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"Deutschsprachige" Musik oder: ist das wirklich noch Deutsch?

Der Radiotor

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Mit Absolut Germany gibt es ja jetzt einen Sender, der nur Musik aus Deutschland spielt. Musik aus Deutschland? Bei einigen Titeln musste ich zweimal hinhören, ob das überhaupt Deutsch ist, weil ich praktisch nix verstanden habe. Beispiele:

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Jetzt bin ich mit meinen knapp über 50 ja nicht mehr der jüngste und es fällt mir zunehmend schwer, Trends zu folgen. Aber was bewegt Künstler, die seit ihrer Geburt in Deutschland aufgewachsen sind (das ist bei RIN und Jamule ja der Fall) so zu singen als sei man gerade erst aus einem arabischen Land eingewandert und habe seinen ersten Deutsch-Kurs hinter sich? Ist es das, was Jugendliche heute hip finden?

Gut, dass Migranten Musik beeinflussen ist ja nicht neu, in Frankreich gibt es diesen Trend seit Jahrzehnten. Auch Rhythmen und Akkordfolgen haben sich geändert, man hört immer mehr Einflüsse vor allem aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum. Und auch deutsche Künstler wie Mark Foster haben ja diesen typischen "Weissdu, ischwör, morgen isch geh Arbeitsamt"-Slang.

Okay, so gaaanz neu scheint solch ein Trend auch nicht, in den 70ern gab es ja deutsche Interpreten, die bewusst mit englischem Slang gesungen haben, weil das cooler klingt: "Winesdoo nished when dare Reagan felled, dumm dumm" :)
 
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da_hooliii

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Jetzt bin ich mit meinen knapp über 50 ja nicht mehr der jüngste und es fällt mir zunehmend schwer, Trends zu folgen. Aber was bewegt Künstler, die seit ihrer Geburt in Deutschland aufgewachsen sind (das ist bei RIN und Jamule ja der Fall) so zu singen als sei man gerade erst aus einem arabischen Land eingewandert und habe seinen ersten Deutsch-Kurs hinter sich? Ist es das, was Jugendliche heute hip finden?
Also zum Teil liegt es auch am Alter. Man bekommt ja meistens im eigenen Umfeld manche Sachen, die dann jüngere Menschen machen gar nicht mit und dann ist es als Außenstehender für jemanden so wie als wenn etwas plötzlich aus dem Nichts erscheint und wenn man überhaupt nicht damit aufgewachsen ist versteht man die Welt nicht mehr - wenn man dann noch dazu wenig Bezug zu Hip Hop hat wirkt man für Jugendliche wie ein Opa beim falsch auspsrechen mancher Wörter. Sprache verändert sich auch und jüngere Menschen haben teilweise ihre ganz eigene Sprache und sie setzen auch modisch,popkulturell, musikalisch etc. die Trends - ein älterer Mensch erschreckt dann auch schon mal weil es für ihn neu ist und neu bedeutet ja sich mit etwas auseinanderzusetzen und das erfordert auch sich für das Neue zu öffnen.
 

chapri

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Der fremdsprachlich eingefärbte Slang diente ursprünglich der Integration, um sprachlich Benachteiligten quasi "Rückendeckung" zu bieten. Dieser Zweck soll offensichtlich auch bei Deutschrap erreicht werden.
 

Radiokult

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Das würde ich auch so sehen wollen. Am Anfang wars vielleicht nur eine Art Stilmittel. Da das ganze aufging und der Zielgruppe ganz offensichtlich gefiel, macht es inzwischen jeder zweite dahergelaufene Rapper/HipHoper, zumeist gepaart mit einer deutlich übertriebenen Verwendung von Autotune. Letzteres ist zwar meinem Eindruck nach wieder ein Stück weit am abklingen. Diese "Kanakensprache" werden wir aber wohl nicht mehr loswerden, schon weil man sich damit halt abhebt vom Rest der Künstler. Ungewolltes Alleinstellungsmerkmal.
 

Philclock

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Ein wenig schlauer geht da ein Rapper wie Mero vor. Der Gesang hat auch einen Slang, ist aber dennoch gut zu verstehen.

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Sprollywood.

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Interessant wie die deutschen Popwellen mit Trends umgehen. Da wird eigens eine Station für Deutschpop ins Leben gerufen, zeitgleich ein Urban CHR (Absolut HOT) mit Deutschrap verwässsert (mittlerweile wurde dieser Fehler wieder rückgängig gemacht) und die klassichen AC-Wellen auf UKW spielen munter Geklampfe und Minnesänger wie Bourani, Giesinger, Forster, Lea, Lotte und Co. - tagein und tagaus. Doch, siehe da:

erstmals weist diese Radio-Bestenliste in ihrer Top 100–Jahresübersicht für das zurückliegende Jahr keinen einzigen deutschsprachigen Titel aus.


Das ist sehr überraschend, denn es vergeht kaum ein Einschaltmoment, bei dem man nicht "80 Millionen", "Ein Hoch auf Uns" oder "Es ist 3 Uhr nachts" erwischt. Ich vermag nicht zu erkennen, dass im vergangenen Jahr weniger Deutschpop-Titel / Interpreten gespielt wurden, als noch 2015 oder 2020.
 

Radiokult

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Vielleicht sollte mal jemand einfach nur die Anzahl der Einsätze zusammen zählen und die Verwässerung mit den vermeintlichen Hörerzahlen beiseite lassen. Dann käme man vermutlich auf eine etwas andere Top100. Davon unabhängig finde ich es aber mal wieder recht armselig, wie man sich mehr oder weniger weiter selbst betrügt. Fakt ist, das die Deutschpop-Interpreten der jüngeren Generation nach wie vor eine große Fangemeinde haben und auch ganz ordentlich Tonträger verkaufen, sowohl physische als auch digitale. Man muss diese Musik weder mögen noch gut finden, aber sie hat halt Fans. Wenn man die als Hörer nicht braucht, schmeißt man sie halt raus. So vergrault man erfolgreich weitere Hörerschichten und wundert sich dann auch weiterhin, dass die Gesamtzahl der Hörer immer kleiner wird.
Einen Satz in dem Artikel finde ich allerdings am beispielgebendsten für die Schizophrenie im Medium Radio:
Als weitere Ausschlusskriterien werden von manchen Musikverantwortlichen der Programme auch die Breite und derzeitige Qualität des Angebots an neuer Musik sowie die Anmutung deutscher Stücke bemängelt
Erstmal finde ich es mutig die "Anmutung" von Titeln als Kriterium anzusehen, denn das hat wenig mit objektiver Beurteilung von Musik zu tun, geschweige denn irgendwas mit einer fachlichen. Und zum anderen finde ich auch in der besagten Top100-Jahresauswertung Titel, die von ihrer Qualität her teils deutlich zu wünschen übrig lassen, sowohl musikalisch als auch textlich. Auf radiocharts.com ist die Top100 öffentlich einsehbar. Entweder man legt bei sämtlichen Titeln die man auf den Tisch bekommt die gleichen Maßstäbe an oder man läßt es halt bleiben. Alles andere ist peinlich anmutende Doppelmoral.
Wann traut sich der erste öffentlich zu schreiben, dass es überhaupt nicht um die musikalischen Inhalte geht oder gar um das was Hörer wollen? Das wäre wenigstens mal ein ehrliches Statement. Es geht einzig und allein um die berühmt-berüchtigte Durchhörbarkeit, sprich um vor sich hin plätschernde Programme, die in ihrem Fluss möglichst gleichmäßig und ohne Ausreißer fahrstuhlmusikmäßig den tagtäglichen Hintergrundklangteppich für den geneigten Hörer bereiten, so das niemand auch nur auf die Idee kommt, vielleicht auch mal umschalten zu wollen. Bei aller Liebe für das Medium Radio, aber dafür brauchts dann keine Leute mehr die sich Musikredakteure nennen.
 
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