Techniker an toller Technik sein. Nur: was nützt tolle Technik, wenn das Programm nichts mehr wert ist und/oder wenn das Programm am Ende doch klanglich verhunzt wird? Ich vermute, das Problem ist nicht auf eine Anstalt beschränkt.

Mir persönlich wäre ein gutes Programm über meinetwegen ein schon wackliges Neumannpult, nen EMT 266 Transientenlimiter und UKW weitaus lieber als ein steriles, aber klanglich kaputtes Hightechprodukt, das man sich inhaltlich nicht zumuten kann.
 
Nun, würde ja im Grunde bedeuten, dass die Sender erstmal leiser sein werden. Und die Privaten kann ja niemand zwingen, mitzumachen. Würde im Ergebnis also bedeuten, dass beim Einstellen des Senders mir wahlweise die Ohren rausfliegen oder ich ständig die Lautstärke erhöhen muss.
Ist in der Grenzregion Deutschland Frankreich genau so.
Wenn man nen Franzosen gehört hat und auf nen deutschen Sender umschaltet muss man richtig aufdrehen damit was kommt.
Und wenn man nen deutschen hört und zu nem Franzosen schaltet kriegt man erstmal einen Schreck wegen der teils wirklich sehr extremen Lautheit.
Die wiederum hat den Vorteil dass die Sender selbst bei nur 100W Sendeleistung noch bis zu 30KM weit kommen teils sogar noch in Stereo
 
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Habe das hier:
Soweit mir bekannt, bearbeitet der BR sogar die Mikrofone nur mit "Bordmitteln" des Lawopultes und setzt keine weiteren - anderswo kultig verehrte - Soundverbieger in den Mikrofonwegen ein.
erst jetzt gelesen gelesen.

Das kann ich widerlegen.
Hier gibt es einen "virtuellen Rundgang" durch das Bayern 1 Studio:

http://www.br-online.de/fileadmin/sites/br/pano/funkhaus/haus02/pano.html?pano=eg/R040/pano.xml

Und was kommt denn da rechts im Rack zum Vorschein? Drei "VIP"s von Yellowtec. Nix Bordmittel!
Und ich glaube nicht, dass die dort nur als Deko eingebaut sind...
 

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So ein Bild lügt natürlich nicht. Die zugehörige virutelle Tour kann ich irgendwie nicht öffnen, die Fehlermeldung ist obskur (irgendwas mit googlemaps und XML-parsing). Liegts am neuen Firefox, der kein Java mehr unterstützt?

Die winzige Briefmarke ist also das einzige, was ich zu sehen bekomme:



Und die zeigt soweit ichs erkennen kann das alte Studio mit dem Lawo Diamond. Also ein Mischpult aus der digitalen Steinzeit. Da war tatsächlich nix mit oborad-Bearbeitung in größerem Umfang. Inzwischen hat man aber Lawo Sapphire und soweit mir bekannt sind bei diesem Neubau dann die outboard-Processings rausgeflogen.

 
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Achso, die sind auf das Sapphire umgestiegen?
Ok, dann ist meine Information ja sowas von veraltet. Ich dachte, nur Bayern 3 hätte das Sapphire, da zur Zeit des Studioumbaus von Bayern 3 das Diamond nicht mehr verfügbar war, doch der Rest hätte nicht aufgerüstet.
Im "virtuellen Rundgang" sieht das Studio übrigens so aus (siehe Anhang)
Scheint sich ja seit dem einiges getan zu haben. Für meinen Geschmack sah das "alte" Studio besser aus. Es wirkt aufgeräumter, unaufgeregter, heimischer.
Ob das Problem bei dir am Firefox liegt, kann ich nicht sagen. Hier über Chrome läuft es tadellos.

EDIT: Ich glaube, ich schmeiße da gerade was mit den Pulten mächtig durcheinander...
 

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Der BR müßte durch sein mit dem Umstieg auf die jeweils zweite Digitaltechnik-Generation in den einzelnen Wellen. Bei Bayern 3 flog das Diamond 2013 raus. Weil man im gleichen Bereich des Funkhauses auch die neuen Studios haben wollte, wurde zuerst in einem der größeren "Wellen-neutralen" Produktionsstudios des Funkhauses (Studio 3) mittenrein einer der neuen Selbstfahrplätze aufgebaut, dann dort trainiert, dann von dort gesendet - während man im Komplex von Bayern 3 dann entkernen und neu bauen konnte. Da wars MCI Hamburg: http://mci.de/portfolio-item/bayern-3-erneuerung-der-technischen-einrichtungen/

Wer Bayern 1 gebaut hat, weiß ich nicht.
 
Ich befürchte, dass mit der "Gleichschaltung von Programm + Musik" (hatten wir schon einmal!) neben der Lautstärke leider auch der schlechte Klang Standart werden wird und wir zwangsweise an DAB gewöhnt werden sollen.

Nicht nur im Studio bei der Musikproduktion werden auffällig viele Kompressoren (Klangverdichter) eingesetzt, nein, auch beim Mastering und im CD-Werk nochmal.

Dann kommen die vielen vielen "Hitradios" und glauben ihrerseits nochmals kompremieren zu müssen, um noch lauter gegenüber anderer Sender sein zu wollen.

Das Ergebnis hören wir; Dynamik zu Tode kompremiert, nur noch Mitten und schrille Höhen hörbar, alle Tiefen zugunsten der Lautheit geopfert!

Abmelden geht ja nicht, wir wurden zwangsverpflichtet...
 
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