Radioszene in Südtirol


Radiocat

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Wer hören möchte, wie man es garantiert nicht machen sollte, dem sei der "Südtiroler Rundfunk" empfohlen. An Skurillität ist dieses Programm allerdings nicht zu überbieten, man muss es fast schon wieder unter Denkmalschutz stellen inklusive der teilweise abenteuerlichen Sendeanlagen.
 

TORZ.

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Ja, der Südtiroler Rundfunk stellt für mich schon auch eine Art Faszinosum dar. Das fängt allein schon damit an, dass man ihn nicht über das Internet, sondern nur über UKW in Südtirol hören kann, setzt sich mit der Machart des Programms fort und gipfelt in den teils wirklich haarsträubenden, sehr einseitigen Ansichten, die dort verbreitet werden.
Das Interessante ist ja, dass dieser Sender gewissermaßen gegen den Lauf der Zeit ansendet. Wenn man sich mal alte Aufnahmen des Programms, beispielsweise aus den 80ern anhört, wird man feststellen, dass es natürlich auch damals schon sehr amateurhaft war, was da in den Äther geschickt wurde, dafür aber mit einer gewissen sympathischen Ausstrahlung, einem ganzen Haufen Werbekunden und mit einer gewissen Resonanz, die in Hörerwunschsendungen mit offenbar recht reger Beteiligung ersichtlich wird. Eben diese Resonanz scheint dem Programm heutzutage völlig abzugehen, was man aber auch irgendwie verstehen kann. Während der Sender früher vor allen Dingen unterhaltenden Charakter hatte und nur zur vollen Stunde Nachrichten sendete, wird dort heute gewettert, geklagt und Stimmung gemacht, was das Zeug hält. Unter diesen Bedingungen fänden sich heute wohl gar nicht mehr ausreichend Hörer, um eine Sendung zu produzieren, an der sie sich beteiligen sollen. Auch die Werbekunden bleiben unter diesen Voraussetzungen weitestgehend aus und so ist natürlich keine wirklich nennenswerte Investition ins Programm mehr möglich, was eben dazu führt, dass der Sender so klingt, wie er klingt, was wiederum Hörer und Werbekunden fern hält. Ein Teufelskreis.
Der SRF war also vielleicht irgendwann mal anhörbaar, natürlich schon immer etwas altbacken, aber auch nicht viel schlimmer als manche Sendungen auf den ersten Programmen der ARD zu dieser Zeit. Was jedoch mittlerweile dort verbreitet wird, ist wohl schlicht und ergreifend in die Kategorie "alt und verbittert" einzuordnen.
 

Radiocat

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Absolut. Was ich da hörte, war so skurill, dass ich es im Auto als Beifahrer mit dem Handy mitschneiden musste. Das glaubt ja sonst keiner. Naja, die Faszination der Südtiroler Sender ist dahin. Am ehesten kann man noch Radio Holiday und Radio Sonnenschein als "echte" handgemachte Südtiroler Sender bezeichnen. Holiday ist musikalisch auf Hits/Mainstream (war es aber früher auch, damals als einer der wenigen) und Sonnenschein hat eine, nun ja, recht spezielle Musikfarbe. Immerhin spielt man sehr viele Südtiroler Interpreten. Der Rest ist Formatradio, wie wir es in Deutschland und Österreich auch kennen. Entweder läuft AC oder Schlager/Oldies, gerne noch mit volkstümlichem Touch. Was eigentlich fehlt, ist ein richtig junges Format. Musikalisch bin ich in Südtirol meist bei den italienischsprachigen Stationen hängen geblieben. Bessere Musik und flotter präsentiert. Der Südtiroler neigt in der Sprechweise bisweilen zu dem Rhythmus, den ich auch aus Ostbelgien kenne.
 

Habakukk

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Offtopic:
Ja, der Südtiroler Rundfunk ist schon was sehr spezielles und politisch auch relativ weit draußen. Gleiches gilt ja für Radio Südtirol aus nahezu gleichem Hause. Da würde man wohl schon gerne weg von Italien.
Beim Südtiroler Rundfunk wundere ich mich auch immer wieder über die in gestochenem Hochdeutsch vorgetragenen Meldungen und eine zeitweise sehr auf Deutschland ausgerichtete Berichterstattung. Wer spricht denn da? Das wird doch auch nicht von anderen deutschen Programmen übernommen?

Radio Südtirol ist fast noch seltsamer als der Südtiroler Rundfunk. Dort gibt es anscheinend nur zeitweise Programm, von einem beständigen Sendebtrieb war da eigentlich schon lange nicht mehr die Rede. Wenn man mal sendet, ist die Musikmischung recht durcheinander, von Schlager bis Rock ist dort alles zu hören. Radio Südtirol (wahlweise mit Hit davor, oder auch als News-Radio bezeichnet, das real gar keine News sendet) dürfte aktuell nur noch im Unterland südlich von Bozen, sowie zwischen Bozen und Meran zu hören sein. Auf vielen ex-Frequenzen von Radio Südtirol sendet heute der Südtiroler Rundfunk. Der ist nun z.B. in Sterzing deshalb gleich auf drei Frequenzen zu hören. Andere ex-Radio Südtirol-Frequenzen sind jetzt schon jahrelang einfach off-air.
 

TORZ.

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Absolut. Was ich da hörte, war so skurill, dass ich es im Auto als Beifahrer mit dem Handy mitschneiden musste. Das glaubt ja sonst keiner. Naja, die Faszination der Südtiroler Sender ist dahin. Am ehesten kann man noch Radio Holiday und Radio Sonnenschein als "echte" handgemachte Südtiroler Sender bezeichnen. Holiday ist musikalisch auf Hits/Mainstream (war es aber früher auch, damals als einer der wenigen) und Sonnenschein hat eine, nun ja, recht spezielle Musikfarbe. Immerhin spielt man sehr viele Südtiroler Interpreten. Der Rest ist Formatradio, wie wir es in Deutschland und Österreich auch kennen. Entweder läuft AC oder Schlager/Oldies, gerne noch mit volkstümlichem Touch. Was eigentlich fehlt, ist ein richtig junges Format. Musikalisch bin ich in Südtirol meist bei den italienischsprachigen Stationen hängen geblieben. Bessere Musik und flotter präsentiert. Der Südtiroler neigt in der Sprechweise bisweilen zu dem Rhythmus, den ich auch aus Ostbelgien kenne.
Also, für mich ist Südtirol nach wie vor ein faszinierendes Radioland, finde ich dort doch immer noch die eine oder andere Besonderheit. Einige Programme sind auch deutlich weniger hektisch als in Deutschland.
Ich muss aber einschränkenderweise sagen, dass ich vielleicht nicht ganz so glücklich wäre, würde ich in Südtirol wohnen. Einen Südtiroler Rundfunk würde ich beispielsweise allein schon wegen seiner politischen Ausrichtung bolkottieren, Radio (2000) Edelweiß sähe ich wahrscheinlich schon bald als Frequenzverstopfung an (absolut nicht meine Musik und quasi keine redaktionellen Inhalte) und vielleicht wäre ich dankbar um die Übernahmen der ORF-Radios oder die große Vielfalt, die die RAS auf DAB+ anbietet, um eine Alternative zu den einheimischen Sendern zu haben. So höre ich aber doch immer mal wieder bei den Programmen von jenseits des Brenners rein, einfach, weil sie anders klingen. Mein Favorit ist übrigens RAI Südtirol. Ein Gemischtwahrenladen, bei dem ich immer wieder überrascht werde, mit einer Atmosphäre, die mir beständig das Gefühl gibt, mit dem Team des Senders gemütlich im Wohnzimmer zu sitzen. Man hat es hier geschafft, alte Tugenden und traditionen zu bewahren, ohne dabei so ewig gestrig zu klingen wie beispielsweise der Südtiroler Rundfunk.
Offtopic:
politisch auch relativ weit draußen.
Ja, in der Tat. Ein Blick auf die "Hauszeitung" spricht nach dem, was ich gehört habe (mit Screanreadern ist das Dokument leider nicht zugänglich) wohl Bände.
Beim Südtiroler Rundfunk wundere ich mich auch immer wieder über die in gestochenem Hochdeutsch vorgetragenen Meldungen und eine zeitweise sehr auf Deutschland ausgerichtete Berichterstattung. Wer spricht denn da? Das wird doch auch nicht von anderen deutschen Programmen übernommen?
Also der "heiße Draht zum Weltgeschehen" ist eine Übernahme der Nachrichten des Deutschlandfunks und auch die Presseschau von dort habe ich bei meinen leider viel zu seltenen Südtirol-Aufenthalten schon hören können. (Hit)Radio Südtirol übernimmt ebenfalls einige Beiträge aus Köln, die einfach wahllos ins Programm eingestreut werden. Ich denke nicht, dass davon beim DLF irgendjemand Kenntnis hat. Gut fände man das sicherlich nicht, dass die eigenen Beiträge in einem solchen Umfeld laufen.
Radio Südtirol ist fast noch seltsamer als der Südtiroler Rundfunk. Dort gibt es anscheinend nur zeitweise Programm, von einem beständigen Sendebtrieb war da eigentlich schon lange nicht mehr die Rede. Wenn man mal sendet, ist die Musikmischung recht durcheinander, von Schlager bis Rock ist dort alles zu hören. Radio Südtirol (wahlweise mit Hit davor, oder auch als News-Radio bezeichnet, das real gar keine News sendet) dürfte aktuell nur noch im Unterland südlich von Bozen, sowie zwischen Bozen und Meran zu hören sein. Auf vielen ex-Frequenzen von Radio Südtirol sendet heute der Südtiroler Rundfunk. Der ist nun z.B. in Sterzing deshalb gleich auf drei Frequenzen zu hören. Andere ex-Radio Südtirol-Frequenzen sind jetzt schon jahrelang einfach off-air.
Oh ja, Radio Südtirol. Auch so ein Sender, aus dem ich nicht so ganz schlau werde. Die Webseite ist jedenfalls ... nun ja, sagen wir einmal interessant. Offenbar ist da jemand dem Satanismus sehr zugetan.
Die Musikmischung ist das, was offenbar entsteht, wenn man den Mediaplayer seines geringsten Misstrauens auf zufällige Wiedergabe stellt. Von Klassik (in der Halle des Bergkönigs) über Marschmusik, volkstümliche Klänge, Schlager und Popmusik bis hin zu "Mein Block" von Sido ist da wirklich alles dabei, immer unterbrochen von demselben, auf die Dauer ziemlich nervigen Jingle.
Man kann derzeit übrigens auch mal wieder online reinhören. Da muss ich dem Sender immerhin lassen, dass er in 192 KBPS streamt. Wow, das kriegen noch nicht einmal die Programme der ARD auf die Reihe.
Mensch, langsam wird es vielleicht echt Zeit für ein eigenes Thema "Radioszene in Südtirol" im Unterforum "Radioszene weltweit". Der Gesprächsstoff scheint ja vorhanden zu sein.
 
Zuletzt bearbeitet:

StabsstelleIV

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Programms fort und gipfelt in den teils wirklich haarsträubenden, sehr einseitigen Ansichten, die dort verbreitet werden.
Oh ja, man muss sich auf der"Homepage" in dieser Hauszeitung mal die vielseitige (viele Seiten) Hetze gegen den Isdlam durchlesen, weiter vorne kann man finden, wie freudig die deutschen Nazitruppen 1943 von der Bevölkerung empfangen wurde, was um alles in der Welt ist denn das für ein [zensiert]-Laden?
 

TORZ.

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Ja, Deine Schilderungen dessen, was auf der Website zu lesen ist, decken sich mit dem, was ich schon von anderen darüber gehört habe. Schon schlimm, sowas.
 

Radiocat

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Den Torggler würde ich als Südtiroler Separatisten bezeichnen. Man darf allerdings aufgrund der besonderen Geschichte Südtirols diesen Separatismus nicht unbedingt mit Nationalsozialismus gleichsetzen, wendete er sich doch stets gegen die faschistischen Bestrebungen Mussolinis. Wenn man sich anschaut, wie seinerzeit mit Südtirol umgegangen wurde (Verbot deutscher Sprache, Besiedlung insb. von Bozen durch italienschsprachige Zuwanderer, offizielle Abschaffung des Namens Tirol zugunsten des Begriffs Überetsch (Ato Adige), dann kann man manches auch wieder nachvollziehen. Allerdings übertreibt es der Herr Torggler und, was besonders kritisch zu sehen ist, es findet keine Trennung von Nachricht und Kommentar statt. Ich hatte selbst vor ein paar Jahren dort eine Meldung gehört, die nahtlos in 3-minütige Tiraden überging...wurde innert einiger Tage mehrfach gesendet, und zwar auch beim "Schwesterprogramm" des Sohnemanns. Schaut man sich die Seite dieses "(Hit)radio Südtirol" an, wird es noch merkwürdiger mit den Themenbereichen "Schwarze Magie" und "Die Gesetze Satans" etc. Ich verlinke sie daher hier absichtlich nicht. Der Kerl scheint nicht alle Latten am Zaun zu haben. So sympathisch mir kleine, unabhängige und bisweilen skurille Sender auch sind, das ist einfach nur Kuhscheiße und gehört eigentlich aus dem Äther.
 

TORZ.

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Ja, natürlich hat Südtirol eine besondere Geschichte hinter sich, mit welcher ich mich vor einiger Zeit sehr ausführlich beschäftigt hatte. Natürlich ist es nicht unbedingt angebracht, Aussagen aus Südtirol 1:1 durch die Deutsche Brille zu betrachten. Ich kenne selbst Leute, die diesen Fehler begehen und denen ich jedes mal aufs Neue versuche, die spezielle Situation von Tirol an Etsch und Eisack zu erklären und ein bisschen mehr Verständnis für die Einheimischen zu haben. Insofern bin ich nun wirklich niemand, der hinter jedem Anflug von separatistischem Gedankengut gleich einen strammen Nazi vermutet, aber Texte, in denen Hitler und seine Truppen glorifiziert werden, sind selbst für Südtiroler Verhältnisse absolut nicht in Ordnung.
Der Kerl scheint nicht alle Latten am Zaun zu haben. So sympathisch mir kleine, unabhängige und bisweilen skurille Sender auch sind, das ist einfach nur Kuhscheiße und gehört eigentlich aus dem Äther.
Gibt es in Südtirol denn irgendsowas ähnliches wie eine Medienaufsicht, die da mal eingreifen könnte?
 
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