ARD-Anstalten erneuern bundesweit das UKW-Sendernetz


#2
Nein.
Es gab an den einzelnen Senderstandorten jeweils Unterbrechungen, wenn von alter auf neue Technik umgeschwenkt wurde. Sender die per Ballempfang versorgt werden, fielen in der Zeit ebenfalls aus.
 
#4
Ja, das war schweineteuer. Und formal teils auch hochgradig unsinnig aus Sicht der Nachhaltigkeit. Es sind an einigen Standorten teils fast fabrikneue Sendeanlagen des "Edel-Herstellers" Rohde & Schwarz gegen letztlich typgleiche Neuanlagen ausgetauscht worden, weil erstere halt der Media Broadcast gehörten, zweitere einem neuen Dienstleister (da ging es nicht um die Uplink, die sich wohl vollständig mit Worldcast/Ecreso ausgestattet hat).

Da man einen Betrebszeitraum von noch vielen Jahren zugrundelegt, rechnet sich das ganze wohl zumindest für den neuen Dienstleister und die Anstalten. Der Wirkungsgrad aktueller Sender ist höher als der von vielen Altanlagen. Die Wartung erfolgt nicht mehr durch permanent vorhandenes Personal vor Ort. Zuführungsstrecken sind kostengünstiger geworden (UKW-Signalzuführung kann als "Abfallprodukt" einer Breitbandverbindung für z.B. DVB-T-Muxe u.U. sogar in reinem PCM ohne Datenreduktion erfolgen, ohne dass es die Kosten explodieren lässt).

Was aus den definitiv nicht abgeschriebenen fast-Neuanlagen der Media Broadcast wurde, wüsste ich auch zu gern.

Es hat auch Fälle gegeben, in denen vorübergehend Sender vom Hersteller X verbaut wurden, um sie nach wenigen Monaten gegen die endgültigen Sender des eigentlich gewünschten Herstellers Y auszutauschen. Luftgekühlte Helios gegen wassergekühlte R.V.R. beispielsweise. Wie das verrechnet wurde, entzieht sich ebenfalls meiner Kenntnis.

In den Sendeanlagen ist oft Platz, weil umfangreiche TV-Sendeanlagen in den vergangenen Jahren abgeräumt wurden. Auch sind heutige UKW-Sender im Volumen her deutlich kompakter als Altanlagen. 5 mal 10 kW (für 5 Frequenzen mit je 100 kW ERP an Großstandorten) packt man mit 1:1-Redundanz heute in ein Volumen, in dem man früher eine oder zwei UKW-Frequenzen befeuert hat.
 
#5
Un-wort ;) ? - Danke für die Links.

> Thomas Weiner: „Insgesamt steigt durch die Investition in neuste Technik die Sendequalität und -verfügbarkeit in Deutschland.“ <
... was noch zu beweisen wäre.

"Dabei wurde die gesamte Technik zur Ausstrahlung von 348 UKW-Frequenzen durch den neuen Betreiber UPLINK Network GmbH aus Düsseldorf ausgetauscht ..."
Betrifft das auch die Stereocoder, etc.?
 
Zuletzt bearbeitet:
#7
Die Kosten sind doch einzig und allein die Sorge des neuen Betreibers...
Ich habe leider keine Information darüber, was Uplink an seinen Standorten an Technik betreibt und was übernommen und was ausgetauscht wurde.
Aber wie @lg74 schon schrieb ist normalerweise immer Einbaureserve sprich Platz vorhanden, bzw. es gibt aktive Ersatzgeräte an deren Stelle man die neue Technik einbauen kann und soweit vorbereiten, dass der Umstieg nur noch aus "Kabel umstecken" besteht.
Wenn es nicht gerade ein großer Fernsehturm ist, befindet sich die Sendetechnik nicht im Sendemast selbst, sondern in Gebäuden auf dem Boden.
Je nach Alter der Alt-Technik wurden evtl. auch Röhren- durch Transistorsender ersetzt, was einen enormen Platzgewinn bedeutet. Senderöhren von der Größe eines mittleren Putzeimers, um mal eine Vorstellung von der Dimension zu bekommen.

Und nochmal zum Thema Sendeunterbrechung - am Fernsehturm Schwerin war es zum Beispiel eine fast einstündige Unterbrechung der 92,8 MHz (NDR 1 Radio MV) die ich mitbekommen habe weil ich Dienst hatte:
Zuerst wurde die Modulation vom Sender genommen und mehrere Minuten unmodulierter Träger gesendet, am Empfänger also Stille.
Danach war etwa eine halbe Stunde komplette Funkstille, der Sender abgeschaltet und wahrscheinlich fand da der Umbau auf der HF-Leistungsseite statt, also Anschluss der Antenne an die neue(n) Sendeendstufe(n).
Danach wurde der Sender eingeschaltet, für einige Minuten dann wieder unmodulierter Träger, und wenig später wurde "beinweise" Modulation aufgeschaltet, erst rechts dann links.
Das wars.
 
#9
Ich frage mich, was es denn da noch groß zu erneuern gibt ? :rolleyes: Das hätte vielleicht vor einigen Jahren noch Sinn gemacht, aber im Jahr 2019 halte ich es für sinnvoller vorhandene Gelder in den flächendeckenden DAB+ Ausbau zu investieren. Hier gibt es auch bei den öffentlich-rechtlichen ARD-Anstalten je nach Bundesland noch gravierende Empfangslücken die es in meinen Augen gilt, vorrangig zu schließen, als eine auslaufende, überholte Technik zu fördern :eek:
 
#10
Ich muss nochmal nachsehen ob ich Details finde, was an den Standorten in unserem Sendegebiet erneuert wurde.
Stellenweise wurde auch mehr als due UKW Technik erneuert, Mobilfunk- oder DVB-T2 Antennen waren auch dabei soweit ich das gerade erinnere. Eventuell auch DAB+.
Man muss aber im Hinterkopf behalten dass Firma Uplink wahrscheinlich nur das Notwendige erneuert (hat), was zur Vertragserfüllung notwendig war oder als notwendig erachtet wurde.
Lücken Stopfen aus eigenem Antrieb halte ich jedenfalls für unwahrscheinlich.
 
#11
Ich habe leider keine Information darüber, was Uplink an seinen Standorten an Technik betreibt und was übernommen und was ausgetauscht wurde.
Uplink hat 700 Sender durch neue Worldcast / Ecreso ersetzt:
https://www.worldcastsystems.com/en...s-its-1650th-ecreso-fm-transmitter-to-germany

Röbel / MV (das sind 9 zu bespielende Frequenzen mit bis zu 60 kW ERP!):



https://www.uplink-network.de/einig...oeglicht-schnelle-umstellung-von-ukw-sendern/

Die Meldung darunter hat es in sich: "Unser Stromverbrauch beträgt dort weit über 100 Kilowattstunden pro Jahr, das liegt deutlich über dem Verbrauch von 25 Einfamilienhäusern mit jeweils 4 Personen "

Aha, soso... ich sehe in der Datenbank ca. 100 kW ERP in Summe, teils nicht rundstrahlend. Angesichts der Größe der Antennenanlage http://www.senderfotos-bb.de/roebel.htm schätze ich auf ca. 10 - 15 kW Eingangsleistung in Summe und damit auf ca. 14 - 20 kW dauerhafte Netzleistung inkl. Nebenanlagen. Das summiert sich auf 340 - 480 kWh am Tag und auf 125000 - 175200 kWh im Jahr. Aber stimmt - "das liegt deutlich über dem Verbrauch von 25 Einfamilienhäusern mit jeweils 4 Personen " :D

Leider kann man die Anschriften an den Racks nicht lesen. Da stünden gewiss die Frequenzen. Man sieht aber auch so etwas: links stehen zwei leistungsstarke Sender dieses Typs https://www.worldcastsystems.com/en/c13p28/high-power-fm-transmitters/ecreso-fm-5kw-10kw . In den "Schubladen" stecken immer Endstufen-Module, die man bei laufendem Betrieb einzeln unter geringem Gesamtleistungsverlust und leichter Anpassungsfehler ziehen und tauschen kann. Das merkt der Hörer nicht einmal.

Einer dürfte NDR 2 sein, in Röbel mit 60 kW ERP auf Sendung und dort stäkrste Einzelfrequenz. Der zweite ist möglicherweise 1:1-Redundanz, die "Verrohrung" beider Sender sieht auch nach Redundanzumschaltung am gleichen abgehenden Kabel aus.

Daneben in den Racks sieht man die kleinere Klasse, teils offenbar 1:1. Im hohen mittleren Rack stecken vermutlich 5 autarke Sender (evtl. 4 + eine gemeinsame Redundanz), rechts davon könnten 2 mal 1+1 Konfigurationen sein. Ganz rechts könnten die beiden Privaten stecken, die Ostseewelle hat nur 200 W ERP, das ist vermutlich der kleine unten, der kaum mehr als 300 W Ausgangsleistung maximal haben dürfte und an der Hauptantenne kaum mehr als 20 W leisten müsste.

Sehr kompakter Aufbau, keine externen RDS- oder Stereocoder. Das sieht beim Konkurrenten Divicon teils ganz anders aus. Da wird RDS und MPX teils außerhalb gemacht, mit Technik von 2wcom, Orban oder Deva.

Die Signalzuführung für den NDR dürfte über das DisNet laufen, das betreibt Media Broascast, da sehen wir im Foto gar nichts. Wenn tatsächlich

wenig später wurde "beinweise" Modulation aufgeschaltet, erst rechts dann links.
geschehen ist, dann ist man da sogar analog aus den IP-Audio-Empfängern in die Sender gegangen.

Signalzuführung für DRadio ist ebenfalls Media Broadcast, via Satellit. Auch da sehen wir hier im Foto nichts.

Signalzuführung der Privaten ist gewiss IP und sitzt im rechten Rack möglicherweise in mindestens einem Fall mit drin. Das silberne Gerät mit dem bernsteinfarbenen LCD ist von QBit und könnte ein IP-Audio-Receiver sein. Das blaue Gerät unten mit der seriellen Buchse kann ich spontan nicht zuordnen.

Die Havariezuführungen wären in allen Fällen sehr interessant. ;)

Betrifft das auch die Stereocoder, etc.?
Alles. Bei Ecreso ists wohl gleich immer mit im System drin. Macht der DSP gleich mit...

Hier: https://www.worldcastsystems.com/en/c11p19/low-power-fm-transmitters/ecreso-fm-100w - 100 Watt Ausgangsleistung, an Großsender-Antennenanlagen holt man da bis zu 1 kW ERP raus. Alles drin: RDS, MPX, optionaler 5-Band-Soundprocessor (aua!), Audio-Backup von SD-Karte (das ist doch die Geschäftsidee, die Superhits einfach auf eine SD, die hohlbirnigen Claims gleich dazu, müsste man nur noch nen Shuffle-Mechanismus implementieren und fertig ist das Hitradio ganz ohne Studio).

Ich frage mich, was es denn da noch groß zu erneuern gibt ?
Da standen bis vor wenigen Monaten teils Sendeanlagen an Großsendern, die datierten auf frühe 1990er Jahre... da rechnet sich der Austausch schon aufgrund der eingesparten elektrischen Energie. Heutige Sender laufen im UKW-Bereich mit bis 75% Effizienz von Steckdose bis Ausgang gemessen (auf DAB wegen der extremen Linearitätsanforderungen deutlich weniger).


aber im Jahr 2019 halte ich es für sinnvoller vorhandene Gelder in den flächendeckenden DAB+ Ausbau zu investieren.
Tja, der Mainstream-Markt heißt UKW. Nach wie vor.
 
Zuletzt bearbeitet:
#12
Danke @lg74 Interessant! Erst recht wenn man unter "Sender" noch die hallenfüllenden Gestelle mit Aufschriften wie "Telefunken" und "R&S" kennt.

Der blaue Gerät mit der seriellen Buchse könnte vielleicht was mit RDS zu tun haben. Das aufgedruckte weisse Logo rechts kam mir spontan wie das RDS Logo vor - ist aber leider auch nicht einwandfrei zu identifizieren.

Die Modulationszuführung der speziell am Fernsehturm Schwerin dürfte u.a. auch deshalb noch analog sein, weil es eine Havarieschaltung gibt, die bei Leitungsausfall automatisch ein ISDN-Codec im Schaltraum beim NDR anwählt - eine schon sehr lang bestehende Maßnahme.
Die gibt's natürlich auch mit AES/EBU Anschlüssen, aber Rückfallebenen sind ja oftmals bewusst einfach und robust gehalten.
 
#13
Der blaue Gerät mit der seriellen Buchse könnte vielleicht was mit RDS zu tun haben. Das aufgedruckte weisse Logo rechts kam mir spontan wie das RDS Logo vor - ist aber leider auch nicht einwandfrei zu identifizieren.
Ahhh! Ja! Danke für den Wink mit dem "RDS". Da die Ecreso-Sender RDS von Haus aus können, war ich hier nicht weiter auf die Suche gegangen. Aber natürlich, aus dem gleichen Unternehmen:

https://www.worldcastsystems.com/en/c22p46/rds-encoding/audemat-fmb80



Könnte mit dessen ODA-Support zusammenhängen. Wer braucht da etwas besonderes in Meck-Pomm? TMC wäre ja schon ODA, das hätte der NDR haben müssen, da sehe ich aber keine separate RDS-Kiste...

weil es eine Havarieschaltung gibt, die bei Leitungsausfall automatisch ein ISDN-Codec im Schaltraum beim NDR anwählt
Wie ist das mit der ISDN-Abschaltung geregelt? Für Privatkunden ist doch spätestens dieses Jahr Schluß mit T-ISDN, oder täusche ich mich da? Wird das für Geschäftskunden weiterhin aufrechterhalten?

ISDN-Einwahl geht auch mit aktuellen Codecs als gleich integrierter Havarie-Weg. Der QBit 562 http://www.qbit.de/Audio-Decoders/Q562-IP-Audio-Decoder::5.html kann das beispielsweise. Mir ist ein Netzwerk bekannt, in dem die UKW-Zuführung eines Privatsenders über diese Geräte mit 384 kbps Enhanced apt-X erfolgt und das Backup über eine ISDN-Funkhaus-Einwahl, die dann 64 kbps HE-AAC trötet.

aber Rückfallebenen sind ja oftmals bewusst einfach und robust gehalten
... anderswo gab es bei der ARD inzwischen mehrfach Kanalvertauschungen an einem Großsenderstandort, die wochen- oder montelang unentdeckt blieben. Da wird wohl auch analog gesteckt, auch im aktuellen Setup. :D
 
#14
Ich sag' nur, ISDN ist nicht tot - es riecht nur komisch... Und vor kurzen haben wir eine Sportreportage aus Italien per ISDN abgewickelt, komplett störungsfrei und gleich beim ersten Einwahlversuch erfolgreich. Leider nur mit einem B-Kanal, zwei Kanäle kriegt man mit den ollen Codecs einfach nicht mehr synchron, 4SB ADPCM klingt da aber auch noch ganz gut bei enorm geringer Latenz.

Hausintern bzw. ARD-Weit ist man schon davon weg und nutzt SIP-Verbindungen, wir haben gerade den letzten verbliebenen internen Havarieweg von ISDN auf IP umgeschwenkt.
(Damit geht eine ordentliche Klangverbesserung einher, via IP kann man im Extremfall linear übertragen, wir haben uns nach Tests für 192kBit/s MP2 entscheiden.)
Man grenzt halt externe Nutzer etwas aus, und nötigt sie, sich am ARD SIP Server zu registrieren. Was aber an sich keine echte Hürde darstellt weil es kostenfrei ist.

Was als künftiger Havarieweg zum Fernsehturm genutzt wird weiss ich gerade nicht, ich hab' den Eindruck das wurde bisher eher ausgesessen... Noch bekommt man jedenfalls ISDN Zeitanschlüsse bei Media Broadcast, und den Bestands(groß)kunden wurde noch nicht gekündigt, soweit ich weiß.
 
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