Der "Hit-Container" im Hessischen Rundfunk


#1
Tja, wo sollte diese Liste wohl gepostet werden?
Ach, ich nehme am besten diesen Fred.


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Zur Erläuterung: Der Hit-Container war, als Nachfolger der „Goldenen Hitwochenenden“ im Gegensatz zu jenen eine großangelegte Wunschsendung, in deren Vorfeld zur Einsendung von Hörerwünschen aufgerufen wurde. Die zahlreichen Zuschriften wurden dann von der Redaktion in eine Reihenfolge gebracht, und anschließend – und das war neu – wurde dieser Fahrplan erstellt, der entweder gegen Rückumschlag angefordert oder persönlich bei den Pförtnern der Funkhäuser abgeholt werden konnte.

Gesendet wurde dann mit freundlichen Mitschnittpausen, jeweils in Zweistundenblöcken von den damaligen Top-Moderatoren Schmidt, Hecht, Reinke, Schröder und vielen mehr moderiert. Hier die Leute hinter dem Hit-Container (v. l. im Uhrzeigersinn: Gerhard Quaas, Werner Reinke, ,Atze‘ Schmidt, Hanns Verres, Franz Rüger und Fred Gräfe):

Mannschaft.png

Die ganze Aktion löste beim Ersteller dieses Threads rege Tätigkeit aus: Es mußten Cassetten beschafft werden (C 120, damit viel draufgeht!), mittels gelben Pelikan-Textmarkers (nicht fluoreszierend) wurden – auf einem anderen Exemplar – die mitzuschneidenden Titel gekennzeichnet, und es wurde am zweiten Feiertag außergewöhnlich früh aufgestanden. Stets den dicken Finger auf der Pausentaste. Geht der Titel noch auf diese Seite drauf?! Kleine Tode wurden ausgestanden. Waah! Ein nicht angestrichener Titel! (Warum „waah“? Weil er zwar vom Hören wohlbekannt, jedoch vom Namen her nicht.) Mittagessen an den beiden Feiertagen wurde zum Terminproblem, bei welchen sich mehrmals vom Mittagstische entfernt wurde (damals ein „No-Go“, wie man heute sagen würde). Ach, die vielen Erkennungsmelodien!

Es war ein Fest!
 
#2
Wunderbar!
Auf meiner Seite wurde seinerzeit ein ähnlicher Aufwand getrieben, inklusive intensiver, mehrfacher Durcharbeitung des Fahrplans und Cassetten-Horten. Bei mir fing es allerdings erst in den 80ern an und ich meine, da war Atze schon nicht mehr mit dabei - dafür aber z.B. Koschi.
 
#4
Der ewige Besserwisser schlägt zu (Tschuldigung): Auf dem Bild ganz vorne: Gerhard Quaas, aus Sicht des Betrachters links dahinter Franz Rüger, dahinter Werner Reinke, in der Mitte Hans Karl "Atze" Schmidt, dahinter Hanns Verres - und der Übriggebliebene rechts ist Fred Gräfe. Aber sonst ist alles korrekt ;)
 
#5
Da nich’ für! Es waren mir einige Herren nicht persönlich bekannt und die Beschreibung des Bildes etwas undurchsichtig. Vielleicht mag es ein freundlicher Moderator ja korrigieren. Danke, Onkel!
 
#6
Aber Deine Erlebnisschilderung der Container-Tage, das Band-Bangen, die Aufregung... So plastisch beschrieben, genau so selbst erlebt! Danke, Südfunk!
 
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#7
Damals waren die Hitparade International am Donnerstag eine feste Institution mit der Mittags-Diskotheke der HR, da Herr Reinke selbst das Programm zusammenstellte - der Garant für seinen Erfolg!

Heute undenkbar, dass ein Moderator seine Titel mitbringt, seine Sendung durchgestaltet und gegen den Mainstream verstößt, shocking.....

Selbst Atze (Hans-Karl Schmidt) hielt an seinem Moderationschema bis ins hohe Alter bei seinem Radio Landeck fest, eine Moderation nie langweilig werden zu lassen, es wurde in der Zeitung geblättert (ach - bin ich schon wieder dran?), oder der Einkaufszettel wurde versehentlich als Titelliste verlesen, sind heute noch Klassiker!

Damals ging das und war Grundlage für den €rfolg von Antenne Bayern, FFN & Co.

Hätte man das System so belassen, wären Private nach meiner Meinung nicht so erfolgreich geworden, oder zumindest nicht in der Zeit.

Ich weiß, heute spielen alle nur noch ihre Playlist durch (bis zum Abwinken) und mit Prozessoren wie den VIP-1 klingen alle Stimmen gleich und sind austauschbar.

Mit den Playlists schaufelt man sich das eigene Grab, denn so viele identisch klingende Kanäle braucht niemand, weder musikalisch mit Tötung der Werke durch reinplappern, noch doch permanentes Ausspielen identischer Inhalte.

Wie einer der bekanntesten Moderatoren schon sagte:

Das Deutsche Radio begeht gerade Selbstmord!


R.

BBC Retro Studio.jpg

BBC Retrostudio
 
#9
Nun, den gibt es schließlich auch nicht mehr. Anhand meiner o.g. Beispiele wollte ich die Verbindung schaffen zu dem, was man verbessern oder sich ggf. rückbesinnen könnte.

Gerade wir aus den 1970ern sind heute offen für unsere Zeit und die Darbietung der damaligen Programme.

Ich weiß, alles von gestern, die Zeit bleibt nicht stehen, andere Zeiten ect....

Ja das Gefasel kenne ich, man hört uns aber nicht zu und sendet per Diktat gerade das (Mainstream), womit irgendwer gerade €rfolg hat / hatte und möchte da unbedingt mitschwimmen, kopieren und man klaut Formate, die überall totgespielt werden, bis man gar keinen Sender (mit identischen Inhalten) mehr hören kann.

Früher war nicht alles besser, aber es gab wesentlich mehr Abwechslung, vorgenannte Moderatoren hatten Schaffensfreiheit und drücken nicht selten ihrem Haus ihre Marke auf - heute undenkbar.

Hanns Verres, Achim Graul, Hans-Karl Schmidt, Werner Reinke & Co. die Radio-Stars von damals, sie alle hätten heute null Chance irgendwo auf Sendezeit!

Man wiederholt Playlisten und schottet sich völlig ab gegen andere Konzepte oder externes Personal so, als würde dann die Radiowelt untergehen a neverending Story....

R.
 
#12
Das „Format“, wie heute sagen würden, hatte Erfolg: Am darauffolgenden Ostersonntag gab es „liegengebliebene Hörerwünsche“. Allerdings hatte der Schreiber dieses Beitrags, trotz ständigen hr3-Hörens, das nicht so recht mitbekommen, es wurde auch nicht so intensiv beworben – an diesem Tag war ein Familienausflug in den Odenwald geplant! Sonderprogramm erst kurz vor dem Mittagessen bemerkt, dann die blöde Pause für Rendezvous in Deutschland. Es reichte gerade noch, um, nach dem Essen auf dem Hinweg, im Funkhaus den Fahrplan abzuholen. (O-Ton Hauptpförtner: „Hieär geihts dann weider.“ Und zack! - hat er den Plan beschmiert. Daher die Kugelschreibermarke für nach dem „Ausländerprogramm“ [sic].)

Es floß also beinahe alles via Blaupunkt-Frankfurt-Mono-Autoradio (LMKUU) an mir vorüber. :cry: Erst bei (etwa) Louis Prima saß der Autor wieder vor Radio und Cassettenrecorder. Dann seine Hochrechnung: Klasse es reicht mindestens bis …! Und was macht der Reinke dann?! Er labert zu jedem Titel irgendeine Geschichte, die ihn, Schulbub, nicht die Bohne interessierte! Slow Motion war wohl der letzte Titel, der lief. Trotzdem die Welt-Absage: „Vielen Dank auch dem Architekten, daß er das Funkhaus hingestellt hat, sonst hätten wir im Freien senden müssen bei diesem Wetter.“

(Übrigens läßt sich anhand der Titelfolge nachvollziehen, bis zu welcher Stelle der Weihnachts-Hitcontainer seinerzeit kam. Habt Ihr sie schon gefunden?)


Hit-Container 78O.png
 
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