Wie war SDR3?


#1
Hallo in die Runde!

Was sind Eure Erinnerungen an SDR3?

Natürlich kenne ich die SDR3-History-Page, wie viele hier, aber was sind Eure sonstigen Highlights des Programms? Ich als SWF3-Geprägter, auch nur in deren Einzugsgebiet lebend, habe SDR3, bis auf ein paar Mal in der ARD-Popnacht und einen Mittschnitt einer Hitparade aus dem Internet, nie gehört, und es muss doch noch mehr geben außer der SDR3-History-Page, die ich selbstverfreilich kenne. Freue mich auf Eure Erinnerungen, weil der andere Sender des jetzigen SWR hier viel zu wenig Beachtung findet!

Gruß in die Runde!
 

bennylein

Gesperrter Benutzer
#2
AW: Wie war SDR3

Ich glaube ich habe hier eine dvd mit mitschnitten.
Bekommen habe ich die von Stefan Kramer und drauf steht Sven Kuboth.
Ich meine das dort sdr Mitschnitte drauf sind. *such*
 
#4
AW: Wie war SDR3

SDR 3 war der Sender meiner Jugend. Persönlichkeiten am Mikrofon, die "echt" rüberkamen, ohne sich aufspielen zu müssen, und Musik, die vom Musikredaktion zusammengestellt wurde; nicht vom Computer. Dazu journalistische und kabarettistische Beiträge, die eben so lang waren, wie es der Inhalt erforderte, und keine 1:30- oder 3:30-Sperre.

SDR 3 hatte ein vergleichsweise kleines, aber dichtbesiedeltes Sendegebiet, und konnte damit viel mehr Nähe zu den Hörern vor Ort aufbauen als der große Konkurrent, der Elchsender aus Baden-Baden, der sein Gebiet von Lindau bis Düsseldorf zu versorgen hatte. Die Nähe zu den Hörern zeigte sich z.B. in den SDR-3-Clubhouses in den Hauptbahnhöfen von Stuttgart und Heidelberg, wo nicht nur Fanartikel verkauft wurden, sondern oft auch live moderiert. Auch sonst war SDR 3 präsent (und das nicht, wie SWF3, durch Zupflastern sämtlicher Bushaltestellen mit Elch&Weg-Flugreisen-Werbung), wie z.B. mit dem Hefezopf-Wettbewerb, angelehnt an die SDR-3-Serie "Frau Kächele und Frau Peters". Überhaupt waren diese Mischungen aus Daily Soap, Comedy und Hintersinn (wie auch im "Frauenarzt von Bischofsbrück" oder bei der "Schwabensaga") ein Markenzeichen des Senders.

Aus der Sicht heutiger Formatradioideologie war das Sendeschema zu starr und festgelegt; aber für mich machte auch die Identifizierbarkeit der einzelnen Sendungen (die der Durchhörbarkeit im besten Sinne keinen Abbruch tat) den Reiz des Senders aus. Zu manchen Anlässen wie z.B. den legendären Hitparaden oder der Regionen-Spielshow "6-Tage-Radio" (zwei Regionen müssen verschiedene sportliche und kreative Aufgaben lösen), aber z.B. auch für Sportereignisse (Olympia) oder Konzertübertragungen wurde das Schema auch komplett ausgesetzt und nur Sonderprogrammierung gefahren.

Das Sendeschema sah so aus, dass es morgens die Popcorner gab, keine "lustigste Morgenshow", sondern informativ, wobei Ereignisse auch mal gegen den Strich gebürstet wurden. Von 8-10 gab's den "Tipp", der neue CDs vorstellte, und von 10-12 die Sendung "Leute", die man heute noch von SWR1 BW kennt, wenngleich sie dort natürlich schon schwer ans Format angepasst wurde. Bei SDR 3 durfte sich der Gast oft selbst Musik wünschen, und die Plaudereien waren auch nicht auf zehn 2:20-Häppchen fest voreingestellt. Von 12-13 und von 16-17 Uhr lief "Aktuell", der Zeitfunk mit Korrespondenten, Kommentaren und Glossen, von 13-14 Uhr der "Club" mit Veranstaltungshinweisen und von 14-16 Uhr der Treff mit Besuch im Studio und/oder einem thematischen Oberthema. Von 17-18 Uhr die Plattenpost, eine Sendung ohne Moderator, die aus Musikwünschen bestand, die auf einem Anrufbeantworter im Laufe des Tages gesammelt worden waren. Die Wünsche durften auch mal ausgefallener sein; vor allem aber mussten sie kreativ sein; mir "ich wünsche mir Lied XY, weil ich das sowieso den ganzen Tag höre", wie heute sinngemäß Musikwünsche auf SWR3 ablaufen, wäre man nie durchgekommen. Von 18-20 Uhr lief Point, eine vor allem in den 80er-Jahren selbst politische Sendung, die teilweise sogar mit dem Zündfunk des Bayerischen Rundfunks verglichen wurde; wenngleich sie in den 90ern dann doch deutlich gemäßigter ausfiel. Von 20-24 Uhr das Musikmagazin "Prime Time" mit Lieder außerhalb des Mainstreams und Geschichten dazu, montags auch mit längeren Konzertmitschnitten. Freitags auf Samstag stellte SDR 3 die legendäre ARD-Popnacht mit dem genialen Thomas Schmid.

Am Wochenende gab's Rückblicksendungen wie "Flashback" (hieß die so?), das Reisequiz "Playtime", die Hitparade "die wilden 20", und natürlich die einzig wahre Samstagabendshow, das Quiz "Dr. Music", bei dem es längst nicht nur um Musik ging. Fast hätte ich das "Schaufenster" am Samstagmorgen vergessen, eine sehr angenehme dreistündige Magazinsendung zu einem Thema auf vielen Blickwinkeln.

Die Umstellung von SDR 3 zu SWF3 empfand ich wie den Wechsel von Mamas mit Liebe gekochtem Essen zu synthetischem Kantinenfutter. Zwei Wochen nach dem Start von SWR3 ging ich ins Clubhouse im Stuttgarter Hauptbahnhof und gab meine SWR3-Wildcard zurück. Die SDR-3-Wildcard habe ich dagegen noch.
 
#5
AW: Wie war SDR3

Die Umstellung von SDR 3 zu SWF3 empfand ich wie den Wechsel von Mamas mit Liebe gekochtem Essen zu synthetischem Kantinenfutter.
Das ging wohl den meisten SWF3-Hörern auch so. Kenne SDR3 leider nicht, da man ihn bei uns im Raum Köln/Düsseldorf nicht empfangen konnte.

Jedenfalls hat sich der Zusammenschluß erheblich negativ auf das Programm ausgewirkt, jedoch viele Einsparungen beim Sender bewirkt. Den Hörern von SWR3 scheint die Qualität allerdings egal zu sein, da mittlerweile fast alle Sender so einen Einheits-Dudelfunk bringen fällt es auch nicht allzu sehr auf was für ein Jingle gespielt wird.

Finde es aber sehr interessant was über SDR3 zu erfahren.;)
 
#6
AW: Wie war SDR3

Ich war bei SDR 3 selbst nie "live" dabei, damals war ich leider noch zu jung dafür. Allerdings habe ich einige Mitschnitte von den Top Tausend X, Top 2000 D und Top Tausend XL und die erste Ausgabe der Sendung "Primetime" und die Sendungen gefallen mir alle wirklich sehr sehr gut. Ein Programm wie SDR 3 würde ich mir heute wünschen. Falls noch jemand weitere Mitschnitte haben sollte, wäre ich daran sehr interessiert!
Auch die zwei Bücher von Stefan Siller und Thomas Schmidt zu den Top Tausend X und Top 2000 D sind wirklich toll zu lesen. Da habe ich mir mal wieder eine Zeitmaschine gewünscht, um selbst dabei zu sein.

Ich würde ganz klar sagen, dass es bei SDR 3 und SWF 3 keine Fusion, sondern eine Übernahme von SDR 3 durch SWF 3 gab. Nicht, dass ich das alte SWF 3 grundsätzlich als schlecht ansehen würde, aber alles was von SDR 3 noch übrig ist, hat sein zu Hause nicht bei SWR3 sondern bei SWR1 Baden-Württemberg gefunden.
 
#8
AW: Wie war SDR3?

Am Wochenende gab's Rückblicksendungen wie "Flashback" (hieß die so?)
Ja, so hieß die.:)

Ich würde ganz klar sagen, dass es bei SDR 3 und SWF 3 keine Fusion, sondern eine Übernahme von SDR 3 durch SWF 3 gab.
SWF3 war seit der Reform von 1995 schon weitgehend glattgebügelt, dagegen war SDR3 bis zur Fusion längst nicht so durchformatiert wie der Elchfunk. Abgesehen von der lokalen Morningshow auf 92,2 erinnerte bei SWR3 kaum noch was an das Vorgängerprogramm aus Stuttgart und diese wurde zusammen mit den anderen "Metros" bekannlich auch bald eingestellt.
 
#9
AW: Wie war SDR3?

Ob reformiertes SWF3 oder das SDR3 letzter Prägung - es wurde mit der Fusion zusammengekleistert, was nie zusammengepasst hat. Ich bin zwar mit SDR3 aufgewachsen, konnte aber mit dem "letzten" SWF3 (vor allem mit der Musikfarbe) mehr anfangen.
Und auch von SWF3 war nach der Fusion nicht mehr übrig, da konnten auch adaptierte Comedyserien nicht darüber hinwegtäuschen. Die Rotation wurde sofort zurückgefahren und musikalisch wurde nichts neues mehr gewagt. Das war halt von jetzt auf gleich der stumpfsinnige Beraterfunk, der auch heute aus dem Lautsprecher quillt...
 
#10
AW: Wie war SDR3?

Selbstverständlich konnte man auch in NRW den alten SDR3 empfangen.
Auf 1413 hörte ich sehr oft rein, ich meine ein "Südfunk3" gehört zu haben.
Später wechselte der SDR3 dann auf die 711, was den Empfang erschwerte, da ständig WDR2 auf 720 reinbretterte.
SDR3 war definitiv damals via Mittelwelle in NRW empfangbar, ebenso SDR1 auf 576.
SDR3 kam bis 17 Uhr, danach weiß ich es nicht mehr. SDR1 ?
 
#11
AW: Wie war SDR3?

Habe ich mal probiert. Stimmt. Mit SDR1 ging das damals durchaus über MW. Die habe ich auch ab und an mal "drin" gehabt, konnte damit aber nichts anfangen. Aber daß SDR3 auch über MW zu empfangen war, ist mir allerdings neu. Aber: Man lernt nie aus....:)
 
#12
AW: Wie war SDR3?

Is ja lustig, dass ich hier reinschaue kurz nachdem du einen Faden zu SDR3 eröffnet hast. Hat schon lange gefehlt. Mein Senf kommt noch :)
 
#14
AW: Wie war SDR3?

Ich kenne von SDR 3 nur die Popnacht - diese war mit Abstand die beste aller ARD-Anstalten. Schon allein das Intro mit "und nächsten Morgen, wenn es hell wird, wird Ihnen niemand glauben, was Sie gehört haben" war einsame Spitze!

Die Musik kannte keine großen Schubladen, man hörte schon mal Canned Heat mit "On The Road Again", anschließend tönte Schwester S. mit "Ja klar". Auch die Moderation war angenehm. Mit der Fusion von SWF und SDR verschwand die beste Popnacht - was ich sehr schade fand.
 
#15
AW: Wie war SDR3?

So gut war der Empfang damals auch nicht. Ich habe nun im Keller meine alten Aufzeichnungen gesichtet. das Radio meiner Eltern hatte einen extra-Antennen-Eingang. Hier hatte ich ein paar Meter Draht angeklemmt und schon kamen auch weit entfernte Sender rein . Hauptstörer war damals SR1 auf 1422 , dem ich übrigens nie auch nur irgend etwas abgewinnen konnte. Die 1413 war tagsüber konstant und rauschfrei zu hören, jedoh hier und da mit leichten Verzerrungen.
Eines Tages war es damit vorbei, ich musste auf 711 auweichen . Das war natürlich schlecht, da damals der WDR noch auf 720 mit ..200 KW ? ... sendete.
SDR3 war in NRW nicht unbekannt, aber sicher nur von Spezialisten und Idealisten hörbar.
 
#16
AW: Wie war SDR3?

Obwohl ich damals, wenn ich im Sendegebiet war, immer lieber SWF3 als SDR3 hörte, bedauere ich auch im Jahr 2011 den Wegfall beider Sender. Ich höre nach wie vor gerne SWR1 BW und freue mich über die alten Moderatoren von SDR3, SWR3 ist mir oftmals zu stressig...

Die SDR3 Popnacht war tatsächlich mit die Beste, hatte noch ne alte Aufzeichnung von 1990, leider finde ich sie nicht mehr :(
 
#17
AW: Wie war SDR3?

SDR3 war in den 90ern bei mir im Radio "festgetackert" und das obwohl ich damals gar nicht im eigentlichen Sendegebiet wohnte, nämlich in Wiesbaden. Obwohl man Wiesbaden schon öfter erwähnt hatte (vor allem Matthias Holtmann: "Von Wiesbaden bis zum Bodensee") und auch bei Dr. Music öfters Hörer aus Wiesbaden dran waren (ich bin leider nie durch gekommen).
Ich vermisse diesen Sender schon sehr, es gibt heute nichts vergleichbares mehr, höchstens annähernd SWR1BW.
 
#18
AW: Wie war SDR3?

Ich vermisse diesen Sender schon sehr, es gibt heute nichts vergleichbares mehr, höchstens annähernd SWR1BW.
Klar, das Moderatorenteam von SDR3 ist ja mehrheitlich in Stuttgart geblieben und zu SWR1 gewechselt. Aber SDR3 war eben viel progressiver im Punkto Musikauswahl, das gibts heute nur noch vereinzelt bei Matthias Holtmann in "Guten Abend BW", im "Kopfhörer" oder in der jährlichen "Hitparade".
 
#21
AW: Wie war SDR3?

Wenn ich das lese, könnte ich wieder heulen:
SDR 3 hat in den letzten Jahren unheimlich viel Erfolg gehabt, hat in den letzten vier Mediaanalysen pausenlos zugelegt, also bei den jährlichen Messungen der Einschaltquoten, das ist einmalig in der ARD. Der Wilde Süden ist eines der jüngsten Programme überhaupt, das jüngste im Altersschnitt der Hörerinnen und Hörer von Baden-Württemberg und das Erfolgreichste. Wenn man bedenkt, daß beide Sender, SDR und SWF, einen Gesamtetat von ca. 1,7 Milliarden Mark haben, muten die etwa 8 Millionen Gesamtkosten für SDR 3 pro Jahr wie ein Klacks an, zumal wir das Geld mehr als reinholen:
Weit über 20 Millionen Mark nehmen wir für den SDR ein, wir sind der wichtigste Werbeträger des SDR - einschließlich Radio und Fernsehen. Wir haben eine einmalige Hörerbindung, gerade bei dem hartumkämpften Markt der jungen Leute, wir sind das Standbein mit Perspektive für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Baden-Württemberg, dazu mit dem größten Radiohörerclub Deutschlands, dem SDR 3 CLUB Wilder Süden mit weit über 300 000 Mitgliedern.

Wir sind ein unverzichtbares publizistisches Organ geworden, mit Markennamen wie SDR 3 Leute, Treff, Aktuell, Schaufenster, und gehen deshalb ganz selbstverständlich davon aus, daß es weiter eine Popwelle aus Stuttgart für den ganzen Wilden Süden geben wird. Denn die Forderung der Politik war, die Situation für die Hörerinnen und Hörer, für die Gebührenzahler durch die Fusion zu verbessern, und das kann es ja logischerweise nicht durch den Abbau von Programmen geben. Baden-Württemberg braucht Landesprogramme:
Klar, und deshalb ganz besonders auch ein Landesprogramm für junge und Jungebliebene.
 
#22
AW: Wie war SDR3?

SDR3 konnte man mitunter auch in Bayern hören, über die 96,5 & 98,1. In Nürnberg bekam man es über die 96,5 und war eine Alternative zum Bayern 3. War SDR3 nicht auch über den Grünten (103,0) zu empfangen?!
 
#25
AW: Wie war SDR3?

SDR 3 - Der wilde Süden. Das war meine Jugend. Wenn das 6-Tage-Radio anstand, dann stand ganz Öhringen still. Und wehe es ging schon wieder gegen Albstadt :) Man konnte aktiv dabei sein und Moderatoren wie Janet Pollok oder Patrick Neelmeier kennenlernen (die dann neben meinen ganzen Klassenkameraden auf meinem Geldbeutel unterschrieben haben). Und was man da nicht alles gemacht hat: nähen, Büroklammern zusammenhängen, stricken, usw. und den ganzen Schlamassel dann brav halten, denn die Schlange muss ja schön lang sein. Achja...

Und Sonntags die Charts waren ein Muss und sehr kultig war Matthias Holtmann und sein "Salt'n'Pepper": nicht ja nicht nein nicht schwarz nicht weiß. Ich wollte immer mal mitmachen, hab mich aber nie getraut.

SDR 3 war einfach ein genialer Sender.
 
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