Karriereziel "Es bei einem der 'großen' Internetradios schaffen"?


Status
Für weitere Antworten geschlossen.
Durch einen Beitrag im Thread "Moderator sucht Webradio" kam mir ein Gedanke in den Sinn, den ich hier zur Diskussion stellen möchte, ohne den eigentlichen Thread zu verwässern.

@killed_by_video fragte einen Moderator mit Such- bzw. Wechselabsichten:
Nur aus Interesse...wenn du es doch schon zu den wirklich Großen der Szene geschafft hattest (...) - warum dann immer nur kurz und nicht mehr?
Was versprichst du dir von kleineren Sendern?
Gegenfrage: Sind die sogenannten "Großen" - die Definition sei dahingestellt - denn wirklich ein erstrebenswertes "Karriereziel" im Webradio-Bereich?

Eine Stichprobe bei einem Sender am Freitag "zwischen den Jahren" zur prime time ergab: Die wenigsten Spartenkanäle waren von Moderatoren besetzt; die meisten Sendepläne so leer wie bei einem miesen Webradingens™.
Als ich dann doch noch etwas moderiertes fand, hatte ich das Vergnügen mit einem "Teamleiter" (der, vielleicht bin ich da zu naiv, auch so etwas wie ein Vorbild sein sollte) - und wurde bitter enttäuscht.

Wäre so eine Hörprobe von irgend einem x-beliebigen Webradio hier zur Bewertung eingestellt worden, hätte die Mehrzahl der hiesigen Nutzer mit einem funktionierenden Gehör die Sendung vermutlich in der Luft zerrissen (ein Blindtest wäre durchaus mal interessant). Mitsingender Moderator, keine klare Linie in der Musikzusammenstellung (äußerst breit für diese Sparte), miserabler Limiter (Kompressor?) und reihenweise Übersteuerungen (Verzerrungen) sowie Artefakte auf meinem Kopfhörer.
Entschuldigung, diesen Mist bekomme ich bei jedem billigen Webradingens™ oder, wenn ich die Moderation nicht ertrage, im so genannten "Auto-DJ".

Randnotiz: Wer sich seine Moderation auch noch durch eine nicht vom Moderator beeinflusste Werbeeinblendung zerschießen lässt, verarscht seine Hörer und hat den Namen "Selbstfahrer" nicht verdient.

Im Ernst: Ist das ein erstrebenswertes Ziel? Und, falls ja, was hat man selber dann davon?

Also ich würde - wäre ich noch oder wieder "Radio-aktiv" - die Frage nach den kleineren Sendern spontan mit "man kann viel mehr selbstbestimmter Moderator sein, der ein ordentliches Programm fährt" beantworten.
Und tatsächlich gibt es da draußen genug kleinere Webradiosender, die neben einer Menge Schrott im Programm auch die echten Perlen zu bieten haben - sowohl qualitativ wie auch inhaltlich und moderativ. Allerdings wird das nicht so stark vermarktet und beworben und man muss echt wie ein Trüffelschwein danach suchen, um sie gezielt einzuschalten; den Schrott davor und danach kann man meist in die Tonne kloppen.

Und überraschenderweise streben diese wirklich guten Moderatoren nicht nach vermeintlich höherem.
Ich kann es sogar nachvollziehen, wenn man von einem "Großen" wieder weg möchte. Aber mal ehrlich: Ist es ein Prädikat, bei einem dieser Sender gewesen zu sein? Was sagt das aus, und: Wer lässt sich davon beeindrucken?

Ist ein "großes" Internetradio auch wirklich ein gutes - oder glaubt man das nur, weil alle es nachplappern und sich keiner eine eigene, durchaus auch mal kritische Meinung bildet?
 
Danke, dass Du den Faden aufnimmst. Ich hatte durchaus gehofft, dass sich daraus eine Diskussion entwickeln könnte.

Was bin ich froh, dass du mich nicht gehört hast, ich hatte nämlich zwischen den Jahren "frei". ;)

Aber im Ernst: Das von dir genannte Beispiel ist sicherlich ein Negatives, auch wenn es hier so etwas verloren in der Luft steht und nicht mit "belastbaren Fakten" belegt ist. Ich könnte dir auch viele gute Gegenbeispiele nennen und behaupte einfach mal, dass bei vielen Großen insgesamt weniger Spreu und mehr Weizen zu finden ist.
Dazu kommt persönlicher Geschmack - ich habe Kollegen, an deren Sendungen ich mich nicht satt hören kann und andere, mit denen ich lieber nen Kaffee trinken gehe, als sie On Air zu hören. Trotzdem haben auch die in der Regel ihr Publikum, da mache ich mich nicht zum Maß aller Dinge.

Du unterstellst mir aber ja indirekt die Behauptung, dass ich kleinen und kleinsten Sendern per se die Qualität absprechen würde - das tue ich mitnichten, daher war meine Frage an den Suchenden durchaus ernst gemeint.

Ich für mich finde aber, dass Radio machen nicht zuletzt dann Spaß macht, wenn man auch gehört wird - und zwar gerne von mehr als 10 Zuhörern. Nicht wegen des vermeintlichen Geltungsbedürfnisses alleine, sondern weil das auch durchaus mehr Interaktion und Feedback ermöglicht.

Selbstbestimmtheit ist für mich sehr wichtig. Selber nehme ich mir aber auch die Freiheit, mich nicht in ein zu enges Korsett zwängen zu lassen. Meine Moderationen spiegeln meine Persönlichkeit wieder - das geht durchaus auch im eher "formatierten" Webradio; ich lasse mich doch nicht verbiegen, nur weil ich die entsprechenden "Claims" benutze.

Was den Anspruch an die Qualität der eigenen Sendung angeht - nun, den hat man oder hat man nicht. Ich kann nur "für uns" behaupten, dass die Messlatte durchaus hoch liegt. Was man dann daraus macht, liegt aber wie überall sonst vor Allem an einem selbst. Ich persönlich "airchecke" mich regelmäßig und lasse das auch von Dritten tuen; auch ich fahre durchaus mal Montagssendungen und es gibt Tage mit der berühmten "toten Katze im Mund", aber es geht darum, immer besser zu werden und aus Fehlern zu lernen. Nicht darum, nie welche zu machen.

Deiner These, nur im Kleinen selbstbestimmt und qualitativ hochwertig fahren zu dürfen, der widerspreche ich deutlich.

Ich teile aber deine Auffassung (sofern meine Interpretation deiner Aussage zutrifft), dass es insgesamt viel zu wenig moderierte Sendungen gibt - einfach, weil es nach unserer Erfahrung auch kaum noch guten und engagierten Nachwuchs gibt.
Vielleicht liegt das an zu wenigen inspirierenden Beispielen oder Vorbildern, sei es im UKW oder im Web.
Und viele Leute glauben auch, dass ein guter Moderator sich durch gutes Equipment alleine auszeichnet, was natürlich ein Irrglaube ist. Scheiße klingt auch mit sattem Sound nicht besser. ;)
Ich kann nur jedem, der sich für dieses Thema begeistern kann empfehlen, sich auszuprobieren, seinen Stil zu entwickeln und es einfach zu versuchen - ob im Großen oder Kleinen, was gut ist, wird sich immer durchsetzen.

Noch ein kurzer technischer Nachsatz: Wir haben bei uns volle Kontrolle über die Platzierung der Werbeblöcke innerhalb der Stundenuhr. Je nach Ausspielweg wirst du als Hörer aber mit individueller Werbung im Rahmen des Einschaltens beglückt; die kontrolliere ich natürlich nicht, das bedeutet, so ein Spot kann dir leider durchaus meine beste Moderation des Jahres zerschießen oder, wenn ich Glück habe, auch meine mieseste. Isso. ;)
 
iGude :)
Das von dir genannte Beispiel ist sicherlich ein Negatives, auch wenn es hier so etwas verloren in der Luft steht und nicht mit "belastbaren Fakten" belegt ist.
Das soll auch so bleiben. Ich werde das jetzt nicht nutzen, um einen Sender oder einen Moderator ungefragt zu bashen oder über den grünen Klee zu loben; die Phase der Radiobewerbungen und -bewertungen ist vorbei. Es gibt lediglich noch den Thread Aircheck bzw. Streamcheck für (Web-)Moderatoren (momentan geschlossen, wird auf Anfrage aber gerne wieder von @Guess who I am geöffnet für neue Aspiranten), aber solange der Kollege sich da nicht freiwillig zur Bewertung stellt, werde ich ihn öffentlich nicht outen (was wir privat miteinander besprechen, geht keinen was an ;)).

Natürlich gibt es bessere und auch richtig gute Kollegen; ich halte es aber für einen Denkfehler, diese ausschließlich bei den vermeintlichen Großen zu suchen. Was erwartet mich da? Auto-Streams? Kriege ich bei fast jedem besseren Webradio. Wo also liegt der Mehrwert? Gute Moderatoren? Ja vielleicht, wenn sie denn mal senden; die von mir durchforsteten Sendepläne sprechen da eine andere Sprache, doch dazu später mehr.
Ich für mich finde aber, dass Radio machen nicht zuletzt dann Spaß macht, wenn man auch gehört wird - und zwar gerne von mehr als 10 Zuhörern. Nicht wegen des vermeintlichen Geltungsbedürfnisses alleine, sondern weil das auch durchaus mehr Interaktion und Feedback ermöglicht.
Hier unterstelle ich Dir einen Widerspruch. Eine Falle, in die viele gerne tappen. Vielleicht bist du nicht "einer von denen", aber ich argumentiere mal meinen Standard hinunter:
Die Moderationsleistung darf nie nie nie niemals von der Zahl der Hörer abhängen! Und: Ja, das ist ein Geltungsbedürfnis! Wie moderierst Du denn, wenn Du nicht über einen Rückkanal die Zahl Deiner Hörer weißt? Die Interaktion würde ich auch kicken: Chat ist nur was für Chatter, der die nicht-chattenden Hörer de facto ausschließt (was einen beträchtlichen moderativen Aufwand bedeutet) und die Mail ins Studio ... ach, da hat mal ein Kollege während seiner Sendung zu zwei verschiedenen Themen die Hörer aufgefordert, ihm dazu zu schreiben. Kam aber nichts mehr. Entweder hat keiner was dazu geschrieben oder er hatte keinen Sendeplatz dafür. Und was machst Du mit denen, die weder chatten noch mailen, sondern einfach nur zuhören wollen?
Interaktion ist ein möglicher Mehrwert, sollte aber - von speziell darauf ausgerichteten Formaten abgesehen - nie dominierend sein.

Nehmen wir als "Karriereziel" mal terrestrisches Radio an (UKW oder DAB+). Dann sendest Du und hast so ziemlich gar keine ernsthafte Rückmeldung über die aktuellen Hörerzahlen. Aber ich vermute - und hoffe! -, dass Du Dir in so einer Situation den Allerwertesten aufreißen wirst, um die Hörer an ihren Empfängern zu erreichen und zu halten.
Das geht beim Bürgerfunk (in Hessen: Nichtkommerzielles Lokalradio, NKL) oder beim Veranstaltungsfunk so und ich sage, aus Erfahrung: Auch ohne Rückkanal kann man da verdammt gut arbeiten. Da ist dann nichts mehr mit Chat und für die "Mail ins Studio" wirst Du froh und dankbar um jeden Kollegen sein, der Dir im Hintergrund assistiert.

Was also ist Dir wichtiger? Aufgeilen an Hörerzahlen oder einfach nur richtig tolles Radio machen ohne Ahnung, wer und wie viele davon Dir zuhören?
Meine Moderationen spiegeln meine Persönlichkeit wieder - das geht durchaus auch im eher "formatierten" Webradio; ich lasse mich doch nicht verbiegen, nur weil ich die entsprechenden "Claims" benutze.
Da stimme ich Dir zu. Natürlich unterliegt man Sendervorgaben, Verpackungen und Stundenuhren, ohne die eigene Persönlichkeit aufgeben zu müssen. Aber dann kommt dieser unberechenbare Faktor "Führungsprobleme". Manche Machtmenschen toben sich da unqualifiziert aus. Andere wiederum dulden keine anderen Sendungsarten neben der ihnen einzig richtig erscheinenden usw. usf..
Bei kleineren Webradios kommt das besonders schlimm zum tragen; aber auch große bleiben davon nicht gänzlich verschont. Mittlere Führungsebenen sind da ein ganz besonderes Problem. Und nicht jede "Führungskraft" ist souverän genug, die ihr unterstellten Pflänzchen auch sprießen und gedeihen zu lassen, bis sie vielleicht sogar eine dieser Pflanzen dann beerben kann (und: will!).
Deiner These, nur im Kleinen selbstbestimmt und qualitativ hochwertig fahren zu dürfen, der widerspreche ich deutlich.
Auf Dich mag es wie ein "dürfen" gewirkt haben; ich meinte es aber als "können" bzw. "besser / eher können". Kommen wir auf dieser Ebene zusammen?
(...) dass es insgesamt viel zu wenig moderierte Sendungen gibt - einfach, weil es nach unserer Erfahrung auch kaum noch guten und engagierten Nachwuchs gibt.
Das ist mir einerseits etwas zu einfach und andererseits auch zu billig. Auf mich wirkt das wie ein "ich bin ein großes Webradio und die guten Moderatoren werden mir von ganz allein zulaufen". Zum einen ist es aber nicht so (sonst gäbe es bei anderen Sendern nicht auch richtig gute Moderatoren) und zum anderen gibt es ja auch genug Mitbewerber, die ebenfalls um Moderatoren buhlen - und dabei vielleicht mit anderen Attributen punkten können als mit Größe.

Lass' mich kritisch an die Sache herangehen: Was tut denn z.B. ein großer Sender zur Nachwuchsförderung? Gibt es da Ansätze, vielversprechende angehende Radiomenschen früh an sich zu binden, sie zu stärken und vielleicht sogar zu fördern? Oder nimmt man nur vorhandenes "Material" und verbrennt es? Die anderen werden es schon richten?
Dann wäre das Gejammer über fehlenden Nachwuchs (Nachschub?) aber wahrlich fehl am Platze.

Fakt ist - seit jeher -, dass jeder gerne selber Radio spielen will, am besten gleich Chef und nur er alleine. Dem standen früher™ gewisse organisatorische und technische Probleme entgegen, die es zu überwinden galt. Da war es eine sinnvolle Alternative, erst mal als Moderator zu beginnen und sich in die Welt des "wie mache ich eine gute Sendung?" einzufuchsen.
In Zeiten der fast überall und leicht zu bekommenden Streams kann jeder sein eigener Chef sein und eröffnet meist gleich drei parallele Kanäle - und wenn der eine zugrunde geht, eröffnet man den nächsten. Wozu also sich die Mühe machen und was lernen?

Ein Beispiel:
Angenommen, ich gründe ein Webradio und möchte nicht alles kreuz und quer auf dem Main verbraten, sondern meine Hörer in Spartenkanäle locken:
  • Aktueller Pop & Charts
  • Oldies
  • Schlager
  • Techno & Trance
  • Black & Co.
Ich möchte an sechs Tagen in der Woche mindestens von 18 - 22 Uhr in Zwei-Stunden-Blöcken moderiert senden lassen. Allein dafür benötige ich je Tag schon 20 verschiedene Moderatoren bzw. DJs - und bereits das ist alles andere als klein. Da ich meine personellen Ressourcen aber nicht überstrapazieren möchte, muss ich diesen Mindestbedarf mit einem gewissen Faktor multiplizieren, und damit wird es langsam unübersichtlich. Dennoch ist mein Problem hausgemacht. Würde ich hingegen 2 Kanäle streichen und alles andere auf einen gut organisierten Hauptstream legen, könnte ich mit ±20 bis 25 Moderatoren schon verdammt viel reißen.
Gefragt ist hier also nicht die Masse, sondern der intelligente Einsatz der Klasse. So kann Größe die Lösung sein statt zum Problem zu werden. (Der Fairness halber: Nennen wir es "mittelständisch")

Es gibt noch viele weitere Aspekte, die eine Rolle spielen, aber das geht im Augenblick viel zu weit.
Und viele Leute glauben auch, dass ein guter Moderator sich durch gutes Equipment alleine auszeichnet, was natürlich ein Irrglaube ist. Scheiße klingt auch mit sattem Sound nicht besser.
Da bin ich voll bei Dir. Leider gibt es aber auch durchaus brauchbare Moderatoren, die durch den Einsatz unpassender oder falsch eingestellter Technik einen Abschaltimpuls auslösen - und auch hier muss ich feststellen, dass dieser Fehler bei vielen Webradios, ganz unabhängig von ihrer Größe, auftritt. Nicht zuletzt, weil keiner hinhört - oder aber, weil keiner sich traut, das Maul aufzumachen. Von extern eher selten und intern fast nie.
Noch ein kurzer technischer Nachsatz: Wir haben bei uns volle Kontrolle über die Platzierung der Werbeblöcke innerhalb der Stundenuhr. Je nach Ausspielweg wirst du als Hörer aber mit individueller Werbung im Rahmen des Einschaltens beglückt; die kontrolliere ich natürlich nicht (...)
Ja, ich kenne diese Technik; ich habe selber damit gearbeitet. Es ist händelbar und kann perfekt in den Sendeablauf integriert werden; im von mir gehörten Beispiel war das leider nicht der Fall, obwohl ich sofort erkannt habe, was da zum Einsatz kam.
Das Beispiel mit dem Einschaltspot tut nichts zur Sache: Wenn ich einschalte ohne Werbung zu Beginn und gerate mitten in Deine Moderation, kannst Du ja auch nichts dafür. Nein, ich meine schon den vom Moderator beeinflussbaren Sendeablauf - der im konkreten Fall vergeigt wurde.

Kurz und gut: Würde ich wieder auf Sendung gehen wollen, würde ich das Aufnahmeverfahren bei einem der Großen sicher schaffen. So viel Selbstbewusstsein (und Erfahrung!) ist da. Aber ich will es nicht, und damit sind wir beim Kern Deiner Frage.
Unter so einem Teamleiter - oder wie auch immer man die Position benennt - möchte ich nach so einer Hörprobe gar nicht nicht senden: Der Zoff wäre vorprogrammiert. Und ich würde auch gar kein Teamleiter sein wollen; er hätte diesbezüglich nichts zu befürchten. Also übersteht man das nur, wenn einem der Sender und die Kollegen scheißegal sind, und dann kann ich's auch gleich sein lassen.

Meine Vermutung: Auch die guten Moderatoren bleiben trotz besserer Perspektiven bei eher mittelmäßigen, kleineren Sendern - weil sie sich da ganz einfach wohl(er) bzw. besser aufgehoben fühlen. :cool:
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Like
Reaktionen: dea
Das soll auch so bleiben. Ich werde das jetzt nicht nutzen, um einen Sender oder einen Moderator ungefragt zu bashen oder über den grünen Klee zu loben[...]
Das war auch keinesfalls eine Aufforderung, das zu tun. Ich bin froh, dass du nicht in die Falle getappt bist, die ich gar nicht hatte stellen wollen. ;)
Die meisten Kollegen, die ich so kenne -und ich selber auch- sind übrigens dankbar für ehrliches und konstruktives Feedback.
Unter Anderem dafür gibt es bei uns diverse Kontaktmöglichkeiten, und ich freue mich, wenn da etwas kommt, was über "Fand ich gut vong Sendung her" hinausgeht. Das schönste Feedback bekam ich mal in Form eines "Fresskorbes" per Post, aber auch Schriftliches bin ich durchaus zu akzeptieren bereit. ;)
Man kann es nicht jedem Recht machen, aber von fundierter Kritik glaube ich sehr profitieren zu können und gehöre durchaus zu denen, die so etwas lesen und ernst nehmen.

Die Moderationsleistung darf nie nie nie niemals von der Zahl der Hörer abhängen!
Dem stimme ich zu 100% zu! Und anders will ich auch nicht verstanden werden, bitte.

Für mich ist Radiomoderation Interaktion zwischen zwei Menschen; wieviele "zwei Menschen" es sind, ist für die Qualität absolut bedeutungslos. Das ist wie mit Kunstwerken - deren Schönheit wird auch nicht vom Preis bestimmt.

Und: Ja, das ist ein Geltungsbedürfnis!
Natürlich! Das nimmt meiner zuvor getätigten Aussage nichts von ihrer Bedeutung, aber im Ernst - wenn es mir egal wäre, wie viele Menschen zuhören, dann könnte ich auch (wie früher im Kinderzimmer) auf Kassette aufnehmen und so tun als ob.

Zu wissen, da ist jemand - natürlich ist das toll. Und das so zu sehen, nicht verwerflich. Oder?

Die Interaktion würde ich auch kicken: Chat ist nur was für Chatter, der die nicht-chattenden Hörer de facto ausschließt (was einen beträchtlichen moderativen Aufwand bedeutet) und die Mail ins Studio ... ach, da hat mal ein Kollege während seiner Sendung zu zwei verschiedenen Themen die Hörer aufgefordert, ihm dazu zu schreiben. Kam aber nichts mehr. Entweder hat keiner was dazu geschrieben oder er hatte keinen Sendeplatz dafür. Und was machst Du mit denen, die weder chatten noch mailen, sondern einfach nur zuhören wollen?
Interaktion ist ein möglicher Mehrwert, sollte aber - von speziell darauf ausgerichteten Formaten abgesehen - nie dominierend sein.

Chatradio mache ich nicht. Und Interaktion bedeutet ja nicht, dass alle sich beteiligen müssen - Gott bewahre. ;)
Aber zu gewissen Themen ist es immer schön, Rückmeldungen zu bekommen, Hörermeinungen einzufangen oder einfach mal ein Spiel am Telefon zu spielen - und selbst ein simpler Musikwunsch zählt dazu und hat seinen Platz. Die Mischung, die Menge und die Platzierung macht es - und ganz ohne wäre mir zu langweilig. Und dann ist es eben einfache Mathematik: Je mehr Hörer, desto höher die Chance, entsprechende "Einsendungen" zu bekommen. Und kommt da nichts, dann liegt es an mir, nicht am Hörer, dem ich dann leider nicht vermitteln konnte, was ich von ihm wollte.

Was also ist Dir wichtiger? Aufgeilen an Hörerzahlen oder einfach nur richtig tolles Radio machen ohne Ahnung, wer und wie viele davon Dir zuhören?

Wie wäre es denn damit: Richtig geiles Radio für möglichst viele Hörer? Das ist mein Ansatz, und dem stelle ich mich mehrmals pro Woche verdammt gern.

Auf Dich mag es wie ein "dürfen" gewirkt haben; ich meinte es aber als "können" bzw. "besser / eher können". Kommen wir auf dieser Ebene zusammen?

Ich habe das (gute) Gefühl, dass wir überhaupt gar nicht weit auseinander liegen, was unsere grundsätzlichen Auffassungen so angeht.
Ansonsten kann ich nur für mich ganz alleine sprechen: Bei den kleinen Sendern bei denen ich war, war ich, wenn ich das so formulieren darf, künstlerisch weit, weit weniger frei als jetzt.

Was tut denn z.B. ein großer Sender zur Nachwuchsförderung?

Ich bitte um Verständnis, dass ich auch ein wenig meine Anonymität hier und die des Senders wahren möchte und daher nicht näher darauf eingehe. Ich glaube aber sagen zu dürfen, dass es bei uns sehr gute Kollegen gibt, die sich sehr systematisch genau damit auseinandersetzen und sich darum sehr gut kümmern.

Ein Beispiel:
Angenommen, ich gründe ein Webradio und möchte nicht alles kreuz und quer auf dem Main verbraten, sondern meine Hörer in Spartenkanäle locken:
  • Aktueller Pop & Charts
  • Oldies
  • Schlager
  • Techno & Trance
  • Black & Co.

Das Thema wäre einen eigenen Faden wert...ich bin gar kein Freund von Spartenkanälen; lieber wäre mir ein Sender, der in der richtigen Mischung von Allem etwas bietet - vielleicht zu bestimmten Zeiten, auf die man sich einstellen kann.
Die Existenz der Spartenkanäle hat nur einen einzigen Grund: Die Hörer "im Hause" zu halten. Man kannibalisiert sich lieber selbst, bevor das Andere tun.

Unter so einem Teamleiter - oder wie auch immer man die Position benennt - möchte ich nach so einer Hörprobe gar nicht nicht senden: Der Zoff wäre vorprogrammiert. Und ich würde auch gar kein Teamleiter sein wollen; er hätte diesbezüglich nichts zu befürchten. Also übersteht man das nur, wenn einem der Sender und die Kollegen scheißegal sind, und dann kann ich's auch gleich sein lassen.

Meine Vermutung: Auch die guten Moderatoren bleiben trotz besserer Perspektiven bei eher mittelmäßigen, kleineren Sendern - weil sie sich da ganz einfach wohl(er) bzw. besser aufgehoben fühlen. :cool:

Du hast inhaltlich völlig Recht, allerdings kann dir das bei einem Kleinen genau so auch passieren - oder du hast Glück, und beim Großen ist es vielleicht gar nicht so arg schlimm.

Übrigens:
Du unterstellst mir aber ja indirekt die Behauptung, dass ich kleinen und kleinsten Sendern per se die Qualität absprechen würde - das tue ich mitnichten, daher war meine Frage an den Suchenden durchaus ernst gemeint.
Gelesen? ;)
 
Na klar. :)
Zu wissen, da ist jemand - natürlich ist das toll. Und das so zu sehen, nicht verwerflich. Oder?
Nein, verwerflich ist es nicht. Ganz im Gegenteil, es ist höchst menschlich - bedient es doch die Eitelkeit und streichelt das Ego (und schlimmstenfalls kränkt es die Eitelkeit).

Wäre ich der Betreiber eines Webradios (der heimlich-hinterlistige Wunsch einiger altgedienter Mitstreiter hier, der jedoch nie in Erfüllung gehen wird :p), würde ich technische Maßnahmen ergreifen (lassen), dass die Moderatoren während der Sendung nicht in der Lage sind, die aktuellen Hörerzahlen abzurufen bzw. einzusehen.
Und kommt da nichts, dann liegt es an mir, nicht am Hörer, dem ich dann leider nicht vermitteln konnte, was ich von ihm wollte.
Nicht so ganz. Du kannst das tollste Thema präsentieren, zur Beteiligung auf welchem Kommunikationskanal auch immer aufrufen und mich trotzdem nicht in die Sendung bekommen. Dennoch liegt es nicht an Dir, wenn ich einfach nicht will.

Ja, vielleicht bist Du sogar so gut, dass ich ganz gebannt am Radio bleiben möchte und die Antworten der anderen und Deine Reaktion darauf hören möchte, statt mich selber an den Rechner zu setzen.
Blöderweise gönne ich mir nämlich den Luxus einer Tastatur (auch: Laptop) und muss nicht jede Grütze im Wahnsinnstempo auf einen Touchscreen tippseln. Dann bin ich einfach nur der gut unterhaltene, aber stumme Zuhörer, von dem Du einfach keine Ahnung hast. Oder ich bin der Hausmann, der sein WLAN-Radio in der Küche stehen hat und sich nebenbei von Dir besumseln lässt. Den bekommt kein Moderator der Welt an die Tastatur.
...ich bin gar kein Freund von Spartenkanälen; lieber wäre mir ein Sender, der in der richtigen Mischung von Allem etwas bietet - vielleicht zu bestimmten Zeiten, auf die man sich einstellen kann.
Ja, da stimmen wir überein. :)
Die Existenz der Spartenkanäle hat nur einen einzigen Grund: Die Hörer "im Hause" zu halten. Man kannibalisiert sich lieber selbst, bevor das Andere tun.
Ups, das allerdings ist interessant. Eine steile These.
Vielleicht wirklich etwas für einen eigenen Thread.

Nun habe ich erneut reingehört - andere Sparte, sozusagen. Komplett fehlerfrei, 100 Punkte. Und dennoch: Langweilig.
Wie das?
Die Perfektion war technischer Natur. Es fehlte: Die Seele.

Keine Sorge - Du warst es nicht, denn der Werbeblock legte sich automatisch über einen Musiktitel, was Dir, nach Deiner Aussage, ja nicht passiert. :cool:

Ja, ich denke, unsere Wellenlängen sind weitgehend gleich. Allein der Glaube an das Gute der großen Sender trennt uns.
 
Dann bin ich einfach nur der gut unterhaltene, aber stumme Zuhörer, von dem Du einfach keine Ahnung hast. Oder ich bin der Hausmann, der sein WLAN-Radio in der Küche stehen hat und sich nebenbei von Dir besumseln lässt. Den bekommt kein Moderator der Welt an die Tastatur.

Selbstverständlich, aber auch damit ist der Zweck ja erreicht. Solange du nicht aus-, oder schlimmer umschaltest, ist doch alles gut.

Ja, da stimmen wir überein. :)

Huch! :)

Ups, das allerdings ist interessant. Eine steile These.
Vielleicht wirklich etwas für einen eigenen Thread.

Das ist eine Überlegung wert...aber der Hintergrund ist ganz sicher so.
Das ist wie bei MediaMarkt und Saturn - die gehören ja schließlich auch der selben Mama, wissen auch nur die Wenigsten. Der Hintergrund ist der gleiche.
Da, wo`s in irgendeiner Form kommerziell und damit werberelevant wird, zählen häufig die Gesamthörer, und nicht die des einzelnen Spartenkanals. Die sind im Detail dann nur für die Werbekunden interessant, die die entsprechende spezielle Hörerschaft erreichen wollen - die anderen buchen das Paket und die Gesamtreichweite.

Nun habe ich erneut reingehört - andere Sparte, sozusagen. Komplett fehlerfrei, 100 Punkte. Und dennoch: Langweilig.
Wie das?
Die Perfektion war technischer Natur. Es fehlte: Die Seele.

Keine Sorge - Du warst es nicht, denn der Werbeblock legte sich automatisch über einen Musiktitel, was Dir, nach Deiner Aussage, ja nicht passiert. :cool:

Ich bezog mich nur auf Moderation, nicht auf Musik. Da geht es manchmal tatsächlich nicht anders...das ist nicht immer schön, aber die Erklärung würde hier den Rahmen sprengen. ;)

Ob ich es war oder nicht-ist ja sekundär. Die 100 Punkte sind ja durchaus ein Kompliment, die von dir als fehlend wahrgenommene "Seele" ist natürlich ein dickes Manko. Das ist eben manchmal so - was der eine toll findet, spricht den anderen nicht an. Das ist persönliches Empfinden, das jedem zusteht - und sich hier nicht diskutieren lässt. Auch, wenn man in die Breite streuen will - jeden wird man nie erreichen. Und vermutlich wird das auch schwieriger, wenn der Empfänger "vom Fach" und (zu recht) besonders anspruchsvoll ist. Aber: Man wächst ja mit seinen Aufgaben... ;)

Ja, ich denke, unsere Wellenlängen sind weitgehend gleich. Allein der Glaube an das Gute der großen Sender trennt uns

Das ist doch eine schöne Erkenntnis. Und kollegialer Dissens ist ja nichts Schlimmes - viel schlimmer sind faule Kompromisse. In dem Sinne: Einen guten Start in die neue Woche! :)
 
Status
Für weitere Antworten geschlossen.
Oben