ARI / Hinz-Triller


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#51
@hinztriller

Das mit dem automatischen Aus-Schalten des ARI auf Seite des "HT-Steuersignal-Empfängers" bei "Vergesslichkeit des Moderators" nach 6 min kann ich nicht ganz glauben.
Diverse Kollegen haben es schon geschafft, den ARI 30 min. stehen zu lassen und haben sich dann gewundert, warum um "Halb" der ARI nicht funktionierte ;)
 
#53
AW: ARI / Hinz-Triller

ARI gab's nicht nur in CH, D und A! Sondern auch in der DDR (Radio DDR-1/IUP hatte ein ganz besonders reizendes Verkehrsfunk-Signal, die Verkehrsmeldungen wurden unter dem Titel "Radio DDR-Verkehrsservice" angekündigt) und in der CSSR. Der Tschechoslowakische Rundfunk führte - wenn ich mich recht erinnere - ARI im Jahr 1986 ein. Verkehrsfunk gab's im landesweiten (d.h. im gesamten "Bundesgebiet" der CSSR) zu hörenden Programm, das tschechisch "Hvezda" und slowakisch "Hviezda" (zu deutsch: 'Stern') hieß. Der Verkehrsfunk hieß "Zelena vlna Hvezdy" ('Grüne Welle des Sterns'). Besonders nett: die CSSR hatte ihren UKW-Hörfunk im OIRT-Band zwischen 65,9 und 73,1 MHz. Das heißt: in der CSSR gab's ARI im OIRT-UKW-Band! Der Staatskonzern TESLA produzierte ARI-taugliche Autoradios allerdings erst nach großer Verzögerung. Zu Beginn waren nur drei UKW-Sender von "Hvezda" ARI-tauglich, eben die, die Autofahrer auf der viel befahrenen Autobahn D1 Prag (Praha)-Brünn (Brno)-Peßburg (Bratislava) mit "Hvezda" auf UKW versorgten: Praha-Cukrak 66,83 MHz, Brno-Kojal 71,87 MHz und Bratislava-Kamzik 67,76 MHz. Alle anderen (OIRT)-UKW-Sender kam später dran.
 
#54
AW: ARI / Hinz-Triller

Zitat von progresson:
ARI gab's nicht nur in CH, D und A! Sondern auch in der DDR (Radio DDR-1/IUP hatte ein ganz besonders reizendes Verkehrsfunk-Signal, die Verkehrsmeldungen wurden unter dem Titel "Radio DDR-Verkehrsservice" angekündigt)
...
Der Tschechoslowakische Rundfunk führte - wenn ich mich recht erinnere - ARI im Jahr 1986 ein. Verkehrsfunk gab's im landesweiten (d.h. im gesamten "Bundesgebiet" der CSSR) zu hörenden Programm, das tschechisch "Hvezda" und slowakisch "Hviezda" (zu deutsch: 'Stern') hieß.
...
Der Staatskonzern TESLA produzierte ARI-taugliche Autoradios allerdings erst nach großer Verzögerung.
Ach ja, der Zonendödel. Dabei beachte man, daß der bei den zutreffenden Programmen mit einem Steuersignal für den ARI-Coder gekoppelt war, das dem Hinztriller ähnelte, aber anders beschaffen war. Bei den "unzutreffenden" Programmen gab es den Zonendödel dann ohne Triller. Wie sich der DDR-Triller anhörte, dazu konsultiere man die beigefügte Rarität, aus der die hier interessierende Stelle herauszuschneiden ich einfach nicht übers Herz bringe.

Zur "Hvezda" sollte man vielleicht noch erwähnen, daß daraus nach dem Systemausfall das heutige Radiozurnal wurde. Wenn wir einmal dabei sind: Stimmt es, daß OIRT-Bandsender auf die heutigen Frequenzen im CCIR-Band umgestellt worden sind, oder ist das Zeug rausgeflogen und durch neue Sender ersetzt worden?

Die Verzögerung in der Herstellung geeigneter Geräte betraf übrigens auch die DDR, und beim ersten entsprechenden Gerät beschränkte sich die ARI-Funktionalität auf die gelbe Lampe sowie die Möglichkeit einer Stummschaltung. Dieses Erzeugnis wurde seinerzeit im Eulenspiegel als "dein schweigender Begleiter" regelrecht verhöhnt. Waren übrigens die besagten Tesla-Radios wenigstens dualbandfähig...?
 
#55
AW: ARI / Hinz-Triller

Sabber, lechtz! Wer hat Aufnahmen davon? Aufnahmen von DDR-Verkehrsservice (mit ARI-Pieps) und was aus dem tschechischen Radio?

Soweit ich mich erinnern kann, hatte der ARI-Pieps in der Schweiz einen ganz extrem hohen Klang (zumindest war das 1989 so, als ich das letzte Mal da war). In Österreich war er etwa doppelt so hoch wie in Deutschland, aber nicht ganz so hoch wie in der Schweiz.

Als ich 2000 in Dänemark war, habe ich dort auch einen ARI-Pieps gehört (ich glaube bei DR P3), aber der klang auch etwas höher als unserer.

Aber wie gesagt: wenn jemand ein paar historische Aufzeichnungen hat, ich habe Interesse.
 
#56
AW: ARI / Hinz-Triller

@Gelb: Richtig, hier in der Schweiz gab es 2 kurze 15 kHz Töne zum Steuern des ARI Coders, das ging aber nur, wenn keine Modulation da war. Mittlerweile ist das alles über Steuerleitungen unhörbar gelöst
 
#57
AW: ARI / Hinz-Triller

@progresson

Senden die Sender dort eigentlich immernoch unterhalb "unseres" UKW-Bandes, oder haben die sich angeglichen ?

Christoph
 
#59
AW: ARI / Hinz-Triller

Zitat von Gelb:
Sabber, lechtz! Wer hat Aufnahmen davon? Aufnahmen von DDR-Verkehrsservice (mit ARI-Pieps) und was aus dem tschechischen Radio?
Zum ARI-Triller der Deutschen Post (der DDR) siehe die obenstehende Aufnahme von der Elbe-Saale-Welle, dem Regionalprogramm aus Halle. Dabei ist wohlgemerkt der Dödel nur eine Art Jingle, das Steuersignal ist der vorangehende Ton, den man noch näher analysieren müßte; auf den ersten Blick scheint er übrigens aus sechs Impulsen zu bestehen.

Dazu vielleicht noch interessant: Der Dödel selbst klang im Studio Dresden etwas höher und schneller, siehe den beigefügten Mitschnitt von 1990 (eine Aufnahme von Sachsenradio 2 liegt mir leider nicht vor :D). Das wirft natürlich die Frage auf, wie die Dödelmaschine eigentlich funktionierte. Und weiß zufälligerweise jemand, wo sich das Studio Dresden genau befand? Man sagt, im Hygienemuseum, stimmt das wirklich?? Als Anschrift angegeben war die Lingnerallee, aber zur Hausnummer habe ich gerade nichts zur Hand.
 
#60
AW: ARI / Hinz-Triller

Zitat von Hinztriller:
@Gelb: Richtig, hier in der Schweiz gab es 2 kurze 15 kHz Töne zum Steuern des ARI Coders, das ging aber nur, wenn keine Modulation da war.
Das ist beim --- genau dem :D:D:D --- ohne Einschaltung eines Kerbfilters ja nicht anders. Man beachte, wie beim DLF extra deshalb das Mikro des Ansagers zu- und wieder aufgemacht wird, obwohl es nur eine sehr bescheidene Modulation aus der Klimaanlage und ggf. auch summenden Kommandolautsprechern liefert.


Zitat von c.rothe:
@progresson

Senden die Sender dort eigentlich immernoch unterhalb "unseres" UKW-Bandes
Schon seit Mitte der 90er Jahre nicht mehr. Seitdem kann man tschechisches Radio auf UKW bis Cottbus hören, was seinerzeit sogar Anlaß zu Zeitungsartikeln über Autoradios gab, die auf einmal lauter tschechische und polnische Töne ausspucken. In den alten Tagen ging das nicht, denn Radios mit OIRT-Band waren in der DDR fabotn. Deshalb wird hierzulande auch kaum jemand UKW-Mitschnitte von damals haben.


Zitat von Hinztriller:
@c.rothe: Die meissten sind weg, eigentlich sollten alle weg sein, aber es gibt noch ein paar Stationen, die im OIRT Bereich senden:
http://main.infin.ro/funkforum/redaktionen-pecs.html
Das ist aber Ungarn. In der Tschechei und der Slowakei gibt es, wie gesagt, schon seit Jahren keine Sender im OIRT-Band mehr.

Und anbei noch die letzten Zuckungen der letzten noch im Einsatz gewesenen Dödelmaschine vom Juni 1993, mit demselben Ansager wie Jahre zuvor bei der Elbe-Saale-Welle.
 
#61
AW: ARI / Hinz-Triller

ja, seit ende der 1970er jahre waren grundsätzlich a l l e ukw-taglichen radios von TESLA (konkreter: TESLA BRATISLAVA) sogenannte "dvounormove prijimace" (zwei-normen-empfänger). entweder gab's bei den TESLA-radios eine normumschaltung VKV-1 (OIRT) / VKV-2 (CCIR) und für beide bänder getrennte skalen oder es gab eine gesamte ukw-skala von 65,9 - 104 (bzw. 108) mhz mit unterdrückung (stummschaltung) oder manche bei manchen typen auch auslassung des zwischenbandes von 73,2 - 87,5 mhz.

zur geschichte von "HVEZDA" (bzw. slowakisch "HVIEZDA"). dieses föderale programm (die sprecher redeten abwechselnd tschechisch und slowakisch) von ceskoslovensky rozhlas hatte eine reiche vorgeschichte. zuerst hieß dieses programm "praha 2" (der hauptsender stand seit 1937 in melnik nördlich von prag), dann - in den frühen 1950er jahren - wurde daraus das programm bzw. die programme "okruh M" und "okruh R" (okruh = sendernetz, M von modry 'blau', R von rudy 'rot' - benannt nach der farbe des steckers im hauptschaltfeld). dann wurden diese beiden programme wieder umstrukturiert und "praha 2" war wieder da - aber nicht lange. aus "praha 2" wurde bald das programm "ceskoslovensko", ab 1962 wurde es "ceskoslovensko 1" genannt - denn auf ukw nahm ein neues kulturprogramm namens "ceskoslovensko 2" seinen sendebetrieb auf. nach der niederschlagung des prager frühlings im sommer 1968 wurde aus "cs 2" das "treti program" (3.programm) und aus "cs 1" wurde wieder "cs". "cs" wurde am 1.september 1970 schließlich in "HVEZDA" umbenannt. nach der samtenen revolution von 1989 wurde aus "HVEZDA" wieder vorüberhehend "ceskoslovensko". genau bis zum 1.1.1993, denn da brach die tschechoslowakei auseinander. cesky rozhlas führte das programm unter dem titel "radiozurnal" fort, heute heißt's amtlich "cesky rozhlas 1 - radiozurnal". voilà!

das bezirksstudio dresden war tatsächlich im gebäude des hygienemuseums untergebracht!
 
#62
AW: ARI / Hinz-Triller

aaaalso: das original RADIO DDR-VERKEHRSSERVICE- steuersignal hab ich daheim auf CD.

auch das tschechoslowakische vor einführung von ARI im sommer 1987 und danach...
 
#63
AW: ARI / Hinz-Triller

ja logo! wie geschrieben: in einigen staaten (rußland, ukrainie, weißrußland, armenien, georgien, kasachstan... rumänien, ungarn, bulgarien) arbeiten bis heute ukw-sender in beiden bändern!
 
#64
AW: ARI / Hinz-Triller

also: die UKW-sender der tschechoslowakei waren zuerst allesamt sender der baureihe TESLA FM 1 (0,8 kw) von TESLA HLOUBETIN, später meist ersetzt durch stärkere anlagen vom typ TESLA FM 4 (4 kw) bzw. TESLA FM 10 (8 kw). in der tschechoslowakei wurde übrigens zuerst das fernsehen (1.mai 1953) und erst weit später der ukw-hörfunk eingeführt. die erste ausbaustufe des ukw-netzes war erst 1961/62 abgeschlossen! in den frühen 70ern stellte TESLA HLOUBETIN stereosender vom typ TESLA FM 2 S (2 kw) vor, die mit einer leistungsendstufe zu TESLA FM 8 S (8 kw) erweitert werden konnten. von diesen sendern wurden nur wenige gebaut, z.b. wurden zwei FM 2 S am standort liberec (reichenberg) auf dem jested (jeschken) montiert. da sich die stereosender von TESLA nicht bewährten, stellte man die produktion bald völlig ein. die radiokommunikationsverwaltungem SRP (tschechien) und SRB (slowakei) liessen fortan ihre ukw-sender aus polen importieren von den ZAklady Radiowe i Telewizyjne (ZARAT). bestellt, geliefert und montiert wurden in den 70er und 80er jahren stereosender vom typ ZARAT NRU 6 (6 kw) und ZARAT NRU 3 (3 kw). später kamen auch sender vom typ NRU 10 (10 kw) in die CSSR. NRU kommt von NADAJNIK RADIOFONICZNE UNIWERSALNY (universeller radio-sender). diese polnischen ZARAT-sender sind in tschechien und in der slowakei zum teil heute noch im einsatz. das U steht für "uniwersalny", d.h. es war ein leichtes, diese sender von ihren frequenzen im OIRT-band auf neue frequenzen im CCIR-band umzustimmen. eigentlich wurden diese UKW/FM-sender von den fernsehsendern abgeleitet...
 
#65
AW: ARI / Hinz-Triller

Zitat von Gelb:
Sabber, lechtz! Wer hat Aufnahmen davon? Aufnahmen von DDR-Verkehrsservice (mit ARI-Pieps) und was aus dem tschechischen Radio?

Soweit ich mich erinnern kann, hatte der ARI-Pieps in der Schweiz einen ganz extrem hohen Klang (zumindest war das 1989 so, als ich das letzte Mal da war). In Österreich war er etwa doppelt so hoch wie in Deutschland, aber nicht ganz so hoch wie in der Schweiz.

Als ich 2000 in Dänemark war, habe ich dort auch einen ARI-Pieps gehört (ich glaube bei DR P3), aber der klang auch etwas höher als unserer.

Aber wie gesagt: wenn jemand ein paar historische Aufzeichnungen hat, ich habe Interesse.


in der CSSR begann der verkehrsfunk eigentlich im jahr 1974 (im glaube es war im märz). unter dem titel "ZELENA VLNA" ('grüne welle') wurden freitags und sonntags von nachmittag bis abend pop-musik, verkehrsmeldungen, nachrichten, reportagen und kurzberichte gesendet. gedacht war die ZELENA VLNA für autofahrer in prag und umgebung. warum wurde die ZELENA VLNA eingeführt? nun, deswegen, weil am freitag die massenfucht der prager stadtbewohner in ihre wochenendhäuschen (chaty, chalupy - d.h. datschen) im umland begann und die ausfallstrassen hoffnungslos verstopft waren. und am sonntag wiederholte sich der ganze zirkus, dann aber in umgedrehte richtung, also rein nach prag. die ZELENA VLNA wurde vom tschechoslowakischen rundfunk in zusammenarbeit mit der polizei "VB" ("verejna bezpecnost" - 'öffentliche sicherheit') produziert. regelmäßig wurden hubschrauber zur beobachtung der verkehrssituation engesetzt. zu empfangen war die ZELENA VLNA über UKW 66,83 mhz vom sender cukrak südlich von prag und über MW 1070 khz von den sendern zbraslav und mnichovo hradiste. diese drei sender klinkten sich einfach aus dem regulären programm "HVEZDA" aus. kurze zeit später kamen regelmäßige verkehrsdurchsagen immer nach den nachrichten auch landesweit auf HVEZDA - ähnlich wie bei "bayern 3" oder "Ö3". die verkehrshinweise kamen aus einem eigenen verkehrsstudio namens "ZELENA VLNA HVEZDY"...
die regionale ZELENA VLNA lief auch noch nach der wende, wurde aber inzwischen eingestellt.
 
#66
AW: ARI / Hinz-Triller

@k6: Beim DLF steuert der Hinztriller NICHT mehr das TA Signal, das geht separat über die RDS Leitung, es ist nur noch zur akustischen Abtrennung der Nachrichten vom Verkehrsservice, eigentlich wird es nicht mehr benötigt. Daher müsste das Mikro nicht zugezogen werden.
 
#67
AW: ARI / Hinz-Triller

Übrigens, ihr müsst Euch mal Verkehrsfunk beim RAI Sender Bozen anhören, da werden Analoge Steuertöne en masse gesendet. Danach irgendwelche Geräusche die wie ein Faxgerät klingen und zum Sendeschluss gibt es wohl auch irgendwelche Dudeleien um RAI MF 3 aufzuschalten. Grandios. Ich hab irgendwo nen Mitschnitt...
 
#68
AW: ARI / Hinz-Triller

die OIRT-ukw-sender der CSSR sendeten übrigens nicht nur ARI-steuersignale, sondern auch diverse andere steuersignale. ich glaube, sie dienten u.a. zum umschalten z.b. von warmwasserboilern von tag- auf nachtstrom und umgekehrt. hörbar war ein solches steuersignal (langes piepsen) auf HVEZDA nach den 8-uhr nachrichten gegen 8:07 uhr und wenn ich mich recht erinnere wieder nach den 21-uhr-nachrichten.
 
#69
AW: ARI / Hinz-Triller

Zitat von Hinztriller:
@k6: Beim DLF steuert der Hinztriller NICHT mehr das TA Signal, das geht separat über die RDS Leitung, es ist nur noch zur akustischen Abtrennung der Nachrichten vom Verkehrsservice, eigentlich wird es nicht mehr benötigt.
Alles schonmal dagewesen, und zwar bei MDR info, als man von einer UKW-Verbreitung wohl nicht einmal zu träumen wagte. Stationvoice war damals (1995) übrigens Steffen Hampel.

Es könnte allerdings sein, daß der gellende Hinztriller nicht immer nur reines On-Air-Design war, denn wenn ich mich recht entsinne wurden die Nachrichten von MDR info auch in der "Dreiländernacht" der MDR 1-Programme übernommen, und zwar in Form der für die Mittelwellensender bestimmten Modulation, d.h. mit dieser starken Dynamikkompression. Hatte sich natürlich gut gemacht :rolleyes:
 
#70
AW: ARI / Hinz-Triller

Zitat von Hinztriller:
Übrigens, ihr müsst Euch mal Verkehrsfunk beim RAI Sender Bozen anhören, da werden Analoge Steuertöne en masse gesendet. Danach irgendwelche Geräusche die wie ein Faxgerät klingen und zum Sendeschluss gibt es wohl auch irgendwelche Dudeleien um RAI MF 3 aufzuschalten. Grandios. Ich hab irgendwo nen Mitschnitt...
Zur Ermunterung, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, gehe ich mit dem Beginn des Mittelwellen-Nachtprogramms in Vorleistung. Nach den ersten Signalen muß man die Ohren spitzen (etwa bei 0'01, 0'07 und 0'11), dann trötet das Fax los.
 
#71
AW: ARI / Hinz-Triller

Zitat von progresson:
in der tschechoslowakei wurde übrigens zuerst das fernsehen (1.mai 1953) und erst weit später der ukw-hörfunk eingeführt. die erste ausbaustufe des ukw-netzes war erst 1961/62 abgeschlossen!
Da waren sie möglicherweise noch vergleichsweise früh dran. Es wurden jedenfalls in der DDR in den 60er Jahren noch Exportversionen von Rundfunkempfängern gebaut, die kein UKW-Teil hatten, da zu diesem Zeitpunkt in den belieferten Ländern nutzlos.


Zitat von progresson:
da sich die stereosender von TESLA nicht bewährten, stellte man die produktion bald völlig ein. die radiokommunikationsverwaltungem SRP (tschechien) und SRB (slowakei) liessen fortan ihre ukw-sender aus polen importieren von den ZAklady Radiowe i Telewizyjne (ZARAT). bestellt, geliefert und montiert wurden in den 70er und 80er jahren stereosender vom typ ZARAT NRU 6 (6 kw) und ZARAT NRU 3 (3 kw). später kamen auch sender vom typ NRU 10 (10 kw) in die CSSR. NRU kommt von NADAJNIK RADIOFONICZNE UNIWERSALNY (universeller radio-sender). diese polnischen ZARAT-sender sind in tschechien und in der slowakei zum teil heute noch im einsatz.
Hierzulande wohl nicht mehr. Es könnte aber sein, daß Radio PSR, Antenne Thüringen und Radio SAW ihre ersten Schritte über ZARAT-Sender gegangen sind. Der originale Sender 102,6 MHz auf dem Berliner Fernsehturm war jedenfalls definitiv einer.

Und die hervorragende Qualität der angesprochenen UKW-Sender ist auch hierzulande bekannt; ihr Tonfrequenzgang soll eine Katastrophe gewesen sein, was seitens Tesla natürlich bestritten wurde. Auf einem anderen Blatt steht dabei allerdings die Qualität der Signale, die den Sendern zugeführt wurden; wie mir erzählt wurde waren zwischen den Berliner Sendern und denen in der Republik z.T. deutliche Qualitätsunterschiede zu hören, und eine andere Überlieferung weiß von einer Messung, die erbrachte, daß in Dresden oberhalb von 12 kHz nichts mehr ankam. Wenn wir wieder ins Böhmische gehen: E+M soll ausgesprochen lausig geklungen haben.
 
#72
AW: ARI / Hinz-Triller

Soweit ich weiß, gab es mit der (Ton-) Qualität der polnischen UKW-Sender von ZARAT keine größeren Probleme - zumindest nach dem Aufbau neuer Richtfunkstrecken zwischen den beiden nationalen Funkhäusern in Prag und Bratislava, zwischen den zwei Funkhäusern und den Regionalstudios sowie zwischen den Funkhäusern/Studios und den Sendern Ende der 1960er Jahre. Anfang/Mitte der 1960er Jahre gab's dagegen z.T. noch enorme Probleme mit der Tonqualität. Während die beiden UKW-Sender am Standort Prag-Cukrak einen guten Frequenzgang hatten, war die Tonqualität der Sender in der Provinz z.T. miserabel. Der Cukrak war mit dem Funkhaus in Prag über eine relativ kurze Modultationsleitung (Post-Kabel) verbunden. Bei den anderen UKW-Sendern kam's aufgrund der dürftigen Richtfunkverbindungen zu häufigen Totalausfällen der Modulationszuführung. Besonders die Sender in der Sowakei auf den hohen Berggipfeln der Tatra mußten darunter leiden.
Auf dem Programm HVEZDA lief tagtäglich um 2:30 Uhr ein Meßton zur Kontrolle der Qualität des Sendernetzes. Diese Messungen dauerten 5 Minuten - für den Hörer schrecklich!

Auch TESLA lieferte noch lange netzbetriebene Tischradios o h n e UKW. Tragbare Radios, Taschen-Radios und Autoradios ("Spider") ohne UKW gab's bis zur Pleite des tschechoslowakischen Monopol-Radioherstellers TESLA BRATISLAVA Anfang der 1990er Jahre.

Wer die UKW-Sender der CSSR (OIRT und CCIR) hörte, dem fiel auf, dass diese trotz hoher Feldstärke verwirrend "leise" klangen. Das war deswegen so, weil der Frequenzhub der tschechischen und slowakischen UKW-Sender wesentlich unter den im Westen üblichen 75 kHz lag! Erst Anfang der 1990er Jahre wurde dieser "Mißstand" behoben. Die Senderdichte im doch sehr schmalen OIRT-UKW-Frequenzband war sehr hoch, die Sender lagen z.T. gefährlich nah beieinander (z.B. Brno 66,20 MHz und Ostrava 66,32 MHz) - wohl um gegenseitige Störungen zu verringern hat man einen derart schwachen Frequenzhub bei der Modulation der UKW-Sender gewählt.

Das Jugendprogramm "EM" (manchmal erscheint auch der Name "E+M") wurde am 4.September 1989 gestartet. Der Name leitet sich ab von den Jugendsendungen "Mikroforum" des Tschechischen Rundfunks (Station "Praha") und "Radio Elán" des Slowakischen Rundfunks (Station "Bratislava") ab. Das föderale (gesamtstaatliche) "EM" übernahm zwischen Nachmittag und Mitternacht die beiden erwähnten Jugendsendungen und sendete daneben Eigenprogramme aus den Funkhäusern in Prag und Bratislava. Zu hören EM vor allem in einigen Teilen Böhmens über Mittelwelle 1071 kHz - ansonsten auf UKW. Vom Standort Dubnik bei Kosice in der Ostslowakei verbreitete EM ein OIRT-UKW-Sender auf 67,16 MHz (TESLA FM 2 S), am Standort Cukrak bei Prag war ein ZARAT NRU 6 B auf 100,7 MHz im Einsatz. Alle anderen UKW-Sender (insgesamt 17) bestanden aus selbstgebauten UKW-Erregerstufen ohne Leistungsendstufe, sie hatten deswegen meistens nur eine Ausgangsleistung von etwa 50 Watt. Mitarbeiter der Správa radiokomunikací Praha (verantwortlich für die tschechischen Sender) und der Správa rádiokomunikácií Bratislava (slowakische Sender) nahmen sich die in den ZARAT-Sendern befindliche Erregerstufe zum Vorbild und bauten sie einfach nach. Mit der Tonqualität der EM-UKW-Sender war eigentlich alles OK, nur eben der schwache Frequenzhub war für bundesdeutsche Ohren (und wohl auch für DDR-Ohren) gewöhnungsbedürftig.

Zu diesem ZARAT NRU 6 B auf dem Cukrak noch ein paar Zeilen: der Sender stand dort als Reserve rum. Dann wurde er 1984 auf 102,5 MHz abgestimmt und am 1.Dezember 1984 erstmals versuchsweise eigenschaltet. Mit ihm sollte in Feldversuchen ARI getestet werden. Am 1.März 1985 ging dieser Sender schließlich in Dauerbetrieb - er verbreitete HVEZDA in ARI-Version. Am 15.Januar 1987 wurde dann ARI in der CSSR o f f i z i e l l eingeführt - auch auf den OIRT-UKW-Sendern (anfangs nur Praha-Cukrak 66,83, Brno-Kojal 71,87 und Bratislava-Kamzik 67,76 MHz). Die Antenne des CCIR-UKW-Senders auf dem Cukrak befand sich übrigens noch bis vor kurzem an einem Behelfsmasten und nicht am 190 Meter hohen Trägerturm der Fernseh - und OIRT-UKW-Sendeantennen. Dem ersten CCIR-UKW-Sender auf dem Cukrak folgten rasch weitere: Bratislava-Kamzik 101,8 MHz, Ostrava-Hostalkovice 101,4 MHz...
(NB: Der NRU 6 B auf dem Cukrak wurde später von 102,5 MHz auf 100,7 MHz umgestimmt!)

Am 1.Mai 1986 startete der Tschechoslowakische Rundfunk über die CCIR-UKW-Sender Praha 102,5, Bratislava 101,8 und Ostrava 101,4 MHz sowie über Mittelwelle Brno-mesto (Komarov) 1485 kHz (1 kW) das neue Programm MELODIE (bzw. slowakische MELÓDIA). MELODIE sendete von 16:55 bis Mitternacht ausschließlich leichte Orchester- und Instrumentalmusik sowie stündlich Nachrichten (von HVEZDA übernommen). Produziert wurde MELODIE/MELÓDIA beim Slowakischen Rundfunk im Funkhaus Bratislava. Am 1.Januar 1987 sendeten obige vier Sender und ein neu hinzugekommener in Hradec Kralove-Hodesovice (102,7 MHz) von 7 bis 14 Uhr das für Touristen gedachte INTERPROGRAM RADIA PRAHA, von 14 bis 16:55 HVEZDA und von 16:55 bis Mitternacht MELODIE.

(NB: Als am 4.September 1989 das Jugendprogramm EM eigenführt wurde, wurde MELODIE auf andere UKW-Sender verlagert!)
 
#73
AW: ARI / Hinz-Triller

interesse an mitschnitten aus der CSSR? gern! hab's gestern nochmal gehört: es gab auf HVEZDA/HVIEZDA ab Januar 1987 einen ganz eigenen "hinz"-triller, gefolgt von kennmelodie, einem elektronischen "gedüdel".
 
#74
Tschechoslowakei und DDR in den 80er Jahren

Zitat von progresson:
Auf dem Programm HVEZDA lief tagtäglich um 2:30 Uhr ein Meßton zur Kontrolle der Qualität des Sendernetzes. Diese Messungen dauerten 5 Minuten - für den Hörer schrecklich!
Bei Radio DDR 1 nahm man sich dafür gleich eine Viertelstunde, von 3.45 bis 4.00 Uhr, wenngleich möglicherweise nur einmal pro Woche. Das wurde erst in den 80er Jahren fallengelassen. Dafür gab es dann immer noch den fast schon legendären Putzvormittag ("8.00-12.00 Uhr über alle UKW-Frequenzen nur Mono-Empfang").


Zitat von progresson:
Wer die UKW-Sender der CSSR (OIRT und CCIR) hörte, dem fiel auf, dass diese trotz hoher Feldstärke verwirrend "leise" klangen. Das war deswegen so, weil der Frequenzhub der tschechischen und slowakischen UKW-Sender wesentlich unter den im Westen üblichen 75 kHz lag! Erst Anfang der 1990er Jahre wurde dieser "Mißstand" behoben. Die Senderdichte im doch sehr schmalen OIRT-UKW-Frequenzband war sehr hoch, die Sender lagen z.T. gefährlich nah beieinander (z.B. Brno 66,20 MHz und Ostrava 66,32 MHz) - wohl um gegenseitige Störungen zu verringern hat man einen derart schwachen Frequenzhub bei der Modulation der UKW-Sender gewählt.
Dieser entsprach dann sicher der sowjetischen Norm von maximal 40 kHz. Umso interessanter, daß trotzdem das "westliche" Pilottonverfahren benutzt wurde und nicht die sowjetische Stereonorm (kein Pilotton, Differenzsignal nicht auf 38 kHz, sondern etwas tiefer; wird als Polarmodulation bezeichnet).


Zitat von progresson:
Das Jugendprogramm "EM" (manchmal erscheint auch der Name "E+M") wurde am 4.September 1989 gestartet. Der Name leitet sich ab von den Jugendsendungen "Mikroforum" des Tschechischen Rundfunks (Station "Praha") und "Radio Elán" des Slowakischen Rundfunks (Station "Bratislava") ab. Das föderale (gesamtstaatliche) "EM" übernahm zwischen Nachmittag und Mitternacht die beiden erwähnten Jugendsendungen und sendete daneben Eigenprogramme aus den Funkhäusern in Prag und Bratislava.
Also gewissermaßen die tschechoslowakische Version von "Hallo und DT64 auf Ultrakurzwelle", deren Entwicklung zu Ende war, bevor sie sich zu so etwas wie Jugendradio DT64 mausern konnte.


Zitat von progresson:
Alle anderen UKW-Sender (insgesamt 17) bestanden aus selbstgebauten UKW-Erregerstufen ohne Leistungsendstufe, sie hatten deswegen meistens nur eine Ausgangsleistung von etwa 50 Watt. Mitarbeiter der Správa radiokomunikací Praha (verantwortlich für die tschechischen Sender) und der Správa rádiokomunikácií Bratislava (slowakische Sender) nahmen sich die in den ZARAT-Sendern befindliche Erregerstufe zum Vorbild und bauten sie einfach nach. Mit der Tonqualität der EM-UKW-Sender war eigentlich alles OK, nur eben der schwache Frequenzhub war für bundesdeutsche Ohren (und wohl auch für DDR-Ohren) gewöhnungsbedürftig.
Einer dieser Sender stand auf dem Keilberg, Frequenz war wohl 103,5 MHz. Konnte trotz seiner bescheidenen Leistung mit entsprechender Antenne noch in Halle gehört werden.

Auch hier ist die Parallele offensichtlich, denn für "Hallo und DT64 auf Ultrakurzwelle" wurden auch über die bestehenden UKW-Standorte der DDR verstreute Kleinsender betrieben, deren Strahlungsleistung damals üblicherweise auf 1 kW beziffert wurde, wobei offenbleibt, ob es sich dabei um authentische Angaben oder um Spekulatius handelte. Die Tonqualität dieser Sender soll ausgesprochen miserabel gewesen sein (hoher Klirrfaktor, soweit das aus Erzählungen zu entnehmen ist), was ganz besonders bei den Parallelausstrahlungen mit dem Berliner Rundfunk auffiel. Was da für Sender benutzt wurden (und ob die schlechte Qualität nicht den Leitungen zuzuschreiben war), das bliebe auch noch zu klären.


Zitat von progresson:
Am 1.Mai 1986 startete der Tschechoslowakische Rundfunk über die CCIR-UKW-Sender Praha 102,5, Bratislava 101,8 und Ostrava 101,4 MHz sowie über Mittelwelle Brno-mesto (Komarov) 1485 kHz (1 kW) das neue Programm MELODIE (bzw. slowakische MELÓDIA).
Da war man wohl generell etwas, wie man so sagen würde, innovationsfreudiger als der Rundfunk der DDR, dem erst seine brachliegende UKW-Frequenz in Berlin (95,05 MHz) diesbezüglich dann doch noch ein wenig auf die Sprünge half.


Und noch eine Quizaufgabe für die Spezialisten: Wie wurde der Effekt in der ID von "Hallo und DT64 auf Ultrakurzwelle" erzeugt? Ist, so würde ich jedenfalls denken, ein absoluter Klassiker.
 
#75
Interesse!

Zitat von progresson:
interesse an mitschnitten aus der CSSR? gern!
Gleich hierüber oder sollte eine konspirative Übergabe vereinbart werden?

Hier hätten wir übrigens Radio Alfa (schön mit Knöpfchendrücken :D), den Frequenzvorgänger von Radio Impuls, dem aus Gründen, an die ich mich jetzt nicht im Detail erinnern kann, die Lizenz entzogen wurde. Die Aufnahme stammt von 1993 und dem Sender Plzen/Krasov; Usti/Bukova hora lief damals noch im OIRT-Band. Dort wurde, wenn ich mich recht entsinne, 102,0 MHz (also die Frequenz des heutigen Radio Impuls) dann zuerst mit einem Programm von CRo (Alzheimer....... aber müßte Vltava gewesen sein) getestet.
 
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Nicht offen für weitere Antworten.
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