Reporter-Aufnahmegeräte


Um den alten aber langen Thread mal wieder zu beleben: Hat eigentlich jemand Erfahrung mit der Nagra Seven? Oder ist das Gerät für Hörfunkreporter zu teuer? Vor allem interessiert mich, ob die Mikrofonverstärker so gut sind, dass man da auch dynamische Mikrofone rauschfrei nutzen kann.

Matthias
 
Oder ist das Gerät für Hörfunkreporter zu teuer? Vor allem interessiert mich, ob die Mikrofonverstärker so gut sind, dass man da auch dynamische Mikrofone rauschfrei nutzen kann.
3.000 € für bitte... was genau? Was kann man damit mehr machen als mit einem Handheld-Dingens, das sowieso alles haben?

Und der Joke der Woche ist das hier aus der Beschreibung der Nagra Seven:

- Anstelle des Timecode-Boards kann eine I.S.D.N.-Karte eingesetzt werden, die das Übertragen von Dateien über das I.S.D.N.-Netz ermöglicht.

I.S.D.N.? Oder doch eher: ISDN? Wird übrigens in Deutschland abgeschaltet in Kürze.

Für Musikaufnahmen empfiehlt sich übrigens ganz anderes Equipment. Und für Sprachaufnahmen halt irgendwas Preiswerteres.
 
Ich sehe das eher so wie bei der Fotografie: Natürlich kann man auch mit einem Handy oder einer Kompaktkamera Fotos machen. Aber es gibt eben auch Leute, die mit einer Hasselblad herumlaufen. Und so wird es auch Hörfunkreporter geben, die sich nicht mit einem Flashmic begnügen, sondern vielleicht gerne eine Nagra nutzen wollen, wo sie dann ein klassisches MD 21 anschließen, weil die Eingangsverstärker dafür gut genug sind.

Ich nutze, wenn ich mal Filmton-Atmos einzeln aufnehme, auch "nur" einen Tascam HD-P2, allerdings ist es für mich eine organisatorische Herausforderung, acht AA-Zellen im gleichen Zustand zu halten, weil ich die zwischendurch immer wieder für andere Sachen nutze. Da wäre eine andere Akkulösung schon sehr schön, so dass ich mir eine V-Mount-Platte mit DC/DC-Wandler habe bauen lassen. Aber mit einem V-Mount-Akku wird das ganze natürlich schon wieder viel klobiger. Da könnte eine Nagra Seven die elegantere Lösung sein.

Matthias
 
Gefällt mir: dea
Die Frage ist ja eben auch nicht, wie viel man mit so eiem Gerät machen möchte - wahrscheinlich genau das, was es leistet - sondern in welcher Qualität. Und da fällt man mit Elektroschockern á la
Handheld-Dingens, das sowieso alle haben
auch sehr schnell auf die Nase, wenn man nicht gewaltig tief in die Tasche greift, um so ganz nebenbei wieder Geld für Dinge zu bezahlen, die man nicht braucht.
 
Es ist schon interessant und erschreckend zugleich, dass sich einige wohl völlig unmöglich vorstellen können, dass es Menschen im Audiohandwerk gibt, die für ihre Arbeit Hardware benötigen, die ohne Kompromisse spielt und nicht schon bei der Inbetriebnahme nach teurem Nachkauf schreit.
Man überlege sich mal: @Pianist_Berlin fragt nach Erfahrungen mit einem Gerät, das ganz offenkundig qualitativ im einem ganz anderen Universum Bedürfnissen gerecht werden soll, und hier wird ihm doch allen Ernstes an Herz gelegt, seine Vorstellungen zu begraben und sich für'n Äppl und'n Ei ein China-Spielzeug zu kaufen.

Den Spielmätzen sei mal mitgeteilt, dass es für einen portablen Digitalrecorder durchaus auch noch andere Aufgaben gibt, als im Vorbeigehen das leere Gefasel eines x-beliebigen Politikers aufzuzeichnen, welches durch kräftiges Hintergrundrauchen wenigstens akustisch an Gehalt gewinnt. Spätestens, wenn es gilt, mit hochwertigen Mikrofonen Schallereignisse aufzufangen die nicht nur allgemein deutlich komplexer, sondern auch noch dürftig an Pegel sind - zum Beispiel Atmos für die Filmproduktion - versagen Spielzeugrecorder wie Zoom H0815 und sonstige in dieser Klasse kläglich.
Ich habe mich selbst erst kürzlich von Bewertungen und den technischen Daten eines Tascam DR-100 MKIII blenden lassen und damit kräftig auf die F....Nase gelegt. Diese Möhre genügt nicht mal den Ansprüchen eines ambitionierten Audioamateurs, geschweige denn denen eines Audiowerkers, der mit hochwertiger Arbeit sein Brot verdient. Der hat nämlich keine Zeit, mit 10 Plugins in der DAW aus Audioschrott noch irgendwas zusammen zu matschen, sondern die Aufnahme muss einfach verwertbar sein. Punkt. Wer Mist abliefert oder nicht fertig wird, hat schnell einen Auftrag weniger. Darüber hinaus sollte man dem Kollegen durchaus auch zutrauen, selbst überschlagen zu können, ob die Hardware der Begierde die Chance hat, auf Grund ihrer Eigenschaften die nicht unerheblichen Anschaffungskosten in überschaubarem Zeitrahmen einigermaßen wieder einzuspielen. Einen Nagra seven kauft sich sicher keiner nur für die innere Onanie, auch wenn der Recorder für den reinen Reportereinsatz auch aus meiner Sicht Overkill ist. Aber wie ich Matthias kenne, stünden dem Gerät ziemlich sicher deutlich anspruchsvollere Einsätze bevor.
 
So ist es, vielen Dank! :)

Für alle die erst später eingeschaltet haben: Ich bin ja kein Radiomann, auch wenn ich dieses Medium liebe, sondern drehe Filme. Und es hat ja einen Grund, warum ich mich beim jüngsten Kameragenerationswechsel für eine Arri Amira mit einem Canon 7x17 entschieden habe und dafür 50.000 EUR ausgegeben habe, obwohl ich auch für sehr viel weniger Geld etwas hätte bekommen können, womit arbeiten möglich wäre, wenn auch unter deutlich schlechteren Bedingungen. Von daher: Ich lege wirklich Wert auf gute Technik, die meistens auch sehr viel länger hält, so dass sich der höhere Preis sehr schnell relativiert.

Matthias
 
Ich nutze einen Zoom H4N pro mit externen Mikrofonen (Neumänner, Sennheiser, Gefell). Die eingebauten Mikrofone rauschen. Die sind für leiste Atmo nicht zu gebrauchen. Für lautere Sachen sind die aber durchaus brauchbar. Wenn ich mehr will, steht hier noch ne Nagra 4s. Leider mit defekter Phantomspeisung, so dass ich da derzeit nur Dynamische anschließen kann.
 
Den Spielmätzen sei mal mitgeteilt, dass es für einen portablen Digitalrecorder durchaus auch noch andere Aufgaben gibt, als im Vorbeigehen das leere Gefasel eines x-beliebigen Politikers aufzuzeichnen, welches durch kräftiges Hintergrundrauchen wenigstens akustisch an Gehalt gewinnt. Spätestens, wenn es gilt, mit hochwertigen Mikrofonen Schallereignisse aufzufangen die nicht nur allgemein deutlich komplexer, sondern auch noch dürftig an Pegel sind - zum Beispiel Atmos für die Filmproduktion - versagen Spielzeugrecorder wie Zoom H0815 und sonstige in dieser Klasse kläglich.
Sag' doch gleich, daß Du gar nicht für einen Radiosender arbeitest.
Außerdem sind Deine Sätze zu lang.
 
3.000 € für bitte... was genau? Was kann man damit mehr machen als mit einem Handheld-Dingens, das sowieso alles haben?

Und der Joke der Woche ist das hier aus der Beschreibung der Nagra Seven:

- Anstelle des Timecode-Boards kann eine I.S.D.N.-Karte eingesetzt werden, die das Übertragen von Dateien über das I.S.D.N.-Netz ermöglicht.

I.S.D.N.? Oder doch eher: ISDN? Wird übrigens in Deutschland abgeschaltet in Kürze.
Jo, die optionale ISDN-Karte ist wohl zum Dasein als Ladenhüter verdammt.
ISDN riecht nicht nur komisch, es ist nahezu tot. Für eine 64kBit/s mono Audioübertragung kauft niemand eine Nagra für >3 Riesen.
Was die Kiste aber kann: LAN, WLan und Mobilfunk 3G/4G, also LTE und darüber VoIP. Damit hat man neben der hochwertigen Aufzeichnung von Audio auch den Ü-Wagen zum umhängen. Mir gefällts, aber ich brauche sowas nicht.

Die Frage nach dem potentiellen Kundenkreis stellt sich trotzdem, denn das sind kostenpflichtige Optionen.
Ich kenne bei uns keinen Reporter oder Autoren, der statt des Flashmic oder iXm wieder so ein Gerät nutzen möchte, erst recht nicht zu dem Preis.
Für aufwändige(re) Aufnahmen gibt es Ü-Wagen, am anderen Ende der Mikrofonleitun(en) passiert ja auch entscheidende Arbeit.
Für Live-Schalten ebenso den Ü-Wagen, ausserdem kleine Sat-Reporterwagen, tragbare (und SIP-fähige) Codecs, und auch noch die MuPro-App.

Bleibt eben der Benutzer, der auf hohe Qualität von Mikrofonverstärkung und Aufzeichnung Wert legt. Der verzichtet dann auf die Übertragungsoptionen.
 
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