No-Billag-Initiative


#76
Zum anderen kenne ich die Argumentation "ich habe Netflix, Amazon und massenhaft BluRays, was soll ich mit dem Öffi-Scheiß?" Dort sind zumindest erstmal aktuelle Reportagen, Berichte etc. nicht bedeutsam. Man guckt halt Filme. Inwieweit da teils auch politisches dahintersteckt, weiß ich nicht.
Diese Argumentation kenne ich auch, und ehrlich gesagt ist es diese von dir erwähnte zweite Gruppe, die mir die meisten Sorgen macht. Vielleicht liegt das aber auch nur daran, dass ich mit solchen Leuten mehr zu tun habe und grundsätzlich besser mit ihnen diskutieren kann. Manche von denen verpassen keine Ausgabe der US-Comedyshows und können dir einen stundenlangen Vortrag darüber halten, warum das amerikanische Waffenrecht ganz furchtbar ist und endlich verschärft werden sollte. Also durchaus Menschen, die von sich behaupten, politisch interessiert zu sein. Wenn du die dann aber fragst, wie der Bürgermeister ihrer Gemeinde heißt, ist auf einmal die große Ratlosigkeit da. Das ist etwas, was mich nachdenklich macht.

Natürlich kann man sich lustig machen über die Omas, die sich jeden Abend ihr Regionalmagazin im Fernsehen anschauen und beim Sender anrufen, wenn der Moderator mal die falsche Krawatte trägt. Nur: Mit denen kann man immerhin noch darüber streiten, was in den Nachbargemeinden falsch läuft und woran die Politik arbeiten müsste. Und falls es mal in der Gegend zu einem Umweltskandal kommt oder zu Ausschreitungen von Nazis oder was auch immer: Wer wird dann wohl etwas dazu in der Sendung haben, der Moderator mit der komischen Krawatte vom schnarchigen öffentlich-rechtlichen Regionalmagazin oder John Oliver?
 
#77
...dabei muss das öffentlich-rechtliche Regionalmagazin nichtmal "schnarchig" sein. Ich finde z.B. das MDR Thüringen Journal richtig gut gemacht. Es wäre jedenfalls schwierig, sowas in einem Werbeumfeld und für die verhältnismäßig kleine Einwohnerzahl des Landes auf anderem Wege in vergleichbarer Qualität zu realisieren.

Wichtig ist es allemal, Deutschland dürfte da wohl auch gegenüber der Schweiz erheblichen Nachholebedarf haben, was das Bürgerinteresse an den Entscheidungen, die letztlich von gewählten Vertretern getätigt werden, betrifft. In der Schweiz wird ja viel mehr als in Deutschland plebiszitär realisiert, da sollte das Bewusstsein für die eigene Verantwortung schon da sein und damit auch das Bedürfnis, informiert zu sein aus soliden Quellen. Und Journalismus kostet nunmal Geld, aber es ist gut angelegt, es dient letztlich der "Gesunderhaltung" des organismus' namens "Gesellschaft". Offenbar hat das auch in der Schweiz eine Mehrheit so gesehen - dort nicht nur auf die öffentlich-rechtlichen, sondern auch auf etliche Private mit entsprechender Finanzierung und zugehörigem Auftrag bezogen.
 
#78
Ach so:

Unterhaltung bei den ÖRs für junge Menschen unter 50 mit Niveau: ganz schwierig, aber eine Aufgabe, die bestenfalls nur sie lösen könnten - und müssten.
Ich besitze selbst keinen TV, verirre mich also höchstens mal bei meinen Eltern vor einen solchen. Da sah ich vor einiger Zeit das hier:

https://www.br.de/puls/tv/woidboyz/index.html

Und das war verdammt gut, fand ich. Bin drangeblieben bis zum Ende. Youtbube hat die Folgen. Die hatte ich im "echten" TV gesehen:


Nur als existierendes Beispiel. Und nun back to Switzerland, auch wenn das Thema in Deutschland wohl noch brennender ist als in der Schweiz. ;)
 
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#79
Sowas geht nicht, befinden z.B. im Osten viele.
Und leider geht das nicht "nur" dort nicht. Gerade heute, noch während die Abstimmung lief, schrieb jemand auf einer Social Media Plattform "Ich seh schon die ÖR Fanguys aus DE mit Schaum vorm Mund und das Geschwafel was jetzt folgt. #ard und #zdf ihr seid trotzdem angezählt!". Die Userin hat in ihrem Profil "Frankfurt am Main, Hessen" stehen. Geliked wurde der Beitrag von einem User, der in im Profil als "eigene Website" Online-Boykott stehen hat.

Ob diese Leute glauben oder wahrnehmen, die Privaten in Deutschland wären auf "ihrer", also auf der völkischen, rassistischen Seite, weiß ich nicht. So merkbefreit kann man ja eigentlich gar nicht sein.
Doch, kann man. Ganz offensichtlich. Beispiele - gerade aus den Social Media -, gäbe es da mehr als genug. Aber es ist doch schlichtweg so:
"Ich ziehe meine gedankliche Mauer dicht um mich herum, dann kommt nichts an mich heran. Geht mich doch alles nichts an!" (siehe Beitrag #42)
Mit diesem, wenngleich auch unterbewussten, Gedanken setzen sich die Menschen dann vor die Glotze, den Rechner, das Smartphone oder das Tablet und "ziehen" sich ihre Filme bei Netflix, Amazon - oder noch besser - kino.to "rein". "Wenn "die Anderen" Nachrichten wollen, sollen sie sich eine Zeitung kaufen. - Ich brauch keine ÖRs. Schau ich eh nie und muss nur für deren linke Propaganda zahlen!"

Ist nicht wahr? Dann schau dir Maischberger in der Wiederholung an, oder die Arena vom SRF als "Pod"cast (ca. 1,8 GB).
 
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#80
Anschauen kann ich mir sowas schon lange nicht mehr, es tut meiner Gesundheit nicht gut. Das meine ich ernst. Ich muss da inzwischen Abstand halten, es ist zu destruktiv. Ich neige inzwischen tatsächlich zu selbstverletzendem Verhalten. Wenn nicht noch sowas wie ein "Wunder" passiert, könnte es vor allem in Ostdeutschland sehr heftig kommen (nein, ich meine nicht, dass dann einfach nur der Öffi-Funk weg wäre). An die Wahrung des Grundgesetzes durch die "Staatsorgane" glaube ich nicht mehr (habe ich eigentlich seit 1990 schon nicht, aber inzwischen ist es dermaßen offensichtlich). Das Volk ist zunehmend enthemmt und eine Grenze ist nicht zu erkennen, im Gegenteil: wer sie ein weiteres Stück bricht, bekommt den meisten Zulauf. Sowas endet üblicherweise im Krieg, was wiederum folgerichtig ist, wenn man alles Leben auf diesem Planeten als großes "Ökosystem" betrachtet.

Und "linke Propaganda" ist ja heute bereits alles, was die Gültigkeit der Naturgesetze anmahnt, was versucht, die Schöpfung zu wahren und sich an die UN-Menschenrechtskonvention hält.
 
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#82
Knapp vier Monate nach der Abstimmung gibt es erste Meldungen zu anstehenden Sparmaßnahmen seitens der SRG. Die Volksinitiative wurde zwar mit großer Mehrheit abgelehnt (mehr Details: https://de.wikipedia.org/wiki/Eidge...ehgebühren_(Abschaffung_der_Billag-Gebühren)»), man kann (und sollte) die ganze Angelegenheit aber schon als "Schuß vor den Bug der ÖR-Sender" betrachten. Die Signalwirkung in Richtung "großer Kanton" (DE) ist selbstverständlich gegeben.


https://www.srf.ch/news/schweiz/reformprogramm-der-srg-srg-baut-250-stellen-ab



Unten noch ein Foto von einem Plakat zum Thema an einer Werbetafel an der Raststätte Luzern-Neuenkirchen im Februar 2018.
 

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