Die Zukunft des IRT


Pianist_Berlin

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Ich muss ja ehrlich zugeben, dass ich die analoge Zeit total schön fand. Da hat man noch gesehenund gespürt, wie es funktioniert. Auf der anderen Seite war es natürlich auch ein riesengroßer Aufwand. Im Film- und Fernsehbereich ist es ja noch heftiger gewesen. Da brauchte man Geräte für hunderttausende D-Mark, um Dinge zu tun, die man heute auf einem Macbook erledigen kann.

Von daher: Wehmütiger Rückblick, aber das Leben heute ist doch einfacher. Ich bezeichne es auch gerne mal als "Demokratisierung": Heute hat jeder Zugang zu Produktionsmitteln, jeder kann sich ausdrücken und eigene Projekte realisieren, es gibt nicht mehr diese hohen Einstiegshürden.

Leider ist das aber auch mit dem Nachteil verbunden, dass heute jeder Spinner seinen Stuss in die Welt verbreiten kann...

Matthias
 

lg74

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Leider ist das aber auch mit dem Nachteil verbunden, dass heute jeder Spinner seinen Stuss in die Welt verbreiten kann...
Ja! Die Gesellschaft muss lernen, damit zurechtzukommen, ohne verrückt zu werden. Aktuelles Beispiel: die aktuelle (und wohl dauerhafte) Pandemie. Wie hätten wir uns vor 40 Jahren informieren können? Das RKI hätte seine Berichte mit mehreren Tagen Verspätung nach Eintreffen aller telefonisch zugestellten Regionalmeldungen verfasst und z.B. an ARD, ZDF und die DPA gegeben. Wir hätten dann in TV, Radio (alles öffentlich-rechtlich) und tags drauf in der Zeitung erfahren, was offiziell so los ist. Heute darf jeder Aluhut produzieren und sich präsentieren, teils schneller als die althergebrachten Medien. Und erhält eine Öffentlichkeit, die genauso groß ist wie die der klassischen Medien. Und erhält leider auch in Teilen der Bevölkerung eine Bedeutung, die größer ist als die von Wissenschaftlern.

Das ist die Kehrseite davon. Manchmal wünsche ich mir vor Veröffentlichungen von "jedermann" auf den "demokratisch" zugänglichen digitalen Kanälen wieder ein Fach-Lektorat geschaltet. Das betrifft auch so Lappalien wie Kundenrezensionen. Was ich da teils zu lesen bekomme, was dann zu Schrott-Käufen und zu völlig verdrehten Qualitätsbegriffen führt, ist schon heftig. Und das betrifft - um den Bogen zurück zum IRT zu schaffen - auch "AV-Technik" im weitesten Sinne.
 
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Pianist_Berlin

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Man kann letztlich nur hoffen, dass die große Mehrheit der Menschen in der Lage ist, erhaltene Informationen wenigstens ansatzweise auf Plausibilität zu prüfen, also mal so ganz grob. Und dann eben den Schrott auf den Schrotthaufen zu packen. Derzeit scheint das ja noch zu funktionieren.

Ich finde übrigens nach wie vor, dass das "Fachlektorat" auf Wikipedia (letztendlich ja auch nur ein zufälliger Haufen von Durchgeknallten) ziemlich gut funktioniert. Dort gibt es eine ganze Reihe von Mechanismen, die dazu führen, dass sich eher richtige als falsche Informationen halten.

Ansonsten muss ich sagen, dass ich einer professionellen Nachrichtenredaktion mehr vertraue als irgendjemandem, dessen persönlichen Hintergrund ich nicht kenne, der sich aber berufen fühlt, sich auf seinen Gartenstuhl auf dem Balkon zu setzen, und dort irgendwelche Youtube-Filme aufzunehmen, in denen er das Zeitgeschehen aus seiner (verschwörungstheoretischen) Sicht kommentiert. Er hat die Freiheit, das zu tun. Aber er hat keinen Anspruch darauf, dass alle das toll finden und ihm folgen.

Matthias
 

Funkminister

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Alle Mehrspurmaschinen sind verkauft, Produktionen werden ausschließlich in Protools oder Sequoia ausgeführt.
Auch nur kurz, aber passend: zumindest zwei (synchronisierte!) M15A-24 sind im Studio 1 erhalten und einsatzbereit - weil externe Produzenten, die gelegentlich mit der NDR Big Band aufnehmen, diese fordern/wünschen. Ansonsten gilt das zitierte.

Was @Cavemaen schreibt, halte ich grundsätzlich nicht einmal für falsch - Analog hat seine Anhänger die in der Beziehung kompromisslos sind und viel hartes Geld für alte und aktuelle Technik sowie deren Instandhaltung bezahlen.
Es ist nur völlig anderes Klientel.
Beim Rund- und Eckigfunk sind das analogste heutzutage die Mikrofone und Lautsprecher (neben den BenutzerInnen und der letzten verbliebenen Wolframfadenlampe auf'm Herrenabort).

Und um den Bogen doch noch einigermaßen zum IRT zu schlagen: es sind eben keine dort auf die Bedürfnisse des Rundfunkbetriebes zurechtentwickelten Lösungen mehr, die im harten aber wahren Alltag zum Einsatz kommen, sondern seit Jahren Standardprodukte aus der IT- und AV-Industrie. Preiswerte Massenware, kurzfristig und allerorten verfügbar als Ersatzgerät, von denen man eher die 1,5fache Menge kauft und sie im Schadensfall austauscht statt zu reparieren.
Nischenlösungen und Eigenentwicklungen finden sich da am ehesten noch im Bereich Software.
 

magisches Auge

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Natürlich ist die Auflösung des IRT nicht schön, aber was würdest du alternativ mit dem Inventar machen?
Ich meinte nicht die Tatsache der Versteigerung (dies ist eine logische Konsequenz der bisherigen Entwicklung), sondern das, was da mit dem und rund um das IRT abgelaufen ist.
 
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lg74

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Ein paar schnuckelige Sachen sind ja Gott sei Dank im Chamer Rundfunkmuseum aufgeschlagen.
... und zwar Dinge mit technikhistorischem Wert, die man in einer Auktion höchstens an völlig verrückte Sammler hätte abtreten können:



Ich wollte gestern aus Spaß mitbieten auf 2 gemeinsam (!) angebotene TechniSat UHD-Receiver Digit ISIO STC+. Die hätten noch Programmnamendisplay gehabt und können AAC. Erschwerend für mich wäre gewesen, dass kein analoger Video-Out mehr vorhanden war und damit mein Mini-TFT (Tafelschokoladengröße), mit dem ich meine Receiver programmiere, weil ich keinen Fernseher besitze, nur mit weiterem Adaptierungsaufwand zu benutzen wäre.

Jedes Gerät wäre eigentlich ca. 160-200 EUR wert gewesen in gutem Zustand. Der Zweierpack ging für 90 EUR + 18% Aufgeld + MwSt weg. Fast "geschenkt", mir dann aber doch zuviel für einen auf-Verdacht-Kauf (ich hätte mindestens 100 EUR bieten müssen, also ca. 140 EUR brutto und dann wäre ich ggf. noch überboten worden), den ich nur bräuchte, wenn die ARD den Hörfunk tatsächlich auf AAC umstellen sollte. Falls ich dann überhaupt noch mitgehe und nicht das Hobby bleiben lasse, weil mich die ARD nicht als Hörer haben möchte.
 
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